Pornographie im Petersdom, in der Moschee und auf dem Fußballplatz

Das Bild zeigt eine 1631 entstandene Zeichnung des Barockarchitekten Gian Lorenzo Bernini. Es ist die Studie der oberen Abdeckung eines Trinkbechers, der auf dem Altar des Petersdoms stehen sollte. Ein heiliges Gefäß also. Was da zu sehen ist, zeigt die Herkunft der Redewendung „sich einen von der Palme wedeln“.

Man stelle sich das vor: Der Papst steht hinter dem Altar, will während der Messe einen Schluck zu Ehren Gottes nehmen und sieht eine Drei-D-Darstellung eindeutig pornographischen Inhalts, mit der er zur Selbstbefriedigung animiert werden soll. Am Altar der wichtigsten katholischen Kirche der Welt.

Der Katholizismus war über Jahrhunderte hinweg das, was die Katholiken heute als durch und durch verdorben bezeichnen. Vermutlich eine Art Swingerclub. Irgendwann wählte man den Weg des gegensätzlichen Extrems. Die Relikte aber sprechen für sich. Wenn man sich überlegt, dass es jeden Sonntag in den zigtausenden Gottesdiensten auf dieser Welt um das Blut von Jesus geht, das der Pfarrer öffentlicht trinken muss, Woche für Woche, dazu eine Droge namens Weihrauch inhalieren, wird es noch eindeutiger: Der Pfarrer wird zuerst zur Masturbation aufgefordert, um danach, in diesem sexuellen Kontext, Blut zu trinken und seine Sinne zu vernebeln. Ein Swingerclub mit SM-Abteilung und bewusstseinsverändernden Substanzen. Ist das Sodom und Gomorra? Und was sagt Gott dazu, der Spießer?

Die katholische Kirche bringt das Körperliche auf den Höhepunkt. Wahrscheinlich steckt da auch der Todestrieb drin und das, was das Genre Splattermovies ausmacht. Dass die Kirche früher Körper gerne auspeitschte und anzündete, ist da verständlich.

Mir sind solche Perversionen eigentlich sympathisch. Ein klarer Kontrapunkt in der verwalteten Welt. Vielleicht sollte ich wieder Mitglied werden.

Interessant auch die Doppelmoral im gelebten Islam. Laut FR sind 50 Prozent der afghanischen Taliban aktiv homosexuell. Nur offen darüber reden dürfen sie nicht. Es gibt ja die These, dass erst der Westen im 19. Jahrhundert und damit das Christentum – im Verbund mit den faschistischen Kräften im Islam – Homosexualität tabuisierte und unter Strafe stellte.

Händchen halten und Zärtlichkeiten austauschen sind unter Männern in islamischen Ländern sowieso weniger tabuisiert als im Westen. Man müsste diesbezüglich einmal das Verhalten der Profifußballer analysieren. Die haben ja ständig Körperkontakt, getarnt als Foul, Angriff, Verteidigung oder im Jubel nach dem Tor. Dass Jogi Löb auf der Trainerbank da nicht stillhalten kann und sich an den Sack greift, um dessen Konsistenz zu testen, ist nur natürlich. Bei den Spielern: ständiges Kopftätscheln, Wangetätscheln, Rückenklopfen, umarmen. Wobei auffällt, dass es immer derb sein muss. Zwischen Wangetätscheln und Ohrfeige ist kaum ein Unterschied auszumachen.

Fußball als dauerschwule Therapieveranstaltung für verunsicherte Männer. Draußen vorm Stadion pflegen die Hooligans einen noch rustikaleren Körperkontakt. Wobei da die Tendenz zum Stühlewerfen geht, also die Körperlichkeit komplett sanktioniert wird. Wenn die wenigstens ringen würden. Da sollte man in der Tat eingreifen.

(Foto: genova 2016; die Zeichnung ist derzeit im Architekturzeichnunsmuseum Tchoban in Berlin ausgestellt)

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11 Antworten zu Pornographie im Petersdom, in der Moschee und auf dem Fußballplatz

  1. hANNES wURST schreibt:

    Nicht auszuschließen, dass Sack und Hintern Löwi zu Sakramenten der Verehrung des Fußballgotts werden. Als Höhepunkt des heiligen Spiels hält der weihevollmächtige Zelebrant einen Stock und den Ball in die Höhe und spricht die Konsekrationsworte:

    „Denn am Abend, an dem er besiegt wurde und sich aus freiem Willen dem Abstieg unterwarf, griff er in die Hose und sprach Dank, rieb an seinem Sack, streckte die Hand zu seinen Teamkollegen und sprach: ‚Nehmet und riechet alle daran, dass ist mein Sack, der für Euch hingegeben wird.‘ Ebenso rieb er die Hand nach dem Sack am Hintern, dankte wiederum, reichte die Hand seinen Teamkollegen und sprach: ‚Nehmet und reibet Euch alle daran, das ist die Hand vom Hintern des neuen und ewigen Fußballbundes, meine Essenz, die für Euch und für alle verströmt wird zur Vergebung der schlechten Spiele. Tut dues zu meinem Gedächtnis.'“

    Spieler und Zuschauer stellen sich dann an um nacheinander die Hand an Stock und Ball zu reiben, an ihren Händen zu riechen und kurz in sich zu gehen. Einige Teilnehmer fragen sich, ob tatsächlich eine Transsubstantiation stattgefunden hat, hoffen aber, dass es nur eine Konsubstantiation war.

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  2. genova68 schreibt:

    Dieser Kommentar stellt schlimmste Blasphemie dar. Ich werde ihn unverzüglich meiner Diözese und dem DFB melden.

    Interessant übrigens das Wort Konsubstantiation, das ich gerade googeln musste:

    „Konsubstantiation bezeichnet in der lutherischen Abendmahlslehre die sakramentale Einheit von Leib und Blut Jesu Christi mit Brot und Wein. Das lutherische Abendmahlsverständnis geht also von einer Realpräsenz des Leibes und Blutes Christi in den Abendmahlsgaben Brot und Wein aus.“

    https://de.wikipedia.org/wiki/Konsubstantiation

    Das heißt also, die Protestanten glauben ernsthaft, dass sie Blut trinken? Man sieht: Der Spruch, wonach Glaube Berge versetzen kann, ist wahr.

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  3. hANNES wURST schreibt:

    In der katholischen Transsubstantiationslehre wird davon ausgegangen, dass eine tatsächliche Veränderung der Substanz stattfindet. Bei der in der reformierten Kirche (in der zuviel nachgedacht wird und die meiner Meinung nach immer noch zurückgedrängt werden muss – wir sollten die Glaubenskämpfe nicht allein dem Islam überlassen) beliebteren Konsubstantiation wird eher von einer Gegenwärtigkeit Christi – er ist ja auch im Gebet gegenwärtig – ausgegangen.

    Inwiefern mein Kommentar blasphemisch ist, erschließt sich mir nicht. Höchstens vielleicht, weil der Fußballgott ein Gott neben meinem Gotte ist. die Sakramente Löwi könnten außerdem als götzendienlich interpretiert werden. Das halte ich jedoch alles für lässlich, werde es sicherheitshalber beichten.

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  4. Jakobiner schreibt:

    Man sollte schon zwischen Homoerotik und Homosexualität unterscheiden.Händchen halten und körperliche Nähe sind noch nicht Sexualkontakte und Arschficken.

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  5. hANNES wURST schreibt:

    Ist denn die Intensität der körperlichen Verbindung in der Homosexualität überhaupt von moralischem Belang? Schließlich geht es hierbei anders als bei der Heterosexualität nicht um die Zeugung. Das der Kirche heilige Leben ist also nicht betroffen.

    Man könnte die Vermeidung von Geschlechtskrankheiten als moralisches Ziel einbringen, aber dies betrifft ebenfalls die Heterosexualität.

    Es bleibt der behutsame Umgang mit den Gefühlen des Nächsten, und falsche Hoffnungen können genauso durch eine innige Umarmung wie durch handfestere Annäherungen geweckt und enttäuscht werden.

    Daher bezweifele ich die moralische Differenz von Homoerotik und Homosexualität.

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  6. Jakobiner schreibt:

    Von“ moralischer Differenz“ und Moral habe ich gar nicht gesprochen, sondern nur um den Unterschied zwischen Homoerotik und Homosexualität. Die Moral bringst du rein.

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  7. hANNES wURST schreibt:

    Es ging Ihnen also nur um die rein begriffliche Unterscheidung? Das verstehe ich nicht, denn ich meine, wenn man nicht versucht moralisch zu werten, dann ist die Unterscheidung von homosexuellem „Händchen halten“ und von homosexuellen „Sexualkontakten“ belanglos. Zumal es moralisch wertend klingt, wenn Sie solche Sexualkontakte auf „Arschficken“ reduzieren. Die eigentliche Frage ist, ob man gleichgeschlechtliche Liebe als widernatürlich und unmoralisch ablehnt oder nicht. Ein Schwulenhasser, der nur bestimmte Praktiken ablehnt oder Homosexualität erst ab einem bestimmten Grad der Frivolität verdammt wäre ein komischer Vogel.

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  8. genova68 schreibt:

    Jakobiner,
    ob ich deine Wange tätschle oder deinen Pimpel ist kein qualitativer Unterschied. Die werden erst durch gesellschaftliche Normen konstruiert. Ein Unterschied wäre eher, ob die Haut textil bedeckt oder nackt ist.

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  9. Jakobiner schreibt:

    Also zwischen einer Wange und einem Penis sehe ich da doch einen Bedeutungsunterschied. Letzteres ist ganz klar sexuell konnotiert.

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  10. Jakobiner schreibt:

    Auch sollte man sehen, dass Homophobie nicht nur eine weitverbreitetes Resentiment nur bei Muslimen und im Islam ist, sondern auch bei vielen US-Christen, allen voran den Evangelikalen und konservativer und rechter Politiker und Anhänger verbreitet ist, was ja auch schon die Auseinandersetzungen um die Homoehe zeigen.

    Die SZ/Thorsten Denkler schrieb zur Bluttat von Orlando: „Für diese Tat hätte er genauso gut auch ein evangelikaler Christ gewesen sein können.“Hierauf wurde ihm Verharmlosung des islamistischen Terrors vorgeworfen.

    Dabei hat die SZ/Thorsten Denkler doch recht, wenn man heute folgende Nachricht lesen kann:

    “Ein kalifornischer Geistlicher hat mit einer Predigt zum Massaker von Orlando landesweite Empörung ausgelöst.Ein Video, das in den Sozialen Netzwerken kursiert, zeigt Roger Jimenenz, Pastor der Verity-Baptistenkirche in Sacramento, wie er die 49 Opfer aus dem Schwulen-Club “Pulse”als “Sodomisten”und “Sexualverbrecher”beschimpft. “Ich glaube, Orlando ist nun wenig sicherer”, sagte Jimenez. “Die Tragödie ist, dass nicht mehr von ihnen gestroben sind.”Gläubige Christen, so empfahl der Pastor,sollten wegen der Bluttat nicht traurig sein. Schließlich sei es Gottes Wille, dass “solche Leute”mit dem Tod bestraft würden. Er rufe niemanden auf, Homosexuelle umzubringen, aber eine “rechtschaffene”Regierung würde sie alle vor ein Erschießungskommando stellen und ihnen “die Hrine wegblasen”. (Münchner Merkur vom 16.Juni 2016, S.4).

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  11. genova68 schreibt:

    Wenn du die Wange lange genug tätschelst, kriegst du auch eine Erektion. Und was ist mit dem Bereich zwischen Wange und Penis? Was ist mit diesen Buschleuten, die nackt rumrennen?

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