Karl Marx und die größte Zeitung der Welt

Isaiah Berlin schreibt in seiner Biographie über Karl Marx (England 1938) über die Zeitung New York Daily Tribune, für die Marx schrieb:

„Die New York Daily Tribune war ein radikales Blatt, Gründung einer Gruppe amerikanischer Anhänger Fouriers, hatte zu dieser Zeit eine Auflage von 200.000 Stück und war damit vermutlich die größte Zeitung der Welt. Ihre Einstellung war weitgehend fortschrittlich: in internen Angelegenheiten verfolgte sie eine sklavereifeindliche freie Handelspolitik, während sie auf dem ausländischen Sektor das Prinzip de Autokratie angriff und damit im Gegensatz zu praktisch jeder europäischen Regierung stand. Marx, der jedes Angebot kontinentaler Zeitungen hartnäckig zurückwies, da er deren Tendenz für reaktionär hielt, nahm dieses bereitwillig an.“ (deutsche Ausgabe 1958, S. 209 f.)

Kaum zu glauben. Die größte Zeitung der Welt unterstützte die Ideen des Antikapitalisten und Frühsozialisten Charles Fourier (die man sich ansatzweise im französischen Guise angucken kann). Fourier propagierte die freie Liebe, kommunenmäßiges Wohnen, ein Begründer feministischen Denkens, ein Revolutionär.

Das wäre in etwa so, als wenn die Bildzeitung (was die Auflage angeht) die Kommunistische Plattform hypen würde.

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