Kurze Bemerkung zum dummen Martenstein

Manche derjenigen, die sich für Flüchtlinge engagieren, sind zugleich Kritiker des Kapitalismus. Das ist ein interessanter Widerspruch.

Meint Harald Martenstein im Tagesspiegel.

Was für einen rechten Kameraden wie ihn ein interessanter Widerspruch ist, ist höchstwahrscheinlich nur der Ausfluss einer dummen, rechten Ideologie, die er begeistert aufnimmt. (Ich habe nur den Vorspann gelesen.) Es ringt einen gewissen Respekt ab, dass ein Rechtspopulist in manchen Milieus nur eine Hornbrille und lange Haare braucht, um als Intellektueller durchzugehen. Der Typ ist so klischeebesetzt kleinbürgerlich, dass man an ihm eine zuverlässige Messlatte installieren kann:

Wer Martenstein gut findet, ist scheiße.

Der Tagesspiegel und die Zeit halten sich Martenstein, wie Springer sich Broder hält: Als Zugang zum rechten Kleinbürgertum und Schlimmerem, das von Pegida etc. kaum noch entfernt ist. Man distanziert sich redaktionell vom Rechtspopulismus und domestiziert ihn via der genannten Pappenheimer. Der Typus Martenstein als einer für alle, die rechte Dummheit als Avantgarde betrachten, die über Themen in der politisch korrekten Gesellschaft berichtet, über die man angeblich nicht mehr berichten darf. Als Möglichkeit, sich die Petry- und Gaulandfans als Leser zu bewahren. Ganz wichtig: Martenstein ist der Typ, der sich gerne wundert. Er hat keine Vorurteile, will er damit sagen, er beobachtet nur neutral und mit, Achtug, gesundem Menschenverstand. Es kann deshalb gar nicht falsch sein, was er schreibt. Und er ist genauso harmlos wie die gern postulierte schweigende Mehrheit der Pegidisten.

Kein schlechter Trick eigentlich. Und Respekt an den Typus Martenstein, der es schafft, sich auf dem Markt, wie man sagt, zu halten, ohne irgendetwas Relevantes dafür leisten zu müssen. Man muss nur sein Publikum finden.

Ich erinnere mich an eine Diskussion mit ihm übers Bauhaus vor vielen Jahren. Ich ging da hin, ohne ihn zu kennen und war fast spontan fasziniert über den Blödsinn, den er da zum besten gab. Der Mann hatte die Gelegenheit gehabt, mehrere Tage in einem Meisterhaus in Dessau zu wohnen. Eine klares Privileg. Er brachte keine einzige authentische Erfahrung ins Gespräch, sondern nur die üblichen rechten Vorurteile, wie sie schon in der Weimarer Republik aufgekommen waren. Martenstein als Egozentriker, der völlig ungegeeignet ist, irgendetwas zu beobachten, weil er in allem nur einen Spiegel findet. Nix mit wundern.

Mehr zu Martenstein bei exportabel findet sich sicher über das Suchfeld.

(Foto: genova 2015)

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16 Antworten zu Kurze Bemerkung zum dummen Martenstein

  1. altautonomer schreibt:

    Hab den kompletten Text gelesen.
    „Die Reichen, jedenfalls die ehrlichen, zahlen den Großteil der Steuern. Ohne Reiche kein Sozialstaat, keine Rente mit 63 und auch kein Flüchtlingsheim, verrückt, oder? “ Da hab ich noch innerlich geschmunzelt.

    Am Ende dann „Kapitalismus, Freiheit und Rechtsstaat, das und nur das ist eine unschlagbare Kombination. „, und das meint er nicht satirisch.

    In jedem Absatz seines Pamphleten beschreibt er den üblichen neoliberalen
    Glaubenssätze, den ihm so mach gutsituierter Leser auch noch abnimmt.

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  2. altautonomer schreibt:

    Gut, dass die Kommentare unter dem Artikel Herrn M. nicht gefallen werden.

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  3. dame.von.welt schreibt:

    Das freut mich jetzt aber, daß Sie Martenstein auch scheiße finden.
    Anhand dieses Blogs-> https://exportabel.wordpress.com/2015/08/27/kurze-anmerkung-zu-sprache-und-bewusstsein/ hatte ich mir schon ein bißchen Sorgen gemacht – der hätte nämlich ebensogut Martensteins „Achtung, gesundem Menschenverstand“ entspringen können.

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  4. genova68 schreibt:

    Oh, echt? Ich als Martenstein? Ich dachte, ich hätte besser argumentiert.

    Aber schauen Sie mal: Das schreiben Sie auf Ihrem Blog:

    Und damit weiß nun jeder, dass wir über Rassismus sprachen.

    Sprachlich unterscheiden wir uns gendertechnisch also nicht. Begründen Sie ihre Sprachwahl anders als ich?

    altautonomer,
    wusste ichs doch, dass es sich nicht lohnt, den Text komplett zu lesen :-) Aber vermutlich hat Martenstein sein Ziel schon erreicht, wenn überhaupt kommentiert wird oder jemand einen Blogartikel dazu verfasst. Aufmerksamkeit ist alles.

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  5. heinz schreibt:

    Philip Meinhold hat Martenstein vor 2 Jahren in der taz sehr gut beschrieben:
    „Dabei hat er zu jedem Thema von Unisex-Toiletten über Rainer Brüderle bis hin zu Israel eine Meinung, die sich vor allem dadurch auszeichnet, dass sie anders ist als das, was alle anderen schreiben. Hauptsache, er wird nicht für links, liberal oder gar intelligent gehalten.(…)
    Martenstein versöhnt die Stimme des Stammtischs mit dem Stil des Feuilletonisten“
    http://taz.de/Die-Wahrheit/!5070713/

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  6. dame.von.welt schreibt:

    Entweder ging mir ein langer Kommentar verloren oder er hängt wegen zwei links in der Moderationsschleife. Dieser und der test-Kommentar können jedenfalls weg, scusi.

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  7. einer von jenen schreibt:

    Immerhin kommen ein paar interessante neue Erkenntnisse bei Martensteins Artikel heraus: Ich dachte zum Beispiel immer, aus Syrien fliehen deswegen so viele Menschen, weil dort so eine Art Bürgerkrieg stattfindet. Aber wenn dort Sozialismus herrscht, ist das natürlich auch nicht schön.

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  8. genova68 schreibt:

    Es ist leider kein weiterer Kommentar da, dame von welt. Schade!

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  9. Klaus Jarchow schreibt:

    Du musst aufpassen, genova, allmählich wirst du unseren rechtsauslegenden Dröhnbaddels zum Kronzeugen für die Existenz einer allgewaltigen Lügenpresse – oder so. Zum Bleistift jüngst dort beim Alberich Müller: „Da gab es ein bezeichnendes Foto in meiner Regionalzeitung: Die Bundesbauministerin machte einen strammen Diener vor dem zuständigen US-amerikanischen General. Daraufhin meldete sich ein Herbert Müller aus Berlin, wie sich dann herausstellte ein Typ, der unter dem Namen „Genova“ im Netz unterwegs ist, und andere Menschen des Antisemitismus bezichtigt. Er zitierte damals die Definition von Kolonie und bestritt, dass dies zu unserem Verhältnis zu den USA passe. Außerdem beklagte er sich, dass Artikel der NachDenkSeiten bei Ken Jebsen verlinkt werden.“

    Der Herr Marterstein ist übrigens nur ein feuilettonistisches Babuschka-Püppchen: Wenn du es aufschraubst, findest du immer nur einen weiteren Martenstein. Und der wird auch noch immer kleiner …

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  10. genova68 schreibt:

    Danke für den Hinweis, wobei ich das schon gelesen habe, es ist ein Auszug aus einem Interview mit Müller im Neuen Deutschland. Wobei mir gerade auffällt, dass ich mich, glaube ich, nicht darüber beklagt habe, dass Jebsen Artikel der nds verlinkt. Ich wusste gar nicht, dass das der Fall ist.

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  11. Nazienkel schreibt:

    Es war doch eher umgekehrt – Müller erträgt die Kritik nicht, dass ER Jebsen verlinkt und mit wohlwollenden Worten begleitet…

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  12. genova68 schreibt:

    Ja, unter anderem. Ich habe kürzlich noch einen Nachdenkartikel gelesen, in dem Müller meinte, er habe innerhalb von drei Tagen drei kritische Mails bekommen, das sei unmöglich, diese Kampagne müsse man öffentlich machen. Link leider verloren.

    Der Mann macht sich immer wieder selbst lächerlich. Da kann man eigentlich nicht mehr viel zu sagen.

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  13. einer von jenen schreibt:

    Yo, drei Mails zwischen 20. und 22.März: http://www.nachdenkseiten.de/?p=25696

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  14. genova68 schreibt:

    Ja, genau, das ist der Artikel. Vielen Dank.

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  15. einer von jenen schreibt:

    Hier noch ein interessanter Link: http://www.nachdenkseiten.de/?p=28063
    Offenbar gibt es auch interne Unstimmigkeiten bei den Nachdenkseiten.

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