Wieder einmal: Die Linke, der Antisemitismus und die dummen Kerls

Dem sattsam, wie man sagt, bekannten Demagogen Ken Jebsen sollte gestern Abend in einem kommunalen Berliner Kino ein Preis für „engagierte Literatur und Publizistik“ verliehen werden. (Es kam nicht dazu, siehe den Hinweis am Ende dieses Artikels.) Und zwar von einem rechten, demagogischen Blog mit dem perfiden Namen „Neue Rheinische Zeitung“. Dort gibt es vor allem Querfrontgeplapper und das, was man gerne Israelkritik nennt, also genau das richtige Umfeld für Jebsen. Wer mehr wissen will, liest diesen Beitrag im Tagesspiegel.

Das wäre keine Meldung wert, wenn sich nicht führende Politiker der Linkspartei mit diesen Kameraden nur leicht verblümt solidarisierten. Die bekannten Verdächtigen sind Dieter Dehm, Wolfgang Gehrcke und Andrej Hunko, allesamt Bundestagsabgeordnete. Der Fall zeigt die Anfälligkeit von Teilen der Linken für Antisemitismus. Und da Antisemitismus der Sozialismus der dummen Kerls ist, zeigt es vor allem die Dummheit dieser Leute. Dummheit nicht in dem Sinn von Sarrazin, dass diese Leute die falschen Gene hätten oder an den falschen Gott glaubten, sondern im Sinne Kants: Sie haben einen Verstand mitbekommen – von Gott oder wem auch immer – aber sie weigern sich, ihn zu gebrauchen. Verschwörungen sind einfacher zu handeln.

Die antisemitischen Ausfälle Jebsens sind Legion. Dennoch behaupten seine Fans nach wie vor, Jebsen habe sich nie antisemitisch geäußert bzw. man möge bitte Belege bringen. Bei der gestrigen Veranstaltung waren zudem einschlägig bekannte Leute in beachtlicher Zahl dabei: Der Muslim-Markt beispielsweise war auf der Liste der offiziellen Unterstützer zu finden. Das sind religiös-fanatische Iran-Freunde, die selbst die Todesstrafe für minderjährige Homosexuelle nicht verurteilen. Oder der tatsächlich jüdische Jazzmusiker Gilad Atzmon, der knapp an der Holocaust-Leugnung vorbeischrammt oder nach Meinung anderer den Holocaust schlicht leugnet. Oder die verschwörungsaffine Band „Bandbreite“. Oder die Kölner Arbeiterfotografie. Oder Evelyn Hecht-Galinski, die in ihrem Israel-Hass vermutlich vor allem die Beziehung zu ihrem Vater abarbeitet. Der Jude ist das Übel der Welt – Pardon: Ich wollte nur die Menschenrechtsverletzungen der israelischen Regierung kritisieren. Dehm wiederum glaubt, die deutschen Medien seien „in der Hand von US-Geheimdiensten“.

Vor 30 oder 40 Jahren waren es meines Wissens fast exklusiv Nazis, die so etwas behaupteten. Gehirnwäsche, Umerziehung, das läuft da alles gedanklich mit. Heute ist es ein prominenter Linksparteipolitiker. Man kann sich so ungefähr vorstellen, welche Medien Dehm rezipiert.

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Es sind vor allem ziemlich niveaulose Leute, die sich nun – nicht zum ersten Mal – für die Querfront starkmachen. Es ist nicht möglich, mit solchen Kameraden eine halbwegs vernünftige Diskussion zu führen, da ihr Ausweg immer eine Verschwörungstheorie ist. Erschreckend ist auch, dass der Demagoge, Narzist und Menschenfänger Jebsen nicht einfach als solcher erkannt und gemieden wird. Man versucht tatsächlich, solch völlig unseriöse Leute – die sich mit den lächerlichsten Verschwörungstheoretikern im Stile eines Gerhard Wisnewski gemein machen – ins politische Boot zu holen. Überflüssig zu sagen, dass sich auch die Nachdenkseiten unter Albrecht Müller mit Jebsen und Co. solidarisieren.

Aber, wie gesagt, das Problem sind die Offiziellen der Linkspartei, die sich an diese Antisemiten dranhängen. Auch Lafontaine ist dabei, wenn er behauptet, Querfront und Verschwörungstheorie seien Begriffe, die von „Geheimdiensten“ erfunden und gestreut würden. Mag sein oder nicht, aber die konkreten Verschwörungstheorien und die aktuellen Querfrontbestrebungen von Hunko bis Elsässer sind keine von der CIA oder vom Mossad (bei dem Jebsen übrigens genüsslich anmerkt, dass der auch mit zwei „s“ geschrieben wird). Außerdem sagte Lafontaine noch:

„Die Ausgrenzung politisch missliebiger Meinungen hat in der Linken eine ungute Tradition.“

Es ist eine Offenbarung, die Lafontaine hier betreibt.

Lafontaines Gattin sagt zu dem Thema einfach nichts – politisch raffiniert, charakterlich eine Entblößung.

Der Bundesvorstand der Linkspartei hat nun beschlossen, sich „unmissverständlich von Aktivitäten von Rechtspopulisten, Nationalisten, Verschwörungstheoretikern und Antisemiten, die rechtspopulistische Welterklärungsmuster“ zu distanzieren, die „,Querfront‘-Strategien salonfähig machen wollen“. Die Linke werde mit diesen Kräften „ganz grundsätzlich nicht zusammenarbeiten“. Sehr richtig, doch für diese Selbstverständlichkeit gab es neben 18 Ja- auch 7 Nein-Stimmen und 5 Enthaltungen. 18 zu 12. 40 Prozent Personen im Bundesvorstand der Linkspartei, die sich nicht auf einfachste Aussagen zum Thema Rechtsdemagogen, Querfront und Antisemiten einigen können. Stattdessen behaupten Kameraden wie Hunko ausgerechnet bei diesem Thema, man solle sich doch bitte an Voltaire erinnern, der bekanntlich sein Leben dafür geben wolle, dass auch missliebige Meinungen zu Wort kommen. Ja, können sie natürlich, aber nicht mit Unterstützung einer linken Partei. Hunko scheint aber daran gelegen, Querfrontgestalten unangenehmster Art – Kölner Arbeiterfotografie, Werner Rügemer, den erwähnten Jazzmusiker, Muslim-Markt und andere, ins linke Boot zu holen.

Eine Einschränkung kann man machen: Klaus Lederer, linker Kultursenator in Berlin, hatte via Facebook den Veranstalter Babylon aufgefordert, die Veranstaltung abzusagen. Hintergrund ist, dass das Kino mit jährlich 400.000 Euro Staatsknete subventioniert wird. Das hat ein Geschmäckle, denn Lederers Intervention kann man natürlich als Drohung auffassen, die Gelder zu kürzen. Andererseits sollte spätestens bei Holocaust-Leugnung ein zuständige Senator in der Pflicht stehen, sich zu äußern.

Noch einmal Andrej Hunko: Er kritisiert den erwähnten Bundesvorstandsbeschluss so:

Es ist das Kennzeichen repressiver Systeme, existenzvernichtende Vorwürfe so breit, dehnbar und unscharf zu fassen, dass ein großer Teil Oppositioneller darunter gefasst werden kann und Angst haben muss, selbst dazu zu gehören. Auf dem Höhepunkt des Stalinismus, den Moskauer Prozessen war es der Kontakt zu ‚Trotzkisten‘ oder eben auch, im Fall von Karl Radek, der ‚Querfront‘-Vorwurf, der das Todesurteil bedeutete. In der McCarthy-Ära waren es Kontakte zu Kommunisten oder ‚anti-amerikanische Umtriebe‘, die den zivilen Tod bedeuteten.

Die simple Aufforderung der Partei, nicht mit Antisemiten und Rechtsdemagogen zusammenzuarbeiten, wird zum Kennzeichen eines „repressiven Systems“ inklusive der Gefahr eines Todesurteils. Da erübrigt sich jeder Kommentar, denke ich.

Noch ein kleines Beispiel für die Dummheit eines Linken ist der erwähnte Wolfgang Gehrcke. Die Frankfurter Rundschau kritisierte kürzlich in einem Kommentar die Behauptung Dehms („Antisemitismus ist Massenmord und muss dem Massenmord vorbehalten bleiben.“), weil demnach selbst das Tragen eines Judensterns kein Antisemitismus sei. Eine klar nachvollziehbare Argumentation der FR. Was macht Gehrcke daraus? Das hier:

In meiner langen Zeit als Bundestagsabgeordneter und Aktivist in der außerparlamentarischen Bewegung habe ich keine derartige mediale Hetze erlebt.

Dieter Dehm werde in dem FR-Kommentar

zum Freiwild erklärt.

Empörung, Viktimisierung, blabla. Nicht einmal eine so problematische Definition von Antisemitismus, wie sie Dehm bringt, bringt einen Gehrcke zum Nachdenken. Solche Leute sollten in Rente gehen und Sudoku spielen. Stattdessen sitzen sie im Bundestag.

Bemerkenswert dabei ist die argumentative Nähe zu Pegida et al. Kritik an einer Meinung wird mit einer angeblichen Zensur und Verhinderung von Meinungsfreiheit gleichgesetzt. Jebsen und die Kollegen hauen täglich ihre Meinung raus, sie nutzen Kanäle wie youtube oder Facebook und haben dort so ziemlich alle Freiheiten. Kein Mensch fordert, ihnen das Internet wegzunehmen. Man soll sie offenbar nicht kritisieren dürfen. Sie wollen Opfer sein, das entlastet.

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Die diesbezüglich vernünftigen Linken sollen hier auch genannt werden: Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer, zum Beispiel, der sich nach seiner deutlichen Positionierung gegen die Aluhüte einem Shitstorm ausgesetzt sah, die Ex-Bundestagsabgeordnete Halina Wawzyniak, der Berliner Stefan Liebich, Anne Helm und viele mehr.

Das Problem mit diesen Leuten wiederum: Sie sind in vielen Politikfeldern faktisch Sozialdemokraten. Sie machen neoliberale Politik mit, sie wenden sich nicht ernsthaft gegen Gentrifizierung, sie sind nur für kosmetische Reparaturen an den herrschenden Verhältnissen zu haben. Das ist zuwenig. Der Fall Andrej Holm – der vor gut einem Jahr designierte Staatssekretär und klar linke Gentrifizierungskritiker – zeigte das exemplarisch: Man unterstützte ihn kaum gegen die rechte Hetze und ersetzte ihn durch einen lammfrommen Realpolitiker, von dem man seither nichts gehört hat.

Einem aktuellen Querfrontsympathisanten wie Wolfgang Gehrcke halte ich zumindest zugute, dass er noch von Klassenkampf redet. Bei Wawzyniak und Co. dagegen diesbezügliche Seichtigkeit:

Digitalisierung, Globalisierung und Umweltzerstörung verlangen einen globalen Blick.

Sag bloß. Mit solchen Leuten ist ein Staat zu machen, und zwar genau der, den wir haben.

Die aktuelle rot-rot-grüne Regierung in Berlin zeigt das Dilemma: Man freut sich, wenn man bei einem Altbau das Vorkaufsrecht ausübt, ändert aber an der massenhaften und täglichen Ausbeutung von Menschen, die schlicht nur wohnen, überhaupt nichts. Es sind Bürokraten, die mit der Verwaltung der herrschenden Verhältnisse schon alle Hände voll zu tun haben. Damit will ich diverse kleine Fortschritte in anderen Politikbereichen nicht kleinreden. Aber wer an die großen Themen nicht rangeht, sollte abtreten. Solche Leute braucht – außer dem Kapital – kein Mensch.

Hanina Wawzyniak schreibt in einem Beitrag für die Zeit, dass man die Querfrontler nicht aus der Partei ausschließen, sondern abwählen solle:

Letztlich müssen die Mitglieder entscheiden. Sie können Personen, die der Querfront nahestehen, entweder weiterhin in Ämter und Mandate heben – oder ihnen eine klare Absage erteilen. Im Juni 2018 wird ein neuer Parteivorstand gewählt. Es wird ein Glaubwürdigkeitstest.

Ja, aber wen sollte man stattdessen reinwählen? Wenn dann nur noch die Lederers, die Liebichs und die Wawzyniak sitzen, ist das Projekt einer linken Partei erledigt.

Vielleicht sollte sich die Partei undogmatischen Linksradikalen öffnen. Leuten, die ernsthaft die Systemfrage stellen, die Kante zeigen, die zumindest den Versuch unternehmen, die Massen in Verantwortung zu mobilisieren. Vorher mögen sie einen Unvereinbarkeitsbeschluss unterschreiben: Kein Antisemitismus, keine Querfront, keine Zusammenarbeit mit den üblichen Verdächtigen und zum Thema Israel am besten die Klappe halten. Kein Jude braucht einen Rat ausgerechnet von einem Deutschen.

Zugegeben: Dieses Szenario ist nicht realistisch. Wir haben bei der Linkspartei also die Wahl: Querfrontdeppen oder Sozialdemokraten. Wo in Gottes Namen sind die linksradikalen Antiquerfrontler?

Es wird Zeit, sich nach etwas anderem umzuschauen.

P.S.: Eine lobenswerte Rolle in dieser innerlinken Auseinandersetzung spielt das neue deutschland, das sich wiederholt kritisch mit Jebsen und der Querfront beschäftigte und auch die junge welt positioniert sich mittlerweile klar. Keine Selbstverständlichkeit. Der Querfront selbst dürfte diese Positionierung nur ein weiterer Beweis dafür sein, dass linke Medien vom Mossad unterwandert sind.

Update, da ich diesen Artikel schon vor zwei Tagen geschrieben habe: Jebsen hat gestern, Donnerstag, gegen 16 Uhr, also zwei Stunden vor der Preisverleihung, seine Teilnahme an der Veranstaltung überraschend abgesagt. Sein Kumpel Florian Ernst Kirner behauptete bei Twitter danach allen Ernstes, Jebsen „hat die ihm gestellte Falle gerade noch rechtzeitig erkannt und sich mit einem unglaublich mutigen Schritt aus den Verstrickungen dieser ´Preisverleihung` befreit.“

So geht Legendenbildung. Dieser Querfronthaufen besteht offensichtlich in der Tat ausschließlich aus peinlichen Wichtigtuern. Aber ganz wichtig: den Weltfrieden retten.

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(Fotos: genova 2017)

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13 Antworten zu Wieder einmal: Die Linke, der Antisemitismus und die dummen Kerls

  1. Anarchrist schreibt:

    Mal davon abgesehen, dass ich mich gegen den Zensurversuch Lederers gegen Ken an diversen Stellen sehr kritisch geauessert habe – frei nach dem Motto Voltaires, „Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, daß Sie sie äußern dürfen“ – habe ich schon seit geraumer Zeit erkannt, dass Ken Jebsen nicht nur ein bischen ‚rechts‘ ist.

    Nur ein Beispiel von Jebsen: „Der Faschismus kommt natuerlich indem er sagt ‚Ich bin der Antifaschismus‘ […] links und rechts […] gibt es so gar nicht mehr […] natuerlich gibt es Rechtsradikale, das ist das kleinste Problem in diesem Land“. https://www.youtube.com/watch?v=JGLv2KdPViQ

    Sein quasi permanentes undifferenziertes Gehetze gegen Linke und das Verharmlosen oder Verschweigen von Rechten und Rechtsextremen macht es offensichtlich. Ebenso schlimm finde ich allerdings, dass die Mainstreampresse – u.a. sogar relativ ‚linke‘ Blaetter – auch nicht zu differenzieren vermag und die wenigen wirklich ‚linken‘ Leute, mit denen Ken zu tun hatte in den selben Topf wirft wie Ken.

    Die Art seines Geschnatters macht ihn fuer mich schon komplett unsympathisch, mal abgesehen vom Inhalt, aber was er sich auf der serbischen (wenn ich mich recht entsinne) Muellkippe geleistet hat, schlug bei mir dem Fass den Boden raus. Da war ein kleiner Hund in einer gefuellten Kloakengrube (offener Betonschacht, Wasserstand etwa 1m unter Oberkante) gefangen, den er darin hat ersaufen lassen statt ihn raus zu holen. Wollte sich wohl nicht schmutzig machen, der feine Herr. Dabei war der Kleine so suess.

    Hier Ken, so geht das:

    —-
    „Es wird Zeit, sich nach etwas anderem umzuschauen.“
    Hatte auch schonmal die Idee die MLPD zu waehlen, muss mich aber erstmal richtig schlau machen. Die SGP, welche das WSWS betreibt, ist glaube ich nicht mein Ding. Beim WSWS wurden etliche Artikel veroeffentlicht, die den Tenor ‚Wagenknecht ueberholt Merkel und die CDU rechts aussen‘ verinnerlicht haben, was mir doch arg an der Realitaet vorbei gewettert erscheint.
    —-

    Lieben Gruss nach Berlin, wo ich 1978 mitten durch die Mauer in den Westen fliehen konnte, und ein frohes Fest.

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  2. genova68 schreibt:

    Ja, auch die bürgerliche oder linksbürgerliche Presse differenziert nicht. Sicher hat Jebsen auch interessante Leute zu Gast, aber das ist wie mit dem Wetter in Deutschland. Es ist nur zufällig und manchmal gut. Deswegen macht man hier nicht Urlaub und deswegen guckt man nicht KenFM. Davon abgesehen halte ich einstündige Interviews in den meisten Fällen für zu lang. Man kann das alles kürzen. Ich erinnere mich nur an das eine Interview, das ich zu ca. drei Vierteln sah: Ein schwäbischer Trampolinhersteller, der eine Art neues Facebook zusammenbasteln will. Es war ein reines PR-Interview, komplett affirmativ, und das Facebook existiert bis heute nicht und wird auch nie existieren. Der Typ kam selbstredend dem Verschwörermilieu. Dennis Hack heißt er. Wer einen Eindruck von dem bekommen möchte, was Jebsen kritischen Journalismus nennt:

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  3. neumondschein schreibt:

    Jung & Naiv (Politik fuer Desinteressierte) Teil der Querfront?

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  4. neumondschein schreibt:

    und deswegen guckt man nicht KenFM

    Und exportabel-genova tut es doch.

    Ich erinnere mich nur an das eine Interview, das ich zu ca. drei Vierteln sah:

    Ausserdem ist es sicher richtig, dass man ueber alles reden kann, nur nicht ueber eine halbe Stunde. Auf der anderen Seite muesste Ken dann noch etwas mehr Verantwortung uebernehmen, denn der Gast koennte den Eindruck gewinnen, der Sinn seiner Aussagen waere durch das Kuerzen entstellt worden. Und bei vielen Gaesten stoert die lange Dauer auch nicht. Ich habe meisten nur nicht so viel Zeit. Ja, ich schaue manchmal auch. Aber nur ganz selten. Weil ich nur selten Zeit habe. Und manchmal sind die Gaeste interessant. Bei Guenther Gaus (die Aelteren werden sich erinner) waren die Interviews auch nicht kuerzer. Und die Interviews, die frueher oefter mal im Radio gefuehrt wurden, ebenso nicht kuerzer. Da hat man aber Pausen eingelegt und Musik gespielt.

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  5. neumondschein schreibt:

    Die Aussage „Der Feind steht links“ muss man im Kontext sehen, in dem die Aussage fiel. Das ist bei KenFM recht haeufig so. Im vorliegenden Falle bildet die Ukraine-Krise den Kontext. Da muss man im Auge behalten, wie sich die genannten Parteien und Tageszeitungen positioniert haben. Gewoehnlich sehr interessegesteuerte Zeitungen wie das Handelsblatt hielten sich zurueck. Ganz besonders linke Kraefte haben sich dagegen bedingunslos hinter voelkische rechte, antidemokratische, antisemitsche, faschistische Kraefte gestellt. Da kann man sich nicht damit herausreden, dass deren Gegner nicht weniger antisemitsch/antimodern und sonstwie problematisch sind. Ken stellt hier nur fest, dass so ein stinkiges Blatt wie die taz eine groessere Gefahr fuer die deutsche Demokratie und fuer den Frieden darstellt als eine NPD-Fraktion in einem ostdeutschen Stadtrat. Denn so scheisse die NPD auch sein mag, sie kann gluecklicherweise nur geringen Einfluss auf den Diskurs ausueben. Dass die NPD scheisse ist, wissen naemlich zumeist selbst die Waehler. Linke Kraefte stehen an vorderster Front, wenn es darum geht, soziale und demokratische Rechte abzubauen, wie selbst genova herausgefunden hat. Das, was man den Rechten also bestaendig vorwirft, tun die Linken selbst. Linke Kraefte sind es auch, die staatliche Repression vorantreiben, im vorgeblichen „Kampf gegen Rechts“, gegen „Hatespeech im Internet“. Linke Kraefte brauchen keine Rechten dazu. Irgenwelche Buergermilizen, Freikorps u.ae. Die haben sie nicht noetig. Die unterbinden akademische Diskurse mit physischer Gewalt, wo die staatliche Gewalt wegen ihrer demokratischen Verfassung nicht hinreicht.

    Kurz: Oben genannter Auftritt taugt nicht dafuer, sich ein Urteil, noch dazu ein vernichtendes ueber Ken zu bilden.

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  6. genova68 schreibt:

    Linke Kraefte sind es auch, die staatliche Repression vorantreiben, im vorgeblichen „Kampf gegen Rechts“, gegen „Hatespeech im Internet“.

    Das ist ein mittlerweile geläufiges Argument der neuen Nazis. Sie gramen sich ob der vermeintlichen staatlichen Repression. Rechts gibt es eigentlich gar nicht, deshalb die Anführungszeichen. Das Gleiche gilt für Hatespeech. Alles Erfindungen fieser Linker, gell?

    Und die taz ist jetzt was? Kämpferin für ukrainische Faschisten? Und die NPD ohne Einfluss? Auf jeden Fall aber harmloser als die taz?

    Danke fürs outen, neumondschein.

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  7. neumondschein schreibt:

    Aber klar doch! Die Linken Kraefte sind die Kriegspartei schlechthin. Das Treiben der NPD ist zwar aergerlich, aber unter Kontrolle. Das Problem mit der AfD ist da schon draengender. Das ist aber nicht die Wirkung Ken Jebsens Auftritten auf Friedensdemos, sondern das Ergebnis des Zusammenwirkens der „demokratischen Kraefte“ insbesondere des linken Teils des politischen Spektrums. Schalte Anne Will und Frank Plasberg ein! Da kannst Du die linken Teile des poltischen Establishment begutachten! Da haetten wir Arnulf Barings, H.B. Broder, Heinz Buschkowsky, Hans-Olaf Henkel, Necla Kelek, Peter Schlotterdick, Thilo Sarrazin. Die uebernachten wahrscheinlich in den ARD-Studios, sooft sie dort auftreten. Diese Kraefte erzaehlen dir etwas von Fluechtlingen, den Moslems, von den Gefahren, die von ihnen und von Buergerkriegsfluechtlingen fuer deutsche Maedchen ausgehen, von der Unmoeglichkeit einer menschenwuerdigen Existenz in Deutschland. Als Gegenpartei treten dann deren Parteigenossen, die Ralf Stegner, Matthias Meisner hervor, die fordern, dass sich linke Kraefte bitte von Ken Jebsen distanzieren moegen. Die seien boese und gefaehrlich. Die zaehlen schon gar nicht mehr zu den Linken Kraeften. Abgesehen davon distanzieren sie sich ja selbst schon von ihnen. Genauso machen es viele Stammwaehler, Gewerkschafter, Pazifisten. Denn ein Kampf fuer soziale und demokratische Freiheiten, fuer Frieden, Gerechtigkeit, zivilisatorischen Fortschritt erwartet niemand ausgerechnet von diesen Menschenhassern und Pfaffen. Niemand will und braucht diese Lederer, die Clintons, die Blairs.

    Bei diesem „Kampf gegen Rechts“ und gegen „Hatespeech im Internet“ handelt es sich, so wie er betrieben wird, selbstverstaendlich um Zensur/Repression. Die oeffentlich-rechtliche Hetze, und die der Burda und Springer, die AfD, die echten Neurechten (also die Kubitscheks etc.) betrifft diese Zensur kaum, auch wenn sie am lautesten dagegen schreien. Die Leidtragenden werden wohl Pazifisten, Gewerkschafter, Sozialdemokraten („Linkspopulisten“), auslaendische („Feind“-)Medien sein. Und moeglicherweise auch Ken Jebsen, Nina Hagen, irgendwelche, die an UFOs glauben, …

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  8. genova68 schreibt:

    Ich glaube, die von dir genannten (Baring und Co.) waren alle schon seit Jahren nicht mehr in Talkshows. Die Gegenkräfte (Stegner und Co.) interessieren sich überhaupt nicht für Jebsen.
    Hatespeech im Internet: Würdest du hier Hatespeech verbreiten, müsste ich das löschen, wenn ich dafür nicht zur Rechenschaft gezogen werden wollte.

    Und Kubitschek kann sich natürlich äußern, soweit er das ohne Hatespeech hinkriegt.

    Mir ist dein Problem nicht klar.

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  9. neumondschein schreibt:

    Ich glaube, die von dir genannten (Baring und Co.) waren alle schon seit Jahren nicht mehr in Talkshows.

    Nicht nur keine Zeit, KenFM zu schauen, sondern auch keine Zeit fuer Anne Will. Die Qualitaet duerfte sich wohl nicht verbessert haben. Abgesehen davon haben diese Hetzer erheblichen Anteil an der Verrohung der Gesellschaft. Die verschwindet nicht nach ein paar Jahren von selbst. Pedram Shahyar! Zerr mal eine Kindergaertnerin an Deinen Roten Tisch, die dem Publikum geduldig erklaert, was es mit den Horrorgeschichten ueber die angebliche Fruehsexualisierung im Kindergarten auf sich hat! Das waere doch einmal ein Fausthieb gegen PEGIDA und AfD, der mehr Wirkung erzielen wuerde, als alle Aktivitaeten gegen eine angebliche Querfront, zu der auch er angeblich dazugehoert oder Schreien „Kill Trump/Putin/Erdogan“.

    Die Gegenkräfte (Stegner und Co.) interessieren sich überhaupt nicht für Jebsen.

    Doch tun sie.

    Hatespeech ist so ein Gummibegriff. Normalerweise gibt es buergerliche Freiheiten wie Freiheit der Wissenschaft und Lehre, der Presse und der Meinungsfreiheit. Demgegenueber stehen Paragraphen gegen Volksverhetzung, Persoenlichkeitsrechte, Urheberrechte etc. Jeder Einzelfall wird vor Gericht entschieden. Die tun sich oft schwer. Hatespeech ist hingegen ein Begriff, der juristisch nicht existiert, und im Prinzip keinen Inhalt enthaelt. Kommerziellen Plattformbetreibern zuzumuten, Inhalte zu vernichten, und willkuerlich die o.g. Rechte zu verletzen, auf der Grundlage einer vermuteten Interpretation eines schwammigen Begriffes ist Flucht ins Privatrecht, Selbstzensur, staatliche Repression. Garantiert nicht demokratisch. Geschaedigten wird hierbei grundsaetzlich die Moeglichkeit genommen, ihre o.g. Rechte einfordern zu koennen. Ihre Gegenseiten existieren quasi dabei nicht. Da druecken irgendwelche Idioten anonym irgendeinen Knopf, geben irgendeinen vorgestanzten blabla-Grund an (Sexismus, Rassismus), ohne ihn naeher begruenden zu muessen. Wenn etwa christliche Fundis meinen, schwules Leben sei „ekelhaft“, oder Darwins Evolutionstheorie sei „Hassrede“, dann waeren sie in jedem Falle im Recht. Jeder, der irgendetwas publizieren wollte, muesste dann in saemtlichen Publikationen alle Einwaende von saemtlichen Fanatikern, Exzentrikern, Spinnern beruecksichtigen, die sich gestoert fuehlen koennten. Demokratisch ist so etwas bestimmt nicht

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  10. genova68 schreibt:

    Also, ich weiß nicht so recht. Ich habe hier keine Agenda, schon gar nicht in die Richtung, politisch irgendwas zu bewirken. Das ist doch nur ein kleiner Blog.

    Hatespeech: Auf Facebook wird täglich tausendfach in diese Richtung publiziert, es gibt faktisch keine Möglichkeit, das juristisch zu verhindern. Insofern halte ich es schon für sinnvoll, dass das Unternehmen selbst etwas tut. Man könnte ja das Ganze einmal eine Weile laufen lassen und dann eine erste Bilanz ziehen. Sicher kann der Begriff auch missbraucht werden. Aber wir kennen das doch: Wird im Kommentarbereich eines Blogs oder einer ähnlichen Institution das Pöbeln geduldet, gibt es bald nur noch Pöbler. Ein Beispiel dafür war früher der Spiegelfechter. Der Pöbel siegt. Ein Gegenbeispiel ist der Tagesspiegel, der Pöbeleien nicht mehr freischaltet. Es ist ein wesentlich angenehmeres Lesen dort.

    Online ist noch relativ neu und ich halte es für sinnvoll, das Pöbeln, das Drohen etc. zu sanktionieren. Die Leute müssen halt lernen, sich schriftlich in der Anonymität halbwegs zivilisiert auszudrücken. Im real life würden sie das nie machen.

    Schwules Leben ekelhaft zu finden: Sollte man das löschen? Meiner Meinung nach nicht. Was ist mit einem Behinderten, der sabbert? Darf man das ekelhaft nennen? Solche Sachen würde ich immer durchgehen lassen.

    Klar, vielleicht gibt es das Problem der politischen Korrektheit, wo fängt das an, wo hört das auf? Das Problem ist wohl, dass facebook eine private Firma ist. Sowas gehört in Staates Hand, zivilgesellschaftliche Kontrolle. Aber, wie gesagt: Den aktuellen Zustand finde ich sehr verbesserungsbedürftig. Denn alles mögliche, was da an strafrechtlich Relevantem geschrieben wird, wird faktisch nicht verfolgt, zu viel Aufwand.

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  11. genova68 schreibt:

    https://www.jungewelt.de/m/artikel/324085.wer-fürchtet-die-aufklärung.html

    Interessant zu sehen, wie Jebsen am Rad dreht. Für den Egomanen läuft es nicht so wie geplant. Nun ist auch die junge welt ein Feind und der neue Stürmer. Auf YouTube findet sich ein langes Interview mit ihm von der Zeitschrift Rubikon. Für einen Hobbypsychologen wie mich nett zu sehen.

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  12. neumondschein schreibt:

    https://www.jungewelt.de/artikel/324086.ken-jebsen-und-j%C3%BCrgen-els%C3%A4sser-der-gemeinsame-feind-steht-links.html

    https://www.jungewelt.de/artikel/324085.wer-f%C3%BCrchtet-die-aufkl%C3%A4rung.html

    Wobei ich auch nicht in allen Punkten mit diesen Artikeln zufrieden bin. Antifaschismus ist nicht ausschliesslich links. Sonst waeren Stauffenberg, die Geschwister Scholl, kirchliche Kreise keine Antifaschisten. Um bei mir als links zu gelten, gehoert mehr als Antifaschismus, wobei man hierzu auch den Terminus „Faschismus“ definieren sollte, so dass er anno 2017 ausserhalb des Kontextes der 1930er Jahre Sinn ergibt. Trump z.B. ist ein ordinaerer alter Sack, mindestens so scheisse wie alle anderen Republikaner auch, aber Faschist? Wenn man das nicht auseinanderhaelt, werden antidemokratische Haltungen schnell zu Antifaschismus umgelogen.

    Spiegelfechters Kommentarkurve ist zwar manchmal schraeg aber nicht zu beanstanden. Schliesslich hat er ja eines Tages auch exportabel-genova hinausgeworfen. Jeder Blogbetreiber definiert also fuer sich selbst, was ein konstruktiver Beitrag zu seinem Artikel darstellt. Da gehen die Ansichten auseinander. Wobei schlechtes Benehmen nicht das entscheidende Problem in Blogkommentaren darstellt. Da kann man darueberstehen. Der Tagesspiegel hingegen ist das Blatt fuer Pfaffen.

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  13. genova68 schreibt:

    Du bist mir ein Zausel.

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