Juden, Illegale, illegale Juden

Kürzlich im Intercity von Berlin nach Amsterdam, an der Grenze bei Bad Bentheim: Neben vielen anderen Reisenden eine Gruppe von vier Israelis mit südländischem Teint, um die 25 Jahre alt. Die einzigen mit südländischem Teint im Wagen. Deutsche Polizisten in Uniform steigen zu, durchschreiten den Großraumwaggon, schauen ruhig in alle Gesichter. Bei den vier Israelis bleiben sie stehen, lassen sich die Ausweise zeigen und beginnen zu fragen: Wo kommen sie her? Berlin. Wo wollen sie hin? Amsterdam. Wie lange bleiben sie dort? Fünf Tage. Und dann? Rückflug nach Tel Aviv.

Das weiß nun der gesamte Großraumwaggon. Ich frage mich, was das die Polizei angeht, die sich vermutlich um Illegale kümmern sollen.

Eine merkwürdige Sache: Deutsche Polizisten kontrollieren in einem von zig Leuten, alle nordisch weiß, besetzten Großraumwagen nur exakt vier Juden, sonst niemand. Und diese vier müssen sich unfreundliche und unnötige Fragen gefallen lassen. Spätestens nach der Ausweiskontrolle hätte Schluss sein müssen mit der Fragerei.

Die Bullen sahen übrigens so aus, wie man sich deutsche Bullen vorstellt: blond, zwei Meter groß und ein Kreuz wie eine deutsche Eiche.

065 (2)(Foto: genova 2013)

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6 Antworten zu Juden, Illegale, illegale Juden

  1. tikerscherk schreibt:

    Sehe ich auch so.
    Ausweiskontrolle geht gerade noch (obwohl sich die Frage stellt, ob immer ausgerechnet die Menschen überprüft werden müssen, die dunklere Haut haben), danach muss Schluss sein.

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  2. Garfield schreibt:

    interessant wär hier erstmal die Zusammensetzung des Waggons, nicht nur betr. Hautfarbe, sondern auch den Punkten Alter, Kleidung, Reiseform (Gruppe/Familie/allein)… Phänomenologie ist so ne Sache.

    ich wette z.B.: blonde, blauäugige Jugendliche in „Szene-(welcher auch immer)-Kleidung“ werden deutlich häufiger kontrolliert, als z.B. 50jährige Schwarze im Anzug oder arabische Ehepaare mit Kindern.
    Da weiß dann auch der ganze Waggon über intimes & evtl Jugendsünden Bescheid, auch wenn’s nur der Joint vor 10 Jahren war: „Eintrag BTM!“, am besten quer durch den halben Waggon gebrüllt (der Kollege der sich den Personalien annimmt, geht für die Durchgabe ja i.d. Regel auf Abstand)

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  3. genova68 schreibt:

    Garfield,
    die Fragen, die du stellst, brauche ich nicht in diesem Zusammenhang. Die vier waren die einzigen in dem Waggon, die nicht mitteleuropäisch aussahen, und nach der Sichtung der Ausweise war der Grund der Kontrolle entfallen. Blonde wurden nicht kontrolliert, schrieb ich ja. Ich muss jetzt nicht jeden Reisenden im Waggon genau beschreiben.

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  4. Garfield schreibt:

    >> Blonde wurden nicht kontrolliert, schrieb ich ja

    die Frage ist doch: wäre es ebenso gelaufen, wenn unter den „nordisch weißen“ auch Leute gewesen wären, die ins „Beuteschema“ der Bundesbullen (Ethnie ist da bei Weitem nicht einziges Merkmal) gepasst hätten…?
    Ohne Zusammensetzung der Fahrgäste ist der Vorfall für mich nicht zu bewerten; MMN deshalb alles andere als unerheblich.

    btw bedeutet ein israelischer Pass ja auch nicht gleich =Jude – ich nehm mal an, Religion/Ethnie ist da nicht vermerkt (?) – es gibt auch viele Araber mit israel. Staatsangehörigkeit… (Palästinenser! – da müssen die Terror-Sirenen doch aufheulen…!)

    …ernsthaft: die Fragen nach dem Wohin, Woher etc. kann man für unangemessen halten, sind aber eigtl Standardvorgehen bei Personenkontrollen – i.d. Hinsicht also zumindest nichts besonderes (man muß sowas auch nicht beantworten).
    Wirklich kritisch wird’s MMN wenn’s ins Intime geht – ist wie gesagt auch keine Seltenheit (& gilt _nicht_ nur für Ex-Straftäter, sondern jeden, jemals Angezeigten – Einstellung, Freispruch, … – uninteressant.)

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  5. genova68 schreibt:

    Wir reden wohl aneinander vorbei. Was soll denn das „Beuteschema“ der Polizisten gewesen sein? Drogenkontrollen Richtung Amsterdam finden nicht statt, das gibt es in der Gegenrichtung. Es ging eindeutig um Illegale. Und deshalb sind nordisch Weiße hier einfach nicht das Thema.

    Außerdem habe ich dir die Zusammensetzung der Fahrgäste geliefert. Warum kannst du den Vorfall immer noch nicht bewerten? Meinst du ernsthaft, die Polizisten dachten an arabische Selbstmordattentäter, als sie den israelischen Pass sahen? Und wenn ja, was hätte die Passkontrolle gebracht? Was sollen denn diese sinnlosen Relativierungen. Du findest es in Ordnung, dass von zig Leuten nur die anwesenden Juden kontrolliert wurden, indem du sie zu potenziellen Terroristen erklärst und die Fragerei für „normal“ hältst, ohne sagen zu können, was das denn für die Sicherheit bringen soll.

    Man muss den Bullen nicht antworten? Du meinst ernsthaft, dass die Bullen dann einfach weitergegangen wären? Warum muss man solch eine Situation so lange relativieren, bis aus den Juden Selbstmordattentäter geworden sind?

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  6. Garfield schreibt:

    >> Drogenkontrollen Richtung Amsterdam finden nicht statt, das gibt es in der Gegenrichtung. Es ging eindeutig um Illegale. Und deshalb sind nordisch Weiße hier einfach nicht das Thema.
    Drogenkontrollen finden tatsächlich in _beide_ Richtungen statt, zwecks frühzeitiger Feststellung von „Shopping-Touren“ (auf dem Rückweg dann leichter abzufangen).
    Falls es um Illegale ging, halte ich Ethnie als Merkmal zur Kontrolle aber auch für nicht besonders verwerflich… ich nehm an du bist da anderer Meinung (?) – dann bitte ich dich aber um nur eine Aw:
    an was sollen sich die BGSler dann orientieren?
    Die sind halt auf Stichproben angewiesen & wählen dann natürlich nach Trefferpotential – und daß 90% aller Illegalen aus Regionen kommen, wo deutlich weniger nordisch Weiße leben, ist nunmal Fakt (umgekehrt werden a.d. Schweizer Grenze z.B. bevorzugt ältere Weiße kontrolliert, →Bargeldschmugggel).
    Bei allem Verständnis für die Kontrollierten – aber man muß auch mal auf dem Teppich bleiben. Daß darunter auch „Kollateralschäden“ fallen – ja, scheiße, aber was will man machen… bei PKs gibt es solche Kollateralschäden IMMER, ganz egal was Zweck der Kontrolle ist – fast jeder Fußballfan muß sich nur wg ein paar Holigaans Ganz-Körper-Kontrollen gefallen lassen.

    an Zusammensetzung der Fahrgäste hast nur nur geliefert, daß alle „nordisch weiß“ waren. Beim Ausmachen ihrer „Zielgruppe“ hält sich die Polizei aber wie gesagt an mehr Faktoren, und was jetzt Zweck der Kontrolle war (Illegale, Drogen, beides, …, oder ganz allgemein) wissen wir nicht.
    Keine Ahnung ob die an [Selbstmord]-Attentäter dachten – daß Paßkontrollen aber auch dann nicht vollkommen sinnlos sind, kann man wohl kaum verneinen (Aufklärung/Ausschließen Verdächtiger und/oder Hintermänner).
    Grundsätzlich: Verbrechen zu verhindern ist der Polizei sowieso nur in den allerseltensten Fällen möglich – dafür müssten sie schon ständig & überall sein

    >> Man muss den Bullen nicht antworten?
    Nein, muß man nicht – „Privatsache, wo ich hinwill“, kein Problem. Ohne begründeten Verdacht dürfen die dich deshalb auch nicht einfach mitnehmen… ob die sich auch dran halten, ist natürlich ne andere Frage.

    ich bin ja nicht gerade Fan unserer „Freunde & Helfer“ – aber ohne näheres Wissen über die Mitreisenden & wer i.d. andern Waggons alles kontrolliert wurde oder nicht, kann man hier MMN keinen Rassismus konstruieren

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