Kapitalismus und Barbarei: die Nachwuchskräfte gedeihen

Ein paar Zeilen über die Kapitallobbytruppe „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“. Bekannt ist: Sie arbeitet erfolgreich an der Umformung des Begriffs Soziale Marktwirtschaft und geht dabei bis an die Grenzen der Kriminalität oder auch darüber hinaus. Öffentlich wurde ein Fall aus dem Jahr 2005, als die INSM den Produzenten von „Marienhof“ 58.670 Euro zahlte, damit die Vorabendserie die Themen „schlanker Staat“ und „Steuern“ in Dialogen thematisiert. Nebenbei: Der „Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft“ war noch großzügiger: Er zahlte den Machern des Marienhof mehr als 200.000 Euro, damit verschiedene Versicherungsfälle in Marienhof-Dialogen thematisiert wurden. (Es ist schon fast lustig, sich mit diesem Wissen die entsprechenden Folgen anzuschauen.)

Abgesehen von diesem sehr speziellen Verhalten sind es auch hier die Details, die eine Organisation wie die INSM entlarven. Kleines Beispiel: Einen von zahlreichen „INSM-Blogs“ führt Nils Kulla. Kulla ist 17, Schüler an einem Gymnasium in Rheda-Wiedenbrück, Mitglied der Julis („Weil die Freiheit des Einzelnen nie anderen Aspekten untergeordnet werden sollte“) und Mitglied des lokalen Hayek-Gesprächskreises.

Hier wird es interessant. Wer ist Friedrich August von Hayek? Hayek (1899 – 1992) war prominenter Vertreter der Österreichischen Schule, die „marktradikale“ Standpunkte vertritt. Was er unter „gleich“ verstand, beschrieb er 1981 in einem Interview mit der Wirtschaftswoche so:

„Ungleichheit ist nicht bedauerlich, sondern höchst erfreulich. Sie ist einfach nötig. […] Für eine Welt, die auf egalitäre Ideen gegründet ist, ist das Problem der Überbevölkerung (…) unlösbar. Wenn wir garantieren, dass jeder am Leben erhalten wird, der erst einmal geboren ist, werden wir sehr bald nicht mehr in der Lage sein, dieses Versprechen zu erfüllen. Gegen diese Überbevölkerung gibt es nur eine Bremse, nämlich dass sich nur die Völker erhalten und vermehren, die sich auch selbst ernähren können.“

Praktisch, dass Hayek noch so offen redete. Heute sind diese Leute vorsichtiger. Ungleichheit verband Hayek direkt mit massenhaftem Sterben durch verhungern. Das ist in Ordnung, die Menschen sind nun mal nicht gleich. Eine humane Variante des Ungleichheitsbegriffs wäre eine, die den Menschen als Individuum sich entfalten lässt, in welcher Richtung auch immer. Davon ist keine Rede, stattdessen die Legitimierung von Massenmord.

Zur Lieblingsfloskel dieser Kameraden, nämlich Freiheit, äußerte sich Hayek ebenfalls bemerkenswert:

„Die Grundsätze des Liberalismus enthalten keine Elemente, die ihn zu einem starren Dogma machten, und es gibt keine strengen Regeln, die ein für allemal festständen. Das Hauptprinzip, wonach wir uns in allen Stücken so weit wie möglich auf die spontanen Kräfte der Gesellschaft stützen und so wenig wie möglich zu Zwangsmaßnahmen greifen sollten, kann in der Anwendung unendlich variiert werden.“

Lustigerweise schrieb Hayek diese Zeilen in einem Buch, das Sozialismus als einen „Weg zur Knechtschaft“ beschrieb (S. 36).

Wie diese „unendliche Variation“ aussehen soll, musste Hayek wohl offenlassen, weil Unendlichkeit schlecht eng gefasst werden kann. Es kann jedoch diagnostiziert werden, dass die „Grundsätze des Liberalismus“ nach Hayek den Freiheitsbegriff keineswegs umfassend begreifen, sondern ihn instrumentalisieren zugunsten der von ihnen geforderten Konstruktionen, die vor allem einen „freien Markt“ betreffen, der unter allen Umständen gewährt sein muss.

Frei ist also der „Markt“, nicht der Mensch.

Interessant ist auch das Wörtchen „sozial“. Sozial ist laut Hayek alles, was in einer freien Marktwirtschaft an Realitäten geschaffen wird. Der soziale Aspekt stellt sich zwangsläufig her, wenn man die Individuen ihre Interessen am Markt selbst realisieren lasse. Der Markt ist hier sozusagen der Ort der Wahrheit. Sozial ist, was ist.

Sozial meint also ausdrücklich nicht egalitär, sondern, siehe oben, eine „erfreuliche Ungleichheit“. Begründet wird das mit einer Utopie, die durch Egalitarismus angestrebt werde, die eine Gesellschaft aber nicht einlösen könne. Dem sei das Modell eines Sozialdarwinismus gegenüberzustellen, das den „Tüchtigen“ ein Überleben ermögliche oder gar garantiere, also den, die sich in einer radikalmarktwirtschaftlichen Situation aus eigener Kraft das Überleben sichern könnten.

Deutlich wird Hayek auch an anderer Stelle:

„In der realen Sphäre bedeutet neoliberale Politik vor allen Dingen die Auflösung kollektiver sozialer Strukturen und die Destabilisierung des politischen Systems.“ (Hayek, Wissenschaft und Sozialismus, 1979, S. 23).

Soziale Strukturen auflösen. Bedenkt man, dass Hayek das erst 1979 schrieb, kann man nicht mehr von der Anschauung unmittelbarer Gefahr durch einen stalinistischen oder nationalsozialistischen Staat ausgehen, der mithilfe „politischer Destabilisierung“ abzuschaffen wäre, sondern es liegt die Vermutung nahe, dass der „freie Markt“ auch durch illegale Mittel herbeizuführen ist. Eine Wertschätzung des parlamentarischen Systems kann aus diesen Äußerungen jedenfalls nur sehr bedingt herausgelesen werden.

Es ist also kein Zufall, dass Hayek ab den 1980er Jahren zur Gallionsfigur der Neuen Rechten wurde. Es ist angesichts seines Sozialdarwinismus nur folgerichtig.

Zurück zu Kamerad Nils vom INSM-Blog. Bei ihm kann man schön sehen, wie schnell die angeblichen Leitlinien der eigenen politischen Anschauung auf den Müll geworfen werden. Freier Markt? In einem Artikel begrüßt er die Fusion von O2 und E-Plus. Warum?

„Durch einen Zusammenschluss mit E-Plus hätte O2 nun eine Möglichkeit, ein qualitativ hochwertigeres Netz flächendeckend kosteneffizient unterhalten zu können.“

Na, schau an. Ein freier Markt scheint doch nicht so wahnsinnig effizient zu sein. Für die Kapitalakkumulation, das erkennt Nils ganz richtig, ist ein Oligopol viel praktischer.

Zum Mindestlohn schreibt er:

Der Mindestlohn ist nicht das Allheilmittel, welches die Politiker in ihm immer wieder sehen. Eigentlich ist er nicht mehr als ein Arbeitsverbot für Menschen, deren Arbeit einen höheren Lohn nicht rechtfertigt.

Es ist das gleiche sozialdarwinistische Geschwätz wie bei Hayek. Die Arbeit von Millionen Menschen „rechtfertigt“ keine höheren Löhne als fünf, vier, drei, zwei oder auch nur einen Euro fünfzig. So ist das halt. Und das ist auch ganz praktisch, denn, wie wir oben gelernt haben, gibt es eh zu viele Menschen, und die Niedriglöhner können sich irgendwann nicht mehr selbst ernähren und sterben dann. Gott sei Dank.

Man muss diesen Leuten die Maske vom Gesicht reißen. Die Nils dieser Republik sitzen in allen Medien und tun so, als seien sie ganz normale Diskutanten, die doch nur das Beste wollten. Den Leistungsbereiten eine Chance, wie man sagt. Ich meine, es fällt nicht allzu schwer, diese Leute als runderneuerte Faschisten zu markieren.

So sieht sich die INSM selbst:

Das Wirtschaftsblog der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) will vielfältig sein, aktuell, kontrovers, multimedial, vor allem aber: verständlich. Denn was alle angeht, sollte auch von allen verstanden werden.

Ja, wir haben verständlich verstanden: Knöpfchen drücken, runterspülen, fertig.

163(Foto: genova 2013)

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17 Antworten zu Kapitalismus und Barbarei: die Nachwuchskräfte gedeihen

  1. Pingback: freiheit | neuköllner botschaft

  2. Entfaltung als die «humane Variante des (Hayek’schen) Ungleichheitsbegriffs (in welcher Richtung auch immer)» ist mir persönlich noch zu wenig und schwach.

    Ebenso wie Artikel 2.1 des GG: «Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.»

    Entfalten sich doch unter den Deckmänteln «Freie Marktwirtschaft» und «Demokratie» nicht nur ungehindert die Produzenten des «Marienhof» und diffuse Neoliberale, sondern auch Nazis (denen man mit demokratischen Instrumenten nicht beikommen kann … ?

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  3. Chinook schreibt:

    „Der Mindestlohn ist nicht das Allheilmittel, welches die Politiker in ihm immer wieder sehen. Eigentlich ist er nicht mehr als ein Arbeitsverbot für Menschen, deren Arbeit einen höheren Lohn nicht rechtfertigt.“

    Geht so mit Hayek nicht unbedingt d’accord. Eher die Haltung von Sinn, der das nicht vor dem historischen Hintergrund vertritt – und durch einen solchen geprägt wurde, wie Hayek.

    Macht doch aber wenig Sinn Ansichten von Denkern wortwörtlich und satzweise auseinanderzunehmen.
    In Zusammenhang mit der Überschrift: „Kapitalismus und Barbarei: die Nachwuchskräfte gedeihen“, wird das dann doch zur Propaganda. Form follows function, insofern schon ok, aber eine konstruktive Auseinandersetzung mit Denkansätzen sieht anders aus, und kann durchaus bedeuten eine vollkommen gegensätzliche Ansicht zu begründen – was in dem Fall nicht all zu schwer sein sollte.

    „Der soziale Aspekt stellt sich zwangsläufig her, wenn man die Individuen ihre Interessen am Markt selbst realisieren lasse.“

    Das ist der entscheidende Punkt. Keine Theorie übersteht den Erstkontakt mit der Realität und was man von diesem speziellen Argument halten sollte, verdeutlicht ein Blick in die US-amerikanischen
    Trailerparks oder auf die Kosten des US-Gesundheitssystems.

    „Kulla ist 17, Schüler an einem Gymnasium in Rheda-Wiedenbrück, Mitglied der Julis“

    Ist damit nicht alles gesagt? Der Junge ist 17, hat keine Ahnung von gar nichts. Inwiefern eignet er sich, um daran die INSM abzuarbeiten? Die einen Pubertären glauben halt an die Illuminati, die andern an die Politik der FDP. Klar, bei den Illuminati-Hörigen wächst sich das eher mit dem Alter aus. Aber doch kein Grund mit Kanonen auf Welpen zu schießen.

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  4. Manfred Peters schreibt:

    @ chinook
    Hat sich hier jemand von der AfD/Tea-Party verirrt?
    Da findest Du mit Deinen obskuren Einlassung eher bei Stefan Sasse Gesinnungsfreunde.
    Aber in einem hast Du recht: „…kein Grund mit Kanonen auf Welpen zu schießen.“
    Es brauchte da eine extrem streuende Flinte, denn wir haben einen Welpentsunami. :-(

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  5. genova68 schreibt:

    „Aber doch kein Grund mit Kanonen auf Welpen zu schießen.“

    Ich wusste gar nicht, dass mein blog eine Kanone ist.

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  6. arprin schreibt:

    Ich finde, du interpretierst Hayek falsch. Du tust ja so, als würde Hayek die Vernichtung von minderwertigen Völkerabfällen und revolutionären Terror fordern, sowie Marx und Engels es ausdrücklich taten. Nichts ist entfernter von der Realität.

    „Ungleichheit ist nicht bedauerlich, sondern höchst erfreulich. Sie ist einfach nötig. […] Für eine Welt, die auf egalitäre Ideen gegründet ist, ist das Problem der Überbevölkerung (…) unlösbar. Wenn wir garantieren, dass jeder am Leben erhalten wird, der erst einmal geboren ist, werden wir sehr bald nicht mehr in der Lage sein, dieses Versprechen zu erfüllen. Gegen diese Überbevölkerung gibt es nur eine Bremse, nämlich dass sich nur die Völker erhalten und vermehren, die sich auch selbst ernähren können.“

    Für dieses Zitat habe ich bei Google keine Quelle gefunden, die von einem Hayek-Buch oder einer Hayek-Seite stammt, sondern nur Quellen, die von Hayek-Gegnern stammen. Aber nehmen wir an, er hätte das gesagt. Dann richtet es sich nicht gegen die rechtliche Gleichheit, sondern die materielle Gleichheit. Und dagegen ist ja nichts einzuwenden. Materielle Ungleichheit ist in der Tat nicht immer etwas Schlechtes, und der Versuch, diese zu erreichen, endet immer in brutaler Gewalt. Materielle Ungleichheit ist nur dann zu verurteilen, wenn sie durch rechtliche Ungleichheit möglich wurde.

    Zur Überbevölkerung: Es ist unmöglich, allen Menschen auf der Welt sofort denselben Lebensstandard zu ermöglichen, und angesichts des Elends in vielen Drittweltstaaten wird es vielen nicht mal möglich sein, ihre Familie zu ernähren. Solange es auf freiwilliger Basis erfolgt (was man leider nicht immer sagen kann, siehe z.B. die Ein-Kind-Politik in China), ist Geburtenkontrolle ein guter Weg um Überbevölkerung in den Griff zu bekommen. Aber langfristig gibt es nur einen Weg, und zwar Produktivitätswachstum, so dass sich der Lebensstandard der Entwicklungsländer denen der Industrieländer angleicht, ohne dass sich die Industrieländer einschränken müssen.

    „Die Grundsätze des Liberalismus enthalten keine Elemente, die ihn zu einem starren Dogma machten, und es gibt keine strengen Regeln, die ein für allemal festständen. Das Hauptprinzip, wonach wir uns in allen Stücken so weit wie möglich auf die spontanen Kräfte der Gesellschaft stützen und so wenig wie möglich zu Zwangsmaßnahmen greifen sollten, kann in der Anwendung unendlich variiert werden.“

    Diesen Satz kann ich so fast unterstreichen. Als Liberaler sollte man alle Zwangsmaßnahmen ablehnen. Viel mehr gehört zum Liberalismus nicht dazu, wenn überhaupt. Allerdings verstehe ich nicht ganz, was Hayek damit meint, dass dieses Hauptprinzip variierbar sein soll. Der Kontext des Zitats würde mehr Klarheit verschaffen.

    Frei ist also der “Markt”, nicht der Mensch.

    „Der Markt“ ist doch nichts weiter als der Mensch und seine Handlungen. Was verstehst du eigentlich unter dem Begriff „Markt“?

    „In der realen Sphäre bedeutet neoliberale Politik vor allen Dingen die Auflösung kollektiver sozialer Strukturen und die Destabilisierung des politischen Systems.“

    Was ist daran falsch? Jeder, dessen politische Vorstellungen nicht mit den herrschenden politischen Vorstellungen übereinstimmen, will das politische System „destabilisieren“ (also verändern, es soll nicht mehr alles gleich bleiben) und die von ihnen geschaffenen kollektiven sozialen Strukturen auflösen (also durch Neue ersetzen). Das gilt auch für dich, wenn du gegen das derzeit herrschende politische System bist.

    Und jetzt zum Vergleich mal ein paar Zitate von Karl Marx, frei zitiert aus den Marx-Engels-Werken:

    „Man solle damit in einer sozialistischen Revolution beginnen, die primitiven Völkerabfälle wie etwa Basken, Bretonen, schottische Highlander, zu liquidieren.“

    „Die Klassen und Rassen, die zu schwach sind, die neuen Lebenskonditionen zu meistern, müssen den Weg frei machen. Sie müssen in einem revolutionären Weltensturm untergehen.“

    „Wir sind rücksichtslos, wir verlangen keine Rücksicht von euch. Wenn die Reihe an uns kommt, wir werden den Terrorismus nicht beschönigen.“

    „Es gibt nur ein Mittel, die mörderischen Todeswehen der alten Gesellschaft, die blutigen Geburtswehen der neuen Gesellschaft abzukürzen, zu vereinfachen, zu konzentrieren, nur ein Mittel – den revolutionären Terrorismus!“

    Karl Marx war ein Rassist, Sozialdarwinist und Terrorprediger. Es wäre also angebrachter, über die Zusammenhänge zwischen Marx und grausamer Barbarei nachzudenken.

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  7. genova68 schreibt:

    apirin,
    Hayek hat das Zitat in einem Interview mit der Wirtschaftswoche am 6.3.1981 gesagt, das steht in dem verlinkten Buch.

    Marx frei zitieren? Bitte nicht. Such dir seriöse Quellen.

    Zum Rest ein anderes Mal.

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  8. Manfred Peters schreibt:

    @ Aspirin 18. Dezember 2013 um 15:39 |
    Ich verstehe diesen philosophischen Höhenflug nicht:
    „Materielle Ungleichheit ist in der Tat nicht immer etwas Schlechtes, und der Versuch, diese zu erreichen, endet immer in brutaler Gewalt.“
    Kann der Küchen-Philosoph mir da mal weiter helfen?
    Oder doch lieber nicht! :-(

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  9. arprin schreibt:

    @Manfred Peters:

    Erstens heiße ich Arprin.

    Zweitens sollte es heißen:
    „Materielle Ungleichheit ist in der Tat nicht immer etwas Schlechtes, und der Versuch, materielle Gleichheit zu erreichen, endet immer in brutaler Gewalt.“

    Ich hatte ja vorher auch gesagt, dass rechtliche Gleichheit und materielle Gleichheit nicht dasselbe sind. Hayeks Zitat richtete sich nicht gegen rechtliche Gleichheit, sondern gegen den Versuch, materielle Gleichheit zu errichten (was, wie die Geschichte zeigt, nur mit Gewalt geht).

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  10. genova68 schreibt:

    Bleiben wir bei dem ersten Zitat von Hayek:

    Wenn wir garantieren, dass jeder am Leben erhalten wird, der erst einmal geboren ist, werden wir sehr bald nicht mehr in der Lage sein, dieses Versprechen zu erfüllen.

    Umkehrschluss: Kinder sollen, bei Bedarf in Millionenzahlen, ermordet werden, man soll sie verhungern lassen. Arprin, viel einfacher kann man Leute wie Hayek nicht entkleiden. Es ist der pure Sozialdarwinismus, solche Massenmorde zum politischen Programm zu machen. Wo ist eigentlich der Unterschied zu Stalin?

    Darf ich mal fragen, wie alt du bist?

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  11. El_mocho schreibt:

    Ich denke man kann beide, Hayek und Marx, getrost vergessen. Zur Lösung unserer heutigen Probleme haben sie nichts beuzutragen.

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  12. genova68 schreibt:

    Nennt man das nun ein salomonisches Urteil? Oder das Gegenteil davon?

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  13. Stefan Wehmeier schreibt:

    „Ich denke man kann beide, Hayek und Marx, getrost vergessen.“

    Richtig. Aber warum wird überhaupt noch über diesen Kinderkram diskutiert? Zur Beantwortung dieser Frage muss man nicht nur sprichwörtlich, sondern tatsächlich bei Adam und Eva anfangen:

    Einführung in die Wahrheit

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  14. arprin schreibt:

    Kinder sollen, bei Bedarf in Millionenzahlen, ermordet werden, man soll sie verhungern lassen. Arprin, viel einfacher kann man Leute wie Hayek nicht entkleiden. Es ist der pure Sozialdarwinismus, solche Massenmorde zum politischen Programm zu machen.

    So ein Quatsch. Wie kann man nur ein Zitat so falsch interpretieren? Hayek spricht nur die Realität an: In Entwicklungsländern kann eine hohe Geburtenrate dazu führen, dass viele Kinder nicht ernährt werden können. Das ist einfach nur eine Tatsache. Hayek leitet daraus aber nicht die Forderung ab, Kinder ermorden zu lassen. Das ist eine bösartige und infame Unterstellung.

    Das ist offenbar eine beliebte Taktik von dir. Du suchst dir ein Zitat aus und legst es mit viel Phantasie so aus, als würde es heißen „Man soll Arme und Arbeitslose zu Millionen ermorden lassen“, und schon ist Friedman/Hayek/usw. als Sozialdarwinist und Massenmörder „entkleidet“.

    In seinem Buch „Der Weg zur Knechtschaft“ befürwortet Hayek eine Notsicherung (Milton Friedman tat dies auch):

    „Zweifellos kann jedem Einzelnen ein gewisses Minimum an Nahrung, Obdach und Kleidung garantiert werden, das für die Erhaltung der Gesundheit und der Arbeitsfähigkeit ausreicht.“ (S. 108)

    Karl Marx wiederum hat sich selbst entkleidet. In den Marx-Engels-Werken sind seine Vorstellungen für jeden zu lesen:
    http://www.dearchiv.de/php/mewinh.php

    In Band 6, S. 505 heißt es:

    „Wir sind rücksichtslos, wir verlangen keine Rücksicht von euch. Wenn die Reihe an uns kommt, wir werden den Terrorismus nicht beschönigen.“

    „Es gibt nur ein Mittel, die mörderischen Todeswehen der alten Gesellschaft, die blutigen Geburtswehen der neuen Gesellschaft abzukürzen, zu vereinfachen, zu konzentrieren, nur ein Mittel – den revolutionären Terrorismus!“

    Wie kannst du Hayek fälschlicherweise unterstellen, Massenmord zu unterstützen, während du Marx‘ Aufrufe zu Gewalt, Terrorismus und Völkermord, die in die Praxis umgesetzt tatsächlich zu Millionen Toten führten, ignorierst?

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  15. genova68 schreibt:

    aprin,
    ich ignoriere die Marxschen Sprüche nicht, im Gegenteil. Ich wollte von dir nur O-Töne. Die hast du geliefert, danke, und ich werde das irgendwann lesen, aber ich habe jetzt keine Zeit.

    Ich bin für diese Kritik jederzeit zu haben. Es gab hier vor Jahren lange Diskussionen mit Marxkennern, die auf Teufel komm raus Marx reinwuschen. Eine unglaubliche Verbohrtheit. Ich gehöre nicht zu dieser Sorte Ideologen.

    Ich merke aber schon mal an, dass Zeitungsartikel in revolutionären Zeiten (und darum handelt es sich bei deinem O-Ton) historisch gelesen werden müssen. Es geht um einen Aufstand gegen die herrschende Klasse, es geht um Befreiung. Dennoch kann ich mir gut vorstellen, dass bei Marx der Terror schon angelegt war. Diese Sprüche da oben sind ein Indiz. Viele Linke sind gefährliche Spinner, keine Frage. Die kritiklose Unterstützung Kubas durch die Linkspartei ist so ein Fall.

    Bei Marx interessiert mich das, was heute noch fruchtbar ist. Es wäre ein Wunder, wenn man heute alles übernehmen könnte, was er vor 150 Jahren schrieb. An Marx interessieren mich die ökonomischen Theorien und das Manifest. An ersterem kommt man auch heute nicht vorbei, von mir aus erweitert und renoviert. Mit Marx kannst du die Finanzkrise erklären und so ziemlich alles andere, was heute ökonomisch passiert auch. Mit Marx bzw. mit einem weiterentwickelten Marx.

    Zu Hayek gibt es nichts zu beschönigen. Der geht mit Millionen Menschen mordend um, auch wenn dir das nicht ins ideologische Konzept passt. Es geht nicht darum, was derzeit real passiert, sondern es geht darum, ob man sowas gutheißt. Und genau das tut er, wenn er sagt, dass wir nicht garantieren sollen, dass jeder am Leben bleibt, der geboren wird. Wenn man, wenn der Staat keine Garantien für einen lebenden Menschen abgibt, darf man ihn ermorden.

    Sei da bitte kritischer, auch wenn du dein Idol begraben musst. Sonst bist du auch nicht besser als die von mir oben erwähnten Marx-Verteidiger auf Teufel komm raus.

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  16. arprin schreibt:

    Mit Marx kannst du die Finanzkrise erklären und so ziemlich alles andere, was heute ökonomisch passiert auch. Mit Marx bzw. mit einem weiterentwickelten Marx.

    Ach ja wirklich??! Die Austrians haben die Finanzkrisen von 1929 und 2007 vorausgesagt. Ein Zentralbankmonopol und ungedecktes Papiergeld führen zu künstlichen Booms, denen immer der Bust folgt. Das sah man z.B. bei der lockeren Geldpolitik der FED vor der Subprimekrise. Wie soll man mit Marx die Finanzkrise erklären?

    Zu Hayek gibt es nichts zu beschönigen. Der geht mit Millionen Menschen mordend um, auch wenn dir das nicht ins ideologische Konzept passt.

    Das ist eine unglaubliche falsche Darstellung von Hayek.

    Und genau das tut er, wenn er sagt, dass wir nicht garantieren sollen, dass jeder am Leben bleibt, der geboren wird. Wenn man, wenn der Staat keine Garantien für einen lebenden Menschen abgibt, darf man ihn ermorden.

    Hast du den Teil überlesen, als ich sagte, Hayek befürwortet eine Notsicherung und aus einem seiner Bücher zitierte? Warum versuchst du nichtmal, Hayek richtig zu interpretieren anstatt so wie du ihn sehen willst? Hayek war einer der größten Humanisten aller Zeiten, es ging ihm um das Wohl aller Menschen.

    Und im Übrigen ist es ein logikfreies Argument zu sagen „Wenn man nicht will, dass der Staat etwas bereitstellt, will man, das niemand es bereitstellt“. Das würde ja auch bedeuten, wenn man sagt „Der Staat soll keine Kaugummis produzieren“, möchte man, niemand solle Kaugummis bereitstellen.

    Sei da bitte kritischer, auch wenn du dein Idol begraben musst. Sonst bist du auch nicht besser als die von mir oben erwähnten Marx-Verteidiger auf Teufel komm raus.

    Du hast kein Problem, Marx trotz seiner Terror-Aufrufe zu zitieren, und willst, dass ich Hayek „begrabe“, weil du ihm in orwellscher Verkehrung der Wahrheit die Befürwortung von Massenmord unterstellst?

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  17. genova68 schreibt:

    Also, ich glaube, das führt uns nicht weiter. Ich kenne Hayek zu wenig. Dass jemand in seinem Leben Widersprüchliches sagt, ist nichts neues. Das Hayek-Zitat von 1981 spricht Bände, auch wenn es dir nicht passt. Es ist eine tiefe Verachtung des vorgeblich Nutzlosen, und das passt ins Bild. Hayek sieht in Menschen nur ökonomische Verschiebungsmassen, so kommt er zwangsläufig irgendwann (vielleicht war das bei ihm in der Tat erst im hohen Alter der Fall) auf diese Vernichtungsphantasien, das geht gar nicht anders. Entweder verabschiedet er sich von seinem Denkmodell oder er befürwortet den Massenmord am Unproduktiven. Pinochet und Friedman ist da ja ganz interessant.

    aprin,
    mich würde eher interessieren, wie du auf diese Leute gekommen bist? Du kommst hier ja ganz nett rüber, aber wieso verlegst du dich auf diese verrückten Ökonomen, was ist da passiert? Kannst du mir darüber Auskunft geben? Da würde ich vermutlich mehr lernen als mit diesen Pseudofaktendiskussionen.

    Meine Erfahrung im Netz ist, dass man bei weit auseinanderliegenden Meinungen keinerlei Verständigung erzielt. Das liegt daran, dass Mimik, Gestik und alles andere fehlt, was zur Kommunikation eigentlich dazugehört. Face-to-Face würde das vielleicht funktionieren. Falls du mal nach Berlin kommst, gerne auch mit dem Bus, können wir uns auf ein Bier treffen, ich lass mir gerne was erzählen. Hier ist mir es zu zeitaufwändig.

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