Interessante Gedanken zu Körperausscheidungen

Eine Punkband namens Pisse aus Hoyerswerda spielt in Berlin und singt im ersten Lied:

Du bist perfekt

Das Arschloch, das sich selber leckt.

Das berichtet die taz.

Fäkalien und überhaupt Körperausscheidungen sind ein immer interessantes Thema, nicht nur für Punks und Kinder. Vielleicht geht es einfach um Authentizität, die man im Umfeld von Körperausscheidungen vermutet, weil sie schlecht steuerbar sind. Und Scham ist garantiert authentisch.

Vermutlich ist das Thema eine hilflose Reaktion für die Alltagsperversion, die, beispielsweise, so

oder so


aussehen.

Der täglichen Lüge durch den Versuch von Authentizität entkommen. Mit Arschlecken, Pisse und Punkmusik. Spontan in so ein Regal reinurinieren könnte man als emanzipatorischen Akt bezeichnen. Dazu hört man die Supermarktpropaganda, die versichert, dass man Lebensmittel liebe. Was ist die Pisse gegen den Claim? Der gemeine Bürger würde sich vermutlich über die Pisse im Regal aufregen, nicht über den Claim.

Vielleicht sollte man besser in den Supermarktlautsprecher pissen.

Komischerweise fällt mir in diesem Zusammenhang die gestrige „120-Dezibel“-Demo ein: 500 Nazi-Frauen – wobei es vielleicht mehrheitlich Nazi-Männer mit Perücken waren – versuchten, durch Kreuzberg zu ziehen. Angenehm, dass es hier immer noch genügend Leute gibt, die das zu unterbinden wissen. Ein paar Straßenblockaden und der Spuk ist vorbei, zumindest in Kreuzberg.

Wie stehen eigentlich Nazis zu Pisse und Arschlecken? Was macht Herr Poggenburg mit seinem Anus? Dran rumspielen? Darf ein Nazi das? Darf er es nicht, weil ein Arier sowas nicht tut, und basht er deshalb Türken als Kameltreiber, weil er vermutet, dass die mit den Ani ihrer Kamele rummachen? Ist er neidisch? Lauter interessante Fragen. Vermutlich haben Psychologen zu dem Thema schon ganze Bibliotheken vollgeschrieben. Verlängerung der analen Phase und so.

Einen eigenen Zugang zu Kot und Ähnlichem hatte Heinrich Böll. Er ließ die Protagonistin in Gruppenbild mit Dame, nämlich Leni Pfeiffer, die als Lehrerin oder ähnliches in einer katholischen Schule arbeitet, täglich den Kot ihrer Schülerinnen eingehend untersuchen. Man erkenne dort frühzeitig sich anbahnende Krankheiten, glaubte sie. Sie bekam dann deswegen Probleme mit ihren Vorgesetzten, obwohl die bestimmt total fickerig auf den Kot der Schülerinnen waren.

Böll, der Katholik und das Ausgeschiedene.

Körperausscheidungen als Versuch der Herstellung von Authentizität. Unabgeschlossene Gedanken, deshalb fade out.

(Fotos: genova 2012)

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2 Antworten zu Interessante Gedanken zu Körperausscheidungen

  1. neumondschein schreibt:

    Spontan in so ein Regal reinurinieren könnte man als emanzipatorischen Akt bezeichnen.

    Yo! Kann ich bestaetigen. Das Wasser halten zu muessen, kann echt quaelen. Daher meine Empfehlung: Die Hose runterlassen, damit ihr sie nicht nassmacht, und los…! Dieses Gefuehl, das sich nachher einstellt, von dieser Qual befreit zu sein, ist wahrhaftig Befreiung. Also Emanzipation, wie man das heute nennt!

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  2. stadtauge schreibt:

    sehr gute Scheiß-Gedanken!

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