Kurze Anmerkung zu Sprache und Bewusstsein

Kürzlich las ich in einer Wiener Zeitung namens heute einen Artikel über Anwohnerparkplätze. In Wien pinselt man die Parkberechtigung direkt auf den Parkplatz:

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Da man ja für Gleichberechtigung ist, steht auf den Parkplätzen abwechselnd „Anwohner“ und „Anwohnerinnen“. Das führte laut heute zu Verunsicherung, da männliche Autofahrer nicht wussten, ob sie in einem Anwohnerinnenbereich parken dürfen und umgekehrt.

Lustig und auch nicht. Diese Posse zeigt ein grundsätzliches Problem auf, mit dem man sich in deutschsprachigen Ländern seit den 1980er Jahren herumplagen muss: der gendergerechten Schreibweise, wie man das nennt, in all ihren Varianten.

Bis in die 80er war diesbezüglich die Welt in Ordnung. Wer las, dass München 50.000 Studenten habe, wusste, dass es da nicht um das Geschlecht, sondern um die Tätigkeit geht, dass es also 50.000 Menschen in München gab, die bei an Unis eingeschrieben waren. Dann kamen im Zuge der durchaus notwendigen postmodernen Unübersichtlichkeit eine Menge an sogenannten Feministinnen – nennen wir sie besser negativ konnotiert Emanzen  – und beschlossen, sich wichtig zu machen. Sie fühlten sich plötzlich und angeblich diskriminiert und behaupteten, sie seien via Sprache ausgeschlossen. Ihnen schlossen sich haufenweise Männer an, vermutlich vor allem Ich-Schwache.

Seitdem lesen wir von StudentInnen oder Studierenden oder Student/-innen oder Student*innen etc. Interessant dabei ist, dass die Studentinnen die Quasi-Parität, was die schiere Zahl betrifft, just da erreicht hatten, als sie begannen, sich über die Sprache zu beschweren. Sie haben es also massenhaft an die Unis gebracht, ohne dass ihnen die Sprache etwas verbaut hätte.

Kommunikation ist schwierig genug. Warum sie verkomplizieren?

Sprache ist Teil gesellschaftlicher Übereinkunft. Wenn ich also gesellschaftliche Verhältnisse dahingehend ändere, dass Frauen real gleichberechtigt sind, brauche ich keine andere Sprache. Frauen haben sich übers generische Maskulinum eingebracht und etabliert und das hätte gereicht. Stattdessen kamen die Wichtigtuer, hier vor allem Wichtigtuerinnen.

Es funktioniert ja alles nicht. Beispiel Gerundium: Bäcker sind dann also die Backenden, Architekten die Architektenden und Metzger die Metzgernden.

Sprechen wird durch diesen Genderwahn immer komplizierter. Bei Aufzählungen rede ich dann von Sozialhilfeempfängerinnen und Sozialhilfeempfängern, als wäre das Wort nicht schon lang genug. Es gibt mittlerweile Leute, die ganze und durchaus kluge Vorträge in der weiblichen Form halten, oder ist es das Binnen-I, man hört es nicht. Entschuldigung: Mensch hört es nicht. Ich frage mich bei solch einem Redner, ob der tatsächlich meint, er diskriminiere Frauen nun weniger. Oder man versuche, einen gegenderten Text laut zu lesen. Kaum möglich. Selbst beim leise lesen muss man ständig die Is, die Sternchen, die Schrägstriche gedanklich eliminieren.

Es hat auch so etwas typisch deutsches: Ich muss dem Leser in jedem Satz mit dem Zeigefinger kommen. Seht her, ich achte auch auf Frauen! Ich grenze sie nicht aus! Ich bin für Gleichberechtigung! Ja, es gibt auch Studentinnen, nicht nur Studenten!

Wer hätte das gedacht.

Was ist eigentlich, wenn man einen Schlaganfall heraufziehen spürt und einen Arzt sucht? „Ist ein Arzt oder eine Ärztin da?“

Sprache beeinflusst Bewusstsein, sicher. Aber doch nicht so billig. Sprache ist vielmehr wandlungsfähig, Semantik wandelt sich notgedrungen in einer sich verändernden Gesellschaft. Wenn man früher etwas für merkwürdig hielt, war das so umfassend positiv gemeint wie jemand, der komisch war. Heute ist es umgekehrt. So geht das. Genausowenig würde man bei Bäckern notwendig nur an Männer denken, wenn es eine erhebliche Zahl von Bäckerinnen gäbe.

Leider schaffen auch diese Genderdödel Realitäten: Wenn heute an einer Uni auf einem Flugblatt nur von „Studenten“ die Rede ist, weiß man, dass es sich um eines des RCDS oder ähnlicher Gruppen handelt. Wenn ich überall nur noch von Bäckerinnen und Bäckern oder BäckerInnen lese, dann ändert sich mein sprachliches Bewusstsein tatsächlich. Irgendwann sind wir dann soweit, dass wir immer beide Begriffe verwenden müssen, um nicht missverständlich zu werden. Früher gabe es diese Missverständlichkeit nicht. Die Emanzen haben es geschafft, dass nach und nach tatsächlich ein anderes Bewusstsein von Sprache vorherrschend wird. Und zwar, und das ist der Punkt, ohne jede Not. Der Genderschreibwahn ist das Produkt wichtigtuerischer Weiber. Dass die sich durchsetzten, ist gesellschaftlich problematisch. Es hängt wohl mit dem notwendig schlechten Bewusstsein der Männer wegen der Benachteiligung von Frauen zusammen. Nähmen sie Frauen ernst, würden sie sich gegen die gegenderte Sprache wehren.

Ganz lustig wird es, wenn die Genderprofessorin Lann Hornscheidt beklagt, sie fühle sich nicht angesprochen, wenn jemand (oder jemenschd?) die „sehr geehrten Damen und Herren“ begrüßt. Sie möchte keinem Geschlecht zugeordnet werden. Das ist ja ok und sollte respektiert werden, aber dafür die Sprache umbasteln? Diese Leute sind auf einem üblen intellektuellen Niveau. Sie kapieren nicht, dass Sprache in weiten Teilen aus Abstraktionen besteht, aus pars pro totos. Wenn ich die obige Floskel verwende, so meine ich schlicht alle, die zuhören und gebe einen irgendwie bürgerlichen Rahmen vor.  Zumal die Aussprache gerne ich die Richtung „damenunterrn“ geht, sich also auch die anwesenden Männer ob ihrer sprachlichen Benachteiligung beschweren könnten.

Ärgerlich wird diese Entwicklung auch dann, wenn man sieht, was die Germanistik nicht leistet. Um 68 herum entstand der Zweig der Soziolinguistik. Da interessierte man sich für Dialekte und Gastarbeitersprache. Die Soziolinguistik hätte heute ein weites Betätigungsfeld: die Sprache der Wirtschaft, die Sprache der Politik, die Sprache des Neoliberalismus, die Sprache von Pegida. Es müsste das vorherrschende Betätigungsfeld von Germanisten, von Sprachwissenschaftlern sein. Wie sieht es tatsächlich aus? Das Fach Soziolinguistik ist faktisch tot. KeinE einzigeR GermanistIn kümmert sich um die Soziolinguistik des Neoliberalismus. Eigentlich eine Katastrophe. Vielleicht hängt das auch mit der Drittmittelvergabe zusammen. Die genannten Themen sind fürs Kapital nicht sexy.

Es liegt eine gewisse Verschiebung vor – weg von gesellschaftlich und politisch relevanten Themen und Fragestellungen, hin zur banalen Unsäglichkeit der gegenderten Sprache. Hier hat sich ein Teil einer Generation von intellektuell dürftigen Frauen einmal wichtigtuen dürfen und darf das noch immer. Es wird nicht gerade einfacher, Frauen ernstzunehmen, wenn sie sich so danebenbenehmen.

Solange jeder schreibt, wie er will, mag das alles egal sein. Ich komme zu diesem Artikel nur, weil ich irgendwo las, dass in Österreich im Kultur- oder Bildungsbereich gendenderte Sprache vorgeschrieben ist. Blödheit staatlich verordnet.

Aber die Emanzen sind, wie gesagt, auf einem guten Weg: Wer heute von Studenten redet, kann bei demR ZuhörerIn (die deutschen Deklinationsregeln gendern: viel Spaß!) den Eindruck erwecken, er meine tatsächlich nur Männer. Jahrzehntelange Indoktrinierung zeitigt Ergebnisse.

Sprache als Ersatzhandlungsfeld: Anstatt Probleme anzugehen, wird auf einem Feld herumgedoktert, das es mit sich machen lässt, aber nichts ändert.

Und schließlich, weil man ja gerne missverstanden wird: All das Geschriebene berührt nicht die Notwendigkeit dessen, was man gender mainstreaming nennt. Die Versuche, reale Benachteiligung von Frauen aufzuheben, sind natürlich genauso notwendig wie das Bestreben, gesellschaftlich erzeugtes Rollenverhalten immer weiter zu eliminieren. Auch die merkwürdige Einteilung in homo und hetero setzt voraus, dass man das so einteilen kann. Das ist naturgemäß nicht so. Die rot-grünen Bildungspläne sind da vermutlich ein Schritt in die richtige Richtung.

Bei all diesen Fragen hilft das Binnen-I nicht weiter.

Spontan habe ich diesen Artikel gerade geschrieben, weil ich in einer kleinen Geschichte des östereichischen Liedermachers, wie man sagt, Georg Danzer, diese Passage aus dem Jahr 1973 las:

Die Frauen und Mütter und Mädchen erzählen einander, dass wir Männer alle nur „das eine“ von ihnen wollen, und was Wunder – es stimmt -, aber es ja meistens auch bei weitem das Beste, was sie zu bieten haben.

Man könnte vermuten, er habe die gegenderten Emanzen gemeint.

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53 Antworten zu Kurze Anmerkung zu Sprache und Bewusstsein

  1. Beat Company schreibt:

    Gehen Sie mit der geschlechtergerechten Sprache bewusst und kreativ um. Und: Benennen Sie Männer und Frauen immer sorgfältig und symmetrisch.

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  2. El_Mocho schreibt:

    Wenn man der Meinung ist, dass Realität erst durch Kommunikation erzeugt wird, ist das ja eigentlich nur konsequent, indem man die Sprache verändert, verändert man die Welt.

    Dadurch, dass Frau Hornscheidt nicht mehr als Frau oder Mann benannt werden will, ändert sie aber nichts daran, dass sie eine Frau ist. Denn sie ist ihr Körper, und der ist weiblich.

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  3. Peleo schreibt:

    Gut auf den Punkt gebracht. Solange noch vom „Bürgersteig“ die Rede ist, statt vom „Bürger- und Bürgerinnensteig“, haben sie ihr Ziel noch nicht erreicht ;-) Aber sie sind auf dem Weg, und eine Umkehr zur Vernunft wird schwierig.

    Selbst ein vernünftiger Mensch wie Gysi vergisst nie, „Bürgerinnen und Bürgern“, „Steuerzahlerinnen und Steuerzahler“ zu sagen. Vermutlich nicht aus Einsicht, sondern aus Rücksicht auf die „Wählerinnen und Wähler“.

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  4. Bürgerinnenmeisterinnenstellvertreterin schreibt:

    „Sprache ist Teil der gesellschaftlichen Übereinkunft“. Jep. Der rassistische Konsens in der Mitte der Gesellschaft auch. Soll was heißen…?

    Eingangstext und Kommentare zeigen bisher, dass mal wieder, dass Männer die Definitionshoheit an sich reißen möchten. Warum überlasst Ihr den Sprachfeminismus nicht einfach den Betroffenen? Ach ja. Ich erinnere mich: Der Schwarze hat sich ja gefälligst auch „sprachhistorisch“ als Neger ansprechen zu lassen.

    Ob Frau oder Mann, Kater oder Katze, weiblich oder männlich ist in der geschriebenen und gesprochenen Kommunikation enorm wichtig. Sollte einem Patienten aus med. Notwendigkeit die linke Niere entfernt werden, ist es ja auch nicht egal, ob für das Op-Team lediglich der Hinweis gegeben wird, „Niere entfernen“! ! Da fehlt doch ein kleiner konkreter Hinweis zur genauen Identifikation. Links ist nämlich das Gegenteil von rechts. (Obwohl bei Finkeldey -aktuell- und A. Müller bin ich mir da nicht mehr so sicher:-))

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  5. Beat Company schreibt:

    Ich habe drei Jahre in Dalston gelebt, einem Nigger-Ghetto: von den „Farbigen“ habe ich gelernt, das sie sich untereinander so nennen und: Das sie das DEUTSCHE Wort „schwarz“ benutzen um sich untereinander zu beleidigen.

    Und es kommt noch schlimmer: HiISTORISCH betrachtet bin ich nicht nur Deutscher, sondern auch Nazi ;-)

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  6. Zeitzeuge schreibt:

    Noch eine Anmerkung zum Tema „Gender“: Das philosophische Postulat zur Gender-Ideologie stammt von Simone de Beauvoir, kulturmarxistisch beeinflußte Philosophin und Lebenspartnerin von Jean-Paul Sartre. Es lautet: Der Mensch (sie meinte zuvörderst die Frau) wird nicht als männlich oder weiblich geboren, er wird dazu (durch Erziehung und Sozialisation) gemacht. Diese Behauptung fand Eingang in die US-amerikanische Psychologie und führte auch zu Versuchen an Kindern. Die praktizierte Gender-Ideologie kommt also, wie übrigens auch die „Political Correctness“, aus den USA. Aber was ist eigentlich deren Sinn? Nun, ebenso wie der Kulturmarxismus, der Radikalfeminismus und eben „Gender“ läuft es auf die Zersetzung und damit Zerstörung des traditionellen (biologisch-natürlichen) Familienbildes hinaus. Der einzelne Mensch wird seiner über zig Jahrtausende sich entwickelten Identität beraubt – ob er sich dadurch freier und glücklicher fühlt? Ich habe da meine Zweifel.

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  7. Bürgerinnenmeisterinnenstellvertreterin schreibt:

    Beat Company: Völlig richtig. Analog zum Migrantionshintergrund sind wir „Deutsche mit Faschismushintergrund.“

    Wenn Schwarze sich mit „Nigger“ anreden, ist das etwas völlig anderes. Wage es doch selber mal, als Weißbrot sie so anzureden. „Weib“ ist ja auch eine diskriminierende Bezeichnung von Männern für Frauen. Die „Cyberweiber“ nennen sich aber bewußt so.

    Wichtiger wäre es, sich auch mit der semantischen Bedeutung von Begriffen wie „Asylant“ (Demonstrant, Bummelant, Denunziant), Auchmenschen (Flüchtlinge sind „auch Menschen“), Asylkritiker (früher „der besorgte Bürger“) und „undeutsch“ (Siegmar Gabriel in Heimenau) zu beschäftigen.

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  8. Beat Company schreibt:

    Als „Dalstoner Weißbrot“ das Nigger-Wort zu benutzen, war jedenfalls kein Problem. (Das war Ende der 90er)

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  9. hANNES wURST schreibt:

    Viele Probleme lassen sich durch Pluralisierung umgehen. Allerdings funktioniert das nicht immer, „Konkubinen hören gerne Schlagermusik“ ist nicht wirklich genderneutral. Deswegen müssen einige Worte ganz abgeschafft werden. Auch übrigens die Worte „Mann“ und „Frau“. Es gibt übrigens einige eindeutig männliche Buchstaben, vor allem das „i“. Es muss abgeschafft werden, genau wie das „o“. Das mag abstrus klngen, aber letzten Endes sll die Sprache unseren Zwecken denen und ncht umgekehrt. Sprache st laut Burrughs ein außerrdscher Vrus.

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  10. hANNES wURST schreibt:

    Komischerweise sind Menschen, die eine Position vertreten wie die, welche Sie hier skizzieren, oft auch eindeutig islamkritisch eingestellt. Dabei werden im Islam diese „traditionellen Werte“ ja gerade hochgehalten.

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  11. besucher schreibt:

    Komisch, sie werfen den Männern vor was sie selbst für sich Anspruch nehmen: Definitionshoheit an sich reißen. Das ist ja legitim, das macht jede Lobbygruppe, es aber anderen abzusprechen ist irgendwie unredlich, finden Se nich?

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  12. besucher schreibt:

    Ich befürchte Sie sind „Deutsche mit intellektuell dürftigem weiblichen Geburtshintergrund“. Dummerweise hat Ihre Mama sie dann auch noch zur Frau gemacht. Stupid white family!

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  13. besucher schreibt:

    Am besten die Leute reden überhaupt nicht mehr miteienander und trinken stattdessen nur noch BIER. Das Bier ist wenigstens geschlechtsneutral und es baut durch seine Hormone Machismen ab.

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  14. hANNES wURST schreibt:

    Sehr gut. Oder Pimmel ab, dann kann man auch wieder andere Dinge machen als Bier trinken.

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  15. Bürgerinnenmeisterinnenstellvertreterin schreibt:

    besucher: Haben Sie außer persönlichen Beleidigungen auch inhaltlich etwas zu bieten? Übrigens bekommt Mann von Bier auf Dauer eine Bauchglatze und Biertitten, auch Gynäkomastitis genannt.

    Ein.Beisp.für die Notwendigkeit korrekter Sprachregelung:
    seine (m), ihre (w), jede (w) jeder (m)

    „Wer (!) hat SEINEN Tampon im Bad liegen lassen?“

    „JEDER bekommt SEINE Periode unterschiedlich stark!“

    Hauptsache das angeblich includierende generische Maskulinum wird verwendet. Realitätsabbildung nebensächlich.

    Empörung würden dagegen jemand ernten, der sagt: „JEDE(!) sollte regelmäßig zur Prostatavorsorge gehen.“

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  16. Beat Company schreibt:

    Je-MAN-d ?

    Ich habe in den 90ern im Zentrum der Bewegung (w) mal mitbekommen, wie je-FRAU-d sein Kleidungsstück in FRAU-TEL umbenennen wollte.

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  17. genova68 schreibt:

    El Mocho,
    wenn Frau Hornscheidt sich nicht als Frau fühlt, dann können wir beide das so stehen lassen und müssen sie nicht darüber belehren, wie es zwischen ihren Beinen aussieht.

    Stellvertreterin,
    bist du nicht der altaunome? Dann kommentiere doch bitte als dieser.

    „Sprachfeminismus“ hat nicht einfach mit den Betroffenen zu tun, sondern es sollen ja alle so schreiben, siehe meine Bemerkung zu den österreichischen Ministerien. Also betrifft das alle, zumindest alle, die mit Österreich zu tun haben.

    Ich schreibe, dass ich es sinnvoller fände, gesellschaftlich dahingehen übereinzukommen, dass die vordergründig männliche Form geschlechtslosgelöst ist, so wie das auch intendiert ist. Wenn Engländer vom backer oder doctor reden, dann ist das Geschlecht egal, es geht um die Tätigkeit oder Eigenschaft, die man defnieren kann und bei der das Geschlecht keine Rolle spielt. Das wäre mein Vorschlag. Man ist einen anderen Weg gegangen.

    Deine Lieblingszeitung, altautonomer, die konkret, kennt die gegendere Schreibweise übrigens nicht.

    Beat Company,

    dass hier nun diskutiert wird, ob man Neger oder ähnliches sagen soll, halte ich im Jahr 2015 ehrlich gesagt für Rassismus. Deine obskuren Beispiele aus Amerika bringen da nichts, es geht um die deutsche Sprache. Ich kenne keine schwarzen Deutsche, die sagen: Hey, nenn mich doch Neger! Auch keine Interessensgruppe Schwarzer. Historisch betrachtet bist du gar nichts, du bist das, was du gerade sagst und tust. Geschichte sollte man reflektieren, nicht als Keule benutzen.

    Zeitzeuge,
    kulturmarxistisch, Auflösung der Familie, Kindesmissbrauch: dein rechtsradikales Geschwurbel hat nichts mit dem Thema zu tun. Es ist schade, dass jetzt solche Leute hier einfallen.

    Und nochmal Stellvertreterin,

    Das generische Maskulinum gilt natürlich nur für gemischte Gruppen.

    Das Beispiel mit dem Tampon zeigt, wie massiv man Sprache umbauen müsste. „Wer hat seinen Tampon vergessen“ ist sprachlich nur anders zu regeln, wenn du „Welche hat ihren Tampon vergessen“ schreibst. „Wer“ leitet sich natürlich von „er“ ab. Der Punkt ist eben, dass der erste Satz kein Problem bereitet, wenn man ihn geschlechterübergreifend begreift, was von den allermeisten so gemacht wird.

    „jeder“ steht nun mal für alle, wobei man hier schon öfter den Plural benützen könnte. Alle sollen dies oder jenes machen. In die Richtung könnte man ja ohne weiteres praktizieren, auch ich sicher mehr.

    „ihre“ ist ja auch nicht nur singular weiblich, sondern auch maskulin männlich: Welche Männer haben ihre Rasierklingen liegenlassen? Das ist jahrhundertelang geprägte Grammatik, es haben sich die Männer auch noch nicht darüber aufgeregt, dass Rasierklingen mit „ihre“ in Verbindung gebracht werden. Sprache ist grammatikalisch weder logisch noch geschlechterkorrekt. Es kommt darauf an, was man daraus macht.

    Sprache erzeugt Realität, ja, zum Teil, aber zuerst einmal erzeugt Handlung Realität. Die Agenda 2010 erzeugt gesellschaftliche Realitäten und das wird sprachlich transportiert, indem man einen positiv besetzten Begriff wie Reform inhaltlich umdefiniert, ohne das zuzugeben.

    Das ist ein völlig anderes Thema, als wenn ich bei einer Berufsbezeichnung nun den vermeintlich geschlechtsspezifischen Gehalt betone. Ich könnte es auch bleiben lassen.

    Und da ich ja jüngst als Gesinnungspolizist bezeichnet wurde:

    Alle können hier natürlich schreiben, was sie wollen, aber meine Kritik an diesen ganzen Verrenkungen, dass man nun Neger sagen soll und die Familie zerstört wird und Transsexualität negiert wird: Das ist alles massiv rechtes Spektrum und hat nichts mit dem Binnen-I zu tun. Wer sich hier aber unbedingt outen möchte, kann das tun.

    (altaunonomer, Hartmut steht sich selbst im Weg, Er checkt es nicht, weil er permanent meint, gegen übermächtige Gesinnungspolizisten ankämpfen zu müssen.)

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  18. Beat Company schreibt:

    NB: Mein Beispiel aus dem Londoner Norden sollte nur veranschaulichen, dass eine Grammatik oder Semantik immer im geographischen bzw, gesellschaftlichen Kontext betrachtet werden muss. Eine Verallgemeinerung / Übertragbarkeit schließt sich da naturgemäß aus.

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  19. nirgendwo schreibt:

    ich weiß ja ehrlich gesagt nicht, was dein problem ist. ich stimme dir jedenfalls nicht zu.
    du siehst ja selbst: wie es in den wald ruft, schallt es heraus. „genderwahn“ und schon hast du sie alle an der backe. die ganzen ich-schwachen männer, die sich bedroht sehen wollen von schwanzabschneidenden emanzen. du willst sie gar nicht, gut…
    also: früher war alles einfacher, geehrte damen und herren. vielleicht hätte es auch mit der revolution schon geklappt, wenn nicht die wichtigtuenden (stets im dienste des kapitals) dazwischenfunkten und nur verwirrung anrichteten.

    sorry, aber diese einstellung kann ich nicht ernst nehmen.

    erstens: geht es beim „gendern“ nicht um konkretion der sprache. welche zumutung steckt bitteschön darin, beim lesen ein _ oder ein * mitzudenken?
    natürlich ist auch dies eine abstraktion. aber eine anders geartete, als alle subjekte unter „damen und herren“ zu subsumieren.
    es geht darum, subjekte nicht einer stabilen, natürlich gegebenen geschlechtlichen identität zuzuordnen, sondern einer variablen geschlechtlichen identität.
    kompliziert ist dies nur in komplizierten verhältnissen.
    unter * und _ sind bereits jetzt intersexuelle menschen benannt, die ansonsten eine weitgehend unwirkliche existenz erleiden müssen (eben nicht als rechtsubjekte anerkannt)

    zweitens: ist mir nicht klar, warum gerade der neoliberalismus mit einer solchen geschlechtlichen identität und folglich mit einem feminismus, der ihre anerkennung einfordert, irgendwas anzufangen weiß. sicherlich würde ich dir zustimmen, dass es richtig ist, einzelnen leuten aus dem sprachfeminismus vorzuwerfen, die politökonomischen Verhältnisse nicht in ihre Theorie einzubeziehen und damit affirmativ zu werden. das gilt aber nicht der forderung nach einer gegenderten sprache im ganzen.

    drittens: gibt es keinen zeitpunkt für geschlechtliche emanzipation nach einer politischen/politökonomischen. meine these dagegen wäre, dass stabile geschlechtsidentitäten grundlage der produktionsverhältnisse sind, die auf maximale senkung der kosten menschlicher arbeitskraft aus sind. deshalb erfordern sie eine verlagerung von kostenloser arbeit in einen eindeutig abgegrenzten bereich: hausarbeit. und die erledigung derselben durch eindeutig bestimmbare subjekte. und das waren in den letzten 200 jahren, im modernen kapitalismus stets: frauen. die radikale infragestellung dieser ordnung ist nicht gendermainstreaming. wozu das führt ist längst bekannt: ja frauen können auch lkw fahren, unternehmen leiten, parteien vorsitzen usw. aber, eigentlich sind sie naturgemäß soundso. und so wird es dann ja auch: einige frauen sind jetzt mehr in führungspositionen, klappt ja auch in der afd sehr gut. alle anderen, und vor allem diejenigen, die sich keine (migrantische) haushaltsfrau leisten können haben die doppelte belastung: lohnarbeiterin und hausfrau zu tragen. kurz: worauf kapitalismus also baut ist, dass es keine größeren debatten um die arbeitsteilung gibt. daher biologische absicherung von arbeitsteilung. was stabile geschlechtsidentitäten angreift und infragestellt bedeutet folglich den widerspruch der produktivkräfte gegen die produktionsverhältnisse voranzutreiben, wie marx meinte und woran er dann doch nicht gedacht hatte.

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  20. genova68 schreibt:

    tja, junge (oder auch nicht)

    „ich weiß ja ehrlich gesagt nicht, was dein problem ist. ich stimme dir jedenfalls nicht zu.“

    Dein Problem hast du jedenfalls ganz gut erkannt ;-)

    Ich gucke jetzt nicht nochmal nach, aber von „Genderwahn“ habe ich nichts geschrieben, glaube ich. Es ging nur um Sprache, sonst nichts.

    Zu deinen Punkten.

    Erstens:
    Sprache ist Abstraktion, wie du ganz richtig schreibst, Verallgemeinerung, eine permanente Vermittlung von Allgemeinem und Besonderem. Insofern kann ich alle unter alles subsumieren. Es ist lediglich die Frage, ob das praktisch anerkannt wird. Hätten die Emanzen ab den 80ern zu dem Thema geschwiegen, wäre heute alles in Butter, weil kein Mensch darauf käme, bei „Arzt“ an Männer zu denken, sondern an die Spezifikationen des Berufs. Es wäre also auch sinnvoller für das Streben nach Gleichberechtigung, hätte man die Chance wahrgenommen, den geschlechtlichen Aspekt eines Wortes nicht stärker zu betonen, sondern vielmehr zu relativieren. Das wäre eine lösungsorientierte Vorgehensweise gewesen, woran Wichtigtuer und -tuerinnen, in diesem Falle also die, die ich hier als Emanzen betitele, seit jeher kein Interesse haben.

    _ und * sind problematisch, weil ich sie nicht lesen kann. Das ist so ähnlich, wie wenn in einem Text griechische Ausdrücke vorkommen und ich kein griechisch spreche. Ich kann damit nur so umgehen, dass ich es beim Lesen ignoriere. Laut vorlesen ist schon gleich gar nicht möglich, auf diese Art reden auch nicht ernsthaft. Deshalb setzt sich diese Sprachpraxis in der Praxis auch nicht durch. Praktisch niemand redet so, abgesehen von Politikern und Emanzen. Das sollte, nach 30 Jahren intensiver Lobbyarbeit, doch zu denken geben. Selbst die taz überlässt das seit Jahren den einzelnen Journalisten, wie sie schreiben wollen. Genau das finde ich ok.

    Sprache ist auch etwas sehr privates. Mit den Vorschriften, die die halbe Grammatik über Bord werfen, überfordert man die meisten Menschen. Sprache wird komplizierter, aber das ist den Emanzen wurscht. Es sind auch keine Praktiker, sondern banale Theoretiker. Ihr Aufstieg ist vor allem dem schlechten Gewissen geschuldet.

    Variable geschlechtliche Identität: Nimm „Damen und Herren“ als Begrüßungsfloskel, dann löst sich dein Problem von selbst. Du WILLST missverstehen und schaffst das dann auch ganz locker.

    „intersexuelle menschen benannt, die ansonsten eine weitgehend unwirkliche existenz erleiden müssen „

    Ja, gut möglich. Aber an der praktischen Situation ändern die Sternchen überhaupt nichts. Im Gegenteil, die Auseinandersetzung wird damit auf ein Kindergartenniveau heruntergebrochen. Konsequenterweise müsste man dann das Hornscheidtsche „Professx“ übernehmen.

    Also: Es geht schief, wenn man Sprache als starres System sieht. Sprache wandelt sich und ein Transsexueller wird im Deutschen niemals ernsthaft abgebildet werden, auch, weil man die Sternchen nicht lesen kann. „Damen und Herren“ müsste durch alle möglichen Anreden ergänzt werden, das Ergebnis wäre völlig lächerlich. Nimms einfach als allgemeine Begrüßungsfloskel, und das Problem ist gelöst. Es zeigt sich hier vor allem die wahnsinnige Wichtigtuerei der Emanzen.

    Zweitens:
    Aus den genannten Gründen halte ich die gegenderte Sprache für überflüssig. Dem Neoliberalismus ist sie deshalb dienlich, weil sich dieser prima damit schmücken kann, für die Emanzipation zu sein und deshalb progressiv. Er muss nur eine gegenderte Form benutzen, und schon freuen sich alle. Dadurch hat sich aber nichts geändert.

    Drittens:
    Darüber kann man reden, dazu braucht man aber keine gegenderte Sprache. Interessant fände ich in dem Zusammenhang die Frage, inwieweit gegenderte Sprache (und ihre permanente Weiterentwicklung) einen antiemanzipatorischen Effekt hat, nämlich den, dass man da nur mithalten kann, wenn man Bildung mitbringt, sich in akademischen Diskursen zu benehmen weiß und ein bildungsbürgerliches Sprachbewusstsein zu Grunde legen kann. Alle, die das nicht vorweisen, sind von dieser Sprache überfordert, sie wissen sich nicht auszudrücken, benehmen sich dann daneben, sind nicht auf dem neuesten Stand, sind verunsichert etc.

    Deine Gendersprache sorgt vermutlich in Wahrheit für Degradierung von eh schon Unterklassierten.

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  21. Peleo schreibt:

    „Drittens“ ist ein (wichtiger) Punkt, an den ich bisher gar nicht gedacht habe.

    Aber überhaupt: Sollten die Genderisten und – istinnen nicht erst mal die englischsprachige Welt agitieren? „Teacher“, „Singer“, „Neighbour“ – alles gendermäßig unklar. Millionen und Millioninnen völlig unberührt von der neuen Religion. Ein weites Feld für Sprach-Missionare und -missionarinnen.

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  22. Heute beim Jedermannrennen. (Es wurden auch Frauen gesichtet.)

    Mädchenmannschaft. (Und anschließend das Spiel der Jungenfrauschaft.)

    Landsmännin! (Reine Sprachästethik.)

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  23. futuretwin schreibt:

    Es steht übrigens Genderwahn im Text. Schon wieder vergessen, wa?

    Das Binnen-I wird als Pause gesprochen. Sich vielleicht mal auseinandersetzen mit der Materie.

    Ich bin also Ich-schwach, hm?
    Warum? Weil ich mich in der Mackeridentität nicht so wohl fühle? Und die kapitalistischen Zustände, in denen ich zu funktionieren habe, mit den patriarchalischen Zuständen zusammendenke, in denen ich das Geld zu verdienen habe? Das gefällt mir als Mann halt einfach auch nicht.
    Ich halte jetzt einfach mal im Gegenzug Männer für ich-schwach, die das Patriarchat unreflektiert reproduzieren. Habens anscheinend nötig.

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  24. genova68 schreibt:

    Ok, Genderwahn steht da.

    Amerikanerinnen mit Pause vor dem i? Lustig. Sind die Amerikaner innen oder außen? Oder vorne oder hinten?

    Mackeridentität, patriarchalische Zustände, Kapitalismus: Alles kritisierbar, aber bitte nicht mit dieser banal-oberflächlichen Auffassung von Sprache. In Wahrheit kritisierst du mit diesem Sprachpopanz gar nichts, sondern suchst dir ein Ersatzspielfeld. Guter, braver, deutscher Linker.

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  25. futuretwin schreibt:

    „Lustig.“ Geht so. Wir haben anscheinend nicht den gleichen Humor.

    Naja, zunächstmal gehts ja darum, dass kritisiert wird, dann um das „wie“. Beim wie ist dann wieder alles kritisierbar.
    Bei dir gewinne ich den Eindruck, dass allein das „dass“ mich schon irgendwie entmannt.

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  26. genova68 schreibt:

    Entmannung ist doch ok. Dann bist du kein Patriarch und kein Macker mehr. (Das war jetzt aber wirklich lustig, oder?)

    Es ging bei dem Artikel aber auch darum, dass in Österreich diese Sprache in Teilen offenbar vorgeschrieben wird. Rede du, wie du willst, ich rede, wie ich will.

    Sprache ist davon ab sensibel und betrifft alle. Und so gut wie niemand macht bei diesem Neusprech mit, abgesehen von einem pseudointellektuellen Minimilieu. Könnte an der praktischen Undurchführbarkeit liegen, weniger Gebildete haben eh keine Chance, da mitzumischen, zumal die Emanzen die Schraube immer weiter drehen. Das gender gap soll, habe ich kürzlich gelesen, für alle Geschlechter stehen, das Sternchen auch für irgendwas.

    So funktioniert Sprache in der Praxis nicht, das sind absurde Vorgaben, die sich nie durchsetzen werden. Das dient lediglich als kultureller Code, damit die Eingeweihten sich gegenseitig ihres fortschrittlichen Bewusstseins versichern können. Bei den Bauarbeitern übernimmt diese Funktion nach wie vor die Marlboro.

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  27. futuretwin schreibt:

    Mit dem N-Wort klappts doch mittlerweile auch ganz gut.
    Wer schreibt wem was vor in Österreich?

    Ich sehe ja einiges ähnlich, aber worüber regst du dich denn so auf? Und dann so mackerhaft, das ist echt ziemlich eklig.
    So sinngemäß: Frauen hört mit dem Scheiss auf, sonst wundert euch nicht, dass ihr bald nur noch zum Ficken gut seid.
    Du bist nicht so der brave Linke, was? Traust dich noch was, richtig so. Nieder mit den Feminazis.

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  28. hANNES wURST schreibt:

    Ich habe heute einen Bauarbeiter mit einem T-Shirt auf dem groß „Download“ stand gesehen. Darüber ein Piktogramm von einem auf dem Klo sitzenden Menschen. Das fand ich lustig. Aber wahrscheinlich hat er außerdem Marlboro geraucht. Ich stimme zu, dass die Vergenderung der Sprache wahrscheinlich ein Spielplatz für Nerds bleiben wird. Das heißt aber nicht unbedingt, dass es nicht wünschenswert ist, eine Sprache zu pflegen, die Gleichberechtigung demonstriert. Mit den gleichen Argumenten könnte man sonst auch im Familien- und Arbeitsleben Rollenklischees weiterpflegen – von wegen Natur, Praktikabilität usw., aber da haben wohl hoffentlich die Meisten eingesehen, dass das Geschlecht niemanden verdammen darf, eine Rolle anzunehmen (Geburt und Stillzeit sind keine annehmbaren Rollen, sondern unabdingbare Funktionen).

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  29. genova68 schreibt:

    Wer etwas vorschreibt, steht in dem Artikel. Das N-Wort ist meines Erachtens eine ganz andere Geschichte, das ist klar diskriminierend und da wird halt ein Wort ausgewechselt. Das andere ist eine komplizierte Umformung von Sprache, die die allermeisten Leute überfordert. Und es ist meines Erachtens eben unnötig, da die Bedeutung von Sprache sich eh wandelt. Ein Arzt ist eine Person, die beruflich definiert ist, das hat nichts mit dem Geschlecht zu tun. Aber das steht ja alles im Artikel.

    Die mackerhafte Sprache kann man mir ankreiden, stimmt wohl. Ich würde ein paar Sätze so nicht mehr schreiben. Das mit dem Ficken schrieb Georg Danzer in einem Text von 1973. Ich fand es erfrischend, weil man das doch kennt: Eine attraktive Frau einfach nur ficken wollen. Ist doch schön, dass das jemand so sagt, weil er es sich gerade denkt.

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  30. genova68 schreibt:

    Hannes,
    ich plädiere für den englischen Weg (wenn es noch möglich ist): teacher, doctor etc. geschlechtsneutral zu verwenden. Man hätte sich die letzten 30 Jahre diesbezüglich sparen und sich ernsthaft um Patriarchat und Kapialismus kümmern können.

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  31. futuretwin schreibt:

    „Man hätte sich die letzten 30 Jahre diesbezüglich sparen und sich ernsthaft um Patriarchat und Kapialismus kümmern können.“
    Das eine schliesst das andere ja nicht aus.

    „Eine attraktive Frau einfach nur ficken wollen.“ Is ja nix gegen zu sagen. aber der dreh war ja, dass sie zu was anderem auch nicht gut ist.

    jetzt hab ichs gefunden: “ ich irgendwo las, dass in Österreich im Kultur- oder Bildungsbereich gendenderte Sprache vorgeschrieben ist.“ genauer hast du’s nicht? Und deshalb der ganze Kram?
    Ich weiss halt nicht was die Aufregung soll. Und dann wunderst du dich, wenn hier Kommentatoren aufschlagen, die vom Kulturmarxismus delirieren. Der hatte halt Genderwahn gegoogelt.

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  32. nirgendwo schreibt:

    mit „feminazis“ würde ich ja nicht diskutieren, und genova fällt für mich ganz sicher nicht darunter. ausserdem: ein macker steckt in jedem mann. wer das nicht einsieht, kann nicht feminist sein.

    nochmal an allen vorbei.

    zum punkt der ersatzhandlung: der sprachfeminismus, der eine sprache im universitären labor entwickeln will und dann via glossar als praktische handlungsanweisung produziert, verbleibt – wenn er wirklich so isoliert wäre – bei bloßer ideologieproduktion. und, wobei ich dir ebenso zustimme, verkommt im neoliberalismus jede gleichheitsideologie zum oberflächlichen beiwerk.
    das streben nach möglicher entfaltungsfreiheit als wichtigtuerei abzutun halte ich für zynismus. auch sprachliche anerkennung ist ein respektables ziel. und vielleicht hat die integration des linguistischen feminismus in den staatsapparat universität einmal zur folge, dass intersex-existenzen formalisiert werden. dritter geschlechtseintrag usw. ob das nun gut oder schlecht für den den neoliberalismus ist, lässt sich nicht festschreiben. das gendergap wäre dann jedenfalls nicht länger bloß schmuck.

    dein punkt von der deklassierung trifft das verhältnis radikaler theoretischer kritik zur verunsicherung von sozialer identität. erstere ist gewiss auf die destruktion von bestimmten sozialen normen gerichtet. in ihrer negativität entwickelt sich destruktion oftmals zum selbstzweck, die kritik wird idealistisch und dogmatisch.
    möglicherweise nimmt sie damit auch einen zug des neoliberalismus auf, wenn sie politisches bewusstsein an sprache als „richtiges“ ausdrucksvermögen misst. politisches bewusstsein, als etwas was ein individuum hat, fix und losgelöst von der materialität seiner existenz – also: lies erst mal nen buch über feminismus, patriarchat und kapitalismus, bis du zu uns/resp. den guten, progressiven gehören darfst. das kanns natürlich nicht sein. gleichzeitig kann verunsicherung , gegenüber einer irritierung der geschlechterordnung, wie sie auch im wiener parkplatzbeispiel herauskommt nicht dafür herhalten, die radikalität einer kritik an derselben zurückzunehmen. wenn lann hornscheidt sagt, sie wolle nicht mehr als frau, aber auch nicht mehr als mann angesprochen werden, ist das nicht nur ihre private sache, sondern ein gesellschaftspolitisches interesse. mit der intersex- bewegung gibt es eine politische praxis, die jenes interesse trägt. auch, wenn diese praxis extrem marginalisiert ist. sprachfeminismus reflektiert diese, (wenn auch nicht ihre marginalität) und deshalb ist er eben nicht nur schmuck und rechtfertigung für pseudo emanzipation. ich glaube, du siehst diese politische praxis einfach nicht, deshalb handelst du diesen feminismus eben auch nur als produkt eines falschen begriffs von sprache ab. sofern dieser feminismus im idealismus verbleibt, stimmt der vorwurf sicherlich, pauschal trifft er aber nicht zu.

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  33. nirgendwo schreibt:

    ups. genova fällt nicht unter diejenigen, die „feminazis“ rufen, wollte ich eigentlich schreiben. dachte ich zumindest, bisher.
    aber abseits aller argumentationsversuche. ich verstehs immer noch nicht, warum du, genova jetzt mit afd-querfront-vokabular hantierst (genderismus)

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  34. futuretwin schreibt:

    @nirgendwo Vielen Dank für den langen Kommentar, uneingeschränkte Zustimmung von mir!

    Ausser vielleicht, das sich mir nicht erschliesst, was Genderismus mit Querfront zu tun hat.

    Als Anmerkung:
    Was Neoliberalismus und Gender angeht, das ist in der Tat ein kompliziertes Feld. Ich bin momentan recht angetan von Tove Soiland, die den Butler-Boom dahingehend kritisiert, innerfeministisch quasi.

    Hier ist ein Artikel mit dieser Stossrichtung, der allerdings schon zehn Jahre alt ist:
    https://www.woz.ch/-2fa

    Und ein neueres, dafür aber etwas mehr an der Psychoanalyse ausgerichtetes Interview:
    http://www.theoriekritik.ch/?p=1445

    Generell finde ich es interessant, marxsche Wertkritik mit Feminismus zusammen zu denken und Soiland ist da nicht so dogmatisch wie Roswitha Scholz.

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  35. futuretwin schreibt:

    Was die Vokabel „Genderismus“ mit Querfront zu tun hat.
    So muss es heissen.

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  36. nirgendwo schreibt:

    top lektürevorschlag!

    zur querfront.
    überwiegend taucht „genderismus“ in der suchmaschine als stichwort der neuen rechten auf. also christliche fundamentalistInnen, maskulinisten, wahrheitssuchende, pegida, afd.
    ich kenne beiträge von genova bisher als scharfe kritik an allen möglichen querfront-formationen im internetmedienumfeld. deshalb meine irritation, und ich schiesse vielleicht etwas übers ziel hinaus, wenn ich behaupte, dass der artikel von genova eine offene einladung für eine antifeministische querfront ist.

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  37. futuretwin schreibt:

    Ich kenne Querfront jetzt eher als Begriff für rechts-links-Bündnisse. Die Gruppen, die du aufzählst sind jedoch alles eher rechte. Maskulinisten mögen sich vielleicht z.T. als Linke begreifen, das war es dann aber schon wieder.

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  38. genova68 schreibt:

    Da hat sich ja einiges angesammelt.

    „das streben nach möglicher entfaltungsfreiheit als wichtigtuerei abzutun halte ich für zynismus. auch sprachliche anerkennung ist ein respektables ziel.“

    Ja, aber wir unterscheiden uns da grundsätzlich, weil ich Sprache anders auffasse. Sie ist semantisch dynamisch, deshalb muss Anerkennung nicht über gegenderte Sprache laufen. Diskriminierende Wörter müssen weg, klar, aber „Biologen“ ist nicht diskriminierend. Das sind alle, die beruflich oder ausbildungsmäßig unter diese Definition fallen. Das Geschlecht ist egal. Man kann das hineininterpretieren, wenn man will, aber das sind für mich absichtlich produzierte Schwierigkeiten, die nicht in der Sache begründet liegen.

    („Biologen“ sind dann nicht mehr alle, wenn es die Sprachbanausen immer weiter treiben. Irgendwann sind wir auf dem Level, dass Biologen ausschließlich für Männer gilt. Wer an dieser Entwicklung schuld hat, ist klar.)

    Der Sprachfeminismus, wie das hier genannt wird, ist aus diesem Grund bloße Ideologieproduktion und wird niemals mehr sein, er kann nicht mehr sein. Es ist eine zweckrationale Instrumentierung von Sprache auf einer banalen Ebene. Man schaue sich nur die Entwicklung seit den 80ern an. Mittlerweile sind wir auf einem Level, wo nur noch Eingeweihte durchblicken. Wofür steht das Sternchen? Der Unterstrich? Für dieses oder jenes? mensch statt man, jemensch statt jemand, welche statt wer etc. Mit der Logik kannst du vielleicht ein Kreuzworträtsel konstruieren, aber kein Verständigungsmittel. Es ist ein bewusstes Kreieren einer Sprache für Eingeweihte, ein Machtmittel für Leute mit dem entsprechenden Bildungshintergrund. Wer sich so benimmt, hat vermutlich von realen gesellschaftlichen Verhältnissen nichts verstanden. Und es kann nichts anderes sein als Ideologie, denn dadurch werden realgesellschaftlich keinerlei Änderungen herbeigeführt. Ihr gebt euch höchstens der Lächerlichkeit preis. Ein zu hoher Preis für das völlig berechtigte Verlangen nach Gleichberechtigung.

    Entfaltungsfreiheit via _innen und *? Meine Güte. Aber es ist ja eh klar: Wer so schreiben will, soll das tun, falls es ihm oder ihr allen Ernstes zur Entfaltungsfreiheit beiträgt. Es gibt eh schon diesen Sprachpluralismus, Verbote sind indiskutabel. Es ging als Anlass ja um das Muss der geschlechtergerechten Sprache in Österreich.

    Und ich wiederhole mich: Diese Sprache funktioniert unter Umständen schriftlich, wenn man eingeweiht ist, mündlich aber nie und nimmer. Was ist denn mit Franzosen und Französinnen? Französ_innen? Oder Franzo_sinnen? Arzt_innen? Die deutsche Feminin- und Pluralbildung ist viel zu eigensinnig, als dass man sie in ein solches Korsett zwängen könnte. Pluralpersonalpronomen sind per se weiblich: „Die Männer haben ihre Autos.“ „Der Mann hat seines.“ Sollen sich nun die Männer darüber aufregen, dass sie als Kollektiv verweiblicht werden? Man man etwas finden will, über das man sich aufregen kann, findet man es.

    Es gibt ja deshalb auch praktisch niemand, der so redet. Es ist in der Praxis schlicht unmöglich. Es kommt einer Selbstkasteiung gleich, einer Buße, und die Nähe zum Protestantismus stelle ich nicht von ungefähr her.

    Ein Sprachvorschlag, der _ und * als Buchstabenersatz einbaut, kann nicht gesprochen werden. Sprache, die nicht gesprochen werden kann, ist eine tote Sprache, eine künstliche.

    „wenn lann hornscheidt sagt, sie wolle nicht mehr als frau, aber auch nicht mehr als mann angesprochen werden, ist das nicht nur ihre private sache, sondern ein gesellschaftspolitisches interesse.“

    Ja, ok, aber als was will sie denn dann angesprochen werden? Als Sternchen oder Unterstrich? Welchen Vorschlag hat sie denn parat? „Liebe oder lieber Lann“ geht dann schon mal nicht. „Liebes Lann“ vielleicht? Davon ab: In der Praxis würde sie schlicht ausgelacht. Fände ich nicht gut, es wäre ihrem Ego vermutlich abträglich.

    Kinder, die sprechen lernen, interessiert das alles übrigens überhaupt nicht. Wenn die sagen, dass „jeder mitspielen darf“, wissen die genau, worum es geht, nämlich um alle, die mitspielen wollen. Die Problematisiererei muss man denen erst beibringen.

    Ich bin sicher kein Feminismusexperte, aber ich halte es für selbstverständlich, dass es Gleichberechtigung und das Streben danach gibt. Sprach- und Diskussionsverhalten ist so ein Thema, da gibt es ja eindeutig die männliche Variante des Bestimmens, Überschreiens, Ingrundundboden-Redens etc. Davon bin ich nicht frei. Das wäre ein Ansatz, bei dem ich jederzeit offen für Kritik wäre, als Beispiel. Die Gendersprache ist eine andere Nummer.

    Diese Sprachefeministinnen reden doch nur für sich bzw. für eine kleine Gruppe. Nur, falls jetzt der Vorwurf kommt, ich würde mich über Interessen von Frauen hinwegsetzen.

    Intersex-Bewegung: Ja, diese Leute sollen an die Öffentlichkeit, ich würde mich jederzeit gegen jedwede Diskriminierung oder Lächerlichmachung von denen aussprechen. Nur hilft ihnen die Sprache nicht: Meint ihr im Ernst, die Unterstriche erhöhen die Akzeptanz oder bringen Leute dazu, nachzudenken? Mit der neutralen Form „Biologe“ sind alle abgedeckt,auch die Intersexuellen. Sagt mir doch mal ganz konkret, wie ich diese Leute ansprechen soll. Und ich rede von sprechen, nicht schreiben.

    Es ist die falsche Front, an der ihr kämpft. Ihr verschleudert Energie, das ist schade.

    AfD-Querfront-Vokabular:

    Ich habe oben „Genderwahn“ geschrieben, das nehme ich gerne zurück. Ich schreibe Blogartikel meist sehr schnell, Blogs sind meines Erachtens gut für sowas gemacht, weil es eine Kommentarfunktion gibt für Anmerkungen und Korrekturen. Ich habe auch extra den Bezug zu gender mainstreaming hergestellt, um nicht missverstanden zu werden. Von mir aus sollten sämtliche Rollenverteilungen ad acta gelegt werden, auch das hetero- und homo-Ding ist eine Ersatzhandlung. Vermutlich wären wir alle spontan irgendwie, wenn man nicht gesellschaftlich präformiert wäre. Und ich hoffe, ich werde nicht mit der Verschwulung von Kindern und dem Aussterben des deutschen Volkes in Verbindung gebracht.

    Wie gesagt: Ich meine, nichts gegen Feminismus zu haben, ich wüsste gar nicht, was ich dagegen haben könnte. Falls da etwas auffällt, auch sprachlich, hinsichtlich der Wortwahl, mache man mich bitte darauf aufmerksam. (Aber nicht auf fehlende Sternchen.) Ich möchte nur trennen zwischen Inhaltlichem und banaler Sprachverhübschung. Letzteres hat ein ernstzunehmender Feminismus nicht verdient.

    Ich lese demnächst noch die Artikel der beiden links.

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  39. futuretwin schreibt:

    Vermutlich ist es Energieverschwendung, wenn ich die Diskussion fortsetze.
    ;-)
    Aber das ist eigentlich ein guter Anhaltspunkt. Energieverschwendung. Du hälst anderen vor, wofür sie ihre Energie einsetzen.
    Wofür geht deine eigene Energie denn so drauf? In irgendwelchen Blogs nach Querfronten fahnden. Was meinst du, wie die meisten über diese Energieverwendung denken? Was meinst du, wie viel das bringt?
    Ich finde viele Sprachre-gelungen genau das häufig auch nicht, nämlich gelungen. Aber wozu die Aufregung? Warum die Entsolidarisierung?
    Freust du dich nicht, wenn jemand zu deinem Steckenpferd sagt: „OK, nicht meine Baustelle, aber auch wichtig.“?
    Es liegt halt der Verdacht nahe, dass dich die Regeln aus bestimmten Gründen so aufregen.
    Und das bringt mich zu einem weiteren m.E. lohnenden Anknüpfungspunkt:
    „Von mir aus sollten sämtliche Rollenverteilungen ad acta gelegt werden, auch das hetero- und homo-Ding ist eine Ersatzhandlung. Vermutlich wären wir alle spontan irgendwie, wenn man nicht gesellschaftlich präformiert wäre.“ Sind wir aber nunmal. Und das wissen wir aber ja mittlerweile und nicht erst seit gestern. Und bestimmte Theorien besagen halt, dass diese Präformierung sprachlich geschieht. Sagt dir die Sapir-Whorf-Hypothese etwas? Hat nix mit Star-Trek zu tun, sondern stammt aus Psycholinguistik (also gar nicht so weit von der Soziolinguistik entfernt ;-) ).
    Aber daher diese Ansätze an der Sprache. Wie gesagt, nicht alles gelungen, aber im Ansatz sinnvoll, es sei denn man glaubt nicht daran, dass die Sprache das Denken beeinflusst.
    Die Art, in der sprachliche Normen greifen, findet unbewusst statt. Diese ganze Präformierung, von der du schreibst, ist ein unbewusst/sprachlicher Bereich (in den Links, vor allem dem 2. steht dazu mehr) und Veränderungen hier können natürlich verunsichern. Und daher hat Nirgendwo ganz recht, wenn er (ich gehe mal von einem ihn aus ;-) ) eher diejenigen als ich-schwach bezeichnet, die gegen den Genderismus Sturm laufen.

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  40. besucher schreibt:

    Die Frage ist natürlich ob eine Frau einen Mann nur ficken kann in dem Sie ihn verarscht oder ob sie ihn auch im wahrsten Sinn des Wortes fickt indem sie das tempo und alles andere (Stellung etc.) bestimmt.

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  41. besucher schreibt:

    Ich würde sie mit „Hallo W-Lann“ ansprechen, weil „Lann“ ist doch veraltet.

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  42. besucher schreibt:

    Ich glaube dass Ihr nicht so ganz verstanden habt worauf genova hinauswill.
    Es geht um die Praktikabilität von Sprache. Es steht auf dem einen Blatt ob ich Ausdrücke wie Neger oder Tunte weglasse und ächte oder ob ich mich an solche Konventionen wie _Innen oder *innen halte. Wie soll das übrigens in der Umgangssprache umgesetzt werden? Dazu hätte ich doch gern mal nen Vorschlag.

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  43. futuretwin schreibt:

    Ich glaube du hast nicht so ganz mitgelesen. Es wird als Pause gesprochen.

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  44. genova68 schreibt:

    futuretwin,

    gut möglich, dass uns beide nicht viel trennt. Ich habe ehrlich gesagt, keine Ahnung, wer du bist. Hast du mal bei che gepostet? Den nick habe ich schon mal gelesen.

    Ich möchte mich keinesfalls von inhaltlichen Anliegen in Sachen gender mainstreaming entsolidarisieren. In Sachen Sprachregelung war ich noch nie solidarisch. Aber das ist auch nicht weiter tragisch, solange mir das nicht vorgeschrieben wird.

    Präformierungen geschehen auch sprachlich, ja. Wenn meine Eltern negativ über Flüchtlinge reden oder Schwarze oder Schwule etc. Aber eben nicht mit gegenderter Sprache, wenn man, wie mein Kinderbeispiel ausführt, diesen Unterschied gar nicht erst macht. Wenn das Mädchen sagt, dass es Arzt werden möchte: Hat sie dann ein maskulines Weltbild?

    Sapir-Whorf: Vertreten Sprachfeministinnen den Ansatz für ihr Anliegen? Wäre möglich, da sie den Unterschied ab den 1980ern überhaupt erst einführten. Wie gesagt, die gegenderte Sprache schafft vielleicht irgendwann die Realität, dass man unterscheiden muss.

    Ich glaube, bei Sapir-Whorf geht es eher um verschiedene Sprachen.

    Energieverschwendung: Das ist doch eher ein netter Rat. Ich halte diese Sprachkritik (nicht jede!) für nicht zielführend, was Gleichberechtigung oder Rollenhinterfragung angeht. Wie gesagt, das ist eine vielleicht ungewollt elitäre Sprache und sie wird es bleiben, zumal es dort ja eine Unmenge an verschiedenen Schreibweisen gibt. Es gibt beispielsweise auch die Sitte, alle Nase lang Unterstriche einzuführen. Ab_hilfe, zum Beispiel. Was ist das denn nun wieder? Ist das noch gegendert oder schon etwas anderes?

    Ich bin im Thema Feminismus überhaupt nicht drin. Insofern ist mir der erste link oben zu kompliziert. Dazu kann ich nichts sagen, außer, dass es mir vernünftig erscheint, das Verhältnis von Feminismus zum Neoliberalismus zu thematisieren. Das Interview im zweiten link finde ich erhellend, Lustfeindlichkeit im Fordismus und im Postfordismus. Bemerkenswert für unser Thema ist, dass dort keine Notwendigkeit für gegenderte Sprache besteht. Problemfälle werden vermieden, „man“ wird benutzt. Die haben offenbar ein ganz vernünftiges Verhältnis zur Sprache bei sicherlich richtigem Bewusstsein.

    Allerdings ist die Frage, wie weit man es treibt. Die Interviewten reden zum Beispiel von „der Mensch“. Etymologisch (ich habe jetzt nachgeguckt) geht das auf einen indogermanischen Wortstamm zurück, in dem Mensch und Mann zusammenfiel (mennisch, mannhaft). Dann hat es sich zum geschlechtsneutralen Wort entwickelt. Ist doch schön, kann man so stehen lassen. Oder problematisieren, weil Mensch einmal mannhaft bedeutete und es jetzt vermeiden.

    Ich bin beruhigt, dass die beiden interviewten Frauen das nicht problematisieren, obwohl man einen Grund dafür nennen könnte.

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  45. besucher schreibt:

    Eine lange oder kurze Pause? Als Glottalstop? Das ginge ja im Deutschen…

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  46. genova68 schreibt:

    Das stimmt.

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  47. futuretwin schreibt:

    „Hast du mal bei che gepostet?“ Jep

    „Wenn das Mädchen sagt, dass es Arzt werden möchte: Hat sie dann ein maskulines Weltbild?“ Es entsteht ja meist ein geistiges Bild dazu. Und das ist hier das des Mannes im weißen Kittel.

    „Sapir-Whorf: Vertreten Sprachfeministinnen den Ansatz für ihr Anliegen?“
    Ich glaube nicht. Ich hab absichtlich ein Beispiel aus einem anderen Kontext genommen. Die Schiene dort wird eher (via Judith Butler) Austin und die Sprechakttheorie sein.

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  48. Muddoi schreibt:

    Bemerkenswert finde ich, dass die Fahrerin es NICHT geschafft hat, ihr vier Meter langes Fahrzeug in der sechs Meter langen Parklücke zu platzieren.

    Liebe Frauen, ich finde euch alles in allem betrachtet toll. Bedingt durch den geringeren Testosteron-Gehalt angenehm unaggressiv, verständnis- und liebevoll, oft klug und mit der fast allen Männern abgehenden Fähigkeit zum Kompromiss.

    Bitte akzeptiert aber: Parken könnt ihr in der Mehrzahl nicht.

    Aber es gibt schlimmere Defizite, z. B. Nekrophilie, Veganismus oder eine Mitgliedschaft in der FDP.

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  49. futuretwin schreibt:

    Ich kann auch nicht einparken.

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  50. hANNES wURST schreibt:

    Ich kann auch gut einparken, jedenfalls wenn meine Frau mich ordentlich dabei anschreit.

    So enden alle vornehmlich von Männern geführten Diskussionen über Aspekte des Feminismus. Irgendwann beklagen alle nur noch was für eine schlimme Frau sie haben oder dass sie keine Frau abbekommen oder dass sie gerne eine Frau wären.

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  51. genova68 schreibt:

    Nekrophilie muss nicht schlimm sein, wenn der Tote zu Lebzeiten sein Einverständnis gegeben hat. Bitte keine Vorverurteilung.

    Muddoi, auf dem Anwohnerinnenparkplatz dürfen auch Männer parken. Wer hier also schlecht einparkt, entzieht sich unserer Kenntnis. Vielleicht futuretwin.

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  52. Muddoi schreibt:

    Ach, tatsächlich, da dürfen auch Männer parken?

    Interessant, dann handelt es sich hier also um ein Beispiel dafür, welch sprachliches Unheil ein falsch verstandener Feminismus anrichten kann.

    „Anwohnerinnenparkplatz“ heißt im üblichen Sprachgebrauch, dass er nur von Frauen benutzt werden darf. Es fehlt halt bislang die Übereinkunft, dass die weibliche Sprachform für beide Geschlechter verwendet wird.
    Und die alten Herren vom Duden werden einen Teufel tun, das zu ändern.
    Gott sei Dank.

    Aber vermutlich wurde das in den meinem ersten Kommentar vorhergehenden 47 Beiträgen bereits ausführlich diskutiert.
    Als erfolgreiche Finanzbrokerin fehlt mir jedoch die Zeit, das alles zu lesen.

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  53. genova68 schreibt:

    Muddoi,
    ich stimme allem zu, was du schreibst, insbesondere dem hier:

    Aber vermutlich wurde das in den meinem ersten Kommentar vorhergehenden 47 Beiträgen bereits ausführlich diskutiert.

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