Von deutschen Helden

Alexander Gauland von der AfD will „stolz sein auf Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen“. Er will offenbar die Stimmen der paar deutschen Nazis, die noch nicht AfD wählen.

Wie auch immer: Vor ein paar Tagen weilte ich, wie man sagt, im südpfälzischen Bad Bergzabern. Dort gedenkt man auf einem zentralen Platz den Helden des Zweiten Weltkriegs, also implizit den Wehrmachtssoldaten. Wenn das Helden waren, dann hat Gauland recht: Auf Wehrmachtssoldaten dürfen wir stolz sein. In der örtlichen Marktkirche gedenkt man den Helden in ähnlicher Manier. Pikanterweise ist Bad Bergzabern sechs Kilometer von der französischen Grenze entfernt und in besagtem Krieg massiv zerstört worden. Die Helden haben kurz zuvor Leningrad ausgehungert, Vernichtungskriege geführt und ganze Dörfer ab- und die Bewohner verbrannt.

Aber selbst, wenn man all die Verbrechen außen vor lässt: Worauf genau soll man bei diesen Helden stolz sein? Offenbar aufs Kriegsführen, das war ja der Job der Wehrmachtssoldaten.

Der Nazi Gauland auf der großen Bühne und die passende Infrastruktur im Kleinen: Gut möglich, dass die AfD mit solchen Sprüchen ein nicht zu unterschätzendes Wählerreservoir anzapft.

Zumindest in Bad Bergzabern.

(Foto: genova 2017)

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9 Antworten zu Von deutschen Helden

  1. hANNES wURST schreibt:

    Was Du hier verzapfst ist doch wieder einmal nichts als verschwörerische AFD Verunglimpfung und auch eine Beleidigung aller Vaterlandshelden. Ich habe auf Google Maps nachgeguckt: es gibt gar kein Leningrad!

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  2. genova68 schreibt:

    Entschuldige, ich ziehe den Beitrag zurück. Ich möchte auf keinen Fall als vaterlandsloser Geselle dastehen.

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  3. Stolz ist ein flexibler Begriff. Respekt vor bestimmten Einzelaspekten der Einsatzbereitschaft ist doch wohl diesesmal erkennbar gemeint – und sicherlich nicht der generelle Stolz auf das unfreiwillige Aushungern von Leningrad. Wie sieht es denn aber mit dem Respekt für freiwillige BW-Truppen in fremden Ländern aus ? Die Menge macht nicht die Moral aus. Jeder Tote zählt einzeln.

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  4. genova68 schreibt:

    Welche Einzelaspekte sollen das denn sein? Mir fällt als einzige respektable Leistung eines Wehrmachtsoldaten das Desertieren ein. Aber ich vermute, Gauland hat genau die nicht gemeint.

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  5. hANNES wURST schreibt:

    Was ist ein „Held“? Was ist eine „respektable Leistung“? Das ist so vollkommen nichtssagend, als würde man behaupten, unter den Wehrmachtsoldaten hätte es auch „gute Menschen“ gegeben. Insofern finde ich die Gedenksäule in Bergzabern völlig in Ordnung. Opa war für mich (als Bergzaberner) ein Held, denn er hat in Leningrad einen Cowboy erschossen oder im Hürtgenwald auch die Amerikaner verarztet (u.a. vielleicht Hemingway und Salinger https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnter_St%C3%BCttgen).

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  6. genova68 schreibt:

    Eine respektable Leistung ist es, viele Jahre lang einen Blog zu befüllen, den keiner liest.

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  7. hANNES wURST schreibt:

    Welcher Künstler schielt denn schon auf Abrufzahlen? Der Künstler muss tun, was er tun muss. So war es auch bei Henry Darger.

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  8. Die Vermutung dürfte nur zutreffen, wenn Gauland einen niedrigen IQ hätte. Desertion erfordert Mut, wie sich jeder denken kann und ist eine respektable persönliche Entscheidung. Welche positive Annahme hätte allerdings ein Wehrmachtssoldat über die Vertreterstaaten des traditionellen Imperialismus, über den US-Bankenkapitalismus oder gar über das Bolschewistenreich haben können, auf dem Stand der damaligen Erfahrungen ? Sind Kongo 1890, Kenia 1899, Philippinen 1902 und der Holodomor nicht die Blaupause für den Generalplan Ost und ein- und dieselbe Sprache ? Wer hatt´s erfunden ? Alle Verachtung dem Spätzünder. Wer kann mir – nur zum besseren Verständnis – definieren, wann und wo die Moral- und Zeitenwende einsetzte, die dazwischen eine Grenze zog und so dem Wehrmachtssoldaten mehr Naivität, Gottvertrauen und Verteidigungsunlust geboten hätte ? Welcher richtigere Schluss, wäre aus dem finnischen Winterkrieg zu ziehen gewesen ? Sich in die Opferstarre zu begeben ? Ich möchts ja nur mal erklärt bekommen, nichts weiter.

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  9. genova68 schreibt:

    Eine merkwürdige Richtung haben deine Fragen. Der Wehrmachtssoldat hat sich vermutlich nicht mit den Philipinen 1902 oder dem US-Bankenkapitalismus auseinandergesetzt, bevor er polnische Frauen und Kinder verbrannt hat. Ob Spätzünder oder nicht, ob Verbrechen anderer Armeen ode nicht: Die Frage war die nach dem Stolz auf Nazisoldaten, sonst nichts.

    Die Moral- und Zeitenwende, von der du sprichst, gibt es nicht. Relativierungen bezüglich der deutschen Verbrechen sind auch nicht nötig, und die Erwähnung des Holodomor in diesem Kontext soll bitte was verdeutlichen? Dass Stalin ein Verbrecher war? Dass die Rote Armee Kriegsverbrechen auf dem Konto hat? Geschenkt.

    Es ging hier, wie gesagt, einzig um die Frage, ob man auf Nazisoldaten stolz sein soll. Eine Diskussion, deren positive Beantwortung zuletzt die NPD in den 1980er Jahren wollte, danach war mit dem Thema einigermaßen Schluss. Die Wehrmachtsausstellungen in den 1990ern zeigten, dass auch unter CDU-lern ziemlich unangenehme und naziaffine Gestalten zu finden sind, das war´s aber auch. Und jetzt Gauland, kurz vor der Wahl.

    Vielleicht einigen wir uns einfach auf das Selbstverständliche: Die Wehrmacht war eine Scheißarmee, deren unzählige Verbrechen auch in 100 Jahren noch nicht restlos aufgeklärt sein dürften. Stolzsein auf diese Soldaten ist pervers.

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