Arbeiten auf dem Potsdamer Platz

Der kanadische Immobilieninvestor Brookfield hat den Potsdamer Platz für schätzungsweise 1,4 Milliarden Euro gekauft. Das Land Berlin geht wohl leer aus.

berichtet der Tagesspiegel. Das ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Zum einen der letzte Satz, dessen Inhalt auch vom Tagesspiegel und anderen bemängelt wird: Aufgrund eine juristischen Kniffs (Brookfield kauft nur 94,9 Prozent, die Steuer wird erst ab 95 Prozent fällig) bezahlt der Käufer keine Grunderwerbssteuer, die jeder Häuslebauer entrichten muss. Diese Gesetzeslücke ist seit vielen Jahren bekannt, hin und wieder kündigt ein Politiker an, Gesetze entsprechend zu ändern, aber man will das Kapital wohl nicht verunsichern. Das scheue Reh.

Konkret: 84 Millionen Euro Grunderwerbssteuer bleiben im Säckel von Brookfield. Am Lageso stehen die Leute derzeit bei zehn Grad minus in der Schlange und nehmen Erfrierungen in Kauf, heißt es übrigens in derselben Zeitungsausgabe.

Die andere Auffälligkeit fällt kaum noch auf: Ein privater Investor kauft einen ganzen städtischen Platz. Wobei „Platz“ in diesem Fall noch untertrieben ist, denn der Potsdamer Platz ist streng genommen nur eine Straßenkreuzung, bezeichnet aber ein ganzes Stadtviertel mit 17 Häusern, zehn Straßen und zwei Plätzen, wie der Tagesspiegel freundlicherweise aufzählt.(Wobei Brookfield ein paar weitere Häuser des Areals nicht kauft, merke ich der Vollständigkeit halber an.) 1,4 Milliarden Euro scheint da ein Schnäppchen zu sein. Vielleicht liegt das daran, dass ein paar hundert Meter weiter ein neues Stadtviertel namens Europacity mit massenhaft Büroflächen entsteht. Am Potsdamer Platz gibt es eine Menge Leerstand.

Ein ganzes Stadtviertel wurde in den 90ern privat errichtet und wechselt nun den Käufer. Andererseits: Brookfield ist ein sogenannter Vermögensverwalter, die verwalten derzeit weltweit rund 100 Milliarden Euro. Das muss ja irgendwohin. Da bleibt einem im Grunde genommen gar nichts übrig, als ganze Stadtviertel zu kaufen. Geld muss arbeiten, warum nicht auf dem Potsdamer Platz?

Ich schlage vor, Brookfield wird mutiger und kauft demnächst aufstrebende Stadtteile wie Kreuzberg. Juristisch ist das im Moment noch problematisch, aber die nötigen Gesetzeslücken sollten sich in angemessener Zeit konstruieren lassen. Einfach die herkömmlichen Politiker fragen. Renditetechnisch ist da jedenfalls einiges drin. Und worum sollte es denn sonst gehen?

(Foto: genova 2013)

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Berlin, Kapitalismus, Neoliberalismus abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s