Kurzer Hinweis auf das Niveau politischer Auseinandersetzung in Exportland

Die Reaktionen von Unionspolitikern auf die Kritik der USA an der Exportorientierung der deutschen Wirtschaft:

Bei der Bundesregierung stößt die Kritik aus den USA auf Unverständnis: Die Vorschläge, Deutschland solle sich weniger beim Export engagieren, könne er in „gar keiner Weise nachvollziehen“, sagte Finanzstaatssekretär Steffen Kampeter (CDU) am Rande der Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD. Die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner sagte: „Wir sind ein starkes Exportland schon immer gewesen und stolz darauf“. Jedes Land müsse versuchen, möglichst wettbewerbsstark zu sein, sagte die CSU-Politikerin. Die hohe Exportfähigkeit sei auch für viele Arbeitsplätze wichtig.

Kampeter versteht nicht einmal, worum es geht und Aigner ist nicht mehr stolz auf Deutschland, sondern stolz auf Exportland.

Es stellt sich eigentlich nur die Frage, ob Kampeter und Aigner das ernst meinen oder ob sie die Öffentlichkeit für dumm verkaufen. Ich weiß es nicht. Die Aigner ist vermutlich wirklich zu dämlich, um zu checken, was sie da erzählt. Aber auch gut möglich, dass sie einfach die Bayern für so dämlich hält, dass sie ihr das abkaufen.

Diese kleine Szene spiegelt die Sonderrolle wider, die Deutschland offenbar auch in ökonomischen Diskussionen führt. Die Neoklassik ist nach wie vor unangefochten. Und von diesen Leuten werden wir regiert.

Und wer auf Exportland stolz ist, der kann vermutlich auch besser mit solchen Nachrichten umgehen:

Wer von Hartz IV leben muss, leidet besonders häufig unter psychischen Erkrankungen: Bei mehr als einem Drittel der Bezieher wurde innerhalb eines Jahres mindestens eine psychiatrische Diagnose gestellt. Einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sowie der Universität Halle-Wittenberg zufolge ist der Anteil der Betroffenen in den vergangenen Jahren stark gestiegen.

Ein Drittel mit einer Prognose innerhalb von zwölf Monaten. Ein Wahnsinn. Diese Leute werden nicht nur aufs Abstellgleis geschoben, sie werden offenbar mit System fertiggemacht. Massenhafte psychische Erkrankungen als eine Folge rot-grüner Politik.

Scheißland.

IMG_1617(Foto: genova 2012)

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6 Antworten zu Kurzer Hinweis auf das Niveau politischer Auseinandersetzung in Exportland

  1. El_Mocho schreibt:

    Dabei ist es doch relativ leicht zu verstehen, dass man nur etwas verkaufen kann, wenn andere Geld verdienen können, um zu kaufen. Wenn die allerdings in immer größerer Zahl arbeitslos sind bzw. immer weniger Geld haben, kann das irgendwann nicht mehr klappen, gelle?

    Im Augenblick ist man wohl zufrieden, wenn Chinesen oder Ölscheichs die benötigten Nachfrager sind, aber irgendwann wird auch das nicht mehr funktionieren. Und dann?

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  2. genova68 schreibt:

    Dann kommt die Agenda 2020 und dann kaufen auch die Spanier unseren Krempel wieder.

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  3. hANNES wURST schreibt:

    Die US Regierung soll Fresse halten, ganz egal ob eine niedrigerer Exportüberschuss für irgendwen gut wäre oder nicht (was ich nicht so richtig beurteilen kann, ebenso wenig wie den Zusammenhang mit Armut – bedeutet Stärkung der Binnennachfrage Erhöhung von ALG II damit mehr Krempel in D abgesetzt werden kann?)

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  4. genova68 schreibt:

    Stärkung der Binnennachfrage bedeutet in diesem System, der Masse die Reallöhne soweit zu erhöhen, dass sie gleich dem Kapital die Produktivitätszuwächse enthalten. Das wäre dann vermutlich, auf die letzten 20 Jahre gerechnet, ein paar zig Prozent drauf. ALG II könnte man auch erhöhen.

    Die Amis tun den Deutschen genau wie zahlreiche andere Ländern seit langem den Gefallen, ihren Krempel zu kaufen, den sie selbst nicht kaufen können.

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  5. besucher schreibt:

    da passt das Statement vom Eurokraten-Wirtschaftswissenschaftler doch super rein:
    http://www.welt.de/wirtschaft/article121843994/Deutschland-zu-schwaechen-ist-der-falsche-Weg.html

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  6. genova68 schreibt:

    Mein Gott, der Straubhaar. Agenten des Kapitals, von wissenschaftlicher Erkenntnis kann man da nicht reden.

    Auszug aus dem Welt-Artikel:

    „Um den Teufelskreis eines immer stärker werdenden deutschen Zentrums und einer immer weiter zurückfallenden europäischen Peripherie zu durchbrechen, muss die internationale Lücke zwischen Produktivität und Arbeitsstückkosten kleiner werden. Dies kann auf zwei Wegen erreicht werden: Entweder werden die Schwachen stärker oder die Starken schwächer. Die zweite Strategie wird in der ökonomischen Literatur als „der Kosten der Wettbewerber“ bezeichnet. Gemeint ist, dass der Laufschwache nicht besser werden will, sondern mit allerlei Tricks versucht, den überlegenen Konkurrenten Knüppel zwischen die Beine zu werfen, um so eine Chance zu haben, im Wettrennen mithalten zu können.“

    Lohnerhöhungen in Deutschland sind bei Straubhaar Knüppel zwischen die Beine Deutschlands. Je geringer der Lohn, desto schneller läuft „Deutschland“. Das spricht einer für Klasseninteressen, nicht für fiktive nationale, wie schon im Kreuzberg-Artikel in den Kommentaren angemerkt. Es ist die Kapitalistenklasse. Dass die Läufer alle voneinander abhängen, sieht Straubhaar nicht. Alleine schon das Bild des 100-Meter-Läufers…

    Eigentlich ist da jedes Wort zuviel. Wer den Begriff der Gesellschaft verneint und nur Individuen kennt, ist zu Erkenntnis nicht fähig. Es ist nur ein weiterer Beweis, dass das Kapital uns fest in der Hand hat.

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