Dreimal Köln

Zu den Ereignissen von Köln, wie man sagt, finde ich dreierlei interessant.

  1. Die vielen Rechten, die sich jetzt zu Frauenverteidigern aufschwingen, ansonsten aber jede Form weiblicher Emanzipation bekämpfen. Dazu gehören die Kameraden der AfD und von Pegida etc. genauso wie die hier schon wegen ihrer zusammengebastelten Biographie erwähnte Birgit Kelle und andere üble Gestalten. Bei dem sogenannten Journalisten Claus Strunz, vormals Bild-am-Sonntag-Chefredakteur, wird die Instrumentalisierung von Vergewaltigungen für seine rechten Zwecke besonders deutlich. Im Sat1-Frühstücksfernsehen verrät Strunzens Gestik ab 2.20, wie er an das Thema rangeht:

Vergewaltigungen, Flüchtlinge, Moslems: geil! Mit diesem Dreiklang kann man den Gutmenschen eins auswischen. Später sagt er noch, dass er nicht wisse, was schlimmer sei: die Aussagen der Kölner Behörden in der Öffentlichkeit oder die Vergewaltigungen. Für Strunz ist das nicht entscheidbar. Immerhin ist er da für einen kurzen Moment ehrlich. Solchen Leuten kommen Vergewaltigungen ganz gelegen, um Stimmung zu machen, gestisch auf Jahrmarktniveau verstärkt.

Ein Problem in diesem Land sind solche Journalisten, von denen es unzählige gibt.

Davon abgesehen: Wie schlimm muss es um einen stehen, wenn man morgens um neun TV sieht, und dann auch noch Sat1?

2. Volker Beck meinte heute morgen im Deutschlandfunk, die Polizei müsse „dafür sorgen, dass sich Frauen angstfrei im öffentlichen Raum bewegen können“. Klingt gut, aber da sind wir bei dem wohlbekannten Problem. Beck sitzt seit 1994 im Bundestag, war also bei der rot-grünen Koalition von 98 bis 05 dabei und damit mitverantwortlich für die massiv neoliberale und damit ökonomisch rechte, anti-emanzipatorische Politik. Die lief darauf hinaus, den Staat für kapitalistische Verwertungszwecke zu plündern und Reiche reicher zu machen. Beck fand das gut. Der Senat in Berlin hat zwischen 1998 und 2010 über 14 Prozent der Stellen abgebaut, in NRW sind es sieben Prozent. Bei der Justiz sieht es ähnlich aus. Es ist eine Politik, an die man sich gewöhnt hat. Die Trickbetrüger von Köln sind seit Jahren bekannt, es wäre ohne Weiteres möglich, die auszuschalten, hätte man ein wenig mehr Manpower. Angstfreies Bewegen hat zwar nicht nur mit Geld zu tun, aber eben auch.

Kameraden wie Volker Beck sind für diese Entwicklung mitverantwortlich. Da sitzt er mit der FDP und in ordentlichen Teilen mit der AfD in einem Boot. Becks uneingeschränkt zu unterstützender Kampf für die Rechte von Minderheiten wird von seinem Treten nach unten begleitet, das er vermutlich nicht als solches sieht, aber faktisch eines ist. Ist man sehr wohlwollend, verbucht man ihn unter „unpolitischer Mensch“, der nicht weiß, was er tut. Wenn nicht, ist er Täter. Und in gewissser Weise ein besonders gefährlicher, weil er als Grüner es immer noch schafft, sich als Netter zu maskieren.

Beck ist darüber hinaus der Prototyp des plappernden Politikers, ähnlich wie derzeit dieser NRW-Jäger. Permanentes Verharmlosen und gleichzeitiges Behaupten, dass man nun etwas tun werde. Diese Pappkameraden werden naturgemäß nichts tun.

Und das beginnt nicht bei Vergewaltigungen. Wenn die Wahrscheinlichkeit, das Auto gestohlen zu bekommen, in Deutschland ausgerechnet in Frankfurt an der Oder am größten ist (bei Fahrrädern ist es Schwedt, ein paar Kilometer nördlich), ist klar, warum. Weil es keine grenzüberschreitende Kriminalitätsverfolgung gibt, auch wenn das seit Beginn von Schengen behauptet wird. In besagtem Frankfurt wählten bei der letzten Landtagswahl 20 Prozent die AfD. Man möge sich nicht wundern.

Wie gesagt, Typen wie Beck tragen dafür die Verantwortung.

3. Ein weiteres Mal belegt die postpolitische Linke ihre Naivität. Anne Wizorek, durch die Sexismus-Debatte um Brüderle bekannt geworden und diesbezüglich absolut zu verteidigen, belegt ihre gewollt begrenzte Denkfähigkeit in einem FR-Interview. Der Interviewer Markus Decker fragt:

Ist es nicht so, dass Männer aus der islamischen Welt mit einem anderen Frauenbild aufwachsen  und deshalb eher zu sexueller Gewalt neigen?
Wizorek: Sexismus beschränkt sich nicht auf diese Menschengruppe. Er durchzieht unsere gesamte Gesellschaft – und das ist das Problem, über das wir reden müssen.

Natürlich neigen Männer aus der islamischen Welt eher zu sexueller Gewalt. Kein Wunder, bei dem Frauenbild. Man versuche, als Frau alleine eine Woche durch Kairo zu spazieren. Was mir als Mann ohne Weiteres und mit vielen netten Begegnungen möglich ist, endet für eine Frau vermutlich nach ein paar Stunden in Bedrängnis. Diese simple Tatsache darf eine wohlerzogene Feministin auf Kindergartenniveau aber nicht aussprechen. Stattdessen kommt der Allgemeinplatz, dass es Sexismus auch anderswo gibt. Und dann die in diesem Zusammenhang absurde Behauptung, dass wir über das Problem reden müssen. Ja, ok, aber dazu würde unter anderem gehören, dass man über patriarchalische Strukturen redet. Darf man aber nicht, weil das dann angeblich fremdenfeindlich ist.

Wizorek outet sich damit als eine von diesen unzähligen eher begrenzten Menschen, die nicht über ihren Schatten springen können, auch wenn es offensichtlich notwendig ist. Ähnlich wie die taz-Redakteurin Dinah Riese, die in ihrem Kommentar zwar völlig richtig darauf hinweist, dass sexuelle Gewalt nicht an eine Ethnie gebunden ist, aber vergisst hinzuzufügen, dass es kulturelle Prägungen geben kann, mit denen sexuelle Gewalt erleichtert wird. Das ist in konservativen, patriachalischen Verhältnissen der Fall, unter anderem in der türkischen und arabischen Community mit teilweise absurden Frauenbildern und Rollengefügen und islamisch-konservativer Verstärkung. Es ist auch in bayrisch-lederhosigen Verhältnissen denkbar wie auch in protestantisch-pietistischen.

Sowas kommt diesen angeblichen Kämpferinnen für Frauenrechte nicht über die Lippen bzw. in die Tastatur.

P1030461Im Grunde genommen hängen diese drei Gruppen miteinander zusammen. Die dritte Gruppe ist so unpolitisch, sprich: so neoliberal deformiert, dass die zweite Gruppe keine Probleme hat, die ökonomisch-neoliberalen Voraussetzungen für antizivilisatorische Verhältnisse zu schaffen und auszubauen und die erste Gruppe missbraucht das medial für wahrhaft rechte Zwecke.

Gut, dass es noch ein paar Leute wie mich gibt, die den Durchblick haben.

(Foto: genova 2013)

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50 Antworten zu Dreimal Köln

  1. einer von jenen schreibt:

    Ja, ok, aber dazu würde unter anderem gehören, dass man über patriarchalische Strukturen redet. Darf man aber nicht, weil das dann angeblich fremdenfeindlich ist.

    Erinnert mich spontan an den Didi-Hallervorden-Reim: „Magst du Netanjahu nit, bist du gleich Antisemit“ – dies mal als boshafte Nebenbemerkung.

    Frau Wizorek meint vielleicht, man solle nicht dürfen. Das ist aber nur ein gutgemeinter Ratschlag, und kein Verbot. Wenn man den defensiven Unterton mal weglässt, ist „Wir müssen über Sexismus reden“ ja eine ganz sinnvolle Aussage.

    Natürlich neigen Männer aus der islamischen Welt eher zu sexueller Gewalt.

    Ich kenne nun die Statistiken nicht, würde das „natürlich“ aber schon deswegen anzweifeln, weil ich vermute, dass du die Statistiken genausowenig kennst wie ich. Die „islamische Welt“ ist ziemlich groß, in Indonesien sieht es vielleicht anders aus als in Ägypten, und auch wenn man in einem „islamischen“ Land aufwächst, kann man als Mann durchaus unterschiedlich geprägt werden.
    Und „eher“ – was ist da der Vergleichswert? Die Verhältnisse in Deutschland, Europa, der „christlichen Welt“? Im Zweifelfall ist doch eher das Milieu wichtig und nicht der Kontinent, auf dem man aufwächst.

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  2. dame.von.welt schreibt:

    Auf jeden Fall ist es gut, daß es Durchblicker wie Sie gibt, lieber Genova.
    Männer gucken bei sowas hin, fast automatisch. …;-)… war ne Steilvorlage, an der ich jetzt nicht vorbeikam, scusi.

    Dinah Riese irrt vor allem in einem Punkt (der aber dem gestrigen Stand der Information geschuldet ist): In etwa einem Viertel der 90 angezeigten Fälle geht es neben Diebstahl auch um solche Grenzverletzungen, in einem Fall um Vergewaltigung.

    Mittlerweile gibt es in Köln mehr als 120 Strafanzeigen, von denen drei Viertel wegen sexualisierter Belästigung, zwei wegen Vergewaltigung und 50 wegen zusätzlichem Diebstab gestellt wurden. Es sieht also mittlerweile so aus, als hätten sich die Täter weniger auf Diebstähle kapriziiert als auf gewalttätige Machtausübung und sexualisierte Demütigung von Frauen. Damit geht auch die schöne Theorie von der organisierten „Antänzer“-Kriminalität den Bach hinunter.

    Bei Anne Wizorek finde ich Ihr verkürzte Zitat nicht ganz fair, sie sagt weiter: Wir dürfen das Thema nicht nur dann entdecken, wenn es um Täter mit Migrationshintergrund geht. Die Leute, die die Vorfälle von Köln kritisieren, sind gleichzeitig oft jene, die sexualisierte Gewalt von Deutschen verharmlosen und betroffenen Frauen die Schuld daran geben. Und damit hat sie vollkommen recht.

    Sie glauben, „dass es kulturelle Prägungen geben kann, mit denen sexuelle Gewalt erleichtert wird. Das ist in konservativen, patriachalischen Verhältnissen der Fall, unter anderem in der türkischen und arabischen Community mit teilweise absurden Frauenbildern und Rollengefügen und islamisch-konservativer Verstärkung. Es ist auch in bayrisch-lederhosigen Verhältnissen denkbar wie auch in protestantisch-pietistischen. Sowas kommt diesen angeblichen Kämpferinnen für Frauenrechte nicht über die Lippen bzw. in die Tastatur.

    Die „angeblichen Kämpferinnen für Frauenrechte“ halten sich an die für Deutschland erhobenen Erkenntnisse der Dunkelfeldforschung, nach der mehr als 80% der Sexualstraftaten im privaten Umfeld der betroffenen Frauen begangen werden, von ihnen bekannten, oft intim vertrauten Männern, an rund 10% aller Frauen in Deutschland – das sind mehrere Hundertausend Frauen zwischen 16 und 60. Jedes 3.-4. Mädchen, jeder 5.-7. Junge macht mindestens eine Erfahrung sexualisierter Gewalt vor dem 16. Lebensjahr. Laut Bundesfamilienministerium zeigen nur rund 5% der vergewaltigten Frauen an, nicht mal 15% der angezeigten Täter werden verurteilt (erlogene Anzeigen: zwischen 3% und 5%) und die Strafmaße liegen unter denen von Eigentumsdelikten. Das alles kommt Handlungsempfehlungen gleich.

    Was die sexualisierte Gewalt im öffentlichen Raum in der Silvesternacht in Köln, Hamburg, Stuttgart, Frankfurt (weiß der Teufel, wo noch überall) zusätzlich furchterregend macht: sie fand ohne jede soziale Kontrolle im öffentlichen Raum statt. Das ist der Raum, in den Vergewaltigte flüchten und Hilfe suchen, sie rufen dabei aber besser nicht ‚Vergewaltigung‘, sondern ‚Feuer‘, weil sie andernfalls kaum Chance auf Gehör haben. In Köln fanden sie kein Gehör, weil Polizisten die Sicherung einer Gasse für einen Rettungswagen wichtiger fanden und weil auch nach mehreren Rufen nach Verstärkung keine Verstärkung kam, da nach Bayern zur „Grenzsicherung“ ausgeliehen. Das kommt Staatsversagen gleich.

    Sexualisierte Gewalt gegen hauptsächlich Frauen und Kinder wird mitnichten und -neffen nur durch islamisch-konservative, bayerisch-katholische oder protestantisch-pietistische Verhältnisse begünstigt, sondern sie findet sehr gleichmäßig quer durch alle Gesellschaftsschichten und Milieus statt – immer und überall da, wo sich meist männliche Arschlöcher so unterlebensgroß und gefickt fühlen, daß sie ihrerseits nach unten ficken. Es geht um Machtgewinn und um Kontrolle, mit sexualisierten Mitteln.

    Sie glauben: Natürlich neigen Männer aus der islamischen Welt eher zu sexueller Gewalt.
    Das glauben Sie natürlich warum? Wegen des Frauenbildes in Ägypten? Der größte Teil der islamischen Welt lebt in Asien. Für Frauen hochgefährlich ist es vor allem dort, wo Männer wegen hoher Arbeitslosigkeit oder mieser Bezahlung keine Chance auf Heirat haben, weil sie sich die Morgengabe nicht leisten können (und überall dort, wo Frauen so wenig wert sind, daß sie eine Mitgift brauchen, um verheiratet zu werden. Beide Konzepte sind tödlich).

    Was aber wäre, wenn sexualisierte Gewalt „nur“ das Echo anderer Gewaltformen bildet? Was wäre, wenn sich das Politische (u.U. zeitverzögert) aus dem öffentlichen Raum ins sehr Private verlagert? Dort der Elefant im Zimmer ist und Vergewaltigungen im öffentlichen Raum deswegen so besonders furchtbar sind, weil der Elefant dann zur Abwechslung mal unüberhörbar trompetet?

    Ich weiß es nicht… ist eine These, die ich aber bisher nicht widerlegen konnte.

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  3. genova68 schreibt:

    Decker gibt Wizorek dreimal eine Steilvorlage, siehe Interview, sie nimmt sie nicht auf. Insofern will sie den Zusammenhang offenbar auf keinen Fall herstellen. Meine Bemerkung, dass man das nicht darf, ist missverständlich, stimmt. Dass man irgendwas nicht sagen darf, halte ich generell für Blödsinn. Die Frage ist aber, warum sie nicht will. „Wir müssen über Sexismus reden“ ist natürlich richtig, aber offenbar will sie das auf keinen Fall in der genannten kulturellen Prägung tun. Und damit fehlt EIN notwendiger Aspekt der Diskussion.

    Indonesien und Asien sind vielleicht anders, spielt hier aber keine Rolle, weil wir damit nichts zu tun haben. „Eher“ heißt eher, das schätze ich ohne jede Statistik, wenn ich mir die patriarchalischen Verhältnisse im Nahen Osten anschaue. Ich glaube, wir müssen nicht ernsthaft diskutieren, dass Frauen dort weniger Bewegungsfreiheit haben. Ich habe in Kairo einmal zwei deutsche Studentinnen getroffen, die wollten die letzten beiden Tage ihres Aufenthaltes unbedingt mit mir unterwegs sein, weil sie es satt hatten, als Freiwild begriffen zu werden, ohne lockere Kleidung, aber ohne Kopftuch. Kein Cafébesuch, kein lockeres Schlendern, sagten die. Man kann das alles erklären, historisch, soziologisch, soll man auch tun, aber man sollte da schon Stellung beziehen. Sicher kann man den Islam auch frauenfreundlich auslegen, klappt aber fast nirgendwo. Der Islam ist genauso patriarchalisch instrumentalisierbar wie das Christentum, nur hat letzteres hier weniger Einfluss.

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  4. genova68 schreibt:

    Männer gucken hin, ja, und was hat das mit Köln zu tun?

    Wizorek hat mit der Weiterführung des Zitats sicher recht, aber sie blendet die kulturelle Prägung dennoch bewusst aus.

    Die Erkenntnisse der Dunkelfeldforschung will ich nicht ignorieren, aber auch die betreffen wieder alle, zumindest wissen wir wohl weniger darüber. Wobei es da übelste Aussagen von Gynäkologinnen gibt, in Bezug auf Wiederherstellung der fraulichen Ehre mittels Jungfernhäutchenreproduktion etc. bei Leuten, die immer noch von Ehre statt von Würde reden.

    Männliche Arschlöcher fühlen sich unterlebensgroß gefickt: Ja, und auch das hat mit patriarchalischen Verhältnissen zu tun. Sonst könnte man das jedem Hartz-IV-Bezieher und jedem geschassten Abteilungsleiter andichten.

    Ihre letzte These finde ich überzeugend, ist ja auch eine politische Herangehensweise. Es sind einerseits politische Verhältnisse und andererseits individuelle Prägungen im gesellschaftlichen Raum. Und wenn man das beim Thema Sexismus alles diskutieren will, kann man patriarchalisch und islamisch geprägte Verhältnisse nicht außen vorlassen, zumal es gerade in Köln offenbar vor allem Leute aus patriarchalischen Gesellschaften waren, in denen Frauen nur dann kein Freiwild sind, wenn sie die Auflagen des Patriarchats erfüllen.

    Ich denke, wir sind in Europa und anderswo mittlerweile weiter. Man könnte im nächsten Schritt auf die millionenfache Verstümmelung von Mädchen in Afrika hinweisen, auch ohne Islam, die ihre Ursache in jahrhundertealtem übelstem Patriarchat hat und zu allem Überfluss noch von den meisten Frauen dort gutgeheißen wird. Das ändert nichts daran, dass ich das für eine Katastrophe halte, auch gegen die Aussage der Mehrheit der Betroffenen. Und diesbezüglich unsere Kultur für derzeit überlegen halte. Sucht man die Ursachen, kommt man vermutlich auch auf Kolonialismus, womit auch wiederum wir uns beschäftigen haben. Aber eben ohne Relativierung des Ist-Zustandes.

    Soziale Kontrolle in Köln: Bei 1000 Asis wird es mit der sozialen Kontrolle naturgemäß schwierig. Ich habe ca. zehn Augenzeugenberichte gelesen, auch von Familien mit Kindern: Die waren schlicht froh, da irgendwie rauszukommen, ob mit oder ohne Handy.

    P.S.: Islam und Frauenrechte: Wie gesagt, theoretisch sicherlich komplett vereinbar, aber das findet in der Praxis nicht statt. Ich würde eher sagen, dass sowohl in Ägypten also auch anderswo, beispielsweise im Iran, Frauenrechte vor der Islamisierung ausgeprägter waren. Alles andere wäre auch ein Wunder. Würde hier das Christentum wieder das Sagen bekommen, wäre es das für die Emanzipation wohl gewesen -auch wenn man sich theoretisch auf Jesus berufen könnte.

    Aber das ist alles ein vielschichtiges Thema.

    P.S.: Im Unterschied zu Wizorek schreibt Margarete Stokowski im Spiegel:

    „Natürlich müssen wir über Geschlechterordnungen in arabischen und nordafrikanischen Ländern sprechen – aber das reicht eben nicht. Man kann diese Diskussion nicht outsourcen und zur Ausländerfrage erklären.“

    Genau das ist der Punkt.

    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/margarete-stokowski-ueber-sexualisierte-gewalt-a-1070905.html

    Auch ansonsten lesenswert.

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  5. dame.von.welt schreibt:

    Auch wir leben in einer patriarchalen Gesellschaft!
    Wenigstens wäre mir die Einführung einer friedlichen, auf Konsensdemokratie basierenden matriarchalen Gesellschaft entgangen (das größte noch existente Matriarchat, die Minangkabau in Sumatra sind btw. orthodoxe Muslime). Unter linken Männern wiederum ist die Idee vom Nebenwiderspruch sehr verbreitet – erst erfolgreich zu absolvierende Weltrevolution, dann Frauenbefreiung – bei all Ihrer Verliebtheit in die P.S.-Religionsalleinunterdrückungsthese. Religion ist bloß eins der Etiketten, die Frauenbeherrschung legitimieren soll, nicht mehr, nicht weniger.

    Unsere Gesellschaft unterscheidet sich graduell von beispielsweise der ägyptischen, wo laut UN über 90% aller Frauen von sexualisierter Belästigung im öffentlichen Raum berichten, bei uns sind es über 60%.

    Dazu vielleicht am Rande (und zum Zusammenhang zwischen Köln und Gucken) interessant: ein ägyptischer Fernsehsender hat mal einen männlichen Schauspieler in Frauenkleidung gesteckt, geschminkt und ihn durch die Straßen von Kairo geschickt, der sagte u.a. hinterher, daß er umso übler belästigt wurde, je konservativ-muslimischer seine Kleidung war.

    Weibliche Beschneidung ist eins der vielen Beispiele autoaggressiver Einrichtung von Frauen im Patriarchat, sie wird überwiegend von Frauen an Mädchen verübt, Ausnahmen sind Ägypten und Malaysia, wo FGC weitgehend hospitalisiert ist, was der Praxis den Anstrich der Moderne verleiht und ihre Bekämpfung zusätzlich erschwert. Der erwähnte Schauspieler in Kairo wurde nicht nur von Männern angegangen, sondern auch von Frauen.

    Daß aber Männer und Frauen sich auch bei uns im Patriarchat einzurichten haben, müssen wir hoffentlich nicht diskutieren. Die Neolib-Feministinnen und die konservativen Politiker und Wirtschaftsgranden, die wenigstens meine Geduld mit Quotendiskussionen für privilegierte Frauen strapazieren, sind da nur ein Beispiel unter x. Jede Stutenbissigkeit, jeder Schwanzvergleich läuft auf das gleiche Galama hinaus.

    Ja, vielschichtiges Thema. Außerdem Dank der zahllosen Wiederholungen der letzten 30 Jahren (<-für mich) und dem aktuellen Rollback auf allen Ebenen mehr als ermüdend und frustrierend.

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  6. dame.von.welt schreibt:

    Das zweite P.S. war eben noch nicht da, oder?
    Stokowsky ist das beste, was der SPON derzeit zu bieten hat, so auch hier.

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  7. genova68 schreibt:

    Die Stokowsky habe ich später eingefügt, ja. Mache ich manchmal, ist wohl eine blöde Angewohnheit, weil die Leser das nicht sehen.

    Danke für den Hinweis auf die Minangkabau, von denen hatte ich noch nichts gehört.

    Jedenfalls ist das alles ein schwieriges Thema, eigentlich habe ich keine Ahnung davon. Wenn ich im Netz mal etwas gelernt habe, dann, dass man nicht permanent seine Meinung rausplappern soll, sondern zuhören, gerade wenn es um Themen geht, die einen nicht direkt betreffen. Betroffenen zuhören. Es ist schon typisch Mann, ständig die Deutung vorzugeben, was auch eine Art Selbstentlastung ist.

    Insofern halte ich jetzt meine Klappe.

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  8. dame.von.welt schreibt:

    Och menno, das wäre jetzt aber das Falscheste (und mir extrem unangenehm), wenn Sie aus meinem Senf den Eindruck gewonnen haben, Sie hätten keine Ahnung, seien nicht direkt betroffen und sollten in Ihrem Blog besser die Klappe halten, Hilfe!

    Ichsachsmaso: eine Erkenntnis aus 30 Jahren Wiederholungen, Ermüdungen und Irrtümern ist, daß gesellschaftliche Weiterentwicklung ohne Männer nicht gut geht.
    Haben Männer kein Interesse an Menschenrechten auch über die eigene Person hinaus (LGBTI*-, Kinder-, Frauenrechte sind nix anderes als hundsgewöhnliche Menschenrechte, keine Sonderprivilegien) – dann ist es sehr viel mühsamer mit deren immer besserer Umsetzung.
    Eine andere Erkenntnis ist, daß Misogynie DIE Querfront schlechthin ist (und querfrontale Misandrie ebenso aufholen wird wie besoffene Jungesellinnenabende mit Men-Strip).

    Matriarchale Organisationsformen von Gesellschaften sind tatsächlich interessant und es wäre ein Irrtum, sie als Umkehrung patriarchaler Ordnung zu verstehen – sie sind etwas völlig anderes, vermutlich aber schwer in so großen Gesellschaften wie unseren modernen Staaten umsetzbar. Ich finde trotzdem bedenkenswert, daß sie weitgehend friedlich sind und es auch und gerade den Männern gut geht. In Matriarchaten wäre auch Ihr anderer Lieblingsfeind, der Neoliberalismus, völlig undenkbar.

    Interessant finde ich auch die Reste matriarchaler Ordnungen mitten im Ultrapatriarchat, wie in konservativen katholischen und muslimischen Gesellschaften auf dem Land, in denen die Frauen im Haus, im privaten Raum das uneingeschränkte Sagen haben und die Männer „nur“ im öffentlichen Raum. Das geht spätestens dann schief, wenn das Landhaus gegen eine enge Stadtwohnung eingetauscht, die Trennung von öffentlichem und privatem Raum nach Geschlecht aber beibehalten wird und endet bei der Verlagerung männlicher Ehre zwischen weibliche Beine, der vermehrten Mitnahme des privaten Raums in die Öffentlichkeit namens Hidschab oder bei ’40qm Deutschland‘. Und bei Männern, die nicht mehr spüren, wo sie aufhören und wo ein anderer Mensch anfängt.

    Es geht immer und andauernd um Macht und Raum, um dessen Grenzen und deren Verletzung.
    Frauen können Macht über Männer ausüben, wenn sie im öffentlichen Raum eine Menge Haut zeigen. Vielleicht ist es aber auch bloß die angemessene Kleidung für einen heißen Tag. An der sexuellen Aufladung weiblicher Körperteile arbeiten nicht nur Frauen.

    Buchstäblich eng im Raum wird es, wenn körperliche Grenzen verletzt werden (der Körper ist schließlich Sitz, Hülle und Raum des Bewußtseins). Ob das nun durch eine angebliche Männernatur inklusive „fast automatischem“ Gucken oder erweitert in Form der Gewaltexzesse wie in der Silvesternacht passiert, ist wiederum „nur“ graduell unterschiedlich.

    Es ist ein Märchen, daß nur Männer qua Natur einen starken Sexualtrieb haben. Frauen haben ebenfalls sehr mächtige Triebe, sie sind schließlich die mit den multiplen Orgasmen. Der Unterschied ist, daß in unserer Kultur nur Männern zugestanden wird, ihren Sexualtrieb als mitunter auch grenzüberschreitende Männernatur öffentlich zu zeigen, während der von Frauen über die Jahrtausende domestiziert, zivilisiert und kultiviert wurde. Ich könnte mich ja für Reset Null und für Paarungszeiten erwärmen, vielleicht so zwei Monate im Jahr, in denen es fröhlich rundgeht, zugunsten eines ansonsten zivilisierten und kultivierten Umgangs miteinander^^

    Aber zurück zum Anfang: von Raum, dessen Gestaltung und den damit verbundenen Grenzen wollen Sie als Architekt keine Ahnung haben? Glaube ich im Leben nicht…;-)…

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  9. einer von jenen schreibt:

    @ genova: Ist viel Text zwischendrin angefallen. Ich knüpf nur noch mal an meinen ersten Kommentar und deine Antwort an.

    Das „eher als“ ist mir aufgestoßen, weil das einen Vergleich impliziert, du aber nur eine Seite dieses Vergleiches klar benennst – die „islamische Welt“. Ist ein rhetorisch zweifelhaftes Verfahren, weil man den Vergleichgegenstand dann frei nach Bedarf wählen und die Behauptung so hinbiegen kann, dass sie „natürlich“ immer hinhaut.
    Eine Freundin hat mir mal ziemlich krasse Sachen erzählt, die ihr beim Urlaub in Portugal widerfahren sind, wo sie mit einer anderen Frau unterwegs war und praktisch ständig belästigt wurde – so was gibt’s also auch in der „christlichen Welt“.
    Patriarchat ist auch erstmal von Religion unabhängig (obwohl die großen Religionen wohl alle patriarchal geprägt sind). Aber Patriarchat ist eher sozioökonomisch begründet, ein Set von Normen, die eine bestimmte Rollenverteilung in der Familie regeln (der Mann als pater familias, als Vormund und Vorstand). Das sind Normen, die einerseits natürlich „borniert-konservativ“ sind, aber eben auch nützlich, um vor allem in agrarisch geprägten Gesellschaften das Zusammenleben und Wirtschaften zu regeln – also zu klären, wie geheiratet wird, wie Eigentum weitervererbt wird usw.
    Mit der Urbanisierung verlieren diese Regeln dann ihre Funktion und werden disfunktional. Was du für Kairo geschildert hast, lässt sich vielleicht so erklären. Die patriarchalen Normen wirken zwar weiter, werden aber eben nicht mehr durch den Rahmen einer Agrargesellschaft zusammengehalten – wodurch dann so ein aggressives „Mackergehabe“ entsteht.

    In der Debatte drüben auf dem Blog der Dame von Welt hast du ja auch irgendwo auf migrantische Jugendgangs in Neukölln usw. verwiesen – die sind den Tätern von Köln wohl ganz gut vergleichbar (wobei ich Neukölln natürlich nicht zur islamischen Welt zählen würde). Das sind dann Leute, die in der Gruppe auftreten und sich deswegen sicher fühlen, die auch eine gewisse Routine bei Gewaltanwendung haben und von daher auch weniger Hemmungen, irgendwie übergriffig zu werden.
    Und dann stimmt es natürlich, dass manche migrantische junge Männer ein sehr betontes „Mackertum“ an den Tag legen – ist ein Klischee, kenne ich aber auch aus eigener Erfahrung.
    Das würde ich auch in der eben erwähnten Weise interpretieren: dass eben patriarchale Verhaltensnormen disfunktional werden und gerade deswegen besonders betont werden. Die Leute können z.B. nicht mehr damit rechnen, dass sie als Familienvorstand mal irgendwas zu melden haben werden – und wenn man das abzieht, bleibt oft nur sehr betonte „Männlichkeit“ übrig. Auch als Reaktion auf Marginalisierung, dass man sich auf den eigenen Körper zurückzieht, weil das das einzige ist, was einem keiner wegnehmen kann – im Sinne von „Ich hab zwar nichts, aber schaut mal, wie stark ich bin.“

    Wobei sich das nicht nur bei migrantischen Jugendlichen zeigt. Mit den von Kristina Schröder zitierten „gewaltlegitimierenden Männlichkeitsnormen“ durfte ich in meiner Schulzeit schon ausgiebig Erfahrungen machen. Die findet man nicht nur in Neukölln, sondern auch in ostdeutschen Kleinstädten sehr, sehr häufig.

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  10. genova68 schreibt:

    Lieber jener,

    danke für den Kommentar, dem ich komplett zustimme. Vielleicht ist das oben im Artikel anders rübergekommen. Es geht um patriarchale Strukturen, die vom vorherrschenden Islam im arabischen Raum derzeit unterstützt werden. Dass es ähnliche christliche Ausprägungen geben kann, würde ich nun gerade nicht bestreiten. Wobei da Portugal nur bedingt als Beleg taugt, denn christlich geprägt ist da nur der Norden. Im Süden gibt es kaum Kirchgänger und Glaube, sondern wie vor starke linksradikale und kommunistische Parteien. Wobei auch aus denen patriarchale Verhaltensmuster kommen können. Und die KP von Portugal tat sich schwer mit der Abnabelung von der Sowjetunion.

    Patriarchale Verhaltensmuster kann man, je nach Standpunkt, von überallher orten, natürlich auch aus kapitalismuskritischer. Nur geht es im vorliegenden Fall um arabisch-islamische patriarchale Strukturen. Und mich nervte die Ignoranz von Wizorek (und beispielsweise auch diese Reaktion hier: http://shehadistan.com/2016/01/08/arabisch-und-nordafrikanisch-aussehende-menschen/)

    Genau deshalb reden wir jetzt am besten über das Konkrete, ohne das Allgemeine aus den Augen zu verlieren.

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  11. genova68 schreibt:

    Danke auch für diesen Kommentar, irgendwie sehe ich keinen großen Widerspruch zu mir. In Bezug auf Raum würde ich aber fragen, ob man bei Köln wirklich nur von einem graduellen Unterschied sprechen kann. Wir haben es hier mit dem öffentlichsten Raum von ganz Köln zu tun, der über Stunden in der Hand dieser Typen war, die ihn zu einem privaten mit völlig neuen Regeln umfunktionierten. Das kann man prinzipiell mit jedem öffentlichen Raum machen, aber dann braucht man die entsprechenden Machtmöglichkeiten, und die hatten diese Leute und das ist das qualitativ neue. Wenn ich als Frau in der Düsseldorfer Altstadt nachts in entsprechende Spelunken gehe, werde ich vielleicht auch angegrabscht, aber da kann ich immerhin wegbleiben. Wenn ich aus dem Zug steige, nicht. Dazu kommt, dass Leuten, die gerade auf dem Asylticket ins Land gekommen sind, diesbezüglich in Sachen Kriminalität weniger zugestanden wird, was ich völlig nachvollziehbar finde.

    Ich habe in den letzten Tagen ein paar Geschichten von Leuten gelesen, wo ich es völlig ok fände, wenn man die sehr zügig loswerden könnte. Beispielweise eine von zwei Marokkanern, 18 und 19, beide im Asylverfahren, die zum wiederholten Male beim Handyklauen erwischt wurden, einer auch bei Körperverletzung. Beide waren an Silvester in Köln dabei. Da könnte man das Asylverfahren vorziehen, vermutlich sind die eh nicht verfolgt, und dann direkt ins Flugzeug. Und wenn Marokko die beiden nicht aufnehmen will, dann muss auf solche Staaten eben Druck ausgeübt werden. Stattdessen gehen die grinsend aus dem Gerichtssaal. Das ist organisierte Verantwortungslosigkeit und für die beiden eine Einladung zum Weitermachen. (Wenn die wenigstens qualitativ hochwertiges marokkanisches Gras verkauften, täten sie noch etwas Sinnvolles.)

    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/urteil-in-koeln-gegen-antaenzer-jugendarrest-fuer-zwei-taeter-a-1071122.html

    Dasselbe denke ich mir bei den vielen Einbrüchen, die zu mehr als der Hälfte alleine von Banden aus Südosteuropa begangen werden. Biodeutsche sind da fast nur in Form von Junkies existent. Aber mit Stellenabbau bei Polizei und Justiz ist da nix zu machen.

    Sicher sind das im Wesentlichen Leute, die wenig Chancen im Leben haben. Aber so kann die Lösung nicht aussehen. Mich würde mal interessieren, was die nichtkriminellen marokkanischen Asylbewerber zu ihren beiden Landsleuten sagen.

    P.S.: Ich bin kein Architekt.

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  12. Gutmensch schreibt:

    80 Prozent aller Vergewaltigungen sind vorgetäuscht:
    http://www.ostsee-zeitung.de/Region-Rostock/Rostock/Acht-von-zehn-Vergewaltigungen-sind-vorgetaeuscht
    Die Kölner Anzeigenhausse (aktueller Aktienkurs: 370) wird sich auch rasch relativieren.

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  13. altautonomer schreibt:

    Im unermüdlichen Kampf gegen Langeweile und Ereignisarmut im Leben geht die Diskussion nun weiter in Richtung Verschwörungstheorien. Köln, Stuttgart, Hamburg, Bielfeld alles False Flag. Alles wurde angeblich von „oben“ inszeniert, verabredet und geplant.

    Dazu gehört auch die Verhöhnung der Opfer mit dem Vorwurf vorgetäuschter Übergriffe und Falschanzeigen. Der Klassiker unter Maskulisten. Ein Grund, warum ich diese Diskusion nicht mit dem letzten Kommentar vor meinem als abgeschlossen betrachten möchte.

    Zum Text: Die hartnäckige Verweigerung der Tatsache, dass der soziokulturelle Hintergrund vieler vermeintlicher Täter in diesem Kontext eine Rolle spielte, nenne ich positiven Rassismus.

    Dame von Welt: Sehr guter Pressespiegel auf Deinem Blog. Manchmal allerdings auch widersprüchliche Inhalte.

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  14. dame.von.welt schreibt:

    Wir haben es hier mit dem öffentlichsten Raum von ganz Köln zu tun, der über Stunden in der Hand dieser Typen war, die ihn zu einem privaten mit völlig neuen Regeln umfunktionierten. Das kann man prinzipiell mit jedem öffentlichen Raum machen, aber dann braucht man die entsprechenden Machtmöglichkeiten, und die hatten diese Leute und das ist das qualitativ neue. … Ich habe in den letzten Tagen ein paar Geschichten von Leuten gelesen, wo ich es völlig ok fände, wenn man die sehr zügig loswerden könnte. Beispielweise eine von zwei Marokkanern, 18 und 19, beide im Asylverfahren, die zum wiederholten Male beim Handyklauen erwischt wurden, einer auch bei Körperverletzung. Beide waren an Silvester in Köln dabei. Da könnte man das Asylverfahren vorziehen, vermutlich sind die eh nicht verfolgt, und dann direkt ins Flugzeug. Und wenn Marokko die beiden nicht aufnehmen will, dann muss auf solche Staaten eben Druck ausgeübt werden. … Sicher sind das im Wesentlichen Leute, die wenig Chancen im Leben haben.

    Ach so? Durch sexualisierte Gewalt und Diebstahl wird öffentlichster Raum zu privatem Raum mit völlig neuen Regeln? Interessante Deutung.

    Ein Freund von mir arbeitet in einer Clearingstelle für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und der hat mächtig zu tun mit Ex-Straßenkindern aus dem Maghreb, bzw. nicht nur er, sondern Polizei, Jugendamt, Ausländerbehörde, alle. Er sagt, daß seit etwa 2 Jahren ziemlich viele Youngster im Alter zwischen 15 und 20 in Deutschland sind, die seit frühester Kindheit auf der Straße gelebt, im Maghreb und auf oft jahrelangen Odysseen via Italien oder Spanien alles dreimal durch haben, was Kinder niemals erleben sollten und: sich dementsprechend verhalten. Er sagt, daß deren notorische Kriminalität und Mißachtung jeder Regel, Mißtrauen in jedes Versprechen, Vernachlässigung aller gebotenen Chancen ihm die Zeit nimmt, die er auch für die minderjährigen Flüchtlinge aus Afghanistan, Syrien, Irak, Libyen bräuchte. Dabei sind das nur ein paar aus Maghrebstaaten, die aber extrem viel Aufmerksamkeit binden.

    Es wird in Deutschland kaum ein Konzept umgesetzt, wie mit solchen Jungs überhaupt sinnvoll umzugehen ist, die vielgeschmähte Erlebnispädagogik wäre eins davon, z.B. auf großen Segelbooten, wo sie Struktur, Regelbefolgung und die Bedeutung der eigenen Person fürs große Ganze lernen. Ein anderes ist das °ursprüngliche° Neuköllner Modell (das aber die Einbindung in eine wenigstens familienähnliche Struktur vorraussetzt), bei dem Justiz, Jugendamt, Ausländerbehörde, Schule, Familie an einem Strang ziehen müssen, die Youngster spätestens 4 Wochen nach Straftat vor einem Richter stehen und für sie schmerzhafte Sanktionen unter der Prämisse des Jugendstrafrechts, Erziehung und Resozialisierung, erfahren. Das aber kostet alles Geld und dazu fehlt der politische Wille. Was extrem kurz gedacht ist, weil alles andere VIEL teurer wird, nicht nur in Form von Geld.

    Ich wäre null überrascht, wenn unter den Tätern in Köln viele Ex-Straßenkinder aus den Maghrebstaaten wären. Die hatten nie privaten Raum, sondern immer nur öffentlichen.

    Der Spruch vom ‚rechtsfreien Raum‘ ist der größtmögliche Blödsinn überhaupt. Wo sich Staat und Zivilgesellschaft aus einem öffentlichen Raum zurückziehen, füllt der sich ruckzuck mit einem anderen, meist mit sehr unschönem Recht (ein Gegenbeispiel – apropos Qualitätsgras – war der Görlitzer Park bis vor ungefähr 3 Jahren. Dort sorgte nicht die Polizei, sondern eine türkische und eine arabische Gang für keine harten Drogen, trotz der fußläufigen Entfernung zum Kottbusser Tor und weil ihre Familien den Park nutzten. Alles vorbei Dank touristischer Wochenendspaßnachfrage und bekloppter Polizeistrategie).

    Diesen Erklärungsversuch auch bitte nicht als oberflächliche Täterversteherei mißverstehen, hatte schwere Kindheit->wird geschont, das ganze Gegenteil ist der Fall. Ich glaube bloß nicht, daß die Abschieberei der Königsweg ist. Das ging schon bei den Mahalmi, bzw. bei den staatenlosen Mahalmi, die als kurdisch-libanesische Mafia-Clans die Titelblätter bevölkern und gegen die unsere Polizei angeblich machtlos ist, gründlich in die Hose. Die profilieren sich btw. in Berlin bereits bei der Flüchtlingsunterbringung und mit Sitz in Essen mit international agierender Schleuserei. Die sind oft schon seit dem libanesischen Bürgerkrieg in den 70ern in Deutschland, wurden permanent an den Rand der Gesellschaft gedrängt und noch permanenter abzuschieben versucht, klappt nicht. Gefängnisse in den Maghrebstaaten haben keinen menschenrechtlich vertretbaren Standard, weswegen auch dorthin vermutlich niemand abgeschoben werden kann. Es sei denn, man tilgt noch den Bezug auf die AEMR aus dem Grundgesetz, wogegen ich mich irgendwo anketten würde.

    In Bezug auf Raum würde ich aber fragen, ob man bei Köln wirklich nur von einem graduellen Unterschied sprechen kann.

    Ich versuch’s mal andersrum zu erklären: so gut wie jeder Vergewaltiger glaubt, daß die allermeisten Männer vergewaltigen, die es aber irgendwie besser auf die Reihe kriegen, das vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Vergewaltiger suchen immer bei anderen Männern nach mehr oder minder subtilen Bestätigungen ihres Frauenbilds, die suchen nach Verbrüder(le)ung. Dazu trägt jedes üble Titelbild, jeder lustige sexistische-Kackscheiße-Scherz, jede Verharmlosung von sexualisierten Übergriffen und jede andere Herabwürdigung von Frauen bei.

    Frauen haben bei Vergewaltigern kaum Chancen zur Intervention (außer, sich ihrer Haut zu wehren), die sind für Vergewaltiger wahlweise die heilige Mutti-Madonna oder eben Hurenfleisch. Aber alle Männer haben Chancen, nämlich durch Aufmerksamkeit und konsequentes Eintreten gegen jede sexistische Kackscheiße. Ein sehr sinnvoller Einsatzort, um permanent seine Meinung rauszuplappern und „typisch Mann, ständig die Deutung vorzugeben„. Was keineswegs „eine Art Selbstentlastung ist“ – sondern die Annahme, das würde Männer „nicht direkt betreffen“ ist Selbstentlastung und zwar nicht nur auf eine Art.

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  15. genova68 schreibt:

    Ah, die Maskulinisten. Ansonsten gerne den Rechten zugeneigt, verbünden sie sich jetzt also mit den Tätern, weil es Männer sind. Die Welt ist merkwürdig.

    Einer derjenigen, die von False Flag bzw. den Antideutschen als Täter in Köln ausgehen, ist der Querfrontler Hagen Grell. Mit dem müsste man sich psychologisch mal genauer befassen, wäre ganz interessant.

    Das hier ist er, nicht von schlechten Eltern :-)

    Es ist immer wieder faszinierend, was das Internet so alles hervorbringt. Wer braucht da noch den Big Brother Container? Nötig ist wohl, dass einem jedes Peinlichkeitsgefühl abgeht. Dann hat man schon mal eine gute Voraussetzung für eine youtube-Karriere erfüllt. Oder muss man den Typen schon mit pathologischen Kategorien beschreiben? Er ist einer der zahlreichen rechten Verschwörungstheoretiker, der nun auch Internetsendungen moderiert.

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  16. dame.von.welt schreibt:

    In der Debatte drüben auf dem Blog der Dame von Welt hast du ja auch irgendwo auf migrantische Jugendgangs in Neukölln usw. verwiesen – die sind den Tätern von Köln wohl ganz gut vergleichbar (wobei ich Neukölln natürlich nicht zur islamischen Welt zählen würde). Das sind dann Leute, die in der Gruppe auftreten und sich deswegen sicher fühlen, die auch eine gewisse Routine bei Gewaltanwendung haben und von daher auch weniger Hemmungen, irgendwie übergriffig zu werden.
    Und dann stimmt es natürlich, dass manche migrantische junge Männer ein sehr betontes “Mackertum” an den Tag legen – ist ein Klischee, kenne ich aber auch aus eigener Erfahrung.

    Bei den migrantischen Jugendgangs kommt ein Punkt hinzu, den ich in ostdeutschen Kleinstädten so nicht vermute: in konservativen muslimischen Familien sind die Jungs zuhause die umsorgten Prinzen, während sie auf der Straße der Dreck sind, auf den niemand gewartet hat und die jeden Tag für überflüssig erklärt werden. Viele von ihnen werden nie die ihnen familiär zugemessene Rolle als Patriarch und Allein-Finanzier abseits von Hartz lV, Schwarzarbeit, Kriminalität erfüllen und das wissen die auch genau. Das ist der entscheidende Grund, warum sie im öffentlichen Raum oft in Macker-Gruppen in Erscheinung treten, die sind zerrissen zwischen familiärer Rolle und der schäbigen Realität in Deutschland, die fühlen sich einzeln unterlebensgroß.

    Mädchen aus den gleichen Familien, die zuhause mächtig viel arbeiten und gehorchen müssen, schaffen es weit eher via Bildung, sich in der Kartoffelrealität eine Position zu erobern – was daran liegt, daß unsere Schulen brave Mädchen begünstigen. Die Jungs müßten 2 Stunden am Tag Fußball spielen oder sich sonstwie austoben, um überhaupt stillsitzen, zuhören und lernen zu können.

    Ich bin ganz generell fassungslos über den Realitätssinn und die damit verbundene Hoffnungslosigkeit unter jugendlichen Muslimen. Vor einer Weile hörte ich ein Gespräch unter Hauptschülerinnen im Bus mit, die sich gerade für ihr Berufspraktikum beworben hatten und entweder gar keine Antwort oder Absagen kassiert hatten, der hochfliegenste Traum war Verkäuferin, Karstadt Hermannplatz.
    Eine von ihnen sagte, eher zu sich selbst: ‚ich glaube, ich werde Hartz Vl…‘
    Mir bricht bei sowas das Herz. Als ich in deren Alter war, war ich sicher, daß ich notfalls auch Päpstin werden kann. Es gibt hier in der Nähe eine Hauptschule (nein, nicht Rütli, dort hat man Geld in die Hand genommen), von deren Absolventen im nunmehr fünften Jahr niemand, nicht eine/r einen Ausbildungsplatz bekommen hat. Mich wundert eigentlich eher, daß es nicht schon längst und zu mehr Gewalt gekommen ist.

    @Genova – Shehadistan hat eine bildschöne Polemik geschrieben, ich habe den Blog richtig gern gelesen. Was genau nervt Sie daran? Daß sie keine Lösung präsentiert?

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  17. genova68 schreibt:

    dame von welt,

    Ach so? Durch sexualisierte Gewalt und Diebstahl wird öffentlichster Raum zu privatem Raum mit völlig neuen Regeln? Interessante Deutung.

    Ja, sicher, faktisch wird er genau das.

    „rechtsfreier Raum“ meint „rechtsstaatsfreier Raum“, dann wird ein Schuh draus.

    Marokkaner: Ja, gerne Segeltörn, aber dann muss man sich von der neoliberalen Logik verabschieden und den Bonzen das Geld wegnehmen, für Segeltörn und alles mögliche Andere auch.

    Ich habe schon den Eindruck einer massiven Verantwortungslosigkeit der Politik. Eine Million Flüchtlinge sind eine Riesenaufgabe, die nicht mal halbwegs angegangen wird. Man hätte schon längst ein Wohnungsbauprogramm von einer halben Million Wohnungen verkünden müssen. Macht man aber nicht. Mich würde die Existenz von Blechvierteln in ein paar Jahren nicht wundern. Und Merkel ist so eine Art runderneuerter Hitler: Es ist die Führerin,die Königin. Es rumort angeblich an der Basis, aber auf dem Parteitag applaudiert man ihr zehn Minuten. Die CDU ist eine modernisierte Führerpartei, vorher war es Kohl. Deshalb ist sie so beliebt bei den Deutschen, nach wie vor.

    Merkel hat auch sämtliche Diskussionskultur erstickt. Sie redet wie Orwell, und das ausgesprochen dümmlich. Journalisten kuschen, sie wird auch von den wie eine Führerin behandelt.

    Diese Lähmung fällt uns derzeit auf die Füße, habe ich den Eindruck. Denn natürlich kippt das irgendwann, spätestens wenn wir am Jahresende zwei oder vier Millionen Leute hier haben, die nicht wissen wohin.

    ———————

    In Sachen Vergewaltigung bin ich nicht der Experte, denke aber schon, dass es mich weniger betrifft als es Frauen betrifft. Ich vergewaltige nicht und ich werde nicht vergewaltigt.

    Ich finde Ihre Schilderungen interessant, dass Vergewaltiger glauben, dass das alle machen. Focustiteil ist klareweise unmöglich, Chef dort ist Reitz, vormals Rheinische Post, das letzte Scheißblatt. Reitz weiß, was er tut. Der freut sich diebisch über die Empörung, mehr will der nicht. Leute wie Reitz und Cuntz sind ein Problem in dieser Gemengelage.

    Was mir noch einfällt: Man liest ja hin und wieder von patriarchalen Strukturen, oft in Arabien, Afrika, wo vergewaltigten Frauen ein Makel anhaftet, sie dann heiraten müssen oder ausgestoßen werden.

    Es ist doch ein unglaublicher Fortschritt, dass wir hier im Westen weiter sind. Und zwar ohne Relativierung.

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  18. genova68 schreibt:

    dvw,
    weil ich den Artikel für eine dumme Verharmlosung der Geschehenisse halte. Sie positioniert sich in den Mittelpunkt, dabei ging es gar nicht um sie. Sie schreibt auch:

    Und selbst Personen, die ich sehr schätze, schreiben auf einmal Sätze wie diese: “Natürlich müssen wir über Geschlechterordnungen in arabischen und nordafrikanischen Ländern sprechen.” Wait, but why?

    Und meint damit wohl Stokowski, oben zitiert. Der Rest ist spöttisches, unangenehmes Selbstpositionieren, die ewige Leiter ihrer angeblichen rassistischen Unterdrückung, die sie just in diesem Moment auspackt. Die ist noch dogmatischer als Madame Wizorek. Schreibt aber auch für die mädchenmannschaft, insofern hat die sich intellektuell eh disqualifiziert.

    Ich bin froh wenn ich mir in Nablus ein Falafel bestellen kann ohne mich halbwegs zu blamieren – warum zum Teufel sollte ich jetzt also anfangen über Geschlechterordnungen in Mauretanien zu sprechen?

    Sagt sie zu Köln. Mag sein, dass die erst 17 ist und politisch im Geiste Thatchers sozialisiert wurde. Aber so dermaßen lächerlich gesellschaftliche Kontexte wegzuhauen … sorry.

    Ich stelle mir vor, dass sich auf Mallorca vorm Ballermann 1000 Deutsche so benehmen und ich und andere dann so eine Relativiererei anfangen. Übelst.

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  19. dame.von.welt schreibt:

    Das ist ein tolles Video, ich bin ganz hingerissen, so zwischen Lachtränen und ungläubigem Staunen. Hach, sowas gibt’s sonst nur in Märchen: ein Bär, der durch Feministen und Alice Schwarzer auf ein Hunderstel seiner Kraft geschrumpft wurde, irre. The grand old Schachtel hat wirklich nirgendwo treuere Groupies als unter Maskulisten und sie baggert mächtig bei Pegida, AfD und Co.
    Seltsam ist nur, daß Hagen Grell bei all seiner Betonung von ‚Liebe‘ nicht die durchschnittlichen Penisgrößen im internationalen Vergleich herangezogen hat…;-)… Aber ich wäre ja keine dame.von.welt, wenn ich ihm nicht wenigstens damit zur Seite stehen könnte^^

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  20. dame.von.welt schreibt:

    Ich vermute, daß Nadia Shehadeh die Schnauze gestrichen voll davon hat, ewig und ständig im gesellschaftlichen Kontexte von arabischen Gangs, Kriminalität, Geschlechterordnung, Islam, Muslimen, Kopftuch, Ehre usw.usw. von den Herren Experten und selbsternannten „Islamkritikern“ mitverhandelt zu werden. Ich finde, die darf das persönlich nehmen und sich polemisch dagegen wehren. Ich glaube auch im Leben nicht, daß sie die Stokowski meinte, sondern meine mich im Gegenteil zu erinneren, daß sie den Artikel fünf nach Erscheinen retweetete und gut fand.
    Es muß für mich auch nicht jede/r eine staatstragende und objektive Analyse der Exzesse der Silvesternacht abliefern, sondern ich hatte gerade Blogs so verstanden, daß sie ausdrücklich Selbstpositionierungen sind.

    Soso, Autorenschaft bei der Mädchenmannschaft disqualifiziert intellektuell? Hmnuja, ich fand die in der Summe auch schon mal lesenswerter und mir waren sie auch da zu filterbubbelig, aber zu intellektueller Disqualifizierung fielen mir von FAZ, Cicero, Welt, Focus abwärts noch eine Menge anderer Medien und Plattformen eher ein. Eine weitere Autorin der Mädchenmannschaften ist Kübra Gümüsay, hat sich auch intellektuell diqualifiziert?
    Neues Deutschland ist intellektuell disqualifizierend? Falls wenigstens nicht per se: Nadia Shehadeh Angstmacherei mit System

    Das auch noch zu Anne Wizorek nachgereicht, die Sie unter (ich glaube) postpolitischem Feminismus schubladierten – da komme ich auch nicht so ganz mit. Anne Wizorek setzt sich gegen die ‚Rapeculture‘ ein, die ich Ihnen weiter oben anhand des nach Verbrüder(le)ung suchenden Vergewaltigers zu erklären versuchte. Frauenbeherrscherei, Sexismus und Gewalt gegen Frauen in (auch ohne die Exzesse in Köln und andernorts) beunruhigend hoher Häufigkeit ist postpolitisch? What? Das ist kein Frauenthema zwischen Mode-, Koch- und Diätrezepten, sondern ein gesamtgesellschaftlicher Mißstand weltweit und der ist ja wohl bitte sogar hochpolitisch, inklusive Ihrer Schubladierung. Es sei denn, entweder Sie oder Frauen (jede 3. erlebt Gewalt, knapp jede 10. sexualisierte Gewalt) sind kein Teil der Gesellschaft.

    Ich habe übrigens einen qualifizierenden Hauptschulabschluß und unerbetene Expertise zu Gewalt, das nur am Rande und zu meiner intellektuellen Disqualifikation.

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  21. Gutmensch schreibt:

    Was passierte wirklich in Köln?

    Erst haben wir in der Sylvesternacht in Köln Berichte über eine etwa 1000 Menschen zählende Menschenmenge, die grossenteils alkoholisiert ist und aus der Feuerwerkskörper unkontrolliert und teilweise menschengefährdend abgebrannt werden. Die Polizei schreitet hier und da ein, spricht ein paar Platzverweise aus. Gegen 4h nachts wird dann der Platz von den Verbliebenen geräumt.

    Später stellt sich heraus, dass es Umringungen und Übergriffe, verbunden mit Raub und Diebstahl gegen Frauen auf dem Platz gab. Bis zum 5.1. waren 5 Tatverdächtige namhaft gemacht bzw. zeitweilig festgenommen worden, die Zahl der Strafanzeigen betrug anfangs 15-30, stieg dann auf 60 an. Die Zahl der Täter war nicht ganz klar, sicher war, dass es sich nur um Gruppen von jeweils 3-10 Personen handelte, unklar, wie viele Gruppen operierten.

    Inzwischen sind wir also bei 170 Anzeigen. Es sollen also zwischen 23h und 4h mindestens (es können ja immer noch welche von einer Anzeige absehen) 170 Frauen angegriffen worden sein. Das heisst, dass mindestens 20% (wenn wir von 11% nicht angegriffenen oder nicht Anzeige stellenden Frauen ausgehen) der 1000 Personen Frauen gewesen sein müssen, von denen 90% in den 4 Stunden angegriffen wurden.

    170-200 Opfer, die sich nicht gegenseitig warnten, keine Bahnhofspolizeiwache stürmten, nicht Alarm schlugen? Der Polizei soll das erst nach Stunden aufgefallen sein? Wem genau will man diese Scheisse erzählen?

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  22. genova68 schreibt:

    Und wem genau wollen Sie Ihre Scheiße erzählen? Bitte gehen Sie weg.

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  23. genova68 schreibt:

    dame von welt, 13.35,

    ich kann zu diesen ganzen feministischen Sachen wenig schreiben, ehrlich gesagt ist es nicht sonderlich mein Thema. Die mädchenmannschaft habe ich ein paarmal gelesen und war schon von der Schreibe genervt, ich konnte es teilweise kaum entwirren. Die Gründerinnen der Seite sind, Ihnen sicherlich bekannt, irgendwann rausgekickt worden von der new generation und halten selbst nicht mehr viel davon.

    Zu Shehadeh habe ich nun schon einiges geschrieben. Der ND-Artikel ist auch komisch. Sicher nicht falsch, aber dieses automatische Rekurrieren auf Sexismus allgemein ist im Moment nun mal Blödsinn, weil es um Köln geht, Köln ist der Aufhänger. So läuft das nun mal medientechnisch, es gibt immer einen Fokus. Hätte es gerade einen ähnlichen Vorfall auf dem Oktoberfest mit 1000 Bayern in einem Zelt gegeben, würden diese Feministinnen bestimmt nicht auf migrantisch-patriarchale Gewalt rekurrieren. Müssten sie aber, nach ihrer Logik,

    Ich halte Shehadeh wie auch Wizorek für ideologisch verstrahlt, weil sie simple Zusammenhänge nicht auf die Reihe kriegen bzw. kriegen wollen. Es geht natürlich auch um patriarchalische Strukturen in Herkunftsländern. Wenn die das nicht sehen will, wird sie für mich schlicht uninteressant. Postpolitisch habe ich das oben genannt, gesellschaftliche Strukturen nicht sehen wollen oder nur dann, wenn es in den ideologischen Kram passt.

    Über Sexismus reden wollen, aber diese simplen Differenzierungen schon nicht hinkriegen.

    Dann kommt sowas raus:

    Es sind nicht männliche Geflüchtete, die Vergewaltigungskultur aufrecht erhalten, sondern die sehr selektive Anhörung der Betroffenen und Victim-Blaming, wie es jetzt Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker anhand von Verhaltensregeln für Frauen à la „eine Armlänge Distanz“ betreibt.

    schreibt eine Frau namens Hengameh Yaghoobifarah.

    http://taz.de/Gewalt-gegen-Frauen/!5263311/

    Vergewaltigungskultur, aha. Die spricht lieber alle und die Kölner Bürgermeisterin schuldig als die Täter. Klar kann und sollte ich immer gesellschaftliche Zusammenhänge sehen, aber mir ist das hier, wie gesagt, zu offensichtlich verdrängend. Und wenn schon gesellschaftliche Zusammenhänge, dann hierzulande solche des Kapitalismus, der Konkurrenzgesellschaften, der Angsproduzenten, der Auschlussverfahren etc. Wenn beispielsweise Schwarzer behauptet, laut der Aussage eines Polizisten seien 75 Prozent der dingfest gemachten Vergewaltiger Muslime, dann müssen diese Feministinnen entweder sagen, dass Schwarzer lügt, oder sich dahinterklemmen. Wenn nicht, wird es mir zu dämlich.

    Und man kann zu Shehadeh und den anderen migrantischen Autorinnen auch sagen: Wer migrantisch und weiblich ist und einigermaßen schreiben kann, wird von den Medien und Verlagen seit Jahren mit Kusshand in die illustre Runde aufgenommen. Die sind diesbezüglich privilegiert. Gut so, aber auch das kann man hin und wieder mal erwähnen, weil für diese Frauen Privilegien ein beliebtes Thema sind, aber immer nur die der weißen Männer.

    Stokowski: Shehadeh zitiert wortwörtlich, und selbst wenn sie jemand anderes gemeint hat, hat sie Stokowski dann notwendig mitgemeint.

    Und „gesamtgesellschaftliches Thema“: Ich persönlich habe damit nichts zu tun. Ich bin bislang in meinem Leben zweimal in eine Situation gekommen, wo ich einer Frau geholfen habe, die aggressiv angemacht wurde (nicht sexuell). Ging bemerkenswerterweise beide Male gut aus, der Typ (beide Male blond) hat sich jedesmal beruhigt und ich keine auf die Nase bekommen. Mehr habe ich damit nicht zu tun.

    Und zu dem Hauptschulsabschluss: Dann haben Sie ihre Bildung und Ihre sprachlichen Fähigkeiten anderswoher, Hauptschüler dürften sich mangels Verständnis kaum auf die mädchenmannschaftseite verirren.

    Aber eigentlich wollte ich dazu nichts mehr schreiben und wenn Sie Betroffen sind, eh nicht. Ich fühle mich dabei nicht wohl.

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  24. einer von jenen schreibt:

    @dvwelt:

    Bei den migrantischen Jugendgangs kommt ein Punkt hinzu, den ich in ostdeutschen Kleinstädten so nicht vermute: in konservativen muslimischen Familien sind die Jungs zuhause die umsorgten Prinzen, während sie auf der Straße der Dreck sind, auf den niemand gewartet hat und die jeden Tag für überflüssig erklärt werden.

    Ja, kulturelle Unterschiede will ich nicht bestreiten. Aber Männlichkeitsnormen können auch die Männer ganz schön fertig machen – schon deswegen sollte man die Kritik daran nicht nur auf Männer muslimischer Herkunft beschränken.
    Dieses Ideal des „richtigen Mannes“, was so in manchen Köpfen spukt, lässt sich ja gar nicht realisieren – weil es eben nur ein Ideal ist. Immer stark und souverän sein, hält keiner durch. So stark wie Bruce Willis im Fernsehen ist man als 16Jähriger eh nie. Den Mädels gegenüber verhält man sich in dem Alter auch nicht unbedingt souverän, sondern fühlt sich eher ein bissel verängstigt – was man aber natürlich nie, nie, NIE zeigen oder zugeben darf.
    Und weil man das Ideal positiv nicht erfüllen kann, grenzt man sich eben negativ gegen Leute ab, die das Ideal noch weniger erfüllen, weil das einfacher ist und einen selbst bestätigt. Wie oft mir damals „Schwuchtel“ hinterhergerufen wurde, wenn ich so als langhaariger, nicht ganz so mackerhafter und ein wenig unsicherer Teenager durch die Gegend stiefelte, ist echt nicht schön…

    Ansonsten: Päpstin werden kannst du immer noch! Du musst nur fest an dich glauben! ;)

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  25. dame.von.welt schreibt:

    Der aktuelle Stand (laut Polizei Köln): Insgesamt liegen zu den Geschehnissen in der Silvesternacht am Hauptbahnhof Köln 516 Strafanzeigen vor. In etwa 40 Prozent der Fälle ermitteln die Kriminalbeamten unter anderem wegen Sexualstraftaten.

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  26. einer von jenen schreibt:

    @genova:

    danke für den Kommentar, dem ich komplett zustimme. Vielleicht ist das oben im Artikel anders rübergekommen. Es geht um patriarchale Strukturen, die vom vorherrschenden Islam im arabischen Raum derzeit unterstützt werden. Dass es ähnliche christliche Ausprägungen geben kann, würde ich nun gerade nicht bestreiten.

    Ist vielleicht nicht ganz das, was ich meinte: Religionen pfropfen immer auf vorhandene Traditionen auf. Der Islam enstand in einer patriarchal geprägten Kultur (wie das Juden- und Christentum auch), und wurde selbst von dieser Kultur geprägt – in dem Sinne, dass z.B. bestimmte Gewohnheitsrechte, die auf der Sinai-Halbinsel damals gängig waren, dann in den Koran eingingen und damit nochmal „von Gott“ sanktioniert wurden.
    Dann hat er sich ausgebreitet, und die Leute, die sich zum Islam bekehrten, haben deswegen auch nicht gleich ihr jeweiliges Gewohnheitsrecht, ihre Wirtschaftsweise usw. geändert, sondern diese eben mit dem Islam irgendwie in Einklang zu bringen versucht – also z.B. matriarchale Traditionen mit dem Islam, was die Dame von Welt oben erwähnt hat.
    Ebenso kann man den Islam/das Christentum usw. in eine allgemeine patriarchale Kultur einbinden. Wenn diese Kultur dann in Frage gestellt wird, z.B. durch Industrialisierung, wo Ackerbauern, Handwerker usw. ihre Lebensgrundlage verlieren und in die Städte wandern – dann kann die Religion konservierend wirken, in dem Sinne, dass bestimmte Normen als religiöse Regeln weiter tradiert werden, während sie überall sonst schon ihre Grundlage verloren haben.
    Meines Erachtens ist also das Patriarchat selbst nicht religiös begründet – es kann aber unter den heutigen Umständen so ausschauen, als wäre es das.

    Das wäre das eine. Das andere: Nur weil es in Ägypten anders zugeht als in Deutschland, lässt sich das nicht nur auf das Patriarchat oder den Islam zurückführen – sozioökonomisch sind die beiden Länder kaum zu vergleichen, da kann man nicht einen einzelnen Faktor als Ursache isolieren.
    Aber Portugal und Ägypten kann man vielleicht vergleichen: Beide Länder haben nach dem 2. Weltkrieg eine ziemlich schnelle nachholende Industrialisierung durchgemacht (Ägypten nach Nassers Machtübernahme in den 1950ern, Portugal seit den 70ern), wobei die Industrie beider Länder in der internationalen Konkurrenz nicht dauerhaft mithalten konnte.
    Da sind also viele Leute in die Städte abgewandert, um dann festzustellen, dass sie dort keine wirkliche Perspektive hatten. Das könnte ebenfalls ein Einflussfaktor sein. „Patriarchale Prägungen“ allein führen nicht notwendig zu sexuellen Übergriffen, dafür müssen sie erst in einer bestimmten Weise umgeformt und interpretiert werden.

    Es gibt ja immer so die Tendenz, die „islamische Welt“ als furchtbar archaisch und mehr oder weniger unveränderlich zu sehen. Die IS zum Beispiel inszeniert sich ja bewusst so, als wäre sie furchtbar archaisch, wenn sie z.B. Leute mit dem Krummsäbel enthaupten. Die tun so, als würden sie nur zum „ursprünglichen“ Glauben und zu den Traditionen ihrer Vorväter zurückkehren – aber das ist trotzdem ein ganz modernes Phänomen. Die muslimische Welt hat jahrhundertelang nichts Vergleichbares hervorgebracht, und wenn die IS-Leute kein Problem mit dem Hier und Jetzt hätten, kämen sie gar nicht auf die Idee, in dieser Weise zu handeln.
    Ähnlich würde ich auch die sexuellen Übergriffe in Kairo interpretieren. Da äußert sich nicht einfach „das Patriarchat“, wie es immer schon war, sondern das ist (auch) ein modernes Phänomen, das z.B. mit den aktuellen sozialen Konflikten in Ägypten zusammenhängt.

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  27. dame.von.welt schreibt:

    Hätte es gerade einen ähnlichen Vorfall auf dem Oktoberfest mit 1000 Bayern in einem Zelt gegeben, würden diese Feministinnen bestimmt nicht auf migrantisch-patriarchale Gewalt rekurrieren. Müssten sie aber, nach ihrer Logik,

    Ich halte Shehadeh wie auch Wizorek für ideologisch verstrahlt, weil sie simple Zusammenhänge nicht auf die Reihe kriegen bzw. kriegen wollen. Es geht natürlich auch um patriarchalische Strukturen in Herkunftsländern. Wenn die das nicht sehen will, wird sie für mich schlicht uninteressant. Postpolitisch habe ich das oben genannt, gesellschaftliche Strukturen nicht sehen wollen oder nur dann, wenn es in den ideologischen Kram passt.

    Öhm, die von Wizorek und Shehadeh thematisierte gesellschaftliche Struktur heißt: Sexismus. Und Rassismus, nebst der Erkenntnis, daß ein Ressentiment nur sehr selten allein kommt. Ich finde das weder schwer zu verstehen noch sehe ich katastrophale ideologische Verstrahlung. Shehadeh macht mit dem zitierten Falafel in Nablus deutlich, daß sie keine Expertin für Geschlechterordnung in u.a. Mauretanien ist – ich nehme mal an, sie weiß besser Bescheid über Geschlechterordnungen in Neukölln.

    Und alle (außer Big Alice, Mach-doch-die-Bluse-zu-Kelle et Cie) versuchen – mehr oder weniger geschickt – sich vor Vereinnahmung durch die neuen Heldenkrieger der Frauenrechte von Seehofer über Höcke und Petry bis Mannheimer und dem urkomischen Herrn Grell zu verwahren. Das ist auch Thema bei Hengameh Yaghoobifarah, deren Artikel vom 6.1. stammt, wo noch keiner gar nix wußte, es aber schon seit 3 Tagen vor Wasjetztzutunist-Experten nur so wimmelte. Den isoliert zitierten Satz würde ich so niemalsnienicht unterschreiben und mir ist so mancher Kryptosprech bei der Mädchenmannschaft lästig, ich gendere Sprache nicht, verabscheue Denglish, nenne mich nicht Feministin, weil mir die Neolibfeministinnen unsagbar auf die Nerven gehen und ich bin geduldig.

    Trotzdem wollen Sie mit mir nicht mehr diskutieren, weil ich unerbetene Expertise zu sexualisierter Gewalt habe und Sie sich dabei nicht wohl fühlen? Ja, warum denn, in drei Teufels Namen? Wirke ich dermaßen defizitär auf Sie? Haben Sie mich vergewaltigt? Nein, das haben Sie nicht und ich glaube Ihnen aufs Wort, daß Sie eingreifen, wenn jemand neben Ihnen aggressiv angemacht wird.

    Son Gesprächsabbruch wirkt schon sehr wie meine intellektuelle Disqualifikation. Oder anders gesagt: ich wurde übrigens nicht dummgefickt und meine Fähigkeit zur Differenzierung hat auch nicht gelitten, im ganzen Gegenteil. Ich weiß, daß mitnichten und -neffen alle Männer potentielle Vergewaltiger sind oder gar am Ende noch die Frauen die besseren Menschen, letzteres weiß ja sogar die blöde Schwarzer °_O

    Lieber Genova, Sexismus und Geschlechterordnungen richten sich nicht nur gegen Frauen. Ich komme ja immer mehr zur These, daß er sich sogar mehr gegen Männer richtet und daß Sexismus und Gewalt gegen Frauen, gegen Nichtheterosexuelle und gegen Nichtoberprotzmännliche eigentlich nur ein Nebenprodukt des heterosexuellen männlichen Sexismus unter- und gegeneinander ist.
    Und das geht Sie nichts an? Sie müssen auf einer Säule wohnen.

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  28. dame.von.welt schreibt:

    …;-)… wasn schöner Kommentar!

    Ich habe inzwischen herausgefunden, daß ich hübsche rote Schuhe auch ganz ohne Papstwürden bekomme, insofern hat sich das mittlerweile erledigt.

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  29. dame.von.welt schreibt:

    Dazu eine Ergänzung: die Massenvergewaltigungen auf dem Tahrirplatz sind am ehesten mit Vergewaltigung als Kriegswaffe zu vergleichen – es geht darum, die politischen Protagonistinnen der Demokratiebewegung und ihre Familien zu verletzen, zu beschämen und auf diese Weise aus dem öffentlichen Raum zu verbannen.

    Es gibt sehr starke Hinweise darauf, daß die spontan wirkenden Exzesse bereits unter Mubrarak und weiter unter Mursi bestellt und bezahlt wurden, in den Militärgefängnissen (um Al-Sisi nicht außen vor zu lassen) wurde schon immer (keineswegs nur Frauen) sexualisiert gefoltert. In Ägypten spielt das Militär eine sehr wichtige, auch wirtschaftliche und zivilgesellschaftliche Rolle, mein Tip läge bei einer militärisch-wirtschaftlichen Elite im Wandel der Regime, die die Exzesse in Auftrag gegeben und bezahlt hat, Volontäre dabei nicht ausgeschlossen und sicherlich nicht unwillkommen^^

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  30. Gutmensch schreibt:

    Genau.
    Die offiziell verlautbarte Version lieber nicht hinterfragen.
    Sie sind ein vorbildlicher deutscher Michel.
    Oben haben Sie ja schon Ihre Abschiebephantasien geäußert.

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  31. genova68 schreibt:

    Ja, ich sehe zwar immer noch nicht die Differenzen, aber egal. Ich meinte in dem Artikel ja nur, dass man bei Köln soziokulturelle Hintergründe nicht per se ausblenden sollte, wie das Frau Wizorek macht.

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  32. genova68 schreibt:

    Ach, Gesprächsabbruch… Ich glaube, mir fällt zu dem Thema nicht mehr viel ein, was ich nicht schon geschrieben hätte. Außerdem ist meine Erfahrung, dass diese schriftlichen Diskussionen ab einem Punkt immer weiter ins Chaos führen, es wird unübersichtlich und schriftlich kann man nicht dauerhaft diskutieren. Es fehlt Mimik, Gestik, Betonung, man wiederholt sich, man kann nicht unterbrechen, schreiben ist mühselig.

    Und das ist doch nicht Ihre intellektuelle Disqualifikation! Wenn schon, dann meine.

    Aber jetzt fällt mir doch noch was ein :-)

    Ja, es geht um Sexismus. Aber wenn ich das diskutieren will, muss ich auseinandernehmen, differenzieren, in Bezug auf Köln patriarchalische Zustände der in diesen Ländern Sozialisierten betrachten. Und das machen die Damen nicht. Hab ich aber auch schon x-mal geschrieben. Sie sehen, wir drehen uns im Kreis. Also können wir das so stehen lassen.

    Ich bin gegen Sexismus und gegen Geschlechterordnungen und finde dieses Genderdingsbums ganz gut, soweit ich es kenne. Ich habe nur den Eindruck, dass mich das nicht direkt betrifft, weil ich in allen privaten und beruflichen Zusammenhängen das nicht mitkriege. Da geht es immer um Persönlichkeiten, egal ob Mann oder Frau. Ich registriere nicht mal mehr in Diskussionen, dass da eher Männer den Ton angeben, das ist total individuell. Genauso was die Höhe der Einkommen angeht. Machtkonstellationen in Beziehungen sehe ich bei mir auch nicht unter dem Geschlechteraspekt, sondern komplett individuell, sozialisierungsbezogen. Außerdem diskutiere ich sowas nicht in einem öffentlichen Blog.

    Ich kriege das nur im erweiterten Bereich mit, Verwandschaft. Da liegt einiges im Argen, da mache ich mir ständig meine gedanklichen Notizen. Alles hochinteressant. Aber da bin ich Außenseiter und bin es seit längerem auch leid, da irgendwas zu sagen. Ich lass die rassistisch und sexistisch hetzen und interessiere mich nur für das Warum. Wir leben doch eh alle in Blasen.

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  33. dame.von.welt schreibt:

    Na, dann legen Sie doch los mit dem Auseinandernehmen und Differenzieren der „patriarchalischen Zuständen der in diesen Ländern Sozialisierten:
    Es wurden bislang 31 Verdächtige identifiert, darunter Deutsche, ein Serbe und ein Amerikaner. 18 Verdächtige sind Asylbewerber aus Afrika und dem Mittleren Osten.
    Auch sonst lesenswert: Georg Diez, SPON, Wahrheit ist ein zartes Gut

    Weil ich würde ja mit der Auseinandernehmerei noch warten, bis ein paar Tatverdächtige mehr ermittelt sind, etwas klarer ist, woher sie kommen und ob sie mit den Diebstählen und der sexualisierten Gewalt in Köln überhaupt zu tun haben. Ich habe auch läuten hören, daß selbst das finsterste Partiarchat ‚total individuelle‘ Persönlichkeiten kennt^^

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  34. Gutmensch schreibt:

    „Wer migrantisch und weiblich ist und einigermaßen schreiben kann, wird von den Medien und Verlagen seit Jahren mit Kusshand in die illustre Runde aufgenommen. Die sind diesbezüglich privilegiert.“

    Aha.
    Die Salonvariante von: „Die Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg.“

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  35. besucher schreibt:

    Das waren doch eh als Araber verkleidete Pegidisten dort die den Ausländern einen reinwürgen wollten, oder Gutmensch?

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  36. besucher schreibt:

    Troll Dich Du Clown.

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  37. besucher schreibt:

    Dazu gefällt mir dieser unsäglich gehypte Til Schweiger und seine Tatorte ein. Das wäre doch auch mal ein Fall für eine soziokulturelle Untersuchung.

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  38. genova68 schreibt:

    besucher, 10.54,

    in der Tat. Ich habe mir den letzten Schweiger-Tatort angeschaut und bin verwundert, dass in den meist negativen Kritiken dazu nirgendwo die letzte Szene thematisiert wurde: Schweiger (und Tschiller ist einfach Schweiger, von einer Rolle zu reden, halte ich für übertrieben) bringt seiner 16jährigen Tochter das Schießen bei, die das auch will. Die Tochter als Avantgarde der Bürgerwehr.

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  39. dame.von.welt schreibt:

    Ich gestehe, ich hab sie mir auch angesehen, ist Ihnen beiden der hübsche Zirkelschluß aufgefallen? Tschiller raucht seine Familie auf, weil er son Harter ist und ist ein ganz Harter, damit seine Familie nicht aufgeraucht wird °_O

    Hat jemand den gestrigen gesehen? Der erste seit langem, bei dem ich nicht akut einschlafgefährdet war. Eva Mattes und diese Psychologin fand ich zum Laufen, aber das Mädchen, der Perlmann und der alte „Erzieher“ waren groß.

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  40. genova68 schreibt:

    ist mir aufgefallen, habe ich nicht gesehen :-)

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  41. einer von jenen schreibt:

    @ genova:

    Ja, ich sehe zwar immer noch nicht die Differenzen, aber egal.

    Nö, ich auch nicht unbedingt, jedenfalls keine gravierenden. Ich hatte halt in bezug auf Portugal eher nur so ironisch von „christlicher Welt“ gesprochen, das schien mir nicht so ganz angekommen. Ich selbst möchte als Atheist ja auch nicht als Christ mitgezählt werden, nur weil ich in Deutschland lebe.

    Das Hagen-Grell-Video ist übrigens grooooßartig! Mir ist glatt das Herz aufgegangen. Hab ich gleich auf meinem Blog verwurstet. Muss ja mal gesagt werden, dass wir deutschen Männer edel und stark sind.

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  42. einer von jenen schreibt:

    @dvwelt:

    Dazu eine Ergänzung: die Massenvergewaltigungen auf dem Tahrirplatz sind am ehesten mit Vergewaltigung als Kriegswaffe zu vergleichen – es geht darum, die politischen Protagonistinnen der Demokratiebewegung und ihre Familien zu verletzen, zu beschämen und auf diese Weise aus dem öffentlichen Raum zu verbannen.

    Ja, das war mir bewusst. Ich hab die Ereignisse in Ägypten damals ziemlich konstant mitverfolgt – die Regierung dort hat immer Schlägertrupps benutzt, um gegen Demonstrationen vorzugehen. (Wenn man „baltagiya“ oder „thugs egypt“ googelt, findet man dazu einiges.) Es gab auch so Geschichten, dass Soldaten z.B. bei festgenommenen Demonstrantinnen „Jungfräulichkeitstests“ durchführten und ähnliches…
    Da bin ich nicht drauf eingegangen, weil genovas Beispiel sich auf eher alltägliche, „unorganisierte“ Belästigungen bezog. Aber wenn so ein Verhalten in anderen Kontexten von offiziellen Stellen geduldet und benutzt wird, dann wirkt das natürlich auch auf den Alltag zurück.
    Wobei man das nicht nur in Kriegssituationen findet. Es ist oft so, dass z.B. Polizeikräfte bewusst darauf hinarbeiten, Menschen zu traumatisieren, um gegen soziale Bewegungen vorzugehen.
    Ich musste auch an diesen Text von Silvia Federici denken. Ganz anderer Kontext, aber ein vergleichbarer Zusammenhang von sozialen Konflikten und Gewalt gegen Frauen:
    http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-24612/03_Federici_Women.pdf

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  43. dame.von.welt schreibt:

    Danke für den Text, der ist interessant! Auch in der Verknüpfung von kolonialem Landrecht, das die Männer zur Arbeit in Minen etc. zwingen sollte und die Frauen bis heute von belegbarem Landbesitz ausschließt, zu den Hexenjagden. Jeder verdammte Cent, der in entwicklungspolitische Frauenförderung zu vor allem ihrer Geschäftsfähigkeit investiert wird, zahlt sich doppelt und dreifach aus – armutsbekämpfende und agrarische Entwicklungshilfe adressiert aber in aller Regel nur die Männer, obwohl afrikanische Männer oft zur Arbeitssuche oder mit dem Vieh abwesend sind und Frauen dementsprechend oft die faktischen Haushaltsvorstände und Landwirtinnen sind. Witch-Craft habe ich in Ostafrika erlebt, dort ist zusätzlich kein Albino des Lebens sicher. Neben den us-amerikanischen Evangelikalen spielen die Wahabiten eine große Rolle bei der Mission und beide stehen sich auch in puncto männlich-Hetero-Fanatismus in nichts nach, man wird total dankbar für katholische Ordensleute, für die der Papst ein guter Mann und Rom weit weg ist. Ist ein weites Feld und wenn ich davon jetzt richtig anfange, teert und federt mich der Genova und jagt mich aus seinem Blog.

    Zu den Massenvergewaltigungen auf dem Tahrirplatz hatte ich einen Blog geschrieben (nach der übelsten Recherche meines Lebens): Terror in Ägypten. In aller Öffentlichkeit.

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  44. besucher schreibt:

    Ausnahmslos mit Unterstrich:

    http://ausnahmslos.org/

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  45. genova68 schreibt:

    Fangen Sie an und machen Sie weiter! Danke für den Artikel im freitag. Bei der Mühe, die Sie sich machen, sollten Sie sowas Redaktionen anbieten.

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  46. genova68 schreibt:

    Der Satz von mir aus dem Artikel oben

    Natürlich neigen Männer aus der islamischen Welt eher zu sexueller Gewalt. ist nicht unproblematisch und sicherlich zu recht angreifbar. Ich schreibe solche Artikel extrem schnell hin.

    Einen lesenswerten Artikel zum Thema hat einer von jenen geschrieben:

    Das gute alte Noch-nie-Dagewesene

    Gefällt 1 Person

  47. Gutmensch schreibt:

    Manchmal denke ich mir: was ist, wenn Silvester gar nichts passiert ist?
    Wir haben keine (eindeutigen) Bilder, keine Videos, kaum Fakten, sich dauernd ändernde Zahlen. Plötzlich sich häufende Anzeigen in diversen Städten, auch in Köln nach Silvester.

    Wäre es nicht sinnvoll, wenn die Journalisten, welche seit einigen Tagen die fetteste Sau aller Zeiten durchs Dorf jagen, auch der Frage nachgehen würden, wer die ganzen “Augenzeugen” waren, die jetzt von fast allen als Helden zelebriert werden?

    Ivan Jurcevic beispielsweise ist ein erfolgloser Schauspieler, der in verschiedenen RTL Reality-Soaps mitgewirkte. Auf seiner Xing-Seite ( https://www.xing.com/profile/Ivan_Jurcevic2 ), und nicht nur dort, gibt er sogar an, Dipl.-“Psyhologe” zu sein. Kurz nach Mitternacht bedankte er sich auf seiner Facebook-Seite für das “das MEGA FANTASTISCHE Jahr 2015″ ( https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=505191776329090&id=249754578539479 ). Von irgendwelchen Vorkomnissen, wie in seinem Augenzeugevideo („wie im Bürgerkrieg“) zu hören, keine einzige Silbe.

    Irgendwie doch merkwürdig, nicht?

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  48. dame.von.welt schreibt:

    Zur gefälligen Lektüre – der oberste Bundesrichter Thomas Fischer: Unser Sexmob

    Der Nordafrikaner neigt von Natur aus zur Vergewaltigung nicht mehr als der Nordsiegerländer, hat allerdings gelegentlich eine aus unserer Sicht recht verquere Auffassung von der Sozialadäquanz männlicher Gewalt. Daran sollten wir arbeiten. Wäre der Araber weg, bliebe uns noch das Problem der restlichen 90 Prozent junger männlicher Straftäter, die ein ziemlich ähnliches Verständnis von der Ehre der Frau haben. Die sind eindeutig deutsch, immerzu entweder in „Liebe“ oder in „Ehre“ entbrannt und ziehen eine Schneise von Blut und Sperma von Saarbrücken bis Usedom. Wir könnten gewiss nicht alle, aber doch die meisten von ihnen einfangen und besänftigen und mit einer gewissen Lebensperspektive erfüllen, wenn sie uns als Menschen etwas wert wären.

    Sind sie aber nicht. Wir nehmen sie hin, verachten sie, ignorieren sie. Kein Politiker sagt, sie seien ein Menetekel der Zerstörung unserer Kultur. 20.000 Millionen Euro schreibt unsere Regierung ab für die Resozialisierung der verrückt gewordenen Investmentbanker, damit dem deutschen Mittelstand kein weiteres Leid geschehe. Wenn in Köln 13 neue Stellen für Pädagogen oder Sozialarbeiter gefordert werden, um ein paar Hundert armseligen Verlierern eine klitzekleine Pforte zum Paradies zu zeigen, wandeln 1.000 Pegidisten um den Dom und murmeln: „Erlöse uns vom Araber“.

    Das war jetzt nicht mal ein Zehntel der alldienstäglichen Rechtskolumne, die in den übrigen neun Zehnteln nicht weniger voll auf die Zwölf der besorgniserregenden Bürger, Politiker und Medien sind. Wärmste Leseempfehlung.

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  49. Gutmensch schreibt:

    Danke für den Link.

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  50. besucher schreibt:

    Bestimmt wurden die Grapscher und Vergewaltiger von den Pegida-Leuten bezahlt.

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