Bösartige Russenfeindlichkeit in deutschen Mainstreammedien:

Die Frankfurter Rundschau schreibt in Bezug auf die Folter in den USA:

Viele US-Amerikaner scheinen abgestumpft, vielleicht sogar verroht, zu sein, dass Gräueltaten sie nicht mehr bewegen. Selbst der schamlos freche Auftritt des früheren Vizepräsidenten im Fernsehen, in dem Dick Cheney belegte, dass er ein Schreibtischtäter ist, der Reue nicht kennt, vermochte nicht mehr für Aufregung zu sorgen. Kein Wunder übrigens: Die Mehrheit der Amerikaner, so sagen Umfragen, findet Folter gar nicht so schlimm.

Entschuldigung, ich habe mich verlesen. Es geht gar nicht gegen Russen.

Ersetzte man „US-Amerikaner“ mit „Russen“, wäre die Empörung derjenigen groß, die sich derzeit gerne über die russlandfeindlichen Medien aufregen und meinen, dass die deutschen Mainstreammedien ihre Köpfe „im Arsch der Amerikaner“ stecken haben. Komisch, denn dann ist der FR-Redakteur Damir Fras entweder den Kontrolleuren durchgerutscht oder das war sein letzter Zeitungsartikel.

Die Russen sind abgestumpft, verroht, selbst Gräueltaten sind ihnen egal und finden Folter nicht schlimm.

Ich behaupte, dass ein derartiger Bericht über Russen in deutschen Mainstreammedien nicht existiert.

Ich weiß nicht, ob die deutschen Medien konzertiert irreführend über die Ukraine-Krise und die Rolle Russlands berichten. Ich lese in der FAZ diverse kriegslüsterne Kommentare, aber das ist die FAZ, für die ist täglich Krieg, auch wenn es nur um Steuererhöhungen für Reiche oder Verständnis für Schwule geht. Putin IST ein aggressiver rechter Nationalist. Wer das bestreitet, sagt wenig über Putin, aber viel über sein eigenes politisches Selbstverständnis aus.

Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass all jene Hampelmänner, die Klagen über die grundsätzliche Russlandfeindlichkeit deutscher Medien führen, noch weniger Ahnung haben als ich. Es wird munter drauflospalavert vor allem von den Leuten, die keine Zeitungen lesen.

Ein kampagnenartiges Vorgehen deutscher Mainstreammedien gab es in der Tat einmal, und zwar in Vorbereitung der Agenda-Politik um 2002. Massive Fehlinformationen über Jahre hinweg zugunsten des Kapitals, alles belegbar, unter anderem hat sich Albrecht Müller seinerzeit dieser verdienstvollen Aufgabe angenommen. Wir leben im Kapitalismus und haben insofern notwendigerweise einseitige Medien.

Im aktuellen Fall Russland hätte ich gerne einmal eine Stimme zum Thema, die ich ernst nehmen kann. Müller ist es nicht mehr. Stefan Niggemeier macht das in seinem Blog, aber eben immer nur auf konkrete Fälle bezogen. Alles andere ist Meinungsmache. In welchem Auftrag auch immer.

Interessanter finde ich das hier: Kommunikationswissenschaftler der TU Dresden haben Abhängigkeiten zwischen geschalteten Anzeigen von Unternehmen sowie der Art und des Umfangs der Berichterstattung über diese Unternehmen im Focus und im Spiegel untersucht. Ergebnis:

Als zentrales Ergebnis zeigt sich, dass über Unternehmen sowohl im Spiegel als auch im Focus erstens häufiger, zweitens freundlicher, drittens mit mehr Produktnennungen berichtet wird, je mehr Anzeigen diese Unternehmen schalten.

Die Wissenschaftler fügen an, dass sie „diese Formen der Synchronisation“ derzeit nicht eindeutig als Zusammenhang belegen können.

Aber:

Die de-facto-Synchronisation, die unsere Untersuchung belegt, ist jedenfalls ein zu großes Bedrohungspotential für die Erfüllung der öffentlichen Aufgabe durch die Nachrichtenmedien, um sie unerklärt zu lassen.

Jetzt, liebe TU Dresden, wendet euch bitte dem Forschungsobjekt „Die Darstellung Putins in den deutschen Medien 2014“ zu. Danke im Voraus.

P.S.: Gut möglich, dass die Amis abgestumpft sind. 40 Jahre neoliberaler Politik hinterlassen ihre Spuren.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Aufmerksamkeitsökonomie, Deutschland, Fremdenfeindlichkeit, Medien abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

21 Antworten zu Bösartige Russenfeindlichkeit in deutschen Mainstreammedien:

  1. Klaus Jarchow schreibt:

    Zur Entwicklung der Situation in den USA gibt es ein außergewöhnliches Buch von George Packer: ‚Die Abwicklung. Eine innere Geschichte des neuen Amerika.‘ Sehr zu empfehlen, auch wenn es nicht die üblichen Argumentationswege des Feld-Wald-und-Wiesen-Anti-Amerikanismus beschreitet, sondern sehr ‚individualistisch‘ und ‚biographisch‘ verfährt. Im Kern illustriert es den Fakt, dass du dort, um an die Schaltstellen der Macht zu gelangen und um ‚Entscheidungsträger‘ zu werden, seit Reagan allemal deinen Pakt mit der Oligarchie schon geschlossen haben musst. Sonst kommst du gar nicht bis in die Primaries, egal in welcher Partei du bist. Insofern ist die Situation von der russischen nicht fundamental verschieden …

    Gefällt 1 Person

  2. Bon Jour schreibt:

    Man sieht, es bleibt noch einiges zu tun, um den, als Antiamerikanismus daherkommenden, Antisemitismus trocken zu legen.

    Pakt mit der Olirarchie, tss, die Amerikaner haben uns vor allem, aber nicht nur, so emanzipatorische Bewegungen wie den CSD geschenkt, vergesst das mal nicht.

    Gefällt mir

  3. kadekmedien schreibt:

    Mir – als Nachrichtenjunkie – fällt allerdings schon auf, dass die sogenannten Leitmedien seit Beginn der sogenannten »Urkaine-Krise« russophob berichterstatten. Das fällt mir vor allem deshalb auf, weil es nicht immer so war und (scheinbar plötzlich) überall geschieht.
    Disclaimer: Ich habe – nicht zuletzt der Liebe wegen – ein Herz für Russen, aber mir fällt die – so möchte ich es nennen – forcierte Phobie auf, und vor allem, dass sie gar nichts über Russland und/oder die Russen zum Ausdruck bringt, sondern vielmehr den eigenen – meist transatlantischen – Standpunkt untermauert. Das ist natürlich armselig, hinsichtlich der Argumentation und der Faktenlage, lässt sich aber gerade deswegen leicht erkennen und wird gerade deshalb so leicht verkannt.
    Was ich sagen möchte ist eigentlich: weder der kommunizierte Anti-Amerikanismus noch die kommunizierte Russophobie kommen der Wahrheit auch nur annähernd nahe und sind daher irreführend.

    Gefällt mir

  4. genova68 schreibt:

    kadek,
    du meinst also, es wird einseitig berichtet. Ich meine das auch, aber die Frage ist doch: zurecht? Von den Westmedien wird die einseitige Berichterstattung gerechtfertigt durch das Rechtsabrutschen von Putin, was Pressefreiheit und Straffheit der gesellschaftlichen Hierarchien angeht. Das wäre ja etwas anderes als einfach nur einseitige Berichterstattung, weil man sich der transatlantischen Sache verpflichtet fühlt.

    Ich habe mir zehn Minuten der Rede Putins vor 1200 Journalisten angeschaut. Ergebnis: Putin ist extrem aggressiv und baut eindeutig ein Feindbild auf: Der Westen will uns fertigmachen. Es ist das übliche Spiel: Der Fremde wird zum Feind stilisiert, um die eigenen Reihen geschlossen zu halten.

    Ich fände es beunruhigend, wenn deutsche Medien das nicht kritisieren würden. Mein Vorwurf ginge eher in die Richtung, dass deutsche Medien und auch Politiker die Verbrechen der Amis relativieren und relativiert haben.

    Gefällt 2 Personen

  5. hardy schreibt:

    wenn ich mal meinen senf dazu abgeben darf: ich weiss ehrlich nicht, was das ist „die medien“. ich bin mit zeitungen groß geworden, die alle als „kampfblätter“ für ihre meinung stritten und die waren, so lange ich mich erinnern kann, schon immer eben die meinungen, die von den verlegern oder vom chefredakteur oder … seien wir ehrlich … vom anzeigenkunden so gewünscht oder eben durch die anzeige finanziert wurden.

    das war halt so. man wusste, es gibt das „gossenblatt“, es gab für eine sich linksliberal fühlende gemeinde den spiegel, für die sich als intelligenzia empfindenden die „zeit“, für den rechtskonservativen eben die FAZ und für die ganz schlimmen buben eben die nationalzeitung. unterschiedliche meinungen eben und wenn man eines der blätter las, wusste man halt: die sind so und so und das erwartet mich.

    heute scheint ja jeder eine herzattacke zu bekommen, wenn er ein blatt uafschlägt und es steht nicht drin, was er erwatet oder wünscht (ist meine sprache eigentlich sexistisch, weil ich ständig „er“ sage???). ja, es scheint sogar die vorstellung zu existieren, daß die verdammten zeitungen nur genau die meinung zu vertreten haben, die man selbst hat – und wenn nicht: HETZER! KRIEGSTREIBER!

    irgendwie habe ich so das gefühl, daß die skandalisierenden honks einfach in der schule nicht aufgepasst oder die vedammten lehrer ihren job nicht mehr richtig machen (ach ja, alles bekiffte 68er …)

    im grunde läuft doch alles, aber auch wirklich alles darauf hinaus, daß die leute schlicht nicht mehr ertragen, daß andere leute andere meinungen haben. was vielleicht daran liegt, daß unsere presse in den letzten 10 jahren (seit dem umzug nach berlin und unter der groKo V1 und V2) schlicht zu einem durch und durch mediokren und in eine nur virtuell gedachte mitte streben. es geht auch nicht mehr um die differenzierte darstellung von politik, es geht nur noch um den skandalisierenden „scoop“, das den klicks hinterherhecheln.

    g*ttseidank gibt es das radio (wenn ich mal gerade reklame für meinen eigentlichen blog machen darf)

    http://www.tv3.de/medienverlag/news-aus-radio-und-presse.html

    ich lese den mist schon lange nicht mehr, auf so was wie den spiegel gehe ich nur noch, um zu gucken,was die idioten schon wieder treiben, die zeit verachte ich seit ihrer hetzjagd auf eine potentielle hessische ministerpräsidentin und fühle mich manchmal sogar nur noch bei der FAS gut aufgehoben – die waren die ersten, die den guttenberg als blender ausgemacht hatten.

    hört mehr radio und verschwendet eure zeit nicht mit zeitungen, die so medioker sind wie das deutsche fernsehprogramm (und das, herrschaften, das ist so elend, daß man hofft, daß endlich mal ein paar sender bankrott gehen)

    meinungsmache? ach was, nur noch unterbelichte amateure, die keinen plan mehr haben.

    Gefällt 1 Person

  6. hardy schreibt:

    kleines ps, damit das besser zur ausgangspost passt – seit dieser zusammenarbeit von „gossenblatt“ und spiegel in sachen sarrazin und noch schlimmer in sachen wulff gibte s ja tatsächlich so etwas wie eine für alle erkennbare „gleichschaltung“ und verstärkt immer häufiger auch „kampagnen“. schuld daran sind ja im grunde alle, die damals das treiben gegen wulff mit ihrer hysterischen moralischen überlegenheit in tausend hämischen posts anfeuerten und sich als tankfüllung dieser rakete betätigten. es ist also nicht nur die „schuld“ der medien – „wir“ (naja, ich nicht,ich fand die wulff numemr schon damals bizarr und abartig) habendaran unseren anteil in unserer moralischen hybris, die jede woche eine neue sau braucht.

    daß in der aktuellen situation alle in eine richtung rennen, ist also auch das ergebnis der erfahrungen der zeitungen mit den für sie erfreulich gelaufenen kampagnen – die können endlich mal wieder geld verdienen, wenn sie alle in eine richtung treiben. sicher auch zum teil die pure denkfaulheit und die reflexartig einsetzenden instinkte, die immer noch vom kalten krieg gefüttert sind.

    auf der anderen seite gilt aber auch: wer hier der „böse“ ist, ist keine frage einer schematischen cold-war-denke, es sind einfach die lügen, die kleinen grünen männchen auf urlaub etc, nur damit ich nicht falsch verstanden werde. aber „die medien“ sind es selbst schuld, wenn sie niemand mehr ernst nimmt und foren wie das der „zeit“ und des „spiegel“ wurde rechtezitig gewarnt, wohin sie das führen würde, wenn sie sich nicht redaktionell in das treiben einmischen.

    sie wollten halt nie auf mich hören :-)

    Gefällt 1 Person

  7. hANNES wURST schreibt:

    Da Deutschland im Grunde ein Staat der USA ist und kaum Gefahr besteht, dass es in naher Zukunft kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Deutschland und seiner Hauptverwaltung geben wird, wiegt die punktuelle (und exemplarische) ätzende Kritik an der konsequentialistischen, amerikanischen Gesinnung viel weniger, als die schlechte Dauerberichterstattung über Russland, das für Deutschland militärisch und wirtschaftlich bedrohlich ist und das die EU mit allen Mitteln in die Ecke drängt (der aktuelle Wirtschaftskrieg könnte ohne Weiteres militärisch beantwortet werden). Hier wäre es Aufgabe der Medien, viel differenzierter zu berichten und insofern ist die lauter werdende Medienkritik zur Russlandsberichterstattung vollkommen berechtigt.

    Gefällt 1 Person

  8. genova68 schreibt:

    Verstehe, das ist ein Punkt. Analog zu dem Argument, man solle das eigene Land, die eigene Umgebung stärker kritisieren als das Fremde, stimmt.

    Ich frage mich nur nach der realen Abbildung der Welt. Ich äußere mich fast nie zu internationalen Fragen, das ist mir zu kompliziert und es ist geradezu widerwärtig, die vielen Ukraine-Experten zu erleben. Ich sah nur kürzlich, wie erwähnt, einen fünfminütigen Ausschnitt der Putin-Pressekonferenz mit 1.200 Journalisten. Putin war sehr aggressiv, er markierte klar einen Feind, an allem war das Ausland schuld, inklusive ausführlicher Erörterungen über Neurussland mit der halben Ukraine, die eigentlich zu Russland gehöre. Letzteres sagte er schon öfter.

    Solche Aussagen müssen negative Reaktionen in den westlichen Medien nach sich ziehen.

    Ich sehe nur das Problem, dass man mit Russlandkritik plötzlich mit dem westlichen Imperialistengesockse in einem Boot sitzt. Das möchte ich genausowenig. Der schlimmste Verbrecher unter den Politikern der vergangenen 20 Jahre ist doch eindeutig Bush. Und der machte die schlimmste Politik weltweit, mit Folgen bis heute. Und da waren deutsche Medien wesentlich verständnisvoller.

    Gefällt 1 Person

  9. genova68 schreibt:

    hardy,
    bei Medienkritik bin ich immer vorsichtig. Ich glaube beispielsweise, dass fast alle, die den Spiegel kritisieren, ihn nicht lesen. Im Printspiegel stehen jede Woche einige interessante Artikel, auch journalistisch sehr gut. Ähnliches gilt für die Zeit. Da schreiben einfach gute Leute, die ihr Handwerk verstehen. Es stehen im Spiegel und in der Zeit sicher auch viel Blödsinn, auf alle Fälle, aber die selbsternannten Medienkritiker sind zum größten Teil bildungsferne Plapperer ohne jede journalistische Ahnung. Es wird sich seit Monaten über den Putin-Titel aufgeregt, obwohl sich die Spiegelleute schon dreimal dafür entschuldigt haben.

    Wenn Medienkritik, dann doch bitte immer konkret, so wie ich das hier im Blog seit Jahren beispielhaft vormache :-) Dass Springer tendenziöse Scheiße ist, ist seit 50 Jahren bekannt.

    Wie sehr man abrutschen kann, wenn man Medienkritik betreibt, zeigt derzeit Albrecht Müller. Der Artikel von Geyer in der FR zu dem Friedenswinter war für Müller Anlass, nun auch die FR als von fremden Mächten gesteuert zu betrachten. So schnell geht das vom Medienkritiker zum verwirrten Verschwörer.

    Was meinst du mit deiner Bemerkung zu den Foren von Spiegel und Zeit?

    Gefällt mir

  10. Lemmy Caution schreibt:

    Je ferner ein Land ist, desto unschärfer ist oft die Berichterstattung.
    Unter den selbsterklärten Linken gibt es halt nach wie vor einen relativ starken Hang zum Agitprop. Und genau das halte ich für unerträglich.

    Die zeigen mit dem nackten Finger auf die Systempresse, bezeichnen sich selbst als „unparteiisch“, betreiben aber selbst Propaganda ohne Grenzen.

    Natürlich haben die Putin-Freunde im Meinungsbild der Bundesrepublik Deutschland deutlich weniger Gläubige als es die Blogs und Kommentarspalten vermuten lassen. Die sich dort Beteiligenden bilden sowieso nur einen kleinen Teil der Bevölkerung aus. Und es ist bestimmt nicht der intelligenteste Teil, der sich für ein schmutziges Thema wie Politik interessiert.

    Je entfernter ein Land ist, desto stärker zieht es Leute mit einem Hang zu Agitprop magisch an. Und die Länder der ehemaligen Sowjetunion sind trotz der vielen Immigranten dieser Länder hier sehr weit entfernt.

    Mich hat das mal als vor allem gemässigter Lateinamerika und insbesondere Chile-Interessierter sehr aufgeregt. Heute begegnen ich den Rattenfängern und ihrer Gläubigen auf einer rein distanziert-sarkastischen Ebene. Das gilt sowohl für die Chavisten als auch für die Reste des Neoliberalismus, die Chile für ein erfolgreiches „Modell“ halten. Politisches Verständnis für eine andere Region stellt sich erst nach Jahren der Beschäftigung, längeren Aufenthalten dort und intensiven Kontakten ein. Und selbst dann ist man nicht neutral sondern halt auch ein Ergebnis der eigenen Grundüberzeugungen, die wiederum zu einem nicht geringen Teil Ergebnis von Erziehung, Zufällen im eigenen Leben und persönlichen Wesen darstellen. Ideologen erkennt man daran, dass sie letzteres negieren.

    In den hiesigen Debatten wird man dann von den Gläubigen durch berechtigte Zweifel an gewissen Agitprop Darstellungen gerne als Pinochetist diffamiert oder man habe nicht so eine ausgewogene Sicht, wie die Gläubigen selber, weil man „Freunde in der Oberschicht habe“. Dabei sind das vor allem Leute, die wirklich mit dem Erhalt ihrer Würde in einem ungerechten und viel prekäreren Sozialsystem zu kämpfen haben. Und das schmerzt.

    Und um letzteres geht es mir. Ich brauche keinen Fanon und keinen modernen Agitprop, um über die Härten dieser Welt zu erfahren. Da reicht mir mein Facebook.

    Wenn diese Hobby-Ideologen vielleicht mal nach Russland oder der Ukraine fahren würden, um dort persönliche Kontakte zu knüpfen… ich würde sie weniger verachten.

    Gefällt mir

  11. genova68 schreibt:

    „Je entfernter ein Land ist, desto stärker zieht es Leute mit einem Hang zu Agitprop magisch an. Und die Länder der ehemaligen Sowjetunion sind trotz der vielen Immigranten dieser Länder hier sehr weit entfernt. “

    Ja, wobei ich den Eindruck habe, dass viele der Putinfans Russlanddeutsche oder Russen in Deutschland sind. Auch via Montagsdemos, wo sich praktisch alle zu Putin-Fans zählen, fiel der russische Akzent ziemlich oft auf.

    Es geht da auch um den Führertyp, um den starken Mann. Da braucht es keine Kenntnisse über Russland, da reicht das Bild des Führers. Es ist kein Zufall, dass auch bei Pegida die Putinfans zahlreich sind, auch in Form von Transparenten.

    Ich vermute auch, eine empirische Untersuchung käme zu dem Ergebnis, dass Putinanhängerschaft in Deutschland und Antisemitismus kaum zu trennen sind. Eine autoritäre Gesellschaft gegen eine vermeintlich dekadente, das ist die Perspektive. Und typisch deutsch ist nach wie vor der antihumanistische Grundkonsens, dass man sich bei Bedarf auf die antihumanistische Seite schlägt mit dem Verweis, man sei dann ja auch antikapitalistisch. Wäre der Begriff nicht so besetzt, würde ich bei vielen Putin-Fans von Nationalsozialisten sprechen.

    Gefällt 1 Person

  12. Lemmy Caution schreibt:

    Die Montags-Demos ziehen ja nun wirklich nicht die Massen.
    In der IT hab ich eine Menge Russland-Deutsche als Arbeitskollegen. Die sagen zwar über Russland tendentiell, dass in der russischen Gesellschaft Dinge wie Demokratie und Freiheit nicht wirklich eine Rolle spielen. Trotzdem wäre ich da sehr vorsichtig mit Verallgemeinerungen.
    Oft haben die nicht den romantisch-deutschen Naivitäts-Defekt zu glauben, alles wäre so einfach. Viele sind politisch sehr wach. Palästinenser übrigens genauso.
    Natürlich mag es da auch frustrierte Spinner geben, aber halt als Minderheit.
    Man kann zwar Hochkultur nicht mit Volk gleichsetzen, aber mein politisches Denken ist ganz bestimmt unter anderem halt auch stark von Dostojewski geprägt, den ich mit 17,18,19 verschlungen habe.

    Gefällt 1 Person

  13. Bon Jour schreibt:

    „Es geht da auch um den Führertyp, um den starken Mann. Da braucht es keine Kenntnisse über Russland, da reicht das Bild des Führers.“

    Richtig, die Amerikaner zeigen es, wie man die freie westliche Welt führen kann und zwar ganz ohne faschistoiden Führer Kult.

    Gefällt mir

  14. hardy schreibt:

    genova,

    [..] fast alle, die den Spiegel kritisieren, ihn nicht lesen

    naja, ich hatte ihn bis in die späten 90er ca 12 jahre abonniert. und ja, heute lese ich ihn nur noch mit dem gedanken „mal gucken, was die idioten heute wieder als offizielle meinung raushauen“. ich verachte den spiegel seit aust abgrundtief. so tief, daß ich mein abo nach 12 jahren abbestellte.

    aber ja, dein satz stimmt so. ich denke, daß (fast) alle, die irgendwie irgendwas an „den medien“ kritisieren, gerade mal die überschrift gelesen haben, ihr bauch sagt ihnen dann, wie sie sich dazu verhalten und das wird dann in die tastatur gehämmert.

    ich halte (fast) alle, die herumzetern für inkomptent und uninformiert, weil ich sehe, wieviel mühe ich mir seit seit 30 jahren gebe, es zu sein und mich selbst für im grunde unterinformiert halte ;-).

    ich stehe halt mehr auf wortradio, den tv3-link zu meinem eigentlichen (wortlosen) blog hatte ich ja mal hinterlegt. das ist das, wie ich es mache.

    [..] die selbsternannten Medienkritiker sind zum größten
    [..] Teil bildungsferne Plapperer

    wo darf ich das bitte unterschreiben?

    [..] Was meinst du mit deiner Bemerkung zu den Foren von Spiegel und Zeit?

    http://community.zeit.de/user/hinterwald
    http://hinterwaldwelt.blogspot.de/2013/01/sisyphos-iv-mea-culpa.html
    und die vorangangenen

    und hier gibt’s eine kleine kritik von mir zu einem spiegel sonderheft, bitte das datum beachten
    http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecial/d-9259388.html

    ich war mitglied des ersten spiegelforums unter C$S (compuserve). da waren wir noch ca 30+ leute). in der folge, also nach meinem weggang und dem ende des ursprünglichen forums habe ich permanent an den spiegel bzw. im forum geschrieben und sie auf die entwicklungen im spiegel (boulevardisierung, zunehmende grobheit im forum) aufmerksam gemacht.

    hat kein schwein interessiert. bei der zeit, siehe mea culpa, dürfte ich höchstselbst dafür verantwortlich sein, daß die da heute die moderatoren haben …

    ich weiss, klingt seltsam, sollte aber tatsächlich so sein. ich mache den scheiss, seit man es kann und ich mache mich schon lustig darüber, seit man das kann

    http://deutschlandnervt.blogspot.de/2007/06/mein-beitrag-im-zeitforum-zum-thema.html

    der witz ist: es geht ihnen sonstwo vorbei und das kommt dabei heraus

    http://hinterwaldwelt.blogspot.de/2014/12/das-kommt-dabei-heraus.html

    wenn man ihnen das sagt ;-)

    sorry für die vielen links, aber ich will nix sagen, was du nicht nachkontrollieren kannst.

    ach ja, ich sitze auf endlos vielen diskussionen des damaligen forums, die ich mir sorgfältigst aufgehoben habe und als programmierer schreibt man sich halt ein kleines programm, das die daten des navCis (offline reader für c$s, daten im foxPro format) auslas und verwertete … ich kann mich also an die „guten alten zeiten“, als alle noch lieb zueinander waren, genauestens erinnern.

    Gefällt 1 Person

  15. hardy schreibt:

    ich hänge noch einen kommentar im zeitforum dran

    http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-09/fs-zu-guttenberg?commentstart=41#cid-707992

    kritik an den medien ist einfach ein alter hut ;-)

    Gefällt mir

  16. genova68 schreibt:

    Wer wissen will, wie Pegida-Teilnehmer ticken:

    Gefällt mir

  17. hANNES wURST schreibt:

    @genova: Mach den Arsch zu, Du Bimbo Fotze! Hahaha. Rassistisch ist das übrigens nicht. Aber der Rest schon. Sicherlich nur eine Provokation von Dir, diesen Rassismus der untersten Schicht mit PEGIDA gleichzusetzen. Dennoch kann man sich ausmalen: falls diese Typen je zu einer Demo gehen würden, dann aktuell wohl am ehesten zu einer PEGIDA Demo. Weil sie denken, da geht es gegen Undeutsche, ich bin dabei. Womit sie – so könnten die „aufrechten“ (und dennoch fehlgeleiteten) – PEGIDA Anhänger argumentieren, ein Maß von Denkvermögen an den Tag legen, das Du in Deiner Argumentation auch nicht überstiegen hast.

    Gefällt mir

  18. genova68 schreibt:

    „ein Maß von Denkvermögen an den Tag legen, das Du in Deiner Argumentation auch nicht überstiegen hast.“

    Mein lieber Hannes,
    ich bin in der gesamten Bloggosphäre und darüber hinaus für meinen messerschaften analytischen Verstand und meine fundierten wie avantgardistischen Kommentare zu den Problemen der Zeit bekannt.

    Jeder Satz in diesem verdammten Blog beruht auf der Lektüre ganzer Bibliotheken.

    Vor dem Hintergrund bitte ich um mehr Respekt auch für den gesellschaftlichen Mehrwert, den ich hier ununterbrochen, permanent, unablässig und darüber hinaus dauerhaft produziere.

    Frohe Weihnachten.

    Gefällt 2 Personen

  19. Das Problem in Dresden ist mit den Biblotheken nicht zu lösen. Diese Gesellschaft stösst an ihre Grenzen. Mit jedem Schritt in die neue schöne Welt wird es heisser. Dabei handelt es sich um einen Teufelskreislauf. Das, was die Wirtschaftskrise beschleunigt, wirkt als ihr stabilisierendes Element.

    Gefällt mir

  20. hANNES wURST schreibt:

    @genova: Die Qualität Deines Blogs und die Schärfe Deiner Analyse bleibt unbestritten. Man muss aber auch respektieren, dass PEGIDA Gutes tut. Zum Beispiel stürzt sich die AfD – diese Leute sind dumm und unerfahren – im PEGIDA Windschatten den Müllschlucker herunter. Und alles wird gut. So jedenfalls mein Weihnachtswunsch.

    Gefällt 1 Person

  21. genova68 schreibt:

    Eine profunde und vor allem sehr sachlich-nüchterne Analyse. In einem Punkt herrscht jedoch Korrekturbedarf: Müllschlucker sind aus Umweltschutzgründen neuerdings verboten – vor allem in NRW. Ich vermute einen Zusammenhang zum Rauchverbot.

    http://www.juraforum.de/recht-gesetz/verbot-von-abfallschaechten-in-hochhaeusern-bestaetigt-471725

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s