Von palästinensischen Raketen und israelischen Schlägern

Ofri Ilany ist israelischer Jude und lebt in Berlin. Er demonstrierte dort letztes Jahr gegen den Krieg im Gaza-Streifen. Im Interview mit der Berliner Zeitung (6. 5.) sagte er nun, seinen linken Freunden in Israel sei er damit nicht in den Rücken gefallen:

„Die hatten doch mehr Angst vor rechten Schlägern als vor Raketen aus Gaza.“

Eine knappe, aber vermutlich interessante Perspektive, weg von den nationalen und religiösen Konfliktlinien. Vielleicht sollten sich rechte Juden und rechte Palästinenser irgendwo in der Wüste treffen und sich auf die Nasen hauen.

Ilanys Satz passt unfreiwillig zu dem Bericht des israelisch-amerikanischen Autoren Tuvia Tenenbom aus dem vergangenen Sommer in der Zeit. Er beschrieb dort, wie er – statt in den Keller zu gehen – während eines palästinenischen Raketenangriffs den Balkon seiner Jerusalemer Wohnung betrat und fasziniert in den Himmel schaute, wo die israelische Luftabwehr die Raketen zuverlässig zerbröselte. Tenenbom fühlte sich als Opfer und merkte nicht, dass er einen komplett asymmetrischen Krieg beschrieb. Dazu: Keinerlei Empathie mit den wirklichen Opfern, zu denen er eben nicht gehörte, sondern nur ein scheinbar naturwissenschaftliches Interesse an Empirie.

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7 Antworten zu Von palästinensischen Raketen und israelischen Schlägern

  1. Nazienkel schreibt:

    Das klingt so, als ob der asymetrische Krieg von Israel ausginge – als ob die Hamas harmlose Raketen verschießt. Zur Erinnerung: Es gibt und gab auch israelische Opfer in diesem ‚asymetrischen‘ Krieg. Worin liegt das asymetrische? Darin, dass die eine Regierung finanzielle Mittel anstrengt, um Bunker zu bauen und (dezentrale) Verteidigungsanlagen zu bauen. Die andere wiederum stattet Schulen mit Abschussrampen aus, lässt (bevorzugt Kinder) Angriffstunnel bauen.

    Eine Simplifizierung zu ‚rechten Juden und rechten Palästinensern‘ wird der Sache, finde ich, nicht gerecht.

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  2. Nazienkel schreibt:

    PS: http://m.tagesspiegel.de/politik/nahost-konflikt-israeli-stirbt-bei-raketenangriff-aus-dem-gazastreifen/10223760.html?utm_referrer=

    Die Hamas trifft ja pikanterweise auch palästinensische Israelis, die sie vorgeben ‚befreien‘ zu wollen.

    Und nochmal: Die einen können in Bunker gehen, bei den anderen sind Bilder getroffener Zivilbevölkerung erwünscht. Das ist doch das tragische. Free Palestine from Hamas – so wird ein Schuh draus…

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  3. genova68 schreibt:

    Die palästinensischen Raketen Richtung Jerusalem und Tel Aviv waren harmlos. Die, die niedergingen, erreichten nur unbewohntes Gebiet. Um alles andere ging es mir nicht.

    P.S.:
    Die einen können in Bunker gehen

    Sie müssen nicht in den Bunker gehen, das ist der Punkt.

    Und in deinem Zeitungsbericht geht es nicht um Jerusalem oder Tel Aviv, sondern um einen Ort nahe des Gaza-Streifens.

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  4. Garfield schreibt:

    Naja, daß sie nicht in den Bunker müssen, halte ich für ne leichte Verharmlosung. Auch wenn das seit Iron Dome wohl mehr symbolische Aktionen sind (Stärkung der eigenen/ Untergrabung der gegnerischen Moral, in manchen Städten läuft der Alarm ja fast ununterbrochen) – immerhin jede 16. Rakete geht durch, ich will nicht daneben stehn wenn die landet.

    Aber „Free Palestine From Hamas“ ist auch schön gesagt. hätte Israel die letzten Jahre nicht alles mögliche unternommen um die Hamas zu stärken, könnte vllt sogar was draus werden.
    Nur hab ich das Gefühl, die beiden brauchen sich im Grunde gegenseitig.

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  5. Garfield schreibt:

    PS: das hier wollte ich eigtl unter „Moral“ verlinken; der Artikel zeigt aber gleichzeitig, wie verschieden die Relationen i.d. Region sind:

    Sollen wir unser Vertrauen in den Iron Dome setzen?
    Das kann nicht richtig sein. Denn kein Land mit Selbstachtung würde zustimmen, dass seine Bürger ihr Leben als lebendige Zielscheiben verbringen. […]
    Nichts ist erreicht, solange nicht jede einzelne Hamas Rakete zusammen mit jedem einzelnen Terroristen, der diese Raketen abfeuert, eliminiert worden ist.

    Ich kann verstehn daß die Situation abnervend ist – nur muß man sich mal vor Augen halten, daß es dem Autor um’s Prinzip geht, nicht in Schutzräume rennen zu müssen – während die andern nicht nur keine Schutzräume hatten, sondern zum Zeitpunkt des Artikels nicht mal mehr Häuser, aus denen sie flüchten konnten.

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  6. genova68 schreibt:

    Naja, daß sie nicht in den Bunker müssen, halte ich für ne leichte Verharmlosung. Auch wenn das seit Iron Dome wohl mehr symbolische Aktionen sind…

    Ist das eine contradictio in adjecto? Ich bitte um die Erläuterung eines gestandenen Sprachwissenschaftlers. Der Blog soll ja schließlich Mehrwert bringen.

    Volle Zustimmung zum zweiten Kommentar, Garfield. Jemand, der alle bis auf den letzten Mann eliminieren will, ist vermutlich ein von Hass zerfressender Mensch.

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  7. Garfield schreibt:

    für „contradictio in adjecto“ brauchte ich kurz selbst mal nen Sprachwissenwaschtler – war da ein Widerspruch?

    wie gesagt: nicht jede Rakete wird abgefangen*, wenn Raketen nicht auf bebautem Gebiet runtergehn wird’s aus Kostengründen wohl gar nicht erst versucht*, das System fällt auch schonmal komplett aus – wenn man kein Adrenalinjunkie ist, könnte es also schon angebracht sein den Schutzraum aufzusuchen.
    Nerven kostet der Alarmzustand natürlich in jedem Fall; die Hamas kann ihren Leuten zeigen, daß sie noch nicht „müde“ ist

    *) laut Focus 1 von 16, laut anderen Quellen sogar nur 1 von 10 (abnehmend/Größe geschütztes Gebiet) – auf Dauer gerechnet geht da schon einiges durch

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