Urlaubstipp: Mit Vollgas nach Marzahn

Man könnte das Bild als Visualisierung der Apokalypse deuten: Dreispurig mit Vollgas nach Marzahn, als Ausweg bieten sich nur ein Parkhaus und ein Industriegebiet an. Der suburbanen Wüste nicht nur ästhetischer Dauerkatastrophen ist nicht zu entkommen.

Oder man erkennt in dem Schild die Chance, der neoliberal zugerichteten Stadtmitte mit ihren ebenso zugerichteten Menschen zu entkommen. Gerade die sich am progressivsten gebärdenden sind die zugerichtetsten überhaupt. Das Schild wäre somit das Versprechen des Ungewissen, des Nichtkontrollierten, in das man sich dreispurig und ohne Umweg begibt. Dort gibt es vermutlich keine Eisdielen, in denen Neunjährige die lange Schlange verlängern, indem sie erstmal fünf Sorten probieren, bevor sie eine Kugel ordern und wo vor der Eisdiele nicht Dutzende Jungmütter mit diesem feisten Grünwählerinnenbetroffenenblick herumlungern, sondern solche, die mit Übergewicht und künstlichen Fingernägeln beim Kinderwagen die Kippe im Mundwinkel halten. Der einzig effektive Weg aus der neoliberalen Barabarei ist die Verweigerung via Desinteresse.

Vielleicht könnte man in Marzahn einen perfekten Urlaub in einer Mischung aus Abenteuer und Entspannung machen. Man würde mehr Neues erleben als in der Toskana und obendrein wäre die Anfahrt stress- und staufreier. Und Sangria aus Eimern – letztlich das einzige, was interessiert – gibt es dort bestimmt auch.

(Foto: genova 2013)

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2 Antworten zu Urlaubstipp: Mit Vollgas nach Marzahn

  1. neumondschein schreibt:

    Vielleicht beschäftigt sich unser Architekturkritiker jetzt, nachdem er folgendes Video gesehen hat, mit den Dingen, die er als architektonische Apokalypse bezeichnet, ohne sie vorher gesehen zu haben:

    Apropos: nicht mehr ganz so junge Rapper brauchen einen Jugendclub, in dem sie auftreten können.

    Uebrigens: wer russisch gelernt hat, kann seine Kenntnisse dort praktizieren. Gibt auch nette Leute dort. Mehr noch: die meisten Leute sind nett

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  2. Das ist wirklich ein guter urlaubstip. War letztens mal wieder in Marzahn. Man kann dort bei einer seilbahnfahrt das stadtpanorama genießen (kein witz).

    Sangriaeimer habe ich keine gesehen, dafür beim Russen bierflaschen von der größe der Sowjetunion und riesige vodkaflaschen marke »Sojus« mit denen man ohne stau bis in die erdumlaufbahn fliegen kann. Deshalb zeigen auf dem wegweiser auch gleich drei pfeile richtung himmel, weil das schnell geht.

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