Grüne Pfeile in der quasirussischen Steppe

In Berlin diskutieren die künftigen Koalitionäre auch über Verkehrspolitik. Hier ist man lobenswerterweise offenbar bereit, auf den Weiterbau der Stadtautobahn zu verzichten und die Straßenbahn großzügig ausbauen. Es geschehen noch Zeichen und Wunder.

Vielleicht will man auch ein paar Euro fürs Radfahren lockermachen. Wobei die Grünen in Berlin eigentlich Garant dafür sind, dass sich die Bedingungen fürs Radfahren nicht verbessern.

Nett ist ein typisch deutsches Detail. Der Führer lässt grüßen:

Die Grünen wollen den grünen Pfeil für Radfahrer einführen.

Das wird vermutlich so laufen: Man sucht sich eine Handvoll Kreuzungen aus, wo der Pfeil installiert werden könnte, gründet dann einen Ausschuss, debattiert in der Folge ein paar Jahre, hört sich die zahlreichen Bedenkenträger an und entscheidet schließlich ganz heroisch, dass man an zwei Kreuzungen in der Stadt den Pfeil einführen wird.

Was sind wir doch progressiv!

Eine zivilisatorisch halbwegs entwickelte Gesellschaft lässt so ein Detail laufen: Wenn ein Fahrradfahrer abbiegen will, macht er das einfach. So läuft das in der Praxis sowieso. In Deutschland entwickeln stattdessen Politiker ein bürokratisches Monster und es ist ihnen nicht peinlich.

Lustig auch: Die Fahrradstaffeln der Polizei, die in den letzten zwei Jahren Radfahrern mehr als 10.000 Strafzettel überreicht haben, soll ausgebaut werden. Das finden die Grünen toll. Da fahren Bullen in Tarnkleidung durch die Stadt und knöpfen Radlern, die bei rot eine Kreuzung queren, 150 Euro ab.

Sowas ist nur in einem obrigkeitsfaffinen Staat oder besser: in einer obrigkeitsaffinen Gesellschaft wie der deutschen möglich.

Wer einen grünen Pfeil braucht, um mit dem Rad abzubiegen, möge nicht behaupten, er habe Geschichte aufgearbeitet.

(Foto: genova 2015)

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2 Antworten zu Grüne Pfeile in der quasirussischen Steppe

  1. altautonomer schreibt:

    Nach über 25 Jahren Radfahren mit einem selbstverschuldeten Sturz ohne Fremdbeteiligung lebe ich noch, weil ich niemals blind auf meinem Vorfahrtsrecht vertraue.

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  2. genova68 schreibt:

    Blind auf seinem Vorfahrtsrecht sollte ein Radfahrer nicht vertrauen.

    Die Aufstockung der Fahrradstaffel ist auch bemerkenswert vor dem Hintergrund der immer weiter steigenden Zahl von Wohnungseinbrüchen und Raddiebstähle. Das scheint nicht weiter tragisch. Wichtiger ist, Radfahrer abzuzocken. Der Dieb sollte nur darauf achten, beim Wegradeln die rote Ampel zu beachten.

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