It´s a weasel world

Der Neoliberale Friedrich August von Hayek im Jahr 1979:

„Wir verdanken den Amerikanern eine große Bereicherung unserer Sprache durch den bezeichnenden Ausdruck ´weasel-word`. So wie das kleine Raubtier, das auch wir Wiesel nennen, angeblich aus einem Ei allen Inhalt heraussaugen kann, ohne dass man diese nachher der leeren Schale anmerkt, so sind die Wiesel-Wörter jene, die, wenn man sie einem Wort hinzufügt, dieses Wort jedes Inhalts und jeder Bedeutung berauben. Ich glaube, das Wiesel-Wort par excellence ist das Wort ´sozial`. Was es eigentlich heißt, weiß niemand. Wahr ist nur, dass eine soziale Marktwirtschaft keine Marktwirtschaft, ein sozialer Rechtsstaat kein Rechtsstaat, ein soziales Gewissen kein Gewissen … ist.“

Da für Hayek das Wort „sozial“ vermutlich nicht existierte oder wenn, dann nur als survival of the fittest (Sozial ist, wenn der Stärkere überlebt): An seiner Wiesel-Beobachtung ist etwas dran. Es fällt einem spontan die „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ ein. Die INSM ist durch und durch das Gegenteil von sozial, beharrt aber darauf, den Begriff schon im Namen zu behalten – als Wiesel-Wort.

Wir leben in einer bunten Wiese voll mit Wiesel-Wörtern. Ob wir Sozialsysteme entrümpeln wollen, den Staat verschlanken, ob wir Exportweltmeister sind und diesen „Titel“ vielleicht einmal an China verlieren und ihn dann zurückerobern müssen, ob der Staat uns bevormundet, wo wir doch frei sein wollen, ob wir Leistungsträger drangsalieren, ob es die Vollkasko-Mentalität zu kritisieren gilt, ob wir in einem Reformstau stecken oder als freie Bürger freie Fahrt haben.

Die Schale ist in Ordnung, der Inhalt ist weg. Und dann kann man mit diesem Ei machen, was man will.

Vielleicht ist diese Wieselei das Grundübel unserer Zeit. Unsere Sprache ist PR-geprägt, vermutlich bis ins Private hinein. Sprache formt Bewusstsein. Politiker sind bei dieser Bewusstseinsmanipulation vorne dabei. Das fällt einem immer dann auf, wenn man einen älteren Text liest. Man bemühte sich, so zumindest mein Eindruck, um präzise Sprache, nicht um umfassendes Verschleiern.

Vielleicht hat es deshalb für viele etwas Befreiendes, wenn Frauke Petry „völkisch“ wieder ins Gespräch bringen will: Es ist immerhin kein politisch korrekter PR-Begriff, er lässt ein wenig die Sau raus. Das spricht für ihn.

Das nur mal nebenbei.

(Foto: genova 2016)

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