Montag ist Blome- und Asmussen-Tag

Das Bundeskabinett ist nun vollständig und es interessiert mich nicht. Ich wechsle sogar den Radiosender, um die Namen der grinsenden Ärsche nicht zu hören. Wissenslücke als Fortschritt, Abwerfen von Ballast. Ein bisschen was kriege ich dennoch mit: Dobrindt wird Minister. Peng. Steinmeier ist auch wieder da. Und Jörg Asmussen gibt seinen Posten bei der EZB auf und ist nun Staatssekretär bei der künftigen Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles. Ich merke, dass ich dieser SPD-Tante so viel Korruption nicht zugetraut hätte. Wieso eigentlich? Kurzes Nachdenken: Sie hat mal öffentlich geheult. Außerdem haben leicht korpulente Frauen etwas Wahrhaftiges und Beruhigendes.

Jörg-Asmussen-2012-III-15-FreiburgJörg Asmussen: In meiner Naivität dachte ich bislang, der Typ hat so viel Mist gebaut, den holt man auf keinen Fall wieder nach Berlin, Angst vor schlechter Presse und so.

Asmussen auf dem Foto: smart, weich, irgendwie auch unangenehm, bedrohlich, weil zu smart und zu weich. Asmussen ist einer von denen, die in der zweiten Reihe die Strippen gezogen haben. IKB, HRE, die ABS-Geschichten: Asmussen ist mit dafür verantwortlich, dass hunderte Milliarden Euro an Geldern aus dem Bundeshaushalt an private Vermögende geflossen sind oder noch fließen können. Der Spiegelfechter spricht von 480 Milliarden Euro, „mit denen der Steuerzahler für die Verluste deutscher Banken haftet“. Verantwortlich dafür, dass haufenweise Lobbyisten und Banker im Finanzministerium arbeiten, Begünstigung von Steueroasen und so weiter und so fort. Korruptes Verhalten ist legal. Wer es genau wissen will, googele kurz. Asmussen ist Sozialdemokrat, natürlich.

In einem einigermaßen vernünftigen Land, also in einem, in dem sich das Kapital nicht in die letzte Ritze frisst, würde der Typ vor Gericht stehen. In Deutschland wird er zuerst zum Retter in der Krise ernannt und nun zum Staatssekretär von sozialdemokratischen Gnaden. So viel zum Thema Rechtsstaat.

Was will Asmussen im Sozialministerium? Vermutlich die Sozialversicherungen komplett privatisieren. Es zeigt sich auch, dass die angeblichen Unterschiede zwischen SPD, CDU und FDP keine sind. Kontroversen werden medial aufgeplustert, der Koalitionsvertrag wird als eine Art Schicksalsschrift für „Deutschland“ dargestellt, dabei wird sich schon kurz nach Weihnachten kein Mensch mehr für dieses Geblubber interessieren. Dann wird Realpolitik gemacht. Möglich, dass demnächst schon wieder jemand anderes durchs Dorf gejagt wird. Jemand, der ein oder womöglich gar zwei Bobbycars im Garten stehen hat.

Bobbycars sind kampagnenfähiger als Verbriefungen mit Milliardenschaden. Zumindest für deutsche Journalisten unterm Kapital.

Also den Sender zu wechseln. Wobei: Blome hat seinen (ersten?) Beitrag für Spiegel-Online geschrieben:

Der Koalitionsvertrag bedeutet in wichtigen Punkten eine Rückabwicklung eben dieser Reformen [Agenda 2010], auf die Deutschland stolz sein kann – mit denen viele SPD-Mitglieder aber weiterhin hadern. Fördern und fordern, das war der zentrale Gedanke der Agenda 2010. Der neue Koalitionsvertrag ist einer, der es auf Fördern und Umverteilen anlegt, aber Fordern und Sparen sein lässt. Dass eine Mehrheit der SPD-Mitglieder dazu ja sagt, liegt nahe.

So geht das. Jetzt haben die SPD-Mitglieder dem Koalitionsvertrag zugestimt, weil sie faule Säcke sind. Irgendwie beruhigend, dass Blome sein Bild-Niveau beibehalten hat.

PR-Agenten des Kapitals nennen sich Journalisten. Es wird verständlich, warum Asmussen nicht schamhaft unter der Decke gehalten werden muss.

Rolltreppe nach oben für die organisierte Kriminalität: auf erfolgreiche vier Jahre!

P.S.: Klaus Baum hat das Thema audiovisueller aufbereitet.

Noch ein P.S.: Der Tagesspiegel titelt gerade: „Wirtschaft traut Gabriel und Nahles nicht.“
P1020043(Fotos: Wikipedia und genova 2012)

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5 Antworten zu Montag ist Blome- und Asmussen-Tag

  1. Peleo schreibt:

    Inzwischen hat sich seine hier thematisierte Rolle bei der Deregulierung, Verbriefung, IKB usw. herumgesprochen.

    Könnte es nicht auch sein, dass für Asmussen ein Versorgungsposten gefunden werden musste, weil er aus der Schusslinie genommen werden soll?

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  2. tikerscherk schreibt:

    Asmussen. Ich bin sprachlos.

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  3. genova68 schreibt:

    Peleo,
    herumgesprochen? Ich weiß nicht. Eine Meinungsumfrage brächte vermutlich zutage, dass drei Viertel der Deutschen den Namen gar nicht kennen. Außerdem ist das ja auch eine Frage der Funktion von Medien: Es ist heute schnell eine flotte Empörung hergestellt, die sich aber ebenso schnell auflöst. Und ein Staatssekretärsposten ist keine Versorungsfunktion, danach recken sich hunderte und einer kriegt den Job. Asmussen war doch bei der EZB schon in zweiter Reihe. Ist zumindest meine Meinung, aber ich habe deinen Eiwand schon gestern irgendwo gelesen.

    tikerscherk,
    schade (dass du sprachlos bist ;-)

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  4. Pagophila schreibt:

    Die Nahles wirkt auf mich eiskaltschnäutzig und extrem beunruhigend. Passt doch.

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  5. genova68 schreibt:

    Ja, dann passt es. Auf mich wirkte die immer so mütterlich, Eifelbewohnerin aus geordneten Verhältnissen, die den gesunden Menschenverstand repräsentiert. Ist vermutlich meine Konstruktion.

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