U-Bahn-Bau in Berlin: Senat gibt Steuerverschwendung offen zu

Der Berliner Verkehrssenator Andreas Geisel am Wochenende:

„Wenn wir den Autoverkehr in der wachsenden Stadt Berlin zurückdrängen wollen, dann geht das nur, wenn wir den Nahverkehr ausbauen. Dazu gehört auch die Straßenbahn. Man muss nur einmal die Baukosten vergleichen: Ein Kilometer Straßenbahn kostet 10 Millionen Euro – ein Kilometer U-Bahn 300 Millionen Euro“, sagte Geisel dem Tagesspiegel.

Blöd nur, dass der Senat derzeit eine 2,2 Kilometer lange U-Bahn vom Brandenburger Tor zum Alexanderplatz baut – darüber befindet sich eine der breitesten Straßen der Stadt, Unter den Linden, oder komplett unbebautes Gebiet. Es gibt keinerlei Notwendigkeit, ausgerechnet dort keine Straßenbahn zu bauen – abgesehen vom mutmaßlichen Druck der Bau- und Autolobby. Seit 2009 wird an der Strecke gebaut, es gibt naturgemäß Komplikationen mit Grundwasser und anderem, die Strecke soll nach derzeitigen Planungen 2020 eröffnet werden. 2,2 Kilometer in elf Jahren – eine Straßenbahn würde auf der Strecke schon längst fahren.

2,2 Kilometer – nehmen wir Geisel beim Wort. Eine Straßenbahnlinie würde 22 Millionen Euro kosten, die U-Bahn rund 660 Millionen Euro. Aktuell geht man noch von rund 525 Millionen Euro aus. Wir haben es also mit einer nun offiziell zugegebenen Steuerverschwendung von mehr als 600 Millionen Euro zu tun. Man stelle sich vor, was man mit dem Geld für die Mobilität, wie man heute sagt, sinnvolles hätte machen können.

Der amtierende Regierende Bürgermeister Michael Müller von der SPD war früher übrigens Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, auch davor war das Amt seit Ewigkeiten in den Händen der SPD.

Dass U-Bahnen nicht mehr zeitgemäß sind, hat beispielsweise Frankreich schon in den 1980er Jahren erkannt. Marseille, Straßburg, Paris, Nantes, Grenoble, Nizza: Dort sprießen Straßenbahnen aus dem Boden. Die Berliner Politik braucht bis 2015, um solch wahre wie selbstverständliche Sätze wie den da oben zu sagen.

Nett, dass Geisel den Senat so offenherzig outet – entweder als bislang komplett dämlich oder als korrupt.

Die Jungs und Mädels können es sich aussuchen.

 

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2 Antworten zu U-Bahn-Bau in Berlin: Senat gibt Steuerverschwendung offen zu

  1. besucher schreibt:

    U-Bahnen sind in dichtbebauten Städten schon zeitgemäß: Im Gegensatz zu einer Straßenbahn die sich um alle Ecken schlängeln muss. Eine Straßenbahn lohnt sich eigentlich nur auf Strecken auf welchen so gut wie kein anderer Verkehr stattfindet.

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  2. genova68 schreibt:

    Wenn oben kein Platz ist, sind sie sicher zeitgemäß. Aber über die Kostenunterschiede – Faktor 30 – kann man nicht hinweggehen. Und es geht natürlich auch um Verkehrsverlagerung.

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