Zwei oder drei Dinge zu Charlie Hebdo

Zu den aktuellen Attentaten in Frankreich – bzw. zu den Reaktionen – fällt mir zweierlei ein.

1. Die nervigste Dauerbehauptung ist: Das hat nichts mit dem Islam zu tun. Das behaupten viele Politiker und die allermeisten Moslems. Es ist Quatsch. Religion ist immer das, was man draus macht. Ein widersprüchliches Buch wie der Koran hängt von der Interpretation ab. Und wenn hunderttausende weltweit den Koran als Aufforderung zur Gewalt verstehen, dann ist er eine Aufforderung zur Gewalt. Wenn dort in unzähligen Sätzen thematisiert wird, ob und wann und wie jemand getötet werden darf, dann ist Gewalt ein Teil dieser Religion. Das zu verschweigen, ist bequem, aber verlogen.

Es gibt im Islam ja schon immer im Wesentlichen zwei Auslegungen: Eine eher in Richtung Sufismus, spielerisch, körperbetont, bewusstseinserweiternd. Die andere puritanisch, menschen- und körperverachtend, hierarchisch, abwehrend. Erstere ist fast am Ende. Die Sufisten hatten einmal wo ihre meisten Anhänger? Man glaubt es kaum: In Saudi-Arabien. Dann kamen die anderen. Die sind weltweit seit vielen Jahren auf dem Vormarsch, die Gewalt im Namen der Religion stellt seit schätzungsweise 20 Jahren alle andere Gewalt auf der Welt in den Schatten. Man kann von islamischem Faschismus reden.

Ob der Islam von Gewalttätern lediglich instrumentalisiert wird oder nicht, ist also eine unerhebliche Frage. Der Islam lässt sich zumindest trefflich für Hass und Gewalt nutzen. Es wäre für die Dschihadisten vermutlich nicht möglich, sich auf Gandhi zu beziehen. Das geben seine Äußerungen nicht her. Dumme und primitive Menschen finden den Koran attraktiv. Fundamentalisten ähneln Verschwörungstheoretikern.

Was mich auch stuztig macht: Viele Moslems reden in einer umfassenden Seligkeit über ihren Propheten, in jedem Satz kommt dreimal das Wort Liebe vor. Solchen Leuten traue ich nicht, es sind Verdränger, denen früher oder später der Kragen platzt. Ein schönes Beispiel dieser Gattung ist der Islamfanatiker Özoguz  samt seiner konvertierten Frau vom Muslim-Markt. Sicher eine Randerscheinung, aber eine prägnante. Extremer Hass verbindet sich mit extremen Friedensbekundungen in einem Satz. Die Juden und die Amis sind das schlimmste auf der Welt, aber wenn die nicht wären, dann wäre die Welt das Paradies. Wer so gespalten daherredet, dreht permanent am Rad.

2. Die derzeitige Solidarisierung mit Charlie Hebdo ist nachvollziehbar. Je suis Charlie, okay. Die Karrikaturen aber sind dämlich. Es ist ein Protzen mit der eigenen Potenz, es ist ein Missbrauch von Meinungsfreiheit. Es ist bezeichnend, dass es vor ein paar Jahren in Bonn Rechtsradikale waren, die den Salafisten die Karrikaturen solange unter die Nase hielten, bis die durchdrehten. Wer verantwortungsvoll mit Meinungsfreiheit umgeht, verzichtet auf diese – auch zeichnerisch und künstlerisch billigen – Zeichnungen. Dass diese Charlie-Hebdo-Zeichner nun quasi vergöttert werden, ist eine typische Übertreibung in einer Aufmerksamkeitsökonomie. Vermutlich waren das eher dumme, aggressive Leute. Es wäre ja gerade der künstlerische Reiz, Religionen zu kritisieren, ohne gezielt zu verletzen. Das haben die Kameraden von Charlie Hebdo offenbar nicht hinbekommen, also holten sie den Hammer raus.

Diese Karrikaturen nutzen eine extreme Asymetrie und damit eine extreme Verletzbarkeit aus: Mich als nichtreligiösem Zeichner stört es nicht, mein Einsatz ist minimal, ich muss nur einen Stift halten können. Die Wirkung ist umfassend, weil ich gezielt Salz in eine Wunde streue, statt ins Essen. Und das vor dem Hintergrund der massenmedialen Verbreitungsmöglichkeiten heute. Solche Bilder werden prompt in vormoderne Gesellschaften geliefert.

Das ist keine Kunst. Es ist die Methode der Bild-Zeitung.

Hierzulande sind die Christen gottseidank nicht mehr so stark, dass man sie fürchten muss, zumindest in der Öffentlichkeit. Als 16-Jähriger bekam ich zu Weihnachten das Kleine Arschloch von Moers geschenkt. Meine strenggläubige Oma stand kurz vorm Herzinfarkt, aber sie hatte keinerlei Macht. Ich fand das Arschloch damals lustig, heute pubertär. Es ist billig. Und zwar, weil man sich bewusst ein Sujet herauspickt, bei dem nur eine bestimmte Gruppe von Menschen zu leiden hat, in dem Fall Gläubige. Die nerven zwar grundsätzlich, aber sie sind da, also nimmt man Rücksicht.

Wenn ich weiß, dass Millionen von Menschen die Veröffentlichung von herabsetzenden Bildern einer Figur als verletzend empfinden, lasse ich es bleiben. Alle Moslems, die sich in den vergangenen Tagem zum Thema geäußert haben, betonen, dass sie die Karrikaturen verletzen. Ausgerechnet in diesen Fällen von dem Recht auf Meinungsfreiheit zu reden, ist lächerlich. Meinungsfreiheit ist nur was für selbstreflexive, aufgeklärte Gesellschaften, also nix für uns. Ein Land, in dem ein volksverhetzendes Boulevardblatt die auflagenstärkste Tageszeitung ist, sollte sich kritische Gedanken zum Thema Meinungsfreiheit machen. Kostprobe aus einem Kommentar heutigen Bild am Sonntag. Die Chefredakteurin Marion Horn schreibt:

„Ich habe konkrete Ängste. Um unsere Werte. Um unsere Freiheit. Nicht nur die der Presse, sondern unserer ganzen Gesellschaft.“

Eine rechte Hetzerin hat Angst um Werte, die sie als unsere bezeichnet. Sorgt sie sich darum, dass die Bild demnächst nicht mehr volksverhetzen darf? Keine Angst, dazu wird es nicht kommen. In solchen Gossenartikeln liegt das eigentliche Problem. Und heute Abend, bei Jauch, darf der oberste Boss des Gossenblatts, Döpfner, seinen Sorgen Ausdruck verleihen, wie man sagt.

Wir freuen uns via  Mohammed-Karrikaturen nur darüber, dass wir es diesen Unterentwickelten da ordentlich geben können. Oder wir töten damit den letzten Rest an Irrationalem in uns, wenn wir es denen verbieten, irrational zu empfinden. Vielleicht ist es gar eine verdeckte Bewunderung von Leuten, die ein Tabu haben.

Es hat ja auch keinen aufklärerischen Effekt. Es führt nur zu Hass, sonst nichts. Wenn ich weiß, dass mein Nachbar beim Anblick gefesselter Frauen Gewaltwallungen bekommt, gehe ich nicht rüber und halte ihm entsprechende Fotos vors Gesicht.

Dass die westliche Welt allen Ernstes meint, ausgerechnet mit solchen Provokationen ihre Überlegenheit demonstrieren zu müssen, zeigt ihre machohafte Unreife. Es ist, wie gesagt, kein Wunder, dass ausgerechnet Nazis in ganz Europa sich seit Jahren begeistert auf diese Karrikaturen stürzen und sich als die Helden der Meinungsfreiheit aufführen. Es geht hier auch dem Westen um Hass, den er benötigt. Die Moslems sind dämlich genug, um das Spiel mitzumachen. Die derzeitige Kampagne für die Karrikaturen kann man auch als Sieg von Rechtsradikalen, von Hardlinern, interpretieren.

Würde man nun öffentlich und gemeinsam auf die weitere Veröffentlichung jedweder Mohammed-Karrikaturen verzichten, wäre das ein gutes Zeichen für Verständigung. Es wäre kein Sieg der Extremisten, es wäre ihre Niederlage, und zwar auf beiden Seiten. Sie hätten einen Grund weniger für die Produktion von Feindbildern. Aber wer will das schon? Und vielen kommen die Anschläge vermutlich ganz recht. Man spürt, wie das Pegida-Gesockse sich an den Toten aufgeilt. Das Zittern wegen einer Gefahr lässt einen zumindest spüren, dass man noch lebt. Tote zittern nicht.

Was kann Feindbildbesessenen Schöneres passieren?

Einigen wir uns darauf: Monotheistische Religionen sind latent faschistisch, das zeigen sie täglich. Um von dieser zersetzenden Droge wegzukommen, benötigt man einen Ersatzstoff. Bislang gibt es nur Methadon, in Form von Konsum, von warenförmiger Leere.

Es gälte, für die Süchtigen ein adäquates Substitut finden.

P.S.: Französische Karrikaturisten, auch Überlebende der Redaktion von Charlie Hebdo, haben sich eindeutig zu Pegida positioniert: Es sind Schweine und Aasgeier, die Blut wittern. Mal sehen, ob diese Gestalten heute Abend wirklich Trauer vortäuschen.

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34 Antworten zu Zwei oder drei Dinge zu Charlie Hebdo

  1. Nazienkel schreibt:

    Starker Text. Auch mich Nerven die Stimmen, die die Religion von Gelichter Verantwortung befreien. Ebenso wie die, die alle Muslime über einen Kamm scheren.

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  2. hANNES wURST schreibt:

    „Es gälte, für die Süchtigen ein adäquates Substitut finden.“ Wie wäre es mit Stalinismus, Nationalsozialismus oder der Chuch’e-Ideologie? Kommen allesamt ohne Monotheismus aus (jedenfalls ohne tradierten), sind also gut.

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  3. summacumlaudeblog schreibt:

    Dass gehemmt-aggressives Verhalten Ausdruck eines fundamental-religiösen Überbaus ist – wer wollte das bestreiten.
    Allerdings steht die Behauptung im Raum, dass der ISIS den gesamten Islam repräsentiert, so wie einst sich die deutsche Gesellschaft in Adolf Hitler ausgedrückt sah. Hitler hatte in Hochzeiten („Anschluß“ Österreichs März 38, Münchener Abkommen September desselben Jahres, Sieg gegen Frankreich 1940) eine geschätzte Zustimmungsquote von – na sagen wir – 80 % in der Bevölkerung (sehr deutschfreundlich geschätzt). Überträgt man diese Quote auf den ISIS, so wären 1,1 – 1.3 Milliarden (!!!!) Mohamedaner Anhänger dieser fundamentalistischen Richtung. Das deckt sich nun weißgott nicht mit der Wirklichkeit. Was nicht heißt, dass die traditionelle Richtung des Islam diesbezüglich absolut immun wäre. Nur aktuell ist ISIS noch in der Minderheit – und soll das auch bleiben.

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  4. Irrelevant schreibt:

    „Monotheistische Religionen sind latent faschistisch, das zeigen sie täglich.“

    Jedwede übersteigerte Ideologie (auch übersteigerter Nationalismus, Kommunismus, u.a.) ist latent faschistisch, Religionen sind nur eine Unterkategorie hiervon.
    Nicht nur Anhänger von monotheistischen Religionen sind zu Gewalt fähig, siehe u.a. den Hindu-Nationalismus/Verfolgung/Ermordung von Angehörigen der muslimischen Minderheit in Indien).

    „Dass die westliche Welt allen Ernstes meint, ausgerechnet mit solchen Provokationen ihre Überlegenheit demonstrieren zu müssen, zeigt ihre machohafte Unreife.“

    Interessant: Ausgerechnet die USA haben sich in der Vergangenheit sehr zurückgehalten was die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen angeht. Ich finde man kann „die westliche Welt“ nicht über einen Kamm scheren. Jedes Land hat eine andere Kultur und Tradition was Religion/Karikaturen angeht. Man muss immer abwägen zwischen Meinungsfreiheit und den Gefühlen die man verletzen könnte. Das ist nicht leicht, gelingt nicht immer aber meistens dann doch. Schlimmer als ein paar Karikaturen die in Zeitschriften mit einer Mini-Auflage veröffentlicht wurden ist aber etwas anderes: Erstens ob Menschen mit Migrationshintergrund/ausländisch klingenden Namen/Aussehen im Alltag diskriminiert werden oder nicht. Zweitens ob diese Menschen oder andere Minderheiten „einem herabsetzenden Generalverdacht“ ausgesetzt werden, so wie z.B. Sarrazin das in seinem Bestseller getan hat.

    Zurück nach Frankreich: Die Muslime leiden dort wahrscheinlich wesentlich stärker unter der alltäglichen Diskriminierung aufgrund ihres Aussehens/Namens/Wohnort (Banlieus) als unter den Karikaturen in einer kleinen Zeitschrift mit einer vergleichsweise vernachlässigbaren Auflage.

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  5. Chris(o) schreibt:

    Aus dem ganzen Wust der Berichterstattung habe ich 2 Artikel für würdig befunden auf meinem „Schreibtisch“ zu landen.Beide sind aus der FAZ, darunter den von B.- H. Levy vom 9.Januar, der auch vor dem Hintergrund des jüdischen „Exodus“ aus Frankreich zu lesen ist und den von Nils Minkmar vom 11.Januar „Die Schüsse der Terroristen galten einem Prinzip.“ Letzterer beschreibt sehr gut die Seelenlage der Franzosen und die Bedeutung des Satiremagazins für deren kollektives Selbstverständnis.

    Im übrigen geht es ja nicht um das „Wie“ einer Satire, über das man trefflich streiten kann und das im Fall von Charlie Hebdo gewiss nicht meinen Geschmack trifft. Es geht darum, dass die geeigneten Mittel, seine Empörung zu äußern (über Geschmacklosigkeit u.a.) nicht im Abschlachten zu sehen sind.Die Stifte, die überall jetzt eine große Rolle spielen, zielen doch darauf ab, nicht nur die Freiheit der Meinung, sondern auch die Art und Weise auszudrücken, wie man seiner berechtigten oder unberechtigten Empörung Luft machen kann:durch Schreiben oder Zeichnen oder Demonstrieren oder Anzeigen………….

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  6. genova68 schreibt:

    summa,
    also ich zumindest behaupte nicht, dass der ISIS den Islam repräsentiert. Wer macht das außer die üblichen Nazis wie PI?

    Ich finde nur problematisch, in diesem Zusammenhang mit einem Begriff wie Minderheit zu arbeiten. Der ganz überwiegende Teil der Muslime ist friedlich, heißt es oft. Was soll ich mit dieser Information anfangen? Von 1,3 Milliarden sind nur 300 Millionen Terroristen, könnte das heißen. Ein schwacher Trost.

    Irrelevant,
    ja, sehe ich alles genauso. Die USA müsste man sich da genauer anschauen, offenbar gehen die mit dem Religionsding anders um. In Frankreich ist die Situation wohl schon lange härter.

    Vor ein paar Jahren bin ich einmal von der Polizei aus einem Banlieue-Viertel von Paris herauseskortiert worden, weil die der dringenden Meinung waren, dass ich mich dort auf keinen Fall aufhalten solle wegen meiner Sicherheit, Kamera baumelte um den Hals. Dabei schaute ich mir nur interessante Sozialwohnungsarchitektur an (Bofill, Abraxas) und es war, so meine Beobachtung, alles entspannt. Aber die kamen gleich zu dritt im Auto angebraust und genau DAS sorgte dann für Aufregung. Aber die Szenerie war eindeutig: Eine No-Go-Area, wo die Polizei aufgegeben hat. Und die können oder wollen das nicht mehr ändern.

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  7. genova68 schreibt:

    Chris,
    die aktuelle Solidarität bzw. deren Bekundung ist sicher richtig und notwendig. Solche Attentate können auch zum Zusammenschweißen führen. Es sind die richtigen Zeichen. Es dürfte nur auf Dauer nichts bringen, weil das nur Oberfläche ist. In Frankreich ist wohl ein lange existierendes Problem, dass es eine massive Elitenbildung gibt. Auch die sogenannten Sozialsten kommen alle oder fast alle von Eliteschulen.

    In Paris könnte man auch den Städtebau im Kapitalismus als Verursacher sehen: In Paris hohe Mieten, außer im 19. und 20. Arrondissement nur noch Reiche, daneben abgehängte Banlieues, in die sich kein Fremder traut. Im Moment wird im Großraum Paris diskutiert, wie man den Verkehrsflow verbessern kann. Ergebnis: Mehr ÖPNV. Die beste Lösung wären die Trennung des Wohnungsmarktes von Profitinteressen, dann könnte man langfristig in die Nähe des Arbeitsplatzes ziehen. Ist hier aber ähnlich, wenn man sich Köln anschaut, denke ich, oder? Teure Mieten in der Stadt und jeden Tag verstopfte Straßen im Berufsverkehr.

    Das ist ein etwas anderes Thema, aber die soziale Mischung wäre ein wichtiger Punkt, um Parallelgesellschaften zu vermeiden. Geht im Kapitalismus nicht. In Berlin ist das fast alles noch durchmischt, aber Wowereit hat ja schon viel dafür getan, dass wir irgendwann Banlieue-Verhältnisse kriegen. Dem ist der Profit der Grundeigentümer wichtiger. Solche Fragen gehörten thematisiert. Eine bei Hollande untergehakte Merkel kommt gut rüber, aber nur für ein paar Tage.

    Das gleiche gilt für die unselige Politik des Westens, ohne den es weger al kaida noch ISIS gäbe. Und In Libyien reift gerade die nächste Katastrophe heran.

    Die Bleistiftbilder finde ich auch wichtig, aber es ist eben alles Oberfläche, Aktivismus im Moment, der bewegt wird von der Tat. Der Mensch hat eine aggressive Veranlagung. Dem kannst du nicht einfach sagen, dass er doch bitte zeichnen möge. Das ist alles eine Frage der Umstände.

    Apropos: Ich habe mir vor ein paar Tagen die Biographie von Saddam Hussein angeschaut: Bei dem ging wirklich alles schief: Abtreibungsversuch der Mutter, dann Selbstmordversuch, sein Bruder starb vor seiner Geburt an Krebs, nach der Geburt weggegeben, massive Gewalt der Stiefeltern und des Umfeldes, er ist als Junge angeblich nie ohne Eisenstange aus dem Haus gegangen, um sich verteidigen zu können, Gefängnisaufenthalt schon in der Jugend und so weiter. Der hätte dringend eine Therapie gebraucht, dann hätte es vielleicht weniger Katastrophen gegeben.

    So einem kannst du von zeichnen viel erzählen.

    Auch eine Variante des Themas Autoritäre Persönlichkeit.

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  8. summacumlaudeblog schreibt:

    Na, der Zungenschlag in der öffentlichen Debatte geht schon in diese Richtung: Mit dem unvermeidlich behaupteten Sprechverbot! Man dürfe das – naklar – nicht mehr sagen, aber es sei ja so, dass ISIS etwas mit dem Islam zu tun hat. Wer bestreitet das? Nur repräsentiert ISIS den Islam natürlich nicht. Das war meine Wortwahl: Der Islam als eine terroraffine Religion? Ja! Aber alleinige Repräsentation dieser Religion durch ISIS? Natürlich nicht. Ärgerlich finde ich das Abqualifizieren von Reaktionen aus dem geistlichen Lager des Islam, die ja mehrheitlich deutlich die Morde verurteilten. Ein unglaubwürdiges Lippenbekenntnis, so hieß es in der FAZ.
    Da fällt mir ein: Was würden wir eigentlich denken, wenn man uns mit der Behauptung konfrontiert, der NSU würde Deutschland repräsentieren? Und unser Ablehnen dieser antiislamischen Mordbande sei ja nur ein Lippenbekenntnis. Weil die Kamera gerade läuft.

    Coole Aktion übrigens von den überlebenden Hebdo-Zeichnern, sich in einer öffentlichen Erklärung bereits im Vorfeld nicht von Dresden vereinnahmen zu lassen. Fühle mich mit meinem Posting vom 08.01. da ein wenig bestätigt. Ich gebe zu: Da hatte ich ein wenig Bedenken, das so unmittelbar nach dem Terrorakt zu posten. Man hätte böswillig unterstellend meinen können, meine einzige Sorge war und ist das Bild vom Islam. Stimmt aber nicht.

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  9. genova68 schreibt:

    Ja, wir haben da keinen Dissens, denke ich.

    Die Hebdo-Zeichner und Pegida, tolle Aktion. Die Karrikaturen lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Mal sehen, ob die Schweine und Aasgeier nun immer noch einen Trauerflor tragen werden.

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  10. hANNES wURST schreibt:

    @genova: Das ist eine Hyäne, kein Schwein.

    Ich halte Deine Ausführungen unter 1) für insgesamt falsch. Menschen verdienen stets eine Einzelbetrachtung und keine Eingruppierung, schon gar nicht eine Eingruppierung bezüglich ihrer Herkunft, Ihres Volkstums und ähnliche Eigenschaften, die Ihre Identität ausmachen und nicht ohne weiteres abgelegt werden können. Außerdem sind diese Gruppierungen äußerst unscharf, oder muss sich jeder revolutionär und links eingestellte der RAF beiordnen lassen? Es geht hier um kaltblütig ausgeführten Mord und was die Menschen so auf die Palme bringt ist die Tatsache, dass sie die Motive nicht nachvollziehen können und das macht ihnen Angst. Schon geht das Gehirn und und kreist die Gefahrenquelle ein – es drängt sich die islamische Kollektivhaftung auf. Was man kennt das kann man auch bekämpfen, das ist der einzige Grund weshalb im Westen ein Identifizierung von Terror und Islam stattfindet.

    In Wahrheit geht es hier um mehrfachen Mord aus politischen Motiven. Keiner spricht es aus, aber die Karikaturen sind Nebensache. Die Besucher eines Supermarkts wurden ebenso Opfer wie die Karikaturisten. Die eigentlichen Gründe sind die ständige Drangsalierung der Regionen, in der mehrheitlich muslimische Menschen leben. Man kann auch eine Atombombe über Salt Lake City abwerfen und sich hinterher über radikalisierte Mormonen beschweren, das entspräche ungefähr der Logik Deines Textes.

    Punkt 2) stimme ich weitgehend zu, die Karikaturen werden überbewertet, sowohl inhaltlich / ästhetisch als auch in Bezug auf die Kausalität des Anschlags. Das Meinungsfreiheit-Wehgeklage nervt, hier geht es nicht um die Verteidigung unserer Meinung (als wenn das z.B. den Meinungseinheitsbrei der deutschen Medien betreffen könnte, die zudem sowieso nicht alles drucken dürfen und noch weniger wollen) sondern es geht um den Umgang mit Terrorismus, dessen Motive man nicht verstehen will.

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  11. genova68 schreibt:

    Eine Hyäne, aha. Ich dachte bis eben, eine Hyäne sei ein fieser Vogel und das, was eine Hyäne ist, bezeichnete ich bis eben als Schakal. Zoologie war noch nie meins.

    Und was ist das ganz links? Ein Kojote?

    Natürlich blöd, wenn einem die grundlegenden Fähigkeiten fehlen, eine Karikatur zu verstehen. Ab sofort lese ich wieder Donald Duck.

    Zum Rest später.

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  12. hANNES wURST schreibt:

    Das ist ein Schabrackenschakal. Donald Duck ist eine Ente. Kommissar Hunter ist ein Hund – und jagt Verbrecher. Was ist Gustav Gans? Vorsicht, Fangfrage. Jedenfalls kann man aus den lustigen Taschenbüchern einiges lernen.

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  13. Chris(o) schreibt:

    In einem haben sich die Karikaturisten bei dem Hyänenbild aber geirrt.Die Hyäne sieht zwar nicht so aus, sie gilt aber als äußerst kluges Tierchen.
    Sie mit „Pegida“ zu identifizieren ist eine gemeine Verunglimpfung aller Hyänen.
    Nun, Genova, die Situation von Migranten im Großraum Paris und die exorbitanten Mieten im Stadtgebiet sind eine grauenhafte Fehlentwicklung.
    Davon sind aber alle „Normalverdiener“ betroffen.
    Die Situation hier in Köln ist noch moderat.Und wenn man die Möglichkeit hat, Prioritäten zu verschieben (z.B. Fahrrad anstelle von Auto) kann man noch überall wohnen.“Durchmischung“ ist aber in der Tat die einzige „humane“ Lösung für Wohnen im städtischen Raum.Mein Eindruck ist, dass das inzwischen auch erkannt wird und auch städtebaulich der Ghettoisierung entgegengearbeitet wird.
    Doch selbst die humanste Stadt und alle erdenklichen Bemühungen um eine „inklusive Gesellschaft“ werden uns nicht vor wahnsinnigen Terrorakten schützen.Die erlittenen Traumata der Täter werden nicht ausgehen und manchmal sind selbst die nicht als Erklärung heran zu ziehen.Vorbeugende Maßnahmen dienen unserer Beruhigung.Sie dämmen nicht den Terror ein, der findet, wie jeder Hass, immer wieder einen Feind.

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  14. walterfriedmann schreibt:

    Hat dies auf Walter Friedmann rebloggt und kommentierte:
    Satire

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  15. Pingback: Hat das was mit dem Islam zu tun? Der Anschlag auf „Charlie Hebdo“

  16. revisionist21 schreibt:

    Zum 1. Punkt: damit beschreiben Sie in etwa meine Position, vgl. hier: http://revisionist21.wordpress.com/2014/12/26/1/ (1. Der Wertrelativismus in den Religionen). Ich führe den Gedanken nur konsequenter durch, denn ich behaupte, dass es im Grund so viele Auslegungen des Islams gibt, wie es Moslmes gibt, da jeder Mensch seine eigene Auslegung macht. Die Gegenüberstellung von Sufismus und Puritanismus sind da nur zwei extreme Gegenpole. Dazwischen gibt es noh viele Ausdifferenzierungen und bestimmt auch Auslegungen, die sich auf einem Punkt des Kontinuums zwischen Sufismus und Puritanismus nicht zuordnen lassen.

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  17. revisionist21 schreibt:

    Nachtrag: Außerdem muss man die Kausalität berücksichtigen. EIn Beispiel:
    Sind rechtsradikale Islamisten rechtsradikale Islamisten, weil sie den Koran in einer islamofaschistischen Weise deuten? Oder sind sie rechtsradikale Islamisten, weil sie rechtsradikal sind?

    Gewiss spielen beide Kausalitäten eine Rolle, denn beide Kausalitäten allein können den Islamofaschismus nicht erklären. Die erste Kausalität kann nicht erklären warum die rechtsradikalen Islamisten dem Islam gerade diese Deutung geben. Lösung: weil sie beim Lesen des Korans ihn bereits aus dem Blickwinkel einer rechtsradikalen Weltanschauung deuten.

    Die zweite Kausalität kann nicht erklären, warum sich der Rechtsextremismus der Islamisten gerade im Islamofaschismus seinen Ausdruck findet und nicht zum Beispiel in einem sakulären Nationalismus. Lösung: der Islam bzw. der Koran gibt diese spezifischen Ausdruck des Rechtsextremismus.

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  18. GrooveX schreibt:

    sorry, aber damit kann niemand vernünftig arbeiten. den islam zwischen ‚purismus‘ und ’sufismus‘ oszillieren zu lassen, ist irgendwie hirnrissig und zeugt von beredter unkenntnis. da gibt es nichts zu diskutieren.

    rechtsradikal (-extrem) im wortsinne ist übrigens spezifisch deutsch und nicht islamkompatibel, also inkompatibel zu irgendwas, egal was, islamischem!

    – over and out.

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  19. revisionist21 schreibt:

    @ GrooveX:

    „sorry, aber damit kann niemand vernünftig arbeiten. den islam zwischen ‘purismus’ und ‘sufismus’ oszillieren zu lassen, ist irgendwie hirnrissig und zeugt von beredter unkenntnis. da gibt es nichts zu diskutieren.“

    Bezieht sich das auf meinen Kommantar oder den Text des Autors? Ich habe ja geschrieben, dass es „Auslegungen [gibt], die sich auf einem Punkt des Kontinuums zwischen Sufismus und Puritanismus nicht zuordnen lassen.“

    „rechtsradikal (-extrem) im wortsinne ist übrigens spezifisch deutsch und nicht islamkompatibel, also inkompatibel zu irgendwas, egal was, islamischem!“

    Wieso denn nicht? Ich behaupte sogar, dass der rechtsextrem Islamismus die arabische Variante des Rechtsextremismus ist, zumindest die vorherschende. Natürlich vermischt sich das zum Teil mit Nationalismus und Sozialdarwinismus und in Verbindung mit dem Islamismus, kann man das zurecht als rechtsextremen Islamismus bezeichnen.

    Für den Islamischen Staat ist meine Einschätzung nach sogar der Begriff des Islamofaschismus zulässig, da die dort Herschenden ein religiösen Volkskörper aufbauen wollen und diesen nach innen sowieso nach außen aggressiv und mit militärschen Mitteln verteidigen wollen.

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  20. genova68 schreibt:

    Hannes,
    Menschen verdienen stets eine Einzelbetrachtung und keine Eingruppierung, schon gar nicht eine Eingruppierung bezüglich ihrer Herkunft, Ihres Volkstums und ähnliche Eigenschaften, die Ihre Identität ausmachen und nicht ohne weiteres abgelegt werden können. Außerdem sind diese Gruppierungen äußerst unscharf, oder muss sich jeder revolutionär und links eingestellte der RAF beiordnen lassen?

    Sicher, jeder Mensch verdient eine Einzelbetrachtung, aber die Tat in Paris ist Teil eines größeren Systems, dem zigtausende weltweit nacheifern, und zwar auf Grundlage eines gemeinsamen Buches. Das kann man nicht ignorieren.

    Herkunft, Brauchtum etc. nennt man Sozialisation, und die kann man nicht beiseite lassen. Deine Argumentation geht in dieser Hinsicht in Richtung Thatcher, wonach es keine Gesellschaft, sondern nur Individuen gebe.

    RAF: Ich vertrete ja bekanntlich die Ansicht, dass sich jeder ernstzunehmende Linke kritisch mit der DDR und Stalinismus auseinandersetzen muss, damit man nicht Gefahr läuft, dass sich das wiederholt. Die Frage, wie es von Marx zu Stalin kommen konnte, wird von vielen sogenannten Linken bewusst torpediert, das war ja auch Thema hier und anderswo in Blogs. Das sind dialektische Prozesse, die wenig mit unzähligen Individuen zu tun haben, sondern Massendynamiken beinhalten.

    Die eigentlichen Gründe sind die ständige Drangsalierung der Regionen, in der mehrheitlich muslimische Menschen leben.

    Starker Tobak, ist mir zu simpel. Das ist alles nicht monokausal, so wie Geschichte immer. Vielleicht hat es damit zu tun, dass sie nicht an die Früchte des Baumes kommen. Ich saß mal in Kairo in einer Kneipe, der TV lief, es liefen den ganzen Abend amerikanische Serien: Vorstadthäuschen, viel Grün, fette Autos, schöne Frauen, alles paletti. Das guckten sich die Kairoer in der Kneipe an, rundherum war das Chaos. Die wollten alle mehr oder weniger diese US-Szenerie. Sie ist aber nicht erreichbar, außer für ein, zwei Prozent. Das macht regressiv, so wie der Arme irgendwann meint, Kaviar schmecke nicht.

    Terroranschläge sind oft rein ökonomische Unternehmen. In Afrika ist das wohl so: Religion wird vorgeschoben, wo es um rein ökonomische Macht geht, Beispiel Somalia, wo sich Dschihadisten vor allem gegen den kenianischen Einfluss wehren, der ihre Geschäfte zu zerstören droht. Aber: Der Islam lässt sich hervorragend als Legitimation für brutalsten Terror missbrauchen, oder gebrauchen.

    Das Kopfabschneiden war eine Tugend von Mohammed. Er ließ Massenenthauptungen vornehmen, gegen die der IS ein Kindergeburtstag ist. Er war gewissermaßen der erste Islamfaschist. Früher machten das die Beduinen, insofern war das keine Erfindung des Islam. Und für damalige Verhältnisse war das vielleicht ganz normal. Aber es ist Teil der Religion. Wie bekanntlich das Christentum genauso brutal ist. Fuck the Christentum.

    Das von cyralinus verlinkte Interview bringt das gut zum Ausdruck: Terrorismus ist ein Teil des Islams, und solange das negiert wird, wird es so weitergehen.

    Der Islam ist in einer Situation wie die Katholiken im Mittelalter: Korrupt, missbraucht, terroristisch, aggressiv, verwoben mit repressiven Herrschaftssystemen, jeden Fortschritt verhindernd. In Europa kam Luther und dann die Aufklärung. Was in Arabien kommt, wird man sehen, aber offensichtlich ist, dass diese Region im Arsch ist, auch wegen des Islams.

    Das Problem ist nur, dass wir Westler keine ernstzunehmende Gesamtalternative bieten können. Und natürlich muss zuerst der Kapitalismus zerstört werden. Der Mensch wird entweder von Religionen regressiv oder vom Sozialdarwinismus aka Kapitalismus.

    Es sollte doch noch etwas anderes geben.

    P.S.: Wen wundert´s: Der FAZ-Interviewte, ein Wissenschaftler, steht unter Polizeischutz, weil ihm Glaubenskameraden drohen, den Kopf abzuschneiden.

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  21. hANNES wURST schreibt:

    Was ist überhaupt „der Islam“, ist das die Kraft, die den IS und Al Kaida anfeuert (was Du zu bejahen scheinst) oder die Kraft, die Boko Haram antreibt (was Du zu verneinen scheinst) oder das, was ein Muslim – Einwanderer, 3. Generation – in Deutschland ausübt wenn er in die Moschee geht oder das, was im Koran steht oder das, was die Schiiten predigen, oder das, was die Sunniten predigen oder die Akademie in Kairo oder oder oder … allein die Schwierigkeit, hier irgendeine Einordnung zu finden müsste doch zu dem Schluss führen, dass es besser wäre, ganz einfach nur den Terror zu verurteilen. Die Täter sind Mörder, genau wie RAF Terroristen Mörder waren, ob aus niederen Motiven oder nicht, jedenfalls gefährlich genug für lebenslängliche Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung. Die Erweiterung der Motivsuche auf – im schlimmsten Fall – die Motive des gesamten Islam ist primitiv, populistisch und schädlich im Sinne einer Volksverhetzung.

    Mit der gleichen Logik könnte ich islamkritische Menschen in Kollektivhaftung mit Anders Behring Breivik stellen, der 77 Menschen aus rechtsextremen aber eben auch islamfeindlichen Motiven ermordet hat. Überhaupt scheint mir das Kollektiv der religionsfernen Menschen ein Pulverfass zu sein, ein Heer von potentiellen Breiviks. Sollen die Atheisten und Agnostiker gefälligst Selbsthilfegruppe bilden, sich gegenseitig regulieren oder abschwören.

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  22. genova68 schreibt:

    Nur den Terror zu sehen, wäre hilflos, denn man sucht natürlich nach Gründen für eine Tat. Ich sage nur, dass man das Dauermorden im Namen eines Gottes nicht ignorieren sollte, denn aufgrund der Masse an Vorfällen hat das System. Von mir aus ist es ein Missbrauch der Religion, aber er funktioniert.

    Die RAF lässt sich beispielsweise nicht trennen von der deutschen Vergangenheit, die da auch aufgearbeitet wurde.

    Breivik: Das hat nichts mit Islamkritik zu tun, null, das wird von diesen Leuten nur behauptet.

    Religionsferne Menschen sind keine definierbare Gruppe, weil nur ex negativo definiert.

    Das hier finde ich bedenkenswert:

    http://www.tagesspiegel.de/politik/was-satire-darf-was-charlie-hebdo-falsch-gemacht-haben-koennte/11242494.html

    Diese Karrikaturen sollte man bleiben lassen, weil es in anderen Kulturen ein Tabu darstellt, Mohammend darzustellen. Es gehört zur Meinungsfreiheit dazu, dass man sich SELBST überlegt, was man tut und was nicht. Es ist derzeit eine merkwürdige Radikalisierung zu bemerken, wenn man diese Karrikaturen so unbedingt mit der Meinungsfreiheit gleichsetzt und damit suggeriert, man habe sie nicht mehr, verzichtete man auf solche Karrikaturen.

    Es hat was von der Logik von freie Fahrt für freie Bürger.

    Es wäre sinnvoller, man würde solche Tabus respektieren und gleichzeitig ernstzunehmende Kritik formulieren, inhaltliche, auf einem zivilisatorischen Niveau, das alle Betroffenen respektieren können. Erst dann ginge es um Inhalte.

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  23. summacumlaudeblog schreibt:

    Breivik sehe ich auch als Einzeltäter, der für seinen primären Wahn irgend einen Begründungszusammenhang brauchte und schließlich fand. Anders aber sieht die islamfeindlich motivierte Mordserie des NSU aus. Hier könnte man trefflich Zusammenhänge zu PEGIDA fädeln und auch der ermordete Flüchtling in Dresden ist in diesem Zusammenhang zu sehen. Da wollen wir ja auch nicht unter Generalverdacht gestellt werden.

    Der islamistische Terror hat System und das Phänomen ist mehrere Jahrzehnte alt. Allerdings waren Nasser und später Khomeni noch echte Massenführer mit einer riesigen Anhängerschaft. Die sehe ich bei ISIS und/oder Al-queida eben nicht.

    Auch der Vorwurf der Verharmlosung von Terrorismus ist nicht neu. Schon Böll mußte in RAF-Zeiten damit leben. Er sagte „Relativieren ja, verharmlosen nein. Meinhaff hat der Gesellschaft den Krieg erklärt und ich halte Krieg für kein harmloses Wort.“ sehe ich bezüglich Islamismus genauso. Die haben dem Westen den Krieg erklärt.

    Die jetztigen Morde sehe ich übrigens als ein Zeichen von Schwäche. ISIS ist auf dem Rückmarsch, Desertionen nehmen zu. Hier wäre anzusetzen: Mit guten Aussteigerprogrammen.

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  24. hANNES wURST schreibt:

    Es gibt bei dem Pariser Attentat ein Bekenntnis von Al Kaida, insofern ist man wohl auch ohne weitere Referenzen auf den Islam nicht hilflos einer unbekannten bösen Macht ausgeliefert.

    Breivik schwafelte von „Kulturmarxismus“ und dem drohenden „Eurabia“, und hat sich in seinem „Manifest“ eingehend damit auseinandergesetzt, klar war er islamfeindlich.

    Nichtreligiöse Menschen sind eine definierbare Gruppe: http://de.wikipedia.org/wiki/Religion#Religionen_in_Zahlen Der Glaube an keinen Gott ist ein Glaube unter vielen, denn es ist ja nicht so, als wenn z. B. Atheisten nicht wüssten, dass es keinen Gott gibt – sie glauben nur, dass es keinen Gott gibt.

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  25. genova68 schreibt:

    Breivik war islamfeindlich, aber nicht islamkritisch. Zur Kritik gehört mehr. Das ist ein seit Jahren massiv missbrauchtes Wort; heute wird ein Rechtsextremist wie Michael Stürzenberger als Islamkritiker bezeichnet. Kritik war einmal ein Begriff, der einiges voraussetzte.

    P.S.: Es wäre dem Weltfrieden dienlich, wenn sogenannte Gläubige sich zumindest eingestehen würden, dass ihr Gott ein Hirngespinst ist. Dass es so ist, darüber muss man nicht ernsthaft diskutieren. Auf Basis der Existenz einer Marotte ließe es sich vermutlich stressfreier diskutieren.

    Eigentlich hat sich jeder, der die Existenz eines Gottes behauptet, aus einer vernünftigen Diskussion verabschiedet. Es mag einen Gott geben, aber wenn, dann können wir über ihn keine sinnvolle Aussage treffen. Alles andere ist mittelalterlicher Gottesbeweis. Gott als Supermann dient einzig zur eigenen Pimmelverlängerung. Aber das ist ja alles bekannt.

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  26. hANNES wURST schreibt:

    Sehr schwierig einzuschätzen, ob eine Gesellschaft ohne Gläubige eine höhere Chance auf den Weltfrieden hervorbringen würde. Die schlimmsten Völkermorde fanden unter Regimes statt, die die Religion ablehnten.

    Durchaus möglich, dass Gott „nur“ ein Hirngespinst ist. Aber unter Ausschaltung des Gehirns bleibt auch sonst nicht mehr viel übrig, das „ist“.

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  27. hANNES wURST schreibt:

    Weck die tote Christenheit
    aus dem Schlaf der Sicherheit,
    dass sie deine Stimme hört,
    sich zu deinem Wort bekehrt.
    Erbarm dich, Herr.

    Christian Gottlob Barth 1827

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  28. genova68 schreibt:

    „Sehr schwierig einzuschätzen, ob eine Gesellschaft ohne Gläubige eine höhere Chance auf den Weltfrieden hervorbringen würde.“

    Wohl war. Ich gehe eher vom Anspruch der Religionen aus. Der angebliche Frieden, den die wollen, wurde und wird in der Geschichte alle naselang ausgehebelt. Und du kannst nicht die Religionen gegen NS und Stalin ausspielen. Es sollte etwas jenseits dessen geben.

    Danke für das schöne Gedicht zum Sonntag.

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  29. Opperfield schreibt:

    Michael Stürzenberger ist aus meiner Sicht kein Rechtsextremist. Eher jemand, der sich völlig verrannt hat. Der hat sich im Laufe der Zeit in seinen Ansichten und Äußerungen radikalisiert. Ich beobachte das schon länger. Finde ich schade, denn im Grundsatz hatte er mit seiner Kritik teilweise recht.

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  30. einer von jenen schreibt:

    Zu den Mohammed-Karikaturen wollte ich nur erwähnen, dass ich diese Variation des Themas sehr lustig fand: http://www.der-postillon.com/2015/01/terroristen-haben-gewonnen-wir-sagen.html

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  31. genova68 schreibt:

    Genau so sehe ich das auch: Charlotte Knobloch im Interview mit der NZZ:

    Nach den Anschlägen hat «Charlie Hebdo» sein Cover mit einer Mohammed-Karikatur aufgemacht. Halten Sie das im Sinne der Meinungsfreiheit für richtig?

    „Die Meinungsfreiheit ist im Gesetz verankert, und deshalb ist das zulässig. Trotzdem muss jeder Einzelne vor sich verantworten, ob er mit seinen Handlungen nicht schwere Konsequenzen provoziert. Letztlich müsste eine Erziehung zum Respekt das Feingefühl auch für solche Situationen schärfen.“

    http://www.nzz.ch/feuilleton/antisemitismus-in-deutschland-1.18468927

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  32. hANNES wURST schreibt:

    In diesem Punkt stimme ich ebenfalls zu. Man muss nicht gleich als mundtot dastehen, wenn man nicht alles rausrotzt, was legal ist. Es muss auch nicht alles verboten werden, was in irgendeiner Weise heikel sein könnte.

    Ich habe eine Sendung über die Ermordung von Patrice Lumumba gesehen, der 1961 mit zwei Gefolgsleuten unter dem Kommando von belgischen Politikern hingerichtet wurde. Ein belgischer Offizieller – ich weiß nicht mehr genau, welche Funktion er hatte – wurde gefragt, ob dieser grausame Mord durch irgendetwas zu rechtfertigen wäre. „Natürlich -“ sagte er, „er hat meinen König beleidigt.“ König Baudouin hatte die Ermordung tatsächlich geplant.

    Das ist über 50 Jahre her, aber es ist nicht so, als müsste man ein fanatischer Gotteskrieger sein, um der Barbarei zu verfallen. Das relativiert die Grausamkeit des Anschlags auf die Charlie Hebdo Redaktion natürlich nicht und es ist auch kein Argument für oder gegen blasphemische Satire, die meiner Meinung nach legal sein muss und niemals mit einer solchen Vergeltung in Verbindung stehen sollte. Trotzdem muss es erlaubt sein, auch diese Form der Satire zu kritisieren so wie man auch weiterhin die Beleidigung z. B. der Queen oder eines Fußballvereins in dessen eigenem Fanblock zulassen aber kritisieren darf, auch wenn die Ermordung von Patrice Lumumba mich wünschen lässt, alle Könige fortwährend mit schlimmsten Verwünschungen zu überschütten.

    Auch interessant:
    http://www.heise.de/tp/artikel/43/43943/1.html

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  33. einer von jenen schreibt:

    Das, was Charlotte Knobloch da sagt, sollte eigentlich common sense sein: Kein Verbot, aber eigenverantwortliches Handeln.
    Und natürlich kann man diese Form der Satire kritisieren – nur weil sich religiöse Menschen darüber aufregen, haben Mohammed-Karikaturen noch nichts mit sinnvoller Religionskritik zu tun. Ebenso ist es natürlich verabscheuenswert, wegen einiger (meinetwegen auch schlechter) Karikaturen Menschen zu töten.

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