Die Linke will den (das? die?) Rudelbums und Gysi weiß nichts davon

Die derzeitigen Diskussionen um eine sich gerade etablierende Querfront haben auch etwas mit kulturellen Divergenzen zu tun. Man versteht sich nicht. Schönes aktuelles Beispiel: Die Linksjugend Sachsen hat sich kürzlich am Rande einer Dresdner Demo „besorgter Eltern“ gegen „Frühsexualisierung“ so präsentiert:

dresden

Rudelfick statt Physik, Sperma im Haar statt Kuchenbasar, Porno statt Adorno: Eigentlich für jeden halbwegs Verständigen als satirische Zuspitzung erkennbar.

Nicht so für die Eltern.

Die strammbesorgte Vordenkerin der Besorgten, die AfD-Politikerin Beatrix von Storch, kommentiert dazu:

„Die meinen das so. Mehr muss man dann wohl zu diesem Haufen Gestörter nicht wissen.“

Ich schätze, dass Frau von Storch das genau so meint. In ihrer Welt kann die Frühsexualisierung gar nicht ironisch getoppt werden, da diesen Linken alles zuzutrauen ist.

Weitere typische Kommentare der Eltern und ihrer Sympathisanten:

„Sie verharmlosen damit die Taten in der DDR. Die Taten der Mauermörderpartei.“

„Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Gregor Gysi die Inhalte der Aussagen auf den Transparenten mitträgt, wenn ja, um so schlimmer.“

„Jetzt versuchen die Steinzeitkommunisten und EX-SEDler auf den Paedophilenzug der Gruenen zu springen“

„Das Problem ist, dass man selbst als bisexuelle Linke nicht die Satire eurer Aktion erkennt und viele Wähler und Linke-Mitglieder jetzt geschockt sind.“

„Jeder anständige (vernünftige, moderate, bescheidene) Homosexuelle sollte euch für diese Aktion eine aufs Maul geben, denn soo gewinnt man keine Fans. Zumindest nicht, wenn man halbwegs gesund im Kopf ist.“

„Man sieht denen an, dass die nur mit Kiffen, fummeln und Rudelbumsen beschäftigt sind und nie irgendeine Bildund genossen haben. Verursachen bei mir eher Mitleid !“

„Alle Politiker sollen Ihre Haftstrafe antreten,denn Sie haben in der vergangenheit das Deutsche Vokl betrogen. 1949……1990 Wiedervereinigung ..alle Gesetze sind ungültig“

„Solche Spinner müssen doch mal merken dass Sie genauso wie richtige Nazis hier unerwünscht sind!“

Wir wissen nun: Rudelficken verharmlost Mauermörder, Gysi hat ein Informationsdefizit, SED-ler waren schon immer pädophil, alle Politiker unter 80 müssen ins Gefängnis, anständige Schwule sollten jetzt zur Gewalt greifen, bekifftes Rudelbumsen verhindert Bildung, Nazis sind unerwünscht und bisexuelle Linke geschockt.

Vielleicht sollte sich noch die Frisöreninnung freundlich zu Wort melden, denn die erhöhen sicherlich ihre Umsätze, wenn sie nun unabsehbare Mengen Sperma aus Haaren entfernen müssen.

Es trifft hier wohl zu, was Günter Wallraff schon in den Siebzigern über die Bild-Zeitung schrieb: Satire und Ironie seien dort unmöglich, weil sie nicht erkannt würden. Wer im daueralarmistischen Ton unterwegs ist („Untergang des Abendlandes!!!“), der kann gar nicht anders, als alles Ernst nehmen. Wo sollen die Kategorien zur Differenzierung herkommen? Von Frau von Storch wohl nicht.

Andererseits vermute ich bei vielen besorgten Eltern und ihrer Kameraden heimlichen Neid: Bekifft Rudelbumsen fänden manche gar nicht so ungeil und Porno statt Adorno beschreibt nur unsere Alltagskultur. Es ist die alte christliche Körperfeindlichkeit, die sich da Bahn bricht. Reaktionäre Moslems könnten sich dazugesellen. Widerwärtig ist natürlich, dass diese Leute kein Problem haben, „Kinder“ zu instrumentalisieren. Der kinderlose Jürgen Elsässer redete in Dresden mehrfach ganz besorgt von „unseren Kindern“.

Montagsdemos, Friedenswinter, Israel-Kritiker, niedersächsische Schlagersänger, Ex-Attac-Verwirrte, Nazis, Demagogen, mittige Bürgerliche, Souveränitätssucher, Homophobe, Putinfans, Esoteriker, Hogesa-Schläger, Antisemiten, Islamkritiker, Sarraziniker, Heimatschützer, Zinskritiker, Pegida-Schweiger, RT-Deutsch-Gucker, Nein-zum-Heim-Plärrer, Schamanen, Deutschlandliebende, Holocaustleugner, besorgte Eltern und eine Unmenge uninformierter, ignoranter, dummer Leute: Es ist bemerkenswert, was sich dieses Jahr getan hat.

„Wir sind das Volk“ ist endgültig zur Drohung geworden.

Das Phänomen der Tea Party ist in Deutschland angekommen, das allgegenwärtige Unwohlsein der Ergebnisse neoliberaler Politik führt auch hierzulande nicht zum Widerstand gegen eben diese neoliberale Politik, sondern zu dem merkwürdigen Phänomen, dass die Betroffenen auf sich selbst zurückgeworfen sind und nicht anders können, als sich an verlässlichen, gesellschaftlich lange eingeübten rechten Reflexen zu orientieren. Das könnte man natürlich auch als fehlendes Angebot von links interpretieren.

Wie üblich kommen amerikanische Moden hier mit ein paar Jahren Verzögerung an. Was ist derzeit in den USA en vogue? Es bleibt spannend.

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22 Antworten zu Die Linke will den (das? die?) Rudelbums und Gysi weiß nichts davon

  1. Thomas Gawehns schreibt:

    Von den Parolen „Rudelfick statt Physik, Sperma im Haar statt Kuchenbasar, Porno statt Adorno“ her ist, ist das mit dem Sperma eindeutig satirisch gemeint.

    Aber bei den anderen geht es doch tatsächlich um die Frage ob Geld/Zeit/Lehrer für das eine oder das andere verwendet werden. Und selbst wenn zusätzliche Mittel bereitgestellt werden, muss die Aufmerksamkeit des Schulkinds entsprechend verteilt werden.

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  2. genova68 schreibt:

    „Porno statt Adorno“
    Du meinst, man müsse sich ernsthaft fragen, ob für Adorno oder Porno Geld verwendet wird? Ich glaube, derzeit belaufen sich die Ausgaben für beide Bereiche auf exakt null Euro.

    Aber das muss ja auch kein Gegensatz sein. Ich plädiere für intensiven Adorno-Unterricht mit anschließendem Rudelbums (Zeitverhältnis 50:50) und dann wollen wir doch mal sehen, ob es kein richtiges Leben im falschen gibt.

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  3. summacumlaudeblog schreibt:

    Völkische Wutbürger, revoltierende Konservative, gibt es etwas, was mehr Angst macht?
    Auch in den Jahren 1930 ff waren Wutbürger unterwegs, deren zunächst noch ungeordnete Wut der Import aus dem Waldviertel so furchtbar exakt auf „das Fremde“ zu fokussieren wusste. Eine Masse bildete sich aus. Ich muß hier auf die wunderbaren Texte auf http://shiftingreality.wordpress.com/2014/11/14/synthetische-mobilisierung/ aufmerksam machen. Es geht dort genau um dieses beunruhigende Phänomen: Der Linken geht das Gefühl für das Thema verloren, die Rechte entpuppt sich einmal mehr als instinktsicherer.

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  4. genova68 schreibt:

    „Der Linken geht das Gefühl für das Thema verloren, die Rechte entpuppt sich einmal mehr als instinktsicherer.“

    Tja, was sollen sie machen, die Linken? Ich habe den Eindruck, als könne man da gar nichts machen, es sind die Verhältnisse, wie oben geschrieben ein psychologisches Moment verschärften Leistungsdrucks. Auf arte lief kürzlich eine Reportage über Christal-Meth-Konsumenten, die das Zeug nehmen, um den Anforderungen einer 80-Stunden-Woche gewachsen zu sein. Beispielsweise eine alleinerziehende Krankenschwester von zwei Jungs, die Samstagmorgens aus der Nachschicht kommt und dann Christal Meth nimmt, um mit ihren Kindern am Tag etwas unternehmen zu können.

    Unter Druck werden Leute regressiv, im Osten herrscht Dauerdruck. Die Bilder der Pegida zeigen: Es ist die Zeit der harten, stummen Männer. Die rohe Bürgerlichkeit kehrt zurück. Eigentlich alles wie aus dem Geschichtsbuch, wie du es schreibst, summa.

    Kein gutes Zeichen.

    Bemerkenswert übrigens, wie massiv sich der sächsische Innenminister diesen Kameraden angedient hat:

    „Wenn deutsche Rocker Angst und Schrecken verbreiten, gehen wir knallhart dagegen vor. Und wenn Asylbewerber schwere Straftaten begehen, muss künftig ebenso konsequent durchgegriffen werden“, so der 50-Jährige.“

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/asylbewerber-sachsen-plant-sondereinheit-der-polizei-a-1004670.html

    Das ist eigentlich übler als die Pegida-Hampelmänner.

    Auch ganz interessant:

    https://www.jungewelt.de/schwerpunkt/rechte-pressure-groups

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  5. summacumlaudeblog schreibt:

    Die Empörung über die unbestreitbare Tatsache , dass die geforderte Leistungsknuffe nur pharmakologisch unterstützt zu bewältigen ist, wäre ja vielleicht so ein Thema! Aber Abhängigen ihre Abhängigkeit erklären…das ist schwer.

    Übrigens haben vor 20 und mehr Jahren Medizinstudenten schon die Lernphasen mit Amphetamin verlängert. Und das Methamphetamin hat unter dem Handelsnamen Pervitin bereits die Wehrmacht zu Höchstleistungen beflügelt. Ebenso die Helden von Bern. Allerdings auch: Hans und Sophie Scholl; die Doppelbelastung normales Studentenleben und nächtliche Widerstandsaktionen haben auch sie nur mit Pervitin geschafft. Woraus folgt: Stoffkonsum allein trübt noch nicht das moralische Urteilsvermögen.

    Last but not least: Wieviele Stoff religiösen Erleuchtungen Ursache war, ist kaum zu ermessen. Grüße!

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  6. genova68 schreibt:

    Ja, die Pervitin-Geschichte wurde auf arte auch gebracht. Ich frage mich, ob Pervitin zu solch extremen Stimmungsschwankungen führen kann wie CM. Die entsprechenden Szenen in breaking bad (spontanes Tottreten) sind offenbar gut recherchiert.

    Lustig ist übrigens der Hintergrund des Pegida-Anführers Lutz Bachmann: Er war 2000 angeklagt wegen 16 Einbrüchen und Verbindungen zum Dresdner Rotlichtmilieu. Er ist dann nach Südafrika abgetaucht, bis er dort faktisch abgeschoben wurde und kam ins Gefängnis. 2008 wurde er mit 40g Kokain erwischt.

    Wundert nicht wirklich, dass hinter selbsternannten Saubermännern, die angeblich um die Demokratie und die Heimat besorgt sind, Kriminelle stecken. Vielleicht ist das so eine Art Kompensation: Wenn ich andere Gruppen kriminalisiere, kann ich besser als Tugendwächter performen.

    http://m.bild.de/regional/dresden/dresden/die-straf-akte-des-pegida-chefs-38794678,variante=L.bildMobile.html

    Bei der Bild kann man das Gefühl bekommen, dass die die Pegida stützen.

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  7. garfield080 schreibt:

    naja, ein Merkmal von Satire ist ja, auf irgendwas Hinweisen zu wollen. Und wenn ich mir das Foto oben ansehe, wollen die ja offenbar mitteilen daß die Aufregung übertrieben ist…
    Das ganze ist wohl ein „Nebenschlachtfeld“ des berüchtigten Fragebogens „M7a“
    Ziel ist natürlich klar: sich besser in Homosexuelle einfühlen zu können; oder wie Niggermeier so schön ausdrückt: „…die Schüler am Sinn dieser Fragen zweifeln zu lassen“ … die Frage ist halt, ob auch 12/13jährige schon auf diese Meta-Ebene kommen – die ja eigtl gewohnt sind, Fragen gewissenhaft zu beantworten (& das v.A. auch weiterhin sollen…), statt sie in die Tonne zu kloppen, übertrieben gesagt…

    Die Herangehensweise find ich zwar spannend, ganz allgemein – ich frag mich nur, ob für die 7. Klasse geeignet (wieder ganz allg & speziell auch der Fragebogen).
    WIMRE, das erste Jahr mit sog. „Sexualkunde“ – Lehrstoff: „Aufklärung“, Befruchtung/ Eizelle, Entwicklung des Embryos, Verhütung… zwar wussten alle Bescheid, aber eher unreif, ständig am Kichern usw… wobei der Fragebogen wohl sowieso eher ins Fach ‚Ethik‘ passt.
    Heute sehn 13jährige (zumindest) Mädels zwar aus wie 18; und haben im Schnitt vermutlich nicht nur ein Mehr an Pornos, sondern auch realem Sperma gesehn als früher manch echte(r) 18jährige – das heißt aber lange nicht, daß sie auch geistig reifer sind.

    Insofern kann ich die Vorbehalte der Eltern schon nachvollziehn, ich seh da auch nicht unbedingt Homophobie. Daß das übliche Linken-Bashing mit dabei ist, liegt hier MMN mehr an den „Rezipenten“ als der Sache.
    Ohne mich jetzt näher über ‚Besorgte Eltern‘ informiert zu haben – die Methode (zumindest auf dem Foto) find ich ziemlich kontraproduktiv. Auch wenn Elsässer keine Kinder hat, dürften einige Eltern so denken, siehe nur der Aufruhr um den Fragebogen. Statt Publicity in eigener Sache zu machen, könnte man evtl ja auch versuchen denen ihre Ängste zu nehmen…

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  8. Chris(o) schreibt:

    Ja, was wäre Eltern zu raten? Vielleicht ist ein guter Weg der, sich auf die „Kernkompetenzen“ der Elternschaft zu besinnen: Hegen,pflegen, hüten schützen und allen Rattenfängern von links, rechts oder sonst woher anraten,sich um ihre eigenen Identitätsprobleme zu kümmern.
    Eltern sind in aller Regel sehr gut in der Lage, ihre Kinder engagiert und gut gelaunt durchs Leben zu begleiten.Sie brauchen keine obskuren „Selbstverwirklichungsentwicklungshelfer“ für ihre Kinder.Die entwickeln sich in einer Atmosphäre von wechselseitiger Akzeptanz ganz von alleine zu Erwachsenen, die sich selbst und andere so respektieren können wie sie sind.“Spezialaufklärung“ ist da vollkommen überflüssig, außer für die, die ihr ureigenstes Süppchen am köcheln halten möchten.

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  9. Garfield schreibt:

    ich hab das Gefühl diese Kernkompetenzen der Eltern- wurden offiziell schon längst an die Lehrerschaft abgegeben…

    nochmal zum „Fragebogen M7a“ – ich hab zwar nicht alle AWs unter Niggermeiers Blogpost durch, aber #54 & #56 treffen eigtl ganz gut was mir an der Sache nicht gefällt, auch wenn ich „Verwirrung“ weniger an befürchte…
    den Kerngedanken des Fragebogens zu kapieren trau ich durchschnittl. 12/13jährigen eigtl schon zu; und wenn nicht – im Zweifel wird kaum jmd ne sexuelle Neurose davontragen, sondern das Ding höchstens in die Ecke schmeißen…
    Sorgen macht mir eigtl v.A. das Pro-Argument – gerade daß „die Schüler dabei ja nicht allein gelassen, sondern von Pädagogen betreut werden“…

    Wer sich an die Schulzeit erinnert, dürfte ja noch aus eigener Erfahrung wissen, was für -„Pädagogen“- manche Lehrer sind…
    Wenn ich mir vorstelle, was solche Spezialisten evtl mit dem Fragebogen anstellen, z.B. statt einzeln + anonym – „wir arbeiten jetzt i.d. Gruppe“ & die Schüler vor der Klasse beantworten/begründen lassen… am besten noch jmd, der merkt daß die Fragen so ganz & gar nicht passen – aber nicht weil „absurd“, sondern SchülerIn grad feststellt daß er/sie selbst evtl _nicht_ hetero ist (der Fragebogen richtet sich ja explizit an Heteros, also müßte man vorher theoretisch fragen…)
    könnte schon ne mehr als nur unangenehme Situation werden.

    stell dir mal vor dein Arbeitgeber fragt dich nach deinem Sexualleben … 12- 13 jährige haben leider seltener die Courage, ihrem Lehrer den Vogel zu zeigen. wobei ja auch die Benotung davon abhängt

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  10. Nazienkel schreibt:

    Naja – es soll doch wohl eher darum
    gehen, dass Kinder auch in der Schule begreifen lernen, dass es auch andere sexuelle Orientierung als die ihrer Eltern geben kann. Und dass da nichts schlimmes daran ist – oder sein muss.

    Wäre unsere Gesellschaft solch eine von Akzeptanz geprägte, würden sich wohl keine z.B. homosexuellen Jugendlichen wg. Mobbing etc. umbringen.

    Wen man sich anschaut, was sich da in BW zusammentat, um „Frühsexualisierung“ zu verhindern weiß man auch, welch Geistes Kind diejenigen meist sind.

    Es ist eher die Angst vor „Verschwulung“, die da zum Ausdruck kommt, als Kritik.

    Leistungssteigerung: Abseits von dem Konsul von viel Speed und Koks hatte ich auch
    Komilitonen, die sich Anti-Alzheimermedikamente in hoher Dosierung verabreichten – abgesehen von z.B. auch ärztlich verschriebenem Virgil. Soviel zur Leistungsgesellschaft. Wobei dies nicht zwangsläufig zum guten Abschluss führte. Manchmal endete es auch mit kleineren Umwegen in der Therapie.

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  11. genova68 schreibt:

    Über den eigenen Sex reden zu MÜSSEN, kann es nicht sein, stimmt. Wäre in einer befreiten Gesellschaft wahrscheinlich nicht so, weil man dann gerne über Sex redet und über die eigene Perversion.

    Man sollte jedenfalls die Menschenverachtung der Religionen bekämpfen, Christen, Moslems, egal: Das sind die Feinde des liberalen Menschen, indem sie schon Kindern Schuldgefühle wegen ihres Körpers einimpfen, das ist die wesentliche Aufgabe der Religionen, schätze ich: Kontrolle, und das geht am besten über den Körper.

    Die mittelalterlichen Christenführer haben ihren Foucault gelesen.

    Dass man heute überhaupt Begriffe wie Verschwulung kreieren kann, zeigt schon, welch desaströses Schlachtfeld die Religiösen bereitet haben. Man befasse sich mit Sexualität vor dem Christenangriff: Es war vor 3000 Jahren fortschrittlicher als heute.

    http://derzaunfink.wordpress.com/2014/12/04/schwule-weltverschworung-es-ist-alles-wahr/

    Aber es kann heute auch der gläubige Christ Volker Kauder gleichzeitig Waffenlobbyist für Heckler und Koch sein. Für Christen ist das kein Problem.

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  12. Garfield schreibt:

    den Kindern in Bio beizubringen, daß Homos- oder Bi-Sexualität unter allen Säugetieren nichts anormales ist, ist sicher nicht verkehrt.

    in Form „persönlicher Anrede“ find ich sowas aber fraglich; Fragen wie „Ist es möglich, dass deine Heterosexualität nur eine Phase ist und dass du diese Phase überwinden wirst?“ ausgerechnet an eine Altersgruppe zu richten, die i.d. Regel noch gar nicht wissen kann, überhaupt heterosexuell oder auch nicht zu sein – egal wieviel Sex sie schon mit welcherlei Geschlecht hatte – ist in meinen Augen auch irgendwo leicht absurd…

    gemobbt wurde an Schulen schon immer & wird vermutlich auch immer werden, die „Gründe“ sind da eigtl austauschbar… ich will da nix schönreden – nur könnte dieser Fragebogen leicht selbst Potential dazu bieten. die Fragen, die er „zwischen den Zeilen“ so in den Raum stellt, werden für Pubertierende ja kaum zu übersehn sein: „hast du überhaupt schon?“, „bist du überhaupt hetero“…
    persönliche & sehr intime Dinge, die im _Lehrplan_ eigtl nix verloren haben

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  13. Nazienkel schreibt:

    Es gibt in der Pädagogik oft Gedankenanreize, die in dieser förmlichen Anrede geschrieben sind.Und oft wirkt das bescheuert und überemphatisch. Ich gebe Dir in dem Punkt Recht, auf z.B. Vierzehnjährige bezogen, hört sich das seltsam an in dieser Form. Anders wäre es doch mit: “Ist es möglich, dass heterosexuelle Vorlieben/Neigungen (oder homosexuelle) Teil einer Phase sein können?“ So kann man eine solche Frage gewiss besser mit giggelnden Schülern besprechen, denke ich.

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  14. Garfield schreibt:

    zur Info:
    Sasse (inzw ja selbst ein „Pädagoge“ ;) hat das Experiment übrigens duchgeführt (wusste ich gar nicht); allerdings mit einer 9., also 14 – 15jährige

    jüngere Schüler hat er wohl nicht; da seine Klasse ziemlich klein ist – 10 Jungs und nur ein einziges (!) Mädel – ist das Ergebnis wohl alles andere als repräsentativ, trotzdem ein interessanter Erfahrungs-Bericht.
    Hat mich teils gewundert.

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  15. Chris(o) schreibt:

    Eltern sollten ihren Kindern ein paar gepfefferte Standardsätze mit auf den Weg geben, die sie den Lehrern und anderen übergriffigen „Aufklärern“ bei sich passender Gelegenheit um die Ohren hauen können.
    Die besten Sätze werden aus intimen Gegenfragen bestehen, die solange wiederholt werden, bis sich der Lehrkörper krümmt.Zum Standard gehören noch einige griffige Solidaritätsadressen an die Differenz und Verbeugungen vor den verfolgten Minderheiten im Feld der Sexualität.
    Wenn Schüler schon nicht entscheiden können, was sie sich von Profilneurotikern aller Klassen auf´s Auge drücken lassen wollen, dann sollten sie zur Vorbereitung in Fragen des hintersinnigen und gerne auch hinterhältigen Humors intensive häusliche Schulung erhalten haben.
    Sexualaufklärung soll ja allen Spaß machen!

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  16. Garfield schreibt:

    ich wusste gar nicht mehr, daß ich doch wusste, daß Sasse den Fragebogen durchgenommen hat
    (Hyperlinks auf comments sind da nicht möglich)…
    wie die Zeit vergeht…

    @“Besorgte Eltern“ wirkt auf den ersten Blick auf jeden Fall leicht suspekt auf mich. Was z.B. die Verweise auf Islam-Unterricht mit ‚Frühsexualisierung‘ zu tun haben… die polemische Panikmache wirkt auch nicht grad seriös…

    Ein Punkt bei der ganzen Aufregung ist, daß „Sexualkunde“ bundesweit schon i.d. Grundschulen/ ab 1. Klasse zum Lehrplan gehört.
    als Pro-Argument wird z.B. die hohe Zahl früher Schwangerschaften gebracht, auch wenn das mit 6, 7, … 10 wohl ein biologischer Sonderfall wäre… auf der andern Seite ist Sex i.d. Medien (nicht nur I-Net) ja sowieso Dauerthema & nicht mehr erst ab 22ºº – an „Früh-Sexualisierung“ kommen Kinder also eh kaum vorbei.

    Da ich nicht weiß wie der Unterricht im Detail abläuft, bin ich da unschlüssig … die Vorbehalte mancher Eltern kann ich jedenfalls nachvollziehn; kulturelle Unterschiede spielen da wohl auch eine Rolle.
    Schule _wie_ Elternhaus dürften aber _generell_ zu den letzten Orten gehören, an denen Kinder/Teens gern (und v.A. offen) über Sex reden

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  17. Garfield schreibt:

    PS. was ich schon immer wissen wollte mich aber nie zu fragen traute:
    welche html codes hier in comments erlaubt sind & nicht. kann man hier z.B.

    um jetzt 2318 zitieren

    H2O oder klein schreiben? (<ins>bei mir funzen die nämlich alle</ins>)…

    [grün zur Löschung]

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  18. genova68 schreibt:

    Vielleicht hilft dir das weiter: http://de.support.wordpress.com/code/

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  19. Nazienkel schreibt:

    Zur Aufklärung gehört eben auch, Kinder in die Lage zu bringen, sexuelle Übergriffe als solche erkennen zu können. Leider nicht ungewöhnlich, dass hierdurch Kinder lernen, dass Papa oder Mama sie nicht anfassen dürfen, wie und wo sie wollen. Was manche Kinder erfahren müssen. Hierfür ist frühe Aufklärung wichtig. Ich würde da nicht in Hysterie verfallen. Die sollen ja nicht so früh wie möglich lernen, wie sie poppen. Ich habe manchmal das Gefühl, als dächten viele, dass die Kinder aber genau das lernen sollen, das poppen. Aber sie sollen vor allem in der Lage sein, selbst zu entscheiden, was sie machen wollen, und was nicht. Und es gibt viele – mit denen machen andere schon sehr früh, was sie wollen. Auch Widerstand gegen so etwas hat was mit ‚Wissen‘ zu tun.

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  20. summacumlaudeblog schreibt:

    Ich bin da als Mehrfachvater (drei) ganz unentschieden, würde aber rein ästhetisch der AfD-Hysterie zunächst mal eine Absage erteilen. Gleichzeitig kriegt man mich aber auch nicht davon überzeugt, die Frühaufklärung als via regis anzusehen. Unsere haben irgendwann gefragt und erhielten dann keine ornithologische Auskunft.
    Na ja, wenn alle Erziehungsfragen so einfach wären, das Kindergroßkriegen wäre ein einziger Spaß. Ist es aber durchaus nicht immer und das liegt keineswegs an der Unsicherheit bei der Sexualaufklärung. Dass die AfD jetzt diese Kiste REITET, verrät mehr über die AfD als über die Situation unserer Kinder.

    Gefällt 1 Person

  21. Garfield schreibt:

    [OT]

    ne, die Sache ist: die ganzen durchgefallenen Codes (tt, small, sup, u, sub, ins, style:“color=0815″) funktionieren bei mir auch in der Kommentarspalte.

    gleicher comment bei mir: (inzw Papierkorb)

    vllt darf sowas nur der Boss ;) aber ich glaub eher es liegt am Theme…
    kannst spaßeshalber ja mal versuchen, beim nächsten Kommentar den @Adressat in Schreibmaschinentext (<tt>) zu formatieren, oder H<sup>2</sup>O dranhängen

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  22. Garfield schreibt:

    [edit: oben muß es natürlich H<sub>2</sub>O heißen…]

    >> Zur Aufklärung gehört eben auch, Kinder in die Lage zu bringen, sexuelle Übergriffe als solche erkennen zu können. Leider nicht ungewöhnlich, …

    naja, auch ein heißes Eisen… in der Praxis sind die Grenzen zw. dem „normalen“, gemeinsamen Bad, und Mißbrauch fließend; das gleiche Problem wie schon in der Diskussion um das Verbot nackte Kinder „abzulichten“.
    ich denke Grundschul(!)-Kinder könnten da leicht was in den falschen Hals kriegen – Mutter/Vater trocknen das 6jährige Kind nach der Dusche ab o.Ä., da gäb’s haufenweise Situationen; dazu das Problem von Suggestion… ich bin jetzt zu faul um genaue Zahlen zu suchen, aber meines Wissens ist die Zahl von Falschbeschuldigen nirgendwo so hoch wie bei sexuellem Mißbrauch… unabhängig davon stehn am Ende oft trotzdem zerstörte Familien/-Existenzen.

    andererseits gibt’s sicher auch Eltern, die ganz froh sind dieses Thema abgenommen zu kriegen. Ein Themenfeld mehr, bei dem man sich später auf „Versagen der ‚Pädagogen'“ berufen kann…

    …abgesehn davon: (nicht nur) Titten wo man hinguckt – unsere Gesellschaft ist derart „frühsexualisiert“, da haut die Schule auch nix mehr raus ;)

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