Wachstum ohne Kritik

Der mir eigentlich eher unangenehme, weil neoliberale Wirtschaftsredakteur der Süddeutschen Zeitung, Nikolaus Piper, trifft hier mal ausnahmsweise einen interessanten Punkt (5.8., S. 18):

Wachstumskritiker, schreibt er,

tun so, als bedeute Wachstum notwendigerweise mehr Ressourcenverzehr. Das aber ist nicht der Fall. Der Bau eines Null-Energie-Hauses wird als BIP-Wachstum verbucht, spart jedoch Ressourcen.

So ist es.

Wachstumskritiker behaupten gerne, dass in einer endlichen Welt kein unendliches Wachstum möglich sei. Sie scheinen generell etwas zu verwechseln: Wirtschaftswachstum wird nicht in verbrauchten Barrel Öl gemessen, sondern in Geld.

Anders ausgedrückt: Wenn ich vergangenes Jahr 100 Kilo Äpfel bei Aldi für zwei Euro das Kilo gekauft habe und ich dieses Jahr wieder 100 Kilo Äpfel kaufe, aber im Bioladen für vier Euro das Kilo, dann erzeuge ich Wirtschaftswachstum. Wenn ich nicht bei McDonald essen gehe, sondern in einem guten Restaurant, dann erzeuge ich Wirtschaftswachstum. Wenn ich Fleisch aus artgerechter Tierhaltung kaufe und nicht beim Discounter, dann erzeuge ich Wirtschaftswachstum. Jede Wärmedämmung und jedes aufgestellte Windkraftrad erzeugen Wirtschaftswachstum. Greife ich im Kühlregal zur Biomilch vom Bauern aus der Region, zahle ich doppelt so viel wie für die Milch der derangierten Turbokuh und erzeuge Wirtschaftswachstum.

Man kann diese Liste beliebig fortsetzen.

Wachstumskritiker könnten dann recht haben, wenn ökologisch sinnvolle und notwendige Einsparungen ökonomisch nicht kompensiert werden können. So wäre es wohl sinnvoll, weniger und kleinere Autos zu bauen, was, gerade in Deutschland, zu Wirtschaftsschrumpfung führen könnte, weil auch der Ersatz (mehr ÖPNV, Fahrrad, Bahn, Car Sharing, kleinere Autos u.ä.) Reduktion bedeuten würde. Andererseits: Der höchste Ölverbrauch in Deutschland wurde mit 3,3 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 1979 erreicht. Heute liegen wir bei 2,3 Millionen Barrel. Die Wirtschaft ist seitdem auch inflationsbereinigt massiv gewachsen. Da ich diesbezüglich gerade keine Zahlen zur Verfügung habe, tippe ich einfach auf 50 Prozent.

Und: Es gibt real einen riesigen Markt an ökologischen Verbesserungen, der erst einmal bedient werden müsste. Man schaue sich nur die Millionen von einhundert Jahre alten Holzfenstern in Berliner Altbauten an. Würde da investiert, fiele der Ölverbrauch übrigens weiter. Von den notwendigen Investitionen in die öffentliche Infrastruktur in Deutschland, deren Rückstauvolumen mittlerweile im dreistelligen Milliardenbereich liegt, ganz zu schweigen.

Die Wachstumskritik ist auch deshalb in Deutschland problematisch, weil man den devoten Einwohnern die Entsagung jederzeit schmackhaft machen kann. Wer so alt ist wie ich (74), erinnert sich noch an den Kohlschen Gürtel, den „wir“ nun enger schnallen müssten. Die Deutschen sind bei sowas begeistert dabei. So wie überaupt die völlig durchgeknallte öffentliche deutsche Ökonomiedebatte ständig vom guten Sparen ausgeht. Dass Angela Merkel, die von der schwäbischen Hausfrau philosophierte und spätestens damit zeigte, dass sie von Ökonomie keinerlei Ahnung hat, sich auf dem Posten der Kanzlerin so lange schon halten kann, ist genauso absurd wie die Tatsache, dass Wolfgang Schäuble als Finanzexperte gilt. Der Mann war seinerzeit bei der Konzeption des Euro dabei. Diese Leute vertreten neoklassische und neoliberale Haltungen, die, soweit ich das sehe, nur noch in Deutschland mehrheitsfähig sind.

Das fanatische Festhalten am Falschen bis in den Untergang zeichnet den Trotteldeutschen auch heute noch aus.

Ich habe auch den Eindruck, dass sich unter die Wachstumskritiker merkwürdige Vulgärmarxisten gemischt haben, die – wie schon so oft – den vor der Tür stehenden Untergang des Kapitalismus herbeireden. Das alles auf dieser Welt notwendigerweise ein Ende hat, ist eine banale Aussage. Spätestens dann, wenn die Sonne erlischt.

Natürlich kann man das Ende des Kapitalismus fordern, eine schöne Sache und vermutlich notwendig, wenn man eine humane Welt will. Aber man sollte vernünftig diagnostizieren, was gerade passiert. Ähnlich dämlich war übrigens vor etwa zehn Jahren die Debatte um peak oil. Damals wurde von sogenannten Kapitalismuskritikern behauptet, dass jetzt die mögliche Höchstfördermenge an Öl erreicht sei. Nun würden unaufhaltsam die Preise steigen, es gebe Ölverknappung und der Kapitalismus gerate unaufhaltsam in die Krise und an sein Ende. Heute wissen wir (was damals schlaue Leute auch schon wussten): Es ist noch ziemlich viel Öl da, man bohrt dann eben an den Polen und frackt. Der Preis ist im Keller.

Die Fehlprognosen in Sachen it´s the end of capitalism and we know it sind Legende: Schon Marx war diesbezüglich ziemlich irregleitet.

Insofern: Locker bleiben bei der Wachstumskritik. Es gälte, eine feste Brücke zu einer nichtkapitalistischen Gesellschaft zu bauen. Die sehe ich nicht.

Bis dahin holen wir uns, was uns zusteht.

(Foto: genova 2016)

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7 Antworten zu Wachstum ohne Kritik

  1. Jakobiner schreibt:

    Ich hatte diese Diskussion letztens mit einem Bekannten. Er meinte, dass Wachstum, konkret Bevölkerungswachstum und Industriewachstum automatisch und unter dem Strick ökologiosche Zerstörung und zudem mehr Resourcenverbrauch bedeuten würde. Interessant hierzu auch der neue Bericht des Club of Romes, der eine Bevölkerungsreduktion und Kinderprämie für Kinderlose vorschlägt, sowie die Reduktion des Wachstums auf 1%:

    „Autoren des Club of Rome stellt sich in einem neuen Forderungskatalog entschieden gegen Wirtschaftswachstum – und gegen Kinder. „Ein Prozent ist genug. Mit wenig Wachstum soziale Ungleichheit, Arbeitslosigkeit und Klimawandel bekämpfen“, lautet der Titel des neuen Berichts an den Club of Rome, den Jorgen Randers und Graeme Maxton am Dienstag in Berlin vorstellten. Er sieht mehrere Maßnahmen vor, die das Wirtschaftswachstum verringern und die Kinderzahlen senken sollen.

    Einst hatte der „Club of Rome“ mit seinem Bericht „Grenzen des Wachstums“ die grüne Bewegung angeschoben. Viele Prognosen aus dem Buch haben sich allerdings nicht bewahrheitet. Einer der Autoren, Jorgen Randers, ehemaliger Vize-Generaldirektor der Naturschutzorganisation WWF International, gehört zu den Autoren des damaligen Berichts. Sein Koautor Maxton ist Generalsekretär des Club of Rome, der sich für eine nachhaltige Entwicklung und den Schutz des Planeten einsetzt.

    Die Autoren fordern nun eine Abkehr vom Freihandel, vom „unendlichen Konsum“ und von der „marktradikalen Ideologie“. In dem neuen Bericht schlagen sie einige unpopuläre Maßnahmen vor, zum Beispiel eine schrittweise Anhebung der Erbschaftsteuer auf bis zu 100 Prozent und eine Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre. Zudem fordern sie höhere Steuern auf ungesunde Produkte und fossile Brennstoffe. Auch umweltfreundliche Konjunkturpakete mit gedrucktem Geld stehen im Maßnahmenkatalog.“

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/club-of-rome-fordert-grenze-fuers-wirtschaftswachstum-14433381.html

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  2. genova68 schreibt:

    Ich würde den Club of Rome nicht kritisieren, denn selbst wenn manche Prognosen falsch waren (wären sie es nicht, wäre der Club Gott), so ist doch die Richtung richtig. Das Umdenken in Sachen Ressourcenverbrauch war sicher richtig. Ein Stopp des Bevölkerungswachstums wäre auch sinnvoll.

    Automatisch führt wohl nichts zu Zerstörung, das versuchte ich ja in dem Artikel zu sagen. Es ist eine Frage der Steuerung, also von Steuern. Meinetwegen doppelte Mehrwertsteuer auf ökologisch problematische Artikel, null Mwst. auf ökologisch sinnvolle.

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  3. Vorweg neben des themas: wenn man derzeit den kommentarbereich Deines blogs betritt, bekommt man in voller lautstärke werbespots der GRÜNPARTEI in endlosschleife vorgespielt. Sound abstellen zwecklos, nach ein paar sekunden geht es in voller lautstärke von vorne los. Ich nehme an, daß Du damit nichts zu tun hast, sondern daß das eine anzeige ist, die Dir wordpress in seiner großherzigkeit aufdrückt. Ich nutze nicht immer werbeblocker, weil ich genau solche sachen sehen will.
    Wer andere dermaßen mit lärmemissionen belästigt, verdient es nicht, gewählt zu werden. Und das werde ich mir auf alle zeiten merken.

    Zum thema:

    Irgendwas in richtung nichtkapitalistische gesellschaft sehe ich auch nicht.

    Übrigens hat Marx nie behauptet, daß der kapitalismus einfach so aufhören würde. Der hat geglaubt, daß die leute ihrer obrigkeit mal gehörig eins auf den dez geben würden, wenn sie dann erst die begreifen würden, wie gemein mit ihnen umgesprungen wird. Er hatte keine vorstellung davon, wie duldsam die menschen sind. Aber er konnte auch die perfidie eines bürgerlichen staates, wie wir ihn heute haben, nicht vorher wissen.

    Vom Club of Rome geht kein einziger gedanke aus, wie man denn die menschheit vernünftig versorgen könnte. Stattdessen denkt dieser debattierklub der priviligierten sich ausschließlich zwangsmaßnahmen für das gemeine volk aus.

    Es ist kein menschenfreundliches weltbild, wenn man den leuten anbietet, daß die bis zum umfallen arbeiten sollen, aber da, wo es an den genuß der früchte der arbeit gehen könnte, den menschen gleich wieder eine zwangsjacke angelegt werden soll.

    Ungelogen hat der Club of Rome etliche probleme schon früh erkannt – und nichts dagegen gemacht.

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  4. genova68 schreibt:

    Schön, dass du mal wieder vorbeischaust, Mechthild,

    und danke für den Hinweis auf die Werbung. wordpress teilt seinen Nutzern unterhalb eines jeden Artikels mit:

    „Einige deiner Besucher werden an dieser Stelle von Zeit zu Zeit eine Werbeanzeige sehen.
    Du kannst diese Werbeanzeigen vollständig ausblenden, indem du ein Upgrade auf einen unserer kostenpflichtigen Tarife vornimmst.“

    Man ist immerhin ehrlich.

    Aber wenn ein Werbeblocker hilft, dann ist ja alles in Butter.

    „Wer andere dermaßen mit lärmemissionen belästigt, verdient es nicht, gewählt zu werden. Und das werde ich mir auf alle zeiten merken.“

    Siche etwas auf ewige Zeiten zu merken, erschwert das Leben. Man muss vergeben können. Das sagte schon GOtt und auch Jesus, das ist sein Sohn.

    Aber im Ernst: Was hätte der Club of Rome denn machen sollen? Die haben keine Entscheidungsbefugnis. Alleine die Tatsache, dass die jeder kennt, spricht für sie.

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  5. Peinhart schreibt:

    Anders ausgedrückt: Wenn ich vergangenes Jahr 100 Kilo Äpfel bei Aldi für zwei Euro das Kilo gekauft habe und ich dieses Jahr wieder 100 Kilo Äpfel kaufe, aber im Bioladen für vier Euro das Kilo, dann erzeuge ich Wirtschaftswachstum.

    Nö. Erstmal verlagerst du nur deinen Konsum. Aldi muss jetzt schon mal ohne deine Kohle auskommen. Und du gibst für deine Äpfel jetzt das doppelte aus wie letztes Jahr, das musst du ja vermutlich wie meisten von uns auch irgendwo wieder einsparen. Wir hätten dann also Bioladen +400€, Aldi -200€, und zB Stammkneipe -200€ für Feierabendbierchen, die du dir bei deinem luxuriösen Apfelkonsum jetzt nicht mehr leisten kannst. Die BIP-Rechnung verzeichnet höchstens eine ’sektoriale Verlagerung‘, aber kein Waxtum.

    Wenn du wirklich Waxtum induzieren willst, brauchst du also erstens mehr Geld in der Tasche, dem iA(!) dann aber eben zweitens auch wieder ein insgesamt höherer Konsum folgt, auch von Ressourcen. Natürlich können wir heute viele Dinge ressourcensparender herstellen als früher und tun das auch, gleichzeitig haben sich die Dinge dadurch und durch höhere Produktivität aber auch verbilligt, so dass uns heute im Durchschnitt zB eben auch wesentlich mehr ‚Gadgets‘ umgeben als bspw in der 60ern oder 70ern. Das alles ist unter dem Etikett ‚Rebound-Effekt‘ mittlerweile auch recht gut erforscht und belegt.

    Der Traum, monetäres Waxtum tatsächlich vom Ressourcenverbrauch abkoppeln zu können, hat sich bislang nicht erfüllt, auch wenn es da ebenso sicher keine simple 1:1-Koppelung gibt. Und er wird es wohl auch in Zukunft nicht tun, so wenig wie sich die Finanzmärkte letztlich von der Realwirtschaft abkoppeln können.

    Vielen Dank übrigens auch noch für deine Einschätzung des Libeskind-Baus – vielleicht besuchst du nach der Fertigstellung ja sogar einmal Lüneburg, auch wenn dessen architektonische ‚Highlights‘ eher schon satt dreistellige Jahreszahlen auf dem Buckel haben. Mit Ausnahme vielleicht der Siedlung Kaltenmoor, die für ein Projekt dieser Art zumindest optisch noch einigermaßen ‚wertig‘ aussieht.

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  6. Och, ich schaue hier hin und wieder mal vorbei. Ich sage halt bloß meist nichts.

    Beim Club of Rome wird inzwischen seit bald fünf jahrzehnten über die probleme der welt lamentiert. Die meisten davon sind folgen des kapitalismus. Das bringt diese figuren aber nicht zu einer kritik an diesem wirtschaftssystem, sondern zu einer kritik an den menschen, die angeblich allesamt maßlos gierig seien (insbesondere die mistfinken in den industrienationen) und durch einen katalog von zwangsmaßnahmen zu einem anderen verhalten erzogen werden müßten. Die haben ein erbärmliches bild vom menschen. Und ein gutes vom wirtschaftssystem, das eben bloß mal ein bißchen »verbessert« werden müßte, um die probleme zu bewältigen. Das ist natürlich nicht wegen der zwangsläufigkeiten im kapitalismus mißlungen, sondern wegen der schlechtigkeit des menschen, nicht zu vergessen der »neoliberalen hirnwäsche«.

    Dieser verein erlaubt es sich nicht einmal in der theorie, etwas anderes zu denken als kapitalismus. Ein kapitalismus in einem zwangskorsett, der mit 1 % wachstum auskommen muß, wäre immer noch ein kapitalismus und nicht besser. Und wenn man sich die mitglieder des illustren clubs anschaut, muß einen das nicht wundern. Die familie Mohn z.b. hat vorgemacht, wie man sich als erbe eines großen vermögens um die erbschaftssteuer drückt, als »gemeinnützig« gilt und trotzdem die macht über das vermögen behält: man gründet eine stiftung. Sofern es in Deutschland so etwas wie »neoliberale hirnwäsche« gegeben hat, kann man davon ausgehen, daß Bertelsmann als größter medienkonzern hierzulande die möglichkeiten dazu hatte.

    Wenn man über derartige möglichkeiten der einflußnahme verfügt, benötigt man keine entscheidungsbefugnis.

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  7. genova68 schreibt:

    Peinhart,
    „Wenn du wirklich Waxtum induzieren willst, brauchst du also erstens mehr Geld in der Tasche,“

    Stimmt, das wäre Teil des Plans. Konsum braucht Geld. Aber das ist eine Frage der Politik.

    „dem iA(!) dann aber eben zweitens auch wieder ein insgesamt höherer Konsum folgt, auch von Ressourcen. Natürlich können wir heute viele Dinge ressourcensparender herstellen als früher und tun das auch, gleichzeitig haben sich die Dinge dadurch und durch höhere Produktivität aber auch verbilligt, so dass uns heute im Durchschnitt zB eben auch wesentlich mehr ‚Gadgets‘ umgeben als bspw in der 60ern oder 70ern. Das alles ist unter dem Etikett ‚Rebound-Effekt‘ mittlerweile auch recht gut erforscht und belegt.“

    Dagegen spricht zumindest, dass der Ölverbrauch massiv zurückging, bei gleichzeitig massiv gestiegenem Wachsum. Dazu kommt der Bereich des Recyclings. Es ist heute ziemlich viel möglich, zumindest techisch, und es ist immer eine Frage des Aufwands, des Lohnens, ob diese Techniken angewenset werden.

    Es wäre eine Frage von Steuern, die den Konsum ökologisch sinnvoll steuern. Wir sind dazu „erzogen“, immer mehr Produkte zu konsumieren, ohne Rücksicht auf die Ökologie. Man könnte ebensogut mehr Dienstleistungen konsumieren, ohne ökologisch negative Effekte. Mehr Massagen beispielsweise, angesichts der vielen Rückenleiden. Es könnte Standard sein, einmal die Woche sich massieren zu lassen. Weg von dem „mach es selbst“, mehr Kellner im Café Wir sind darauf gedrillt, uns an der SB-Theke anzustellen. Und unendlich viel mehr.

    Die Punkte, die ich oben genannt habe (bessere Fenster etc.) sind ein riesen Programm, das ökologisch sinnvoll wäre.

    Da man in der Wirtschaft sowieso keinen Hebel umlegen kann, der auf einen Schlag alles ändert, fände ich eine Entwicklung in diese Richtung positiv.

    Aber sicher: Vielleicht klappt das auch nicht, unter dem Strich. Mich würden die von dir genannten Studien zum Rebound-Effekt interessieren.

    Lüneburg: Ja, komisch, dass ich noch nie in Lüneburg war. Es wird wohl aufmerksamkeitsökonomisch von Hamburg beschattet.

    Mechthild,
    „Och, ich schaue hier hin und wieder mal vorbei. Ich sage halt bloß meist nichts.“

    Geht mir mit deinem Blog genauso. Kommentieren ist da so kompliziert.

    Mit der Kapitalismuskritik ist es immer so eine Sache. Ich kann das immer nur konkret machen, da ich es sonst nicht verstehe. Ich las kürzlich „Der Sieg des Kapitals“ von Ulrike Herrmann. Die verkündet auch den Untergang des Kapitalismus. Sie schreibt zwar, dass das nicht originell sei und schon Adam Smith sich über diese Untergangspropheten lustig gemacht habe. Aber dennoch komme er, und zwar:

    „Denn Wachstum bedeutet, dass fortwährend mehr Rohstoffe verbraucht werden“ (S. 240)

    Aber sie begründet das nicht sauber. Sie geht dann zwar auf den Green New Deal ein, behauptet dann aber mit fadenscheinigen Argumenten, dass die Rechnung nicht aufgehe:

    „Grüne Energie ist nicht wirklich grün, sondern auch sie verbraucht Rohstoffe, verschandelt Landschaft und zerstört Natur“ (243)

    Das erscheint mir ziemlich billig, denn grüne Energie zerstört viel weniger als konventionelle, das ist der Punkt. Dass da ein paar Vögel geschreddert werden, ist gesamtökologisch egal.

    Dann sagt sie, dass der Flugverkehr ein großes ökologisches Problem sei. Wohl wahr, aber auch das wäre zu steuern. Wenn ich nicht für 100 Euro einen Kurztripp mache, sondern die 100 Euro dem Masseur gebe, ist das ökologisch sinnvoll und auch ökonomisch besser angelegt, als in das Flugzeug zu steigen. Man hebt also den Flupreis aufs Doppelte an und erlässt dem Masseur die Mwst. Und garantiert ihm eine günstige Miete, beseitigt also das Schmarotzertum im Immobilienmarkt.

    Herrmanns Argumentation am Schluss des Buchs ist komisch, denn sie passt nicht zu den vorherigen 220 Seiten. Jedenfalls bringt sie keine präzisen Argumente, warum Wachstum (Geld!) nur mit steigendem Rohstoffverbrauch zu machen sein soll.

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