Der große Sonnenuntergangsvergleichstest: Berlin, Athen, Rom

Berlin:

Berlin hat den großen Vorteil, dass die Sonne dort sowieso nur dezent-milchig bis gar nicht scheint. Der Sonnenuntergang spielt in der Stadt keine große Rolle: Wo die Sonne nicht aufgeht, kann sie nicht untergehen. Irgendwann ist es einfach dunkel. Straßenbeleuchtung funktioniert danach nur rudimentär, man stochert umher. Da es der Berliner gerne gemütlich hat, bleibt er dann zuhause oder empfindet das Leben als Kampf im Großstadtdschungel, da muss es dunkel sein. Neuerdings redet man in aufgeklärten Berliner Kreisen gerne von „Lichtverschmutzung“. Darauf muss man erstmal kommen.

Wie auch immer: Der klassische Sonnenuntergang findet in Berlin nicht statt.

 

Athen:

Der Athener Sonnenuntergang hat etwas depressives: Kurz vorher noch strahlender Sonnenschein, der einen auch im Dezember zur Sonnenbrille als notwendigem, nicht rein modischem Utensil nötigt, dann recht plötzlich diese fahl-rötliche und fast bleierne Schwere. Vielleicht liegt es an der Kombination der durchweg weißen Häuser mit dem mittelmeerblauen Meer und den bräunlich-kahlen Bergen ringsum. Es ist ein angenehmer Farbton, der so entsteht; man ahnt noch das südlich-heitere, aber auch die Schwere des Alltags, der einen angesichts der vielen Wohnungslosen, die überall herumliegen, nicht verlässt.

Der Athener Sonnenuntergang passt ganz gut zur ökonomischen Lage: sichtbares Elend und volle Restaurants. Man lässt sich nicht unterkriegen.

 

Rom:

Im Rom macht auch der Sonnenuntergang eine bella figura und alle gucken hin. Eine Spur zu grell, eine Spur zu demonstrativ, aber unterhaltsam. Der römische Sonnenuntergang fährt Ferrari und zahlt fünf oder sieben Euro für einen Cappuccino. Aber nur im centro storico und rund ums forum romanum. In den anderen Stadtteilen ist der Kaffee billiger. Und der Sonnenuntergang nicht ganz so rot.

Der Sieger heißt Berlathom. Oder die persönliche Stimmung.

(Fotos: genova 2015/16)

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