Von Fans, Juden und der Arschkarte

Ein aufschlussreicher, eigentlich aber erschütternder, wie man sagt, Erlebnisbericht eines Fußballfans, der mit einer Israelfahne auf die Fanmeile ging:

Bespuckt, bedroht, beschimpft

„Mit dieser Fahne habt ihr hier einfach die Arschkarte gezogen“, wird ein Besucher der Fanmeile zitiert.

Antisemitismus als Sozialismus der dummen Kerls trifft auf einen Teil dieser Leute zu, dazu Araber, die vermutlich von Geburt an von ihren Medien hirngewaschen wurden. Es ist auch ein bemerkenswerter Kontrapunkt zu den aktuellen Medienberichten über die Fanmeile, wo immer alle wie geklont aussehen: Jubeln, wenn ein Tor fällt, ansonsten „mitfiebern“ und alles ist locker. Die sympathischen patriotischen Deutschen, weltoffen und geilomat.

Antisemitismus als die Weltseuche schlechthin. Es ist geradezu zwingend, dass die AfD als eine typisch rassistische Partei die Finger nicht davon lassen kann. Der Jude als Feindbild drängt sich einer Partei, die von nichts anderem als der Produktion und der Bedienung von Feindbildern lebt, geradezu auf. Interessant lediglich, dass dieser AfD-Gedeon von sich behauptet, kein Judenhasser zu sein. Er glaubt das sicher.

Seit Jahrhunderten fertige Feindbildprojekte ziehen wohl; unter anderem, einen besonderen Typus Mensch an: den, dem die Welt zu komplex ist. Deshalb sind nicht nur Rechtsradikale notwendig antisemitisch (außer rechtsradikalen Juden, die müssen auf andere Projektionen ausweichen) wie auch Verschwörungstheoretiker notwendig antisemitisch sind.

Man kann es, im Kantschen Sinn, auch Dummheit nennen: Die Weigerung sich dessen zu bedienen, was einem Gott oder wer auch immer mitgegeben hat: des Verstandes, der Vernuft, der Urteilskraft.

(Foto: genova 2015)

 

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6 Antworten zu Von Fans, Juden und der Arschkarte

  1. Jakobiner schreibt:

    Nicht nur mit Israelflagge wird man da angepöbelt. Auch die Grüne Jugend musste sich wütende Ausfälle anhören, als sie dieses ganze bescheurte Nationalflaggengeschwenke mal infrage stellte. Distanz zur Nation ist nicht mehr erlaubt:

    http://www.tagesspiegel.de/berlin/gruene-jugend-berlin-ein-nein-zum-flaggen-patriotismus/13721708.html

    Oder in Gaulands Worten: „Wer Deutschland nicht liebt, der soll es verlassen!“. Oder in des Fürherers Worten: „Meine Geliebte ist Deutschland!“.

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  2. Jakobiner schreibt:

    Das Fahnengefuchtel ist ja erst der erste Schritt. Inzwiwschen sind die Leserbriefkolumnen voll damit, ob und welcher Nationalspieler die Nationalhymne singt oder eben nicht. Gestern war im Münchner Merkur ein Leserbrief, der das richtige Anbringen der Deutschlandfahne anmahnte (schwarz-rot-gelb und nicht gelb-rot-schwarz!). Bleibt abzuwarten, wann auch die ersten Forderungen kommen, wenn die Nationalspoieler die Hymne singen, dies auch die Fans tun sollten. Und so weiter und so fort.Nationale Loyalitätsbekundungen würden dann en vogue, wie man in Nordkorea klatschen oder beim Tod des Fürhers massenhaft weinen muss.

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  3. heinz schreibt:

    „Auch die Grüne Jugend musste sich wütende Ausfälle anhören, als sie dieses ganze bescheurte Nationalflaggengeschwenke mal infrage stellte. “
    Vor 10 Jahren, als angeblich „die Welt zu Gast bei Freunden“ war, veröffentlichte die GEW eine Broschüre, die sich kritisch mit der Nationalhymne auseindersetzte und wurde von einer Allparteienkoalition wegen ihres mangelnden Nationalismus angegriffen. Hier sind die Reaktionen zusammengestellt: https://streitumsdeutschlandlied.files.wordpress.com/2012/06/dokumentation-wm-2006_komplett.pdf
    Die lesenswerte Broschüre der GEW findet man hier: https://streitumsdeutschlandlied.files.wordpress.com/2010/12/argumente_gegen_das_deutschlandlied1.pdf

    So sieht „aufgeklärter Patriotismus“ in Deutschland (und auch anderswo) aus.

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  4. philgeland schreibt:

    Nur, dass die AfD nicht mal den Mumm hat, sich als antisemitisch zu outen. Geht ja auch nicht. Weil sonst ist man ja nicht mehr hoffähig. Von wegen Medien und so. Siehe Hofer. Das muss schon eleganter und schicker daherkommen, damit keiner merkt, was da wirklich gemeint ist. Von wegen Grundgesetz, Rechtmäßigkeit und so. Reine Weste, ein bisschen Celebrity, gutes Image, biedere Rechtschaffenheit.

    Man kann ja über den Broder denken, was man will aber das passt hier wie Arsch auf Eimer:
    http://www.achgut.com/artikel/ein_antisemit_kommt_selten_allein1

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  5. Jakobiner schreibt:

    Wäre mal ein interessantes Experiment, wenn man auf der deutschen Fanmeile mit einer IS-Flagge auftauchen würde. Wie wären da die Reaktionen? Oder mit einer iranischen oder Palästinenserflagge?

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  6. besucher schreibt:

    @Jakobiner

    Mit der IS-Flagge würdest Du in Gewahrsam genommen werden, die ist offiziell verboten mittlerweile.

    Ansonsten gilt:
    „Ach was, ich liebe keine Staaten, ich liebe meine Frau; fertig!“ Gustav Heinemann

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