Tiere, Massen, Menschen und der Pranger

Mitten in die Jamaika-Sondierungen hinein platziert die FAZ einen deutlich positionierten Artikel gegen Massentierhaltung:

„Die Massentierhaltung gehört verboten. Wenn die Grünen sich bei der Jamaika-Sondierung nicht durchsetzten, wäre das eine Schande.“

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Mich würde interessieren, wie viel Prozent der Bundesbürger sich öffentlich für eine Fortsetzung der Tierquälerei aussprechen. Ich vermute, eine ziemliche Minderheit.

Andererseits gibt es die Massentierhaltungslobby. Diese Leute kennt man kaum, vermutlich scheuen sie das Licht und leben so abgedunkelt wie die von ihnen misshandelten Kreaturen.

Die FAZ weiter:

„In der Massentierhaltung lässt der Mensch sich auf tierische Weise gehen. Der Mensch geht, und die Sache Tier kommt. Er verzichtet dann darauf, sich als Mensch zu denken. Er betäubt sich als Mensch, trainiert die Abstumpfung, damit er das Tier als Sache denken, ausbeuten und misshandeln kann, bis es als eingeschweißtes Fleischprodukt im Handel ist.“

Es mag naiv oder auch kalkuliert sein, dem Menschen grundsätzlich positive Eigenschaften anzudichten, aber letztlich ist das egal. Der Mensch muss sich betäuben, um Massentierhaltungsfleisch zu essen oder gar es zu produzieren. Es würde auch jeder Schlachter sich bedanken, würde er durch Tierschutz arbeitslos, zumindest theoretisch.

Ein Artikel, den ich in seiner Deutlichkeit bislang nur in der taz vermutet hätte, zeigt vielleicht ein Umdenken. Wahrscheinlich nicht bei der Lobby. Naturgemäß sind die beiden Parteien mit dem C im Namen vorne dabei, wenn es um die Fortsetzung legalisierter Tierfolter geht. Keine Merkel, kein Seehofer und kein CDU-Kommunalpolitiker aus dem Emsland lassen sich das Geschäft entgehen.

Hat sich Jens Spahn noch nicht zum Thema geäußert? Sind ihm die Hühner nicht zu hippstermäßig?

Dank des Niedriglohnsektors ist Deutschland übrigens seit Jahren Fleisch-Exporteur. Hierzulande wird so viel Massentierhaltungsfleisch produziert, wie man sagt, dass die Deutschen alleine das gar nicht alles essen können.

Übel wäre, beließe man das Thema auf der individuellen Ebene. Es ist ja nett, wenn der Einzelne entscheidet, kein Fleisch aus Massentierhaltungs zu kaufen, aber es ist unterm Strich egal. Es ist Aufgabe der Politik, der Massentierquälerei ein Ende zu bereiten, und begründen muss man da nichts mehr.

Vorschlag an die FAZ-Redaktion: Berichtet über die Politiker und Lobbyisten, die sich gegen die Abschaffung der Massentierhaltung einsetzen, gerne mit Bild und Ton. Diese Leute sollten kenntlich gemacht werden so wie Berliner Immobilienmagnaten. Sie können sich ihr Verhaltung nur erlauben, weil sie unsichtbar bleiben, so unsichtbar wie ihre Tiere in der dunklen Box.

Der Pranger als schlichter Ort, an dem man für seine Haltungen geradesteht. Ich schätze, die Massentierhaltung erledigte sich von selbst.

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