Von Antisemiten und anderen Verschwörungstheoretikern

Eine ganz interessante Doku mit dem Auserwählt und ausgegrenzt über den aktuellen Antisemitismus von allen Seiten:

http://www.ardmediathek.de/tv/Reportage-Dokumentation/Auserw%C3%A4hlt-und-ausgegrenzt-Der-Hass-au/Das-Erste/Video?bcastId=799280&documentId=43708284

Sie sollte eigentlich auf arte laufen, wurde aber kurzfristig aus dem Programm genommen. (Nachtrag 22.6.: Der WDR hat sie nun ausgestrahlt.) Nett ist heutzutage, dass man solch Zensur nicht mehr befolgen muss. Man schaut den Film einfach auf youtube an. Bemerkenswert auch die Hinterwäldler-Redaktion der Zeit, die schreibt, der Film sei „kurzzeitig auf bild.de“ zu sehen gewesen, aber nicht auf die Idee kommt, dass er dann dauerhaft im Internet zu finden sein wird. Die Öffentlich-Rechtlichen diskutieren darüber, ob man die Doku irgendwann einmal in einem dritten Programm kurz vor Mitternacht zeigen wird. Youtube kommt in deren Welt nach wie vor nicht vor. Kaum zu glauben.

Die Doku ist sehenswert. Nahezu alles, was dort gezeigt wird, ist wohl richtig. Der Antisemitismus unter Rechten, Linken und Moslems ist uferlos, es gibt nach wie vor extrem viele Komplexler weltweit, die sich an Juden abreagieren, weil sie irgendein anderes Problem haben. Die Minderwertigkeitskomplexe von Moslems sind da die bekanntesten. Vorfälle wie die im Großraum Paris, wo Moslems in großer Zahl Jagd auf Juden machen, wo man sich als Jude kaum noch in die Öffentlichkeit traut, sprechen Bände. Und auch in Neukölln wird kein Jude, der noch alle Tassen im Schrank hat, erkennbar als solcher herumlaufen. Massiver Antisemitismus ist Alltag in Deutschland und anderswo. Und mit dem Zuzug von einer Million Flüchtlingen, die vermutlich zum größten Teil antisemitisch sozialisiert sind, wird sich die Lage für Juden in Deutschland weiter verschlechtern.

Es ist trotzdem ok, dass arte den Film nicht ausgestrahlt hat. Oder besser: Dass dadurch eine Diskussion angezettelt wurde. Denn Ausgewählt und ausgegrenzt nimmt unverhohlen Partei für die Juden. Palästinenser und ihre Unterstützer kommen nur als Hardliner, Nazis, dogmatische Linksextremisten und Verrückte vor. Eine Nakba gab es eigentlich nicht. Gaza ist einfach nur ein angenehmer Wohnort, den die Hamas korrupt regiert. Die Bevölkerungsdichte in Paris ist höher und ist Paris nicht eine schöne Stadt?

Der Film entlarft sich in seinem Verlauf immer weiter selbst. Er beschreibt die Argumentation der Antisemiten durchaus richtig – Die Juden sind allmächtig und die Täter, die Opfer sind alle anderen: Moslems, die Deutschen, die Amerikaner, alle werden gesteuert und ausgebeutet von den Männer mit den Hakennasen, die unsere Brunnen vergiften.

Allerdings dreht der Film den Spieß einfach um. Nun sind die Juden die Opfer aller anderen: der Moslems, die einen judenreinen Nahen Osten wollen, der EU, die jedes Jahr riesige Geldbeiträge nach Gaza und Ramallah pumpt und damit Antisemitismus fördert, der Deutschen, die diese EU-Zahlen hauptsächlich leisten, der Amerikaner, weil von dort auch riesige Geldbeiträge kommen, der Christen, weil die via „Brot für die Welt“ und vielen anderen Organisationen Palästinenser in ihrem Judenhass unterstützen und überhaupt hunderter von NGOs weltweit.

Die Juden sind die armen Opfer, die sich gegen das weltweit versammelte antisemitische Establishment kaum noch wehren können. Israel macht nur hin und wieder, ganz selten einmal, einen Fehler, der kann ja mal passieren. Und überhaupt existiert Palästina ganz zurecht nicht, das ist alles Großisrael und die Araber sollen halt nach Jordanien ziehen. Der Film hat etwas Verschwörungstheoretisches. Übrigens sind auch der Spiegel und die Süddeutsche Teil der antisemitischen Front.

Wer im Nahostkonflikt derart parteiisch agiert, hat kein Interesse an Frieden oder irgendeiner Form von Verständigung. Wie gesagt, so ziemlich alles in dem Film Gezeigte ist richtig. Es fehlt nur die andere Seite. Lässt man die weg, handelt man fahrlässig.

Dämliche Araberverteidiger und dämliche Judenverteidiger sind sich ähnlicher, als sie vermuten.

So zeigt sich ein weiteres Mal, dass der Konflikt zwischen Juden und Arabern außerhalb der Region in erster Linie auf das Interesse unangenehmer Zeitgenossen stößt: Leute, denen es um irgendetwas geht, nur nicht um Frieden zwischen den Menschen dort.

Könnten die paar vernünftigen Leute da unten bitte mal eine Doku drehen? Danke im Voraus.

Update:

Hier bietet der Service-Blog Exportabel einen Mitschnitt der Maischberger-Sendung zum Thema:

http://www.ardmediathek.de/tv/Maischberger/Israelhetze-und-Judenhass-Gibt-es-einen/Das-Erste/Video?bcastId=311210&documentId=43710046

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20 Antworten zu Von Antisemiten und anderen Verschwörungstheoretikern

  1. dame.von.welt schreibt:

    Und auch in Neukölln wird kein Jude, der noch alle Tassen im Schrank hat, erkennbar als solcher herumlaufen.

    Das ist: Unsinn.
    Oder auch: gäbe es keinen muslimischen Antisemitismus, er müßte glatt erfunden werden. Um 80% aller antisemitischen Straftaten in Deutschland – verübt von dumpf völkischen Deutschen – noch besser kleinreden zu können.

    Eines der Neuköllner Gegenbeispiele heißt Ármin Langer, bei dem mir die Tassen recht vollzählig zu sein scheinen:
    Seit ich in Neukölln wohne, erzählen mir viele Menschen, dass ich eigentlich in einer No-go-Area für Juden lebe. Vergangene Woche musste ich aus der ZEIT erfahren, dass ich, der Jude, sogar direkt „an der Front“ wohne: Sonnenallee.

    Der ganze Artikel ist lesenswert, nicht nur als Reaktion auf Mariam Laus Frontbesuch in Begleitung von Rabbi Teichtal (hatte ich mal verbloggt und fühlte mich bei der Doku daran erinnert)

    Eigentlich hätte es im Film um Antisemitismus in Europa gehen sollen – das Thema hat er ziemlich verfehlt. Weswegen es gar nicht schade wäre, wenn „die paar vernünftigen Leute“ nicht nur „da unten„, sondern auch hier in Europa bitte mal weitere Dokus drehen.

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  2. genova68 schreibt:

    Es gibt sicher nicht nur in Neukölln Antisemitismus und natürlich nicht nur von Moslems. Aber es ist doch so, dass in beispielsweise in Schulen mit hohem muslimischen Anteil jüdische Schüler sichtbar nicht existieren, genauso wenig wie im öffentlichen Stadtbild. Es gibt auch keine sichtbar orthodoxen Juden. Und Ihr Artikel widerspricht dem auch nicht:

    „Es ist wichtig, sich den Antisemitismus in Neukölln anzuschauen. Er ist da, er existiert ohne Zweifel, er betrifft auch mich. Bei Schulbesuchen in Neukölln begegne ich immer wieder antisemitischen Klischees. Neulich fragte mich eine Neuntklässlerin wie ich zu den Illuminati stehe. Deswegen halte ich bürgerliches Engagement für notwendig.“

    Eine jüdische Bekannte aus Kreuzberg schickt ihre beiden Kinder auf eine Schule in Mitte, weil sie die nicht zu Versuchskaninchen machen will.

    Und die Fraenkelufersynagoge ist am Fraenkelufer und nicht am Kottbusser Tor. 24 Stunden am Tag polizeibewacht.

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  3. Linker, der es noch sein will schreibt:

    „Neulich fragte mich eine Neuntklässlerin wie ich zu den Illuminati stehe“
    Na, ich hätte einfach geantwortet: „Positiv. Deren Frauen (bzw. Männer) sind recht gut im Bett.“ Oder: „Viele meiner besten Freunde sind Illuminati“.

    „Eine jüdische Bekannte aus Kreuzberg schickt ihre beiden Kinder auf eine Schule in Mitte, weil sie die nicht zu Versuchskaninchen machen will“
    Jaja, schon Wowereit erklärte, dass – hätte er Kinder – er diese nicht auf Kreuzberger Schmuddelschulen schicken möchte. Elitärer Standesdünkel.

    Insgesamt ist gut, dass Arte und WDR standhaft geblieben sind.
    Zusammen mit der Frankfurter Konferenz, die erfolgreich gegen den Pro-Israel-Populismus von CDU bis Ditfurth durchgesetzt wurde, ein schöner Geländegewinn.

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  4. Jakobiner schreibt:

    „Wer im Nahostkonflikt derart parteiisch agiert, hat kein Interesse an Frieden oder irgendeiner Form von Verständigung. Wie gesagt, so ziemlich alles in dem Film Gezeigte ist richtig. Es fehlt nur die andere Seite. Lässt man die weg, handelt man fahrlässig..Dämliche Araberverteidiger und dämliche Judenverteidiger sind sich ähnlicher, als sie vermuten.“
    Das stimmt wohl. Jedenfalls führt die Einseitigkeit in der Berichterstattung dazu, dass der Antisemitismusvorwurf recht inflationär gebraucht und stumpf wird, da er auf jegliche Israelkritik gemünzt wird.Das macht es Antisemiten erst recht leicht, den realen Antisemitismus als Propagandamasche zum Melken der Milchkuh Deutschland durch die „Holocaustindustrie“darzustellen.Am besten wäre es eben auch mal israelische und jüdische Kritiker der Palästinapolitik Israels zu Worte kommen zu lassen, die es ja selbst aus den Reihen des Mossad, Shin Beth und des IDF-Militärs gibt.Und die stehen bekanntlich nicht im Rufe Antisemiten zu sein.

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  5. dame.von.welt schreibt:

    Und die Fraenkelufersynagoge ist am Fraenkelufer und nicht am Kottbusser Tor. 24 Stunden am Tag polizeibewacht.

    Jede jüdische Einrichtung in Deutschland ist 24/7 polizeibewacht, seit dem Anschlag auf das Altenheim in München 1970. Das ist kein spezielles Kreuzberger oder Neuköllner Merkmal. Kreuzberg und Neukölln werden aber seit einer Weile als stadtteilgewordene Premiumbeispiele für Antisemitismus und No-Go-Areas mißbraucht, beides zielt gegen Muslime. Während die übergroße Mehrzahl antisemitisch motivierter Straftaten nicht von Muslimen, sondern von deutsch-deutschen Rechtsradikalen begangen werden. Antisemitisch motivierte Straftaten von Linken sind mir nicht bekannt.

    Der Antisemitismus ist eine exklusiv-europäische Erfindung, die Ende des 19./Anfang des 20. Jhdts in die muslimische Welt exportiert wurde. Vorher konnte man über knapp zwei Jahrtausende weit eher von jüdisch-arabisch/muslimischen Kulturen als von der heute vielbemühten christlich-jüdischen (Leit-)Kultur sprechen.

    Das spiegelt sich auch in Israel. Die aus Europa stammenden Ashkenazim dominieren bis heute Politik, Kultur und Gesellschaft, obwohl die jüdische israelische Bevölkerung zu etwas mehr als der Hälfte aus „orientalischen“ Mizrachim besteht.

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  6. neumondschein schreibt:

    Aber es ist doch so, dass in beispielsweise in Schulen mit hohem muslimischen Anteil jüdische Schüler sichtbar nicht existieren, genauso wenig wie im öffentlichen Stadtbild.

    Kennt ihr die Vokabel „Reitschule“? Habt ihr das schon einmal gehört? Da sammeln sich die Integrationsverweigerer, denen der Islam verbietet, deutsch sprechen zu können. Um solche Schulen machen die kleinbuergerlichen Juden genau denselben grossen Bogen wie die grün-liberalen Besser-Menschen. Es versteht sich natuerlich von selbst, dass die in sogenannten „sozialen Brennpunkten“ hausenden Kopftücher und Gastarbeiterversager schuld an diesem Bogenschlagen sind.

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  7. neumondschein schreibt:

    Ich hasse diese Rechtschreibhilfe von Android! „Restschule“ meinte ich. Nicht „Reitschule“

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  8. genova68 schreibt:

    dame von welt,
    ja, bestimmt alles richtig, Antisemitismus ist eine christliche, europäische Erfindung. Aber mittlerweile ist arabischer Antisemitismus bekanntlich eine massive Angelegenheit. Arabern wird der soziologisch in die Wiege gelegt. Israel will alle arabischen Länder vernichten, es will Großisrael. Es gibt in der arabischen Welt keine jüdischen Gemeinden mehr. Nimm deine ideologische Brille ab.

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  9. Jakobiner schreibt:

    Die These, dass Antizionismus ja den Zionismus, also die Gründung des Staates Israel selbst infrage stelle und deswegen ja schon antisemitisch sei, ist zu hinterfragen.
    Die Gründung Israels lag auch nahe, da die kommunistische Bewegung den Nationalsozialismus und den Holocaust nicht verhindert hatte, auch die ganzen bürgerlich-demokratischen Parteien hier versagt hatten, die Juden als gleichberechtigte Bürger ihrer Nationalstaaten einzugliedern,die internationalistisch-kommunistische, wie aber auch national-bürgerliche Perspektive im Rahmen eines Nationalstaats oder einer Sowjetunion gescheitert war, sondern der völkische Nationalkonservatismus und der Nationalsozialismus zum liquidatorischen Antisemitismus übergegangen war, der nach Auschwitz eben das Bedürfnis der Juden nacheinem eigenen Staat und Schutzgebiet – trotz britischen Widerstands eines untergehenden Empires (Exodus),das die Unabhängigkeit Indiens sowie die Staatsgründungsabsichten der Juden trotz arabischer Proteste nicht mehr verhindern konnte, -Realität werden lassen sollte.
    Sicherlich haben Rechtsradikale aufgrund ihres Antisemitismus oder einige Linke aufgrund ihres völkischen Antiimperialismus, der nur ein Volk der Palästinenser sieht, aber nicht mehr zwischen einer PLO oder einer Hamas und deren unterschiedlichen politischen Zielsetzungen zu unterscheiden weiß, etwas klar Antisemitisches.Während die PLO im Westjordanland das Existenzrecht Israels anerkennt, dem Terror abgeschworen hat und die Zwei-Staatenlösung präferiert (einziger umstrittener Punkt: das Rückkehrrecht der Palästinenserr, das sich so auswachsen würde wie die Forderungen der deutschen Heimatvertriebenen innerhalb von CDU/CSU und SPD), will die religiösterroristische Hamas einen Gottesstaat, der zumal ganz Palästina zurückerobern und Israel auslöschen will. Dass heutige Linke diese Sorte Hamas-Antizionismus unterstützen, läuft auf die Vernichtung Israels gedanklich raus, wenngleich die israelische Armee stark genug ist, solche Ansinnen ins Reich der Utopie zu verweisen. Aber diesen gedanklichen Antizionismusanspruch der Hamassympathisanten und ihrer Antizionisten in Linkspartei und bei der Rechten kann man durchaus als potentiell liquidatorisch und antisemitisch ansehen.Aber wie ist der Antizionismus der meist säkularen PLO- Unterstützer und sich auch als Antizionisten begreifenden Linken zu sehen?.Also zuerst einmal die Sicht der Linken der Vorzeit des Kalten Krieges. Für die Linke war Israel vor allem ein Bollwerk und Kettenhund des US-Imperialismus und da man den US-Kapitalismus als die entscheidende kapitalistische Macht ablehnte, dann auch all ihre Stellvertreter. Sei es nun die westgebundene  BRD (im Gegensatz zur kommunistischen DDR) oder Israel oder das US-gestützte wahhabitische Saudiarabien oder den Schah von Persien.Das war mehr antiimperialistisch gedacht, denn antisemitisch,ja auch antideutsch in gewissen Zügen.Dass man dabei alle Panarabisten, krude Araberregime und die PLO wie auch die Kurden in der Türkei (nicht im Saddam-Irak oder Assad-Syrien) unterstützte war da Ehrensache,Auch dass die letzten Reaktionäre wie Adenauer, Strauss oder Springer (BILD/Welt) Israeltreu wurden, war da Ansporn. Doch gleichzeitig muss man sehen, dass die Sowjetunion ja die sozialistuische Zionismusbewegung, wie auch den UN-Teilungsplan anfangs unterstützt hatte und erst davon abrückte, als ersichtlich wurde, dass Israel eher dem westlichen Block zugeordnet werden konnte.Es war also nie eine Frage des Antisemitismus, sondern der Blockzugehörigkeit.
     
    Die Frage heutezutage ist eher nach dem Kalten Krieg, was man unter Zionismus versteht. Meiner Ansicht nach kann ich einen Zionismus unterstützen, der sich auf die Grenzen vor 1967 beschränkt, zumal mit einer schlagkräftigen Armee und über 200 Atomwaffen.Was ich ablehne sind die expansionistischen Siedlungsbauten, die eine Zweistaatenlösung verunmöglichen und zum anderen den säkularen und demokratischen Charakter Israels immer mehr infrage stellen, durch religiöse und rechtsradikale Siedler.Es gibt also verschiedene Vorstellungen darüber, was Zionismus bdeutet; Eine Heimat für die Juden, in dem sie sicher und unhinterfragt leben können oder aber eben ein expansionistisches Projekt mittels Siedlungen, das den Charakter Israels verschlechtert und zumal den Palästinensern im Westjordanlan immer weiter die Existenzgrundlage beschneidet und eine Zwei-Staatenlösung verunmöglicht.Genauso wie man bei der Aussage „Der Islam gehört zu Deutschland“fragen muss: Welcher Islam, so muss man sich auch beim Zionismus fragen; Welcher Zionismus! Und umgekehrt fragt sich: Welche Sorte von Antizionismus!Man sollte klare konkrete politische Positionen diskutieren und nicht abstrakte Schablonen!

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  10. genova68 schreibt:

    Antizionismus ist doch de facto Antisemitismus. Wenn ich gegen Siedlungen in der Westbank bin, fasele ich nicht davon, dass der Zionismus das Übel ist, sondern kritisiere konkret die Siedlungen.

    Wenn ich kritisiere, dass Schlesien deutsch sein soll, dann erzähle ich auch nichts vom bösen deutschen Staat an sich.

    Der Doku würde ich auch in dem Punkt zustimmen, dass die weltweit und auch in Deutschland so große Besorgnis um die Palästinenser im Wesentlichen antisemitisch ist. Wie in der Doku gesagt: Kein Mensch versucht, in Marokko ein Büro einzurichten und über die Menschenrechtsverletzungen in der Westsahara zu berichten. Es interessiert einfach niemanden. Warum? Weil die zu Kritisierenden keine Juden sind. Die Schablonen des Antisemitismus sind einfach zu verlockend, als das Trottel aller Länder darauf verzichten würden.

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  11. Jakobiner schreibt:

    Ich würde nicht sagen, dass Antizionismus Antisemitismus ist, sondern Antisemitismus sein kann. Es gibt Antizionisten, die das Existenzrecht Israels anerkennen und sich nur gegen die Siedlungen richten. Es gibt Antizionisten, die das Existenzrecht Israels nicht anerkennen oder es zur Disposition stellen, was ich dann als Antisemismus sehen würde.Vor allem, wenn die Hamas unterstützt wird. Vielleicht sollte man sich aber auch gar nicht erst als Antizionisten bezeichnen, da die Assoziation eben schon naheliegt, dass man grundsätzlich etwas gegen den Zionismus, der eben eine Staatengründung als Hauptziel hatte und damit eben gegen die Existenz Israels haben könnte und es zur Israelkritik auch nicht dieses Selbstverständnisses und dieser Selbstdefinition bedarf. Insofern ist also schon zu fragen, warum einige Leute so an dieser Bezeichnung hängen oder man ihnen nicht raten sollte, einfach darauf zu verzichten.. Es gibt auch jede Menge Israel- und US-Kritiker, die ebenso aus humanitären Gründen Putin-, Erdogan-, Orban-, KP China, etc.- Gegner sind, also sich eben nur nicht unter den 200 Staaten nur Israel heraussuchen würden und sonst zum Weltgeschehen nichts mehr sagen. Die meisten sind da bei ihrer Kritik des Weltgeschehens breiter aufgestellt als du das darstellst,damit es der Feindbildschablone entspricht.Und was du als unausweichlichen Antiamerikanismus siehst, hängt eben auch damit zusammen, dass die USA nun mal die mächtigste Weltmacht sind und man blind sein müsste, diese nicht als zentralen Gegenstand außenpolitischer Erwägungen zu machen (anders als Israel, das bei weitem nicht so zentral ist).Etwas anderes ist es, wenn Leute von USrael schwadronieren, da sie damit klar ein antisemitisch-antiamerikanisches Weltbild bedienen und den Konnex herstellen.
    Was du auch etwas übersiehst, sind die unterschiedliche Motive von Israelkritik. Zum einen die der traditionellen Linken, die ein schlechtes Gewissen haben, dass es den Zionismus brauchte, weil die Arbeiterbewegung gegenüber dem Nationalsozialismus historisch so versagte. Diese Leute sehen aber in Juden nichts Abzulehnendes, sondern diese als Bündnispartner, die sie für ihr politisches Projekt gewinnen wollen. Es sind in diesem Fall also nicht antisemitische Gründe, warum sie den Zionismus kritisieren. Andere Israelkritiker betrachten Israel eben als Teil des Westens, als Fleisch ihres Fleisches, als Demokratie und ihresgleichen, weswegen sie wie bei anderen demokratischen Staaten auch höhere Maßstäbe anlegen als bei autoritären Regimen, bei denen man ohnehin nichts anderes erwartet und für möglich hält. Das hat mehr mit westlicher Selbstkritik, einige würden sagen: Selbsthaß zu tun und auch hier werden die Israelis wie aber auch Juden allgemein als zugehöriger Teil des eigenen Lagers betrachtet, das man halt auch dementsprechend kritischer sieht.Diese Motivationen unterschlägst du einfach bei deinen Betrachtungen.

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  12. dame.von.welt schreibt:

    Apropos ideologische Brille, der Film ist vom ganz gleichen Joachim Schroeder, der auch ‚Entweder Broder- Die Deutschlandsafari‘ produziert hat.

    Morgen läuft ‚Auserwählt und ausgegrenzt‘ im ARD: „Die 90-minütige Doku soll laut Mitteilung vom Freitagabend am 21. Juni um 22.15 Uhr gezeigt werden. Im Anschluss werde dem Thema eine eigene Diskussionssendung mit Sandra Maischberger gewidmet.“ – Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/27811610 ©2017

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  13. Linker, der es noch sein will schreibt:

    Die Pro-Israel-Lobby hat offenbar alle Geschütze aufgefahren, um ihren Propagandastreifen durchzudrücken. Die Lobby nimmt übel – und der deutsche Michel pariert prompt.
    Mich würde es nicht wundern, wenn durch dieses Nasenring-Spektakel der Antisemitismus erst recht angefacht wird.

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  14. Jakobiner schreibt:

    Wenn ich „Linker, der es noch werden will“s Gerede vom armen deutschen Opfermichel , der von der Pro-Israellobby ausgesaugt werde, lese, nennt er sich doch besser „Rechter, der er schon immer war“.

    Auch interessant: Der Produzent Joachim Schröder wurde erst gar nicht von Maischberger und der ARD eingeladen. Der Film ist inzwischen auf Betreiben des ARD auch nicht mehr auf Youtube zu sehen.

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  15. genova68 schreibt:

    Linker, der es noch sein will,
    schreib bitte woanders. Genau so stelle ich mir übrigens bots vor.

    dame von welt, danke für den Hinweis. Ausstrahlung mit Diskussion ist doch ok.

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  16. Jakobiner schreibt:

    Ich habe gestern den Film im ARD gesehen und Genovas Kritik daran halte ich für berechtigt und sehr zutreffend. Umgekehrt fand ich die anschließende Diskussion bei Maischberger recht interessant. Die Verteidiger des Films, Prof. Wolfsohn und Herr Mansour wiesen richtig darauf hin, dass die Auseinandersetzung um den Film zumindestens einmal eine recht überfällige Diskussion herbeigeführt hat, was denn Antisemitismus ist und dass dieser nicht nur in der klassischen Variante existiert. Die Kritiker des Films waren auch sehr zahlreich (fehlte nur noch Genova neben Norbert Blüm in der Runde) und machten klar, dass der Antisemitismusbegriff etwas zu inflationär gebraucht wird und auch denunzuiatorisch, wenn es sich um Kapitalismuskritik handelt (struktureller Antisemistismus ala Stephan Grigat).Insgesamt finde ich es gut, dass diese Debatte mal geführt wird–wenngleich es etwas emotional wird.

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  17. genova68 schreibt:

    Ich werde mir die Maischberger-Diskussion bei Gelegenheit anschauen. Aber dass der Film einseitig war, kann man nicht bestreiten. Man kann höchsten die Einseitigkeit verteidigen, wenn man der Meinung ist, dass es von der anderen Seite auch Einseitigkeit gibt.

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  18. Jakobiner schreibt:

    Ich glaube, es ist keine Katastrophe, wenn Film,e einseitig sind und polarisieren wollen. Irgendwelche Filme, die möglichst alle Aspekte aus möglichst viel Perspektiven ohne Stellungsnahme unter einen Hut bringen wollen, laufen Gefahr einer eigentlichen Botschaft oder Hypothese verlustig zu werden. Solange es nicht nur aus einer Ecke permanent einseitige Filme gibt, sondern aus einer oder mehreren Gegenseiten kann sich ja daraus die Wechselwirkung einer interaktiven Diskussion ergeben, bei der eben wieder alle Aspekte einfließen.

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  19. genova68 schreibt:

    Ja, einseitige Dokus finde ich auch nicht generell tragisch. Die können auch anregend sein. Bei dem Nahostthema sind sie aber meines Erachtens destruktiv. Der Nahostkonflikt ist ohnehin Projektionsfläche für Bekloppte aus aller Welt und denen liefert man mit der Einseitigkeit immer mehr Nahrung. Es geht um Feindbilder, um Hass. Ich würde mich sogar zu der Behauptung versteigen, dass alle, die sich intensiv mit dem Nahostkonflikt befassen, verkappte Nazis sind. Palästinenser und Israelis/Juden ausgenommen.

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  20. Jakobiner schreibt:

    Dann bin ich auch ein Nazi sowie alle Orientalisten, Sinologen, Studenten der internationalen Beziehungen, alle Außenministerien, alle Auslandskorrespondenten, alle Menschen, die sich mit Politik oder Weltpolitik mal mehr beschäftigen,Eine recht denuziatorische, biedermeiermäßige Einstellung.Ich habe mich schon immer intensiv für Politik und Weltpolitik interessiert und bin eben nicht immer gleich in die bequemeren Sphären der zumeist realitätsfremden Fächer der Philosophie und Theologie ausgewichen. Also manchmal schreibst du schon einen ganz gehörigen Scheiß. Wenn man sich mit weltpolitischen Themen nicht intensiv beschäftigt, würdest du umgekehrt wieder Pseudospezialistentum, Ignoranz, Halbwissen und Oberflächlichkeit attestieren. Du bist eher auf dem Trip jegliche menschliche Aktivität generell als Ausdruck und Projektion eines speziell autoritären Charakters und neoliberaler Verwirrtheit darstellen zu wollen. Dir geht es mehr um Psychopathologisierung in der Tradition der Frankfurter Schule, so zwischen Marcus und Wilhelm Reich (Massenpsychologie des Faschismus)als Nachfolger von Freud, als dass du dich überhaupt auf politisch tiefergehende Diskussionen einlassen willst–was tendenziell sehr unpolitisch und realitätsflüchtend ist.

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