Wahrscheinliche Koalition nach dem Zweiundzwanzigsten

Das Ergebnis meiner Wahl-o-Mat-Betätigung:

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Da ich mich als mittig in der Gesellschaft verordne, wird die überwältigende Mehrheit so wählen wie ich. Die Menschen sind ja vernünftig.

Ich plädiere also für eine Koalition aus Linkspartei, MLPD und den Trotzkisten von der PSG. Erste versuchen es auf dem Reformweg, zweitere drohen mit der Revolution, wenn die Verhältnisse so weit sind, und letztere drohen mit der permanenten Revolution. Das könnte fruchtbar werden, denn ohne den nachdrücklichen Hinweis ans Kapital, dass es auch anders geht, geht vermutlich nichts.

Nebenbei: Ist es besorgniserregend, wenn ich der Partei bibeltreuer Christen näher stehe als den regierenden Unionschristen?

Falls jemand überzeugende Gründe für die Erweiterung der Koalition um andere Parteien hat, bitte sehr.

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21 Antworten zu Wahrscheinliche Koalition nach dem Zweiundzwanzigsten

  1. alphachamber schreibt:

    Können Sie einen (nicht sarkastischen) Hinweis geben, was Die Linke mit Vernunft verbindet?
    Danke

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  2. genova68 schreibt:

    Höhere Vermögenssteuern.

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  3. besucher schreibt:

    Das heißt ja das Linkssozialisten, Marxisten und Trotzkisten (PSG, sind die das?) fast dasselbe Programm haben. Aber es kann nur einen geben, nämlich den Highlander und die Abweichler kommen nach Sibirien.

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  4. Tony Mach schreibt:

    Erschreckend finde ich vor allem die hohe Porzent-Werte die bei Dir Grüne und SPD erhalten* – da möchte man meinen das Sozen und die Grüne Pest irgendwo links verortet seien. Soviel zur Realität von solchem Gedöns, denn wenn die links sind, dann ist es auch Apple, Nike oder der Metro-Konzern. Wieso kann man die eigentlich nicht wählen? Das wäre doch mal ehrlich.

    *Und das die Piraten vermutlich mit allem und jedem kompatibel sind, das ist wohl nicht verwunderlich. So wie die Grünen wollen die ganz viel die Welt verbessern, aber sich dabei mit niemandem ernsthaft anlehnen.

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  5. genova68 schreibt:

    Der Wahlomat fragt nicht nach der Affinität zur Revolution, die haben da wohl simple Kategorien. Eine hohe Zustimmung zur Linken bewirkt vermutlich automatisch eine hohe Zustimmung zu anderen linken Parteien. Außerdem gehen die vom Wahlprogramm aus.

    Beispiel: Wer für Mindestlohn stimmt, kriegt Punkte für SPD, Grüne, Linkspartei, PSG, MLPD, KPD und einigen anderen.

    Mit anderen Worten, Tony: Man kann sich im Wahlomat der Affinität zur SPD nur entziehen, wenn man rechtslibertär ankreuzt.

    besucher,
    PSG, das sind die Trotzkisten, ja. Die haben einen hervorragenden Programmpunkt: 1500 Euro Mindesteinkommen, 20.000 Euro Maximaleinkommen. Leider unterstützen die auf ihrer Website Günter Grass mit seinem Anti-Israel-Gedicht. Schade, sonst könnte man die vielleicht wählen.

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  6. alphachamber schreibt:

    Was mich bei Linken amüsiert, ist die ’nonchalance‘ wie sie sich bei den Vermögen ihrer Klassenfeinde bedienen wollen und in der Tat zuletzt doch ebenso davon abhängig sind.
    Der weltweite sozialistische Traum ist doch gerade an der Kapitalschaffung zerbrochen – trotz aller anderer (vermeintlicher „Stärken“).
    Die linken Umverteiler können doch nur bestehen durch Polarisierung und extreme Inkompetenz der anderen. Ähnlich wie Gott den Teufel braucht für die Begründung seiner Existenz. Im Falle einer realisierten Regierungs-Koalition, glauben Sie wirklich Die Linke könnte ihre populistischen Programme erhalten? Aus der hinteren Reihe lässt sich gut fordern und Heiliger spielen.

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  7. genova68 schreibt:

    Das „Vermögen der Klassenfeinde“ ist nicht das von ihnen geschaffene, sondern das von ihnen angeeignete. Das können sie, weil die gesellschaftlichen, die Machtverhältnisse so sind, wie sie sind, nämlich kapitalistisch. Der Traum vom Sozialismus ist nicht zerbrochen, sondern nicht realisiert. Der real existierende Sozialismus war im Wesentlichen ein Staatskapitalismus, und da, da hast du recht, zogen sie im Vergleich zu den richtigen Kapitalisten die Kürzeren.

    Linke Umverteiler: An dem Beispiel lässt sich unterschiedliches Denken schön zeigen. Die einen sagen: Die Reichen zahlen viel Steuern und sorgen damit für Umverteilung von oben nach unten. Die anderen setzen einen Schritt vorher an: Umverteilt wird real von unten nach oben, indem man die einen für zehn Euro arbeiten lässt und die anderen für tausend.

    Diese Unterschiede sind nicht in unterschiedlichem Fleiß begründet, sondern in gesellschaftlichen Machtverhältnissen.

    Gut möglich, dass die Linken im Falle einer Regierungsbeteiligung wenig Optionen haben. Das liegen eben an den realen gesellschaftlichen und ökonomischen Verhältnissen. Neoliberale Politik sorgt dafür, dass Politik allgemein keinen Spielraum mehr hat. Das Kapital haut ab. Es zeigt sich da ja nur, dass Kapitalismus und Demokratie nicht zusammengehen.

    Nebenbei: Es entlarvt sich gerade das Argument, dass man gegen Kapitalflucht, gegen Geldverschiebungen, gegen Schwarzgeld im High-Tech-Zeitalter nichts machen könne, ein Mausclick genüge ja. Angesichts der Kompetenzen der NSA sollte man diese These überdenken.

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  8. alphachamber schreibt:

    Mit Respekt: Die übliche sophistische linke Rhetorik – ohne Syllogismen.
    Sie bezichtigen jeden produktiven, erfolgreichen Menschen des Diebstahls?
    Wer hat Sie denn zum Herrn der Werte ernannt?
    Seit 1789 hattten Sie ihre Revolutionen und Chancen, über die Bolschewiki, Stalin, Mao, Castro, Ho Chi-Minh, Pol Pot bis KimJong-un (von den desaströsen Marxisten in Afrika und Südamerika ganz abgesehen).
    Die EINZIGEN Systeme, welche (einigermaßen, von mir aus) Wohlstand und Fortschritt erschafften sind diejenigen, die mit kapitalistischen Wirtschaftsentitäten arbeiten – das sind doch geschichtliche Realitäten.
    Ach so: Wenn die bösen Imperialisten nicht immer alles zerstört hätten, Ja? Die kollektivistischen Systeme waren stets ziemlich effektiv in der Selbstzerstörung. Warum? Weil sie auf un-Mensch-lichen Prämissen bauen, auf Zwang und Gewalt. Angeblich für das abstrakten „Allgemeinwohl“ (wer wohl definieren darf was das ist?). Glauben Sie ernsthaft, dass bei totaler militärischer Superiorität der Sozialisten/Kommunisten seine Zukunft gesichert sei? (also keine kapitalistsche-imperialistische Hegemonie mehr dazwischenfunken könnte) Dann wäre das gerade ein Eingeständnis, dass Ihr System sich nur auf Gewalt stützen kann.
    Gescheitert ist nicht der Kapitalismus; gescheitert sind nur die Experimente mit den Erwartungen, welche die Parteien durch rein politische Phantasien und billige Wahlpropaganda in die Köpfe der Bürger pflanzten. “Soziale Gerechtigkeit”, “Angemessener Lebensstandart”, “Wohlstand für Alle”, wurden als Ziele gesetzt. Aber ihre Unerreichbarkeit wächst proportional mit den Zwängen die dahin führen sollen. Wo liegen die philosophischen und moralischen Axiome dieser Begriffe?
    Respektvoll

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  9. genova68 schreibt:

    Alphachamber,
    Kapitalismus ist effektiv und schafft enorme materielle Werte. Das bestreitet niemand, auch Marx nicht. Die Frage ist, unter welchen Umständen. Die aktuellen Vermögensverteilungen weltweit zeigen, dass es enorme Gefälle gibt, gerade innerhalb einer Volkswirtschaft. Die sind nicht auf die Produktivität und den Erfolg eines Einzelnen zurückzuführen, sondern auf Strukturen, die Ausbeutung ermöglichen. In China kann man das in Reinkultur erleben, siehe iphone.

    Das System Kapitalismus ist effektiv, nur kennt dieses System nichts anderes als Effektivität und Renditeerzeugung. Der Mensch ist aber von seinem Naturell her an mehr interessiert.

    Soziale Gerechtigkeit sei unerreichbar, schreiben sie, vor allem wegen der „Zwänge“. Ohne Zwänge wäre sie erreichbar? Sind Sie einer von den radikal Libertären? ef-Umfeld? Nur, damit ich weiß, worauf Sie hinaus wollen. Diese reinen Fragestunden von Leuten, die nur entlarven wollen, sind mir seit langem zu anstrengend.

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  10. alphachamber schreibt:

    Hallo!
    Zunächst bedanke ich mich für den würdevollen Dialog.
    1. Ich entlarve nichts. Der intelligente Leser bildet sich seine eigene Meinung.
    2. „Der Mensch ist aber von seinem Naturell her an mehr interessiert.“ Stimme zu. Und der Sozialismus hat also diese gefördert? Bitte nicht!
    2. „Soziale Gerechtigkeit“ ist eine populistische Erfindung. Als ob sie eine „höhere“, primäre Gerechtigkeit wäre. Sie kommt in keiner klassischen Philosophie zur Nennung. Entweder ist was gerecht oder nicht.
    3. Wenn überhaupt zu einem „ismus“, dann bin ich Objektivist. das gesamte „Liberale“-Spektrum sind mir ein Greuel. da bevorzuge ich noch die Linken, die haben wenigstens ihre Prinzipien.
    4. China ist seit 1975 mein ständiger Wohnort. Deren System spricht Ihrem Konzept in allem dagegen! (Foxconn ist ein Hersteller unter Hunderttausenden und unter besonderem Status. Mit Monsanto und Goldman Sachs, etc. ein beliebtes Ziel der Gutmenschen). Schwarze Schafe gibt es überall. So meinen Sie ja auch über Stalin, Mao und Pol Pot.
    Nette Grüße.

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  11. alphachamber schreibt:

    Greuel: sollte „Gräuel“ heißen. Das musste ich verbessern, es sieht nicht nach einem offensichtlichen Tipfehler aus.

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  12. alphachamber schreibt:

    genova68,
    bezüglich China fällt mir ein ein Artikel ein, den Sie interessant finden werden. Hier ist der Link: http://liberalerfaschismus.wordpress.com/2013/05/26/so-macht-kapitalismus-spass-iii-teil/#more-2296
    Grüße

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  13. Ex-Vermieter schreibt:

    Zitat alphachamber:“Der intelligente Leser bildet sich seine eigene Meinung.“
    Gut zur Meinungsbildung trägt Georg Trappe mit diesem:
    http://georgtsapereaude.blogspot.com.es/2012/12/kreditgeldkapitalismus-ein-fest-der.html
    und vielen anderen Artikeln zum Thema was Kapitalismus leisten kann/konnte und was (leider) nicht.

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  14. Ex-Vermieter schreibt:

    natürlich trägt *bei*

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  15. alphachamber schreibt:

    @Ex-Vermieter. Danke für den Link.
    G. Trappe hat sich gute Gedanken gemacht, trotzdem leidet sein Syllogismus. Seine „Zeit-Theorie“ ist unwissenschaftlich und scheint seiner angepasst zu sein. Es ist unhöflich hier die Beiträge anderer Blogs zu kritisieren. Soweit nur:
    1. Er scheint sich nicht eingehend mit den Öko-Klassikern befasst zu haben (Say, Malthus, Ricardo, etc. und den Physiokraten).
    2. Die Zentralbanken sind mitnichten klassische Werkzeuge des Kapitalismus, sondern im Gegenteil – grässliche Auswüchse des Etatismus.
    Da sind wir uns einig. Der Kapitalismus wird hier oft mit einer Staatsform verwechselt. Er ist eine gesellschaftliche (wirtschaftliche) Institution und genauso korrumpierbar wie jede andere; was wir hier haben ist eine Mischwirtschaft!
    [Hier ein nettes Zitat von Ayn Rand über die
    DIE HEUCHLERISCHE EINSTELLUNG DER ÖKONOMEN:
    Wenn sie, als Mensch, einen Schuster betrachten, sehen sie einen Mann der für seinen Unterhalt arbeitet. Aber als Ökonom sehen sie jemanden mit dem Zweck, die Gesellschaft mit Schuhen zu versorgen.
    Wenn sie von der kommunistischen Doktrin hören, dass sämtlicher Besitz
    dem Staat gehören sollte, lehnen sie das empört ab. Aber als Staatsökonom
    befürworten sie die „Pflicht des Staates“ den Wohlstand gerecht zu
    verteilen – als ob dieser ein soziales Gut sei.]
    Grüße

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  16. genova68 schreibt:

    alphachamber,
    zum Sozialismus: Ich würde weder China noch die SU noch die DDR als sozialistische Staaten bezeichnen. Marx, auf den man sich dann doch beziehen sollte, wurde da nur noch ausschnittsweise gelesen, wenn überhaupt. Vielleicht trifft es Staatsmonopolkapitalismus besser. Das heißt nicht, dass das linke Lager nicht auch eine Verantwortung für Stalin hat, aber es heißt auch nicht, dass die Idee des Sozialismus diskrediert wäre.

    Warum soll es keine soziale Gerechigkeit geben? Das ist Gerechigkeit in einer sozialen Sache. Darüber zu streiten, ist Wortklauberei.

    Was meinen Sie denn mit Objektivist? So Ayn-Rand-mäßig? Oder halten Sie sich im Besitz einer allgemeingültigen Wahrheit? Wohl nicht. Ich sehe gerade, dass Sie weiter unten Rand erwähnen. Also geht es wohl in diese Richtung.

    China: Siehe oben. Nur weil die Führung sich als kommunistisch betrachtet, muss ich das nicht übernehmen. Es behauptet doch niemand mehr, dass China kommunistisch sei. Sie meinen, die Arbeitsverhältnisse bei Foxconn seien eine große Ausnahme in China und die anderen Firmen sind nett zu ihren Arbeitern?

    Mit Ayn Rand sind Sie nahe bei der deutschen eigentümlich-frei-Fraktion. Ich freue mich, wenn Leute aus dieser Ecke hier posten, aber ich fürchte, dann wird die Verständigung sehr schwierig. (Dass sämtlicher Besitz dem Staat gehören sollte, behauptet niemand, der auch nur halbwegs ernst genommen werden will. Ich kenne jedenfalls niemanden, auch keinen Kommunisten.)

    Aber das soll Sie nicht vom posten abhalten :-)

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  17. genova68 schreibt:

    Der verlinkte Artikel, wonach Kapitalismus Spaß macht:

    Ich kann zu China nichts Detailliertes sagen, ich kenne mich da nicht aus. Merkwürdig finde ich allerdings die Entschuldigung des Massakers auf dem Platz des Himmlischen Friedens damit, dass die Demonstranten sich hätten durchsetzen können. Dann darf man wohl ein paar tausend Leute abknallen und bis heute jeden verhaften, der darüber nur reden will. Soweit ich weiß, wollten die Leute mehr Demokratie. Das wird nun mit „westlichen Agenten“ in Zweifel gezogen. Nun ja.

    Schön ist aber der Satz:

    „Das gescheiterte Experiment mit Maos Kommunismus zeigte, dass Menschen am liebsten und effektivsten für sich selbst arbeiten. “

    Ganz richtig. Dafür ist der Kapitalismus allerdings nicht geeignet, da arbeiten sie fürs Kapital, das ihnen danach etwas übrig lässt. Die Entfremdung sehen Sie an jeder Supermarktkasse.

    Der Bürokratieaspekt: Da ist sicher was dran, da ist hier viele überreguliert, und die vielen kleinen Küchen hätte ich hier auch gerne, gerne auch mit weniger Aufsicht. Allerdings können Lebensmittelskandale auch dadurch wegfallen, indem man sie nicht recherchiert.

    Sie hängen ziemlich diesem völlig Unregulierten an, das ist mir gar nicht unsympathisch. Ich könnte schon deshalb kein Politiker werden, weil ich über kurz oder lang irgendwas falsch abrechnen würde oder es mir egal wäre und zack, hätte ich eine Affäre am Hals und wäre raus. Alles so extrem reguliert.

    Aber es geht schon um das, was hinten rauskommt bei einer Politik. Die massive Ungleichheit in Ländern wie China halte ich für einen Beleg dafür, dass es so nicht geht, Garküche hin, Garküche her. Wir können gerne von denen das Kochen lernen und sicher noch mehr, aber bitte nicht die Korruption durch Polizisten, die mal hier, mal da was eintreiben.

    Sozialkultur: Ein bürokratisches System ist nicht sexy, aber vielleicht freut man sich drüber, wenn man dessen bedarf. Dass der chinesische Ingenieur sich in einer Krise mit einem mobilen Verkaufsstand über Wasser halten muss, ist schön, wenn das klappt, aber das kann ja schon ökonomisch nicht gesamtheitlich funktionieren: Wer soll von den Millionen arbeitslosen Ingenieuren denn die mobilen Waren kaufen, wenn Rezession herrscht? Eine typsiche Rand-Logik, vermute ich.

    Ich hätte auch keinen Bock, in einem Haus zu wohnen, auf das jemand ein Kreuz malt und ein paar Tage später kommt der Bagger.

    Ähnliche Verhältnisse hatten wir hier auch mal, 19. Jahrhundert. Nach dem, was ich darüber weiß, will ich die nicht zurück.

    Aber wie gesagt, mit Blick auf Rand kommen wir sicher auf keine gemeinsame Basis. Rand und andere haben keinen Begriff von Gesellschaft, sondern nur einen vom Individuum. Das hat Vorteile. Der Nachteil, ist, dass sie das Ganze nicht denken können.

    P.S.: Ich habe kürzlich irgendwo in den Medien einen Bericht gesehen, wonach in Hongkong es kein kleines Gewerbe mehr gibt, weil die Finanzwirtschaft die Stadt übernommen hat und die Mieten nach oben geschnellt sind.

    Was sagt man dazu?

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  18. Ex-Vermieter schreibt:

    genova, vollste Zustimmung meinerseits!
    alphachamber: „Die Zentralbanken sind mitnichten klassische Werkzeuge des Kapitalismus, sondern im Gegenteil – grässliche Auswüchse des Etatismus.“
    Wenn wir von Zentralbanken reden, dann doch sicherlich zu allererst von der FED; denn, so ich mich recht erinnere vor ein paar Jährchen gelesen zu haben, ist diese für die Generierung von drei Vierteln allen Geldes auf dieser schönen Welt verantwortlich. Und falls ich weiterhin nicht falsch liege, können ein paar Handvoll Banker-Dynastien zu Weihnachten nicht nur dem Mann mit dem roten Mantel und weißen Bart für einige Geschenke danken, sondern auch sich selbst respektive ihre Vorfahren zum Jubiläum „100 Jahre kalter Staatstreich“ beglückwünschen.
    Da sehe ich keinen Etatismus, nur das Motto von Mayer Amschel, wenn auch nicht das offizielle im Familienwappen.

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  19. alphachamber schreibt:

    Hallo genova68
    1. “…weder China noch die SU noch die DDR als sozialistische Staaten bezeichnen…” Dann bringen Sie bitte positive Beispiele, mit Begründungen.
    2. “…Marx, auf den man sich dann doch beziehen sollte,..” Prima. Habe nicht nur Das Kapital von der ersten bis zur letzten Seite gelesen, sondern auch das inhaltlich wichtigere Werk zur Kritik der Nationalökonomie. Marx war selbst ein großer Geist; als Junghegelianer hat er allerdings die Sorge um die Arbeitsteilung und Abhängigkeit von der industriellen Produktion von seinem Mentor übernommen. Fakt: Nicht eine einzige seiner wichtigsten Voraussagen über die kapitalistische Entwicklung wurde Realität. [Der politisch absolut unverdächtige, liberale Karl Mannheim schrieb vor seinem Tod 1947 über den Kommunismus, dass “…die utopische Idee einer klassenlosen Gesellschaft die Hauptursache der Verwirrung und Hindernisse einer reformistischen Transformation…” gewesen sei.]
    3. „Warum soll es keine soziale Gerechtigkeit geben?“ das habe ich a) nicht geschrieben, b) kurz: weil es ein POLITISCHER Begriff ist und kein rechtlicher und deshalb moralisch interpretierbar ist (wie man an unserem Dialog erkennt).
    4. „China: Siehe oben. Nur weil die Führung sich als kommunistisch betrachtet…“ Eben. Das widerspricht also Ihrem kommunistischen ideal, nicht meiner Ansicht über den Kapitalismus. „…anderen Firmen sind nett zu ihren Arbeitern?“ Sie wissen, dass das systemunabhängig ist, also überflüssige Polemik. Ich könnte jetzt argumentativ antworten: Foxconn ist eine sozialistischer Betrieb und keine US Kolonie! Aber werten wir nicht unseren Diskurs ab.
    5. „Die massive Ungleichheit in Ländern wie China…“ Irgendwie entgleisen Ihnen hier die Argumente. Es gibt also kein Land, das als positives Beispiel des Sozialismus herhält – nicht mal der durch die europäische Linke verehrte Mao (unter dessen alleiniger Herrschaft über 5o Millionen Menschen starben, ohne imperialistische Fremdeinwirkung).
    Der Kapitalismus, jedoch, ist für alles Übel dran. Ohne ihn gäbe es die Armut sicher gar nicht!?
    Wir HABEN ABER KEINEN REINEN KAPITALISMUS (genauso wie Sie sagen, es hätte noch keine richtigen Kommunismus gegeben). Wenn es aber bis jetzt das erfolgreichste aller unvollkommenen Systeme IST (wie sie selbst zugeben-müssen) und dieses dennoch ungeahnte Fortschritte und Möglichkeiten gebracht hat, warum arbeitet man an seiner weiteren Zerstörung, nicht an seiner Verbesserung? Wir meiden auch nicht reines Wasser, nur weil verschmutztes Wasser krank macht.
    6. „Der verlinkte Artikel, wonach Kapitalismus Spaß macht:“ Das ist keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern ein Essay, und über Themen und aus persönlicher Sicht und Erfahrung, die dem durchschnittlichen Deutschen Leser interessant erscheinen. Als literarisches Werkzeug stellenweise polemisch, sarkastisch und kontrastierend, ist der essentielle Inhalt dennoch faktisch korrekt.
    7. „Was meinen Sie denn mit Objektivist? So Ayn-Rand-mäßig? Oder halten Sie sich im Besitz einer allgemeingültigen Wahrheit? Wohl nicht.“ Nun sollte ich fragen: Die Wahrheit über was? Nach Ihrer Präzisierung antworte ich dann lieber selbst.
    Über A. Rand und den Objektivismus sollten wir, (keine Beleidigung beabsichtigt!) erst diskutieren, wenn Sie die Philosophin im Original gelesen haben, wenigsten soviel wie Marx – und nicht nur von Wikipedia.
    „Mit Ayn Rand sind Sie nahe bei der deutschen eigentümlich-frei-Fraktion. Ich freue mich, wenn Leute aus dieser Ecke hier posten…“ Sie haben demonstriert, dass Sie den Objektivismus und Rand noch nicht verstehen. Ich kommentierte schon, dass der O. nichts mit diesen Fraktionen zu tun hat und diese nur einige derer Konzepte „stehlen“.
    Ich kenne meine Philosophen und die Geschichte. Nach 35 Jahren unter allen erdenklichen Systemen, 20 Jahre als Regierungsberater, Überleben der Roten Khmer, Zeuge der Geburt einer neuen Nation und 15 Jahre praktischer Aufbauarbeit, poste ich aus keiner „Ecke“ mehr, sondern von soliden Grundlagen – ich habe keine Ideologie.
    Deutschland erlebe ich als total kaputt und zerbrochen. Jede Partei ist für mich nur „another brick in the wall“, um es mit Pink Floyd zu sagen. Das gesamte System ist faul, mit unserer Kolonial-Verfassung angefangen. Vielleicht haben wir sogar ein gemeinsames Ziel – unsere Wege sind sicher verschieden. Aber nur so lernt man voneinander.
    Nette Grüße

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  20. genova68 schreibt:

    alphachamber,
    ich habe keine Zeit für solche Riesendebatten. Sowas gab es hier schon öfter, mir ist das mittlerweile zu zeitintensiv. Vielleicht steigen ja andere ein. Nur soviel:

    1. Ich kenne kein positives Beispiel, zumindest nicht in Gänze.

    2. Ihre Behauptung, Marx habe sich nicht bewahrheitet, hat nichts mit dem Kommentar von Mannheimer zu tun. Wie sehr Marx sich bewahrheitet, sieht man spätestens an der aktuellen Krise, Stichworte wären Bestreben nach Akkumulation um jeden Preis, Monopolbildung, Ausbeutung der Massen.

    3. Sie haben geschrieben:

    “Soziale Gerechtigkeit” ist eine populistische Erfindung.

    Wenn etwas erfunden wurde (und keine Erfindung im technischen Sinn gemeint ist) dann bedeutet das, dass es diesen Sachverhalt nicht gibt. Im nächsten Satz schreiben Sie ja selbst, dass es ihn doch gibt, und zwar als politischen Begriff. Na und? Moralisch interpretierbar ist er, ja, und was spricht dagegen? Ihre Objektivität?

    4. Chinas Politik widerspricht JEDEM kommunistischen Ideal und jedem Ansatz von Kommunismus. Sie sollten da vielleicht von Stalinismus reden. Um Ihre Ansichten von Kapitalismus geht es hier nicht.

    Foxconn: Die Ausbeutung der Arbeiter dort ist nicht systemunabhängig, sondern typisch für den (Früh)Kapitalismus und keine Polemik. Halten Sie sich doch, wenn Sie von Kommunismus reden, einfach an den Urtext, an das Kommunistische Manifest. Und dann sagen Sie mir, was Foxconn mit Kommunismus zu tun hat.

    5. Der Unterschied in unserer Argumentation ist: Sie verbuchen alles, was im Namen von Marx in der Geschichte passiert ist, als Sozialismus. Das ist nicht seriös. Aber der Hintergrund, auf den Sie verweisen, ist problematisch, da haben Sie recht. Wie kam es von Marx zu Stalin, Pol Pot, Mao und so weiter. Da gibt es auf der Linken nach wie vor Hemmungen, sich mit dem Thema ernsthaft zu befassen. Vielleicht läuft das auf einer ähnlichen Ebene ab wie im Kalten Krieg und heute auch noch behaupet wird: Marx ist schlecht, siehe DDR, Kommunismus ist schlecht, siehe DDR. Leute, die so etwas behaupten, haben Marx nie gelesen, aber sie sind wirkungsmächtig. Genaus so wie Stalin. Beide Seiten verbiegen die Ausgangssituation.

    „Die europäische Linke“ hat auch nicht Mao verehrt, sondern ein paar. Und das ist lange her. Wie gesagt, auch da würde mich interessieren, was ein Trittin heute dazu sagt. Da geht es viel um Macht, um Spontaneität, auch um die Nazi-Vergangenheit. Das ist alles viel komplexer, als man das hier flott abhandeln könnte.

    Kapitalismus ist nicht das erfolgreichste bisher unvollkommenen Systeme, lesen Sie bei Marx noch mal genau hin. Da erfahren Sie, wie es tendenziell weiterläuft mit dem Kapitalismus, mit seinem Zwang nach immer weiterer Ausdehnung wegen immer weiterer zwanghafter Renditebildung. Es ist exakt das, was wir in den letzten zehn Jahren sehen, in den USA, hier und anderswo. Die Übernahme aller gesellschaftlichen Bereiche zur Akkumulationsbildung. Der Kapitalismus kann nicht anders. Steht alles bei Marx, den Sie ja gut kennen.

    Nichts gegen die Produktivität dieses Systems in der Phase, in der wir sozialisiert wurden, früher oder später nach Gründung der Bundesrepublik. Aber es sieht doch so aus, als würde das nicht ewig so weitergehen.

    An der Verbesserung des Kapitalismus arbeiten: Finde ich eine sehr gute Idee. Ich fürchte nur, dass das nur zu einer massiven Zähmung führen könnte. Und die scheint systemisch nicht möglich, weil das Kapital sein Bestreben der unaufhörlichen Rendite nicht preisgibt. Weil es dann kein Kapitalismus mehr wäre. Sie wollen stattdessen eine Radikalisierung. Sie haben dabei den argumentativen Vorteil, dass Sie bei jeder realen Verschlechterung der Verhältnisse (Finanzkrise) behaupten können, das lege daran, dass der Kapitalismus nicht in Reinform existiere, man müsse ihn nur noch radikaler machen lassen. Es ist allerdings ein gigantischer Feldversuch, den Sie da starten würden, Mao diesbezüglich nicht unähnlich.

    6. Sie gehen sehr flott über meine Argumente gegen Ihren Artikel hinweg, alles nur Polemik, lerne ich jetzt. Tausende Tote auf einem Platz sind für mich keine Polemik, die Foxconn-Arbeiter ebensowenig. Das unterscheidet uns vielleicht.

    7. Ich kenne Rand kaum, stimmt, ich werde sie auch nicht lesen, da muss ich sie enttäuschen. Man braucht ja einen gewissen Stimulus, um ein Buch aufzuschlagen, der fehlt mir da. Nehmen Sie es mir nicht übel, die Zeit ist knapp. Wir diskutieren über Rand also besser nicht.

    Ihr Lebensweg klingt super interessant, ich habe sowas nicht aufzuweisen. Erzählen Sie ruhig, ich höre zu. Mich wundert nur, woher ihre Diskussionsfreude kommt. Sie wollen mir doch nicht etwa überzeugen? Der obige Artikel (wahlomat) ist eine hingerotzte Satire, natürlich mit einem gewissen realen Hintergrund.

    „Deutschland erlebe ich als total kaputt und zerbrochen.“

    Na, das ist schon etwas hart, finden Sie nicht? Wenn sie Deutschland durch Somalia ersetzen würden, könnte ich zustimmen.

    Kolonial-Verfassung?

    Grüße nach Honkong.

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  21. alphachamber schreibt:

    „…ich habe keine Zeit für solche Riesendebatten…“
    Das bleibt dann unser gemeinsamer Nenner.

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