Deutschland muss Verantwortung fürs notwendige Töten übernehmen

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Ganz so billig sollte die Süddeutsche ihre Treue zum System nicht zur Schau stellen, wenn sie vom gehobenen Mittelstand noch ernst genommen werden will. Aber vielleicht haben die Soldaten in ihren Taschen in der linken Hand ja ganz viel Geld, das sie den Armen geben wollen. Und die Gewehre sind aus Plastik.

Deutschland muss Verantwortung übernehmen, schreibt Stefan Braun. Ein netter Euphemismus für Kriege anzetteln und Menschen töten.

Selbst wenn die meisten Deutschen am liebsten weiterwursteln würden – Freunde und Partner in der Welt werden die Debatte erzwingen. Es ist keine eitle Erfindung eines Präsidenten und zweier Minister. Es ist ein Thema, mit dem alle, die Deutschland in der Welt vertreten, konfrontiert werden. Was will Deutschland sein in der Welt? Welche Interessen verfolgt es? Mit welchen Mitteln? Und: Ist es bereit, Lasten zu teilen? Diese Fragen von Freunden sind es, die Gauck, Steinmeier und von der Leyen antreiben.

Es ist ein merkwürdiges Menschen- und Weltbild, das da vertreten wird. Aufrufe von Politikern zu mehr Kriegen werden umgebogen zu „dem Kontinent (Afrika) massiv bei der Entwicklung helfen“. Eine Worthülse nach der anderen, und dann das ständige Personalisieren von „Deutschland“. Wir sind alle Deutsche und vor Gauck gleich. Die Kriegstreiber wollen angeblich nur Lasten teilen. Gauck will also mit seiner Forderung nach Militäreinsätzen in Wahrheit gar keine Militäreinsätze. Er hat sich nur komisch ausgedrückt.

Die Kommentatoren unter dem Artikel sind ein weiten Teilen wesentlich aufgeklärter als Herr Braun und erkennen die Marschrichtung.

Was treibt die Süddeutsche an, das Umherballern zu legitimieren? Die friedenstiftenden Ergebnisse im Irak und in Afghanistan? Man liegt vermutlich nicht völlig falsch, wenn einem da Lenins „Imperialismus als höchster Stufe des Kapitalismus“ einfällt. Wenn die gewünschte Rendite in der heimischen Realwirtschaft nicht mehr erzielt wird, die Finanzmärkte sich als Blasen erweisen, der Dax brodelt und immer noch Kapital zum Rentieren vorhanden ist, dann muss halt der gute deutsche Soldat ran und erkunden, wo auf der Welt es noch etwas zu holen gibt. Außerdem haben die Rohstoffe. Das Ermorden eines Menschen ist kapitalistisch betrachtet nicht tragisch, solange zuvor nicht viel in ihn investiert wurde. Da kommt Afrika gelegen.

Währenddessen bläst ein paar Zimmer weiter der Kamerad Marc Beise, Chef der SZ-Wirtschaftsredaktion, weiter zum erbarmungslosen Wirtschaftskrieg gegen alle, die sich den neoliberalen deutschen Befehlen verweigern. Von Reichtum teilen hält der nicht mal etwas innerhalb der deutschen Grenzen. Passt schon.

144(Foto: genova 2013)

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7 Antworten zu Deutschland muss Verantwortung fürs notwendige Töten übernehmen

  1. El_Mocho schreibt:

    Also gegen eine Miltäraktion der Nato zur Absetzung der Regierung von Nigeria (die 70% des Staatshauhaltes für ihre eigenen Gehälter ausgibt und 0,5% für Bildung) hätte ich nichts einzuwenden.

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  2. Jakobiner schreibt:

    Ich glaube, Gaucks, von der Leyens Und Steinmeiers starke Worte werden keine wesentliche Wirkung entfalten.Erstens wollen die USA gar keine Bodentruppen mehr irgendwohin schicken und Militäreinsätze der Europäer sind ohne die USA gar nicht denkbar, bzw. nur in kleinem Umfang. Dann ist die Bundeswehr ohnehin schon an ihren Kapazitätsgrenzen–jetzt werden 45oo Soldaten nach Afghanistan „frei“, die vielleicht als Kontingent dienen können. Aber mit solchen Truppenzahlen sind keine grösseren Operationen möglich.Dazu scheint auch die NATO nach Lybien keinen Bedarf mehr auf weitere Abenteuer.Und vergessen wir nicht: Solche pathetischen Sprüche gibt es ja nicht mal zum ersten Mal.Schon im Golfkrieg 1990 konnte man sie hören (z.B. dass man sich nicht mehr auf „Scheckdiplomatie“beschränken dürfe), die ganzen 90er Jahre, nach 9-11 oder nehmen wir Scharpings China-und Indienreise 1998, als er vollmundig erklärte, die Asiaten müssten nun auch „militärisch mit Europa und Deutschland rechnen“–bis auf ein paar Sanitätsoffziere in Kambodscha kam da nie was.Von der Leyen hat während ihres USA-Besuchs gesagt, dass die Deutschen mehr Truppen bei den UNO-Einsätzen stellen werden. Das kann ich auch nicht gerade als Kriegstreiberei empfinden.

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  3. Tony Mach schreibt:

    Verantwortung übernehmen, das klingt so hehr – da kann doch niemand was gegen haben. Und einer muss es doch tun! Sonst ist NIEMAND verantwortlich. Völlige Verantwortungslosigkeit. Und Unordnung. Anarchie sozusagen.

    Und ich bin mir sicher das männliche Familienoberhaupt übernimmt ebenfalls die Verantwortung für seine Familie, wenn das Familienoberhaupt seine Kinder züchtig und die Frau prügelt – einer muss es ja tun, für Ordnung sorgen, und Verantwortung übernehmen.

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  4. Jakobiner schreibt:

    Sehr guter Punkt: Ich kann dieses „Verantwortungs“-Geschwalle auch nicht mehr hören. Es geht ja um geostrategische Interessen und das sollte man so klar benennen und dann die Diskussion führen, ob man diese teilt oder nicht.Das ist schon moralische Erpressung, wenn jemanden gesagt wird, dass er verantwortungslos wäre, wenn er keine Kriege führen will. Früher hiess es: Für Gott und Vaterland, heute eben: Verantwortung übernehmen.
    Zu den geostrategischen Interessen noch zwei ältere Artikel von 1998, die aber streckenweise immer noch erschreckend aktuell sind:

    http://www.streitblatt.de/streitblatt/sb5/nato.html

    http://www.streitblatt.de/streitblatt/sb5/massas.html

    Interessant finde ich aber auch, dass ein Putinversteher wie der CDU-Missfelder sich öffentlich gegen militärische Blankoschecks stellt.
    Die wesentliche Frage wird sein, ob die NATO und die Türkei im Irak und Syrien einmarschieren und dann deutsche Verantwortung gefordert wird oder ob wirklich nur mehr UNO-Friedenstruppen allgemein gefordert werden. Wobei man natürlich auch berücksichtigen muss, dass solch ein NATO-Einsatz auch ein UNO-Mandat haben könnten, da China und Russland auch nichts gegen einen westlichen Militäreinsatz gegen die ISIS hätten–siehe Golfkrieg von 1990.

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  5. hANNES wURST schreibt:

    Dieses allgemeine „mehr oder weniger“ Krieg Geschwafel (das auch Gauck angestimmt hat) ist total für den Arsch, nur die wenigsten würden keinen Krieg führen, wenn der Russe (oder Saddam Hussein) wieder in die BRD einfällt, Frauen vergewaltigt und Säuglinge an Laternenpfählen zerschmettert. Vielmehr geht es doch darum, was ein möglicher Kriegsgrund ist. Das entscheidet im Einzelfall das Kabinett. Merkel z. B. (ich verehre sie innig, aber niemand ist perfekt) hätte die BRD voll in die Irak Scheiße herein geritten (http://www.faz.net/aktuell/politik/cdu-csu-merkel-verteidigt-irak-krieg-189806.html).

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  6. genova68 schreibt:

    Das ist wahr: Wenn Saddam Hussein in mein geliebtes Berlin einmarschiert, werde ich meinen Krückstock mutig gegen ihn erheben.

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  7. walterfriedmann schreibt:

    Hat dies auf Solidarische Welt rebloggt und kommentierte:
    Kapitalismus und Imperialismus

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