Kurze Bemerkung zum gefährlichsten Land der Welt

Kann man die USA als das gewalttätigste, imperialistischste und somit gefährlichste Land der Welt bezeichnen? Leider ja.

Seit 1945 betreiben die Amis eine Politik des Stärkeren, keine Politik des Rechts oder gar der Menschenrechte und ähnlichem. Diese Leute nehmen sich permanent heraus, jedes Land der Welt anzugreifen, zu destabilisieren oder zu zerstören, wenn es ihren vermuteten Interessen dient. Irak ist nur ein Beispiel. Es gibt kein mittelamerikanisches Land, in dem die Amis in den 1980ern nicht mit ihren schmutzigen Händen Menschen ermordet hätten. Nicaragua war der prominenteste Fall. Seit Jahrzehnten kooperieren sie mit den Saudis, um den wesentlich moderateren Iran an den Pranger zu stellen. Der große Friedensengel Obama hat in seinen Amtszeiten mehrere tausend unschuldige Zivilisten via Drohnen ermorden lassen. Da findet dann ein somalischer Bauer seinen Sohn in Stücken auf dem Feld herumliegen. Die kann er dann zusammensuchen. Für einen Friedensnobelpreisträger ist das kein Problem.

Kein Problem für die Amis.

Die Geisteshaltung eines offenbar nicht kleinen Teils der Amis ist eine Katastrophe. Schlechtes Essen und Töten im Namen des Guten. Gut, weil Amerika. Iran, lese ich heute in der Süddeutschen, provoziere mit seinen Schnellbooten immer wieder Zwischenfälle mit amerikanischen Kriegsschiffen. Wo? Direkt vor der iranischen Küste. Was würden eigentlich die USA machen, wenn iranische Schnellboote vor der Freiheitsstatue umherbrausen würden?

Die USA sind im permanenten Kriegszustand mit sich selbst und dem Rest der Welt. Ob mit oder ohne Trump, ist völlig egal. Unvergessen der Satz eines republikanischen Bewerbers in einem Wahlkampf vor ein paar Jahren:

„Wir wollen, dass der Rest der Welt so wird wie wir.“

Das wäre wohl deren Ende.

Das nur mal so nebenbei. Die positiven Aspekte der USA lasse ich jetzt aus Zeitgründen weg.

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29 Antworten zu Kurze Bemerkung zum gefährlichsten Land der Welt

  1. Chinook schreibt:

    „Diese Leute nehmen sich permanent heraus“

    Wenn schon, dann die Regierungen – nicht die „Leute“. Wir Deutsche legen aus naheliegenden Gründen viel Wert auf diese Unterscheidung. Insofern sollten wir sie auch Angehörigen anderer Nationalitäten zugestehen.

    Irak ist nur ein Beispiel.

    Wenn die Amis wegen Öl im Irak einmarschiert sind, tun sie seit Anfang an wirklich ihr bestes, dies zu verschleiern. Denn viel monetär rausgeholt haben sie nicht. Ebenso Afghanistan, die lukrativen Deals gingen an China. Eher lächerlich die Sicherheitsausgaben/Fördernebenkosten für andere Nationen zu übernehmen.

    „Seit Jahrzehnten kooperieren sie mit den Saudis.“

    Die unterstellte Kooperation findet vor allem auf privatwirtschaftlicher Ebene statt. Die haben halt ne Menge Geld und investieren. Übrigens genauso in Deutschland, aber hey – wenn wir ehrlich sind – die Investitionen der Saudis in die deutsche Rüstungsindustrie sichern eben die neue Ausbaustufe des Leopard. Sicherheitsreölevant ist, dass die nächste Ausbaustufe finanziert wird. Ob Saudis gute Panzer haben ist bestenfalls egal. Wenn die ihr Geld in Rüstung investieren, also kurzfristige Güter und nicht in nachhaltige Projekte, ihre Sache – wobei, viel Auswahl haben sie nicht.

    „….den wesentlich moderateren Iran“

    Moderater? Ich maße mir nicht an, die kleinen Differenzen bzgl. der Moderatheit von Diktaturen zu bewerten, die Leute wegen homoerotischer Neigungen etc. an Kränen hängen. Eine Diktatur wird nur für den Außenstehenden dadurch besser, dass sie dich anlächelt. „Die Seite des Iran einzunehmen“ (natürlich unter ständiger Kritik) macht ungefähr soviel Sinn, wie die faschistische NS-Ideologie mit Perspektive/unter Verweis auf finnische oder ungarische Partialbefindlichkeiten zu entschuldigen.

    „Da findet dann ein somalischer Bauer seinen Sohn in Stücken auf dem Feld herumliegen. Die kann er dann zusammensuchen. Für einen Friedensnobelpreisträger ist das kein Problem.
    Kein Problem für die Amis.“

    Nennt sich Kollateralschaden. Interessiert sich irgendwer dafür? Ich meine, die Linken schlachten es aus, die eher Konservativen verneinen präventiv, dass es passiert. Im Grunde findet ein „lustiger“ politischer Tanz statt. Jede Seite versucht die Deutungshoheit zu erlangen – bottom line . it’s war, people die.

    „Iran, lese ich heute in der Süddeutschen, provoziere mit seinen Schnellbooten immer wieder Zwischenfälle mit amerikanischen Kriegsschiffen. Wo? Direkt vor der iranischen Küste.“

    Ja, genau das tun die iranischen Revolutionswächter. Nicht vor der iranischen Küste, sondern genauer in internationalen Gewässern und in der Straße von Hormuz. Sie simulieren Sättigungsangriffe auf US Trägergruppen in internationalen Gewässern. Dabei geht es übrigensd nicht darum den Amis Angst zu machen, sondern es ist Propaganda für die eigene Bevölkerung. Kann sich ein Deutscher halt nicht vorstellen, dass Populismus außerhalb der AfD stattfindet.

    „Was würden eigentlich die USA machen, wenn iranische Schnellboote vor der Freiheitsstatue umherbrausen würden?“

    Das ist zur Abwechslung mal eine gute Frage. Die Polizei würde sie festnehmen – was denn sonst?

    So ein warmer Platz für die deutsche Linke, auf die Amis runterzuschauen.

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  2. Chinook schreibt:

    Kann man die USA als das gewalttätigste, imperialistischste und somit gefährlichste Land der Welt bezeichnen?

    Naja, also wenn wir als Bezugszeitraum das 20te + 21te Jahrhundert nehmen, uiuiuiii – wahrscheinlich eher nicht.

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  3. Jakobiner schreibt:

    An unserem Stammtisch haben wir eine Person, die uns immer über den neuesten Wasserstand der Verschwörungstheorien informiert, die meistens die Rothschilds und Israel hinter allem Ungemach der Welt sieht, die er aber bitterernst selbst glaubt, zumal er von Jürgen Elsässer bis Alles Schall und Rauch, Der Wächter, Sputnik, Russia Today, etc alles liest, nur eben die „Lügenpresse“nicht mehr. Von daher wähnt er sich bestens informiert gegen die Mainstreampresse.Die neueste Nachricht:Die neueste Äußerungen, dass die USA 250 Kriege geführt hätten, Russland aber nur 3, war ja auch so ein Highlight. Damit soll gezeigt werden, welch aggressive Militärmacht die USA gegenüber dem pazifistschem Russland ist.

    Erstens: Was rechnet man unter die Bezeichnung Krieg? Da wird jede kleinere und begrenzte militärische Aktion und jeder CIA-US-Putsch der USA reingerechnet, während man alle Kriege, KGB-Putsche, Stellvertreterkriege und Auslandsinterventionen des zaristischen Russland, der Sowjetunion und nun eben Putin rausrechnet. Die USA existieren eben über 2 Jahrhunderte, Russland eben wieviele Jahre und was rechnet man da als „Russland“?Auch 2 Jahrhunderte mit der Sowjetunion oder nur das zaristische und neozaristische Russland Putins? Was will man eigentlich mit was vergleichen?

    Dann ist zweitens eine Feuerwehrmilitärputschaktion vor 2 Jahrhunderten, als die USA Panama von Kolumbien abtrennten und den Panamakanl bauten und selbst eine Aktion gegen Noriega in Panama als Krieg gerechnet oder solche Aktionen wie die Besetzung der karibischen Kleininsel Grenada oder das gescheiterte Befreiungskommando gegen die iranische Geißelnahme 1980– ein wohl anderes Kaliber als zwei Weltkriege, die bekannterweise die USA begannen und nicht Deutschland mit jeweils 20- 60 Millionen Toten. Aber Krieg ist Krieg, damit die Statistik stimmt und man alles reinrechnen kann.

    Dann haben die USA diese Kriege „geführt“, aber haben sie sie begonnen?

    Die USA haben zwar in den beiden Weltkriegen interveniert und auch den Krieg geführt, aber haben sie diese Weltkriege willentlich inszeniert und begonnen? Nein! Irgendwie ging dies doch von Deutschlandbeide Mal aus.Aber egal. Den Koreakrieg haben nun einmal die Sowjetunion, China in Zusammenspiel mit Nordkoreas Kim Ilsung angefangen. Selbst Chrustschow bestätigte dies in seinen Memoiren. Egal.Verschwörunstheoretiker und die damalige kommunistische Presse von Prawda bis Neues Deutschland zitierten da immer wieder die Falschmeldung einer US-amerikanischen Lokalzeitung, dass Südkoreas Militär die nordkoreanische Stadt Haejun eingenommen hätte, wie auch Syngmann Rees Zitat nach einem „Marsch nach Norden“ ausgiebbig zitert wurde, aber bezeichnend ist eben, dass Chrustschow Zeuge des Gesprächs zwischen Stalin, Mao und Kim Ilsung war, bei dem diese unabhängig davon schon zuvor die Eroberung Südkoreas und die Erweiterung des Kommunismus beschlossen. Nicht einmal Chrustschow zitiert diese Falschmeldungen und Äußerungen Syngmann Rees als Grund des Koreakriegs, zumal es noch gar kein südkoreanisches Militär gab, das einen „Marsch nach Norden“bewerkstelligen hätte können.Egal!

    Über den Vietnamkrieg kann man streiten, der Golf von Tongkingzwischenfall war wahrscheinlich konstruiert von den USA, um den Vietnamkrieg führen zu können.Den ersten Golfkrieg aber hat Saddam Hussein begonnen und die USA forderten ihn auf, Kuweit einfach zu verlassen, was er nicht tat. Hätte er das getan, wäre es auch nicht zum Krieg gekommen. Egal.

    Der Afghanistankrieg war eine Ausnahmesituation wegen 9-11 und auch hier boten die USA den Taliban auch wieder an, Al Kaida und Osama Bin Laden auszuliefern. Hätten sie dies getan, hätte es auch keinen Afghanistankrieg gegeben.Egal. Beim zweiten Irakkrieg 2003 könnte man sagen, dass Saddam Hussein ja der Forderung der USA nach Offenlegung seiner Massenvernichtungswaffenprogramme nachkommen hätte können und dass deswegen der Krieg geführt worden sei. Doch erstens glaubte keiner an Massenvernichtungswaffen oder gar eine A-Bombe Saddams, zumal die Israelis Osirak ja schon eingeplättet hatten und zudem war die US-Argumentation auch, dass Saddam Hussein ein neues 9-11 machen könne mit Massenvernichtungswaffen und angeblich auch Verbindungen zu Al Kaida haben würde, was propagandistisch konstruiert war, dass eben Deutschland und Frankreich die US-Gefolgschaft auch auf Hinblick für die Nachwirlungen eines solchen Kriegs verweigerten.Der Irakkrieg 2003 war sicherlich ein Aggressionskrieg,zumal auch mit der Neocon-Utopie eines irakisch-demokratischen Leuchtturms, der dann auf die muslimische Welt ausstrahlen werde und der so umstritten war wie der Vietnamkrieg, aber eben eher die Ausnahme von der Regel bedeutete in der US-Geschichte, wenngleich mit katastrophalen Nachwirkungen. Aber betrachtet man sich die US-Geschichte, so wird man doch bei allen angeblichen 250 „Kriegen“ letztendlich nur 2 Kriege finden, die kritisierbar sind: Den Vietnamkrieg und den Irakkrieg 2003.

    Auch stimmt die Zahl der russischen Kriege nicht.250 Kriege bezieht sich auf die gesamte US-Geschichte über 2 Jahrhunderte, 3 russische Kriege kann sich nur auf Ukraine, Syrien, Tschtschenien beziehen, wenn man die Sowjetunion und die Stellvertreterkriege mit den USA von Griechenland, Korea, Vietnam, Kambodscha, Laos, Afghanistan, Angola, Mozambique, Namibia, Tschad, Nicaragua, El Salvador, Guatemala, etc. ausklammert und Russland im Ersten Weltkrieg und die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg und Kalten Krieg. Verglichen werden aber Zeiträume der USA in den letzten 2 Jahrhunderten mit 2 Jahrzehnten Putinrussland–ein recht schwachsinniger und bewußt irreführender Vergleich.

    Kurz: Diese griffigen Statstiken auf Verschwörungsseiten und sogenannt „investigativen“und „unabhängigen““Alternativmedien“ fälschen an allen Fronten: Von der Definition eines Krieges, von der Kriegsursache, von der Dimension der Totenzahlen, bis auf die Zeiträume.So verbreitet sich dieser platte Antiamerikanismus, der von der Putinpresse und seinen Trollen im Internet weidlich und leidenschaftlich gefördert wird.

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  4. Jakobiner schreibt:

    Zur ewigen Kritik am „Drohnenmörder“Obama und den USA:Betrachtet man sich die Kritik von vielen Antimilitaristen so fällt auf, dass sich nicht ein unerheblicher Teil ihrer Kritik auf den Einsatz von Drohnen konzentriert. Die Drohne stelle eine „Entmenschlichung des Krieges“ dar, so erklärte Omid Nouripour von den Grünen. Nun weiß ich nicht, wie eine Vermenschlichung des Krieges auszusehen hat oder was man sich unter menschlichen Kriegen vorstellen soll, aber der Einsatz von Drohnen wird als eine qualitativ neue Ära des Krieges betrachtet. Jedenfalls ist die Drohne für wackere Antimilitaristen und Pazifisten der Inbegriff und die Verkörperung des Bösen schlechthin, ja sie hat inzwischen den Status eines antimilitaristischen Fetischs. Da mag massenhaftes Schlachten mit sonstigen konventionellen Kriegsmittel Massenelend und – tod bringen, aber nein, das eigentlich Schlimme und Ausgeburt des Teufels ist und bleibt die Drohne.

    Zumal ist es sehr in Mode gekommen, Waffen, also Instrumente des Krieges und der Politik zu kritisieren und nicht so sehr die Politiker und die Politik, die die Kriege führen oder zu diesen führen, bei denen diese Waffen dann eingesetzt werden. Das lenkt davon ab, dass es Menschen sind, die über den Krieg entscheiden, die diese aufgrund gewisser Interessen oder Ideologien führen, die zu untersuchen und zu kritisieren wären. Eine Waffe führt keinen Krieg. Man könnte also von einer Verdinglichung und Fetischisierung der Kriegskritik sprechen. Ebenso hat es Tradition, sich immer gewisse Waffensysteme herauszusuchen, die als besonders pervers angesehen werden. So war dies zu Zeiten der Friedensbewegung in den 80er Jahren die Neutronenbombe, die Erhard Eppler (SPD) als „Perversion des Denkens“bezeichnete, geradeso als könne man dies von sonstigen Massenvernichtungswaffen nicht sagen. Heute wird vor allem die Drohne als pervers und zutiefst unmenschlich angesehen, obgleich man auch die Frage stellen kann, warum keine anderen Waffensysteme da zu Liebhaberschaft bei antimilitaristsicher Kritik kommen, die zumal über viel grössere Vernichtungskraft verfügen und auch nicht so selektiv und präzise eingesetzt werden. Warum also ausgerechnet die Drohne?

    Zum einen wird kritisiert, dass es nicht mehr den ehrlichen Kampf Mann gegen Mann gebe, sondern Drohnensoldaten weit entfernt, sicher und anonymisiert in den Einsatzzentralen die Drohnen fernsteuerten und die Tötung von Menschen automatisiert werde, ja man keine Empathie für die Opfer habe und die Tötungshemmung beseitigt werde. Hier schon fragt sich, ob dies etwa beim Einsatz von Distanzwaffen wie Raketen, Bombenteppichen aus Flugzeugen oder dem Atombombenabwurf je anders war, ja auch bei einem Maschinengewehr die Hemmungsschwelle ja auch nicht grösser ist.

    Desweiteren werden die Zivilopfer, die Kollateralschäden bei Drohneneinsätzen beklagt und Obama zum „Drohnenmörder“erklärt.Zugegeben nicht schön, aber man sollte sich auch mal fragen, was die Alternative wäre. Definitionsgemäß haben Drohnen ja den Auftrag die Führungskader des Islamismus präzise und zielgerichtet auszuschalten., Man versucht also Militäreinsätze mit möglichst begrenzter Opferzahl, also einen Minimaleingriff. Alternativ müsste man zur Liquidierung von Terroristenführern Bodentruppen oder Special Forces einsetzen oder diese eben mit Kampfflugzeugen beseitigen, was naturgemäß sogar noch mehr Opfer sowohl an Zivilbevölkerung wie auch an Soldaten produzieren würde. Gezielte Special Forceseinsätze wie gegen Osama bin Laden sind sehr aufwendig und schwer in Masse auszuführen und zumal auch sehr riskant.Von daher verwundert die heftige Kritik an den Drohneneinsätzen etwas.

    Jürgen Todenhöfer etwa ist der Ansicht, dass die Drohneneinsätze und auch die Luftschläge der US-Amerikaner nur mehr Zivilopfer produizieren würden, somit Rachegefühle aufkommen liessen und in der Konsequenz dann noch mehr Terroristen hervorbringen würde.Der Terrorismus sei wie eine Hydra—schlage man ihr einen Kopf ab, wüchsen mehrere nach. Diese Kritik ist auf Sand gebaut. Denn der Hydravergleich bedeutet, dass man eigentlich überhaupt keinen Krieg mehr führen dürfte, ja pazifisttisch und zuschauend sich den Islamismus ausbreiten lassen soll und hoffen, dass er sich von selbst in Luft auflöst.Vielleicht wären ja Friedensgebete und pazifistische Sit-Ins sowie Dialogrunden und Kaffeekränzchen mit Islamisten und mit Margot Käßmann die Alternative.Aber so genau hat mir dies noch keiner der Pazifisten erklärt.

    Fakt ist, dass die Tötung von Führungskadern schon Auswirkungen auf die Terrororganisationen hat, zum einen auf die Kampfmoral, zum anderen können solche Enthauptungsschläge Nachfolgekämpfe innerhalb der Terrororganisationen und Streitigkeiten hervorrufen, die sie schwächen, zumal es auch symbolisch wichtig ist, um zu zeigen, dass selbst ihre bestgeschützten oberen Führer nicht vor dem Zugriff sicher sind—es also auch einen wichtigen psychologischen Kriegsführungsaspekt hat.

    Desweiteren verschweigt Todenhöfer die Tatsache, dass durch die Kombination der Drohnenangriffe, der US-amerikanischen und russischen Luftschläge der Islamische Staat inzwischen 45% seines Territoriums verloren hat und sich die Maßnahmen der Anti-IS-Koalition nicht nur auf militärische Mittel beschränkt ist, sondern auch auf politische Mittel wie etwa das Herstellen politischer Bündnisse oder Wirtschaftssanktionen, die den Erdölschmuggel des IS schon soweit eingedämmt haben, dass er in finanzielle Schwierigkeiten kommt.und seinen Kämpfern inzwischen den Sold ordentlich kürzen musste.

    Der jetzige Einsatz von Drohnen ist noch sehr begrenzt. Der US-Militärstratege TX Hammes, der auch der Vater der Offshore Controll ist, hat jedoch einen programmatischen Artikel geschrieben:“The Future of Warfare: Small, Many, Smart vs. Few and exquisite“, der in der Fachwelt eine Grundsatzdiskussion ausgelöst hat. TX Hammes befürwortet die Ersetzung bisheriger Großwaffensysteme, U-Booten und Flugzeugen durch Massenflotten von mit Waffen und Sprengsystemen ausgerüsteten Drohnenschwärmen—zu Luft und auch zu See und unter Wasser. Gut möglich, dass die Drohne dann als Waffensystem der Zukunft auch breiten und nicht nur selektiven Einsatz erhält. Mal sehen: Wenn Pokemon Go mit Drohnen kombiniert würde, könnte die Drohne ja vielleicht auch zivile Liebhaber in Massen gewinnen. Zur Zeit hat sie einen denkbar schlechten Ruf und ist zum Fetisch der Pazifisten geworden.

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  5. Jakobiner schreibt:

    Es gibt jetzt ein neues Buch über Kissinger, das ihn vor allem als Kriegsverbrecher, Fürst der Finsternis aus einem düsteren Reich der Schatten und Unmenschen portraitiert: Kissingers langer Schatten von Greg Grandin (C.H. Beck Verlag, 2016) .

    Zugegeben war Kissinger ein Realpolitiker, der keine Skrupel hatte bezüglich Kriegen, Militärdiktaturen, Putschen, Attentaten. Nur: Er war da bei weitem nicht der einzige Politiker, der dieses normale Instrumentarium der Politik draufhatte und dabei keineswegs so herausstechen würde, wäre er nicht Außenminister der größten Weltmacht, der USA gewesen, zumal die Sowjetunion und ihr KGB da noch viel skrupelloser agierten und Frankreich, Großbritannien und viele asiatische und nahöstliche Regime auch nicht ohne waren und sind bei der Wahl ihrer Mittel.Es wird von vielen Kritikern Kissingers immer vergessen, dass er es mit sehr skrupellosen und gewalttätigen Kontrahenten zu tun hatte und die Weltstaatengemeinschaft eben nicht aus pazifistischen Pfadfinderorganisationen besteht, die jeden Tag nur ein gutes Werk verrichten wollen, während nur der böse Henry sie davon abhielt, diese edlen Weltgeister hintertrieb und den täglich anstehenden Weltfrieden als der eigentliche Superschurke verhindert hat.

    Auch muss man sehen, dass Kissinger für die Beziehung zwischen China und den USA und für die Chinesen eine wertvolle Rolle spielte. Im BR lief eine Dokumentation, in der klar wurde, wo China 1976 zu Maos Tod stand. Keiner wusste, wo es hinging. Die Viererbande um Jiang Qing erwägte die Kulturrevolution wiederzubeleben, besuchte Pol Pot in Kambodscha und überlegte öffentlich in der Volkszeitung nun das Geld abzuschaffen und die Städte zu evakuieren. Sie dachte den kambodschanischen genozidalen Weg an. Ohne den Kissinger/Nixonbesuch hätte China kaum eine Perspektive gehabt, aus seiner außenpolitischen Isolation herauszukommen. Deng Xiaoping war dann die Konsequenz dieser Politik Kissingers: Mehr Freiheit als unter Mao, gleichzeitig Wirtschaftsreformen und Annäherung an den Westen. Das war Kissingers historisches Verdienst. Man stelle sich demgegenüber ein Pol-Pot-mässiges und isoliertes China vor. Das sind die Geschichten, die in dem Kissinger-bashenden Buch nicht geschrieben werden. Kissinger wird dementsprechend auch in China mehr geschätzt als in der westlichen Hemisphäre.Hunderte Millionen Chinesen, die einen erheblichen Teil der Menschheit ausmachen, wissen, was sie ihm zu verdanken haben. Heute wird Kissinger nach der nun abgeebbten Chinaeuphorie eher im Rückblick der Vorwurf gemacht, den neuen Hauptrivalen der USA erst hoffähig und stark gemacht und China den Aufstieg zur konkurrierenden Weltmacht ermöglicht zu haben. Damals wurde die Entwicklungsperspektiven des damaligen Entwicklungslands China noch anders gesehen und konnte man das auch noch nicht so vorhersehen.

    Desweiteren war es Kissingers Shuttlediplomatie zwischen Israel und den arabischen Staaten, vor allem Ägypten, die zu einem Ende des Yom-Kippurkriegs führten und die Weichen für Camp David, also dem Friedensschluss zwischen Ägypten und Israel stellten. Also, wenn man Kissinger beurteilt, sollte man dies zum einen vor dem Hintergrund des Kalten Kriegs tun, wie auch seine Aktionen in Indochina, Chile, Osttimor, Angola und Portugal, Spanien, sowie bei der Ermordung Aldo Moros in Italien , um das „historische Bündnis“ zwischen Italiens Christdemokraten und der eurokommunistischen Partei Italiens zu verhindern mit seinen Verdiensten aufwiegen.

    Auch war Kissinger ein Unterstützer der Ostpolitik und des KSZE-Prozesses, die solche Gruppen wie Charta, Solidarnosc und alle Menschenrechtsgruppen im Ostblock die Wurzeln schlagen liessen, die dann unter Reagans Konfrontationspolitik mit der Sowjetunion Früchte trugen und für eine friedliche Revolution und Sturz des Kommunismus sorgten statt für einen Weltkrieg.

    Kritiker Kissingers in den USA kommen zudem zumeist aus der rechten Ecke, die ihm seine Entspannungspolitik, den „Verrat an Taiwan und Vietnam“vorwerfen, behaupteten, dass er soft on communism gewesen wäre und zumal auch auf seine jüdische Herkunft anspielen und antisemitisch rumhetzen, wie auch seine allseits bekannten Verbindungen zu David Rockefeller, den Bilderbergern, der Chase Manhattan Bank und dem Council on Foreign Relations zu verschwörungstheoretischen Geschichten einer geheimen NWO-UNO-Weltregierung unter einem Schattenweltenherscher Kissinger aufblasen. Kissinger ist da für Linke der Faschist, der unmoralische, menschenverachtende Zyniker der Macht, ein Metternich, Richilleau und Unmensch in einem und für Rechte die jüdisch-liberal-kommunistische Weltverschwörung in persona. Kissinger ist für diese Kritiker eine Chiffre für das und alles Böse in der Welt , denn der reale Realpolitiker, der er war.

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  6. genova68 schreibt:

    Jakobiner,
    wieder mal und wieder mal zum letzten Mal die Ermahnung: nur ein Kommentar.

    Du findest es also ok, wenn Bauern auf ihren Feldern zerfetzt werden. Vielleicht unschön, aber ok.

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  7. Jakobiner schreibt:

    Dann sag´auch Chinook: Nur ein Kommentar–er hatte auch zwei!

    Ja, unschön, aber im Krieg gibt es eben auch tote Zivilkisten und eben Kollateralschäden. Shit happens! Das sehen nicht nur westliche Politiker und Militärs so, sondern so sahen dies auch alle sogenannten Befreiungsbewegungen von Mao ( „Die Revolution ist kein Deckenhäklen“) bis hin zur MPLA, der PLO, der FARC oder den Sandinisten. Man kann nur verhindern die Zivilistenzahlen in einem Krieg zu minimieren, aber alles andere ist romantisches Pazifistengeschwätz von wirklichkeitsfremden Schreibtischbloggern.Entweder lehnt man die Ziele eines Kriegs ab und ihn damit, aber wenn man seine Ziele teilt, dann kann gibt es eben auch keinen sauberen, menschlichen Krieg.Es sei denn man spricht all diesen Bewegungen ihre Existenzberechtigung ab.Demnach hätte man die Unterdrückung durch Gro0ßgrundbesitzer, rechte Militärs und Paramilizen und Todesschwadrone hinnehmen sollen. Mal wieder typisch deutsch. Am, besten du versuchst zusammen mit Margot Käßmann und Jürgen Todenhöfer die Taliban und den Islamischen Staat beim Friednestee in einem angeregten Diskurs über Kant, Habermas und Popper in Kombination mit Friedensgebeten zu befrieden.

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  8. genova68 schreibt:

    Du redest hier imperialistischen Angriffskriegen das Wort. Wie viele islamische Anschläge gab es bis nine eleven und wie viele seit dem war on terror? Willst du ernsthaft erzählen, dass die Amis irgendeine halbwegs plausible Strategie für ihr Wirken haben? Afghanistan besetzen, obwohl klar war, dass die Drahtzieher Saudis waren? Toll auch, dass du Mao in Schutz nimmst. Der hat Millionen Tote auf dem Konto und China auch wirtschaftlich an den Rand des Ruins gebracht. Der steht auf einer Stufe mit Hitler und Stalin. Was soll diese komplett absurde Argumentation? Mit deiner Logik sollte man gleich das Recht des Stärkeren einführen.

    Es gab den Krieg gegen die Deutschen bis 45, den man als gerechtfertigt bezeichnen kann. Allen militärischen Auseinandersetzungen danach kann man das nicht mehr zubilligen. Die Ziele sind sowieso immer bösartige, was sonst?

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  9. Jakobiner schreibt:

    Imperialismus ist immer ein sehr inflationär gebrauchter Begriff.Was verstehst du eigentlich unter Imperialismus? Deiner Logik nach ist jeder Krieg irgendwie ein imperialistischer Krieg. Was ist dann mit den Dekolonialisierungskriegen der nationalen Befreiungsbewegungen? Hätten die im Kolonalismus verbleiben sollen? Hääten sich die chineischen Kommunisten nicht gegen die Japaner und Tschiang Kaitschek verteidigen sollen? Immerhin gestehst du ja dem zweiten Weltkrieg einen antifaschistischen Charakter zu, wobei ich dann auch sagen könnte: War ja auch ein imperialistischer Krieg und wie kannst du den Massenmörder Stalin verteidigen? Zumal auch in diesem vorgeblich antifaschistischen zweiten Weltkrieg auch massig Zivlisten umgebracht wurde–oder wie die Antideutschen iommer so gerne gröhlen: Bomber-Harris-do it again!

    Zumal ging es auch darum, dass ob man Zivilisten bei einem Krieg töten „darf“. Da sage ich: Das lässt sich nicht verhindern–das gehört zu den Schattenseiten eines Krieges. Nach dieser Logik hätte George Elser niemals ein Attentat auf Hitler verüben dürfen, da seine Bombe auch unschuldige Zivilisten in dem Biersaal mit in den Tod gerissen hätte. Ich schätze mal, dass du in diesem Falle dann wieder anders denken würdest–im Falle Hitler eben. Aber wenn es um die Taliban und Al Kaida in Afghanistan ging, seltsamerweise nicht. Oder wenn es um den islamofaschistischen Islamischen Staat geht, soll man das plötzlich auch anders sehen und jeden Zivilisten betrauern, wenn Mossul befreit wird?

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  10. genova68 schreibt:

    Es gibt Dekolonialisierung und es gibt Imperialismus. Die USA betreiben fast ausschließlich imperialistische Gewalt. Weltpolizei ohne Mandat eben. Es wäre ja schon viel gewonnen, wenn sie einfach zugeben würden, dass ihn Menschnrechte egal sind und es ihnen nur ums Geldverdienen geht.

    Krieg ist fast immer schlecht und Elser hat keinen Krieg geführt. In Afghanistan haben die Amis die Taliban lange erst gepäppelt. Und der islamistische Terror ging mit dem war on terror erst richtig los. Dein Hohn gegenüber dem Betrauern toter Zivilisten lässt tief blicken. Deine Aussagen hier sind katastrophal. Wer Kriege ablehnt, ist ein weltfremder Schreibtischblogger. Meine Fresse.

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  11. Jakobiner schreibt:

    Du weichst in deiner Antwort aus und moralisierst nur. Bezeichnend finde ich deine Betrachtung des Zweiten Weltkriegs. Den siehst du als antifaschistischen Krieg und nicht als imperialistischen Krieg. Aber die USA und GB waren da eben auch zu dieser Zeit sogenannt imperialistische Mächte, aber eben auch Demokratien, während Stalin ein totalitärer Diktator war–die weltgrössten imperialistischen Demokratien kämpften da einen antifaschistischen Krieg im Bündnis mit den antiimperialistischen totalitären Mao und Stalin. Ich bin der Anscht, dass man in der Politik nicht die Wahl hat zwischen lauter Philantropen wählen zu können, aber, dass man auch das kleinere Übel wählen kann und durchaus zur Bekämpfung von Faschismus und Islamismus Bündnisse mit impoerialistischen/demokratischen Staaten machen kann. Die Alternative wäre nichts zu tun oder aber auf eine ferne kommunistische /antuiimperialistische Weltrevolution zu hoffen, die in absehbarer Zeit nicht kommen wird.

    Den Koreakrieg haben im übrigen solche antiimperilaitsischen Staaten wie die Sowjetunion, China und Nordkorea begonnen–hätten die demokratischen USA da nicht reagieren und Südkorea seinem Schicksal überlassen sollen? Nenn´mir mal einen Staat, der nicht imperialistisch ist. Da die meisten Staaten kapitalstisch sind: Sind sie deswegen schon gleich imperialistisch? Diu erklärst den Begriff nicht, verwendest ihn aber inflationär und wie einen Label. Interessant finde ich, dass etwa Jürgen Elsässer den Begriff Imperialismus genauso inflationär benutzt. Neuerdings bejubelt er Trump als Vorkämpfer gegen den „NWO-Imperialismus“, weil dieser das Pariser Klimaabkommen gekündigt hat. Dass Putin, Modi und Xi Jinping an diesem festhalten, müsste diese ja dann auch zu „NWO-Imperialisten“machen. Zeigt wie widersprüchlich die Verwendung dieses Begriffs oft sein kann.

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  12. genova68 schreibt:

    Der 2. WK ist natürlich ein Sonderfall. Den NS zu beseitigen war sinnvoll und dass die Sieger sich einen Teil des Kuchens nehmen, ist nachvollziehbar. Sie haben sich dabei ziemlich zurückgehalten. Dass Deutschland nach der Niederlage immer noch existierte, grenzt an ein Wunder.

    Den IS zu bekämpfen, ist natürlich legitim, aber das wird ja nicht ernsthaft gemacht. Es gibt immer mehr islamistische Terroristen und es geht weder den USA noch Russland noch sonstwem um die Bekämpfung des IS. Es geht um Einflusssphären, um imperialistische Interessen.

    Wenn du mit dem Begriff Imperialismus Probleme hast, liest bei wikipedia nach.

    Was Elsässer und ähnliche Leute machen, ist mir egal. NWO-Imperialismus: Warum sollte ich solches Geschwurbel in meine eigenen Betrachtungen miteinbeziehen? Du machst hier analytisch den gleichen Fehler wie die Leute, die meinen, die Nazis seien Sozialisten gewesen, weil sie sich sozialistisch nannten.

    Man kann Bündnisse schmieden, vielleicht auch Kriege führen. Ich sehe in den Gewalttätigkeiten der Amis der letzten 70 Jahre nur in wenigen Ausnahmefällen eine Besserung der Lage. Eigentlich einfach zu verstehen.

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  13. Chinook schreibt:

    Es macht überhaupt keinen Sinn in einer Art Kriegsquartett Konflikte zusammenzustellen und daraus dann abzuleiten wer der böse Imperialist ist. Allerdings, wenn man es schon tut, sollte man ähnliche Maßstäbe ansetzen. Dann kann man die „renommiertesten“ im Kriegsquartett vorhandenen Konflikte bis 1990 im Grunde schon abhaken, denn ja, im Kalten Krieg haben zwei Blöcke, nämlich der Westen und die SU natürlich um Einflußssphären Konflikte geführt. Wenn man es vereinfacht, ein diktatorisches Regime gegen die freiheitliche und kulturelle Triebfeder freiheitlicher Systeme. Bad Boy Index 1:1. im Kriegsquartett imperialistischer Interessenvertretung. Das die USA heute von vielen Linken für so gut wie alles auf der Welt in Haftung genommen wird, was schief lief/läuft – damit macht man es sich außerordentlich einfach. Ironisch ist dabei, dass die Schnittmenge solcher Linker, die sich über imperialistische Kriegseinsätze der USA empören und derjenigen, die den USA vorwürfen zuzusehen und sich mitschuldig zu machen, wenn sie eine isolationistische Politik verfolgten, ziemlich groß ist. Also was denn nun? Sollen die USA eingreifen, sollen sie zusehen oder sollte man einfach ein neomarxistisches Komitee entscheiden lassen, wo, wie und wann die USA eingreifen sollten?
    Die Vorstellungen die im Westen allgemein den Begriff Krieg umreißen, sind naiv, in anderen Gesellschaften teilweise noch viel mehr (siehe Türkei/iran etc.) – aber vor allem in Deutschland trägt die Linke ihre naiven, einseitigen und moralisierenden Denkmuster mit Inbrunst vor. Was nicht mal unbedingt schlecht ist, aber schlecht wird, wenn vollkommen abgelöst von der Realität argumentiert wird und gar kein Gefühl mehr dafür zu bestehen scheint, was praktische Anforderungen/Konsequenzen eines (bewaffneten) Konfliktes sind. Man kann vortreffliche philosophische Gespräche über Krieg führen, das findet zu wenig statt, obwohl es wichtig ist – aber da wo es nur noch im Widerstreit unterschiedlicher moralisierender Argumentationsmuster endet, bleibt es fruchtlos und kann schädlich werden. Die USA eignen sich nicht als Antiheld, den man zur eigenen naiven Wahrnehmung von Konfliktlogiken aufbaut, nur um die eigene Ideologie zu unterstützen und im Linken Milieu auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, Einigkeit zu erzeugen.Haben die Linken in Deutschland nur noch nicht gemerkt. Im Grunde haben viele Linke eigentlich einfach die falsche Ideologie, sie sollten religiös werden, welche Richtung ist auch egal. Dort fänden sie sich mit ihren Argumentationsschemata gut aufgehoben und die moralische Überlegenheit hätten sie praktisch schon inklusive.

    Seltsam wird es dann, wenn man dem 2. WW eine Sonderstellung attestiert. Warum? Weil eine Bevölkerungsgruppe gezielt ermordet wurde? Darauf läuft es doch hinaus. Schaut man sich Konflikte im bspw. subsaharischen Afrika an, laufen die oft sehr ähnlich ab, wenn auch auf einer kleineren Maßstabsebene. Wenn man also moralisch an die Sache rangeht, kann die Quantität der Unterschied nicht sein. Dann geht es um die generelle Konfliktstruktur und die kann auf Dorfebene sehr ähnlich zu der auf anderen quantitativen Maßstabsebenen sein. In der generellen moralischen Bewertung eines Konflikts und der handelnden Akteure kann hier eigentlich kein Unterschied liegen. Wenn man es realistisch betrachtet, war der zweite Weltkrieg eben kein menschlich ethischer Ausreißer, kein Sonderfall – sondern es sind einfach ein paar Faktoren zusammengekommen. Die Ideologie war nicht besonders innovativ, hat aber durch Medien wie das Radio etc. eine höhere Reichweite erzielt, die Kriegsführung hatte gleichzeitig einen Wandel erfahren, der bewegliche Kriegsführung bevorzugte, es gab einen gravierenden technologischen/wissenschaftlichen Sprung und eine frustrierte Gesellschaft in Europa – und nicht zuletzt, hatten die Deutschen beim Einmarsch in Frankreich einfach auch extremes „Glück“.
    Man kann es mit einem Flugzeugabsturz vergleichen. Es müssen sehr viele unwahrscheinliche Faktoren zusammenspielen, damit es zum Absturz kommt. Eine Verkettung unglücklicher Umstände wie man so sagt. Keine der Faktoren die zur Katastrophe des 2. WW führten, sind für sich genommen einzigartig oder besonders. Alle zusammen genommen in einer bestimmten Reihenfolge sind ein heftiges Problem. Von der Konliktmechanik her betrachtet, ist nichts sehr ungewöhliches passiert.

    Die USA als imperialistisch? Nehmen wir Somalia. Hier musste der amerikanische Jagdhund zum Jagen getragen werden, die wollten doch gar nicht und erst nach massiver Bettelei (nicht zuletzt aus Deutschland, solange man nen Sonderstatus sich selbst einräumt fällt das ja immer leicht) hat Clinton sich überzeugen lassen eine halbherzige Aktion zu starten. Halbherzig, weil man Peacekeeping betrieben hat, wo kein Frieden mehr zu sichern war.

    Oder nehmen wir den Sudan/Darfur. Dort sind Mord und Vertreibung an der Tagesordnung. Interessiert es jemanden? Nein, die Linke beschäftigt sich lieber mit Konflikten die in ihr Schema passen und wo sie denken mit moralisierender Argumentation einen Ertrag generieren zu können. Ziemlich kapitalistisch gibt sich die Linke bei der Auswahl ihrer Themen, muss ich leider anmerken.
    Aber natürlich findet sich der Sudan nicht in den Nachrichten, weil es da recht schwierig ist als Journalist und die ausschlachtbaren Headlines fehlen. Und es passt auch sonst nicht. Die USA sind nicht wirklich involviert. Das eignet sich bestenfalls um AFRICOM als übermächtigen Player darzustellen und das reicht dem Neomarxisten halt nicht, da gehts ja nicht unter der Weltrettung oder deren Zerstörung.

    Kurz gesagt. Ich fänds einfach schön wenn auch Linke mal wieder anfingen objektiv zu denken. Anders als vermutet, ist das kein Widerspruch zu einer ethischen Weltsicht – wohl aber zu einem hohen Roß auf dem man Platz nimmt. Und ja, dafür muss man eingelaufene Argumentationswege verlassen, was der Mensch an sich nicht mag, der hat es gerne ressourcenschonens, Nachwirkungen unserer Zeit als Jäger und Sammler.

    Ich bin nun nicht verdächtig in meinen Ansichten mit Jakobiner zuviel übereinzustimmen, aber seine generelle Krtitik an einer vor allem in der Linken noch mit Stolz vorgetragenen Realitätsferne, wenn es um das Thema USA im Speziellen und Krieg im Allgemeinen geht, ist doch berechtigt. Und man muss schon massive Scheuklappen tragen, dies nicht zu erkennen.

    Also mich ärgert es, dass die Linke nichts mehr beizutragen hat, weil sie einfach nicht weiß wohin mit sich und weil eben die aktuellen Erfordernisse ein statisches Verharren wie zu Blockzeiten und eine einfache ethische Diskussion nicht mehr ermöglichen. Wir haben nicht mehr 1988, wann kommt das verdammt nochmal auch bei der Linken an???????????????????
    Und die Linken versauen es sich einfach nur aus Angst. Die Fronten sind nicht mehr klar, der eigene Platz undefiniert, viele Vorstellungen veraltet – man rettet sich in alte Argumentationsschemata. Da ist zwar kein Gegner mehr der einen ernst nimmt, und kein Wähler und keine Vision – aber wenigstens kennt man sich aus. Erbärmlich!!!

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  14. Chinook schreibt:

    „Es gibt Dekolonialisierung und es gibt Imperialismus.“

    Sorry für den zweiten Kommentar, ich weiß, nicht erwünscht – aber ich halt mich auch kurz.

    Allein diese zwei Begriffe und was du darunter zu verstehen scheinst, sind Schubladendenken ala Edward Zaid par excellence. Wann gab es die ersten islamistischen Terroranschläge? Naja, was ist Terror (ich liebäugle mit der Definition von Che Guevara) was Dekolonialisierung und was Imperialismus. Da tut es die Definition von Wikipedia einfach nicht mehr, pauschal auf jeder Maßstabsebene angewandt auf jedweden Konflikt!

    Man kann als die ersten islamistischen Terroranschläge die Aassassinen nehmen. Aber ich denke, auf Algerien kann man sich einigen. Und da sind die Fronten eben nicht so klar wie sie dich Linke immer gerne hätte.

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  15. neumondschein schreibt:

    Situation Ende 2. Weltkrieg: Die Anti-Hitler-Koalition hatte auf ganzer Linie gesiegt. D.h. Deutschland und Japan waren besiegt. Großbritannien und Frankreich waren zwar Sieger, wurden aber entscheidend geschwächt. Der ganze Rest des Planeten war entweder stalinistisch oder kolonialisiert. Zählte also zu Frankreich oder Großbritannien. Neben dem stalinistischen Weltsystem waren die USA die einzig verbleibende westliche Macht des Planeten. Und diese einte erstens die gesamte von ihr besiegte Welt im Kampf gegen den Stalinismus. Entwaffnete sie auf der einen Seite und schuf militärische Verteidigungsbuendnisse wie die die NATO auf der anderen Seite. Zweitens organisierten die USA den Welthandel, mit Hilfe von Bretton Wood, Weltbank, IWF und half den besiegten Staaten auf die Beine mit Marshallplan etc. Genau das bezeichnet der Begriff „Supermacht“. Sämtliche Staaten wurden Vasall einer der beiden Supermächte. Diese Supermächte führten für alle anderen Staaten Krieg. So kommt es, dass die USA im Vergleich zu allen anderen Staaten so obszön gewaltige Verteidigungsausgaben stemmen und die meisten Kriege führen. Die anderen waren militärisch bedeutungslos. Den pausenlos konkurrierenden Maechten auf dem Alten Kontinent wurde die Möglichkeit genommen, sich gegenseitig an die Gurgel zu fassen, wie sie es gewohnheitsmäßig seit vielen Jahrhunderten tun. D.h., das nach dem zweiten Weltkrieg geschaffene System schuf Frieden auf dem Alten Kontinent. Die von den USA organisierte Globalisierung schuf für die imperialistischen Weltkriegsverlierer Deutschland und Japan genau die Bedingungen, die sie mit scheusslichsten Verbrechen zuvor erringen wollten. Den beiden Weltkriegsverlierern ging es nach dem Zweiten Weltkrieg also richtig gut. Der Vasallenstatus zahlte sich aus.

    Doch diese schönen Zeiten sind vorbei.

    Schon in den 60ern sind die Kolonialsysteme zusammengebrochen. Und um das, was an dessen Stelle trat, prügelten sich die Supermächte.

    Dann, in den 90ern, trat eine der beiden Supermächte ab. Der anderen Supermacht gelang es jedoch nicht mehr, die Unipolaritaet der westlichen Welt aufrechtzuerhalten. Denn inzwischen gibt es neue, junge IIndustriestaaten wie China und Indien, und eine bedeutende Militaermacht, Russland, fand die Kraft zurück, sich dem transatlantischen Weltsystem entgegenzustellen. In gewisser Weise findet sich die Welt in einer weiblichen Situation wieder, wie sie vor und nach dem Ersten Weltkrieg geherrscht hat.

    https://www.marxists.org/deutsch/archiv/bucharin/1920/abc/index.htm

    Achtung! Antisemitismus Ahead! Die Vokabeln „Finanzkapital“ und „Imperialismus“ kommen darin vor, die damit bezeichneten Erscheinungen werden für den Krieg verantwortlich gemacht, werden im Gegensatz zu Ken Jebsens Ausfuehrungen aber richtig gebraucht.

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  16. Jakobiner schreibt:

    Imperialismus bedeutet eigentlich, dass durch das kapitalistische Wirtschaftssystem ein wirtschaftlicher und damit einhergehender militärischer Expansionismus dem System innewohnt. Zumal Lenin dann Imperialismus nochmals als höchste Stufe des Kapitalismus und der Herrschaft des Monopolkapitalismus und dessen Untergeordnetheit unters Finanzkapital sah. Fraglich, ob diese Interpretation stimmt und alles was planwirtschaftlich und kommunistisch war, deswegen nichtimperialistisch war, wenn man sich die Konflikte zwischen der Sowjetunion und der VR China, Kambdscha und Vietnams sah, wie auch die Eroberung Tibets durch China. Zuletzt oder aber zuerst wäre von links zu fragen, was die Funktion des Militärs in einer kapitalistischen globalisierten Gesellschaft ist, die aufgrund ihrer Kapitalakkumalation eben auf einen wirtschaftlichen und dann militärischen Expansionismus systembedingt drängt,auf die Eroberung und Herstellung von Auslandsmärkten, Rohstoffen, Handelsrouten, Pipelines, etc., EU und NATO im Stechschritt gemeinsam expandieren oder China seine Neuen Seidenstrassen parallel mit der Expansion seiner Marine und Volksbefreiungsarmee in Konkurrenz zu den USA wie damals Deutschland die Bagdadbahn in Konkurrenz mit dem British Empire vorantreibt, die New Yorker, britischen, japanischen, deutschen, französischen, chinesischen, russischen Börsen, multinationalen Konzernen und das Finanzkapital nach immer weiteren Anlagesphären oder der Zurichtung ganzer Staaten und Großraümen als Kapitalanlagefeldern streben , die sich dann eben konfliktträchtig in der Konkurrenz zwischen Nationalstaaten und Kapitalfraktionen in Kriegen und Weltkriegen entlädt mit Millionen von Toten.

    Von daher ist die gesamte Bundeswehrdebatte als Demokratiedebatte doch sehr stark verengt und sollte die Linke diese Diskussion um eine Grundsatzdiskussion über Kapitalismus und Militarismus erweitern. Vielleicht wird dann auch einigen Leuten klar, was es bedeutet, dass „Deutschland eben am Hindukusch verteidigt wird“. Kurz bedeutet dies, dass selbst der entlegenste und unattrakivste Winkel der Welt im Rahmen der weltweiten Expansion des deutschen und westlichen Kapitals nicht vor deutschen oder westlichen Truppen sicher ist, die den geopolitischen Raum Zentralasiens und Südasiens oder andere geopolitische Räume zwecks zukünftiger Geschäfte für die jeweiligen imperialistischen Staaten und das Finanzkapital und die multinationalen Konzerne stabilisieren und ausbeutbar machen sollen.Es geht nicht um Afghanistan selbst oder um irgendwelche Rohstoffen in Afghanistan, sondern dass Afghanistan ein Störfaktor für die wirtschaftliche Expansion westlichen Kapitals im Großraum Zentralasien/Südasien geworden ist, der stabilisiert werden muss, will man da längerfristig noch Geschäfte in diesem geopolitischen Großwirtschaftsraum machen. Wie die NATO der EU bei ihrer Ukraineexpansion hinterherschreitet und uns den Ukrainekonflikt mit Russland bringt, so eben werden deutsche oder westliche Truppen auch überall hinmarschieren, wo die internationalen Kapitalinteressen der USA, Deutschlands oder anderer westlicher Staaten berührt sind.

    Von daher gilt: Deutsche Truppen, deutsches Geld, weltweit in der Welt–deswegen auch am Hindukusch, Wobei die staatlich gelenkten Oligarchenkapitalismusstaaten China und Rußland da als grösste Konkurrenten zu dem westlich-neoliberalen Plutokratenkapitalismus ala USA und dem europäischen Sozialkapitalismus gesehen werden, da sie sich westlichem Kapital aus dessen systembedingt- expansionistischer Sicht verschliessen oder dieses zu regulieren trachten, deswegen wieder die Zentralfront mit Rußland wiederbelebt wird, da es nach 2 Jahrzehnten der westlichen Globalisierung jetzt nach der Finanz- und Globalisierungskrise von 2008 zu Gegenreaktionen Rußlands und Chinas kommt, die nun auch wieder Großmachtkonflikte, transregionale Kriege oder eben Weltkriege wieder möglich machen.

    Zumal eben die Frage ist, ob demokratische Armeen immer besser sind als faschistische Armeen. Die demokratische USA liess 500 000 Iraker verhungern–ganz ohne Krieg, sondern mittels eines demokratischen Embargos- ganz friedlich.Der Aggressionskrieg der USA gegen Nordvietnam mittels des inszenierten Golf-von-Tongking-Konflikts und Millionen Toten ist genauso ein Beispiel für den Aggressionskrieg der USA wie 2003 gegen den Irak, der mindestens zwei Millionen Tote und den Aufstieg des Islamischen Staates brachte samt Millionen von Flüchtlingen. Dies hat keine Wehrmacht vollbracht, sondern eine völlig demokratische Armee. Von daher sollte eine Linke sich nicht so sehr auf eine Demokratie- und Traditionsdebatte einlassen, sondern vor allem das kapitalistische Wirtschaftssystem kritisieren, das dem darin systemimmanent angelegten wirtschaftlichem Expansionismus auch den militärischen Expansionismus nahelegt.

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  17. genova68 schreibt:

    Ich musste an der Uni einma ein Seminar zum Thema GASP – Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU – belegen. Eine Katastrophe. Dort saßen zum größten Teil forsche Jungmänner, die gerade von der Bundeswehr kamen und sich im Seminar als Geostrategen aufführten. Das ist eine typische Männergeschichte: Gewaltphantasien mittels scheinbar rationaler Geopolitik ausleben. Tausende von Tote sind da eingeplant und unvermeidlich, man bedient ja eine gute Sache.

    Ich habe dann dieses sinnlose Politikstudium aufgegeben und für Philosophie eingetauscht.

    Sudan und die Linke: Es reicht heutzutage ja schon kurzes googlen, um Behauptungen ad absurdum zu führen:

    https://www.google.de/search?q=etwas+neues&ie=utf-8&oe=utf-8&client=firefox-b&gfe_rd=cr&ei=yTlGWdSHKeWl8wfG9474BQ#q=sudan+die+linke

    Das ist überhaupt ein beliebter Irrtum von Egomännern: Nur weil man selbst irgendwas nicht mitkriegt, ist es dennoch durchaus möglich, dass es existiert.

    Finanzkapital und Antisemitismus: Gut möglich, dass manche den Begriff antisemitisch gebrauchen. Aber er ist eine notwendige Kategorie, wenn ich zwischen den beiden Kapitalformen unterscheiden will: Dem Kapitaleinsatz in der Produktion und dem in der Spekulation. Dass die Unterscheidung nach Meinung vieler Linker unsinnig ist, verdrängt nicht die Notwendigkeit, sie begrifflich fassen zu können. Nur weil die Nazis von schafffendem und raffendem Kapital sprachen, sollte man den Sachverhalt nicht automatisch in die Tonne kippen.

    Imperialismus: Die ist dem Kapitalismus wohl inhärent. China zeigt gerade, wie es geht. Arbeiten wie die Idioten, die eigene Bevölkerung massiv ausbeuten und dann mit dem erbeuteten Geld nicht wissen wohin. Dann muss man halt in Afrika irgendwas bauen. Die Chinesen sind mindestens so scheiße wie die Amis, vermutlich noch scheißiger. Aber das ist ja bekannt.

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  18. Jakobiner schreibt:

    Naja, Kapitaleinsatz in der Produktion läuft ja häufig mittels und über Banken, von daher fragt sich, ob es so sinnvoll ist, sich beide Sphären so getrennt und unabhängig voneinander vorzustellen.
    Auch der Syrienkrieg wird versucht, damit zu erklären, dass Rothschild oder andere Kapitalisten Erdöl oder Rohstoffe in Syrien entdeckt hätten, die sie nun ausbeuten wollten nachdem sie sie mittels Krieg unter ihre Kontrolle gebracht hätten.Syrienkrieg: Da wechseln diese Leute aber plötzlich die Argumentationsweise. Zuvor faseln sie sehr abstrakt, dass das Interesse an diesem Syrienkrieg mal „Rohstoffe“, dann mal wieder der Wiederaufbau eines kriegszerstörten Landes und dann der Waffenverkauf sei. In einer neueren Version kommt dann konkret wiederum ein neues, viertes Motiv: Syrien als Transitroute für Pipelines. Da kommt man schon eher auf die Interessen hin. Wie gesagt: Syrien verfügt kaum über Rohstoffe. Zweitens könnte man da viel lohnendere Länder zerstören, wenn es nur um den Wiederaufbau und die Profite der Bauindustrie ginge. Drittens hat der Syrienkrieg jetzt keinen wesentlichen Waffenboom ausgelöst, der die Weltwritschaft wesentlich beeinflussen würde. Das vierte Argument ist auch weniger ein streng ökonomisches, also, dass man sich aus dem Krieg kleinkriminell direkt bereichert, sondern mehr ein geopolitisches, geostrategisches Motiv: Dass man Regionen und Grossräume so herrichtet, dass sie als Transitländer, grössere Märkte,etc. sich entwickleln können. Das ist aber ein mittelfristg-bis langfristiges Entwicklungsziel, bei dem vor allem auch Staaten ein Interesse haben und weniger irgendwelche Konzerne und Banken, die aus dem Krieg direkte Profite ziehen können.

    Also man sollte mal sehen, dass es bei Kriegen oft nicht um die direkte, kleinkriminelle Bereicherung geht, sondern um geostrategische Interessen, die seitens Staaten, Konzernen und Banken als mittel- bis langfristiges Entwicklungsprojekt gedacht sind, um einen Grossraum herzubekommen, der wirklich interessante Kapitalakkumualtion zulässt , ja eben auch die Schaffung eines stabilen Umfeldes benötigt und nicht weltwirtschaftliche Pfennigbeträge, um direkt was aus dem Krieg „zu kriegen“.

    Ein weiteres oft genanntes Argument: Die Rüstungsindutsrie sei schuld an allen Kriegen, modernere Apologeten dieser Theorie sprechen vom Militärisch-Industriellen Komplex (MIK).Kriege werden geführt, damit die Rüstungsindustrie Profite macht. Wo liegt der Gedankenfehler: Die Rüstungsindustrie macht in jedem Land eta 20% der Wirtschaftskraft aus, meistens weniger. 80% der Wirtschaft besteht aus ziviler Produktion . Wenn der Staat unter den Fittichen der Rüstungsindustrie stünde, fragt man sich, warum es nicht wesentlich häufiger und viel grössere Kriege gibt oder eben soclhe langen Friedensperioden wie in Europa? Zweitens fragt man sich, warum die 80% zivile Industrie denn ein Interesse haben sollte am Krieg und nicht etwa noch stärker den Staat beeinflussen und kontrollieren sollte. Viel grundsätzlciher aber ist, dass die Politik und der Staat, wie es Marx sagte, der ideele Gesamtkapitalist ist, also im Sinne des Ganzen und nicht nur einiger Kapitalteile denkt und handelt, er Kriege nicht um die direkte kleinkriminelle Bereicherung führt, sondern oft auch aus nichtökonomischen, geostrategischen Interessen, die zwar auch dem Funktionieren der Weltwirtschaft und der Kapitaklakkumulation dienen soll, aber eben aus dem Krieg nicht unbedingt ein Gewinngeschäft machen.Von daher gibt es aufgrund der Dominanz des zivilen Kapitals niemals einen ewigen Frieden, wie umgekehrt aufgrund einer vermeintlichen Usurpation durch die Rüstungsindustrie einen ewigen Krieg.Kriegsentscheidungen fallen vor allem geostrategisch als politische Entscheidung des Staates und weniger ökonomisch oder als direkte, kleinkriminelle Bereicherung einer Kapitalfraktion oder eines Staates aus.

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  19. neumondschein schreibt:

    Finanzkapital und Antisemitismus: Gut möglich, dass manche den Begriff antisemitisch gebrauchen. Aber er ist eine notwendige Kategorie, wenn ich zwischen den beiden Kapitalformen unterscheiden will: Dem Kapitaleinsatz in der Produktion und dem in der Spekulation.

    In diesem Sinne haben Lenin und sein Gefolge den Begriff „Finanzkapital“ nicht gebraucht. Bitte noch einmal Bucharins ABC studieren! Bucharin war Bolshevik. Der weiss, was Bolsheviken unter Finanzkapital verstehen!

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  20. Jakobiner schreibt:

    Lenins einzige Schrift zum Finanzkapital war „Imperialismus als höchste Stufe des Kapitalismus“. Eigentlich sagt er nicht mehr, dass die Banken sich die gesamte Wirtschaft unterordnen, die von Monopolen (Großunternehmen kontrolliert wird) und Personalunionen zwischen sich und der Politik eingehen, dazu der Kapitalismus von der anarchischen Konkurrenz zum Monopolkapitalismus übergeht, diese Kapital exportieren und sich die Welt aufteilen und wenn dieser Prozess gesättigt wird, eine Neuaufteilung nur noch mittels Kriegen und Weltkriegen möglich ist.Lenin analysiert aber nicht die ökonomischen Prozesse ala Marx im Das Kapital, bei ihm verschmelzen Politik und Ökonomie zu einer Einheit–eigentlich herrscht das Finanzkapital, das die jeweiligen Politiker und Nationalstaaten lenkt. Die Marxistische Gruppe hat aber in ihrer Schrift „Leinin-falsche Klassiker“ auf die Fehler in der Logik dieser Theorie hingewiesen, auch den Begriff des Monopolkapitalismus kritisiert.Andere Kritiker wiederum halten Lenins Imperialismusdefinition eines imperialistischen Staates als Kapitalexporteur für falsch und zu eng, da z.B: die USA ein Kapitalimporteur sind und nach Lenin gar nicht impoerialistisch sein dürften.Bucharins ABC kenne ich nicht. Vielleicht kann Neumondschein etwas mehr dazu sagen und warum Genova falsch liegen soll.So kann man das nicht verstehen.

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  21. neumondschein schreibt:

    Hier noch einmal: Bucharins ABC. Zur Belehrung analphabetischer russischer Muzhiki angefertigt. Also: Lenins Imperialismus Theorie in leichter Sprache:

    https://www.marxists.org/deutsch/archiv/bucharin/1920/abc/index.htm

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  22. neumondschein schreibt:

    In diesem Werk geht es nicht um Unterscheidung zwischen Kapital in der Produktion Kapital in der Spekulation. Sondern um Verschmelzung von Industrie- und Handelskapital zum Finanzkapital. Eine solche Klarstellung ist wichtig, weil man sonst über verschiedene Dinge reden würde. Und zum Beispiel dem armen Lenin Antisemitismus – nein: strukturellen Antisemitismus – unterstel, weil man Lenin die Auffassung unter schiebt, dass jüdisches oder Finanzkapital ohne Attributierung an Weltkriegen schuld wäre. Weil Juden sich an Börsen herumtreiben, man bei Spekulation immerzu ausschließlich an Börsen denkt, und dem Lenin unterstellt, mit Finanzkapital meinte er Börsenspekulationen, so schlussfolgert man, Lenin wolle Juden vertilgen.

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  23. genova68 schreibt:

    Es ist mir gerade völlig wurscht, was Lenin und dieser B. zum Begriff des Finanzkapitals sagen. Mich interessiert nur, was ich sage. Es ist ein Unterschied, ob ich mein Kapital in den Bau einer Fabrik investiere oder Aktien kaufe und via Dividenden Gewinne abschöpfe. Und für diesen Unterschied brauche ich unterschiedliche Begriffe. So wie man von Regen spricht und von Schnee, auch wenn beides Wasser ist.

    Ob die Unterscheidung wirklich sinnvoll ist, weiß ich nicht. Man ja der Meinung sein, dass es egal ist, ob es regnet oder schneit. Wichtig ist nur, dass in beiden Fällen die Sonne nicht scheint. Man sollte den Anhängern der Unterscheidungstheorie jedenfalls die Begriffe an die Hand geben.

    —————————————–

    Das „ABC des Kommunismus“ hat so einen merkwürdigen Stil, wie man ihn bei sehr überzeugten Menschen oft antrifft:

    „Wir haben gesehen, warum die kapitalistische Gesellschaftsordnung untergehen mußte (und wir sehen sie jetzt vor uns untergehen).“

    Nun ja, da hat er wohl etwas voreilig geschlussfolgert.

    § 20 (Verteilung in der kommunistischen Gesellschaft) hat etwas Infantiles:

    „Später, wenn sich die kommunistische Gesellschaft befestigt und entwickelt hat, wird das alles überflüssig sein. Jedes Produkt wird reichlich vorhanden, alle Wunden werden längst geheilt sein und jeder wird dann soviel nehmen können, als er braucht. Werden aber die Menschen nicht ein Interesse haben, mehr zu nehmen, als sie es brauchen? Gewiß nicht. Gegenwärtig fällt es ja auch Niemandem ein, z.B. in der Tramway 3 Fahrscheine zu kaufen und damit nur einen Platz zu besetzen und zwei unbesetzt zu lassen. Ebenso wird es dann mit allen Produkten sein. Der Betreffende hat aus dem gemeinschaftlichen Magazin so und soviel genommen als er braucht und Schluß. Den Überfluß zu verkaufen hat ja auch niemand ein Interesse: denn jeder kann, was er braucht, wann er will, bekommen. Auch das Geld wird dann keinen Wert haben. Folglich werden zu Beginn der kommunistischen Gesellschaft die Produkte wahrscheinlich nach der Arbeitsleistung und später einfach nach den Bedürfnissen der Bürger-Genossen verteilt werden.“

    Bemerkenswert auch dieser Passus aus § 21:

    „Wer wird über die ganze Ordnung wachen?

    Darauf ist nicht schwer zu antworten. Die Hauptleistung wird in verschiedenen Rechnungskanzleien und statistischen Büros liegen. Dort wird Tag für Tag über die ganze Produktion und ihre Bedürfnisse Rechnung gelegt werden; es wird auch angegeben werden, wo die Zahl der Arbeitskräfte zu vergrößern, wo zu verringern und wieviel zu arbeiten ist. Und weil alle von Kindheit her die gemeinsame Arbeit gewohnt sein und begreifen werden, daß diese Arbeit notwendig und das Leben am leichtesten ist, wenn alles nach einem durchdachten Plan vor sich geht, so werden auch alle nach den Anordnungen dieser Berechnungsbüros arbeiten.“

    Wer bestimmt den Bedürfnisse von Menschen? Darüber kein Wort zu verlieren, setzt so eine Art Gott voraus, der das objektiv bestimmt. Rechnungskanzleien werden über „ihre Bedürfnisse“ (wer ist hier „ihre“?) Rechnung legen. Bedürfnisse werden von einem Supermann berechnet.

    Geld wird es nicht geben, die „Bedürfnisse“ sind so wie eine Straßenbahnfahrkarte, also klar geregelt. Jeder will nur eine.

    Die Propagierung solch paradiesischer Zustände macht vielleicht einen großen Terror wahrscheinlich, denn so simpel kann es naturgemäß nicht ablaufen.

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  24. neumondschein schreibt:

    Es ist ein Unterschied, ob ich mein Kapital in den Bau einer Fabrik investiere oder Aktien kaufe und via Dividenden Gewinne abschöpfe.

    Dass, wenn ich den Bau einer Fabrik investieren, ich in der Regel das auch nur tu, um Gewinne abzuschoepfen, das weisst du bestimmt auch. Der Bau einer Fabrik ist darüber hinaus blanke Spekulation. Ob sich nämlich die Gewinerwartungen realisieren lassen, die man mit dem Bau derbetreffeden Fabrik im Sinne hatte, nd ist eben reine Spekulation.

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  25. Jakobiner schreibt:

    Mir etwas unklar, was Genova eigentlich fordert: Eine Rückkehr vor die Zeit der Aktiengesellschaften? Zinsfreie Wirtschaft? Mietfreies Wohnen? Spekulation ist so ein Schlagwort. Jeder Mensch ist auch bei seinen täglichen Entscheidungsfindungen auf ein gewisses Ausmass an Spekulationen bezüglich seiner zukunftigen Lebensgestaltung angewiesen–das fängt schon bei der Stduien- und Berufswahl an und zieht sich bis zur Altersversorgung.Wobei natürlich schon die Frage ist, ob das Gezocke mit Hedgefonds und anderen Finanzderivaten wirklich nötig ist.Es gab ja auch eine Zeit ohne Hedgefonds und subprime- Papieren und da lief die Wirtschaft auch ohne Probleme.

    Wenn ich mir § 20 und 21 von Bucharins ABC durchlese, fühle ich mich an den wirtschaftsoptimal nutzenoptimierenden denkenden homo oeconomicus der VWL erinnert, diesmal als kollektiv-totalitär denkendes Wesen und nicht als individueller Nutzenoptimierer, der dann mittels Adam Smiths unsichtbarer Hand allen nutzt. Beide Annahmen sind wohl archaisch-idealsitisch oder wie Genova sagt: Infantli.Da halte ich es mehr mit der katholischen Soziallehre und dem Menschenbild des unperfekten Sünders (wengleich die Begründung mit der Erbsünde natürlich ebenso infantlier und religiöser Quatsch ist).Menschen,die die Menschen für perfekt halten oder perfektionieren und optimieren wollen, haben ohnehin eine innewohnende Tendenz zum Totalitarismus.Seien es nun Neoliberlae, Faschisten, Kommunisten oder Islamisten.

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  26. genova68 schreibt:

    neumondschein,
    wenn ich in den Bau einer Fabrik investiere, will ich natürlich auch Gewinn, aber es wird dennoch ein reales Produkt hergestellt. Wenn ich Aktien kaufe, hat das keinen Einfluss auf die Produktion. Ich will nur das Geld. Wie gesagt, ob die Unterscheidung sinnvoll ist, lässt sich nur konkret betrachten. Es geht um den Begriff.

    Jakobiner,
    ich fände eine Abkehrt vom Markt zumindest dort sinnvoll, wo er nicht funktioniert. Bei Wohnungen in München, beispielsweise.

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  27. Jakobiner schreibt:

    Bei Kollektiveigentum ist noch etwas zu beachten. Mal abgesehen davon, dass in den meisten Kommunistischen Systemen eine Mangelwirtschaft herrschte, da die Verrechnungszentralen die Produktion abwürgten, ja auch für Hungersnöte sorgten schon bei Nahrungsmitteln wie auch anderen Konsummitteln, wurde der „Diebstahl“ viel drakonischer bestraft, da man sich nicht gegen Privateigentum von ausbeuterischen Kapitalisten, sondern gegen vermeintliches Volkseigentum des Kollektivs und aller verging, obwohl man dies angeblich nicht nötig hätte–theoretisch zumindestens. Praktisch war da aber ein Arbeitslage oder ein Genickschuß die Strafe und nicht nur 3-4 Monate in einer kapitalistischen Gesellschaft–zumal unter einem Volksgerichtshof und nicht malö mit einem juristischen Verteidiger.Von daher sind Bucharins ABC-texte nicht nur infantil, sondern auch mörderisch!

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  28. neumondschein schreibt:

    wenn ich in den Bau einer Fabrik investiere, will ich natürlich auch Gewinn, aber es wird dennoch ein reales Produkt hergestellt. Wenn ich Aktien kaufe, hat das keinen Einfluss auf die Produktion.

    Selbstverständlich hat es einen Einfluss auf die Produktion, wenn Du Aktien kaufst! Aktien werden doch begeben, damit derjenige, der eine Fabrik bauen möchte, das Kapital zusammenbekommt. Dadurch dass Du Aktien Käufer, wirst Du lediglich Miteigentümer der betreffenden Fabrik.

    Lenin und seine Mitstreiter haben die Begriffe Finanzkapital und Imperialismus eingeführt. Jüngere Linke, die sich wegen Stalins Terror weigern, deren Schriften zur Kenntnis zu nehmen, kämpfen zuweilen aber schon gegen Finanzkapital, Imperialismus, Kolonialismus, Krieg, beziehen sich dabei auf bolshevistische Konzepte, entstellen dabei aber deren Sinn. Und dann kommt noch Stephan Grigat daher, und schiebt Lenin den Antisemitismus unter, und die dummen Linken lesen jetzt lieber noch mehr von seinem Unsinn als sich in bolshevistischen Quellen zu erkundigen.

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  29. genova68 schreibt:

    neumondschein,

    Selbstverständlich hat es einen Einfluss auf die Produktion, wenn Du Aktien kaufst! Aktien werden doch begeben, damit derjenige, der eine Fabrik bauen möchte, das Kapital zusammenbekommt. Dadurch dass Du Aktien Käufer, wirst Du lediglich Miteigentümer der betreffenden Fabrik.

    Aktien werden einmal ausgegeben. In diesem Moment – in dem das Unternehmen überhaupt erst an die Börse geht – bekommt der Fabrikbesitzer tatsächlich Geld und gibt Eigentumsrechte ab. Danach ist es egal, wer Aktien kauft. Wenn ich heute eine Aktie eines Dax-Konzerns kaufe, dann kaufe ich die nicht vom Konzern, sondern von irgendeinem bisherigen Eigentümer, der mir seine Aktie verkauft. Für den Konzern ist das egal. Er bekommt heute kein Geld. Er kann nur zusehen, wie ich das Geld dem bisherigen Besitzer der Aktie gebe. Du musst also einen Unterschied zwischen diesem einmaligen Begeben und dem täglichen Handel machen.

    Die Potzenz von AGs wird komplett überschätzt und nicht ohne Grund kaufen AGs in guten Zeiten wie jetzt ihre Aktien gerne nach und nach zurück. Je mehr sie selbst besitzen, desto weniger Dividende müssen sie ausschütten, desto weniger Kapital verlässt also das Unternehmen. Und für die Produktion des Unternehmens ist es nahezu egal, ob der Aktienkurs bei 10 Euro oder bei 100 Euro steht. Was zählt, ist vor allem die Nachfrage nach dem Produkt.

    Ist ja auch klar: Wenn ich zwecks Altersvorsorge von einem Unternehmen Aktien kaufe, dann muss ich da Geld rausziehen. Geld, das die Arbeiter dort erwirtschaftet haben. Es wird ihnen geklaut, was in unserem Wirtschaftssystem halt legal ist.

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