Von Mehrheiten und Lügen

Die kleinsten Zeitungsmeldungen sind bekanntlich oft die aufschlussreichsten.

„Ältere Umfragen zeigen“, berichtete die Süddeutsche Zeitung am 1. Juni versteckt auf S. 19: „Drei von vier Befragten glauben den Zahlen der Nürnberger Behörde nicht“.

Mit der Nürnberger Behörde ist die Bundesagentur für Arbeit gemeint, zu der man eigentlich weiterhin Arbeitsamt sagen sollte, um diesen lächerlichen Neusprech nicht mitzumachen.

75 Prozent gehen davon aus, dass das Arbeitsamt lügt. Eine angenehme Vorstellung. Jeder halbwegs Informierte weiß, dass die Zahlen falsch sind. Die Bundesregierungen haben über Jahrzehnte dafür gesorgt, dass immer mehr Arbeitslose aus der Statistik herausfallen: Ein-Euro-Jobber, Leute über 58, Sich Fortbildende. Mit der Fälschung von Statistiken beschäftigen sich in Berlin Heerscharen von Beamten.

Die Süddeutsche verteidigt die Agentur und sagt, dass sie die realen Zahlen jeden Monat in ihrem ausführlichen Bericht nennt. So seien real nicht 2,5 Millionen, sondern über eine Million Menschen mehr arbeitslos. Nur: Wer liest den Bericht aus Nürnberg im Original? Die via Medien kolportierte Zahl ist immer die gefälschte.

Dass sich nur 25 Prozent der Menschen hierzulande in Bezug auf die Arbeitslosenstatistik anlügen lassen, erfreut. Da können offenbar noch so viele Strategen und PR-Affine und Werber sich Strategien der Lüge ausdenken: Ein Scheitern ist möglich.

(Foto: genova 2011)

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