SPD: Die letzte Linke wird gelinkt

Spiegel-Online über die SPD-Linke:

In der SPD bricht der einst starke linke Parteiflügel auseinander. Aus dem Sammelbecken „Forum Demokratische Linke“ (DL21) sind bereits der hessische Spitzenpolitiker Thorsten Schäfer-Gümbel und nun auch der Wowereit-Vertraute und ehemalige Juso-Chef Björn Böhning ausgetreten. Böhning begründete seinen Schritt mit der „Einflusslosigkeit auf die programmatische Entwicklung der Partei“ sowie einem fehlenden Pluralismus innerhalb der Parteilinken.

Die Kritik zielt insbesondere auf die Forums-Sprecherin und Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis. Ihre Forderung etwa nach einer rot-rot-grünen Annäherung mitten im Bundestagswahlkampf war flügelintern auf erhebliche Kritik gestoßen.

Mattheis hatte zuletzt auch zur Abwahl von Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier aufgerufen, jedoch selbst innerhalb der Parlamentarischen Linken kaum Mitstreiter gefunden. Böhning attestiert Mattheis „eine gewisse Lust an der innerparteilichen Niederlage“. Weitere prominente DL21-Mitglieder erwägen ebenfalls ihren Austritt. Dem parteiinternen Forum gehören derzeit etwa 800 Mitglieder an. (Hervorh. von g.)

Skurril. Ich wusste gar nicht, dass es noch einen linken Flügel in der SPD gibt. Schäfer-Gümbel ist also schon ein Linker, hm. Vermutlich, weil er eine rot-rot-grüne Koaltion nur zu 95 Prozent ausgeschlossen hat, nicht zu 100 Prozent.

Noch skurriler: Diese Linken kritisieren Hilde Mattheis, weil die zwei notwendige und aus linker Sicht selbstverständliche Forderungen erhoben hat: die Vorstellbarkeit einer Koaltion mit der Linkspartei und den Rauswurf des neoliberalen Parteizerstörers Steinmeier.

Die Frau scheint ziemlich mutig zu sein, wenn sie zur Abwahl von Steinmeier auffordert. As macht der „linke Flügel“? Er kritisiert sie dafür. Wowereit gehört auch zum linken Flügel. Die aktuell größten Projekte dieses linken Sozialdemokraten: der Wiederaufbau eines Schlosses und die Verlängerung der Stadtautobahn. Total links, der Typ. Warum gehört Wowereit zum linken Flügel? Vermutlich, weil er schwul ist.

Zurück zu Hilde Mattheis: Eine Linke, die Linkes fordert, wird vom linken Flügel gelinkt. Sowas geht vermutlich nur in der ausgelinkten SPD anno 2013.

012 Kopie(Foto: genova 2012)

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10 Antworten zu SPD: Die letzte Linke wird gelinkt

  1. Manfred Peters schreibt:

    Wenn es in der kranken SPD wirklich so etwas wie einen lahmen linken Flügel gibt, wäre es doch an der Zeit, wenn dieser sich zur Behandlung des Übels von der Partei trennt. So etwa wie einst die USPD.
    Diese Fraktion könnte sich entweder der LINKEN anschließen oder selbständig sozialdemokratische Ideale vertreten.
    Das Problem mit der 25%igen Opposition im Bundestag wäre damit wohl hoffentlich auch geklärt.

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  2. besucher schreibt:

    Kommt halt immer auf den Standpunkt an. Manche Linke halten wohl auch schon die Linkspartei rechts unterwandert. ( Wegen so Leuten wie Dietmar Bartsch)

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  3. genova68 schreibt:

    Ich würde bei Bartsch nicht von rechter Unterwanderung reden, aber man kann schon die Frage stellen, ob bei mehr Leuten vom Schlage eines Bartsch die Linkspartei noch von der SPD unterscheidbar wäre. Der Reformerflügel ist im Landesverband Berlin stark und die wurden hier völlig zurecht aus der rotroten Koalition abgewählt. Vor allem die Mietsteigerungen nach zehn Jahren rotrot zeigte, dass man SO eine Linkspartei einfach nicht braucht. Insofern bleibt nur der linke Flügel der Linkspartei als ernstzunehmende Alternative.

    Manfred Peters,
    die USPD gibt es schon in der Form der Linkspartei, und dahin sind viele SPDler schon abgewandert. Die paar Linken in der SPD sind kaum noch ernstzunehmen, schätze ich, siehe den Artikel oben. Es ginge eher darum, die Spitze der Partei wegzuputschen.

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  4. Chris(o) schreibt:

    Auch, wenn es sinnlos ist….
    Wenn eine Salbe nicht wirkt, hat es keinen Zweck, sie einfach dicker aufzutragen.Links,linker noch mehr links……heißt doch nur, die ideologisch vernebelten Aspekte der Wirklichkeit auszuweiten, also mehr blinde Flecken zu erzeugen.
    Erst, wenn eine Partei gewillt ist,auch die ihr verhasste „Wirklichkeit“ in den wohlwollenden Blick zu nehmen, kann ich sie ernst nehmen.
    Diese Partei gibt es noch nicht.Schade!

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  5. Manfred Peters schreibt:

    @ all
    Geht die Kritik an DER LINKEN, Bartsch und der verhassten Wirklichkeit nicht etwas konkreter?
    Bsp.: Es mag ja sein, dass Bartsch etwas trocken (Vorpommer und nicht Berliner oder gar eloquenter Westling) rüberkommt. Aber verallgemeinernde Kritik, die bei Albrecht Müller (NachDenkSeiten und Springbrunnenfan) so weit ging, dass seine neue Segelschuhe zum politischen Verbrechen gemacht werden, vollendet gerade das Geschäft der neoliberalen Propagandisten.
    Das er zu den „Reformern“, was immer das bedeutet, gehört ist sicher unstrittig.
    Es ist mir auch nicht klar, wo DIE LINKE in Berlin für Mieterhöhungen verantwortlich war und wer ihr Programm bzw. das Wahlprogramm liest wird wahrscheinlich zu viel „Wirklichkeit“ zu verarbeiten haben. ;-)

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  6. genova68 schreibt:

    Wenn die Linke zehn Jahre in einer Regierung sitzt, dann ist sie Adressat für Fehlentwicklungen. Die geben inzwischen auch unumwunden zu, dass sie da Fehler gemacht haben. Aber wenn das das Ergebnis der politischen Arbeit des Reformerflügels ist, kann man darauf verzichten.

    Inwieweit Müller sich an Bartsch abarbeitet oder ob er Hintergrundwissen verarbeitet, weiß ich nicht.

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  7. Manfred Peters schreibt:

    @ genova68
    “ Wenn die Linke zehn Jahre in einer Regierung sitzt, …“
    Wo, konkret!!!, hat DIE LINKE 10 Jahre an der Regierung gesessen?
    Kann es sein, dass wir von verschiedenen Linken sprechen?

    @ „Müller … Hintergrundwissen“:</b
    „… Ihm (Bartsch mp) kann niemand hinter selbstgefälliges Grinsen und verschlagene Augen blicken…. Mit Sekt und Bier und Fischhäppchen kreuzte die Garde der Partei auf der Kieler Förde. In Seemanns Pullovern und nagelneuen Baumwollschuhen steht man …“ !
    Nicht wissen, aber ein fundierte Meinung vertreten, auch nicht so überzeugend. :-(

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  8. genova68 schreibt:

    rot-rot in Berlin.

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  9. Manfred Peters schreibt:

    @ genova68, 11:06
    Wie schnell die Zeit vergeht! Ich hatte nur eine Legislaturperiode in Berlin im Speicher.
    Dennoch zu erwarten, dass der kleine Koalitionspartner einer Landesregierung das gefestigte neoliberale Deutschland ( „alternativlose gesellschaftliche Rahmenbedingungen“) mehr als in homöopathischen Dosen positiv verändern kann, ist doch ein wenig naiv.
    Darüber, was aber an sozialen Grausamkeiten in diesen (fast)10 Jahren im hochverschuldeten Berlin ohne DIE LINKE passiert wäre, könnten wir lange diskutieren.
    Sonst: „Die LINKE regiert und verliert“ :-(
    Und die zersplitterten Linken, auch Blogger, verrichten/ergänzen die Arbeit des neoliberalen Establishments.

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  10. genova68 schreibt:

    Homöopathische Dosen? Ein merkwürdiger Begriff, der das Scheitern der Linkspartei vorwegnimmt. Sicher, eine Partei ist nicht viel und die neoliberalen Verhältnisse sind auf Länderebene nicht zu überwinden, aber irgendeinen Effekt sollten die schon haben, sonst braucht man sie nicht. Und in Berlin ging es nicht um Homöopathie, sondern um deutlich steigende Mieten. Die Linkspartei hat das erst im Wahlkampf gecheckt und ist hier gottseidank abgestraft worden. Die hätten schon 2008 oder 2009 das Thema massiv aufgreifen und die SPD vor sich hertreiben müssen. Und wenn das nicht klappt, Koalition aufkündigen. Das hat nichts mit Naivität zu tun.

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