Panama im Prenzlauer Berg

Ein netter Einblick in die herrschende Klasse. Oder in grünes Selbstverständnis:

Im Prenzlauer Berg, einem Gentrifzierungs-Schwerpunkt in Berlin, hat ein Kosmetiksalon vom neuen Eigentümer eine Mieterhöhung bekommen. Genauer gesagt geht es um eine Verdoppelung der Miete. Zudem ist der Mietvertrag nun zeitlich begrenzt. Miteigentümer des Hauses: Der grüne Bundestagsabgeordnete Özcan Mutlu und seine Frau. Herr Mutlu setzt sich gerne für sozial Schwache und Benachteiligte ein. Zumindest verbal.

Mutlus Kommentar zum Vorfall:

Es handele sich „in erster Linie“ um die „private Angelegenheit meiner Frau“, erklärt Mutlu.

Und, sehr geil: Es habe

„die Entwicklung der Gewerbemieten in Prenzlauer Berg der letzten Jahrzehnte berücksichtigt werden müssen.“

Da muss man leider verdoppeln. Mutlu ist eigentlich nur Opfer.

Die Inhaberin des Kosmetikstudios, Gyöngyi Blank, spricht von einem

„skrupellosen“ Vorgehen der Mutlus über Makler und Anwälte, das sie von einem grünen Bundestagsabgeordneten nicht erwartet hätte. „Das hätte man auch anders regeln können.“ Jetzt sucht sie für das Studio und ihre acht Angestellten eine neue Bleibe in der Umgebung. Bis zum Spätsommer muss sie fündig werden – oder ihren Angestellten kündigen und das Geschäft aufgeben.

Das Problem ist wohl, dass sie dieses Verhalten von einem Grünen nicht erwartet hätte. It´s the economy, Frau Blank.

Mutlu bekannte sich übrigens noch zur Abgeordnetenwahl von 2011 zum grünen Wahlprogramm in dem stand:

Mit dem Wahlprogramm, das Sie in den Händen halten, wollen wir Sie von unserer Idee für Berlin überzeugen: Wir wollen eine Stadt für alle. Eine Stadt, in der jede und jeder gut leben kann.
Statt eines weiteren Auseinanderfallens in Arm und Reich, in drinnen und draußen wollen wir einen Aufbruch hin zu einem Berlin, an dem alle teilhaben, bei dem alle dabei sein können. Eine Stadt für alle!

Jeder und jede bis auf Kosmetiksalonbetreiberinnen, offenbar. Selbstredend wird Mutlu sein Bundestagsmandat nicht abgeben. Er hat sich ja legal verhalten. Was man in einem kapitalistischen Staat eben legal nennt.

Wozu braucht man eigentlich Panama? Das Interessante liegt so nah.

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