Herr Trump und die eigentlichen Probleme

Nun wird dieser skurrile Herr Trump also US-Präsident. Der Typ ist natürlich das letzte, keine Frage. Aber das ist bekannt, seit Monaten breitgetreten. Interessanter sind die deutschen Reaktionen. Ursula von der Leyen erlitt nach ihren Worten einen „schweren Schock“. Vielleicht sollte sie unverzüglich in eine Intensivstation eingeliefert werden und sich aus der Politik verabschieden. Oder auch nur einmal nicht lügen. Natürlich erlitt sie keinen schweren Schock, sondern sie registrierte nur, dass sie gegenüber der Kanzlerin eine Erhöhung ihres Rüstungsetats durchdrücken muss, da Trump weniger Geld für die Verteidigung Europas ausgeben will. Sie wird das schnell als willkommene Herausforderung begreifen. Die unvermeidliche Frau Merkel hat schon davon gesprochen, dass Deutschland „mehr Verantwortung“ übernehmen werde. Der noch unvermeidlichere Herr Gauck will auch mehr Verantwortung, diesmal für Europa. Wer die deutsche Geschichte und das political wording nur ein wenig kennt, weiß, dass das nichts Gutes bedeuten kann.

Dass Trump bei den Amis große Sympathien genießt, ist, wie gesagt, seit Monaten klar. Ob er nun knapp Präsident wird oder auch nicht, ist da zweitrangig. Irgendwo las ich gerade, dass jeder zweite Amerikaner schon bei der Bezahlung einer mittleren Autoreparaturrechnung überfordert ist. Dass viele genau dieser Leute wohl Trump wählten, ist einerseits nur schwer begreiflich und sicher kann man diese Leute in gewisser Weise als dumm und dämlich bezeichnen. Aber es ist menschlich, offenbar. So reagiert der Mensch mehrheitlich, der sich bedrängt fühlt. Politisch rechts. Warum sollte man das immer wieder beklagen? Taten wären angesagt. Und die müssten natürlich von Links kommen.

Interessant auch die Reaktionen der deutschen Wirtschaft, wie man sagt. Man befürchtet dort Exportrückgänge wegen der angekündigten protektionistischen Politik. Na, sowas. Dass Protektionismus nun in den Medien allgemein als etwas Böses dargestellt wird, zeigt die neoliberale Verkommenheit ebendieser, sonst nichts. Ohne Protektionismus wäre das Deutsche Reich nicht wirtschaftlich aufgestiegen, und heute gilt für China oder Südkorea das gleiche. Der fehlende Protektionismus hält Afrika unten, ganz im vermeintlichen Sinne Europas.

Protektionismus kann eine sinnvolle Maßnahme sein, das kann man von Fall zu Fall entscheiden. Für ein aggressives, imperialistisches Land wie Deutschland ist das natürlich unangenehm. Hier will man ja auf Teufel komm raus die Exporte steigern, 200 Milliarden Überschuss pro Jahr sind noch nicht genug. Der böse Trump könnte das vereiteln. In den Medien hinterfragt kein Mensch jenseits linksextremer Publikationen Sinn oder Unsinn von Protektionismus. Er ist das Böse, so wie Schneeregen.

Protektionismus ist nicht der Todfeind der Demokratie, sondern eher der Todfeind des Neoliberalismus. Dass deutsche Medien da keinen Unterschied mehr machen, wundert niemanden, der das intellektuelle Niveau dieser Leute seit einiger Zeit betrachtet. Trumps Forderungen nach Protektionismus werden von den deutschen bürgerlichen Medien auf die gleiche Ebene gestellt wie sein Sexismus und Rassismus: alles ein no go.

Die  Wirtschaftsberichterstattung des deutschen Mainstreams seit Mittwoch Morgen über Trumps Erfolg zeigt eigentlich, wie abgewirtschaftet weite Teile des Establishments auch in Europa sind. Man begreift nicht, wer die Totengräber eines demokratischen, multikulturellen, pluralistischen, sozialen, menschlichen Gemeinwesens sind: Nicht Trump, nicht die AfD, nicht LePen. Das sind nur braune Reaktionen, die jeder halbwegs befähigte Soziologe erklären kann.

Es sind die Gerhard Schröders, die Joschka Fischers, die Angela Merkels, die Michael Müllers, die Clintons, die Bushs, die Sigmar Gabriels, die Cem Özdemirs, die Peer Steinbrücks, die Jean-Claude Junckers, die Markus Söders – um nur ein paar zu nennen -, und ihre tausende Helfer und Helfershelfer in Politik, Wirtschaft und Medien. Man könnte hier hunderte oder tausende neoliberal durchtränkter Artikel aus Süddeutsche, Zeit, Spiegel, FAZ, Bild und unzähliger Regionalzeitungen der vergangenen 20 Jahre anführen, die als Zeugnisse der totalen Propaganda fürs Kapital zu werten sind. Es ist das neoliberale Establishment, das weite Teile der Welt im Griff hat. Wer die totale Konkurrenz propagiert, braucht sich nicht zu wundern, dass er den totalen Führer bekommt. Alles aus der Geschichte bekannt. Die gerade genannten Namen und Zeitungen sind die effektiven Erzeuger eines neuen, zeitgemäßen Faschismus ohne Uniformen. Dass viele der dort Beteiligten zu dämlich sind, um das zu merken, mindert allein die persönliche Haftung.

Dass dieser Siegeszug in den USA mit einem republikanischen Präsidenten namens Reagan begann, nennt man wohl Ironie der Geschichte. Es ist aber keine Entschuldigung für die neoliberalen Kameraden hierzulande. Wir haben eine neoliberale Entwicklung in allen ökonomisch relevanten Politikbereichen: ob es die Rente ist oder die Infrastruktur, ob Wohnen oder Krankenversicherung, ob Europapolitik oder die gegenüber Entwicklungsländern: Seit 30 Jahren haben wir das Primat des Ökonomischen, jenseits des Humanen – und zwar ohne jede objektive Notwendigkeit. Die Entwicklung der Europäischen Union in diesem Zeitraum sollte als Beleg genügen: Zurichtung von Gesellschaften für Kapitalverwertung und Etablierung von Konkurrenz zwischen den Nationalstaaten. Je objektiv sinnvoller eine Entschleunigung, eine Entspannung des Lebens wäre, desto beschleunigter und verspannter ist die reale Politik, die der unsichtbaren Hand des Kapitals blind folgt. Es ist völlig normal, dass wir einen Trump, einen Höcke, einen Strache und einen Wilders bekommen. Das kapitalistisch geknechtete Wesen kann gar nicht anders als seine vermeintliche Befreiung über Hass und ähnliches zu versuchen.

Wer das nicht kapiert, braucht sich über die genannten Rechtsradikalen nicht aufregen.

Der heutige durchschnittliche Rechtsradikalenkritiker ist auf dem analytischen Niveau des durchschnittlichen Trump-Wählers. Vielleicht ist das der Kern des Problems.

(Foto: genova 2016)

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29 Antworten zu Herr Trump und die eigentlichen Probleme

  1. hANNES wURST schreibt:

    Ich bin sehr erleichtert darüber, dass unsere amerikanischen Freunde uns durch eine mutige Wahl das Regime der Bomben-Hiltrud, die als erste Amtshandlung eine Flugverbotszone von der Krim bis über die Balearen eingerichtet hätte, erspart bleibt. Diesen großen Gewinn scheint von den ganzen deutschen Betroffenheitsparflammen im Politik- und Medienbetrieb nur Sahra Wagenknecht zu realisieren.

    Im District of Columbia stehen die Machtverhältnisse übrigens so, wie Urselchen sie sich wünscht: Clinton 92,8% – Trump 4,1%.

    It’s a mass of irony for all the world to see
    It’s the nation’s capital, it’s Washington D.C.

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  2. genova68 schreibt:

    Flugverbot über Mallorca? Da hört sich alles auf. Wo ich doch unbedingt mal mit der Sahra am Ballermann Urlaub machen möchte.

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  3. Chinook schreibt:

    Das die Amis ihn gewählt haben, verstehe ich absolut. Ich war mir auch relativ sicher, dass er gewinnt.
    Michael Moore hat das treffend ausgedrückt. Trump ist ein menschlicher Molotovcocktail. Die Menschen die sich das Leben kaum noch leisten können, die absteigen, abgestiegen sind, nicht aufsteigen können oder von Abstieg bedroht sind, die sind mittlerweile sehr zahlreich. Und dem Establishment und allem ab der oberen Mittelschicht sind diese Menschen und deren Probleme scheißegal, solange man sich selbst zwei Urlaube in Übersee und eine Wohnung in Queens leisten kann.
    Am Wahltag gehen diese Leute in die Wahlkabine und denken sich, heute ist dieses ganze Sozial-/Status-/Einkommens-Gefälle egalisiert, denn jeder hat genau eine Stimme. Und diese Menschen denken sich, warum sollten sie sich einen Dreck um Leute scheren, die auf ihrem Rücken ihren Wohlstand sichern, denen sie scheißegal sind und die sie nicht respektieren.
    Im Grunde sind diese „Profiteure“ das System, welches sie verachten und das sie verachtet. Und was braucht dieses System damit sich nichts ändert und alles so bleibt wie es ist? Genau, Stabilität.
    Für die oberen 50% wünschenswert das sich nix groß ändert, aber für die Unteren? Da sieht das evtl. anders aus.
    Die mögen nicht so gebildet und belesen sein, haben keine zwanzig Doktortitel, aber die Arroganz wie über die Entscheidung von AfD/Trump/FN etc. Wählern geurteilt wird und das man eine solche Wahl hauptsächlich auf geringe Bildung schiebt, die ein Erkennen eigener Interessen verunmöglichte – das sagt wenig aus über diese Wähler, aber sehr viel über die gockelhafte, dumme Ignoranz abgehobener Milieus.
    Die Leute glauben die Mär vom Wohlstand für alle durch reines BIP Wachstum allein eben nicht mehr. Oder wie Churchill sagte, das Problem mit Statistik ist, wenn ich zwei Hähnchen habe und du keines, dann haben wir im Schnitt jeder ein Hähnchen – der Unterschied ist, ich bin satt und du hast hunger.
    Am Wahltag gingen Diejenigen, die exkludiert sind und deren Kinder wahrscheinlich exkludiert sein werden, die an den Annehmlichkeiten des Wachstums nicht partizipieren oder drohen abzurutschen, in die Wahlkabine und ergriffen die einzige Chance die sie sahen, das System welches sie schröpft zu destabilisieren, um Veränderung herbeizuführen.
    Sie setzten das X bei Trump, zündeten den Molotovcocktail und warfen ihn mit einem Fuck You mitten ins System. Und das galt keineswegs nur für Konservative oder Red Necks. Bspw. haben auch einige Sanders zugeneigte Wähler für Trump gestimmt und auch seine Stimmenanteile unter den Hispanics waren vergleichsweise hoch.

    Naiv? Wahrscheinlich.
    Riskant? Definitiv!
    Unlogisch und irrational? Absolut nicht.

    Ironisch eben, dass sie aus nem grundsätzlich verständlichen Antrieb (auch wenn wenige den en detail reflektieren werden) Trump gewählt haben, der ihnen verspricht zurück in die Vergangenheit zu gehen. Denn er ist Teil dieses Systems, ändert auch nix, dass er dies freimütig zugibt. Die Wahl innovativer in die Zukunft zu gehen und das System zu schocken, wäre wohl eher Sanders gewesen.

    Die realistischste Wirkung von Trump wird sein, dass sich im Leben des Durchschnitts-Amis nicht viel ändert. In den USA ist der Einfluss der Wirtschaft noch größer als hier, was den Gestaltungsspielraum Trumps‘ selbst dann begrenzte, wenn er nicht ein Mann der Wirtschaft wäre und wirklich vorhätte etwas groß zu ändern. Für Europa wird es halt ungemütlich und für die baltischen Staaten auch. Aber es wird langsam Zeit, dass Europa auch außenpolitisch auf eigenen Beinen steht, seine Sicherheitsausgaben selbst trägt und eine GASP hinbekommt. In der Hinsicht könnte Trump ganz neue Impulse und Anreize generieren und Europa dazu treiben, Sachen anzugehen, die wir längst von uns aus hätten angehen müssen..
    Die USA haben Hoover/McCarthy überstanden, sie haben Reagan überlebt, einen Schauspieler der auf nem Cowboy-Film hängengeblieben ist und kamen sogar mit dem Verrückten Nixon durch Vietnam und den Kalten Krieg. Ich glaube nicht, dass die Amis wegen einem polternden Immobilien/RealityTV-Chauvi, dessen hauptsächliches Interesse es ist sich selbst zu verkaufen, die Bürgersteige hochklappen müssen.
    Aber wer weiß? Trump ist unberechenbar. Auf jeden Fall wird es interessanter als mit Clinton, vielleicht sogar lustig – wahrscheinlich halt nicht für jeden.
    Aber wie Genova anmerkte, die Ursachen liegen sowieso woanders. In unregulierten Finanzmärkten, katastrophaler Bildungspolitik, stagnierender Gesundheitsversorgung, sinkender Organisation von Arbeitnehmern, zunehmender globale Konkurrenz und letzlich in einer geistig verarmten Mittelschicht die nen Horizont bis zum eigenen Facebook-Account hat, einem ritualisierten Politikbetrieb und Medien, welche die Kompetenz verloren haben Diskussionen und verschiedene Perspektiven in den gesellschaftlichen Diskurs zu bringen.
    Die Reaktion der Politik auf Trumps Wahlsieg bezeichnend. Moralisierendes Geplapper für die Öffentlichkeit. Da wirds ja aber vielleicht schon lustig. Trump ist kein Politiker und definitiv kein Diplomat, vielleicht schaut er Diejenigen, die er nicht leiden kann, mit dem Arsch nicht an. Dann wünsche ich dem Club Dilettanti aus Gabriel, Steinmeier und Merkel viel Spaß. Ich hol schonmal Popcorn.

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  4. genova68 schreibt:

    Ja, in Teilen stimme ich dir sogar mal zu Chinook. Wobei mich interessieren würde, wie viele Hispanics und Schwarze wirklich Trump wählten. Werden wir wohl noch erfahren. Allerdings habe ich heute auch gelesen, dass nicht nur die Abgehängten Trump wählten, ähnlich wie bei uns die AfD. Da ist schon auch eine massiv rechte Gesinnung dahinter.

    Wenn ich das richtig verstanden habe, hat Trump wirtschaftspolitisch nur Blödsinn erzählt: Die alten Industrien will er in den USA reaktieren. Wie soll das denn gehen? Hat er auch was zu Mindestlöhnen gesagt? Sanders wäre da als Gegenkandidat interessant gewesen.

    Übel ist jedenfalls, dass Trump in den nächsten vier Jahren eine Menge wichtiger Ämter, vor allen an Gerichten, mit Gefolgsleuten besetzen kann. Wenn dann auch noch die Bible-Belt-Fraktion mitmischt, kann das schon ziemlich in die Hose gehen. So oder so ist eine Chance vertan, politisch irgendwas zum Sinnvollen zu verändern.

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  5. heinz schreibt:

    @chinook
    „Die Menschen die sich das Leben kaum noch leisten können, die absteigen, abgestiegen sind, nicht aufsteigen können oder von Abstieg bedroht sind, die sind mittlerweile sehr zahlreich.“

    Wenn es wirklich nur die bereits Abgestiegenen oder vom Abstieg gefährdeten sind, die Trump gewählt haben sollen, frage ich mich, warum Clinton bei den unteren Enkommensgruppen (bis 50000$ jährlich), trotz Verlusten gegenüber Obama, gewonnen hat und Trump bei allen(!) Einkommensgruppen über 50000$, inklusive der höchsten Einkommensgruppe (über 250000$), gewonnen hat.

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  6. Jakobiner schreibt:

    „Es ist völlig normal, dass wir einen Trump, einen Höcke, einen Strache und einen Wilders bekommen. Das kapitalistisch geknechtete Wesen kann gar nicht anders als seine vermeintliche Befreiung über Hass und ähnliches zu versuchen.“

    Anormal scheint wohl zu sein, dass sich „das kapitalistisch geknechtete Wesen“wohl auch mal ein linkes Ventil oder eine linke Partei suchen könnte. Aber der Wahlsieg Trumps dürfte sich auch dadurch erklären lassen, dass viele Bernie Sanderswähler nicht wählten oder aber Trump wählten, letzteres vor allem die Arbeiterklasse des Rustbelts im Nordosten.Aber auch 1/3 der Latinos und 1/3 der Asiaten wählten Trump, ebenso viele Frauen, 82% der Evangelikalen und 52% der Katholiken, die ja angeblich von dessen unmoralischen Sprüchen und Lockerroomgesprächen laut Mainstreammedien irreversibel abgeschreckt worden seien. Bezeichnend ist auch, dass Clinton viel von Schwulen, Lesben, Transgender, Afroamerikanern, Lations und der middle class sprach, Trump hingegen aber von Americans und der „working class“(dieses verbotene Wort nahm eigentlich nur Bernie Sanders in den Mund, wie auch das Wiort sozialistisch und Revolution, wenngleich er eigentlich nur eine Sozialdemokarte nach skandinavischem Vorbild meint, was aber in den USA schon als Kommunismus gelten dürfte). Trump gab sich da proletarischer und bäuerlicher zugleich.

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  7. Jakobiner schreibt:

    „Im Grunde sind diese „Profiteure“ das System, welches sie verachten und das sie verachtet. Und was braucht dieses System damit sich nichts ändert und alles so bleibt wie es ist? Genau, Stabilität.Für die oberen 50% wünschenswert das sich nix groß ändert, aber für die Unteren? Da sieht das evtl. anders aus.“

    Genau, sowohl bei Trump wie bei Obama heißt das Schlüsselwort „change“, Veränderung.Viele meinen damit aber die Rückkehr zu einem alten Status Quo der boomenden 50er Jahre, als Amerika great war–deswegen: Make America great AGAIN!

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  8. Chinook schreibt:

    @Heinz

    Gehen wir einfach mal davon aus, dass es ein unflexibles Stammwählerpotenzial gibt (bei den Konservativen gewöhnlicherweise größer als bei Linken) und ein flexibles unentschlossenes Wählerpotenzial. Das große unflexible Wählerpotenzial weist in der Tendenz eine homogenere Milieustruktur auf und entspricht auch eher den klassischen Konservativen/Linken-Wählergruppen.
    Natürlich wählen auch Reiche die Demokraten und Arme die Republikaner und umgekehrt. Aber der Wahlkampf wird vor allem um das flexible Wählerpotenzial geführt, welches die Wahl entscheidet. Und hier hat Clinton eben viel verloren und Trump vergleichsweise viel gewonnen. Trump hat vor allem flexible Wähler gewonnen, die ansonsten eher den Demokraten zugeneigt wären oder nicht wählen gehen und in dem Fall vor allem in wenig wohlhabenden Milieus (auch in der untersten Mittelschicht), wo ein Statusverlust droht und die sich politisch nicht vertreten fühlen. Deshalb kann man nicht hingehen und die Zahlen nur absolut vergleichen. Vor allem die relative Zu-/Abnahme (und aus welchen Wählergruppen sich diese speist) ist interessant und da dann eben auch sozioökonomische Erklärungsansätze.
    Den Unterschied haben diesmal die gesellschaftlich und wirtschaftlich Exkludierten gemacht und nicht die wohlhabende Mittelschicht.
    Diese Aufstellungen von Statistiken wie in ihrem Link sind oft nützlich und haben sicher eine oberflächliche Aussagekraft. Aber einfach die absoluten Zahlen abzulesen und gegenüberzustellen reicht nicht in jedem Fall aus. Aus dem Schaubild im FAZ Link, in dem nach Einkommen unterteilt wird, ist z.B. gar nicht ersichtlich wieviele Personen das dann überhaupt waren, hier hilft die Prozentangabe allein dann wenig weiter.
    Um die Befindlichkeiten der Menschen abzuleiten und die hinterleigenden Problematiken, da denke ich, ist die Veränderung zu vorhergehenden Wahlen ohnehin ein besserer Indikator, weil Trends abzuleiten sind in welche Richtung sich Milieus entwickeln, wenn die Daten auch in räumlicher Dimension vorliegen.
    Aber natürlich ist eine solche Wahl nicht monokausal erklärbar. Dass Trump gewonnen hat, dafür waren die Stimmen der Exkludierten und vom Abstieg bedrohten aussschlaggebend. Dass die politische Landschaft in den USA sich immer weiter polarisiert, da spielt natürlich der zunehmende Unterschied zwischen einer modernen urbanen und einer konservativ ruralen Gesellschaft eine Rolle. Jedoch sind die ruralen Regionen kulturell natürlich auch in gewisser Weise abgehängt und auch von sich neu bildenden innovativen Industrien als Standort wenig beachtet. Die Menschen dort sind also auch in gewisser Hinsicht exkludiert.

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  9. heinz schreibt:

    @ chinook
    Ein entscheidender Grund dürfte auch die ethnische Zusammensetzung der unteren Schichten sein. Deine Analyse dürfte nur für den „Weiße Amerikaner ohne Hochschulabschluss“, der in der faz erwähnt wird, zutreffen. Die Schwarzen und Latinos aus den unteren Schichten dürften Trump wohl wegen seines Rassismus eher abgelehnt haben, obwohl ein Drittel der Hispanics für ihn gestimmt hat.
    Vielleicht sind die unteren Schichten auch einfach viel rationaler und ziehen eine Präsidentin Clinton, die ihnen einen höheren Mindestlohn verspricht, einem Molotovcocktail wie Trump vor, der die Krankenversicherung abschaffen und seinen Reichen Buddys die Steuern senken will.

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  10. Jakobiner schreibt:

    „Wer die totale Konkurrenz propagiert, braucht sich nicht zu wundern, dass er den totalen Führer bekommt.“

    Besser kann man es nicht formulieren. Dennoch muss man sehen, dass Trump wegen dem Wahlmännersystem gewonnen hat. Clinton hatte mehr Wähler als Trump, Trump aber mehr Wahlmänner als Clinton.
    Noch eine Frage: Könnte ich den Artikel auf meinem Blog reposten?

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  11. genova68 schreibt:

    Ja, klar, du kannst alles reposten, solange eine Quelle druntersteht.

    Es ist jetzt wohl klar, dass vor allem Weiße und da vor allem weiße Männer und da vor allem eher unterdurchschnittlich gebildete Trump wählten. Hispanics selten, Schwarze kaum. Es ist wohl so eine Art AfD-Klientel. Dennoch bleibt die Frage, warum sich so viele Menschen so scheiße entwickelt haben.

    Vielleiht kann man auch sagen, dass Trump versucht, das alte Amerika ein wenig künstlich zu beatmen: Massenhafte Kohleförderung, Atomkraftwerke, Stahlindustrie. Interessant ist, dass er ein massives Konjunkturprogramm auflegen will, offenbar allerdings rein steuerfinanziert. Er sagt auch ganz offen, dass er Geld drucken will. Das könnte interessant werden, weil die Verschwörerszene auf Trump setzte, gleichzeitig aber gerne von der bösen Geldpolitik redet.

    Der Vorteil der Rechten ist strukturell zweifellos, dass es ihnen einzig um die Etablierung und Bedienung von Feindbildern geht. Die sind schnell austauschbar. Man kann sich also Trump in allem möglichen politisch anpassen, solange er nur ein paar Feindbilder bietet.

    P.S.: Der Tagesspiegel macht vor, wie die bürgerliche Analyse der Wahl aussieht:

    „Die Demokratische Partei steht vor dem Nichts – ein populistischer Schwenk nach links würde sie weiter isolieren.“

    Klar, Richtung Sanders zu gehen, ist populistisch. Also schön brav die neolibereale Ausrichtung beibehalten.

    http://www.tagesspiegel.de/politik/nach-der-us-wahl-zeit-der-wildnis-fuer-die-demokraten/14827474.html

    Thomas Roth von den Tagesthemen meinte, die da unten seien desorientiert und man selbst habe das europäische Projekt nur nicht gut genug den Desorientierten erklärt. Es ist offenbar nur eine Frage der Kommunikation, nicht der Politik.

    Mit solchen Eliten kann es nur bergab gehen. Hat was von Titanic.

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  12. hANNES wURST schreibt:

    @genova: Du schreibst (und die gleiche Aussage lese ich häufig) dass „eher unterdurchschnittlich gebildete [sic] Trump wählten“. Das stimmt zwar, aber „eher unterdurchschnittlich“ ist eine sehr vage Aussage.

    Hier sind die Ergebnisse der Nachwahlbefragung von CNN (25.000 Befragte):

    http://edition.cnn.com/election/results/exit-polls/national/president

    Dort sieht man unter „education“, dass von den Collegeabsolventen 49% Clinton und 45% Trump wählten.

    Die Tendenz stimmt zwar: Trump kommt umso schlechter an, je höher die Bildung. Die Unterschiede sind jedoch so marginal, dass der Grund dafür, dass dieser Unterschied immer wieder genannt wird wohl eher auf das Selbstverständnis der Trump-Gegner zurückzuführen ist als auf eine tatsächliche signifikante Wählersegmentierung.

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  13. Chinook schreibt:

    @Heinz

    „Deine Analyse dürfte nur für den „Weiße Amerikaner ohne Hochschulabschluss“, der in der faz erwähnt wird, zutreffen.“

    Nö, so pauschal kann man das nicht sagen. Ich denke die trifft so ebenfalls sehr gut auf andere Gruppen zu. Siehe die Hispanics, die haben Trump eben aus verschiedenen Gründen weniger abgelehnt als andere republikanische Kandidaten in der Vergangenheit, Aber sie bezieht sich eben auf diejenigen Wähler, die flexibel sind. Dass insgesamt die unteren Einkommen eher Demokraten wählen und wohlhabendere Schichten eher Republikaner, dass ist vollkommen klar und zu erwarten. Alles andere wäre ziemlich seltsam, es sind ja immer noch Kandidaten zweier Parteien, welche unterschiedliche Grundrichtungen vertreten.

    „Vielleicht sind die unteren Schichten auch einfach viel rationaler und ziehen eine Präsidentin Clinton, die ihnen einen höheren Mindestlohn verspricht, einem Molotovcocktail wie Trump vor, der die Krankenversicherung abschaffen“

    Ich würde nicht sagen, dass ein wenig wohlhabender Demokraten-Wähler zwangsweise rationaler wählt als ein wohlhabender Anhänger der Republikaner.

    In den deutschen Medien wurde extrem oberflächlich berichtet. Am Wahlabend hat man das ja auch gesehen. Also ich habe ziemlich schnell das ARD Geplapper nicht mehr ausgehalten und auf CNN geschaltet. Wobei die beiden „US-Verteter“ in den ARD-Runden die Einzigen waren, die interessantes beizutragen hatten und konstruktiv analytisch war nur Eric Hansen, der viele Einblicke auch für den deutschen Zuschauer verständlich formulieren konnte – und ohne den die Berichterstattung, wie er selbst an einem Punkt anmerkte, tatsächlich wenig mit Journalismus zu tun gehabt hätte.

    Und jetzt kommen halt die ganzen Experten, die Trump praktisch keine realistischen Chancen zugerechnet haben und wollen erklären, wie er doch gewinnen konnte – mit sehr ähnlichen Erklärungsmustern, mit denen sie vor zwei Wochen einen Sieg von Clinton für sicher hielten.
    Die Mehrzahl der vermeintlichen Experten versteht seit einigen Jahren überhaupt nicht mehr, was eigentlich gesellschaftlich passiert. Die Frage ist nicht, wie konnte er gewinnen. Die Frage ist, wieso kam er über 25% und wurde nominiert – wobei er nicht der krasseste Bewerber war, man informiere sich mal über Ted Cruz etc.
    Es wird in Schubladen gedacht, Schichtzugehörigkeiten etc. Die ersten die erkannt haben, dass die Gesellschaft und politische Einstellungen im Westen heute fragmentiert sind, waren „die Russen“ als sie es in ihr Propagandakonzept hinsichtlich der hybriden Kriegsführung einbauten. Und die Berater von Trump haben genau dieselbe Erkenntnis gehabt und einen perfekten Wahlkampf gemacht und bei aller Unsicherheit und unter allen Widrigkeiten und Tiefen konsequent durchgezogen, weil sie sich sicher waren, dass sie die gesellschaftlichen Befindlichkeiten besser erkannt haben als so gut wie alle anderen „Experten“ – „and in the end it will eventuelly add up“.
    Diese vermeintlichen Kenner der politischen Landschaft und der Wählerschichten befinden sich im falschen Modus. Es ist kein Zufall, dass viele „Konfliktexperten“ (ob aus sozialem/wirtschaftlichem/militärischem Bereich), welche sich zu diesem Thema äußerten eine sehr andere Ansicht zu Trumps Chancen hatten als der Rest der „klugen Welterklärer“. „Konfliktexperten“ liegen immer dann richtiger, wenn sich Logiken aufgrund von Konfliktstrukturen ändern und von linearen Erklärungsmustern abweichen. Insofern könnte man sich dem Gedanken widmen, wo denn diese Konflikte gesellschaftlich liegen, dass diese Experten immer korrekter gegen die allgemeine Weisheit analysieren und Recht behalten.
    Dieser Modus von Schubladen – und wenn ich viele Schubladen habe, dann gilt dass als differenzierte Ansicht – scheint nicht mehr besonders geeignet Prognosen zu treffen, weil er die Realität ungenügend abbildet.

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  14. genova68 schreibt:

    Hannes,
    danke für die Nachwahlbefragung. Die Schwarzen scheinen die einzigen, die noch vollumfänglich alle Latten am Zaun haben. Das Ganze ist wohl wie bei uns die AfD: Viele Abgehängte, Arbeitslose, aber auch viele konservative, rechte Gutsituierte. Die Analyse ist wohl in beiden Ländern die gleiche: Gesellschaftliche Fortschritte, Teilhabe, Achten auf Minderheiten etc. geht nicht mit neoliberaler Politik der totalen Konkurrenz zusammen. Ich schreibe ja manchmal Kleinigkeiten auf, die auffallen: Beispielweise die aktuelle Ankündigung der nächsten Rentenreform, die garantiert nur mehr Sozialabbau wird, sonst nichts. Die Verarschung durchs Establishment ist vollumfassend, das muss man leider so deutlich sagen. Besonders lustig sind ja Details: Die Süddeutsche schrieb vorgestern einen Artikel über das böse Wort Establishment, das werde nur in populistischen Kreisen gebraucht. Eine Seite weiter, auf Seite 3, schrieb ein SZ-Redakteur vom Establishment bei den Republikanern.

    Entscheidend ist, wie schon gesagt: Die Schuldigen ermitteln und anklagen, und das sind weder Trump noch Höcke. Man könnte beispielsweise dieses Wochenende den grünen Parteitag in Münster besuchen und all denen aufs Maul geben, die schon in der rotgrünen Bundeskoalition vor 15 Jahren saßen. Da hätte man ein paar Täter erwischt.

    P.S.: Auch nicht untypisch, dass nun via Trump Rechtsextreme Einfluss im Weißen Haus bekommen:

    http://www.deutschlandfunk.de/spekulationen-ueber-us-kabinett-ein-rechtspublizist-als.1773.de.html?dram:article_id=371177

    Nächstes Jahr ist Bundestagswahl in D. Vielleicht sollte man sich so langsam ganz unaufgeregt politisches Asyl suchen. Portugal, Spanien böten sich derzeit an.

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  15. hANNES wURST schreibt:

    @genova: In den Tagesthemen vom 10.11. (https://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/tt-4841.html) wehklagt erst Jan Werner Müller – deutscher Politikwissenschaftler der in Princeton lehrt – über den Populismus (ab Minute 10:15) und dann kommentiert Alois Theisen vom HR (ab 14:50) das Wahlverhalten der US Amerikaner. Der Kontrast zwischen den Beiträgen könnte größer nicht sein und Theisen bringt es in seinem Schlusssatz auf den Punkt:

    Das „Zeitalter des Postfaktischen“, es ist eine weitere hilflose Formel, hinter der sich nur eines verbirgt: Viele schlaue Welterklärer verstehen die Welt nicht mehr.

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  16. Chinook schreibt:

    „Allerdings habe ich heute auch gelesen, dass nicht nur die Abgehängten Trump wählten, ähnlich wie bei uns die AfD. Da ist schon auch eine massiv rechte Gesinnung dahinter.“

    Wie vorhergehend von mir beschrieben, natürlich haben nicht nur die Abgehängten Trump gewählt. Aber die von dir angenommene „rechte Gesinnung“ und der Vergleich zur AfD, da wird es schwierig. Denn der Begriff „Rechts“ hat in Deutschland defintiv eine andere Bedeutung als in den USA. Viele Republikaner fänden sich in Dtl. schnell in der Schublade religiöser Faschist mit unsozialer Wirtschafts-Ansicht und rassistischen Tendenzen wieder. Aber ziemlich viele Asiaten, Hispanics und auch Afroamerikaner würden dann eigentlich auch in dieses Schema passen.
    Die Situation ist insofern vergleichbar, als dass polarisierende Kräfte des konservativen Spektrums an Land gewinnen, die Parallelen sind deutlich, aber wir haben es mit zwei unterschiedlichen Situationen zu tun. Schon allein deshalb, weil erhebliche Unterschiede der Gesellschaften in den USA und Westeuropa bestehen und vor allem auch in deren Wahrnehmung und Reaktivität auf verschiedene Reize. Schaffe morgen in Deutschland das Krankenversicherungssystem ab, dann hat man ab übermorgen ein heftiges „Krawallpotenzial“. Führe es in den USA ein (und halt nicht die aktuelle teure Obama-Minderversorgung für Arme), gilt dies ebenso. Es bestehen große kulturelle Unterschiede, insofern macht ein pauschaler Vergleich von Trump mit der AfD wenig Sinn, da ein solcher sich aus dem alten, linken Schubladen-Klassen-Klischee-Begriff speist, welcher in gewisser Hinsicht obsolet geworden ist.

    Mindestlöhne gibt es in den USA in vielen Staaten, teilweise höher als in D. Genau wie in Deutschland ist die Frage, für Wen dann dieser Lohn auch praktisch gilt. Und die alten Industrien wiederbeleben, darunter verstehen die Amis weniger die in deutschen Medien genannten „Stahlwerke“, sondern eben die Produktion als Teil der Wertschöpfungskette. Nach vielen Statistiken produziert die überwiegende Anzahl an Firmen in China nicht billiger, da die Produktivität im Westen den asiatischen Personalkostenvorteil praktisch oft aufwiegt. In Asien herzustellen stellt für viele moderne Unternehmen eine strategische Entscheidung dar, um den (meiner Ansicht nach illusionären) künftigen Marktzugang zu ermöglichen/zu sichern – es ist allerdings oft kein kostenrelevanter Punkt. Wenn dies zuträfe, man gleichzeitig über die global mächtigste Volkswirtschaft verfügt, die mit haushohem Abstand innovativsten Unternehmen und die Leitwährung sein Eigen nennt, dann könnten solcherlei Ansätze verbunden mit protektionistischerer Politik durchaus Sinn machen – und zwar vor allem auch für weniger wohlhabende Schichten. Wobei ich nicht eine Sekunde daran glaube, das Trump vorhat so etwas in der Art wirklich konsequent durchzuziehen (vom Grundansatz sehr anders sind als bspw. die wirtschaftspolitische Ausrichtung der AfD). Vielleicht bekommt er den ein oder anderen mittelfristig inkrementell besseren Deal, aufgrund seiner Unberechenbarkeit.

    Aber gehen wir zurück zu der Bewertung der Trump-Wähler und ihren Latten am Zaun. Alle „uneducated“ und irrational?
    Erinnern wir uns an den alten Spruch am Pokertisch. Wer viel Geld am Tisch hat könnte zocken, wer über ein mittleres „Vermögen“ verfügt darf nicht zocken, wer praktisch nicht existent ist, muss zocken. Ist es eine gute Strategie mit wenig Geld noch zu zocken? Nein! Weil es langfristig keinen Erfolg verspricht; heißt, es geht deutlich öfter schief als dass es klappt. Aber wenn man glaubt nur ein Spiel zu haben oder man hat nur eines, dann ändert sich eben die Handlungslogik und man geht Risiken ein, um die Veränderung am Tisch zu erzwingen. Und das gilt natürlich auch für Diejenigen, die eigentlich noch ganz gut mit „Chips“ ausgestattet sind, sich aber unter Druck sehen.

    Nassim Taleb hat meiner Ansicht nach einen sehr interessanten Beitrag verfasst, in welchem er einige Problematiken in den USA recht gut angesprochen hat:
    View story at Medium.com

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  17. Chinook schreibt:

    Mal ganz abgesehen davon, dass Clinton eine extrem schlechte Kandidatin war. Sie hat den Posten als Außenministerin aufgegeben, damit sie sich frühzeitig um Netzwerke kümmern konnte, die ihr die Kandidatur für die Demokraten garantierten – „offiziell“ war sie natürlich lange „unentschlossen“. Bernie Sanders war der akzeptierte Gegenkandidat, weil er so weit links war, dass niemand der demokratischen Führungsriege sich vorstellen konnte, dass er eine Hürde für Hillary wäre. Das Programm der Vorwahlen war von Clinton und ihren Unterstützern weit oben schon lange geplant – aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt,
    Unterm Strich hat eine vollkommen unbeliebte und verbrannte Kandidatin es geschafft, über eine Milliarde an „Spendengeldern“ zu akquirieren und die Vorwahlen zu gewinnen. Clinton hat eine extreme Leistung vollbracht – als vollkommen ungeeignete Kandidatin hat sie es durch „Netzwerken“ geschafft die Vorwahl zu überstehen, welche eigentlich genau dazu da ist, dass eben nicht jemand als Präsidentschaftsanwärter antritt, der dann gegen einen lächerlichen Clown in der Endrunde verliert. Wenn das nicht Politik an den Bedürfnissen der Wähler vorbei ist, dann weiß ich nicht was dies sein soll. Nichtmal Michael Moore der nun selbst ein Hausschwein Trump vorgezogen hätte, konnte bessere Gründe nennen Clinton zu wählen, als dass sie eine Frau ist, die in der Vergangenheit ungerecht behandelt wurde.

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  18. Jakobiner schreibt:

    TTIP ist tot, fragt sich, ob unter Trump Besseres kommt:

    Gestern ein sehr interessanter Artikel im Münchner Merkur, den ich der Einfachheit halber im O-Ton zitieren möchte:

    “Warum TTIP kaum noch eine Chance hat

    (…)

    Das Programm von Trumps Berater

    Entgegen vieler Berichte hat sich der künftige Präsident nicht zu TTIP geäußert.Auch nicht, welche Handelspolitik er künftig verfolgen will.Geäußert hat sich aber der Milliardär Tom Barack, ein enger Freund Trumps und einer seiner engsten Berater im Wahlkampfteram. Barack hat im Augaust 2016 einen “neuen Ansatz für Handelsabkommen”skizziert.Dort schlägt er vor, Freihandelsverträge der USA radikal zu vereinfachen und auf die Interessen der amerikanischen Wirtschaft zu konzentrieren.Es wäre ein Freihandel nach Trumps Art. Die wichtigsten Punkte lauten:

    –Bisherige Wirtschaftsabkommen sind “zu bürokratisch, zu undurchsichtig, zu komplex”.

    –Handelsabkommen der USA sollten darauif beschränkt sein, die “Wirtshcaftsinteressen der USA zu stärken”und keine “geopolitischen Ziele zu verfolgen”.

    –Gemeinsame Erklärungen zu “Arbeits- und Umweltstandards, Klima, Menschenrechten oder militärischen Themen”haben laut Barack darin nichts zu suchen.

    –Die USA sollen “vor allem bilaterale Abkommen abschließen”, weil Verträge mit mehreren Staaten die amerikanischen Intersessen verwässern”.

    Europa steht vor großen Problemen

    Sollte sich Trump diese Idee als Handelsstrategie zu eigen machen, dürfte das die EU vor große Probleme stellen.Trump wäre mit dieser Strategie nicht gegen Freihandel. Das wäre angesichts der Interessen amerikanischer Unternehmen auch nicht zu erwarten.Aber TTIP wäre zum Scheitern verurteilt. Weil es ein komplexes Abkommen ist, in das 28 EU-Staaten eingebunden sind. Und weil die EU es sic nicht nehmen lassen will, auch politische Ziele in den Handelsvertrag mit aufzunehmen-etwa zu den internationalen Arbeitsnormen.Etwas anderes würde die europäische Öffentlichkeit gar nicht akzeptieren. Ganz zu schweigen, von den Forderungen der EU, die US-Märkte weiter zu öffnen. Denn das liegt nicht im Interesse der USA und wird von US-Verhandlern derzeit schon abgewehrt.”

    (Münchner Merkur vom 12/13.11.2016, S.7)

    Interessant ist die völlige Ökonomisierung der außen- und wirtschaftspolitischen Beziehungen durch Trumps Berater, die dem Geschäftsmann Trump wohl auch entsprechen dürfte. Die Absage an eine geopolitische Dimension von Handelsverträgen, sowie die Betonung der Bilateralität. Scheinbar wird die EU eher als Störfaktor gesehen und würde Trumps Berater lieber bilaterale Verträge mit jedem einzelenen der EU-Staaten abschließen–Vorbild: Großbritannien, dessen Brexit Trump feiert und auch ankündigte, dass die USA nun als erstes mit GB einen Freihandelsvertrag abschließen sollten, während Obama und Clinton ankündigten, GB müsse sich nach dem Brexit ganz hinten in der Reihe anstellen.Desweiteren tot scheint auch die Idee, dass die USA und die EU mittels TTIP die internatioanlen Standards im 21. Jahrhundert setzen würden- von Umwelt- bis Arbeiterrechten.

    Martin Schulz hat jetzt erklärt, die EU solle “Trump eine Chance geben”.Klingt wie Merkels Bedingungen für eine Zusammenarbeit mit einer Trump-USA ein wenig, als wolle der Schwanz mit dem Hund wackeln. Trump hat die EU als “geldverschlingendes Monster”bezeichnet, den Brexit gelobt–was Schulz und Juncklers noch nicht so klar zu sein scheint: Die EU hat neben Putin, Erdogan und den ganzen rechtsextremen europäischen Parteien nun auch Trump als Gegner, der von ihrer Notwendigkeit nicht überzeugt ist.Hinzukommen noch die Brexit-Tories und dass Boris Johnson nicht am Krisen-Trump-Gipfel der EU teilnehmen will, zeigt auch dass der EU in GB ein weiterer Gegner erwächst. Diese Kräfte haben akls Ziel, die deutsch-französische Achse samt EU zu zertrümmern und Europa in einen Fleckenteppich von Nationalstaaten zu transformieren, mit denen man dann als weniger mächtigen Verhandlungspartnern bilaterale Verträge zu seinen Gunsten aufgrund stärkerer Verhandlungsmacht abschliessen kann.

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  19. genova68 schreibt:

    Tja, wir werden sehen, was dieser Trump anstellt. Kann auch sein, dass er nur ein Großmaul ist. Der hat jahrzehntelang Unternehmen geführt, die spekulierten, billiges Bauland gekauft, teuer verkauft etc. In der Politik dürfte sein Stil nicht funktionieren, vermutlich kann er das nicht.

    Chinook,
    das derzeit populäre Clinton-Bashing finde ich nicht seriös. Sie hat von Sanders immerhin die 15-Dollar-Mindestlohn übernommen und gegen Netzwerke ist erstmal nichts zu sagen. Spenden anzunehmen, ist bei den Amis normal, hier auch, sie unterschied sich nicht von anderen. Es ist doch eher Irrationalität bei vielen Wählern, ähnlich wie hier. Arbeitslose in Sachsen-Anhalt wählten zu 35 Prozent AfD. Denen kannst du nicht mit Argumenten kommen. Gestern las ich auch ein schönes Zitat von Trump, das schon 20 Jahre oder mehr alt ist: Demnach seien die Leute so dämlich und glaubten Sendern wie Fox News alle Lügen, die sie verbreiten. Die Frage ist, warum Millionen von Wählern so dumm sind, so abgerichtet, diesen Hampelmann zu wählen. Das politische Niveau in den USA scheint noch niedriger zu sein als hier. Es ist die komplette Verseuchung der Hirne, jahrzehntelang praktiziert.

    Merkwürdig: Die grüne Kandidatin spielte keine Rolle. Wenn zwei unpopuläre Kandidaten aufgestellt sind, warum schaut man sich nicht die dritte an? Die bekam wohl nur drei Prozent. Das ist das eigentliche Armutszeugnis: Die Amis lamentieren monatelang über zwei unbeliebte Kandidaten, sind aber nicht in der Lage, einen Schritt weiter zu denken.

    Und schließlich wieder eine Kleinigkeit: Vor ein paar Tagen meinte ein ARD-Korrespondent, Trump müsse die US-Wirtschaft „wieder zum Laufen bringen“. Ein weiterer Beleg für die Uninformiertheit vieler Journalisten. Die US-Wirtschaft hatte in den vergangenen sechs Jahren inklusive 2016 ein Wachstum von fast immer über 2 Prozent. Das ist also nicht das Problem. Das Problem sind Leute wie Trump, die nur via Spekulation reich werden und nichts dafür leisten. Das bedeutet, sie ziehen das Geld anderen aus der Tasche. Weil andere arm sind, ist Trump reich.

    Wie will man erreichen, dass die dämlichen Trump-Wähler das kapieren, wenn es selbst Journalisten nicht checken?

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  20. Jakobiner schreibt:

    Genova kritisiert zwar das neoliberale Establishment, sieht aber nicht, dass Trump auch ein neoliberaler Vertreter ist, der jetzt den Dodd/Franks Acht, die Regulierung für die Finanzwirtschaft abschaffen will und damit die Grundlage für den nächsten Finanzcrash legt, Ebenso will Trump alle Regulierungen im Arbeitsrecht, Umwelt- und Verbraucherschutz beseitigen.Genova findet Clinton-Bashing billig, findet aber das Bashing der demokjratischen Parteien für legitim, weil diese eben neoliberal sind. Die Frage zwischen Dikatur und Demokratie wird da gar nicjht mehr aufgemacht, Rechtsstatt und Humanismus spoielen da kaum mehr eine Rolle. Erinnert etwas an die Sozialfaschismustheorie der KPD, wonach die SPD die eigentlichen Faschisten wären und Hitler nur „so ein weiterer rechter SChreier, der bald abgewirtschaftet haben wird“. Dementsprechend legte die KPD auch wesentlich mehr Energie im Kampf gegen die SPD als gegen die NSDAP. Auch finde ich es nicht „normal“§und „verständlich“oder gar „menschlich“ eine menschenverachtenden Menschenfeind wie TRump oder ähnliches zu wählen. Man kann sich auch der Stimme enthalten oder aber eben wie Genova selbst sagt, die grüne Kandidatin wählen, bevor man sein eigenes UNglück wählt.

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  21. genova68 schreibt:

    Wenn ich in den Ruch der Sozialfaschismustheorie komme, dann habe ich etwas falsch gemacht. Ich will aber schon sagen, dass es auf Dauer ermüdend ist, auf den Rechtsradikalen herumzuhacken, ohne sich zu fragen, warum das auf einmal so viele sind. Wenn ich entscheiden müsste, wäre mir Frau Clinton natürlich lieber, aber gewählt hätte ich sie nicht.

    Und natürlich sehe ich, dass Trump ein Neoliberaler ist, zumindest ist das zu vermuten. Ein Milliardär, der sein Geld mit Immobilienspekulation gemacht hat. Vielleicht braucht es bei ihm aber auch eine andere Kategorie, zumindest hat er ein massives Konjunkturprogramm angekündigt, aber ohne Privatisierung von Highways.

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  22. Jakobiner schreibt:

    Apropos Privatisierung der Highways. Schäuble will jetzt die deutschen Autobahnen und Bundesstrassen privatisieren, Maut-Dobrindt hält das ebenfalls für eine gute Idee. Gabriel widerspricht (noch).

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  23. Jakobiner schreibt:

    Leo Brux schrieb noch zu deinem Artikel:
    „Genovas Artikel hat mir gefallen.
    Aber in genau dem Punkt, den du auch kritisierst, stimme ich ihm nicht zu: Er macht keine Unterschiede unter denen, die er in die Pfanne haut. Man muss die einen mehr, die anderen weniger attackieren. Man muss politisch pragmatisch bleiben, schauen, was in der gegebenen Gesellschaft, bei den gegebenen Machtverhältnissen, bei den gegebenen Mentalitäten möglich ist und was nicht. Es geht immer auch um politische Handlungsfähigkeit, wenn man etwas dazu beitragen will, dass wir nicht völlig abgleiten.

    Genovas Kritik hat insofern etwas fatal Unpolitisches. Ein REINES HERZ leidet.
    Und sie hat etwas Fundamentalistisches. Entweder ihr macht es so, wie ich es sehe und wie es seine von mir bestimmte objektive Richtigkeit hat — ODER ICH VERDAMME EUCH!

    Trotzdem, es liegt auch viel Richtiges, Konstruktives in dieser pragmatikfreien ´Fundamentalkritik. Der radikale Maßstab hat schon auch seinen Wert.“

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  24. genova68 schreibt:

    Ich habe drüben geantwortet:

    http://blog.initiativgruppe.de/2016/11/09/amerika-bestraft-sich-selbst/#comment-63747

    Vielleicht ist das Hauptproblem, dass Politik zunehmend mit Feindbildern gemacht wird, was mit der Konkurrenzlogik zu tun hat. Aber zumindest in Bezug auf Europa muss man konstatieren, dass die Probleme der EU, vom Euro bis zu den failed Südstaaten, nicht auf die Kappe von Rechtspopulisten gehen. Das alles ist von der bürgerlichen Mitte hausgemacht. Auch, um ein anderes Detail zu nennen, die steigenden Mieten in den Metropolen ist ein kapitalistisches Phänomen, dem auch die Sozialdemokratie machtlos gegenüber steht. Es gibt halt immer weniger Gründe, alte linke Parteien zu wählen. In das Vakuum stoßen andere.

    Ich war ja bei der jüngsten Berlin-Wahl auch nicht wählen, erstmalig. Es fehlt die Alternative. Eine APO gibt es derzeit nur von rechts. Das deutet darauf hin, dass offenbar nur eine radikale Kritik von links etwas bewegen könnte.

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  25. Jakobiner schreibt:

    Zur Verteidigung von Genova möchte ich gleich anführen, dass die Sozialfaschismustheorie heute von reformitischen klinken Parteien angeführt wird, um Kritik an ihnen zu unterbinden, weil der Faschismus unmittelbar bevorstehe und man daher möglichst breite antifaschistische Bündnisse eingehen müsste, inklusive der CSU (wie dies Teile der Linkspartei inzwischen vorschlagen) unter Aufgabe aller sonstigen politischen Differenzen. Trotzki schrieb zur Sozialfaschismustheorie der KPD, die allerdings sektiererisch und spalterisch in der Arbeiterklasse, dass man antifaschistische Gegenfront gegen die Faschisten machen solle, also gemeinsame Aufmärsche und Demos, aber das dieses Bündnis niemals zur Bedingung haben könnte, dass man keine gegenseitige politische Kritik mehr äußern dürfe. Einen beidseitigen Maulkorb zwischen Revolutionären und Reformisten war er nicht bereit zu akzeptieren.Stalin biederte sich mal der SPD an, um sie dann wieder im nächsten Kurswechsel als die eigentlichen Faschisten zu bekämpfen, ein ziemlicherf Zickzackkurs zwischen Extremen.

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  26. Jakobiner schreibt:

    „Protektionismus ist nicht der Tod der Demokratie, sondern der Tod des Neoliberalismus“. Genova beschreibt Protektionismus als positive Maßnahme. Historisch gilt dies aber nur für den Aufbau neuer Industrien einer noch nicht industrialiserten Gesellschaft, wie er richtig schreibt: Deutsches Reich, Südkorea oder China. Aber hierbei handelt es sich um Erzeihungszölle ala Friedrich List, die dann abgebaut und beseitigt werden, wenn die Industrie „erwachsen“ geworden ist.Aber untergegangene Industrien ala Trump mittels Schutzzöllen und Unternehmenssteuersenkungen von 35% auf 15% wieder zurückholen zu wollen, habe ich bisher noch nicht gehört. Auch ist die Frage, ob diese Unternehmenssteuersenkung nicht einen Steuerunterbietungswettbewerb weltweit auslöst, der dann wieder die Staatshaushalte aushöhlt- das ist in der Wirkung dann eben auch wieder neoliberal.

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  27. genova68 schreibt:

    Ich wollte nicht sagen, dass die USA eine protektionistische Politik machen sollen. Das sollte man abwägen. Mein Kritikpunkt war, dass in deutschen Medien alles zusammengemixt wird: Rassismus, Sexismus, Nationalismus, Protektionismus. Während die ersten drei Punkte nicht gehen und man aus linker Perspektive darüber auch nicht diskutieren muss, ist der letzte Punkt erst mal ein neutraler. Protekionismus wäre die Erhebung von Zöllen auf Stahl von außerhalb, beispielsweise. Nicht zwangsläufig die Senkung von Unternehmenssteuern in den USA.

    Ähnlich war es beim Euro und der AfD. Lucke wollte raus aus dem Euro und die Reaktion darauf war Skandalisierung der Forderung. Das ist eine eine währungspolitische Frage, die ist erstmal neutral.

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  28. Jakobiner schreibt:

    Okay,da hast du recht, denn die Kritik am Euro so zu skandalisieren und überhaupt als diskussionsunwürdig darzustellen, war allerdings überzogen. Ich glaube, alle Globalisierungs- und Freihandelfans müssen wegen Trump ihre Argumentation erstmals argumentaiv breitenwirksam und nicht nur propaganistisch von oben und als Naturgestz nochmals begründen. Und an der Tatsache, dass Freihandel und Globalisierung eben auch sehr viele abschätzig genannte „Globalisierungsverlierer“ und „Abgehängte“(das neue abschätzige Schlagwort) hervorbringt bezweiofelt jetzt auch keiner mehr, seit die sich hörbar machten. Und ich hätte nichts gegen einen Arbeitsplatzverlust, wenn ich eine soziale Entschädigung über dem Existenzminimum oder ein ausreichendes bedingungsloses Grundeinkommen als Ersatz bekäme. So aber werden all diese Leute in die Armut entlassen, vor allem in den USA, wo es keinen Sozialstaat gibt–deswegen auch Trump und Sandersfans allerortens.

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