Robert Pfaller: Interventionen in deutsche Befindlichkeiten

Der Wiener Philosoph Robert Pfaller über linke Politik in den vergangenen Jahrzehnten:

„Biopolitik ist ein Teil von Pseudopolitik, aber nicht alles. Die Rauchverbote zum Beispiel sind nicht nur gesundheitspolitische Maßnahmen; sie zielen auch darauf ab, den Anspruch der Individuen auf Gesellschaft zu ersetzen durch den sehr viel bescheideneren Anspruch der Individuen auf Schutz vor Belästigung durch Gesellschaft. Und wir haben auch um Binnen-Is gestritten, während das Kapital mit den Milliarden unbemerkt durch die Hintertür verschwand.“

Schutz vor Belästigung statt Recht auf Gesellschaft, schön ausgedrückt. Man könnte jetzt ein Fass aufmachen: Die Achtundsechziger kritisierten die kapitalistische Gesellschaft und entwarfen Gegenkonzepte, die immer auch die Befreiung, die Selbstverwirklichung des Subjekts zum Thema hatten. Die Befreiung geht leider oft – vielleicht besonders gerne in Deutschland – ein Bündnis mit dem erhobenen Zeigefinger ein. Selbstverwirklichung wird offenbar dadurch erreicht, dass man sich ein pseudointellektuelles Geflecht aus Geboten schafft, deren Nichteinhaltung markiert, dass hier jemand nicht zur Avantgarde gehört. Das ist ein vor allem formales Denken.

Das Binnen-I: Gibt es eigentlich irgendwo anders auf der Welt eine Linke, die sich ernsthaft seit Jahrzehnten mit solch einem Blödsinn beschäftigt und sich dabei nicht lächerlich macht? Jedem Leser in jedem zweiten Satz mit erhobenem Zeigefinger mitteilen, dass mit „Düsseldorfern“ oder „Frankfurtern“ die Frauen der Städte unterdrückt werden? Würde mich wirklich interessieren. Die Etablierung neoliberaler Politik durch die Hintertür macht sich solche Deppen zunutze: Vermutlich werden die Regeln der weiblichen Grammatikformen heute in großen Konzernen am konsequentesten befolgt. Das Kapital ist nicht so dämlich und sucht den Machtkampf in Zentren der Macht- und Profitlosigkeit. Die sichern sich auch mit dem Binnen-I ihren Mehrwert. Und verschwinden durch die Hintertür.

Das Problem liegt hier in einer political correctness, der die Dummheit inhärent ist. Die sich selbst gerne enge Regeln gibt, deren Sinnhaftigkeit nicht wichtig ist, deren strenge Befolgung aber um so mehr: Wer ausschert, wird bestraft. Vielleicht braucht es dieses regressive Moment: Bestrafung als Verweis auf und als gefühlige Erinnerung an frühere Momente, in denen Bestrafung existenzieller Bestandteil von Kultur war, vielleicht auch nur als kollektive Erinnerung. Wer wissen will, wie sich sowas im Endstadium liest, wird bei Madame Lantzsch fündig.

Ich vermute, die Verfechter des Binnen-Is bilden eine große Schnittmenge mit den Leuten, die in Berlin eine Bürgerinitiative gründen, wenn einer der zehn Millionen Stadtbäume gefällt wird und die jetzt so eifrig auf den Listen für den einhundertprozentigen Erhalt der Freifläche des ehemaligen Tempelhofer Flughafens unterschreiben, die in den Ökobäckereien ausliegen. Diese Ökos, die selbst im schicken Körtekiezaltbau wohnen, bestehen darauf, dass keine weiteren Häuser gebaut werden. Grüne Solidarität nennt sich sowas wohl. Es ist auch ziemlich einfach, diese Unterschriftenlisten zu füllen. Der Zaubersatz heißt „Hier kann man für Tempelhof unterschreiben.“ Erinnert an Roland Kochs Unterschriftenliste in Hessen, wo man gegen Ausländer unterschreiben konnte.

Da lobe ich mir nach wie vor die DDR-Frauen, die sagen, sie seien Bäcker oder Ingenieur. Und die Tempelhofunterschriftenliste kopfschüttelnd links liegen lassen.

ggg 115(Foto: genova 2012)

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21 Antworten zu Robert Pfaller: Interventionen in deutsche Befindlichkeiten

  1. georgi schreibt:

    Nadine Lantzsch ist DDR-Frau. Daran wollte ich erinnern. Außerdem ist Binnen-I obsolet, weil transphob (glaube ich). Du mußt jetzt Deine Texte dafür so mit Asterisken, Unterstrichen, Schrägstrichen anreichern, daß sie wie Perl-Scripte aussehen. Dann hast Du wirklich alle marginalisierten Gruppen nicht ausgeschlossen.

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  2. Garfield schreibt:

    hat hier nicht hier jmd letztens den Link über die Uni gepostet, an der es jetzt „Herr Professorin“ heißt? In dem Fall aber vllt tatsächlich, wenn auch nicht Gleichberechtigung, zumindest „ausgleichende Gerechtigkeit“ – bei der BW heißt es schließlich auch „Frau Gefreiter, Hauptmann“ etc…

    „links“ gilt bei vielen halt immer noch als hip – und das Binnen-I eignet sich nun mal perfekt um zu zeigen, wie „links“ man ist… sogar noch besser als Bio-Milch kaufen, weil es nicht mal was kostet – öffentlich kann man Gendern bis zum Umfallen & daheim im Stillen weiter die Frau verprügeln.

    Grammatik ist natürlich grundsätzlich schwer, auch für Muttersprachler – aber Gendern ist eigtl schon drastisch… daß das grammatische Geschlecht nicht viel mit dem biologischen zu tun hat, liegt ja eigtl auf der Hand, auch bei Berufen – schließlich werden auch Männer seit jeher als die Aushilfe, Arbeitskraft etc eingestellt (kommt der Arzt, Maurer etc nicht sowieso von „der Beruf“…?). Ich erinnere mich an die revolutionären 80er, wo auch an das (offensichtlich ungeschlechtliche) „man“ noch ein „und frau“ dranzuhängen. Gott, waren das wilde Zeiten…
    klar, wird man von ner Frau behandelt, ist „die Ärztin“ nur natürlich – aber was den Plural betriift, man kann’s auch übertreiben…

    genauso kindisch finde ich allerdings die krampfhaften Kämpfe auf der Gegenseite – wenn Leute z.B. extra Programme schreiben, um ‚Binnen-I’s wieder rauszufiltern

    wenn man keine Probleme hat, macht man sich halt welche.

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  3. genova68 schreibt:

    georgi,
    stimmt, ich bin mit dem I nicht mehr auf dem neuesten Stand. Wobei ich völlig einverstanden bin, marginalisierte Gruppen nicht auszuschließen. Aber doch nicht so. Du meinst, Nadine Lantzsch Schreibweise hat etwas mit ihrer DDR-Sozialisation zu tun? Wie das?

    garfield,
    die Piraten, ja, die sind da ganz cool drauf, wobei ich auf solch ein Programm auch keine Energie verschwenden würde. Es gibt halt so eine merkwürdige Diskrepanz zwischen solchen Formalitäten und der kapitalistischen Entwicklung. Und mit dem I und ähnlichem kann man sich eben in eine Wohlfühlecke zurückziehen, gerade was das typisch grüne Publikum angeht.

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  4. Garfield schreibt:

    ps.
    als Auswärtiger kann ich das natürlich schlecht beurteilen, weil ich den Berliner „Wohnungsmarkt“ nicht kenne… aber an der Initiative gg Bebauung/Tempelhofer Feld kann ich grundsätzlich nichts verwerfliches erkennen…

    Ein – kostenloses, frei zugängliches – Naherholungsgebiet stellt ja einen (wenn auch nicht monetären) Wert für alle Bevölkerungsschichten dar – gerade für diejenigen, die kein eigenes Grundstück/Garten etc haben

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  5. genova68 schreibt:

    Bei Tempelhof geht es darum, das die einen sagen, man könnte zehn bis 15 Prozent der Fläche mit tausenden von Wohnungen bebauen, die dringend benötigt werden. Die anderen sagen, dass überhaupt nichts gebaut werden darf. Naherholungsgebiet: Das soll ja eh bleiben, bis auf die zehn Prozent. Und bis vor drei Jahren war das Gelände zu 100 Prozent gesperrt, nix Naherholungsgebiet. Eine höhere Verdichtung wäre in Berlin in vielerlei Hinsicht sinnvoll (nicht zuletzt ökologisch), und da die Leute derzeit gerne in die Innenstadt ziehen, sollte man diese Gelegenheit nutzen und dort Wohnungen bauen.

    Das Problem dabei ist, dass auch die SPD hier die zehn Prozent mit Luxushäusern zubauen lassen will, nettokalt ab 14 Euro pro qm. Die alte Tante halt.

    Mehr dazu hier:
    https://exportabel.wordpress.com/2013/06/12/entlarvungen-i-die-berliner-spd-und-die-wohnungsfrage/

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  6. einer von jenen schreibt:

    @ Garfield, Stichwort „Herr Professorin“: Da war die bundesdeutsche Journaille wohl einfach zu faul zum Recherchieren. Guckst du hier:
    http://www.bildblog.de/49640/mein-lieber-frau-gesangsverein/
    Was das Binnen-I betrifft: Das ist als revolutionäre Strategie natürlich völlig unzureichend. Von daher ist es auch völlig wumpe, wenn irgendwelche Großkonzerne das in ihren Pressemitteilungen verwenden.
    Allerdings halte ich es auch für ein Gerücht, dass sich die deutsche Linke nur noch mit Fragen des korrekten Schreibens und Sprechens beschäftigt. Mag sein, dass Nadine Lantzsch nichts anderes tut. Aber die ist ja nur ein sehr, sehr kleiner Teil der hiesigen Linken (weniger als ein Promille), mit dem ich in meinem Alltag sehr selten konfrontiert werde – ich werde höchstens an sie erinnert, wenn irgendwelche anderen BlogschreiberInnen sich mal wieder über sie aufregen ;)

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  7. genova68 schreibt:

    Die deutsche Linke beschäftigt sich sicher noch mit anderem, es wäre in der Tat unfair, meinen Artikel zu verabsolutieren. Aber ein Blog dient halt auch der Zuspitzung.

    Ich finde es aber nicht wumpe, ob Großkonzerne das Binnen-I verwenden. Sie erhalten durch das I die Möglichkeit, sich progressiv zu positionieren, zumindest formal. Das ist in heutigen kommunikativen Zeiten nicht unwesentlich.

    Danke für den Link zum Bildblog. So geht Aufklärung.

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  8. Manfred Peters schreibt:

    „interdependenz ist intersektionalität.“
    oder „interdependenz meint die wechselseitige, mehrdimensionale überlagerung …“
    Naddel hat offensichtlich die 4., 5.und sexte Dimension entdeckt. Der IG-Nobelpreis ist in greifbarer Nähe.
    So etwas Absurdes bekommt man nicht jeden Tag vors Gesicht.
    Ich habe den Text mal über das BlaBlaMeter geschoben; Ergebnis:
    „ Bullshit-Index :0.84
    Es stinkt gewaltig nach heißer Luft! Auch wenn Sie PR-Profi, Politiker, Unternehmensberater oder Universitätsprofessor sind – beim Eindruck schinden sollten Sie Ihre Aussage nicht vergessen.

    Anders gesagt, so viel komprimierter Schwachsinn ist mir noch nicht untergekommen. Aber es scheint ja einen Markt dafür zu geben und wenn Naddel damit zumindest zeitweise von der Straße ist … ;-)

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  9. hANNES wURST schreibt:

    Ich meine, dass die sog. „Linke“ traditionell mit Bevormundung aus einer Position der besser_wisserei gepaart mit einem anti-konservativem Habitus heraus operiert. Wie ein Künstler, der meint, dass Großes irgendwie neu sein und etwas überkommen muss. Für die wirksameren, von der Wirtschaft unentwegt eingesetzten Beruhigungsmittel halte ich Vermarktung und Vorspiegelung von Sicherheit, Gesundheit, Verlichung und Eskapismus. Damit wird die anale Phase ganzer Generationen bis zum Tode ausgedehnt.

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  10. hANNES wURST schreibt:

    Ver<wirk>lichung

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  11. Garfield schreibt:

    Da war die bundesdeutsche Journaille wohl einfach zu faul zum Recherchieren

    also doch nix mit ausgleichende Gerechtigkeit. Müssen wir uns wieder auf richtige Gleichberechtigung beschränken…

    sich auf „Professorinnen“ zu einigen – ich meine jeder wie er will, für meinen Geschmack aber auch Sprachverstümmelung…
    im Plural schließt die Grundform männlich + weiblich ein – kann man sich nicht einfach drauf einigen, daß das im Gegenzug durch’s „weibliche“ die davor wieder wett gemacht wird…?

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  12. El_Mocho schreibt:

    Ich bin inzwischen fest überzeugt, dass da eine Strategie vorliegt, nach dem Motto divide et impera. Inwiefern das allen Beteiligten bewusst ist, weiß ich nicht, zumindest auf Seiten des Kapitals dürfte das der Fall sein, wie du in dem Text ja auch andeutest. Die Linken sind wahrscheinlich nur zu doof, um zu merken was hier vorgeht.

    Die Frauenquote wird kommen, wahrscheinlich irgendwann auch eine Migratenquote usw. Dann sitzen eben genauso viele reiche Frauen und reiche Migranten in den Vorständen der DAX-Unternehmen wie jetzt schon reiche deutsche Männer. Und die, die nicht reich sind, wird man darauf verweisen, dass niemand diskriminiert worden ist. Es gibt also nichts zu kritisieren.

    “The neoliberal ideal is a world where rich people of all races and sexes can happily enjoy their wealth, and where the injustices produced not by discrimination but by exploitation – there are fewer poor people (7 per cent) than black people (9 per cent) at Harvard, and Harvard’s not the worst – are discreetly sent around to the back door.”

    http://www.lrb.co.uk/v31/n16/walter-benn-michaels/what-matters

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  13. El_Mocho schreibt:

    Sehr schönes Beispiel für den linken Neoliberalismus:

    „Es bedarf interkultureller Kommunikation, um unter Bedingungen der Globalisierung wirtschaftlich und als Standort erfolgreich zu sein. Man muss nicht Waffenhandel betreiben, um die, die vor deren Einsatz dann flüchten, wie Vieh zu behandeln. Man kann auch andere Visionen entwickeln, Und dafür braucht man Menschen wie jene in der St. Pauli-Kirche.

    Als US-Firma mit PoC-Angestellten oder auch indisches Unternehmen würde ich mir aber 3 mal überlegen, ob ich unter diesen Bedingungen noch Filialen hier gründe oder auch nur Schiffe in diesen Hafen schicke. … Noch die letzten Manager haben begriffen, wie entscheidend “Sozialmarketing” für den Erfolg ihrer Unternehmen ist.

    Was auch nur zeigt: Hamburg braucht Ideen statt vertrockneter Rezepte von Vorvorgestern. An Meck-Pomm. kann man ja sehen, wie “Deutschland den Deutschen”-Landstriche veröden. Chinesisches Kapital wird auch nicht in die Sächsische Schweiz fließen.“

    http://metalust.wordpress.com/2013/10/17/prazedenzfalle-und-die-embassy-of-hope/

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  14. Garfield schreibt:

    „divide et impera“

    nicht nur „Arm gg Reich“ – sondern ganz subtil auch „Männer gg Frauen“.
    Wirkliche Gleichbehandlung sollte eigtl bedeuten, das Geschlecht ist nicht ausschlaggebend – mit BinnenI’s, Frauenquote etc wird der Fokus aber gerade auf den Unterschied gelegt.

    Guckt man sich aber mal die Jugend von heute an – ob Beziehung, Sexualität, Alltag, Berufsleben; und positiv wie negativ – pubertierende Mädels haben genau so ne große Fresse wie Jungs, auch „Gewalt“ ist keine Männerdomäne mehr; kaum eine junge Frau wird von ihren männl. Altersgenossen noch schief angeguckt, weil sie Metallbau/ etc lernt, und weibl. Chefs sind schon lange nichts „exotisches“ mehr…
    Ich hab den Eindruck, die Gender-/etc/-Konzepte gehn v.A. von Semestern aus, die nicht mitgekriegt haben, daß ihre (eigtl hehren) Ziele längst von Realität/Generation größtenteils überholt wurden…

    Natürlich, der Dank dafür gebührt v.A. der feministischen Bewegung – MMN läuft „Feminismus“ inzwischen im Ergebnis aber (wenn auch ungewollt) nicht selten darauf hinaus, die Geschlechter nur gegeneinander auszuspielen.

    und währenddessen verschwinden die Bonzen … wie schon gesagt.

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  15. genova68 schreibt:

    El Mocho,
    von Frauen- oder Migrantenquote habe ich nichts geschreiben und das habe ich auch nicht gemeint. Das sind Mittel, über die man streiten kann, die aber einen realen Gehalt haben. Im Gegensatz zum I. Also immer schön differenzieren.

    Der Text von Momorulez:
    Man kann ja einfach mal eine bestimmte Perspektive einnehmen, beispielsweise die von US-Unternehmen, um die Lampedusa-Leute zu unterstützen. Insofern finde ich es ok, solch eine Überlegung anzustellen. Aber ich würde auch sagen, dass das zu kurz gedacht ist, denn wenn die US-Unternehmen sich trotzdem hier ansiedeln, dann müsste Momorulez auch der Abschiebung der Flüchtlinge zustimmen. Davon abgesehen: Das US-Unternehmen möchte ich sehen, das auf den deutschen Markt verzichtet, weil Hamburg die Flüchtlinge nicht unterstützt. Eine doch recht naive Vorstellung.

    Dass Meck-Pomm nicht hochkommt, liegt vermutlich nur zu einem sehr kleinen Teil an den Nazis dort. Es gibt doch in Wahrheit keine Regionen in ganz Mittel- und Westeuropa mehr, die noch industrialisiert werden. Die Zeiten sind vorbei. In Meck-Pomm gab es nur DDR-Großindustrien, die dichtgemacht wurden. Und wenn auf IT-Ansiedlungen gesetzt wird, dann wirst du kaum jemanden in dieses dumpfe Meck-Pomm locken, vor allem wegen der schlechten Infrastruktur, dem fehlenden kulturellen Angebot usw. Die wollen nach Berlin und fahren am Wochenende mal nach Meck-Pomm. Das reicht dann ja auch.

    Andererseits: Flüchtlinge in Bezug zur Ökonomie zu setzen, ist ja nicht falsch. Diese merkwürdige Forderung nach offenen Grenzen für alle taugt als Parole, aber sonst nicht. Offene Grenzen würden in Europa vermutlich zum Bürgerkrieg führen.

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  16. genova68 schreibt:

    Manfred Peters,
    ja, das Geschwurbel ist Schwachsinn, sonst nichts. Man kann sich natürlich irgendwas drunter vorstellen, das war es aber auch schon. Die Lantzsch hat sich in der Opferrolle eingerichtet, die sie nun der Welt mitteilt, die davon vermutlich nur kapiert, dass sie nichts kapiert. Aber manche sind halt gerne Opfer.

    Ansonsten halte ich mich bei Feminismus zurück, da ich keine Frau bin. Wenn ich wissen will, wie es um ihn steht, frage ich Frauen. Punkt. Mich nerven nur die Opfer-Frauen, die die Benachteiligungskarte immer dann ziehen, wenn es ihnen gerade einen Vorteil bringt. Aber auch das passiert mir sehr selten.

    Und man kann das auch anders sehen: Wären Pflegeberufe schon immer von Männern dominiert, würde man dort vermutlich besser verdienen. Und dass alte Männer darüber entscheiden, ob eine Frau ein Kind bekommen muss oder nicht, zeigt doch schon die Macht des männlichen Geschlechts. Würden Männer Kinder kriegen, hätten Frauen über Jahrhunderte hinweg in die Entscheidung eines schwangeren Mannes, das Kind auszutragen oder nicht, nicht hineinreden dürfen. Das sind alles Machtfragen.

    Hannes,
    ich würde bei Linken unterscheiden. Schau dir mich an: Ein Vorzeige_linker aus dem Bilder_buch, gegen den kannst du doch nichts hab_en.

    Ich finde, der Pfaller drückt es ganz gut aus:

    Auf diese Weise hat man erreicht, dass die Individuen von sich aus auf das, was allen zusteht, auf die gesellschaftliche Allmende, verzichten. Individuen der Moderne hatten da eine ganz andere Haltung: Die Partisanenarmeen im Zweiten Weltkrieg zum Beispiel waren sich dessen bewusst, dass ihr einziger Waffenlieferant oft der Feind war.

    Die Linke hat sich aus ökonomischen Diskussionen für Jahrzehnte verabschiedet und ihre begrenzte Hegemonie auf anderen Feldern ausgelebt. Die Indididualisierung der Gesellschaft kann befreiend wirken, aber nicht, wenn die Ökonomie beiseite gelassen wird. Dann kommt sowas die Grünen raus und die 100%-Tempelhof-Deppen. Die wirken in der Tat neoliberal und tarnen sich links. Da gälte es für Linke, viel stärker dagegenzuhalten und diese Leute als die modernisierte Version des Kleinbürgers zu demaskieren: Hauptsache, die Wiese vor meinem Haus gehört mir. Das ist die deutsche Crux der Romantik.

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  17. einer von jenen schreibt:

    @ Garfield: „sich auf “Professorinnen” zu einigen – ich meine jeder wie er will, für meinen Geschmack aber auch Sprachverstümmelung…
    im Plural schließt die Grundform männlich + weiblich ein – kann man sich nicht einfach drauf einigen, daß das im Gegenzug durch’s “weibliche” die davor wieder wett gemacht wird…?“

    Also „die Bauarbeiter“ sind auch im Plural trotz dem „die“ davor immer noch männlich… Und „Professorinnen“ ist ja ein völlig übliches und korrektes Wort, da wird deutlich weniger verstümmelt als durch Binnen-I oder Unterstriche. Und ob nun alle nicht-männlichen Personen unter die männliche Form „Professoren“ subsumiert werden oder umgekehrt, ist vielleicht eine Geschmacksfrage. Ich selbst halte die letztere Variante mit den „Professorinnen“ für eine sympathische Ausnahme/Abweichung und als solche weder für schlimm noch für übermäßig wichtig.

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  18. einer von jenen schreibt:

    @genova68: Dass die deutsche Linke sich in den letzten 20 Jahren viel zu sehr in vermeintlichen „Kulturkämpfen“ aufgerieben und die Ökonomie dagegen so vernachlässigt hat, würde ich unterschreiben. Ich schätze aber, da wird die weltweite Wirtschaftskrise bald für ein Umdenken sorgen. Ich hoffe bloß, dass die Linke dann ein wenig besser aufgestellt ist, um nicht von den Ereignissen überrollt zu werden…

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  19. georgi schreibt:

    Nö, Binnen-I hat eigentlich nichts mit DDR-Sozialisation zu tun. Im Gegenteil: Das Binnen-I ist ja der Versuch, Westfrauen etwas anderes zu bieten als die Partei den Ostfrauen. Und da Ostmenschen grundsätzlich immer alles besser finden, wenn es nur aus dem Westen kommt, … Na ja, wenigstens haben die Ostmenschen diese Unart abgelegt.

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  20. genova68 schreibt:

    einer von jenen,
    ich habe das Gefühl, dass schon einiges passiert ist. Kapital-Seminare sind überfüllt und das Bewusstsein, dass etwas nicht stimmt, ist weit verbreitet. Aber vielleicht rächt sich die lange neoliberale Phase, verbunden mit der postmodernen Entpolitisierung der Linken: Die Medien sind fast alle in neoliberaler Hand und die Neoklassik wird nicht angefochten. Wir sind offenbar nach wie vor auf dem Stand, dass der Kapitalismus ein natürliches System ist, von der Natur eingerichtet. Das ist zwar intellektuell auf dem Stand derjenigen, die seinerzeit das Erbkönigtum als die von Gott eingerichtete natürliche Ordnung sahen, aber das ist, so wie ich das sehe, der Stand der Dinge.

    Vielleicht müsste man sich mit Gramsci beschäftigen, der einem erklärt, wie aus Theorie Praxis werden kann. Die Hegemonie erlangen ginge wohl nur mit konkreten Themen aus der Praxis. Mieten in Berlin, beispielsweise. Aber es sind halt alle in der Mühle, mich eingeschlossen, und bestimmte Taktiken scheinen nicht mehr zu funktionieren.

    Ein praktisches Beispiel: Vor einem knappen Jahr berichete die taz über sozialen Wohnungneusbau in Salzburg für knapp 5 Euro pro qm. Eigentlich eine Sensation, denn das Kapital behauptet hierzulande gerne, dass da unter 12 oder 14 Euro nichts ginge. Doch was passierte? Nichts. Keine Kampagne mit Salzburg als Grundlage. Woher kommt diese Ignoranz?

    https://exportabel.wordpress.com/2013/01/29/salzbau-wohnungsneubau-fur-478-euro-pro-quadratmeter/

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  21. garfield080 schreibt:

    als solche weder für schlimm noch für übermäßig wichtig.

    deshalb ja – „jeder wie er will“… aber ist halt nichts für meinen persönlichen Geschmack.

    PS:
    das Plural-„die“ ist natürlich auch nicht weibl, war ironisch gemeint.
    Aber ob „die Bauarbeiter“ alle Männer sind… wie schon gesagt, wenn’s um „die Fachkräfte“ oder „Mitglieder“ geht, nimmt wohl auch keiner an daß es ausnahmslos Frauen sind, bzw Gegenstände.

    Bei Gruppen mit unspezifischem Geschlecht gibt’s halt einfach „Grundformen“ – ob die Arbeiter, Bauern (m); Angestellten, Kriminellen (m/f); Aushilfen (f); Mitglieder (n) … oder, weniger laienhaft mit Wikipedia:

    „Ist das biologische Geschlecht unbekannt oder nicht wichtig oder soll über eine gemischtgeschlechtliche Gruppe gesprochen werden, so besteht im Deutschen die Möglichkeit, Oberbegriffe in der Form eines Generikums zu benutzen: generischen Maskulinum [Menschen, Hunde], Femininum [Katzen], Neutrum [Opfer, Pferde]
    (natürlich auch hier:) „Die Asymmetrie der Geschlechter im Bereich von Personenbezeichnungen wird in der feministischen Linguistik stark kritisiert, weil Männer bevorzugt und Frauen unsichtbar gemacht würden.“

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