Scheck über Grass via Herrndorf

Zeitreise ins Jahr 2012:

Herrndorf, Arbeit und Struktur, S. 326, Denis Scheck zum Israelgenörgel von Günter Grass:

„Die Welt hat schlecht, die Welt hat miserabel gelesen, er habe den Eindruck, Zeuge der schwärzesten Stunde der deutschen Literaturkritik während seiner bisherigen Lebenszeit geworden zu sein. Wörtlich so.“

„Die Welt hat miserabel gelesen“, sagt Scheck in seiner schicken Sendung und meint nicht die Zeitung. Israel gefährdet den Weltfrieden und die Welt ließt schlecht. Würg. Übersetzt: Der Jude hat die Welt schon wieder in der Hand. Passt aber zu meinem Eindruck von Scheck. Einer, der sich gerne reden hört, aber schon mal kein Interesse an Erkenntnis hat, mehr an Inszenierung. So einer tappt in jede von deutscher Befindlichkeit gestellte Falle und merkt es nicht. Es braucht natürlich irgendwas jüdisches, damit die deutsche Literaturkritik ihre schwärzeste Stunde erlebt, damit die Welt sich täuscht, getäuscht vom Juden.

Nebenbei hat er in der vergangenen Woche noch 13 Romane besprochen. Und angeblich auch gelesen.

Grass, Walser (unvergessen: sein von Schirrmacher moderiertes Gespräch mit Bubis: Plötzlich war Walser das Opfer.) und andere: Psychologisch verständlich, dass die in hohem Alter zu ihren Nazi-Vorbildern aus der Jugend zurückkehren via „Ich-bin-Freund-Israels-und-mache-mir-große-und-völlig-uneigennützige-Sorgen“. Das ist normal. Selbstentlastung, aufräumen vorm Exitus. Die Sozialisation der Jugendzeit lässt sich nicht komplett abschütteln. Niemals. Ich verteile keine Schuld. Aber wieso unterstützt das ein Herr Scheck? Schlicht das Unvermögen zu lesen?

Wie wird jemand, der nicht mal die paar Zeilen Grassgedicht halbwegs angemessen interpretieren kann, Chef einer Literatursendung im ZDF? Vermutlich aus ähnlichen Gründen, weswegen diese Trulla Moderatorin von Aspekte ist: Er hat einen geilen Popo.

(Andererseits kann ich über diese Literatursendung kaum etwas sagen, ich habe sie nur einmal geguckt. Es ist vielmehr meine ausgeprägte Menschenkenntnis, die mich zu solchen Urteilen führt.)

Und Wolfgang Gehrcke von der Linkspartei sagte seinerzeit allen Ernstes, Grass habe „den Mut auszusprechen, was weithin verschwiegen wurde.“ Klar, die Juden sind, trotz unserer Bemühungen, schon wieder so mächtig, dass sie alle im Griff haben. Wir müssen deshalb weithin verschweigen. Der unerhörte Mut des Günter Grass, gegen den übermächtigen Juden auszusagen. Oder nur gegen die übermächtige Ostküste?

Merken solche Leute überhaupt noch was? Deutsche Geschichte. Vielleicht hülfe Freud.

Seinerzeit zum Thema hier und hier.

P1030362(Foto: genova 2013)

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33 Antworten zu Scheck über Grass via Herrndorf

  1. (…) „Das allgemeine Verschweigen dieses Tatbestandes,
    dem sich mein Schweigen untergeordnet hat,
    empfinde ich als belastende Lüge“ (…)

    Ich halte es schlicht mit Dieter Graumann (Zentralrat der Juden i.D.):

    „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.“ Das wusste schon Paul Klee. Und was hier sichtbar wird über Günter Grass, ist so hässlich und wäre doch besser unsichtbar geblieben.

    Oder auch: «Die Schönheit gibt uns Grund zur Trauer, die Hässlichkeit erfreut durch Dauer.» (Aus: «Nachdem er durch Metzingen gegangen war» von Robert Gernhardt).

    Ich fordere die Aberkennung des Nobelpreises und zitiere aus seiner Rede in Stockholm: „Ich bedanke mich recht herzlich für diesen Preis,
    gestiftet vom Erfinder des Dynamits, mit dem ich doch recht oft meine
    Erfahrungen in der Vergangenheit…äh…machte…und äh…ist doch meine Sprache ebenso explosiv, nun vielleicht wäre da die
    Atombombe doch passender, spalte ich doch die Massen in ebensolcher Weise.“ u.s.w.

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  2. genova68 schreibt:

    „“Das allgemeine Verschweigen dieses Tatbestandes,
    dem sich mein Schweigen untergeordnet hat,
    empfinde ich als belastende Lüge”“

    Das hat Grass auch gesagt, seinerzeit? Da kann man doch gar nicht anders als psychologisieren.

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  3. Weil es vielleicht ein wenig aus dem Zusammenhang gerissen war, hier die Quelle .

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  4. Manfred Peters schreibt:

    Habe ich die Frage hier schon gestellt: Ist das hier ein Forum von und für Antideutsche?
    Wenn ja, tschüss!
    Was soll das Aufwärmen dieser doch ausdiskutierten Causa, so wichtig ist Scheck doch auch nicht.
    Wenn schon Gehrke zitiert wird, dann ….
    Übrigens,…! :-(

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  5. Grass jedenfalls ist nicht antideutsch .

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  6. Manfred Peters schreibt:

    @ NKB 18:29
    Grass war 17 und „… Die materielle Schuld des jungen Grass minimiert sich bei Betrachtung der von ihm mitgeteilten Tatsachen auf nahezu null. Er hat sich nicht gezielt bei der Waffen-SS gemeldet, und seine Geistesverfassung war die eines mäßig intelligenten, eher bornierten Pimpfes. „
    http://www.sueddeutsche.de/kultur/guenter-grass-ss-beichte-und-nun-zurueck-zu-den-fakten-1.432633-2
    Welcher Hybris muss jemand verfallen sein, um sich anzumaßen so zu (ver)urteilen?
    Übrigens, meine Kernfrage hat noch niemand beantwortet. :-(

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  7. Fällt solch eine „(Ver)urteilung“ eines Menschen, der das Warschauer Ghetto überlebt hat unter „Hybris“? Das wäre dann doch wohl keine Anmaßung. Zur „Kernfrage“ zitiere ich den Betreiber genova68 am 01.01.2014:

    „wie wird es eigentlich sein, wenn wir mal nicht einer Meinung sind? Hoffentlich zerstreiten wir uns dann nicht. Differente Meinungen wollen diskutiert oder ausgehalten werden und es hat hier in der Bloggosphgäre ja schon x-mal wild gekracht, ich bin da auch nicht so der Diplomat. Ich werde mich aber ab sofort zurückhalten, das nehme ich mir genau JETZT fürs neue Jahr vor.“

    Da gehe ich JETZT mit. Mit diplomatischen Grüßen!

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  8. Garfield schreibt:

    bei allem Respekt, aber dem über 80jährigen Grass wg seiner SS-„Karriere“ eine „blutige“ Vergangenheit anzukreiden – ist ungefähr als bekäme ein inzw Erwachsenener Hutu von Angehörigen der Tutsi-Opfer immer noch seine Vergangenheit als _Kinder_soldat vorgehalten… emotonial natürlich absolut verständlich, ebenso kann man von Opferseite auch keine „Vergebung“ o.Ä. verlangen – in einer rationalen Diskussion aber eigtl fehl am Platz

    sein (langes) Verschweigen dieser ist was anderes, wenn auch menschlich ebenso verständlich (und viele die ihm das angekreidet haben vermutlich ihre ganz eigenen Leichen im Keller haben)
    …aber kann hier irgendwer ernsthaft von sich behaupten, in seiner Pubertät(!) besonders politisch gebildet/interessiert gewesen zu sein; bzw seine Ansichten seitdem (zu auch erheblichen Themen) nicht (& ehrlich!) um teils 180° gedreht zu haben … vllt sogar mehrmals…?
    (meiner -persönlichen!- Meinung nach spielen überhaupt nur die Überzeugungen eine Rolle, die aufgrund eigenem, _reifen_ Überdenken entstanden sind)

    (…nur zur Vermeidung von Mißverständnissen: der Unterschied zw dem abstrakt-theoretischen, entgegen dem ganz realen Bezug auf der Opfer-Seite ist mir durchaus bewusst… dank I-Net kann ich damit sogar angeben nachweisen (Kontext siehe weiter oben))

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  9. Chris(o) schreibt:

    So traurig es ist: meine jugendliche Begeisterung für die Blechtrommel kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Günter Grass tatsächlich ein Autor von mäßiger Begabung und mäßiger Intelligenz war und ist.
    Doch nicht alles ist mit mäßiger Begabung und mäßiger Intelligenz zu entschuldigen.Das hat Herrndorf einfach und klar auf den Punkt gebracht.
    Deutschland klammert sich gern an seine „Ikonen“.Doch manche Ikonen-Verehrung beruht leider auf Irrtümern.Grass ist ein solch bedauernswerter Irrtum und mein Eindruck ist, dass er selbst dies auch weiß.Seine Abhängigkeit von der öffentlichen Wahrnehmung katapultierte ihn ja immer wieder in neue „Täuschungsmanöver“.Wenn es also ein Schulbeispiel brauchte, zu zeigen, wie man das wird, was man vortäuscht, wäre Grass genau derjenige, der dies besonders exemplarisch vorgeführt hat.
    Herrndorf hatte offenbar eine geschärftere Wahrnehmung und keinerlei Gründe, ihr nicht zu vertrauen.Er brauchte ja keine „Ikonen“ mehr, erst recht keine selbsternannten.

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  10. genova68 schreibt:

    Gutes Interview mit Reich-Ranicki in der FAZ, danke.

    Manfred Peters,
    nach ihrer nun schon monatelangen Lektüre dieses Blogs sollten Sie sich einfach selbst ein Bild machen.

    Die Pressemitteilung von Gehrcke dagegen ist peinlich.

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  11. Und nochmal, ich hoffe das funzt jetzt, vorherige bitte löschen.

    @ Reich-Ranicki und genova68: In der Tat ekelhaft.
    Im Ekel ist die Sprache von Günter Grass besonders groß:

    http://www.taz.de/!58131/
    oder http://www.taz.de/58131/

    In jedem Fall: Im Ekel ist die Sprache von Günter Grass besonders groß.
    (taz vom 09.09.2010)

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  12. Pingback: arbeitszuwanderung / armutszuwanderung | neuköllner botschaft

  13. Chinook schreibt:

    „Klar, die Juden sind, trotz unserer Bemühungen, schon wieder so mächtig, dass sie alle im Griff haben.“

    Sagt keiner der Genannten. Die differenzieren schon zwischen Judentum und Israel. Die größten Befürworter wie Gegner versuchen allerdings eine Diskussion zu starten, auf einer Grundannahme, die nicht zutrifft. Nämlich das Israel überhaupt irgendeine größere globale Bedeutung hätte, oder gar eine für den Weltfrieden. Und das deutsche Intellektuelle meinen das Wohl Israels und der Welt würde im deutschen Feuilleton ausgetragen, sagt viel über das Feuilleton aus – weniger über den Konflikt und dessen Realitäten an sich.

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  14. Chinook schreibt:

    „Doch manche Ikonen-Verehrung beruht leider auf Irrtümern.“

    Jede Ikonenverehrung basiert auf einem „Irrtum“. Ikone und Mensch sind sozusagen nie ein und dieselbe Person. Grass kann ja nun nur bedingt etwas dafür, wenn er was sagt und dann nichtmehr ins Ikonenschema passt.

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  15. Chris(o) schreibt:

    „Ikonen“ @Chinook sind einfach das, was sie sind.Manche erscheinen uns verehrungswürdig, manche nicht, manch einer braucht keine und(oder) hält sie schlicht für Hirngespinste.
    Viele haben in Grass lange Zeit das personifizierte Gewissen der Nation gesehen; dass er sich selbst ebenso wahrgenommen hat, zeigte das „letzte Tinte – Gedicht“ nochmals besonders schön.Er wollte auf eine bestimmte Weise wahrgenommen werden.Viele haben ihm diesen Gefallen getan, viele aber auch nicht.Es geht auch bei „Ikonen“ zumindest um eine gewisse Konsistenz, in dem was sie verkörpern sollen oder wollen.Irrtum immer möglich!

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  16. Garfield schreibt:

    @Manfred

    zur Frage des „antideutsch seins“ vllt diese Selbsteinschätzung des Betreibers.

    hört sich jetzt vllt nach Schleimerei an, soll aber keine sein:
    auch ich bin mit genova öfters nicht einer Meinung – auch wenn er sich nicht für einen Diplomaten hält, zumindest m.Erf.n. kann man mit ihm aber immerhin streiten (also = diskutieren…! ;) ), ohne daß das Ganze gleich auf persönlicher Ebene ausartet, dumme Kommentare von oben herab kommen, usw usf…
    (als Bsp siehe z.B. hier, unterer Teil)

    kein Lob, weil sollte eigtl Normalzustand sein (wer das nicht kann, sollte politisches eigtl komplett aus dem Blog o. die Kommentare gleich geschlossen lassen)…
    in der dt. Blog-Sphäre aber leider doch eher die Ausnahme, deshalb nicht ganz unerwähnenswert

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  17. Manfred Peters schreibt:

    @ Garfield 07:56
    Vielen Dank für Deine Hinweise. Nur ist es leider so, dass der Herr des Blogs seine „Selbsteinschätzung“ durch aktives Dulden/Handeln gerade brutalsmöglich konterkariert, indem er seinen selbsternannten undiplomatischen Botschafter mit der Gnade der frühen Geburt unwidersprochen verlinkt.
    Seit gestern bin ich also zum „Israelfeind der anderen Art, der auch noch die europäische Integration gefährdet“ ernannt worden. Und als ob das nicht schon genug der Ehre sei, wurde mir auch noch eine Fördermitgliedschaft der 3,14-News angedichtet.
    Ein wenig tröstend für mich übrigens diese einsame Stimme aus Deinen Hinweisen:
    „Von Bersarin … kommen regelmäßig statt Argumenten Beschimpfungen, …“

    @ genova 04.01., 11:04
    „… nun schon monatelangen Lektüre dieses Blogs … sich einfach selbst ein Bild machen.“
    Ich war verunsichert und so lange ist mein erster Aufschlag auch nicht her. Jedenfalls für mich nicht lange genug (konkret seit dem 23. Oktober 2013), um zu erkennen, welche Geister hier
    die Lufthoheit der Diskussion für sich beanspruchen. :-(
    Für die hier zahlreich mitlesenden Grass-Freunde zum Abschied noch ein Interview zu
    aktuellen gesellschaftlichen Themen.

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  18. Garfield schreibt:

    wo „Israelfeindlichkeit“ (auch der „anderen Art“) – gerade aus dem verlinkten, aber auch den anderen deiner comments – hervorgeht, erschließt sich mir beim besten Willen nicht…

    dieses Wort mit deinem Kommentar zu verlinken find ich ehrlichgesagt schon *leicht* übertrieben, um nicht zu sagen beleidigend.

    erinnert mich an die Methode „wer nicht unser Freund ist, ist mein Feind“… in der gesteigerten Form „wer nicht Feind meiner Feinde ist…“

    wo ist das mit den PI-News?

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  19. genova68 schreibt:

    Die zahlreich hier mitlesenden Grass-Freunde, soso. Ich habe das unbewiesene Gefühl, dass die Leute, die Grass aufgrund seines Gedichtes verteidigen, ihre Liebe zum literarischen Grass ganz spontan kurz nach der Gedichtveröffentlichung entdeckt haben.

    Chinook
    die Differenzierung zwischen Juden und Israel ist bei den meisten, die das tun, reiner Fake. Man will ja nicht sofort erkannt werden.

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  20. Chinook schreibt:

    „dass er sich selbst ebenso wahrgenommen hat, zeigte das “letzte Tinte – Gedicht” nochmals besonders schön.“

    Naja, also ich halte die Diskussion um das Gedicht für übertrieben. Ich bezweifle, daß er ein Gewissen der Nation sein wollte, oder es war. Aber er hat seine Meinungen vertreten und stieß auf offene Ohren. In der Vergangenheit hat er oft an gesellschaftlichen Diskussionen teilgenommen und da sicher auch eine positiv beitragende Rolle gespielt. Aufgrund des Gedichts würde ich ihm nun nicht mäßige Intelligenz vorwerfen. Er wollte eben nochmal „auf die Kacke“ hauen und federführend eine Diskussion zu seinen Bedingungen initiieren. Und das ist ihm in mehrfacher Hinsicht gründlich mißlungen. Das Gedicht hat vor allem eines zutage gefördert, sein Alter – was vielleicht für viele der ultimative Supergau ist.
    Interessant war, wie die Diskussion geführt wurde (mit der er selbst maßlos überfordert war). Höchst dogmatisch und es gibt zu 90% nur 100% pro oder contra. Eine vernünftige Auseinandersetzung mit dem Thema scheint weder im deutschsprachigen Netz noch im Feuilleton möglich zu sein. Dieser Aspekt stellt für sich selbst schon eine Aussage dar.
    Grass Intelligenz und Begabung abzusprechen, für die letzten Jahrzehnte, das geht meiner Meinung nach etwas weit.

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  21. Chinook schreibt:

    „Chinook
    die Differenzierung zwischen Juden und Israel ist bei den meisten, die das tun, reiner Fake. Man will ja nicht sofort erkannt werden.“

    Bei einigen ist das so. Ändert aber nichts daran, daß die Antisemitismus-Keule in Deutschland sehr schnell gezogen wird. Wenn Grass das anspricht, hat das durchaus eine gewisse Richtigkeit. Allerdings schlechter, weinerlicher Stil deshalb rumzujammern und so zu tun als könnte man etwas nicht sagen. Man kann, aber man wird halt nicht mit allem ernstgenommen.
    Grass hat ein Problem mit A-Waffen, das zumindest wird deutlich. Er ist Literat und Moralist. Meist keine guten Voraussetzungen um irgendetwas über irgendeinen Konflikt zu schreiben, solange dieser noch anhält.
    Ich kann mir vorstellen, daß die Lieferung des U-Boots nach Israel aus seiner Perspektive ein erhebliches Problem darstellt. Wie er darauf reagiert und argumentiert ist eine andere Sache.Eine gewisse Berechtigung dies zu versuchen mit maximaler Präsenz in die Medien zu bringen, besteht meiner Ansicht nach. Und ich bin kein Gegner der Lieferung an sich. Aber es wurde ja kein Uboot geliefert, sondern einem immerwieder unabhängig auch offensiv agierenden Staat (in einer Konfliktsituation) eine nukleare (Zweit-)schlagskomponente an die Hand gegeben. Das ist schon etwas, was mehr hätte diskutiert werden können. Der Panzerdeal mit SA ist dagegen Kindergarten.

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  22. Chinook schreibt:

    Grass tut mir etwas leid. Er wollte was zum weiteren Nahostkonfliktes sagen und hatte wohl eine ehrlich naive positive Intention. Jedoch sind Siedlungsbau, Nuklearstrategie, Terror und so gut wie alle anderen Sachverhalte in dieser Diskussion lediglich „Argumentationsmunition“, jedoch nicht Bestandteil einer dezidierten, objektiven Kritik des Sujets an sich. Das ist das entkleidende, was nicht Grass Gedicht, aber die Diskussion darum sichtbar gemacht hat. Und das Deutsche einen Schaden haben wenn es um Juden geht.

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  23. Garfield schreibt:

    Naja, also ich halte die Diskussion um das Gedicht für übertrieben.

    seh ich auch so. Irgendwo nur natürlich, wenn x Tageszeitungen es auf Seite 1 drucken – trotzdem: hätte sein Gedicht irgendeinen anderen Staat als Mittelpunkt gehabt, hätte es keinen Bruchteil der Aufmerksamkeit bekommen.
    Nicht erst mit Koreea – sogar bei einem den „Weltfrieden bedrohenden“ Syrien wären die Stimmen von etablierter Seite vermutlich – 2012 ganz zeitgemäß – sogar überwiegend zustimmend gewesen; es hätte allenfalls ein paar Kommentare, aber keine wochen- (inzw sogar jahrelange) Debatte gegeben.

    Deutschlands besonderes Verhältnis zu Juden, Israelis, und v.A. dem Staat selbst, ist ein komplexes Thema für sich.
    Die fehlende Trennung zw Juden & Israelis (bzw dem Staat) ist mir (neben Sarrazin – die Gene!) aber v.A. bei Grass-Gegnern aufgefallen.

    Das Gedicht selbst war literarisch – naja… er wollte halt eine Botschaft rüberbringen. Inhaltlich hatte es teils grobe Fehler, war aber nicht komplett abwegig. Antisemitisch war es MMN nicht, die wg des Gedichts erstellten Psychogramme halte ich für übertrieben.

    Ein Grass-„Freund“ war ich weder vor, noch nach dem Gedicht, aber v.A. Generations-bedingt. Die „Blechtrommel“ war zu „meiner“ Zeit ein (schon fast) „historisches“ Werk.

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  24. genova68 schreibt:

    Ich habe seinerzeit auf den Antisemitismus im Gedicht hingewiesen, vielleicht könnte man sagen, auf einen speziell Grassschen Antisemitismus. Da hilft die Behauptung, da sei etwas „übertrieben“, nicht weiter. Grass ist gewzungenermaßen Antisemit, der kann aufgrund seiner persönlichen Verstrickungen nicht anders. Das Entscheidende ist diese persönliche Verflechtung von Grass ins Thema, seine persönliche Schuld, die vielleicht extrem ist. Wie viele Juden hat er denn umgebracht? Man weiß es nicht, er weiß es vermutlich.

    Grass ist schon seit vielen Jahren eine Blindschleiche, der ist für politische Analyse völlig ungeeignet. Vielleicht war er schon immer so. Der hält beispielsweise Schröder und Clement für Sozialisten, die mit der Agenda nur versehentlich etwas falsch gemacht haben, kein Scherz.

    Grass hat sich mit seinem jahrzehntelangen linken Engagement selbst reingewaschen, und jetzt lässt er notgedrungen die Sau raus, kurz vorm Ende. Es geht bei dem, was Grass geschrieben hat, fast ausschließlich ums Psychologische, inhaltlich ist das für die Katz.

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  25. Chinook schreibt:

    „Das Entscheidende ist diese persönliche Verflechtung von Grass ins Thema, seine persönliche Schuld, die vielleicht extrem ist. Wie viele Juden hat er denn umgebracht?“

    Kollektivschuld gab es damals viel. Aber da kann man einen damals 17jährigen sicher nicht in Mitverantwortung nehmen.
    Und ihm eine extreme persönliche Schuld zu unterstellen, das ist nicht nur übertrieben, es ist abwegig.
    Aber so läuft das bei extremen Linken eben. Soldat -> SS = Judenmörder. Nur hat das meist mit den historischen Fakten nicht viel zu tun. Und da sieht man dann eben woher der Wind bläst. Es geht um die persönliche Schuld die man ihm unterstellen will und nicht um eine, die er auf sich geladen hat. Und wer damals wieviel persönliche Schuld auf sich geladen hat, das erkennt der Hardcore-Linke ganz einfach und pauschal am Kragenspiegel der Uniform.

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  26. Ich bin zwar kein Hardcore-Linker, aber wenn es jemand nötig hat, so einen Strich unter sein Leben zu ziehen: „(…) und jetzt lässt er notgedrungen die Sau raus, kurz vorm Ende.“ – dann spricht das Bände. Die möchte ich aber nicht lesen müssen. Dann doch lieber Hardcore und Atombombe à la Grass himself s.o.

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  27. genova68 schreibt:

    Chinook,
    einfach mal meine Texte lesen. Ich schiebe ausdrücklich niemandem eine Schuld zu, es ist einfach die Biographie von Grass, die ihn verstrickt hat. Er kann nicht anders, als damit irgendwie umzugehen. Eine Möglichkeit war das jahrzehntelange Verschweigen, eine andere ist das Gedicht, das Schuld an Juden verteilt, und zwar ganz konkret die des dritten Weltkriegs. Damit wären wir dann quitt. Darum geht es psychologisch. Nix Linksextreme.

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  28. Chris(o) schreibt:

    Hoffentlich hinterlässt er uns keine Tagebücher…..

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  29. genova68 schreibt:

    Vielleicht gibt sich ja Kujau noch mal einen Ruck…

    Garfield.

    trotzdem: hätte sein Gedicht irgendeinen anderen Staat als Mittelpunkt gehabt, hätte es keinen Bruchteil der Aufmerksamkeit bekommen.

    Alles andere wäre auch verwunderlich. Natürlich ist das Verhältnis D-Israel ein besonderes, in welchem Sinn auch immer.

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  30. Garfield schreibt:

    Wie viele Juden hat er denn umgebracht? Man weiß es nicht, er weiß es vermutlich.

    statt „wieviele“ müsste man eigtl erst mal fragen „ob“ – und evtl nicht mehr als jeder Wehrmachts-Soldat…

    den industriell-organisierten Holocaust war wie du sicher weißt Sache der Totenkopf-SS/ KZ-Mannschaften; hinter der Front waren – auch wenn Waffen-SS wie z.T. auch Wehrmacht immer gern tatkräftig unterstützten – in erster Linie die „Einsatzgruppen“ für den Genozid „zuständig“ (i-wie absurdes Wort in dem Zusammenhang…).
    soll jetzt keine Relativierung der anderen Organisationen darstellen oder diese gar entschuldigen – die wie schon gesagt selten „Hilfe“ gescheut haben, und andere Kriegsverbrechen wie z.B. den „Kommissarbefehl“ ganz selbstredend selbstständig ausführten – nur zur Klärung vorneweg

    über seine Einheit(en) gibt’s wohl keine andere Quellen als seine eigenen – zumindest laut denen war er aber weder bei Totenkopf-SS, noch der aus KZ-Wachmannschaften aufgestellten Waffen-SS-Division „Totenkopf“; sondern der SS-Panzerdivision Frundsberg; seinen Angaben nach als Panzersoldat/Ladeschütze.

    Über diese Division scheinen keine Kriegsverbrechen bekannt zu sein – allerdings ist über die meisten SS-Divisionen überhaupt kaum etwas bekannt…
    (dazu muß man wissen: eine Division ist ein Großverband, dem einzelne Brigaden, Regimenter, Bataillone etc angehören, deren Unterstellung wiederum regelmäßig wechselt… wär statt der Division seine Einheit, Bataillion/Regiment bekannt, wär das vermutlich eine wertvollere Information)

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  31. genova68 schreibt:

    Garfield, zuständig für den „Service“ im Blog :-)

    Grass hat vielleicht niemanden umgebracht, vielleicht saß er zwei Jahre nur herum. Vielleicht hat er auch vielen eigenhändig die Köpfe abgeschnitten. Worum es mir geht: Grass selbst beschäftigt sich massiv mit seiner Biographie, erst durch Verschweigen wichtiger Fakten, dann mit der Rolle als moralisches Gewissen der Nation; er ist von seinen Brüchen durchdrungen und kann deshalb nur unter bestimmten Zwängen auf Israel gucken.

    Ihm die SS-Geschichte vorzuwerfen, ist mittlerweile ein typisch rechtsradikales deutsches Phänomen. Die mittlerweile so vielen Rechtsextremisten aus der Mitte machen das gerne, um sein BRD-Engagement zu diskreditieren. Es ist eine ähnliche Ersatzhandlung wie bei den EU-Kritikern, die den „Wasserkopf“ und ähnliches kritisieren, in Wahrheit aber deutschen Nationalismus vertreten.

    Und hier sind wir vermutlich bei einem ganz interessanten Phänomen: Man darf heute einiges nicht mehr sagen, ohne aus dem offiziellen Diskursgebiet zu fliegen: Dass Schwule krank sind, Ausländer minderwertig, Behinderte ebenfalls etc. Das sind natürlich zivilisatorische Fortschritte, aber es ist problematisch für den stetig wachsenden Stammtisch. Der reagiert sich gerne mit solchen Aussagen ab, darf das jetzt aber nicht mehr. Deshalb kommt es zu den Verrenkungen wie derzeit in Baden-Württemberg, wo man gegen vernünftige Lehrpläne vorgeht, und zwar mit völlig absurden Behauptungen: Kinder würden umerzogen. Nein, diese Leute finden Schwule pervers, die sollten interniert werden. Aber genau das darf man nicht mehr sagen, deshalb der argumentative Umweg über „Kinderschutz“.

    Aus diesem Missverhältnis entsteht natürlich das Gefühl, dass man selbst untergebuttert wird. Es ist eine weitere gefährliche Eigenschaft des Neoliberalismus: Das Andere MUSS willkommen geheißen werden, natürlich nur aus Renditegründen. Eine Auseinandersetzung, ein Reiben findet nicht statt.

    Die aktuelle neoliberale Politik fördert Rassismus, rechtsradikale Strukturen, rechtsradikales Denken, Abwerten anderer, aber die ofizielle Version macht aus diesen Folgen ein Tabu. Keine gute Voraussetzung für die Zukunft.

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