Was noch? IX

1. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, in der Berliner Zeitung zu Initiativen, die die Mieten bezahlbar halten wollen:

„Wer Mieten auf fünf Euro pro Quadratmeter deckeln will, muss sagen, wie das finanziert werden soll.“

Es ist ein typisch sozialdemokratischer Verblendungssatz. Aber wir helfen gerne: Für fünf Euro lässt sich spielend kostendeckend bauen, inklusive einer Lohnerhöhung für die Bauarbeiter. Das Problem sind Bodenspekulation und Rendite. Würde Müller verstehen, dass man ein Stück unbehandelten Boden nur unter bestimmten Herrschaftsverhältnissen auf einen Millionenwert aufblasen kann, wäre der Mann erkenntnismäßig einen großen Schritt weiter. Und nicht mehr Mitglieder der SPD.

Also, Müller, jetzt weißt du Bescheid. 1.: Bodenfrage neu regeln. 2.: Bauen. 3. Aus der SPD austreten.

Da Müller sich bekanntlich vor allem für die Rendite des Kapitals interessiert, werden ihn meine Vorschläge nicht interessieren. Ein waschechter Sozialdemokrat halt.

2. Der Trendforscher Matthias Horx im Focus über „Beziehungen der Zukunft“:

„Wir werden mehr Beziehungsvielfalt erleben, mehr Individualisierung der Liebe. Im Lauf unseres Lebens werden wir im statistischen Durchschnitt fünf bis 20 Partnerschaften durchleben, statt wie unsere Großeltern nur eine oder maximal zwei.“

Mich würde interessieren, wie Horx auf die Zahlen fünf bis 20 kommt. Nicht doch vielleicht vier bis 19? Oder sechs aus 49? Wie findet man sowas raus? Hat er eine Umfrage in einer Kita durchgeführt? Lineare Fortschreibung? Der Focus fragt nicht nach.

Vielleicht steht die Antwort in Horxens 2013 erschienenen Buch „Zukunft wagen: Über den klugen Umgang mit dem Unvorhersehbaren.“ Geilomat. Daniel Dettling hat es in the european besprochen und findet:

„Zukunft wagen“ ist ein nachdenkliches, bisweilen autobiografisches Buch“

Nachdenklich ist immer gut. Dettling ist ebenfalls „kreativer Vordenker“ und wurde vor ein paar Jahren von lobbycontrol als „Skandallobbyist“ bezeichnet.

Skandalnudeln unter sich.

3. Auf ähnlichem intellektuellem Niveau arbeiten auch zwei sogenannte Journalisten der ehrwürdigen FAZ. Zum einen Jasper van Altenbockum, der Experte der FAZ für Durchblick in gesellschaftlichen Fragen. In Bezug auf die Pro-Homoehe-Entscheidung der Iren, die den deutschen Verfechtern der Homo-Ehe Auftrieb gibt, schrieb er kürzlich unter der Überschrift „Die Verfechter der klassischen Ehe ziehen sich zurück“:

„Die Verfechter der klassischen Ehe … haben es offenbar akzeptiert, sich in eine Nische zurückziehen zu müssen, in der nur hinter vorgehaltener Hand über die erstaunlich weitverbreitete Tradition geredet wird, dass Mann und Frau dazu gehören, ein Kind zu zeugen.“

Die klassische Ehe ist die zwischen Mann und Frau. Die ist jetzt also gefährdet. Wahrscheinlich will die böse Schwulenlobby den Heteros das Heiraten verbieten (Achtung: shitstorm!!!1!). Und wir Normale müssen nun schwul und lesbisch werden oder im Untergrund heiraten. Es scheint so zu sein, wenn man nur noch im Geheimen erklären darf, wie ein Kind gemacht wird.

Und zum anderen der FAZ-Blogger Alphonso. Der meinte unlängst, wer in einem tweet darauf hinweist, dass sich Rechtsradikale – von der jungen freiheit bis zur NPD-Hausfrauenabteilung „Ring nationaler Frauen“ – ausgesprochen positiv über einen Artikel der Welt-Redakteurin Ronja von Rönne gegen Feminismus äußern, der wende „eine Methode totalitärer Regime, der stalinistischen Schauprozesse gegen Trotzkisten, Internationalisten und Konterrevolutionäre, der Kulturrevolution in China“ an.

Kann es sein, dass Alfonsens Vorstellungsgespräch im Büro von Altenbockum stattfand?

Es passt in den aktuellen Kulturkampf, wo jeder Standpunkt, den man als aufgeklärt bezeichnen könnte, zum Ergebnis linker (und bei Bedarf gerne schwuler) Übermacht dämonisiert wird. Ohne Feindbild geht bei rechten Nischenbrüdern nix.

Vermutlich sind die Ergüsse der beiden Kameraden aber nur verklausulierte Bewerbungsschreiben für die titanic.

Sind dort noch Posten frei? Ja? Dann ist ja alles in Ordnung. Vielleicht ist da auch Platz für Herrn Horx.

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2 Antworten zu Was noch? IX

  1. besucher schreibt:

    Der Altenbockum lebt auch in einem Paralleluniversum. Bestehend aus Opus Dei, Weihrauch und dem Donnerhall von Marschmusik.

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  2. genova68 schreibt:

    Ein schöner Dreiklang :-)

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