Wer Hintergründe zur deutschen Querfront sucht: bitte sehr!

Ich möchte nur kurz auf einen sehr lesenswerten Artikel in der Zeitschrift der VVN-BDA – „antifa“ – hinweisen, der sich mit Geschichte und aktuellen Hintergründen der deutschen Querfront beschäftigt.

Kleine Anmerkung von mir zum Thema: Die Querfront-Kameraden sind im Internet mit einer Unmenge an Internet-TV-Kanälen aktiv, es scheinen immer mehr zu werden und sie verbreiten ihren teilweise rechtsradikalen, meist verschwörungstheoretischen und auch esoterischen Wahn pausenlos, fast durchweg in Form sogenannter Interviews, da billig produzierbar. Man könnte meinen, dass die offen zur Schau gestellte Dummheit dieser Leute abschreckt, doch das Gegenteil ist der Fall. Zumindest die Zugriffszahlen lassen das vermuten.

Zum Flüchtlingsthema vernehme ich dort beispielsweise: Die USA haben Syrien zerstört, damit die Flüchtlinge nach Deutschland kommen, hier der Bevölkerungsaustausch stattfindet und die Amis auf diese Weise das verhasste Deutschland endlich zerstören können. All das hat die UNO vor 15 Jahren beschlossen. Ob mit oder ohne die Zustimmung Deutschlands, wird nicht bekannt gegegeben.

Wer sich dort umschauen will:

alternativ.tv

mit vielen weiterführenden links, wie man sagt. Manches ist nicht auf den ersten Blick als rechtspopulistisch und rechtsextrem zu erkennen, was für diese Kameraden ganz praktisch ist. Dazu natürlich compact mit einer Auflage von mittlerweile angeblich 80.000 und diverse andere Publikationen.

Meines Erachtens schaffen die Querfrontler eine praktikable Schnittstelle zu allen, die sich nicht direkt zu AfD, NPD und Pegida bekennen wollen, auf Dystopien stehen und für Parteien generell nicht erreichbar sind. Inhaltlich gibt es fast nur Gemeinsamkeiten. Die in der Praxis gestorbenen Montagsmahnwachen laufen da im Netz weiter. Während aktuell die AfD an die Oberfläche kommt, baut sich im Internet eine offenbar recht breite Basis auf, die man leicht unterschätzen kann, so mein Eindruck.

Aus dem lesenswerten Antifa-Artikel:

Das selbstreferentielle Netzwerk aus Onlineformaten, Zeitschriften, Initiativen wie Pegida und den Montagsmahnwachen und immer wieder denselben Autorinnen und Autoren, das verbissen am rechten Volksaufstand arbeitet, ist umfangreich und erfolgreich.

Bemerkenswert oder mittlerweile auch nicht mehr: Albrecht Müller, Herausgeber der nachdenkseiten, bemerkt zum Thema:

„Querfront“ ist offenbar das Etikett, das sich die Vordenker des Imperiums ausgedacht haben, um kritische Zeitgenossen und Organisationen und Medien auszuschalten. Das ist clever kalkuliert. Denn es kann einem fortschrittlich und sozial gesonnenen Menschen nichts Schlimmeres passieren, als das Etikett angeheftet zu bekommen, ein Rechter zu sein.

Mit „Imperium“ sind die USA gemeint. Müller braucht man das Etikett nicht mehr anzuheften.

Allerdings: Bei allem Lamentieren über Querfront, AfD und Co. sollte man die schuldigen Strukturen dahinter nicht vergessen, und das ist immer noch ein Neoliberalismus als praktizierte Interessenvertretung kapitalistischer Logik. Packt man das nicht an, ist jede Empörung über die genannten Phänomene getarnte Heuchelei.

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24 Antworten zu Wer Hintergründe zur deutschen Querfront sucht: bitte sehr!

  1. Gut die Schuld der anderen zu sehen Besser: sich selbst zu erkennen

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  2. Nazienkel schreibt:

    Das mit der ‚kapitalistischen Logik‘ sehe ich anders. Ich sehe vielmehr Probleme mit jenen, die ihren Rassismus hinter ökonomischen ‚Argumenten‘ zu verstecken suchen.

    ‚Kapitalismus‘ ist für mich zu sehr ein Plastikwort geworden (ableitbar in künstliche Phrasen), Prinzipien marktwirtschaftlichem Handelns dürfen und müssen in Frage gestellt werden.

    Wording ist das eine, Dimitroff das andere^^

    Müller ist einer derjenigen, die mit ‚Kapitalismus‘ einzig die USA (sein Imperium) assoziieren – diese dualistische Kurzschlusslogik ist absoluter Nonsens. Aber hierin liegt wohl einer der Gründe der ewigen Dämonisierung der USA, gern geschehen durch Vulgaristen wie Müller. Nichts als antikapitalistisch getarnter Nationalismus (die deutschen Wichtel werden nämlich wegen dem bösen Imperium als Querfront bezeichnet) und Antiamerikanismus. Wahnhaft.

    An Müller sind die Gefahren, die durch Vulgär-Antikapitalismus ausgehen können, deutlich zu beobachten.

    (Was lustig ist, schließlich fusst Müllers Klickzahlenpolitik auf dem ökonomischen Maximalprinzip. Wer kauft, das ist Müller egal. Es muss verkauft werden, in größer Zahl.)

    Just my Senf

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  3. genova68 schreibt:

    Was auch immer Müller mit Kapitalismuskritik verbindet: Das sollte nicht dazu führen, sie als obsolet zu betrachten. Und mit dem Begriff der Prinzipien marktwirtschaftlichen Handelns kommst du hier nicht weiter. Marktwirtschaft und Kapitalismus sind wie Feuer und Wasser. Nichts interessiert das Kapital so wenig wie ein funktionierender Markt.

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  4. h.z. schreibt:

    „Nichts interessiert das Kapital so wenig wie ein funktionierender Markt“

    Das ist – ich erbitte Verzeihung – ausgesuchter Schwachsinn.

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  5. genova68 schreibt:

    Keine Sorge, hz, ich verzeihe Ihnen alles.

    Das Kapital will eine möglichst gute Verwertung, eine möglichst hohe Rendite, und das geht mit Monopolen und Oligopolen am besten. Nicht umsonst gibt es Kartellbehörden, die übrigens gegen den erklärten Widerstand der Industrie in Deutschland eingeführt wurden.

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  6. Nazienkel schreibt:

    Nana. Ich würde es nur nicht so pauschalisieren. Und betrachte die Metaebene als unerlässlich :)

    ‚Nichts interessiert das Kapital mehr so wenig wie ein funktionierender Markt‘.
    Aber, wer ist dieses abstrakte ‚Kapital‘. Du meinst wohl eher ‚Kapitalisten‘. Aber, wer ist Kapitalist, wo fängt das bitte an? Und wo endet es? Du hast wahrscheinlich so was wie Spekulationen auf Lebensmittel oder auf den Konkurs eines Staates/Unternehmens im Blick. Das, was gemeinhin unter dem Wording ‚Kasinokapitalismus‘ verstanden wird.

    Kapitalismusdefinitionen gibts wie Sand am Meer.

    Kapitalakkumulation und Maximalprinzip -> es sind doch eher ethische Fragen.

    Für den antihedonistischen Jungantifa im JUZ (wo auch immer) ist doch schon der böse Dealer ein Kapitalist. Für Honecker (selbst Kapitalist durch und durch) war quasi jeder Westler einer.

    Ums ‚weiterkommen‘ geht’s mir doch gar nicht, eher ums hinweisen^^

    Und ja – ich betrachte auch z.B. Spekulationen auf dem Finanzmarkt als eine Handlung, der marktwirtschaftliche Betrachtungen zugrundeliegen.

    Der Antisemitismus der Wahnmacher hat seinen Ursprung eben auch in der Trennung zwischen ‚gutem‘ und ’schlechtem‘, zwischen raffendem und schaffendem Kapital.

    Ich betrachte Kapitalismus, der sich stets auf Metaebenen abspielt nicht als Kategorie, die es Wert ist, ‚kritisiert‘ zu werden, einzig wirtschaftliche Handlungen ‚verdienen‘ das.

    ‚Kapital‘ wird von vielen ‚Antikapitalisten‘ nur als distinktive Kategorie eingesetzt. (meine sichtweise)

    Und bei dem Durchdringungsgrad, die ein angenommener Kapitalismus aufweist, braucht man doch für das Beispiel beileibe nicht mehr den bösen, raffgierigen ‚Kapitalisten‘. Denn Hey – das private ist nicht nur politisch, es ist auch kapitalistisch. Bourdieu hat ja schön aufgezeigt, dass ökonomische Handlungen, ebenso wie verschiedene eingesetzte Kapitalien, genutzt werden (müssen).

    Aber hey – jeder, wie er denkt, oder?

    Und, wie immer gilt: selbstverständlich spiegelt mein Kommentar nur meine verquere Sichtweise wieder^^ natürlich müssen Wirtschaftsweisen ethisch betrachtet werden. Für mich ist Kapitalismus nun mal ein ‚Plastikwort‘ – dies schließt ja aber nicht aus, dass es zu kritisierendes, zu hinterfragendes und ‚überlebbares‘ gibt.

    Naja, ebenso, wie es aus einer kämpferischen Sichtweise eventuell Sinn machen kann, etwas abstraktes leichter erklärbar zu machen und, wenn nötig, mit einem Gesicht auszustatten, wissen wir doch auch, welche Gefahren sich aus allzu simplifizierenden Sichtweisen ergeben können; wenn theoretisches praktisch werden soll. Bei welchem Kapitalisten fängt man da an? Die Probleme gestalten sich halt vielschichtiger, als ihnen einzig mit einem (oft verspielten) Antikapitalismus begegnen zu können. Das sage ich als Anti- und Kapitalist zugleich.

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  7. Nazienkel schreibt:

    (Andere Antwort siehe oben)

    Du redest von Maximalprinzip und Monopolbildung. Dies sind praktische Beispiele, gegen die man ebenso praktisch vorgehen muss.

    Denen aber auch nicht einzig mit plakativem und simplifizierendem Antikapitalismus (letztendlich meist nichts anderes als ein Eskapismus) begegnet werden kann.

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  8. h.z. schreibt:

    Sie pflegen ein unzutreffendes Verständnis vom Begriff „Markt“. Das ist kein Ort, keine Gegend und keine Organisation, sondern ein Vorgang – auf welchen auch ein Monopol nicht verzichten kann.

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  9. Nazienkel schreibt:

    PS: bei aller Abneigung gegenüber Folgen und auch Grundlagen des gegenwärtigen ‚Kapitalismus‘ meinerseits – was ist bei allem antikapitalistischen Eifer eine ‚annehmbare‘ Alternative, eine Perspektive? Anarchosyndikalismus z.B., eine utopische Gesellschaftsordnung, mit der ich mich theoretisch unter anderen Umständen anfreunden könnte scheidet bei dem aktuell leider immer noch niedrigem
    Bildungsniveau (und unausgeprägtem ‚Solidarismus‘) praktisch mangels Verwirklichbarkeit aus.

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  10. genova68 schreibt:

    hz,
    klar, alles ist eine Frage der Definition. Wenn Markt für Sie lediglich ein „Vorgang“ ist, dann ist eine strikt staatlich-autoritäre tunnelförmige Verteilung von a nach b ein Markt. Dann können wir den Begriff in die Tonne kippen. Das, was hierzulande allgemein unter Markt verstanden wird, ist die Idee einer möglichst freien Plattform, auf der Angebot und Nachfrage zueinander finden, ein funktionierender Markt eben, wie gesagt. Das impliziert Konkurrenz. Und genau die zu verhindern – via Preiskampf, Absprache, Fusion etc. – ist die vornehmste Aufgabe des Kapitals.

    nazienkel,
    ich habe keinen speziellen Kapitalisten im Blick, sondern die Logik des Systems, des kapitalistischen Handelns, der alle unterworfen sind. Es geht auch nicht speziell um Spekulation. Das ist eine Ausformung kapitalistischer Logik.

    Vor einer Weile stand ein interessanter Artikel in der Zeit über den deutschen neuen Markt der Firmen, die Essen nach hause liefern. Die arbeiten mit hohen Summen, die sie von Venture Capitalgebern bekommen. Da geht es, das geben die Geber offen zu, nur darum, Konkurrenten aus dem Markt zu werfen: Pro Stadt soll nur ein Lieferant übrig bleiben, der dann die Preise bestimmt. So ähnlich läuft es gerade auf dem Fernbusmarkt.

    Die Kapitalgeber wären blöd, wenn sie anderes probierten. Dieser Weg ermöglicht ihnen die größten Profite, wenn sie durchhalten. Es hat nur mit einem funktionierenden Markt nichts zu tun.

    Wenn du wirtschaftliche Handlungen autonom kritisierst, verlierst du den Überblick. Es geht schon ums Systemische. Kapitalismus braucht ständig neue Verwertungsquellen, das besorgt neoliberale Propaganda, oder nennen wir es freundlicher PR. Ob das die Forderung nach privater Altersvorsorge ist oder Privatisierungen von kommunalen Aufgaben und Bahn, Privatisierung von Wohnungsbaugesellschaften, von öffentlichen Flächen, PPP bis hin zur Privatisierung des Krieges. Daneben natürlich die Ausweitung der Finanzmärkte. Das alles pumpt permanent riesengroße in den Wirtschaftskreislauf, der via Produktionsebene nicht mehr bedient, also verwertet werden kann, deshalb auch die Finanzmärkte. Es muss aber früher oder später immer irgendwo in der Realwirtschaf Gewinn erzielt werden, weil die Finanzmärkte komplett unproduktiv sind, dort werden keine realen Werte erzeugt. Man offeriert also auf Teufel komm raus Geld an die Realwirtschaft, die braucht es nicht, weil die Nachfrage fehlt, dann gibt es ein Überangebot an Kredit und die Senkung von Zinsen. Nach Keynes wäre es ok, die staatlichen Ausaben zu erhöhen, Steuern fürs Kapital zu erhöhen usw. Das ist alles in Ordnung, nur: es passiert nicht. Die Politik wird immer handlungsunfähiger, weil das Kapital international wesentlich flexibler agieren kann als politische Institutionen. Derzeit versucht man die Flucht in Betongold, was strukturell der Flucht in Finanzmärkte ähnelt.

    Die Verwertung in den Industrieländern läuft nicht mehr, weil das Vermögen immer ungleicher verteilt wird, Nachfrage wird gekürzt. Die Realisierung neuer Märkte, China etc. ist für eine Weile immer ein Ausweg. All das auch nur um den Preis von Umweltzerstörung.

    Eine annehmbare Alternative kann man theoretisch beschreiben, beispielsweise massive Steuern auf Vermögen, wesentlich höhere Löhne, wesentlich höhrere Staatsausgaben in Infrastruktur und Zukunftsaufgaben. Das liegt ja alles auf dem Tisch. Weitergehende Alternativen sind nicht mein Ding, das ist mir zu sehr Traumtänzerei. Aber man kann natürlich über alles nachdenken.

    Das Problem ist derzeit eher, dass Verständigung immer schwieriger wird. Die neoliberale Verwirrung führt zu haufenweise Irrationalitäten, ob das AfD ist oder Trump oder Querfront oder Esoterik oder Fracking.

    Ich bin nicht für Lösungen zuständig. Die Fähigkeit zu allgemeiner Empörung sollte vielleicht gefördert werden.

    Kapitalismuskritik wird massenweise von unangenehmen Leuten geübt. Das sollte aber nicht dazu führen, dass man diese Praxis insgesamt auf dem Müll entsorgt. Mir fällt zumindest nichts besseres ein.

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  11. Nazienkel schreibt:

    Aber da Kapitalismus eben viele Gesichter hat, unter anderem auch unsere – und die von Dir ‚Kapitalgeber‘ eben auch nicht ’nur‘ die 62Forbes-Reichen sind, meine ich, dass man da differenzierter rangehen muss, als die abqualifizierten Wutgiggel der Querfront.

    Meine Kritik ist ja nicht, dass man keine mit dem Kapitalistischen Handeln leider meist verbundenen Negativentwicklungen (die der von die genannten Systemik/ den Systemiken) zugrundeliegen.

    Ja, es gibt eine Metaebene, auf der auch theoretisiert werden muss. Dass wird aber nicht unsere Probleme lösen, nicht kurz- und auch nicht langfristig.

    „Der Kern dieses Miserabilismus ist, dass die Probleme so hochgehängt werden, dass sie bitteschön verlässlich nicht lösbar sind. Der Miserabilist fühlt sich erst richtig wunderbar, wenn er vor Weltschmerz fast zerplatzt…berechtigtenKritik am vergifteten Weltbild des Miserabilisten selbst aber wird von diesem ignoriert oder aber als angeblich unkritischer Reformismus abgetan.“

    Diesen Kommentar aus der taz vom 31.12.2015 (incognito) hat ein Freund von einer Wand, an die er geschrieben wurde, abfotografiert. Ich finde, dass er, unabhängig der Urheberschaft, das Problem ganz gut beschreibt.

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  12. genova68 schreibt:

    Das Zitat mit dem Miserabilismus finde ich nicht verkehrt, ich sagte ja, dass mir konkrete Ansätze lieber sind. Ich halte derzeit aber Lösungen für unmöglich, und das scheint eben systemisch zu sein. Die Menschen werden von der neoliberalen Logik fertiggemacht und werden dann gerne rechtsextrem. Die grundsätzliche Eigenschaft des Systems, die Akkumulation, scheint legislativ oder einfach nur vernünftig nicht aufzuhalten sein. Zumindest ist das die Entwicklung seit 20 Jahren etwa. Vielleicht braucht es erst wieder eine Katatrophe wie Krieg, um eine Umkehr herbeizuführen.

    Was Querfrontler und Antisemiten und sonstwer dazu sagen, ist egal, wenn man selbst analysiert. Ich habe den Eindruck, du, Nazienkel, bist zu sehr darauf focussiert. Jebsen hat in manchen Aussagen recht, manches ist banal einfach richtig, zum Beispiel die aggressive Politik der USA zu kritisieren. Die Nazis haben Naturschutzgebiete eingerichtet. Als ganzes ist beidees unannehmbar. Es ist aber egal, was die machen, wenn ich meine eigene Analyse betreibe.

    Die Focussierung auf diese Deppen liegt ganz in deren Sinne. Aufklärung ja, Abhängigmachen nein.

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  13. Nazienkel schreibt:

    Ach, guck die heilige Sahra oder ihr Männeken an. Die schaffen es auch ganz gut, aus vorgeblich links-antikapitalistischer Attitüde heraus für Obergrenzen und Grenzen überhaupt einzutreten.

    Wirtschaftliche Nöte taugen mir nicht zur Erklärung für alles. Klar, viele der Mitläufer sind Habenichtse, aber die Höckes, Petrys und Storchs müssen sich nicht beklagen.

    Dass es ohne den vielgescholtenen Kapitalismus keine Nazis gäbe, glaube ich nicht.

    (Wo sind denn die USA gerade so wahnsinnig aggressiv?)

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  14. genova68 schreibt:

    Wie gesagt, du machst dein Analyse von anderen Leuten abhängig. Das ist kein gangbarer Weg. Gewissermaßen versteckst du deine Analyse hinter der berechtigten Kritk an Personen und Zusammenhängen. Das ist übrigens genau das, was diese Leute wollen: sich an ihnen abarbeiten.

    Es geht nur indirekt um wirtschaftliche Nöte. Ich kenne eine Menge Afd-Fans, die wirtschaftlich gut dastehen, in jeder Beziehung. Es geht um Eindrücke,um die Umgebung einerseits, um Unsicherheiten,die man mitbekommt. Und andererseits um autoritäre Persönlichkeiten, die Übersicht brauchen und eine starke Hand. Neoliberalismus erzeugt Unsicherheit und behauptet das Gegenteil, es gibt keinen Verlass mehr, es gibt nur noch das Individuum und, wenn es gut geht, die Sippe. All das erzeugt ein rechtes Weltbild.

    Die Anführer spielen immer in einer anderen Liga, da geht es vermutlich vor allem um Machtgelüste, um Dominanzstreben.

    In der Süddeutschen gab es kürzlich eine Doppelseite: Acht Artikel über acht osteuropäische Länder und den dortigen Alltagsrassismus, den Rechtsradikalismus. Das ist hier kaum vorstellbar. Das hat meines Erachtens viel zu tun mit einerseits aus historischen Gründen sicherlich mangelhaft ausgebildeten Zivilgesellschaften, andererseits viel mit der täglichen Unsicherheit, bei der Hartz IV noch als Paradies erscheinen kann. Es gibt die kapitalistische Vorgabe der totalen Konkurrenz, bei der dann viele versagen. Die Leute im Osten, auch in Ostdeutschland, haben x Jahre lang massive Abwertungserfahrungen gemacht, die sind alle zweite Klasse, das macht sich dann Luft. Es geht da auch nicht um lupenreine Nazis, die alleine wären nicht das Problem.

    USA: Ich halte es grundsätzlich für aggressiv und imperialistisch, weil die Jahr für Jahr mehr Geld für Rüstung ausgeben als alle anderen Länder der Welt zusammen. Das macht man nicht aus Jux und Dollerei. Obama ist sicher nicht mit Bush zu vergleichen, aber letzterer hat einen Trümmerhaufen angerichtet, ohne den es keinen IS gäbe. Und die aktuelle Drohnenpolitik ist rechtsstaatlich unmöglich. Da werden in weit entfernten Ländern jedes Jahr hunderte von unschuldigen Zivilisten getötet, ohne Rechtsgrundlage (außer dass man sich mit einer korrupten Regierung oder Teilen von denen abspricht), ohne dass die sich dafür verantwortlich zeigen müssten. Das ist eine Politik des Stärkeren, sonst nichts. Diese Politik seit 2001 hat den Terror massiv entfacht. Und die Förderung von Islamisten begann schon in den 80ern in Afghanistan. Es müssten sich haufenweise amerikanische Politiker in Den Haag einfinden, gäbe es nicht das Recht des Stärkeren.

    Ein anderer Punkt ist die massive Kontrolle des weltweiten Online-Zahlungsverkehrs, der politisch ausgenutzt wird.

    Die USA ziehen seit 50 Jahren eine Blutspur um die Welt. Welcher Staat sollte denn aggressiver und friedensgefährender sein?

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  15. h.z. schreibt:

    genova,
    unter „Vorgang“ ist die freie Willensbetätigung zu verstehen, einen Vertrag zu schließen und die daran geknüpften Rechtsfolgen zu akzeptieren. Das darf als Grundbestandteil eines funktionierenden Marktes (und gleichzeitig auch eines funktionierenden Rechtssystems) gelten.

    […] ist die vornehmste Aufgabe des Kapitals.“ Unfug, artikuliert in bester Jebsen-Manier. Marx hat unter anderem mit seinen Überlegungen zum „tendenziellen Fall der Profitrate“ einen bedeutenden theoretischen Grundstein gelegt, von dem ausgehend z.B. der Zwang zu Kartellbildungen bereits hinreichend erklärbar ist. Von „vornehmster Aufgabe“ kann deshalb vernünftigerweise nicht die Rede sein.

    Die schärfste gegen Neoliberalismus zu richtende Waffe ist Sprache. Denn Neoliberalismus ist zunächst nichts anderes, als das sprachliche Vernebeln des Denkens. Erst in vernebelten Denken – das wird mE gemeinhin ignoriert – kann um Deutungshoheiten gerungen werden. Jemanden beispielsweise bloß der Nähe zu einer „Querfront“ zu zeihen, darf als Beteiligung an diesem fruchtlosen Ringen bezeichnet werden. Nebel wird dadurch keiner beseitigt.

    Der hartnäckigen Sichtbehinderung durch Denknebel kann mit kräftigem Wind der Aufklärung abgeholfen werden. Andere wirksame Ansätze müssten theoretisch begründet erst mal vorführt werden.

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  16. genova68 schreibt:

    zu den USA P.S.:

    Die USA haben gerade einen angeblichen Mörder (72) per Giftspritze hingerichtet: nach 36 Gefängnis, davon „jahrzehntelange Isolationshaft“, er hatte die Tat immer bestritten.

    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/aeltester-todeskandidat-in-den-usa-hingerichtet-a-1075370.html

    Wer sich so barbarisch verhält, braucht der Welt keine Lektion in Sachen Frieden, Menschenreche und Demokratie geben. Es gibt natürlich viele Länder, die sich weit schlimmer benehmen, aber die haben nicht die Power der Amis. Die sind durch geschichtliche Gegebenheiten zur Nr. 1 aufgestiegen. Vor dem Hintergrund ist das politische Selbstverständnis vieler Amis beängstigend. Marco Rubio, der vielleicht Präsidentschaftskandidat der Republikaner wird, sagte vor einer Weile: „Obama will, dass wir so werden wie der Rest der Welt. Wir aber wollen, dass der Rest der Welt so wird wie wir!“ Frenetischer Applaus von Parteigängern.

    Wie gesagt: Diese Kritik hat nichts damit zu tun, Putin zu verharmlosen. Und natürlich ist mir Obama zehnmal lieber als Putin. Aber eine Person ändert Strukturen nicht. Und es ging gerade um die Amis.

    —————————

    hz,
    wie gesagt, irgendwie sind Ihre Perspektiven ganz interessant. Ich lese mir das durch. Weiterkommen tue ich damit nicht. Die „freie Willensbetätigung, einen Vertrag zu schließen“, ist vielleicht juristisch relevant, bringt uns hier aber nicht weiter. Freie Willensbetätigung ist es auch, einen Scheißjob anzunehmen, weil mir sonst die Stütze gestrichen wird.

    Ein funktionierender Markt braucht gleichberechtigte Teilnehmer, und das zu verhindern, ist der Job des Kapitals.

    „Beste Jebsen-Manier“: Sie wissen schon, wie´s geht, gell? :-)

    Als nächstes reden Sie vom „Zwang zu Kartellbildungen“. Ja, nichts anderes schreibe ich.

    Es gibt einen Unterschied zwischen freier Willensbildung und Zwang. Checken Sie das? Und wo verorten Sie nun den Markt?

    Der Rest Ihrer Ausführung ist Geplapper. Nebel, Wind, blabla.

    Müller wurde x-fach die Nähe zur Querfront belegt, Sie ignorieren das einfach. Die Nebelmaschine sind Sie.

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  17. h.z. schreibt:

    genova,
    wenn Sie schreiben: „Freie Willensbetätigung ist es auch, einen Scheißjob anzunehmen, weil mir sonst die Stütze gestrichen wird.“ und gleichzeitig die Unterschiedlichkeit von freier Willensbildung und Zwang betonen, verstehen Sie offensichtlich den Sinn Ihrer eigenen Worte nicht. Jebsen z.B. würden Sie solches gerade nicht vorwerfen können.

    Betreffend den beispielhaft angeführten „Zwang zu Kartellbildung“ reklamieren Sie dieselbe Bedeutung für Ihre Formulierung „vornehmste Aufgabe des Kapitals“. In meinem Umfeld kenne ich einige Migranten, die ein wesentlich genaueres Sprachgefühl an den Tag legen.

    Ich bin nun endgültig zur Überzeugung gekommen, dass es Ihnen nicht um inhaltliche Auseinandersetzungen geht, sondern tatsächlich nur um Empörung – nicht meine Sache, das.

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  18. genova68 schreibt:

    hz,
    es geht um die Zwänge des Marktes, da helfen Ihnen Begriffe wie „freie Willensäußerung“ nicht weiter. Wenn das Kapital zu Kartellbildungen gezwungen wird, wie das ja offenbar der Fall ist, dann gibt es keinen Markt? Also doch kein Markt?

    Und was ist jetzt nochmal der Markt? Erst war das nach Ihrer Definition nur ein „Vorgang“, eine völlig sinnlose Definition. Dann behaupten Sie, der Markt “ ist die freie Willensbetätigung zu verstehen, einen Vertrag zu schließen und die daran geknüpften Rechtsfolgen zu akzeptieren.“ Aha. Das kann ich „Vorgang“ nennen oder auch „Kloschüssel“. Aber bitte, ich nehmen Ihren zweiten Definitionsversuch ernst. Sie schreiben da noch: „Das darf als Grundbestandteil eines funktionierenden Marktes (und gleichzeitig auch eines funktionierenden Rechtssystems) gelten.“

    Ok. Und dann behaupten Sie, es gebe einen Zwang zur Kartellbildung. Also gibt es Ihrer Definition nach doch keinen Markt, zumindest keinen funktionierenden. Den aber haben Sie oben behauptet.

    Ich reklamiere nicht dieselbe Bedeutung von vornehm und Zwang, es sind eigentlich Gegensätze. Aber sie kommen in unserer Geschiche aufs gleiche raus: Das Kapital will Konkurrenten verdrängen (Fusion, Preisabsprache etc.), um den Profit zu steigern. Und laut Marx muss es das auch tun, um nicht irgendwann selbst unterzugehen. Wollen und Müssen gehen da Hand in Hand. Ich habe oben das aktuelle Beispiel der Joint-Venture-Capitalgeber für die Nahrungsmittelieferbranche in Berlin angeführt. Die geben das, wie gesagt, ganz offen zu.

    Mir scheint, Sie könnten mir einfach zustimmen.

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  19. einer von jenen schreibt:

    @ genova:

    Das, was hierzulande allgemein unter Markt verstanden wird, ist die Idee einer möglichst freien Plattform, auf der Angebot und Nachfrage zueinander finden, ein funktionierender Markt eben, wie gesagt. Das impliziert Konkurrenz. Und genau die zu verhindern – via Preiskampf, Absprache, Fusion etc. – ist die vornehmste Aufgabe des Kapitals.

    Inwiefern unterscheidet sich denn „das Kapital“ von den anderen Marktteilnehmern? Konkurrieren da nicht generell Kapitalisten mit Kapitalisten, wobei dann nur die einen eventuell etwas erfolgreicher sind als die anderen? Und impliziert nicht die Konkurrenz selbst schon das Monopol, insofern jeder Kapitalist gern der Chef im Ring sein möchte und es gelegentlich auch schafft, die anderen niederzukonkurrieren?
    Und die Idee des Marktes als „einer möglichst freien Plattform, auf der Angebot und Nachfrage zueinander finden“, scheint mir auch recht idyllisch-idealistisch gedacht, weil auf dem Markt ja ohnehin nur zahlungskräftige Nachfrage etwas gilt. Selbst ganz grundlegende Bedürfnisse nach Nahrung, Wohnung, medizinischer Versorgung werden auf dem Markt nicht bedient, wenn damit kein Gewinn zu machen ist.

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  20. genova68 schreibt:

    Meine Markttheorie ist erstmal nur eine allgemeine. Sie trifft beispielsweise auf das Büdchenwesen im Rheinland einigermaßen unverfäscht zu: An jeder Ecke ein inhabergeführtes Büdchen, keine Ketten, keine Monopole. Das gilt für den gesamten kleinen Einzelhandel, wo auch immer man da genau die Grenze zieht. Vielleicht dort, wo das Unternehmen maßgeblich bemüht ist, Konkurrenz auszuschalten. Kapitalbasiertes Wirtschaften hebeln den Markt aus.

    Diese Marktidee ist sicher idyllisch, es das allgemeine Verständnis. In Bezug aufs Nichtzahlenkönnen ist eine übergeordnete Instanz gefragt: zum einen möglichst viele Leute instand setzen, zahlen zu können (via Sozialpolitik, Arbeitszeitverkürzung, beispielsweise), zum anderen braucht es infrastrukturelle Bereiche, die dem Markt entzogen sind. Da wäre mittlerweile die Wohnungsversorgung zumindest in den Ballungsräumen dem Markt zu entziehen und kommunal, staatlich, vergesellschaftet (wie auch immer man das nennt) zu organisieren. Das gleiche gilt für Wasser, Energie, Bahn etc, weil das Grundbedürfnisse sind, die man nicht einem Markt überlassen kann, der mal funktioniert und mal nicht. Diese Bereiche funktionieren u.a. auch deshalb nicht, weil das Kapital neue Verwertungsquellen braucht, siehe Immobilien. Es sind, streng genommen, keine Märkte.

    Alle Vorstellungen, die weiter gehen, also Märkte, Angebot und Nachfrage, komplett abschaffen oder staatlich organisieren, wäre vielleicht vernünftig, aber da fehlt mir die politische Phantasie. Es geht bei alldem ja immerhin um zig Millionen Menschen, da favorisiere ich lieber Korrekturen, die anschlussfähig sind.

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  21. einer von jenen schreibt:

    Meine Markttheorie ist erstmal nur eine allgemeine. Sie trifft beispielsweise auf das Büdchenwesen im Rheinland einigermaßen unverfäscht zu: An jeder Ecke ein inhabergeführtes Büdchen, keine Ketten, keine Monopole. Das gilt für den gesamten kleinen Einzelhandel, wo auch immer man da genau die Grenze zieht. Vielleicht dort, wo das Unternehmen maßgeblich bemüht ist, Konkurrenz auszuschalten. Kapitalbasiertes Wirtschaften hebeln den Markt aus.

    Diese Markttheorie scheint mir nicht sehr weit von der entfernt, die z.B. Andreas Popp vertritt, der ja auch über eine angebliche „Umverteilung von Fleißig zu Reich“ klagt, wo fiese Kapitalisten gute Kleinunternehmer verdrängen würden. Und die Unterscheidung zwischen „fies“ und „gut“ wird dann anhand der jeweiligen Geisteshaltung des Unternehmers getroffen: Dass alle irgendwie Gewinn machen müssen, ist völlig okay – aber sie dürfen eben nicht „gierig“ sein, also auch noch Gewinn machen wollen. Wenn du die Grenze dort ziehst, „wo das Unternehmen maßgeblich bemüht ist, Konkurrenz auszuschalten“, argumentierst du ähnlich, nämlich von der unternehmerischen Psychologie her.

    Der rheinländische Einzelhandel ist vielleicht ein Biotop, wo jeder seine Nische findet. Aber ich schätze, die Waren, die dort verkauft werden, stammen auch von ganz normalen kapitalistischen Unternehmen. Der jeweilige Einzelhändler mag klein und nett sein, ist aber auch bloß beschäftigt, den Mehrwert für die Kapitalisten zu realisieren.
    Und die Bedingungen in diesem Biotop lassen sich eben nicht verallgemeinern: Wenn VW irgendwo eine riesige Fertigungsstrecke hinzimmert, dann muss die ganze Maschinerie natürlich auch ausgenutzt werden, um möglichst viele Autos zu produzieren – und die vielen Karren müssen dann natürlich auch verkauft werden. Da ist das Monopol schon vorausgesetzt, weil man vorab schon ein paar Millionen oder Milliarden braucht, um überhaupt ins Geschäft zu kommen.

    Diese Marktidee ist sicher idyllisch, es das allgemeine Verständnis.

    Ja, das ist so die bürgerliche Konsumentenperspektive. Ich betrachte das eher als Prolet, aus der Arbeitskraftsverkäufer-Sicht. Man muss halt auch gucken, wie die Waren produziert werden, wo die Leute das Geld verdienen, dass sie brauchen, um diese Waren kaufen zu können. „Der Markt“ ist sozusagen ein Oberflächenphänomen, der pfropft nur auf den kapitalistischen Produktionsverhältnissen auf – in dem Sinne ist der Kapitalismus tatsächlich keine „Marktwirtschaft“. Ich verweis dazu mal auf diesen Text hier:
    http://www.wildcat-www.de/zirkular/24/z24kapit.htm

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  22. genova68 schreibt:

    Generell bekenne ich mich zum Tapsen und Suchen. Ökonomie ist ein Riesenthema, mir sind Leute, die sowieso schon alles checken, suspekt. Insofern ist alles, was geschrieben wird, notwendig unfertig.

    In Bezug auf Popp stört mich die Kritik an ihm, weil die immer auf dieselbe dämliche Schiene abläuft: Popp bezieht sich auf Feder, der war Nazi, also ist die Zinskritik falsch. Oder man sagt, man dürfe nicht zwischen Kapital in der Realwirtschaft und solchem in der Finanzwirtschaft unterscheiden. Ersteres (Feder und Nazis) stimmt und Popp verharmlost Nazis (und ist Klimaleugner und Querfrontler und sowieso ein Depp), aber das ist eine andere Geschichte als Zinskritik. Die ist nicht notwendig anitsemitisch, sondern könnte vernünftig sein. Ob eine Trennung in Real- und Finanzwirtschaft sinnvoll ist, müsste man debattieren. Das wird aber nicht gemacht, stattdessen kommen reflexhaft die Nazibegriffe schaffend und raffend und das Thema ist durch. Das ist mir zu einfach. Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen Real- und Finanzwirtschaft. Letztere ist immer weniger zur Finanzierung der ersteren da, sondern macht sich selbstständig. Und das ist eben nicht systemisch so vorgegeben. Schätze ich zumindest.

    Umverteilung von fleißig zu reich ist nicht falsch, ein ganz gutes Bild. Seriöser ausgedrückt heißt das, dass es Druck auf Löhne gibt und Kapitaleinkommen zu niedrig besteuert werden.

    Gut und fies ist eine andere Nummer. Generell sollten Popp und solche Leute egal sein. Man sollte die analysieren, das wars dann aber auch. Sonst macht man sich von denen abhängig. Das läuft bei Amerikakritik ähnlich.

    Generell gibt es ja immer zwei Möglichkeiten der Kapitalismuskritik: Keynes, also innersystemisch, und Marx, von außen. Der eine will reformieren, der andere hält das für zwecklos. Ich sehe die theoretische Möglichkeit des Reformierens (Verhinderung von Monopolen, Umverteilung, Schaffung von Kaufkraft, massive staatliche Investitionen, all das, um Nachfrage zu generieren) gegeben, aber es gibt auch die praktische Unmöglichkeit, siehe die Politik seit 30 Jahren. Die Klugscheißer behaupten nun, das könne ja gar nicht funktonieren. Ich sehe es nicht, zumindest nicht, wenn ich einen überschaubaren Zeitraum anlege, also nicht von 1000 Jahren spreche. Ich sehe eine Zerstörung der Welt nur sekundär in kapitalistischer Logik begründet, da das Kapital die Politik offenbar so massiv beeinflussen kann, dass die das zerstörerische Werk umsetzen helfen, also Finanzmärkte erfinden, das Kapital weg von Real- und Finanzinvestitionen locken. Realinvestitionen dagegen werden ausgedünnt, weil der Staat schlank sein soll und die Masse weniger Kaufkraft hat. Ich halte diese Entwicklung zumindest theoretisch nicht für notwendig.

    Die Notwendigkeit des Untergangs des Kapitalismus wäre somit nicht systemisch bedingt, sondern durch den agitativen Einfluss des Kapitals auf Entscheidungsträger. Das Kapital ist aufgrund seiner notwendig partikularen Perspektive, die nie am Gemeinwohl interessiert ist, kurzsichtig. Sie können nicht sehen, was on the long run passiert. Insofern hätte Marx mit diesem Teil seines Werkes doch recht, aber anders, als er das dachte.

    Das hat, glaube ich, garnichts mit deinem Kommentar zu tun, einer von jenen, sorry. Ich habe nur gerade eigentlich gar keine Zeit :-) Ich melde mich nochmal.

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  23. genova68 schreibt:

    Vielleicht noch das hier:

    Wenn VW irgendwo eine riesige Fertigungsstrecke hinzimmert, dann muss die ganze Maschinerie natürlich auch ausgenutzt werden, um möglichst viele Autos zu produzieren – und die vielen Karren müssen dann natürlich auch verkauft werden. Da ist das Monopol schon vorausgesetzt, weil man vorab schon ein paar Millionen oder Milliarden braucht, um überhaupt ins Geschäft zu kommen.

    Das finde ich etwas zu dramatisch dargestellt. Der Büdchenbesitzer muss auch jeden qm seines Ladens ausnutzen, wenn er die hohe Miete zahlt. Wenn ich Geld vorschieße, dann will ich das plus Mehrwert zurück. Manchmal klappt es aber nicht, das ist Alltag. Insofern muss nichts. Und ob VW oder der Büdchenbesitzer: Beide strecken vor, letztere für die Miete, das Kühlregal, die eingekauften Waren, Sicherheitssysteme, Versicherungen und mehr. Der Büdchenbesitzer macht das vermutich mit Gespartem oder mit einem kleinen Kredit und der Mehrwert, den er vielleicht erzielt, ist keiner, weil der am Monatsende aufgebraucht ist.

    Der Unterschied zwischen Büdchen und VW liegt in der Dimension des Einsatzes und daraus resultierend in der fehlenden Möglichkeit des Büdchens, nachhaltig zu expandieren. Wäre theoretisch aber auch möglich. Es gibt kleine Bäckereien, die nach ein paar Jahren eine riesige Kette sind.

    Es ist m.E. lediglich eine Frage des Staates oder der Zivilgesellschaft, ob Kapitalismus zivilisiert bleibt. Oder es ist eben doch eine systemische Frage, da der Kapitalismus sich alles einverleibt und somit auch das Denken. Das Karnickel vor der Schlange als notwendige Entwicklung.

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  24. einer von jenen schreibt:

    Ob eine Trennung in Real- und Finanzwirtschaft sinnvoll ist, müsste man debattieren. Das wird aber nicht gemacht, stattdessen kommen reflexhaft die Nazibegriffe schaffend und raffend und das Thema ist durch. Das ist mir zu einfach. Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen Real- und Finanzwirtschaft. Letztere ist immer weniger zur Finanzierung der ersteren da, sondern macht sich selbstständig. Und das ist eben nicht systemisch so vorgegeben. Schätze ich zumindest.

    Die Reflexe gibt es sicherlich. Find ich auch bescheuert, denn nur weil es auch falsche Bankenkritik gibt, heißt dass ja nicht, dass es nicht auch richtige gäbe, man also die Finanzwirtschaft generell nicht kritisieren darf.
    Die Trennung von „raffendem“ und „schaffendem“ Kapital ist erstmal sachlich falsch, weil beides zusammenhängt, weil eine ausgedehnte Industrie auch ein ausgedehntes Kreditwesen braucht. Und natürlich kommt auch der von den Banken kassierte Zins von den in der Realwirtschaft erzielten Gewinnen her.
    Ich halte jetzt auch von der Realwirtschaft ziemlich wenig, von daher isses mir auch egal, ob sich die Finanzwirtschaft da abkoppelt. Es geht eben in beiden Bereichen darum, Gewinne zu erwirtschaften, und nicht darum, den Menschen was Gutes zu tun.

    Generell gibt es ja immer zwei Möglichkeiten der Kapitalismuskritik: Keynes, also innersystemisch, und Marx, von außen. Der eine will reformieren, der andere hält das für zwecklos.

    Bei Keynes sehe ich nun keinerlei Kapitalismuskritik. Problem ist auch, dass sein Modell eben auf Wachstum angewiesen ist, damit es funktioniert – der Staat macht kontrazyklische Investitionen, wenn die Wirtschaft schwächelt, und hofft, dass die Maschine dann wieder anspringt. Das hat nach dem Zweiten Weltkrieg eine Weile funktioniert, wo man bei allgemeinen Gewinnsteigerungen dann auch die Löhne schön prozentual mitwachsen lassen konnte und alle ein bissel was davon hatten. Das lässt sich aber nicht ewig so durchhalten, würde ich mittlerweile auch für erledigt halten – ich seh gerade nicht, wo jetzt so ein großes Wachstum noch herkommen sollte.

    Ich sehe eine Zerstörung der Welt nur sekundär in kapitalistischer Logik begründet, da das Kapital die Politik offenbar so massiv beeinflussen kann, dass die das zerstörerische Werk umsetzen helfen, also Finanzmärkte erfinden, das Kapital weg von Real- und Finanzinvestitionen locken. Realinvestitionen dagegen werden ausgedünnt, weil der Staat schlank sein soll und die Masse weniger Kaufkraft hat.

    Das liest sich nun fast wie bei Albrecht Müller: http://www.konkret-verlage.de/kvv/txt.php?text=ihrweltbildm%F6chteichhaben&jahr=2006&mon=11
    Ist aber auch die Schwäche der ganzen Neoliberalismus-Debatte, da nur den bösen Willen bestimmter pressure groups am Werke zu sehen. Die gibt es natürlich, aber ich würde deren Agieren nicht als sooo wahnsinnig planmäßig sehen. Die haben auch nicht die geile Strategie, das ist mehr ein Rumwurschteln. Letztlich stolpert das Kapital seit 40 Jahren nur noch von Krise zu Krise und versucht da irgendwie rauszukommen und wieder eine stabile Akkumulation hinzukriegen.
    Man sollte halt nicht nur auf das fiese Kapital gucken, sondern auch darauf, was die Arbeiter_innen machen und gemacht haben. Bei der Ausweitung des Kreditsektors, die ab Anfang der 1970er lief, gibt es auch eine ziemlich klare Korrelation mit wilden Streiks und Arbeiter_innenkämpfen. Das ist so die Perspektive von Beverly Silvers „Forces Of Labor“: Das Kapital flüchtet vor diesen Kämpfen, sowohl räumlich, indem es z.B. Produktionsanlagen verlagert, oder eben auch, indem es sich in der Finanzwirtschaft neue Einnahmequellen sucht.

    Ist ´ne komplexe Debatte, vor allem, da mein analytisches Raster ganz anders ausschaut als deines. Ich lass es mal dabei bewenden.

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