Wir arme kleine Kinder von Berlin

Der Tagesspiegel über die erwartete Temperaturzunahme wegen des Treibhauseffektes in Berlin:

Jetzt könnte man sagen: Prima, wenn es immer wärmer wird, packen wir eben die Badehose ein und fahren raus nach Wannsee. Doch besonders alte Menschen, Kranke und kleine Kinder werden mit Hitze schlecht fertig.

Wenn kleine Kinder in die Argumentation gebracht werden, sollten die Alarmglocken läuten. So auch hier. Kleine Kinder werden in Berlin also wegen höherer Temperaturen leiden. Was machen eigentlich kleine Kinder in Italien, Ghana, Griechenland, Indien, Brasilien, Serbien, Vietnam, Portugal, Niger, Mosambik, Ägypten, Madagaskar, Mali, dem Sudan, Spanien, dem Iran, Israel, dem Kongo, Kambodscha, dem Tschad, Palästina, Angola, Südchina, Malaysia, Venezuela, Taiwan, Surinam, Saudi-Arabien, Thailand, Jemen, Costa Rica, Mexiko, Kuwait, Bosnien-Herzegowina, Panama, der Türkei, Albanien, Afghanistan, dem Irak, Bangladesh und den US-amerikanischen Südstaaten heute? Vermutlich leiden, was das Zeug hält. Milliarden leidende Kinder. Wegen der Hitze. Sie werden damit halt schlecht fertig.

Es ist die typisch deutsche Urangst vor Leben, die sich hier einschleicht. Wem Temperaturen jenseits von 20 Grad verdächtig vorkommen, der sagt´s nicht direkt, sondern schiebt Kinder vor und flüchtet an die Nordsee. Das kommt besser.

Das deutsche Gejammer. Wir sind die Opfer. Ob im Zweiten Weltkrieg, bei der Globalisierung, bei der Flüchtlingswelle, beim Euro, beim Klima: Wir sind die, die arm dran sind. Und natürlich unsere Kinder. Es ist AfD-Logik. Die deutsche Deppenideologie erlebt ihre Dauerperformance.

Man könnte auf die massive Verbrennung fossiler Energieträger hinweisen und auf ihre schädlichen Auswirkungen dort, wo sie real entstehen und darauf, dass es nicht nachhaltig ist, Teile der Erdkruste, die in fünf Milliarden Jahren entstanden ist, in 100 Jahren zu verbrennen. Man weist lieber auf den eigenen, urdeutschen Opferstatus hin. Unsere armen Kinder. Dabei sind die doch arisch.

Den Kindern ist es völlig recht, wenn es warm ist. Oder: Es ist ihnen egal. Egal wo.

Hoffen wir Berliner in unserer gemeinhin völlig unterkühlten Stadt also auf einen ordentlichen Temperaturzuwachs. Ein paar Grad mehr wären nur eine schöne Ahnung dessen, wie ein menschenfreundliches Klima aussieht.

(Foto: genova 2015)

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Eine Antwort zu Wir arme kleine Kinder von Berlin

  1. Jakobiner schreibt:

    Ich hasse heiße Sommer und kalte Winter. Für mich könnte es das ganze Jahr Frühling sein. Um das zu sagen, brauche ich aber nicht auf den Verweis auf alte Mneschen und Kinder.Dazu bin ich jedesmal genervt, wenn die Wettervorhersage „schönes Wetter“ und Temperaturen jenseits der 25 Grad vermeldet. Was soll daran schön sein als für irgendwelche drurchgedrehten Sonnenanbeter, die sich aus ihren winterlichen Soonnenbanken begeben und weiter ihren Hautkrebs züchten?

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