Was noch? I

Dies ist eine neue Rubrik in unserem sympathischen Familienblog, eine weitere, die vermutlich nach der ersten Folge in Vergessenheit geraten wird. Aber seien wir nicht pessimistisch.

Bei der taz heißt die analoge Rubrik „Was fehlt“.

Es sind Bemerkungen aus meinem kleinen blauen Heftlein, in das ich hin und wieder unterwegs etwas reinschreibe, um es sogleich zu vergessen. Einmal pro Jahr schaue ich im blauen Heftlein nach, was ich hineingeschrieben habe. Und bin dann immer ganz erstaunt, wie viel Lesenswertes ich darin finde.

1. Wie heißt die provizielle Bauchrednerkunst aus der Zeit des Faschismus? Synchronisation. Wo habe ich das gelesen? Vergessen. Warum kommt mir jetzt Adorno in den Sinn?

2. Kapitalismus ermöglicht die Einbringung von „Natur“ in die Gesellschaft, nämlich in Form von Sozialdarwinismus, schreibt Joseph Vogl in „Das Gespenst des Kapitals“, S. 47. Natur statt Moral, Natur in Form von „Wirtschaft“. Es ist eine bekannte Form von Selbstentlastung. Um die Moral können wir uns leider nicht kümmern, weil die Natur immer recht hat. Auch eine Gemeinsamkeit von Faschismus und Kapitalismus.

3. Maria Callas hat Bandwürmer gegessen, um abzunehmen. Wobei das erst später klappt. Solange die Bandwürmer fressen, ändert sich am Gesamtgewicht nichts, denn sie befinden sich IM Körper. Erst nachdem Frau Callas die Würmer ausgeschieden hat, verringert sich ihr Gewicht. Wie viel frisst und wiegt eigentlich ein Bandwurm? Und wie viele davon muss man sich einverleiben, wenn man abnehmen will? Fragen, die vermutlich in den Foren von brigitte.de diskutiert werden. Will man ernsthaft abnehmen, müssen mindestens fünf Kilo weg. Nehmen wir an, Frau Callas hat fünf Bandwürmer gegessen bzw. im Magen, die erst fast nichts wiegen und sich dann auf jeweils ein Kilo hochfressen: eine unangenehme Vorstellung. Dann geht sie einmal aufs Klo und ist fünf Kilo leichter und die Kloschüssel rappelvoll. Die leben noch. Das könnte eine drogenmäßige Wirkung haben, auch auf den Geist. Könnte. Da ist mir der Hackfleischficker von vor ein paar Tagen lieber.

4. Irgendwo beim Vorbeifahren gesehen: Wie kürzt man den Platz der Deutschen Opfer des Faschismus ab? Platz der D. Opfer D. F.

Kein Scherz.

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7 Antworten zu Was noch? I

  1. eb schreibt:

    Ui, – seh ich da eine leichte Resignation gegenüber einem bildungsbedingtem Gesamtniveau und Tiefenverständnis? Mein Tip, – geh von unten aus. Vom Dschungelcamp nach oben, – ist so gut wie alles offen :-)

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  2. genova68 schreibt:

    Nö, keine Resignation. Im Grunde ist mir alles egal, Politik sowieso. Es fällt halt nur so viel auf, wenn man sich ein wenig in der Welt bewegt. Aber danke der Nachfrage.

    Was ich noch nie verstehen konnte: Vor etwas Angst zu haben, was mich nicht direkt betrifft. Es soll Leute geben, die haben Angst, neben einem AKW zu wohnen.

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  3. altautonomer schreibt:

    Wenn Rainer Calmund abnehmen möchte, schneidet er sich die Fingernägel und rasiert sich.

    Nur für den Fall, dass ich die Ironie nicht erkenne oder Du nicht provozieren willst:

    http://www.contratom.de/2013/12/02/mehr-krebsfalle-um-das-akw-hamm-uentrop/

    PS.: Ich wohne in der Nähe von Hamm-Uentrop.

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  4. genova68 schreibt:

    „Ich wohne in der Nähe von Hamm-Uentrop.“

    Und? Hast du Angst?

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  5. altautonomer schreibt:

    Nö. Tumore wachsen langsam!;-)

    Hab außerdem lange Zeit vor dem Reaktor (Sonntagsspaziergänge der NRW-Anti-AKW-Inis) demonstriert.

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  6. genova68 schreibt:

    Ja, mit ging es nur um die Angst. Natürlich sollte man die Dinger abschalten (ich war seinerzeit Wackersdorfaktivist), aber die Wahrscheinlichkeiten von Krankheiten beim Normalbetrieb liegen deutlich unter anderen Gefahren: radfahren, autofahren, auf eine Leiter steigen etc.

    Interessant in dem Zusammenhang übrigens die Entwicklung von Holger Strohm (der heißt wirklich so): Er schrieb seinerzeit die Bibel „Friedlich in die Katastrophe“, dem glaubte man alles, 1000 Seiten über die Gefahren von Atomkraftnutzung, silberner Buchdeckel, muss noch irgendwo hier rumliegen.

    Jetzt ist er durchgeknallter Verschwörungstheoretiker: Chemtrails, Reichsbürger, Souveränität, NPD-Nähe das ganze Programm.

    Wie wird jemand so? Vielleicht braucht es nach jahrzehntelanger Arbeit als Kritiker eine Dosiserhöhung, um überhaupt noch Gehör zu finden oder auch, damit das eigene Leben weniger langweilig ist.

    Früher trug er immer Anzug und Krawatte, jetzt Blaumann:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Holger_Strohm

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  7. neumondschein schreibt:

    Maria Callas wurde zwar nicht leichter aber dünner, denn die Bandwürmer haben ihr alles weggefressen.

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