Kurz etwas zum deutschen Donald Trump

Endlich sagt´s mal einer:

Über Tote nur Gutes? Geht leider nicht: Helmut Kohl war provinziell, patriarchalisch, abwehrend gegenüber Ausländern, herablassend zu Intellektuellen – und ganz gewiss kein Glücksfall für Deutschland.

Schreibt auf Spiegel-online Michael Sontheimer, Historiker und Sohn des Politikwissenschaftlers Kurt Sontheimer.

Kohl war eine neurotische Dumpfbacke, unbeherrscht, psychologisch zeitlebens auf dem Stand eines 13-Jährigen stehengeblieben, ein Lügner, ein vormoderner, antidemokratischer Machtmensch; Trump nicht unähnlich.

Er passte mit diesen Eigenschaften ganz gut zum toitschen Volk, deshalb wurde er immer wieder gewählt. Geradezu unerträglich seine Auftritte in den Elefantenrunden 1976 und 1980, bei youtube erhältlich. Moralisierend, selbstgerecht, dauerempört. Da waren seine katastrophalen familiären Verhältnisse noch nicht bekannt.

Das „Schwarzbuch Kohl“ beschrieb 1994 detailliert Kohls frühe Verbindungen in die pfälzische Wirtschaft und zu alten Nazi-Größen wie Schleyer und Fritz Ries, seiner Bimbes-Politik die folgerichtig zu den „Ehrenwörtern“ führte. Und dass seine Politik heute nicht als eine des Sozialabbaus gilt, liegt nur an den Verwüstungen, die rot-grün nach ihm anrichtete.

Bei aller Kritik darf man Kohls unbestrittene Verdienste erwähnen: Er machte die pfälzische Küche weltweit bekannt. Kartoffelsuppe, Saumagen, Leberknödel, Dampfnudeln, Flammkuchen, Schnecken, Kirschenplotzer und ein guter Zwetschgenkuchen, dazu einen Schoppen Wein, sind ganz hervorragende Gerichte, die in ihrer charmanten Mischung aus deutscher Derbheit und südländischer Raffinesse in unseren Breitengraden, wie man sagt, ihresgleichen suchen. Wer einmal in der durch und durch katastrophalen Küche Norddeutschlands versucht hat, etwas zu essen, weiß, was ich meine.

Was isst Merkel eigentlich? Vermutlich nichts.

Kohl als Förderer kulturell-kulinarischer Werte – dafür sollte man ihm posthum einen Orden verleihen. Den Rest kippen wir in die Tonne.

 

 

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9 Antworten zu Kurz etwas zum deutschen Donald Trump

  1. neumondschein schreibt:

    Helmut ist kein Grobian! Helmut ist ein Heiliger! Hier bitte sehr!

    Darin heißt es: „Helmut! Helmut! Helmut!“. Und: „Kommt die DMark nicht zu uns, dann kommen wir zur DMark!“. Helmut hat verhindert, dass Massen von Sachsen über Westdeutschland herfallen, um sich an deren Bananen vollzufressen! So muss man das auch sehen!

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  2. neumondschein schreibt:

    Ach ja! Ein sehr bekannter Querfront-Nazi hat der SPD damals grossen Schaden hinterlassen, indem er in seiner Eigenschaft als Kanzlerkandidat dieser Partei die Weisheiten seines Beraters Heiner Flassbecks in die Welt posaunte, dass die Einführung der DMark keineswegs die versprochenen bluehenden Landschaften hervorbringt, sondern den Zusammenbruch der DDR-Volkswirtschaft zur Folge haben wird. Sankt Helmut durfte daraufhin 8 weitere Jahre regieren. Obwohl unser bekannter Ober-Querfront-Nazi im Prinzip recht hatte und der weitere Verlauf der Geschichte ihm recht gab. Wie heißt es so schön im Querfront-Nazi-Jargon?: „Man wird ja noch sagen dürfen!“

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  3. genova68 schreibt:

    Wie heißt das Zeug, das du genommen hast, neumondschein?

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  4. heinz schreibt:

    Hermann Gremliza über Kohl:
    „Helmut Kohl ist das neue Deutschland in Person, er ist der ideelle Gesamtkraut. In ihm verkörpert sich die neugeborene Weltmacht, mit allem, was sie erträglich, gefährlich und verächtlich macht. Er ist die praktische Negation der Aufklärung, von der die Deutschen sich immer überfordert gefühlt haben. Er denkt nicht, also ist er. “
    http://www.konkret-magazin.de/aktuelles/aus-aktuellem-anlass/aus-aktuellem-anlass-beitrag/items/der-weltgeist-der-kohl-heisst.html

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  5. besucher schreibt:

    Da kommt der Mantel der Geschichte vorbeigeweht, greifen Sie zu!

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  6. genova68 schreibt:

    Gremliza hat das ganz hervorragend auf den Punkt gebracht.

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  7. Jakobiner schreibt:

    Mal abgesehen von der üblichen „Gesamtkraut“und moralischen Kritik an Kohl:Im Nachhinein sieht die deutsche Wiedervereinigung wie ein naturgesetzlicher Vorgang aus. Aber es hätte ohne Kohl auch anders kommen können: Nehmen wir einmal an SPD-Kanzler Lafontaine hätte an seiner 2-Staatenlösung festgehalten, hätten wir heute zwei deutsche Staaten, die nebeneinander EU-Mitglied wären wahrscheinlich ohne Euro bestenfalls mit der Aussicht, dann in einer zweiten Stufe zusammenzuwachsen–vielleicht auch mittels einer Volksabstimmung und Neuverhandlung des Grundgesetzes. Fraglich, ob das besser gewesen wäre, fraglich, ob es dann die historische Chance für eine Wiedervereinigung noch gegeben hätte. Etliche Ökonomen meinten, dass 2 Staaten und 2 Währungen besser gewesen wären, da eine Ex-DDR-Wirtschaft ohne gleichen Umtauschkurs durch Abwertung die Möglichkeit gehabt hätte konkurrenzfähig zu werden, was andere wiederum bezweifeln, da der technologische Rückstand derart groß war (ein ähnliches Argument bemühen ja heute Ökonomen um Prof. Sinn gegenüber Griechenland und einem Grexit).

    Doch wahrscheinlich hätte es dann immer noch lange Zeit gebraucht, bis die veralteten DDR-Betriebe modernisiert worden wären und „blühende Landschaften“hervorgebracht hätten, falls überhaupt und viele Ostdeutsche wären wahrscheinlich in der Zwischenzeit nach Westen emigiriert und hätten die Abstimmung mit den Füßen gemacht– oder wie ein Slogan dieser Umbruchszeit hieß: „Wenn die D-Mark nicht zu uns kommt, dann kommen wir zu ihr!“. Und Ökonomen sahen das mehr aus dem ökonomischen Winkel, denn aus dem politischen, während es bei Kohl gerade umgekehrt war und es welthistorisch zudem auch noch keine Erfahrung einer staatlichen Wiedervereinigung zweier unterschiedlicher Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme und der Transformation von einer Planwirtschaft in eine kapitalistische Wirtschaft gab. Die Wiedervereinigung Deutschlands wurde aber gegenüber der 2- Staatenlösung Lafontaines scheinbar als die günstigere, vorteilhaftere und stabilere Variante gesehen, wohl auch von den USA, Frankreich und Großbritannien, die dann schließlich doch nach einigem Rumgezicke Thatchers und Bedenken Mitterrands grünes Licht dafür gaben.

    Man sollte aber auch nicht vergessen, Gorbatschows und Jelzins Leistungen hoch zu schätzen, denn ohne deren Eingreifen hätte es wahrscheinlich eine chinesische Tiananmenlösung und das Gelingen des Putsches rückwärtsgewandter Kräfte gegeben– mit allen möglichen Rückwirkungen dann auf Deutschland und Europa.Gleichzeitig war der Euro aber der Preis der Vereinigung, vor allem auf Betreiben Frankreichs, wie die NATO-Mitgliedschaft Deutschlands Bedingung der USA. Hierzu musste man Kohl aber nicht zwingen, denn er sah in der Wiedervereinigung auch die Chance Europa mittels des Maastrichtvertrags und des Euros weiter zu integrieren und den EU-Binnenmarkt zu gründen. Heute sehen ja viele den Euro als Ursache für die Europakrise und Finanzkrise, da er keinen optimalen Währungsraum, noch einen europäischen Zentralstaat hat und deswegen von etlichen Ökonomen als Fehlkonstruktion (nicht wegen des Nichteinhaltens der Maastrichtkriterien, sondern sui generis) gesehen wird.

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  8. genova68 schreibt:

    Wie auch immer die Alternativen zur Wiedervereinigung aussahen: Kohl hat die Leute angelogen. Das sollte man so klar sagen. Man kann nun argumentieren, dass das eine Notlüge war, sonst wären alle als refugees in den Westen gekommen. Wobei das im Nachhinein auch etwas hätte: Ein menschenleerer Osten, Paradies für Tiere, man hätte die Straßen und die Schienen und die Städte nicht erneuern müssen, man hätte alles vor sich hinrotten lassen können. Ein großer Abenteuerspielplatz, eine Refugium für Selbstverwaltung, Aussteiger etc. Ein eigentlich reizvoller Aspekt. Jetzt haben wir den Problemosten an der Backe, ein langsames Dahinsiechen ohne Perspektive.

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  9. dame.von.welt schreibt:

    Kennen Sie den Kohl-Nachruf von Daniela Dahn? Wie eine Dampfwalze

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