Wird auch Zeit: Das Kohlendioxid wehrt sich!

Ob weinende Eisbären, geflutete Holländer oder Hitzewellen in Hamburg: CO2 ist der Buhmann der Welt. Für alles wird es verantwortlich gemacht. Um so erfreulicher, wenn der bislang stille Bedrängte nun öffentlich gegen seine Diskriminierung aufbegehrt:

 

In der symphatischen Oderbruch-Metropole Letschin hat das Kohlendioxid sogar eine Bürgerinitiative gegründet: „CO2 contra Endlager“. Auf einer Mahnwache erklärt es interessierten Bürgern gerne sein Anliegen: Es wendet sich entschieden gegen die eigene Endlagerung! Evangelische Christen vor Ort leisten dankenswerterweise Beistand.

Die Mahnwache in Letschin ist seit 2015 im Dauerbetrieb. Das Kohlendioxid protestiert beständig, aber still vor sich hin. Da es auch recht schüchtern und unscheinbar ist, habe ich darauf verzichtet, es zu knipsen.

Dennoch bezieht der Blog Exportabel klar Position: Wäre ich betroffen, ich wehrte mich ebenso entschieden gegen meine Endlagerung.

Nein zur Endlagerung von Kohlendioxid! Nein zu CO2-unwürdiger Behandlung! CO2-Rechte für jedes Kohlendioxid weltweit, nicht nur für das, was aus der eigenen Nase kommt. CO2-Rechte sind unteilbar!

Wehren wir den Anfängen.

(Foto: genova 2016)

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4 Antworten zu Wird auch Zeit: Das Kohlendioxid wehrt sich!

  1. hANNES wURST schreibt:

    Würde heute jeder ein Apfelbäumchen pflanzen, dann bräuchte man diese CO2 Endlager gar nicht mehr. Allerdings gäbe es viele Tote durch Fallobst.

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  2. genova68 schreibt:

    Da muss man jetzt abwägen: Tote durch Fallobst auf der Wiese oder Tote durch Flutung in Holland. Ein klassisches moralphilosophisches Dilemma.

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  3. hANNES wURST schreibt:

    Eine ähnliche Entscheidung muss die Kanzlerin treffen, wenn ein von Terroristen entführtes Passagierflugzeug offensichtlich in wenigen Sekunden in das vollbesetzte Olympiastadium rasen wird und noch die Möglichkeit besteht, den Jet vorher durch ein verfolgendes Kampfflugzeug vom Himmel zu holen. Die Besucher des Stadions sind sozusagen die gefährdeten Niederländer und die Insassen des Passagierflugzeugs die Fallobstopfer.

    Als Ethiker plädiere ich hier dagegen, Opfer gegen Opfer abzuwägen und das Passagierflugzeug also nicht abzuschießen und auch Holland nicht durch CO2 Aktionismus vor dem Untergang zu bewahren. Das ist also meine deontologische Position, allerdings verüble ich keinem Konsequentialisten, sich in der entscheidenden Situation über entsprechende Gesetze hinwegzusetzen und zum Beispiel doch den Abschuss zu befehlen (oder ein Apfelbäumchen zu pflanzen). Allerdings muss diese Person dann auch die gesetzlichen Konsequenzen auf sich nehmen, die tendenziell relativ milde ausfallen werden. Im Fall des Abschusses des Flugzeugs vielleicht fünf Jahre Haft – aber natürlich ist das Kanzleramt verloren.

    Man muss sich bei solch konsequentialistischer Handlung stets bewusst sein, dass man nie alle Konsequenzen absehen kann. So könnte – falls die Szene mit dem Passagierflugzeug 1936 spielt – Adolf Hitler, der gerade die Olympischen Spiele eröffnet, durch den herbeigeführten Absturz getötet werden, hurra. Allerdings wäre er ja dann selber Oberbefehlshaber und hätte sicherlich den Abschuss befohlen (und einer Strafe dafür entzogen), wodurch die Sache eine drittes ethisches Prinzip erfährt: absolute Macht ist stets unethisch. Moral kann überhaupt nur walten, wo Diskussion noch möglich ist. Das ist übrigens auch – um schnell noch ein Gutes Wort für meine Mitkatholiken einzulegen – der Grund, weshalb Gott, genau wie ich, niemals in den Lauf der Geschichte eingreifen wird.

    Was haben wir gelernt: Luthers Satz „Wenn ich wüsste, dass morgen der jüngste Tag wäre, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ ist in jeder Hinsicht unmoralisch, da Luther vorgibt, am Vortag des Weltuntergangs weder das tun zu wollen, was geboten wäre (nämlich Zeit mit seinen Mitmenschen zu verbringen) noch konsequentialistisch richtig handelt (die Niederlande sind sowieso verloren, warum noch ein Apfelbäumchen pflanzen) noch bereit ist, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen (das Bäumchen trägt vielleicht schon Obst, welches dann am Vortag des Weltuntergangs noch Spaziergänger gefährdet, und Luther kann dafür kaum noch zur Rechenschaft gezogen werden).

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  4. genova68 schreibt:

    Oh, da habe ich in ein Wespennest gestochen.

    Attentat auf Hitler (nicht das Olympiastadionbeispiel) ist wohl der einfachste Fall: Den Tod eines Menschen in Kauf nehmen, um Schlimmes zu verhindern.

    Flugzeug gegen AKW oder ins Olympiastadion heute: Die Regierungen würden das Flugzeug auf alle Fälle abschießen, denke ich, da müsste Merkel nicht lange entscheiden. Es sei denn, der US-Präsident sitzt drin. Wenn man die Möglichkeit zur Enscheidung hat, muss man sich entscheiden, oder? Enthalten geht nicht.

    „Ich bremse auch für Tiere“ ist so ein anderes Beispiel. Ich bremse, der Hase lebt und das Kind im Auto hinter mir fliegt durch die Frontscheibe. Habe ich nun richtig gehandelt? Frage ich den Hasen, ja. Frage ich die Mutter am Steuer, nein. Wobei: Vielleicht auch ja.

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