Gott sei Dank: 400 Jahre Ungewissheit gehen zuende!

Man kann gegen Berlins neues Stadtschloss sagen, was man will, aber einen unleugbaren Vorteil hat es gegenüber dem Altbau: Bei dem dauerte es 400 Jahre, bis er seine endgültige Gestalt gefunden hatte, über Generationen blieben die Berliner und ihre Gäste im Ungewissen über den die Stadt doch nachhaltig prägenden Palast. Diesmal geht es geradezu ruckzuck, und man kann dem Schloss beim Wachsen zusehen, ohne selbst dabei Rost anzusetzen.

Nee, Andreas Conrad im Tagesspiegel, niemand blieb im Ungewissen, weil sich niemand nach dieser Gewissheit sehnte. Das Schloss war eine work in progress, das nach Bedarf umgebaut und erweitert wurde. Alles hatte seinen Sinn.

Wie stellt sich das Herr Conrad vor? Meint er, dass „die Berliner“ 400 Jahre etwas wissen wollten, was sie nicht erfahren konnten? Nämlich, wie der Klotz in 400 Jahren einmal aussehen wird? Die ungewissen Berliner waren 400 Jahre lang besorgt ob der Ungewissheit des Prägenden, das nur die Ungewissheit prägte.

Ein 400 Jahre im Ungewissen bleibendes Völkchen: Ein Fall für die Couch.

Lustig, wenn Schlossbefürworter keine Ahnung von der Baugeschichte ihres Objekts der Begierde haben. Passt aber: Ein rechtes Walt-Disney-Schloss erfordert keinerlei Kenntnisse außer in Marketing, wenn es darum gehen wird, dem unaufhörlichen Strom an Mittedünnbrettbohrertouristen per Bandansage die Vorteile des Kastens zu erklären. 400 Jahre Ungewissheit sind vorbei, wird es dann heißen, dank des aktuellen Establishments.

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