Ganz kurz mal eben: PEGIDA

„Das macht man einfach nicht.“ Sollte als Begründung reichen.

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11 Antworten zu Ganz kurz mal eben: PEGIDA

  1. Ringelnatz schreibt:

    Ich bleibe bei 99,6 %

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  2. Herr Karl schreibt:

    Meines Erachtens treffende Einschätzung von Jungle World:
    „Da können sich die „Friedenswinter“-Leute noch so sehr von Pegida und Co. öffentlich abgrenzen: Der Schritt von der einen zur anderen Bewegung ist nur ein kleiner, das ist offensichtlich. Beides sind rechtspopulistische Bewegungen, auch wenn bei der einen Prominenz der Linkspartei mitmarschiert. Hier offenbart sich nur, nun für alle sichtbar, der rechte Gehalt gerade der sich (fälschlicherweise) am linksten Wähnenden in der Linkspartei.“ (Ivo Bozic, 15.12.2014)

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  3. genova68 schreibt:

    Ja, da ist wohl was dran, wobei die Analyse an dem Punkt nicht aufhören sollte. Während es bei den Montagsdemos darum ging, zu zeigen, dass das keine linke, sondern eine rechte Bewegung ist, sind die Verhältnisse bei Pegida klar: rechtsaußen, rechtsextrem, rechtspopulistisch, fremdenfeindlich. Mich interessiert das Psychologische mehr, da sich viele der Teilnehmer Angst haben, sich abgehängt fühlen, Modernisierungsverlierer sind, offene Grenzen gefährlich finden und mehr. Es braucht da eine vernünftige gesellschaftspolitische Analyse, keine reine Schuldzuweisung.

    Interessant, was die Süddeutsche bzw. Byung-Chul Han dazu schreibt:

    Viele sind heute von diffusen Ängsten geplagt, Angst zu versagen, Angst zu scheitern, Angst, abgehängt zu werden, Angst, einen Fehler zu machen oder eine falsche Entscheidung getroffen zu haben. Wir leben längst in einer Gesellschaft der Angst.
    Aus Angst heraus konstruieren Menschen einen imaginären Feind

    Viele haben Angst, den eigenen Ansprüchen nicht genügen zu können. Sie befinden sich in einem Dauerzwist mit sich selbst. Sie beschuldigen aber nur sich selbst für ihr Versagen. Sie schämen sich für die eigene Unzulänglichkeit. Diese Angst ist keine Angst vor dem bedrohlichen Anderen, vor dem Feind oder vor dem Fremden, sondern Angst um sich.

    Und:

    Das heutige Leistungssubjekt arbeitet sich nicht an externen Feinden, sondern an sich selbst ab. Gerade die Konstruktion des Anderen als Feind externalisiert den inneren Konflikt und entlastet dadurch die Psyche. So erwacht vielerorts eine Sehnsucht nach dem Feind.

    http://www.sueddeutsche.de/politik/psychologie-von-pegida-sehnsucht-nach-dem-feind-1.2269476

    Klassisches Verhalten in einer neoliberalen Gesellschaft. Es läuft in Dresden gerade ein soziologischer Praxisunterricht. Verrohung von Gesellschaft kommt nicht aus dem nichts, damit muss sich beschäftigt werden. Die Pegida-Sympathisanten haben offenbar nichts anderes, an dem sie sich festhalten können außer an ihrem Hass auf Fremdes. Sie haben einerseits keine Traditionen, nicht einmal das Weihnachstliedersingen, das sie kommenden Montag veranstalten wollen. Die können nicht singen, nur gröhlen. Auch die neue Frauenkirche oder Disney-Altstadt helfen da nicht, es ist äußerlich, es hat nichts mit ihnen zu tun, auch wenn sie sich das wünschen. Pegida hat den zwanghaften Wunsch nach Tradition, Abendland, Weihnachten, Heimat blabla, aber nichts davon ist für sie in ihrer derzeitigen Konstitution real erreichbar.

    Die Disney-Altstadt ist eher der offzielle Ausdruck der Regression, die zum Nazitum führt. Alles Entfremdung.

    Und andererseits haben die Ossis kein Klassenbewusstsein. Sie haben stattdessen die kollektive Erfahrung, dass sie als Ossis Bürger zweiter Klasse sind. Also treten sie nach unten. Das einzige, was ihnen bleibt.

    Das soll niemaden von der persönlichen Schuld befreien, die er auf sich lädt, wenn er zu diesen Nazidemos geht. Und natürlich darf man diesen Kameraden real keinen Deut entgegenkommen, indem man meinetwegen Flüchtlinge aus dem Osten abzieht. Aber auch hier: Nazis haben sich in den letzten 24 Jahren zu einer normalen Kraft im Osten aufgebaut. Und das konnten die nur, weil es eine reale Entmündigung der Ossis gab. Sie wurden von 1990 an belogen, was blühende Landschaften und Arbeitsplätze und auch, was das Selbstwertgefühl angeht. Der Sozialdarwinismus wurde ihnen dauerhaft nahegebracht.

    Dazu natürlich die fremdenfeindliche Grundausstattung der DDR, nicht nur, was Menschen,auch, was Kunst, was den Umgang mit Anderem angeht.

    Und auch die technologische Entwicklung: Es ist heute für jeden möglich, in Info-Paraellelwelten abzutauchen und dort infiltiert zu werden. Das machen mittlerweile vermutlich Millionen. Eine andere Parallelwelt als die, die man bislang mit dem Begriff verbindet.

    Das alles und noch viel mehr kommt jetzt raus.

    P.S.: Das Phänomen gibt es natürlich auch im Westen, aber eben einem ganz anderen, kleineren Ausmaß.

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  4. genova68 schreibt:

    Das hier aus der FR passt auch dazu. Täterland Deutschland, mal wieder:

    Entgegen der vorherrschenden Meinung verfolgt Angela Merkel einen klaren Kurs: Die Modernisierung in gesellschaftlichen Fragen verbindet sie mit knallhart neoliberaler Politik… Diese Kanzlerin wird in die Geschichte eingehen als die Politikerin, die Deutschland – und ganz Europa – auch ökonomisch auf liberalen Kurs gezwungen hat. Das ist der verheerende (und keineswegs moderne) Teil der Merkel’schen Bilanz, die sie mit der modernen Anmutung in anderen Fragen so meisterhaft zu übertünchen vermag ….

    Ihr Kalkül bestand – zynisch gesagt: ganz europäisch – darin, die Folgen des neoliberalen Tuns in die EU-Nachbarländer zu verlagern und die Deutschen in der Illusion zu halten, sie hätten nichts zu befürchten.

    Dass soziale Sorgen und Abstiegsängste mit dieser Strategie nicht auf Dauer unter der Decke zu halten sind, zeigt sich nun ausgerechnet am rechten Rand, wo die Wut sich zwar gegen „die Politiker“ richtet, aber nicht gezielt gegen die Hauptverantwortliche: Angela Merkel.

    http://www.fr-online.de/meinung/angela-merkel-die-zwei-gesichter-der-angela-merkel,1472602,29351748.html

    Die Verbindung der neoliberalen deutschen Täterin Merkel inklusive ihrer herrschenden Klasse mit Pegida halte ich für sinnvoll und damit auch den Vorwurf an Merkel, Schröder und andere, mit ihrer Politik den Nazis zuzuarbeiten. Ohne Skrupel, vermute ich.

    Deshalb ist zwar kein einziger der Pegida-Kameraden gewzungen, Nazi zu werden, aber so läuft es offenbar in einer Konkurrenzgesellschaft. Fast sowas wie ein anthropologische Konstante.

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  5. genova68 schreibt:

    Scheint zwar keinen zu interessieren, aber ich plappere einfach weiter:

    1. Eine Verhetzung von Menschen findet auch statt, wenn ihr Wert unter kapitalistischen Bedingungen berechnet wird. Kürzlich sagte eine Studie, dass Migranten deutlich mehr bringen als sie kosten. Dazu meinte Professor Sinn, das Gegenteil sei der Fall.

    Ich kann mir jetzt also aussuchen, wem ich glaube und dann „Ausländer rein“ fordern oder „Ausländer raus“. Aber wie kommen diese Zahlen zustande? Vermutlich mit Perfidie: Wenn ich für fünf Euro die Stunde arbeite und aufstocke, dann bin ich für die Gesellschaft schädlich, denn die zahlen dann angeblich zu. Wenn ich aber der Chef eines Fünf-Euro-Jobbers bin, der dessen Mehrwert einstreicht, dann bin ich wertvoll für die Gesellschaft, obwohl ich objektiv ausbeute.

    Ohne sich auf Marx zu beziehen und die menschenverachtende Logik des Kapitals zu beachten, komme ich erkenntnismäßig nicht weiter, sondern zu Pegida.

    2. Je reicher eine Gesellschaft ist, desto massiver scheint sie nach unten zu treten. Und je kulturloser Menschen sind, desto massiver wehren sie sich gegen Fremdes. Obwohl gerade sie davon profitieren könnten.

    3. Wenn Pegida eine „blumige Sprache“ fordert, dann meinen die: Wir wollen weiter Neger und Kanacke sagen. Die Ossis mussten sich ab 1990 sprachlich massiv umstellen, tausende Wörter durften sie nicht mehr sagen, sondern mussten sie ersetzen. Das haben sie gemacht, weil die neuen sprachlichen Vorgaben eingehalten werden mussten, wollte man nicht in der Hierarchie abrutschen. Es ging teilweise ums nackte Überleben.

    Genau deshalb will man nun beim Neger und Kanacken bleiben: Die stehen nämlich noch unter den Ossis, also haut man drauf. Wobei das nicht nur ein Ostproblem ist, gibt es im Westen auch.

    Wer getreten wird, tut treten.

    Deutsche Kultur im Jahr 2014.

    P.S.: Ein guter Artikel zum Thema von Götz Eisenberg von den nachdenkseiten:
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=24336#more-24336

    Auszug:
    Die Aufmärsche sind zum Fürchten und unsere, der Demokraten und Linken Lage ist schwierig. Im Sinne Horkheimers wird es nur eine langfristige Lösung für das Problem des Rassismus und des Ausländerhasses geben. Solange den Menschen mehr Verzichtsleistungen und Triebeinschränkungen auferlegt werden, als sie ohne Beschädigung ertragen können, werden ihnen im sozialen Vorurteil auch gleich jene Ersatzobjekte markiert, auf die sie ihre akkumulierte Feindseligkeit verschieben und an denen sie sich für Enttäuschungen rächen können. Wir müssten die gesellschaftlichen Verhältnisse so einrichten, dass den Menschen in der Erziehung und durch ihre Lebensumstände weniger Bosheit eingepresst wird. Dann würden sie keine Sündenböcke mehr benötigen, auf die sie ihre Misere verschieben können.

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  6. hANNES wURST schreibt:

    Ich finde PEGIDA ebenfalls voll scheiße und den Bömmelmann Audiobeitrag auch einigermaßen witzig – aber nicht zielführend. Ähnlich wie bei der Jebsen / Montagsdemo DIskussion in ebendiesem Blog meine ich, dass ein Abstempeln von bestimmten Meinungsäußerungen als faschistisch oder vollidiotisch (unabhängig davon, ob diese Bezeichnungen vielleicht ganz oder teilweise zutreffen) nicht zielführend ist – jedenfalls wenn das Ziel ist, zu verhindern, dass ultrarechte oder islamophobe Strömungen expandieren. Insofern bin ich hier auf Seiten von de Maizière und halte den Brustton der Entrüstung von genova oder Bömmelmann für vielleicht eigennützig aber nicht in der Sache nützlich. Besser wäre es, hier sachlich und verständlich zu argumentieren, denn sachlich sind PEGIDA und Co. nicht zu halten während es schwer ist, emotional gegen die (wahrscheinlich echte) Entrüstung von PEGIDA Anhängern anzukommen.

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  7. genova68 schreibt:

    Hannes,
    sehe ich alles genauso. Der Böhmermann ist erfrischend, aber natürlich nicht analytisch. Genau deshalb finde ich das gut: dass man, zumindest auch mal, sagt: Idioten. Analyse muss es – an anderer Stelle – aber trotzdem geben. Mein Versuch von Analyse erfolgte in den Kommentaren. Gerade das letztgenannte, das gefettete. Ich haue ja gerade nicht nur drauf.

    Maziere hat aber Verständnis geäußert, oder? Das finde ich das übelste. Das bedeutet, dass die man deren Argumentation gut findet. Das wäre aber das Eingeständnis, dass deren Lügen richtig sind.

    Eine bemerkenswerter Kommentar von Augstein im Spiegel:

    Die Politik sollte den Teufel tun und die Debatte mit Idioten und Rassisten suchen. Denn ein Idiot oder ein Rassist ist jeder, der an einer Demonstration gegen die „Islamisierung des Abendlandes“ teilnimmt.

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/jakob-augstein-ueber-pegida-eine-folge-von-angst-und-armut-a-1009297.html

    Wohltuend, dass da jemand nicht den Quatsch von Bürgern aus der Mitte nachplappert. Das suggeriert nur, dass die mit ihren Forderungen recht haben. Und was soll das mti der Mitte überhaupt bedeuten? Der gemeine Handwerker und Familienvater kann nicht irren.

    Die Debatte mit denen suchen würde ich schon. Man redet dann halt mit Idioten. Was denn sonst? Hoffen, dass die in ihrer Beschränktheit nicht lange spazieren werden. Möglich, aber die Stimmung bleibt.

    Es ist dies auch die Frucht der jahrelangen Hetze im Netz, PI und ähnliches.

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  8. hANNES wURST schreibt:

    Auf de Maizière wurde rumgeritten, ich habe nur das Tagesschau Interview gesehen in dem er sagt, man kann es sich nicht so einfach machen und die PEGIDA Leute als Nazis abstempeln, in keiner Weise hat er jedoch dadurch Verständnis für PEGIDA Ziele oder Aussagen geäußert. Er meinte, es wäre wichtig, zu verstehen, was diese Leute zu ihren Fehlschlüssen bringt.

    Das ist so ähnlich wie bei der Hypochondrie: erst einmal hilft man den Betroffenen, indem man ihnen möglichst deutlich darlegt, dass sie nicht krank sind. So ähnlich sollte es auch bei PEGIDA funktionieren, nur umgekehrt.

    Im Übrigen gibt es auch für mich eine Schmerzschwelle, über der ich den Islam oder bestimmte Formen des Islam (und den militanten Islamismus sowieso auch jetzt schon – aber den sehe ich nicht wirklich als Teil des Islam) in Frage stellen würde. Wenn mir zum Beispiel die Scharia-Polizei das Schweinsbratenbrötchen aus der Hand schlagen würde oder so. Ich finde es weiterhin gar nicht schlimm, wenn jemand über den Islam schimpft. Über die katholische (meine) Kirche wird das doch auch andauernd getan, da drehe ich ja auch nicht gleich durch, im Gegenteil bedauere ich natürlich jeden, der noch nicht zu Gott gefunden hat und gebe ihm einen Keks.

    Warum darf man da nicht mal über den Islam meckern? Zumindest wenn man mal komplett ausblendet, dass es in Deutschland vor nicht allzu langer Zeit schon einmal eine Tendenz gegeben hat, religiöse Minderheiten zu diskriminieren, auszugrenzen, auszulöschen, dann kann man daran doch wohl wirklich nichts finden. Man kann nicht erwarten, dass die Deutschen nur wegen dem Holocaust für immer anständig bleiben.

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  9. Bon Jour schreibt:

    Der Augstein/Pegida Artikel ist gar nicht mal so schlecht, für einen Antisemiten.

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  10. altautonomer schreibt:

    „Man kann nicht erwarten, dass die Deutschen nur wegen dem Holocaust für immer anständig bleiben.“ Doch – das ist möglich und nur durch ständige Thematisierung und Schaffung eines verantwortlichen Geschichtsbewußtseins eine Wiederholung eher unwahrscheinlich.

    Der Islam müßte sich noch einige Jahrzehnte lang Massaker, Attentate und Kriege einfallen lassen, um die Leichenberge aufzutürmen, die das Christentum im Laufe seiner Geschichte hinterlassen hat. Das ist keine Verharmlosung des Islam, sondern Fakt.

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  11. genova68 schreibt:

    Hannes,
    falls es dir entgangen ist: In Deutschland wird seit fünfzehn Jahren täglich über den Islam gemeckert. Gut dass du nicht fragst, warum man den Islam nicht kritisieren dürfe. Islamkritik gibt es leider wenig, Fremdenfeindlichkeit als Islamkritik getarnt gehört dagegen mittlerweile zum Standard.

    Aber dein Beitrag ist eh nur Provokation.

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