Gabriel will mit Holocaustleugnerin koalieren

Die Details sind meist das interessanteste.

Die SPD will bei der nächsten Bundestagswahl eine Koalition mit der Linkspartei nicht mehr ausschließen,

schrieb die FR vorgestern, am 12. November 2013.

Zwei Monate zuvor, am 15. September 2013, diskutierten unter anderem SPD-Chef Sigmar Gabriel und Sahra Wagenknecht bei Günter Jauch. Gabriel meinte kurz vor Ende der Sendung, seine Partei könne schon deshalb nicht mit den Linken koalieren, weil sich Sahra Wagenknecht beim Besuch des israelischen Staatspräsidenten im Deutschen Bundestag im Februar 2010 nicht erhoben habe. Sie habe damit, so Gabriel sinngemäß, den Opfern des Holocaust ihre Ehrehrbietung verweigert.

Darauf Wagenknecht:

Wagenknecht veröffentlichte am Montag eine Erklärung, in der sie ihr Verhalten rechtfertigt. „Zum Gedenken an die Opfer des Holocausts“ sei sie im Bundestag selbstverständlich aufgestanden – nach Peres Rede allerdings nicht, weil sie „einem Staatsmann, der selbst für Krieg mitverantwortlich ist, einen solchen Respekt nicht zollen kann“. Wagenknecht weiter: „Mein Verhalten bedeutet in keinster Weise, dass ich dem Anlass der Rede, dem Gedenken an das von Deutschen verübte Verbrechen des Holocausts, den Respekt versage. Vor den Opfern der Schoa verneige ich mich in tiefer Demut.“

Merkwürdig. Wie auch immer man zu der Geschichte steht: Gabriel warf Wagenknecht indirekt vor, entweder den Holocaust zu leugnen oder aber ihn für vernachlässigbar zu halten oder gar gut zu finden. Der stärkste Tobak überhaupt. Eigentlich sind solche Vorwürfe der NPD und anderen Nazis vorbehalten.

Von September bis November: Was hat sich seitdem getan? Hat Sahra Wagenknecht bei Gabriel Abbitte geleistet und ihm versichert, dass sich ihr schlimmer Fehler nicht wiederholen werde und sie seitdem intensiv deutsche Geschichtsbücher studiert hat? Oder hat Gabriel eingesehen, dass der Holocaust eine jüdische Erfindung ist bzw. dass er doch gar nicht so tragisch war?

Mir ist nichts von beidem bekannt.

Es ist ein kleines Beispiel für politische Kultur. Gabriel instrumentalisiert bei Bedarf sogar die Shoa. Hart ausgedrückt: Er geht über Leichen. Der Bedarf war: ein paar Promille mehr Wählerstimmen zu bekommen.

Nach der Wahl ist der Holocaust Nebensache. Um die Union bei den laufenden Koalitionsverhandlungen unter Druck zu setzen bwz. sich die Möglichkeit offen zu halten, in der laufenden Legislaturperiode zu rot-rot-grün zu wechseln, spielt der SPD-Chef mal kurz die Rot-rot-Karte. Was kümmert ihn seine Holocaustinstrumentalisierung von vor zwei Monaten?

Von solchen Leuten werden wir regiert. Ob schwarz-rot oder rot-rot.

084(Foto: genova 2013)

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11 Antworten zu Gabriel will mit Holocaustleugnerin koalieren

  1. El_Mocho schreibt:

    Es dürfte sich um ein einfaches taktisches Manäver gegenüber der CDU handeln; „Wir können auch anders, wenn ihr nicht wollt.“

    Viel bemerkenswerter fand ich es, dass Gabriel kürzlich erklärt hat, ein gerechteres Steuersystem sei mit der CDU nicht zu machen, damit müsse man sich abfinden, während Frau Schwesig vor einigen Tagen drohte, die Kolaitionsverhandlungen platzen zu lassen, wenn die CDU sich nicht bei der Homoehe bewegt.

    Das zeigt, welche Prioritäten z.Z. in dieser Partei herrschen.

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  2. Manfred Peters schreibt:

    Offensichtlich hat Sigi-Pop den Berufsidioten Hallervorden aufgrund dieses Auftritts als politischen Berater und Ideengeber engagiert.

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  3. genova68 schreibt:

    Der Hallervorden ist in der Tat eine dumpfe Nuss. Das von ihm erwähnte Zitat von Wagenknecht möchte ich direkt lesen, bevor ich ihm das abnehme.

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  4. Garfield schreibt:

    im 1 Monat alten Kommentar drunter heißt es ja, er hätte sich inzw bei ihr dafür entschuldigt… mitbekommen hab ich davon jedenfalls nichts.

    solche „Zitate“ sind ja so gut wie unmöglich nachzuprüfen wenn nicht dazu kommt, wann & wo sie das gesagt haben soll…
    deshalb will ich nicht wissen wieviel Zuschauer ihm das erst mal ungefragt abnehmen, von daher: Mission erfüllt

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  5. genova68 schreibt:

    Toll, Garfield, du bist hier sowas wie ein Service-Mitarbeiter, leider äußerst prekär bezahlt.

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  6. Garfield schreibt:

    leider äußerst prekär bezahlt.

    das läßt sich ja ändern…
    meine äußerst scharfsinnig-tiefgründigen Kommentare dürften schon einige Leser bei der Stange halten… ich will ja fair sein und setze mal bei 25% an… dazu der Wert des Wortes „Garfield“ als häufiger Suchbegriff → garantiert Traffic & (qualitatives!) Wachstum.
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  7. genova68 schreibt:

    Ich schlage vor, du machst erstmal ein Jahr ein unbezahltes Praktikum. Immer schön recherchieren. Danach führen wir ein ernsthaftes Gespräch. Also: Streng dich an! Ich will doch nur dein Bestes. (Und kriege es hoffentlich auch.)

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  8. Manfred Peters schreibt:

    @ Garfield & ?
    Gönn Dir mal ein Fläschchen Rotwein*.
    Wer Ähnlichkeiten mit einer längst abgewickelten Gesellschaft erkennt, möge das für sich behalten, denn nicht nur die freie Rede wird in D überwacht und ggf. als …algie** denunziert. :-(
    Das Letzte: „Lage in Ostdeutschland so gut wie nie“,oder „Man sollte niemals nie sagen“!

    *Beitrag, wenn überhaupt, nur eine Woche in der Mediathek.
    ** Wird, wie aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren ist, als letzte übrig gebliebene Forderung von Gabriel/der SPD zum Koalitionsvertrag ab 01.01.2014 als Straftatbestand verfolgt und von der NSA in Kooperation mit dem BND überwacht.

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  9. genova68 schreibt:

    In Dänemark gibt es nur eine staatliche Krankenversicherung für alle, heißt es in dem Filmchen. Wer das hier fordert, ist Kommunist. „Alle müssen mit ins Boot“.

    Die Aussage mit den Statussymbolen: Warum kommen fast alle Luxusautos dieser Welt aus Deutschland? Alles hängt mit allem zusammen.

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  10. Manfred Peters schreibt:

    @ Genova
    „Autobosse sind über den Verlauf der Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD beunruhigt und drohen mit der Verlagerung von Jobs ins Ausland!“ Originalton Daimler-Zetsche „Blöd am Sonntag“.
    Also nichts mehr mit Statussymbolen aus Deutschland; eine Welt bricht zusammen oder nicht, denn ich habe ja schon oben beschrieben, was maximal aus den Koaverhandlungen herauskommen könnte.
    Die wirklich in D bestimmen zeigen schon mal die Folterinstrumente. :-(

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  11. genova68 schreibt:

    Ja, das Kapital bestimmt. Ich meinte aber eher, dass Luxusautos etwas für ein paar Reiche sind und in Deutschland die Masse seit jeher damit angefixt wird. Mir fiel das schon als Student auf, als ich aushilfsweise auf dem Bau jobbte: Da setzten viel alles dran, eine gebrauchte E-Klasse oder einen Fünfer BMW zu fahren. Das sauer verdiente Geld in sowas zu investieren wäre auch eine psychologische Untersuchung wert.

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