Fußball und Neoliberalismus

Der Neoliberalismus im Fußball begann 1974. Da wurde mit João Havelange ein Mann Fifa-Chef,

der für die Kommerzialisierung des Fußballs stand (er war Sepp Blatters Vorgänger)…

Wie sah die ökonomische Bilanz der WM 74 in Deutschland aus?

… dass mit der überwiegend staatsfinanzierten Veranstaltung Gewinne gemacht wurden: 70 Millionen D-Mark an Einnahmen standen damals 17 Millionen an Ausgaben gegenüber.

Bei der letzten WM in Südafrika machten die Veranstalter insgesamt drei Milliarden US-Dollar Gewinn, der südafrikanische Staat machte drei Milliarden US-Dollar Verlust. Es ist so gesehen einerlei, ob das Kapital die Rente oder die Wasserversorgung privatisiert oder eine Fußball-WM ausrichten lässt. Das Ergebnis ist das immergleiche: Die Übernahme aller Ritzen der Gesellschaft durchs Kapital.

Für Brasilien gibt es laut Bonner Generalanzeiger von kürzlich die Annahme, dass die Südafrika-Bilanz verdoppelt wird: Sechs Milliarden Dollar Gewinn für die Veranstalter, sechs Milliarden Dollar Verlust für den brasilianischen Staat. Die Vorbereitungen in Form brutaler Polizei- und Militäreinsätze, um die Bedingungen für die sechs Milliarden Dollar Gewinn zu schaffen, laufen auf Hochtouren.

Ein Detail: Das seit Jahren in Brasilien geltende Alkoholverbot in Fußballstadien muss auf Druck der Fifa außer Kraft gesetzt werden. Der Sponsor Budweiser hat etwas dagegen. „Der Alkohol ist Teil der FIFA-WM. Darüber verhandeln wir nicht“, sagt dazu ein Fifa-Funktionär. Man schafft sonst die sechs Milliarden nicht. Budweiser gehört Anheuser-Busch, dem größten Brauereikonzern der Welt.

Hoffen wir, dass die Brasilianer nächsten Monat diesem Spektakel einen Strich durch die Rechnung machen.

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12 Antworten zu Fußball und Neoliberalismus

  1. LemmyCaution schreibt:

    Zumindest hat der ZDF Korrespondent Andreas Wunn anlässlich der WM ein absolut lesenswertes 220 Seiten Buch über Brasilien geschrieben. Eine gute und vielschichtige anekdotenhafte Reihe an soziopolitischen, kulturellen, historischen, kulturellen, fußballerischen und betriebswirtschaftlichen Themen. Andreas Wunn kann sich in diese im Vergleich zu unserer deutlich verschiedenen Kultur gut einfühlen, ohne seinen mitteleuropäischen Standpunkt zu verleugnen.

    Die Politik der FIFA gehört dringend reformiert. Im 21. Jahrhundert sollte eine Internationale Organisation eine gewisse Verantwortung tragen, wenn man Großereignisse an Länder wie Südafrika, Brasilien oder Katar vergibt. Verbittert sind viele Brasilianer ja unter anderem auch wegen der Korruption bei den Bauprojekten. Warum stellt die FIFA nicht kompetente Berater für dieses schwierige Thema ein, die due diligence Druck auf die Gastgeber ausüben? Warum werden nicht 50 oder mehr Prozent der FIFA Gewinne einfach in einen Fond „Öffentliche Gesundheit“ im Gastgeber-Schwellenland gegeben?

    Dilma Rousseff ist sicher die Lateinamerikanische Präsidenten, die mich in den letzten Jahren am stärksten enttäuscht bis verbittert hat.Trotzdem find ich die Kritik an den Militäreinsätzen in den Favelas ziemlich unrealistisch. Hier geht es NICHT um idyllische arme aber gewachsene Strukturen, sondern um Zonen einer für uns unvorstellbaren Gewalt, die irgendwie ansatzweise staatlich organisiert gehören. Gerade in Fragen der Bürgersicherheit haben die Regierungen der Partido dos Trabalhadores mit einer Mischung aus Gewalt und Förderung einiges erreicht. Echt super-blauäugig zu glauben, dass man gegen Drogenkartelle von durchgeknallten 12 bis 25-jährigen mit Zuckerbrot alleine durchkommt.

    Heute konnten insbesondere ü40 jährige Frauen, die ihr hartes Leben in diesen Zonen verbracht haben, Hotels und Restaurants eröffnen.
    Mittelstands-Brasilianer besuchen erstmals diese Zonen, weil man inzwischen gute Chancen hat, da wieder lebend herauszufinden. Vorher konnten die Kinder oft tagelang nicht zur Schule, weil auf der Straße nämlich blaue Bohnen flogen, weil sich Drogen-Gang A mit Drogen-Gang B stritt. Vor Jahren hat mich der Bericht eines linken Mittelschichts-Brasilianers in der chilenischen The Clinic beeindruckt. Er mockierte sich über das Dauer-Gejammer der Chilenen über wachsende Kriminalität, für die es übrigens keinerlei statistische Grundlage gab und gibt. Er schrieb, dass er bis zu seinem 15. Geburtstag in Sao Paulo 5 mal überfallen worden ist. Und unter Überfall verstand der mit vorgehaltener Schusswaffe. Drohungen mit Messern oder Fäusten hat der gar nicht mitgezählt.

    Das hat NÜSSE mit Gentrifizierung in irgendwelchen Berliner Stadtvierteln und seinen hippen Bewohnern mit unregelmäßigen Einkommen zu tun. Wir reden hier über echte Probleme. Natürlich ist Förderung ein wichtiger Bestandteil, aber die Mittel des brasilianischen Staats sind halt auch beschränkt. Bolsa Familiar war nie mehr als 60 Euro im Monat und Lebensmittel sind in Brasilien teurer als hier viele denken.

    Grundsätzlich hoffe ich auf viele und lautstarke Protestaktionen gegen Korruption und für ein besseres Gesundheits- und Bildungssystem. In diese Richtung gehts dort ebenfalls. Viele Chilenen – traditionell auch solche mit kaum Geld – werden ebenfalls da sein. Ein nicht kleiner Teil wird sich an den Protesten beteiligen. Ich bin mit diesen Leuten.

    Ich war in meinem Leben zusammengerechnet ca. 2,2 Jahre in Chile. Teilweise vor allem besuchsweise auch in Gegenden der härteren Art. Mir sieht man den gringo an, auch wenn ich mit chilenischen Klamotten rumlaufe. Ich bin nicht einmal bestohlen, geschweige denn ausgeraubt worden. Ich hab mich immer an die Sicherheits-Instruktionen meiner jeweiligen oft selbst aus mitteleuropäischer Sicht armen Gastgebern gehalten. Es gab Situationen nachts in Santiago Centro, in Maipú und östlich der Bahngleise in Chillán, in denen ich Angst hatte.
    Ich hoffe, dass auch der blödeste gringo WM Tourist nicht Opfer von brasilianischer Gewalt wird.

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  2. genova68 schreibt:

    „Warum werden nicht 50 oder mehr Prozent der FIFA Gewinne einfach in einen Fond “Öffentliche Gesundheit” im Gastgeber-Schwellenland gegeben? “

    Eine lustige Frage,die du sicher selbst beantworten kannst, Lemmy, oder? Warum soll dieses Unternehmen denn die Hälfte seiner Gewinne abgeben? Es ist doch offenbar der aktuelle Sinn der Fifa, möglichst hohe Gewinne zu erzielen. Geplant ist die Verdoppelung des Gewinns seit der letzten unternehmerischen Aktivität in Südafrika. Wenn die Fifa nun die Hälfte abgeben soll, hätten sie ja Stillstand gegenüber 2010, das kannst du denen nicht zumuten. Das wäre ja die Aufgabe des unternehmerischen Ziels.

    Genauso gut könntest du einem Frisör raten, keine Haare mehr zu schneiden.

    Die Favelas: Die dort regierenden Drogenkartelle sind natürlich nicht begrüßenswert, aber es ginge ja um eine realistische Perspektive für die Bewohner. Die fehlt dort wohl, nachdem vor ein paar Jahren ein paar Ansätze gestartet wurden. Mittlerweile haben dort die Drogenkartelle wieder das sagen, las ich kürzlich irgendwo. Dadurch gibt es immerhin eine Einnahmequelle für einige.

    „Aus der Perspektive eines Favela-Bewohners sieht das so aus: „Unser Problem sind nicht die Drogenhändler,“ hat einer den Reportern des Blogs Rio on Watch erzählt. „Die Drogenhändler haben Respekt vor den Leuten im Viertel. Die Polizei nicht – die halten dir sofort eine Knarre ins Gesicht. Deshalb gibt es hier auch keinen Respekt vor der Polizei.“ Der junge Mann lebt in Pavão-Pavãozinho, also genau jener Favela, die ihren Protest gegen Polizeigewalt gerade medienwirksam auf die Straßen von Rio de Janeiro trägt …

    …Drogengangs, die ja aus den Favelas keinesfalls verschwunden sind. Es hieß im Vorfeld, man wolle die Befriedung mit Sozialprogrammen flankieren. Stattdessen gab es steigende Immobilienpreise, Seilbahnen, die Touristen über die bunt bebauten Hügel gondeln…

    Tatsächlich haben die Fifa und die Regierung das Land gespalten: Einige Wenige haben sich am Bau der neuen Stadien und den begleitenden Infrastrukturmaßnahmen eine goldene Nase verdient. Den anderen vergeht gerade zunehmend die Lust am Spektakel. Nach der Privatisierung des Maracanã gibt es keine günstigen Stehplätze mehr, die Straßenverkäufer hat man aus der Bannmeile rund um das ehemalige Volksstadion vertrieben. Wer wenig Geld hat, bleibt außen vor. Damit alles im Sinne der Fifa und ihrer Sponsoren abläuft, werden 170.000 Polizisten, Soldaten und Security-Mitarbeiter die Spiele bewachen, das sind 22 Prozent mehr als in Südafrika 2010. Die Bevölkerung als Sicherheitsrisiko.“

    https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/bevoelkerung-wird-zum-sicherheitsrisiko

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  3. El_Mocho schreibt:

    Es ist eben unrealistisch, anzunehmen, jemand der mit Drogenhandel einen (relativen) Haufen Geld verdient, würde damit aufhören, wenn man ihm normale Arbeit in einem staatlichen Sozialprogramm anbietet. Lemmy hat da ganz recht, Dorgenhandel kann man nicht ohne Repression bekämpfen.

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  4. El_Mocho schreibt:

    Übrigens habe ich im Januar, als ich in Kolumbien war, mit meiner Schwägerin (Juristin) über Brasilien und die dortige Entwicklung gesprochen. Sie meinte: Soweit, dass wir gegen Korruption und Umweltverschmutzung demonstrieren, sind wir hier noch nicht. es gibt noch zu viele Leute, die nicht genug zu essen haben, und die verkaufen dann z.B. auch ihre Stimme an den meistbietenden bei Wahlen.

    Brasilien ist da eben schon weiter, auch wenn Dilma nicht das Format von Lula hat.

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  5. genova68 schreibt:

    Die meisten Dealer verdienen keinen Haufen Geld, das sind nur ein paar ganz oben.

    Aus der taz:

    „Die Städte werden modernisiert, aber nur im Interesse der Reichen und der Immobilienspekulation.“ Beispiel Rio de Janeiro: Über 30.000 Menschen aus Armenvierteln wurden aus ihren Wohnungen vertrieben und weit außerhalb – oft über 30 Kilometer entfernt – in sterilen Sozialwohnungen ohne Verkehrsanbindung oder Jobmöglichkeit untergebracht.

    „Die milliardenteuren neuen Stadien haben nichts mit unserer Fußballkultur gemein. Wir lieben Stehplätze und wollen vor oder nach dem Spiel am Grillstand ein Bier trinken.“ All das werde es aufgrund der Fifa-Regeln nicht geben, grollt Campagnani. Erlaubt seien nur die offiziellen Sponsoren, ambulante Händler sind verboten…

    Die WM-kritischen Komitees, die aus zahlreichen sozialen Bewegungen, Aktivisten und Akademikern bestehen, gibt es in allen großen Städten. Fast täglich sind in den kommenden Wochen lokale Demonstrationen geplant, auch andere Aktionsformen wie Besetzungen und Kunstinterventionen wird es geben.

    Viel Zulauf versprechen sich die Aktivisten bei den „Mani-Fests“, den alternativen Public Viewings, bei denen die Spiele auf öffentlichen Plätzen ohne Einhaltung jeglicher Fifa-Vorschriften gezeigt werden sollen. „Verboten wird dort nichts“, so die Ankündigung, „nicht einmal Coca-Cola-Dosen, die allerdings von fliegenden Händlern verkauft werden.“

    http://taz.de/WM-kritischer-Aktionstag-in-Brasilien/!138497/

    30 Kilometer nach draußen vertrieben – klingt nach der aktuellen Gentrifizierung in Berlin.

    Irgendwie passt das zusammen: Dieser merkwürdige Event-Nationalismus in Deutschland, die ganzen scheiß Fahnen demnächst wieder überall, diese Pseudo-Verbrüderung, inklusvie des Runterputzens der Mannschaft, wenn die nur Platz drei erreicht, und die neoliberalen Zumutungen auf der ökonomischen Seite. Der Zwang zum Lockersein produziert nur Treten.

    Ich weiß schon, warum ich zwar die Bundesliga gucke, meist die zweite, mir aber die WM seit Ewigkeiten suspekt ist.

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  6. LemmyCaution schreibt:

    Genova, ich bin auch ein Unternehmen und zahle auch ca. 50% meiner Gewinne (nicht Einnahmen) an den Staat. Der größte Anteil der Staatshaushalt wird für Soziales verwendet. Die FIFA kann problemlos beschliessen, dass 50% der Gewinne für einen Sozialen Zweck im Gastgeberland ausgegeben werden. Wenns wieder eine WM in Europa / Reich-Ostasien oder in Nordamerika gibt, kann das Geld dann breiter an ärmere Mitgliedsländer verteilt werden.

    Es existiert kein Masterplan, um Hunderttausende von Personen aus z.T. seit Jahrhunderten benachteiligten Familien in eine moderne, auf bürgerlichen Werten beruhende, produktive Gesellschaft einzugliedern. Das ist total schwierig.
    Die „Ansätze“ gibts in Brasilien nach wie vor.
    – Bolsa Familiar
    – die Investition in Verkehrsinfrastruktur wie etwa die Seilbahnen, dies so auch in Venezuela, Kolumbien und Bolivien gibt. Sie dienen erstmal dem öffentlichen Nahverkehr der Bewohner der Favela zu ihren Arbeitsplätzen. Die Dinger machen Sinn, v.a. weil sich Armutssiedlungen oft Hügel hoch gebaut sind. In Rio, in Caracas, in Bogota, in La Paz/El Alto, in Valparaíso und bestimmt vielen weiteren Lateinamerikanischen Städten. Seilbahnen sind relativ billig, benötigen keine Straßen. Problem ist, dass die Kosten für die Anzahl der transportierten Personen pro Zeiteinheit schlecht skalieren. Das geht mit Eisenbahn/U-Bahn besser, nur sind die auch viel, viel teurer.
    – die Stipendien der Benachteiligten für Universitäten
    – das gewachsene Soziale Bewußtsein der Mittel- und Oberschicht von unterirdisch zynischen Niveaus.

    Und nun stottert seit ca. 3 Jahren die Brasilianische Wirtschaft.

    Und die Drogenhändler haben Respekt vor ihrer „Hood“… Lässt mich sarkastisch lächeln. Ich kenne zufällig Leute, die in Vierteln leben, in denen die „Malandros“ ein gewisses Soziales Prestige haben. Der Respekt der „normalen“ Leute beruht weitgehend auf Angst vor denen. Die „Malandros“ empfinden möglicherweise ein süßlich-paternalistisches Mitleid mit den „Idioten“, die jeden Morgen für kleines Geld arbeiten gehen, während sie erstmal ausschlafen. Und die reale Sorge der normalen, dass der kleine Bruder, die kleine Schwester, die Tochter, der Sohn vielleicht in den entscheidenden Jahren vielleicht die Seiten wechselt, ums mit La Vida Loca zu versuchen. Die sind dann relativ schnell Tod, oder in einem der völlig inhumanen Gefängnisse. Hätten die Aktivisten von Rio Watch eine 40-jährige Frau und keinen jungen Mann gefragt, hätten sie möglicherweise im Falle von Anonymität der Befragten sehr andere Antworten erhalten.

    Die Argumente mit den Stehplätzen, Straßenverkäufern, dem LUCRO (unverschämte Mengen an pekuniären Einkünften) aus den Bauprojekten, die z.T. steigenden Immobilienpreise sind ja durchaus richtig, wobei letzteres ein Indiz dafür ist, dass sich in den betroffenen Zonen ökonomisch etwas tut.

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  7. Jakobiner schreibt:

    Ken Jebsen fürchtet am meisten, dass die WM die Montagsdemos killt.Da würde dann ein Fanatismus den anderen killen.Da hätte die WM ja was ungewollt Gutes.Deswegen bietet sich jetzt PrinzChaos-Kirner-Freund, Ex-Linksruckagitator und Ex-Attac-Aktivist Pedram Shayar Jebsen als Berater an, wie man denn die Montagsdemos durch eine langfristige Stratgie retten und grösser machen könne.Der gute Mann schreibt zudem seine Dissertation über Bewegungen und Organsiationsformen.Er betont, dass auch grössere Demos nix bewirken würden, aber dass man trotzdem aktiv sein müsse. Klingt fast eher wie eine Feldstudie für seine Doktorarbeit.Vielleicht kommt er dann wie Märholz auch mal als Eventmanager raus.

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  8. besucher schreibt:

    Irgendwie passt das zusammen: Dieser merkwürdige Event-Nationalismus in Deutschland, die ganzen scheiß Fahnen demnächst wieder überall, diese Pseudo-Verbrüderung, inklusvie des Runterputzens der Mannschaft, wenn die nur Platz drei erreicht, und die neoliberalen Zumutungen auf der ökonomischen Seite. Der Zwang zum Lockersein produziert nur Treten.

    Ich weiß schon, warum ich zwar die Bundesliga gucke, meist die zweite, mir aber die WM seit Ewigkeiten suspekt ist.

    Also die Regionalliga in NRW ist auch sehr reizvoll, lauter Stadtderbys mit abgewrackten Kultvereinen. Aber zurück zur WM: Vor ein paar Jahren hätte ich noch anders darüber gedacht, aber mittlerweile: Partyiotismus, nein danke.

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  9. Motherhead schreibt:

    Zu ergänzen wäre noch die Tatsache, dass die FIFA das jeweilige Veranstalterland zwingt, keine Steuern auf die WM-Einnahmen zu erheben. (Übrigens müssen Sie das in der Schweiz auch nicht, weil sie ebenso wie die anderen großen Sportverbände als „Verein“ firmieren und als solche in der Schweiz nicht besteuert werden.) Das steht bereits in den Bewerbungsbedingungen. Dieser Umstand vor der WM 2006 für kurze Aufregung bei einigen Bundestagsabgeordneten gesorgt, wurde dann aber schnell unter den Teppich gekehrt.

    Der wirkliche Fußballfan steht bei dieser WM vor einem Dilemma. Einerseits ist eine WM in Brasilien natürlich für ihn DAS Fußballereignis überhaupt, andererseits fänden es vile vermutlich begrüßenswert, wenn die ganze Chose zusammenkrachen und der Augias-Stall mal richtig ausgemistet würde.
    Ein Anfang macht ja jetzt die Schweiz, die es Richtern erlaubt, bei Korruptionsverdacht selbstständig Ermittlungen aufzunehmen. Mal schauen, was draus wird.

    Joao Havelanges Vater war übrigens ein belgischer Waffenhändler –Waffen, nicht Waffel, wie mancher angesichts seiner Herkunft meinen könnte.

    Im Dezember 2011 wurde Joao Havelange vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) zum Rücktritt aufgefordert, sonst wäre er wegen erwiesener Korruption aus dem IOC ausgeschlossen worden.
    Havelange ist in der vergangenen Woche 98 geworden und hat keinen Tag seines Lebens im Gefängnis verbracht. Ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass es keinen wie auch immer gearteten GOTT gibt –zumindest keinen gerechten oder gütigen, wie uns Enkelkindern immer wieder erzählt wird.
    Opa ist böse und erfreut sich dennoch seit einem Jahrhundert bester Gesundheit.

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  10. genova68 schreibt:

    steigenden Immobilienpreise sind ja durchaus richtig, wobei letzteres ein Indiz dafür ist, dass sich in den betroffenen Zonen ökonomisch etwas tut.

    Solche Sätze sind auch lustig. Es tut sich etwas ökonomisch, wenn Wohnungen teurer werden. Wenn Kriege geführt werden, tut sich ökonomisch auch was.

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  11. Johannes schreibt:

    Fussball ist ein Assispsort und prägt global genau die Charktereigenschaften aus, die der Kapitalismus und Neoliberalismus benötigt. Er kanalisiert die Energien der Menschen, die sonst anfangen würden zu denken und handeln. Die Gesellschaft benötigt andere Charaktereigenschaften als Konkurrenzdenken und Herdentriebe, aber Fussbal ist genau dazu das Mittel.

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  12. genova68 schreibt:

    Man könnte auch sagen, dass via Fußball destruktive Energien rausgelassen werden können, die eh da sind. Aggression ist Teil des Menschseins. Mensch und Spiel, das ist schon in Ordnung. Wenn Leute da destruktiv werden, dann liegen die Ursachen anderswo. Und es gibt viele Fußballfans, die eine Menge Zeit und Verantwortung investieren, um dieses Wort hier zu gebrauchen. Politische Ultras, beispielsweise.

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