Jebsen legt nach

Jebsen hat so eine Art Entschuldigungsvideo zum kürzlich hier thematisierten nachgeschoben:

Zur ersten Viertelstunde (länger will man sowas nicht gucken):

Er spricht nun langsamer, leiser, will reflektiert rüberkommen, aber mit genau demselben demagogischen Talent. Aus jedem Satz spricht völlig Uninformiertheit, fehlende Bereitschaft zum Nachdenken, aber vor allem massiver Narzissmus. Damit verbunden vermutlich ein Schrei nach Liebe, nach Anerkennung, die ihm versagt bleibt. Oder vielleicht besser: Er sieht die Anerkennung nicht oder sie reicht ihm nicht.

Strukturell würde ich mir einen aktualisierten Diktatoren genau so vorstellen: Mal laut, mal leise, scheinbar einfühlsam, beleidigend, scheinbar etwas zu sagen zu haben, schick angezogen, penetrant Mehrheitsmeinungen suchend, Instrumentalisierung von Armen, Feindbildbestimmung (mal Medien, mal Juden, mal Kapitalisten, mal Linke, mal dies, mal jenes), für die 99 Prozent sprechend, 100 Prozent engagiert, 120 Prozent involviert. Mit einem extremen Ego eine Masse formen, die man im Griff hat. Dazu haufenweise dummes, unlogisches Zeug. Inhaltlich leer, ständige Verwechslung von Ebenen. „Die linken Gazetten“ sollen endlich was machen. Aha. Die Einteilung in links und rechts ist laut Jebsen quatsch, aber laut Jebsen ist Jebsen „ultralinks“. Aha. Und so weiter.

Jebsen hat es in den vergangenen Jahren geschafft, seine Versatzstücke immer wieder aneinanderzureihen und daraus etwas zu konstruieren, was Wähler von AfD oder Trump via Rückenmark für zusammenhängend halten. Unterhält man sich heute mit Neoliberalen bzw. Rechten, bekommt man genau diese absurde Suppe aus inkohärenten Argumenten. Das interessanteste, was wir im Video erfahren: Jebsen hat zwei Jahre Schauspielunterricht genossen. Das glaubt man sofort. Schade, dass er keiner geworden ist.

Leute wie Jebsen sind ja für den Frieden. Man spürt natürlich, dass solchen Leuten der Frieden genauso egal ist wie die Armen. Friedenswille kommt gut, es macht einen scheinbar unangreifbar. Es macht den Apostel um so widerwärtiger.

Formal ist Jebsen auf der Höhe und er hat da ein bemerkenswertes Niveau erreicht, keine Frage. So wie jeder Verführer muss er die Fassade perfektionieren. Er sitzt in dem Video in einem leeren großen Saal eines 60er-Jahre-Gebäudes, teilweise in Denkerpose, er ringt mit sich, schöne Inszenierung. Der moderne König sitzt nicht auf dem Thron, sondern auf Thonet. Wo ein Höcke für weite Teile der Rezipienten zu aufgesetzt, zu kitschig, zu dröhnend wirkt, ist Jebsen formal wie auch vom wording her attraktiver. Höcke hat seinen Schauspielunterricht bestenfalls im Ohnsorg-Theater genossen.

Jebsen Spezialität ist es ja, durch schnelles Reden die Rezipienten in einen flow zu kriegen, die Bereitschaft zu erzeugen, alles zu glauben, mitzugehen, weil man in diesem flow keinerlei kritische Distanz wahren kann. Alleine der Einsatz eines solchen Stilmittels verrät den Demagogen. Jebsen spricht hier langsamer, aber eigentlich nur unwesentlich. Es sind ein paar gesetzte Pausen, das war´s. Dazu das dämmrige Licht. Keine Demagoge ohne das Augenmerk auf all die Details.

Dieses Entschuldigungsvideo ist natürlich keins, sondern er legt nach. Auch eine übliche Strategie.

Ein Jebsen ist, wie hier sicher schon einmal bemerkt, psychologisch interessant. Ausschließlich. Ein Fachurteil über den würde mich interessieren. Ich habe den Eindruck, dass er von dem, was man links nennt, unbedingt Lob haben will. Wie ein renitentes Kind benimmt er sich aber ständig daneben, wird dann kritisiert und ist beleidigt. Er braucht einen Thron – ob Thonet oder Biedermeier ist nur situationsabhängig -, sonst ist sein Ego unterbeschäftigt. Insofern ist er der natürliche Rechte. Der Arme. Vermutlich geht es im Grunde ganz banal nur um Macht.

Ein Fachurteil über seine Fans wäre auch interessant.

Wie dumm muss man sein?

(Foto: genova 2016)

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15 Antworten zu Jebsen legt nach

  1. Jakobiner schreibt:

    Manchmal frage ich mich, warum sich Genova so an dem Jebsen abarbeitet, einer Person oder Diktator im Wartestand, der es ohnehin nie wird.Der Typ ist eine Nullnummer und so lächerlich, dass diese Fixierung Genovas auf ihn schon Rückschlüsse auf Genovas eigene Charakterstruktur zulassen könnte. WWarum sich so exzessiv mit einem Deppen befassen–vielleicht um die eigene Intelligenz der eigenen Person selbsteitel darzustellen.Manchmal habe ich den Eindruck, dass Genova das alter ego von Jebsen ist: Er versucht einen in einen Flow reinzuziehen, der eigentlich nur darauf abzielt, alle anderen als die eigene Person als Profilierungsneurotiker und Psychopathen darzustellen. Bei Genova fällt mir zudem auf, dass jedesmal, wenn man inhaltlich über andere Gesellschaftssysteme oder Analysen reden will, er dieses immer abblogtgt. Sein Interesse ist die Kritik, die Selbstdarstellung, dass er diese zu beherrschen meint, aber jeglicher Neuetwicklung der LInken, die aus der Visions- und aus der Alternativlosigkeit, sei es Wertkritik, Globalismus, Akzelerationismus würgt er ebenso dikatorisch ab.

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  2. hANNES wURST schreibt:

    Ich habe nur 30 Sekunden reingeguckt und dann so rumgescrubbt, da geht ja im Video die Sonne unter, es sieht schon sehr nach Komplettironie aus. Ich habe aber keine Ahnung von Ken Jebsen und das ist wahrscheinlich auch gut so. Dennoch finde ich, dass es ein guter Service ist, dass hier vor diesem Mann gewarnt wird. Das wird die Meinung derer, die Ken Jebsen gut finden, nicht ändern, aber diejenigen, die sich wie bisher nicht mit ihm befasst haben, lernen ihn wenigstens einmal kennen – jedenfalls wenn sie das Video gucken – und können sich so zu einer Meinung über Ken Jebsen entschließen oder im Zweifelsfall gründlich recherchieren, was dieser Mensch so denkt, und ob das, was er denkt, die eigene Zustimmung verdient oder im Gegenteil vielleicht Ablehnung.

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  3. Nazienkel schreibt:

    Jakobiner mag Kritik an Jebsen nicht? Interessant, was so zu einer Kritik am Autoren einlädt. Ist auf jeden Fall ein mieser, emotionaler Kommentar. Sieht man auch am Schriftbild.

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  4. genova68 schreibt:

    Ich hoffe, dass ich mich nicht an Jebsen abarbeite. Zur Sicherheit habe ich gerade mal nachgeguckt: In zweieinhalb Jahren sieben Beiträge über Jebsen geschrieben, davon im November 2016 zwei. Über das jüngste Video bin ich gestolpert, weil youtube einem Videos vorschlägt, die einem schon gesehenen ähnlich sind. Und wenn ich sowas sehe, schreibe ich das während des guckens runter. Die Figur Jebsen finde ich schon interessant, keine Frage.

    Ob der wichtig ist oder nicht: Die Zugriffszahlen seiner Videos sind jedenfalls nicht von schlechten Eltern und man unterschätzt wohl immer noch die Öffentlichkeit im Internet, jenseits des Etablierten, die sich aber immer weiter ausdehnt.

    Die Zugriffszahlen dieses Blogs hier gehen bei solchen Jebsen-Artikeln auch enorm nach oben: Verlinkungen zu Facebook, zu anderen Blogs. Eine Verdreifachung des bei mir üblichen. Insofern hat Jebsen viel Aufmerksamkeit und das ist in unseren Zeiten, die aufmerksamkeitsökonomische sind, das beste, was einem passieren kann.

    Hannes,
    Ironie ist bei Jebsen ausgeschlossen. Strukturell bei so einem Egotypen unmöglich.

    Jakobiner,
    ich habe deine Ideen nicht abgeblockt. Ich habe in letzter Zeit eine Menge deiner Kommentare gelöscht, weil du mehrfach wieder fünf oder sechs aneinandergehängt hast, was du aber ausdrücklich bleiben lassen sollst. Du weißt das auch. Du drehst nach ein paar Wochen oder Monaten immer wieder durch. Warum du durchdrehst, weiß ich nicht, aber es nervt.

    Dass ich das alter ego von Jebsen bin: Nun ja, dann wäre ich ja quasi er und er spricht das aus, was ich denke. Dazu müsste ich erstmal kapieren, was er sagt. Jedenfalls eine gewagte Interpretation.

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  5. Jakobiner schreibt:

    Für die vielen Kommentare, die ich da mal reingehängt habe, möchte ich mich entschuldigen. Aber konkret gibt es immer wieder aktuelle Geschehnisse wie die Trumpwahl, die mich aufregen, wo ich dann gerne diskutieren würde und selbst ein etwas missionarisches Mitteilungsbedürfnis entwickle und spät am Abend dann auch noch ein Bierchen dazukommt.

    „Dazu müsste ich erstmal kapieren, was er sagt.“ Da hast du wohl recht…

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  6. Maria Christensen schreibt:

    Boahh seit ihr eklige Systemtrolle.. auf Leute wie Euch kann die Welt vollständig verzichten..

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  7. Hinweis schreibt:

    Nur ein Hinweis zu den vorgeblichen Aufrufungszahlen von Jebsens Beiträge: So Zahlen sind i.d.R. gefälscht: Viele seiner Beiträge starten bereits bei der Erstaufrufung mit einer hohen Zahl von „Zugriffen“.

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  8. besucher schreibt:

    Die Welt hat tatsächlich Maria Christensen, wer hätte das gedacht.

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  9. besucher schreibt:

    heißt

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  10. genova68 schreibt:

    Wie fälscht man denn die Zahlen bei youtube? Fälscht Jebsen die selbst oder beauftragt er jemanden?

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  11. philgeland schreibt:

    Ken Jebsen? Keine Ahnung! Habe mich bis jetzt nicht dazu durchringen (sic!) können, mir irgendwas von dem anzusehen. Wohl auch, weil er mir so – aus der ausländischen Distanz betrachtet – eher wie eine Nervensäge erscheint. (Wir kennen das ja von anderen, in anderen Metiers: Schauspieler, Showmaster oder Politiker mit mittelmäßigem bis schlechtem Niveau, denen man aber doch nicht ganz entkommt, weil sie ständig die Klappe aufreißen und sich in den Vordergrund drängen.

    (Und das von jemandem, der nun wirklich so gut wie keine Ahnung von Jebsens Stellungnahmen hat; ich bitte um Nachsicht, wenn ich da nur meinem Instinkt folgen sollte … )

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  12. philgeland schreibt:

    P. S. Von daher werde ich das obige Video nicht öffnen. Es geht mir einfach am Allerwertesten vorbei.

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  13. genova68 schreibt:

    Nichtbeachtung ist schon ok. Allerdings zeigst du ja mit deinen Kommentaren, dass es mit der Nichtbeachtung nicht so ganz klappt.

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  14. elhongo schreibt:

    Habitus eines abgeschmackten altdeutschen Mittfünfzigers. Erschreckend. Würde nicht Jebsen dranstehen, hätte es auch Guttenberg sein können. 1-2 dezente Schmisse würden an der Visage gar nicht auffallen.

    Daß sich einer hinsetzen kann, in einem als präzise zurechtgecastet präsentierten Setting, mit gegelten Haaren, Anzug und Krawatte, wie so ein Klischee von Investmentberater, und einen auf alternativ und gegen das „System“ machen kann, und das Publikum lacht ihn nicht sofort zur Tür heraus, das ist das Gedankengift des Neoliberalismus in Kompaktform. Wie endverblödet sind Jebsen-Fans? Läßt sich mit solchen Leuten eine Revolution machen? Oder auch nur ein Staat oder eine Gesellschaft? Wenn sie einfach nur dumm wären… aber ohne Führer sind sie nichts, funktionieren sie nicht, können sie nicht „denken“ – das heißt, sie schaffen eine Nachfrage nach einem Führer. Und da wirds problematisch.

    Zum Fälschen von Youtube-Zugriffen: ich weiß nur, daß diese sogenannte „Friedensbewegung“ Zugang zu gefälschten Facebook-Likes hatte. Ein Aachener (glaube ich) aus dem Dunstkreis von Hansen/Puchalski/Free21 handelt offenbar damit oder sitzt anderweitig an einer Quelle, der konnte mal eben 10000 oder mehr Likes klarmachen.

    Interessante Form der Mehrwertgenerierung https://www.theguardian.com/technology/2013/aug/02/click-farms-appearance-online-popularity
    Umgerechnet 120 US$ Lohn pro Jahr. Profitmarge über 1000% des investierten Kapitals.
    Das sind die zum Jubeln herangekarrten Bauern der digitalen Geldaristokratie.

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  15. genova68 schreibt:

    „das Publikum lacht ihn nicht sofort zur Tür heraus, das ist das Gedankengift des Neoliberalismus in Kompaktform.“ :-)

    Danke für die Infos.

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