Makler Ziegert: Geschäftsmodell Zerstörung

Wort zum Karfreitag: Der Berliner Immobilienmakler Ziegert, über den ich hier berichtet habe, verschickt auch einen „Kulturnewsletter“. Es ist, wie schon dargestellt, für die Verwertungstrategien des Kapitals wichtig, dass man noch etwas „Frisches“ findet, etwas noch nicht verkapitalisiertes. Kunst kommt da immer gut.

In seinem aktuellen Newsletter schreibt Ziegert:

Der Ruf Berlins als wichtige Metropole zeitgenössischer Kunst wurde Ende der 1990er Jahre in Mitte begründet. Seitdem sind mehr als 15 Jahre vergangen, in denen die zahlreichen Off-Space-Ausstellungen, spontanen Happenings, Performances und Partys etablierten Galerien und Kunstinstitutionen gewichen sind.
In der nun mehr arrivierten und auch etwas routinierten Atmosphäre kommt es einer Wohltat gleich, wenn an einem vom Kunstgeschehen noch nicht erschlossenen Ort frische Kunst gezeigt wird.

So geht Demagogie heute. Smart, sanft und effektiv. Wir mögen doch nur Kunst, wir sind interessiert, wir finden sie spannend. Keine röhrenden Hirsche mehr, sondern vorne dabei. Das tut nicht weh.

Es ist eine Wohltat, wenn ein Ort noch nicht „vom Kunstgeschehen erschlossen“ ist. Ziegert meint das etwas anders: Es ist eine Wohltat, wenn er einen Ort findet, den er künftig durchkapitalisieren kann. Oder auch: Er ist auf Leute angewiesen, die in der Tat kreativ und vor allem nicht-kapitalistisch sind, damit er das, was an noch nicht verwertet Verwertbarem aufgebaut wird, kapitalisieren und damit zerstören kann. Ziegert als typischer Schmarotzer: Er ist auf die wahrhaft Kreativen angewiesen, auf deren Zerstörung sein Geschäftsmodell beruht.

Schumpeter nannte die Zerstörung noch eine schöpferische. Heute ist es eine Zerstörung von Schöpfern. Es geht nicht mehr um Innovation.

Ziegert und Co. als Organisatoren von Deportationen, um das einmal deutlich zu sagen: Menschen, die sich die Mieten in den kreativen Kiezen nicht mehr leisten können. Dazu spannt er Künstler ein. Das sind die, die dann deportiert werden. In seinen Kreisen nennt man sowas vermutlich eine charmante Idee.

Es ist bezeichnend für die Barbarei dieses Systems, dass solche Typen ihren Geschäften nachgehen können. Gäbe es die Werte, von denen Ziegert gerne spricht, hätte er schon längst eine auf´s Maul bekommen. Am besten von den Künstlern, die er empfiehlt.

013(Foto: genova 2013)

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6 Antworten zu Makler Ziegert: Geschäftsmodell Zerstörung

  1. Mrs. Mop schreibt:

    Dazu passend: Aktuelles vom durchkapitalisierten Spreeufer in Berlin.

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  2. tikerscherk schreibt:

    Die Ecke, in der Ziegert seine „fräshe “ Kunst zeigt, ist noch weitestgehend unerschlossen, also verwertbar. Die ganze Ecke rund um den Bärenzwinger.

    Auf´s Maul hauen? Aus der Stadt jagen!

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  3. genova68 schreibt:

    Ja, aus der Stadt jagen ist besser: keine Verletzten, niedrigere Mieten.

    Es läuft exakt so, wie von Marx und anderen prognostiziert. Das Kapital kann sich via realer Produktion nur noch ungenügend verwerten, also geht es in die Finanzmärkte und in die Immobilienmärkte. Interessant dabei ist nicht so sehr dieser Ablauf, der die Linken nicht aufregt, da vorhergesagt und die Rechten nicht aufregt, da gewinnbringend. Interessant ist, dass die Verschleierung der Verhältnisse so gut funktioniert, dass diese Gesetzmäßigkeiten kaum jemand registriert. Stattdessen kommen rechte Verführer wie Elsässer und nutzen die Verwirrtheit der Masse aus.

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  4. tikerscherk schreibt:

    Und diejenigen, die diese Gesetzmäßigkeiten erkennen, tun sie häufig genau mit dem Argument ab: so ist das eben. So läuft das überall. Sozialismus hat ja auch nicht funktioniert.
    Meinst du Elsässer hat eine besonders große Reichweite?
    Interessant wird, wohin die AfD sich noch entwickelt, und wer alles mit ihr gehen wird.

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  5. genova68 schreibt:

    Nein, Elsässer hat keine große Reichweite. Aber der ist sehr aktiv. Da weiß man nicht, was noch passiert. Vor Populisten wie Elässer sollte man immer auf der Hut sein. Der verbündet sich bei Bedarf mit jedem, wenn es passt auch mit der NPD. Hauptsache, er mischt mit. Elsässer ist für mich aber eher eine interessante Figur aus psychologischer Sicht.

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