Kapitalismus als Naturrecht

Die Nummer Eins auf dem deutschen Immobilienmarkt steht kurz vor der Übernahme der Nummer Zwei. Betroffen wären Zehntausende Mieter – sie müssen sich vermutlich auf steigende Mieten einstellen.

schreibt der Spiegel ganz lapidar. So geht Kapitalismus. Das Kapital will mehr Rendite, fusioniert deswegen, schafft also Monopole und presst aus. Gleichzeitig wird weiterhin behauptet, man lebe in einer Marktwirtschaft, die Preise begrenzt.

In dem Satz steckt zum Thema mehr Wahrheit als in vielen dicken Büchern. Dass die darinenthaltene Bemerkung über zehntausende Mieter auch von diesen hingenommen wird, zeigt, wofür der Kapitalismus mittlerweile gehalten wird: für ein Naturrecht.

Besser kann es kaum laufen.

Beim Bier läuft es gerade ähnlich, was ebenfalls zu höheren Preisen und höheren Profiten führt. Wobei das Problem hier ins Geschmackliche hineinreicht. Wer in der Nähe eines gut sortierten Bierhandels wohnt, kann noch Biere kleiner Brauereien aus Franken und anderswo trinken und merkt, wie unterschiedlich Bier schmecken kann, wenn es nicht auf ein von wem auch immer definiertes Massenlevel gebracht wird. Das Kapital zerstört auch unsere Geschmacksnerven, die vereinheitlichen sind leichter auszupressen.

So wie die Fitness-Industrie sich am hellenischen Körperideal orientiert und es zugleich entleert, wählen wir zwischen Beck´s und Veltins und halten uns für aufgeklärt.

Kapitalismus tötet uns alle und wir leben trotzdem weiter. Wie im Zaubertrick.

 

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7 Antworten zu Kapitalismus als Naturrecht

  1. krisenblogger schreibt:

    „Kapitalismus tötet uns alle und wir leben trotzdem weiter. Wie im Zaubertrick.“
    Es ist lediglich die Frage, wie lange wir noch weiterleben, und wie sich dieses Überleben gestaltet.
    Am Ende bleibt ein leerer Hut, ein totes Karnickel und ein löchriger Umhang auf einer verwaisten Bühne. Ein ganz fauler Zaubertrick ist das.

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  2. altautonomer schreibt:

    Selbsternannte Kenner und Experten in Sachen Bierqualität rühmen ja wie die Blindfische immer noch das Reinheitsgebot von 1918, ohne sich zu informieren, wieviel Tonnen Herbizide und Pestizide, dem größten Hopfenanbaugebiet der Welt, der Holledau/Hallertau in Bayern, jährlich auf die Hopfenstauden gesprüht wird.

    Prosit und Salute!

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  3. genova68 schreibt:

    Irgendwann sind wir alle tot, ok. Ich glaube, dass dieser Kapitalismus noch etwig weiterlaufen kann. Vielleicht gibt es einen großen Knall, Atomkrieg oder Verseuchung, aber ansonsten sehe ich nichts, was den Kapitalismus ernsthaft aus dem Tritt bringen sollte. Die Welt ist groß, es gibt noch viel zu entdecken. Man bedenke, dass sich da schon Marx mehrfach legendär getäuscht hat. Der dachte alle paar Jahre, dass der Kapitalismus jetzt hinweggefegt wird. Aber es ist ein schlimmer Zustand für jeden einzelnen, auch wenn der das nicht merkt. Wir sind alle im Arsch.

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  4. genova68 schreibt:

    Oh, so habe ich das noch nicht gesehen. Wieder eine Illusion weniger.

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  5. besucher schreibt:

    Man staunt so wo mittlerweile InBev dahintersteckt.
    Sich am hellenischen Körperideal zu orientieren halte ich allerdings nicht für die schlechteste Idee.

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  6. genova68 schreibt:

    Das hellenistische Körperideal hatte eine Relation zum Geist und war deshalb das Gegenteil von fit for fun.

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  7. krisenblogger schreibt:

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