Lasset uns Gott danken für diesen schönen Sommer!

Oder bei wem muss man sich für schönes Wetter bedanken?

Bekanntlich ist jeder Tag unter 30 Grad ein verlorener Tag. Schön, dass es dieses Jahr bislang einige nicht verlorene Tage gab. Wer nicht exakt nachrechnen will, ob der Sommer schön oder nicht schön war und ist, der schaue im August auf eine Rasenfläche. Ist sie grün, war der Sommer schlecht, zu viel Regen, zu wenig Sonne.

Sieht sie so aus:
005

war der Sommer gut: Hitze und Trockenheit, ein unbeschwertes Leben. Dazu kommt, dass vermutlich ein paar hundert Berliner Straßenbäume wegen Wassermangels über den Jorden gegangen sind, was der Übersicht und der zivilisatorischen Kraft der Stadt zugute kommt.

Man hat hierzulande selten dieses Sommergefühl, das Unbeschwertheit und garantiertes, dauerhaftes Nichtfrieren anzeigt. Jetzt schon: Es ist einfach warm, auch morgens um sieben schon. Man weiß morgens um sieben, dass man grundständigen Respekt haben muss vor dem Wetter. Es wird heiß werden, man wird das Körperliche spüren; man könnte auch einen Infarkt kriegen, wenn man es übertreibt. Deutsche Briefträger kapieren es nie: Die rennen von Schlitz zu Schlitz, kurz vorm Kollaps, aber eine Viertelstunde früher daheim.

Hat man das mit dem grundständigen Respekt verinnerlicht, lebt es sich gut bei Hitze. Ein Hauch von Süden. Beispielsweise denkt es sich leichter, wenn die Außen- sich an die Körpertemperatur angleicht: 37 Grad als optimaler Zustand zum Denken. Der Körper muss nicht mehr heizen, um nicht zu sterben, er kann all seine Energie in den Kopf stecken. Freies Denken ist vermutlich eh nur möglich, wenn alle körperlichen Bedrohungen ausgeschaltet sind, also auch Temperaturen unter Rekordsommer-Niveau.

Es lebt sich leichter bei 30 Grad. Erst recht bei einem opulenten Mittagsmahl mit gutem Wein. Auch da wird es schnell körperlich, der Körper hat zu tun und kann es nicht verbergen. Überhaupt ist Verbergen keine sommergemäße Lebensweise. Der Schweiß tritt hervor, die rote Farbe im Gesicht ebenso.

Es plärrt jetzt die Gelobt-sei-was-hart-macht-Fraktion, nach der die Wassertemperatur eines Sees nicht über 19 Grad steigen darf („es muss doch erfrischen“) und eine Lufttemperatur von 25 Grad plus nur das obligatorische „Stöhnen wegen der Hitze“ erzeugt. Es fehlt hierzulande eine Kultur, die gutes Wetter erfreut annimmt. Für den deutsch Sozialisierten ist gutes Wetter eher der Anlass, sich Sorgen zu machen: Sorgen über Tote in Altersheimen, über die notleidende Natur, über aufgeplatzte Straßen, über Niedrigwasser in Flüssen (die drei Wochen zuvor noch Hochwasser führten), über zuwenig trinkende Kinder, über Sonnenschutzmittel mit einem Faktor von weniger als 30, über fehlende Kopfbedeckungen, über das viele Ozon, überhaupt geht es ständig um vermeintliche Überanstrengung.

Gutes Wetter ist auch der Anlass, die merkwürdigsten Muscle-Shirts und Beach-Shorts aus der Rumpelkammer zu holen: Es ist halt so heiß!

Dahinter steckt eine der vielen deutschen Ängste: Bei 30 Grad wird es körperlich, das ist gefährlich. Man schwitzt, man atmet, man lebt. Es könnte die Kontrolle verloren gehen. Deshalb fahren auch Heerscharen von Deutschen im Sommer an die Nordsee, wo das Wetter garantiert scheiße ist. Bloß nichts anbrennen lassen.

Und da am deutschen Wesen gerade neuerdings wieder die ganze Welt genesen soll, treiben wir den Südländern nun die Marotte mit der Siesta aus: Die sollen lieber arbeiten.

Ein schöner Sommer erinnert uns daran, dass das Leben leichter sein könnte, als man es sich mit Angst und Leere und Tiefkühlpizza gemeinhin macht. Es ist auch kein Zufall, dass ausgerechnet hierzulande die Ökos eine Koalition mit der politischen Rechten eingehen: Es geht um die Abschaffung der Stadt, die der Rechten schon immer suspekt war, weil sich dort Leben bilden könnte, das macht, was es will. Stadt ist nur in Form eines Stadtschlosses tolerierbar. Und den Ökos passt die Stadt nicht, weil dort naturgemäß wenig Natur zu finden ist. Jeder Kubikmeter Beton eine Kriegserklärung. Vermutlich sind die meisten deutschen Ökos verhinderte Rechtsradikale, denen die Natur am Herzen liegt, weil die böse Gattung Mensch dort nicht vorkommt.

Die angebliche Hitze ist den Ökos immer ein guter Anlass, den Weltuntergang zu proklamieren. Wenn man nicht eiligst Frischluftschneisen in die Städte schlägt und alles begrünt, sind wir am Ende. Spätestens 2100 oder so sterben wir den Hitzetod.

Die Hitzefeindschaft, dieser Auswuchs der deutschen Katastrophe, lässt sich leider auch an Gott-hab-ihn-selig-Theodor-Wiesengrund-Adorno festmachen. Ihm behagte die Schwüle nicht, er starb schließlich an ihr. Vermutlich WEIL er etwas gegen sie hatte, starb er daran, viel zu früh. Es ist seine fehlende Körperlichkeit gewesen, die ihn zugrunde gehen ließ. Er akzeptierte das körperliche Leben nicht, so wie er Musik nur akzeptierte, wenn er die Noten dazu in der Hand hatte. Er war gegen Hitze und gegen Jazz. Kein Zufall.

So kann das nichts werden. Vielleicht brauchte man eine neue kritische Theorie, die um gutes Wetter und gute Musik ergänzt wird, oder eben: um Körperlichkeit. Adorno hätte da sicher gerne mitgeschrieben, theoretisch. In der Praxis war es war ihm versagt.

Texte auf Exportabel zum Thema finden sich hier und hier.

(Foto: genova 2013)

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77 Antworten zu Lasset uns Gott danken für diesen schönen Sommer!

  1. besucher schreibt:

    Sehr guter Artikel. Man merkte auch dass die besonders Eseilighabenden in der Hitze fast durchdrehten.

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  2. Jakobiner schreibt:

    So ein Quatsch. Diese Bullenhitze ist körperlich eben unerträglich.Was soll daran schön sein? Mein Lieblingswetter ist der Frühling: Nicht zu kalt, nicht zu heiß, eben angenehm warm, dass man sich bewegen und spazierengehen kann ohne einen Hitzestich zu bekommen und zudem blüht alles auf. Besser als der matschige, nebelige Herbst oder der sengende, dürrende Sommer. Und auf diesem Blog, in der Presse und von den vielen Sonnenanbetern wird der Sommer ja gehypt und als schönes Wetter hochgeschrieben.

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  3. Garfield schreibt:

    von Strahlemännern über Arschlöcher bis „lasset uns danken“ – daß die Gradzahlen mal derart umfassend reflektiert werden…

    da bekommt „übers Wetter reden“ doch gleich ne ganz neue Bedeutung

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  4. genova68 schreibt:

    Meine Güte, was der Lapuente schreibt, ist ja grauenhaft. Ich hatte bei dem schon immer den Eindruck eines Spießers.

    Real wird der Umgang mit guten Wetter doch selbst für solche Gestalten immer einfacher: Alle Autos haben Klimaanlagen, es gibt Baumwollhemden, es gibt Schatten, es gibt Sonnencreme, es gibt immer weniger körperlich harte Jobs usw. Da ist es einmal ein paar Tage so, dass man eine Ahnung von einem kulturell angenehmen Wetter bekommt, schon stöht der traditionell körperfeindliche Deutsche. Körperlichkeit ist nur ok, wenn man Erfolge messen kann wie im Fitnessstudio oder beim Joggen, wo mittlerweile alle mit diesen merkwürdigen Messgeräten am Körper laufen. Aber es muss immer schön kontrollierbar bleiben.

    Was machen diese Leute eigentlich, wenn sie mal an Orten sind, wo es wirklich heiß und tropisch ist?

    Mein Eindruck ist auch nicht der, dass die veröffentlichte Meinung das aktuelle Wetter gut findet. Es finden sich doch überall Warnungen, was man nicht machen soll und Erinnerungen an den „Katastrophen-Sommer“ 2003 mit den vielen Toten. Die verbürgerlichte Meinung ist doch eher, dass ab 25 Grad Schluss ist mit lustig.

    Das Wetter-Thema halte ich nicht für irrelevant, siehe Lapuente und ähnliche Kameraden. Das ist von Politik nicht zu trennen. Wer derart regressiv über gutes Wetter schreibt, neigt sicherlich zu rechter Politik.

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  5. genova68 schreibt:

    Jakobiner,

    dass Sonnenanbeter die Sonne gut finden, das wirst nicht einmal du kritisieren können ;-) Und eine Frage: Wie viele „Hitzestiche“ hast du in deinem Leben schon bekommen?

    Das mit der Hitze ist eine Frage der Einstellung: Wer 35 Grad nicht mag, sollte ein ernsthaftes Selbstgespräch führen. Das wäre ein Anfang zur Verbesserung der eigenen Lage.

    Aber es ist ja kein Wunder: Hier im Blog gibt es irgendwo einen sehr guten Artikel über Norddeutschland, die Katastrophe für jeden kulturellen Menschen. Das aktuelle Wetter ist für solche Leute naturgemäß eine Katastrophe.

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  6. ziggev schreibt:

    man! im Jazz geht es gar zuwenig um „Köperlichkiet“ sondern um „fraktale Rhythmen“ und dergleichen. Der Swing ist zwar ein körperlich spürbares Phänomen, entwickelt sich aber nur innerhalb der Binnenphase des 4/4 – Takts. Es geht um minimale Abweichungen vom Timing, das ist die „große Form“ an dieser Stelle, und diese Effekte werden mit rein musikalischen Mitteln erzeugt.

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  7. genova68 schreibt:

    Es geht im Jazz „gar zu wenig um Körperlichkeit“? Es sollte deiner Meinung nach also mehr um Körperlichkeit gehen?

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  8. ziggev schreibt:

    Es kann nie genug um „Körper“ gehen. Direkt erfahrbare Sinnlichkeit. Jazz ist aber allen Vorurteilen zum Trotz eine Kunstform, die nur durch sehr subtile und artifizielle Mittel unsere Körper zu affizieren vermag. Um die vulgär-vorurteilsbelastete Rede von der „Körperlichkeit“ im Jazz zu rechtfertigen, geht es in der Tat „gar zuwenig“ um dieselbe.

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  9. Garfield schreibt:

    «Wer derart regressiv über gutes Wetter schreibt, neigt sicherlich zu rechter Politik.»

    naja, den Rückschluß halte ich dann doch für leicht gewagt ;)

    «Alle Autos haben Klimaanlagen, es gibt Baumwollhemden, es gibt Schatten, es gibt Sonnencreme, es gibt immer weniger körperlich harte Jobs usw.»

    naja, Dachdecker, Gerüstbauer, etc etc… wurden noch nicht durch Roboter ersetzt… und für den Dachdecker unter Senkrechtbestrahlung ist so ne Hitze echt nicht grad angenehm – der hat da oben nämlich keinen Schatten, Klimaanlage oder Ventilator; und fühlt sich mittags um 12 dann wirklich wie in ner Bratpfanne… bei evtl reflektierendem Belag noch dazu wie im Backofen Ober/Unterhitze – die Straßenbauer beim Teeren sowieso.

    «Was machen diese Leute eigentlich, wenn sie mal an Orten sind, wo es wirklich heiß und tropisch ist?»

    zw dem bloßen Aufenthalt, oder dort (gerade mittags) zu arbeiten, gibt’s aber schon einen Unterschied… z.B. in Spanien wurde ab 12 nicht mehr gearbeitet, sondern bis 16 Uhr „Siesta“ gemacht (deshalb nicht weniger Arbeitsstunden, nur anders verteilt) – ein Brauch, der allerdings Schuldenkrise & Globalisierung zum Opfer gefallen ist.
    Und ganz umsonst wird die Natur den Menschen in diesen Regionen auch nicht eine dunklere, denen in Sonnen-ärmeren dagegen eine hellere Hautfarbe verpasst haben…

    btw, führt jetzt zwar leicht OT – aber daß jeder Mensch überall auf der Welt klarzukommen habe, halte ich eh für ein seltsames Symptom unseres „globalen Dorfes“ (Schönsprech „Globalisierung“) – eigtl ein klassisches Bsp, wo aus dem eigtl vernünftigen „Gebot der Gleichheit“ Indifferenz geworden ist; siehe z.B. die span. Siesta.

    jetzt hab ich aber auch schon viel mehr & v.A. was ganz anderes geschrieben, als ich wollte – eigentlich wollte ich nämlich nur sagen:

    falls es sich nicht grad um eine Klima-/ Naturkatastrophe, oder den „nuklearen Winter“ handelt – hat Wetter für mich eher wenig mit Politik zu tun… v.A. gilt für’s Wetter aber dasselbe wie für Jazz/ bzw Musik allgemein:
    reine Geschmackssache – und über den läßt sich bekanntlich nicht streiten.
    kurz – ob „Bullenhitze“, oder es „Hunde und Katzen regnet“:
    „tiefgründige Erörterungen“ übers Wetter sind in meinen Augen ziemlich überflüssig.
    Es ist halt, wie es ist… fertig.

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  10. genova68 schreibt:

    Es gibt keine Geschmackssachen, es hat alles seinen Grund.

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  11. eb schreibt:

    Yup, – ich liebe z.B. den Winter. Das Schieben des Körpers durch meterhohe Schneeverwehungen, dass körperliche Gefühl beim Zufrieren der Nasenbehaarung, die Schneeblindheit wenn man sich an Sonnentagen etwas zu lange auf weiter weißer Fläche aufgehalten hat, die herrlichen Schmerzen der blau gefroreren Zehen, dass Klappern der Zähne beim täglichen Kampf gegen die rauhe Natur. Jaaaaaa. Reden wir in ein paar Monaten nochmal über die Geschichte mit der Geschmacksache ;-)

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  12. Garfield schreibt:

    «Es gibt keine Geschmackssachen, es hat alles seinen Grund.»

    aha, ein Koan? ;)

    «Das Schieben des Körpers durch meterhohe Schneeverwehungen»

    _meter_hohe Schneewehen… wo lebst du denn??

    Es soll aber tatsächlich Leute geben, die den Winter dem Hochsommer vorziehen… Schneemänner bauen, Schlittenfahren, huuui! *lol*
    daß die deshalb auch auf Grippe & Schnee schaufeln stehn, kann natürlich trotzdem bezweifelt werden… aber „Sonnenanbeter“ springen bei nem Sonnenstich vermutlich auch nicht vor Freude im Dreieck, oder feiern jeden Sonnenbrand mit nem lauten „strike!“

    manche brauchen halt 35° Celsius um richtig „aufzublühen“, ich persönlich fühle mich bei um die 20° aber deutlich wohler.

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  13. eb schreibt:

    Hihi, – der Koan ist aber auflösbar, – und müsste eigentlich heißen, – für jeden Geschmack gibt es einen Grund.

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  14. eb schreibt:

    Ach so, – .. wo lebst du denn? Dass hier ist schwäbische Alb. Da gibt es extreme Tal- wie auch Höhenlagen. Die Differenz zwischen zwanghaften Sonnenanbetern und ebenso zwanghaften Winter-Enthusiasten, (wozu ich mich zähle), – beträgt exakt 20 km.

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  15. Garfield schreibt:

    «für jeden Geschmack gibt es einen Grund.»

    häng noch ein Fragezeichen dran … und genau DAS wollte ich hören!

    ich sehe, du hast ZEN verstanden ;)

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  16. genova68 schreibt:

    Jetzt ist es ja wieder schön gemäßig, 24 Grad, da freut sich das deutsche Gemüt.

    „Für jeden Geschmack gibt es einen Grund“: Guter Satz, werde ich mir merken :-)

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  17. genova68 schreibt:

    „Direkt erfahrbare Sinnlichkeit. Jazz ist aber allen Vorurteilen zum Trotz eine Kunstform, die nur durch sehr subtile und artifizielle Mittel unsere Körper zu affizieren vermag.“

    Ja, das ist doch schon mal ein angenehmer Ansatz, diese Körperlichkeit nicht zu ignorieren und ein Schritt, sich von dem unguten Adornoschen Einfluss in Sachen Kunst und Verkopfung freizumachen. Körper können durch Kunst affiziert werden, schön gesagt. Eine Ansicht, die Adornos Blutdruck steigen lassen würde, vermute ich. Vielleicht hat ihm jemand sowas gesagt 1969, und dann kam der Exitus. Dem Antikörperlichen etwas von Körperlichkeit zu erzählen ist gewagt.

    Adorno operierte an solchen Stellen gerne mit „je mehr – desto mehr“-Sätzen, also mit Abhängigkeiten, wo es meist keine direkten Abhängigkeiten gab.

    Es gilt, glaube ich, immer mehr, Adorno gegen seine Adepten zu verteidigen, ihn gerade da fruchtbar zu machen, wo er schieflag. Und dazu müsste man sich ein Stück weit von ihm emanzipieren.

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  18. Bersarin schreibt:

    Dazu Genova, muß man Adorno erst einmal lesen. Und verstehen. Und nicht nur drei Sätze aus dem Zusammenhang brechen, wie es das moderne Resteverwertungsbewußtsein so gerne betreibt: immer nur in Häppchen und immer schön mundgerecht. Und bloß keine Anstrengungen in Kauf nehmen.

    Wer Körper will, soll Sport machen oder sich Leni Riefenstahl-Filme ansehen. Oder in die Disco gehen.

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  19. genova68 schreibt:

    Bersarin
    das ist deine übliche Art des Herunterputzens von Leuten, die Adorno vermutlich nicht so gründlich gelesen haben wie du. Ich zähle mich dazu, sicher. Aber du machst daraus eine Form des Mundtotmachens. Es ist der übliche intellektuelle Schwanzvergleich, den ich gerade bei Adorno nie gesehen habe, aber um so mehr bei denen, die sich zu ihren Anhängern zählen. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass die reine Form der Wissensvermittlung mir noch nie behagte, sondern ein Austausch fruchtbarer sein könnte. Wenn man dann allerdings zuerst behauptet, man man müsse Adorno lesen und verstehen und damit suggeriert, der andere habe weder das eine noch das andere vollbracht, dann sind wir auf der Schwanzvergleichebene. Ich kann nicht permanent mit konkreten Zitaten aufwarten, ich habe anderes zu tun, ich habe aber Eindrücke, die sich gesammelt haben. Die mögen stimmen oder nicht, aber sie sollten nicht von vornherein lächerlich gemacht werden.

    Körper und Adorno: Dazu fällt dir offenbar nur ein, dass ich Sport treiben oder Nazi werden soll. Meinst du ernsthaft, dass das dem, was man aus Adorno herauslesen kann, adäquat ist? Ich weiß nicht, was Adorno konkret zu diesem Fall gesagt hätte, aber es geht doch nicht darum, was Adorno in seinem Menschsein irgendwann einmal zu irgendwem gesagt hat, sondern es geht um den Komplex, den man aus seinen Schriften etc. herauslesen kann. Es gibt ja offenbar auch schwulenfeindliche Passagen bis hin zu der Erzählung, dass er irgendeinen der Manns von der Frankfurter Uni fernhielt durch Indiskretionen bezüglich seiner sexuellen Orientierung, wie man sagt. Ich weiß nicht, was da dran ist, aber es ist mir egal aufgrund dessen, was ich ansonsten von Adorno gelesen habe. Ein Lebenswerk aufgrund eines Details diskreditieren zu wollen, war schon immmer von anderen Interessen geleitet.

    Bei Adorno hat mich immer sein Weichsein interessiert, seine Zwischentöne, seine Bereitschaft, nicht mitzulaufen mit der Masse, er sieht mir ähnlich oder ich ihm, wie man will. Das alles geht aber nicht zusammen mit diesem knallharten wissensmäßigen Auftreten. Nebenbei: Es gibt Fotos von Adorno, die mit einem Blick das bestätigen, was ich hier schreibe. Beispielsweise das Selbstauslöserfoto. Adorno ist da in einer sympathischen Weise komplett selbstunsicher, eben weil er mit seinem Körper nicht zurechtkam. Das hat nichts mit Bodymassindex zu tun.

    Die Körpergeschichte zu kritisieren fände ich hilfreich, weil ich das Gefühl habe (ja, nur ein Gefühl, Schande über mich), dass er sich da an der Kritischen Theorie verraten hat, und dass man da weiterdenken sollte. Ein selbstreflexiver Ansatz kann niemals nur intellektuell sein, weil der Mensch nicht nur intellektuell ist. Ich weiß nicht, inwieweit die Kritische Theorie zum Körper-Geist-Dualismus konkret Stellung genommen hat, aber ich meine, dass sie da einiges nachzuholen hätte, weil genau dort ein Knackpunkt liegt. Adornos Schriften zur Musik (sowei ich sie gelesen habe) sollten mich bestätigen. Mir ist das zu kopfbetont.

    Eine kritische Theorie ohne Körper gibt es nicht, es wäre lächerlich, egal, was die Protagonisten dazu sagten. Das hat nichts mit Riefenstahl zu tun, das wäre eher das typisch deutsche Phänomen, jemanden im Zweifelsfall einen Nazi zu nennen aus Gründen der Selbstentlastung.

    Zu seinem Schreibstil: Ich habe heute zufällig eine Passage über Adorno bei Wolf Schneider entdeckt, ich glaube aus der DdA:

    „Die Reinigung des Göttlichen vom Mythos, die in der Gebärde erschütterten Fragens nachzuzittern beliebt, übereignet das Numinose in mystischer Häresie dem, der irgend dazu sich verhält.“

    Das könnte man wohl simpler ausdrücken, ohne den Gehalt zu schmälern. Ich gehe halt grundsätzlich davon aus, dass Kommunikation den wesentlichen Effekt haben sollte, dass andere das verstehen. Die Bloggerei beispielsweise würde sonst kaum funktionieren. Dann kann man es bleiben lassen oder Selbstgespräche führen. Das wäre dann an der Grenze zum Pathologischen.

    Das schmälert nicht den Gehalt dessen, was Adorno impetus hatte. Es schmälert auch nicht seine Kritik am Jargon der Eigentlichkeit. Die Kritik an seiner Form aber sollte erlaubt sein, auch und gerade deswegen.

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  20. Bersarin schreibt:

    Genova, wann geht das in Deinen Kopf hinein?: Philosophie ist Arbeit und kein Herumlaborieren. (Dies gilt selbst für die nicht-akademische Eben der Philosophie. Arbeit bedeutet übrigens nicht, daß Philosophie deshalb freudlos und lustfeindlich sein sollte. Ganz im Gegenteil: philosophisches Denken kann hochgradig lustvoll sein.) Du erzählst irgendetwas über Adorno aher und wenn ich oder der Nörgler Dir dann Deine geballte Unkenntnis vorführen, dann reagierst Du rotzig und trotzig. Und dann stampft der Genova mit dem Fuß auf und kommt mit den Argumenten aus der Rumpelkammer. Darum geht es, um Deine Art der Kritik: nicht weil Du Adorno kritisierst, sondern die Weise, wie Du ihn kritisierst. Das ist in gewissem Sinne das Spiegelbild von Free-Willy_Mocho: Irgend ein Zitat von Adorno oder Foucault herausbrechen, es aus dem Zusammenhang nehmen und dann daran Ansprüche stellen, die dort gar nicht vorkommen können. Das ist so als wenn ich in einem Restaurant ein vegetarisches Gericht bestelle und dann kritisiere, daß da ja gar kein Fleisch bei sei (geht irgendwie nicht, oder?). Oder es wird ohne Bezug seitenweise Kołakowski zitieren.

    Herr Schneider, ehemals bei Springer tätig (genauer gesagt unter anderem bei der Bild-„Zeitung“) sieht und beachtet nicht, daß die Philosophie auch eine ästhetische, eine sprachliche Dimension besitzt, die über das bloße Mitteilen von Informationen hinausragt. Philosophie ist keine Gebrauchs- oder Lebensanleitung, wenngleich viele das gerne so hätten. Wenn es um informierende Sprache im Journalismus, in einem einführenden Sachbuch oder bei einem Schul-Referat geht, dann mag das, was er schreibt, stimmen. In anderen Bereichen vergaloppiert sich Schneider.

    Was den Körper betrifft, so ist Adornos Philosophie natürlich eine solche, in der der Körper vorkommt. Siehe zum Beispiel die „Meditationen zur Metaphysik“ oder die „Minima Moralia“. Allerdings gibt es ebenso Bereiche, bei denen der Körper bzw. die Empirie nicht viel verloren haben. Für Erkenntnistheorie, für bestimmte Formen der theoretischen Philosophie und auch der Rechtsphilosophie sind keine Körper nötig. Das Recht der BRD bspw. gilt (auf der formalen Ebene) für alle Körper bzw. Individuen. Wer also den Körper einfordert, sollte zusehen, wo es paßt und wo gerade nicht.

    Natürlich kannst Du Adorno kritisieren. Aber bitte in einer Weise, die etwas mit dem Text von Adorno zu tun hat und nicht mit Deinen Lesebefindlichkeiten. Ein Satz wie, Adorno konnte nicht mit dem Arsch wackeln (sinngemäß zitiert), ist nicht einmal provokant-witzig, sondern schlicht an Dämlichkeit nicht zu überbieten und am Arsch vorbei. Und ich werde Dich bei diesen Dingen auch nicht vom Haken lassen

    Ein zweiter Aspekt zum Körper: Ich kann einer Philosophie, deren Ziel nicht primär der Körper ist kaum vorwerfen, daß sie sich nicht explizit und in jedem zweiten Satz mit dem Körper beschäftigt. Ich werfe Deinem Blog ja auch nicht vor, daß darin nie Walter Benjamin und Hegel drin vorkommen und Du Dich nicht mit Walter Benjamin und mit Hegel beschäftigst. Und wenn wir schon beim Körper sind: Weshalb kommt in Deinem Blog eigentlich nie die Vulva vor, hmm? Kein einziger Satz dazu. Du exponierst Dich wahrscheinlich lediglich auf den männlichen Körper. Insofern ziehst Du in Deinem Blog Dein weißes hetero-normatives Hetending durch, indem Du die Vulva ganz bewußt zensierst und sogar unterdrückst. Ein im Grunde zutiefst frauenfeindlicher Blog, der Exportabelblog. So in etwa argumentierst Du.

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  21. genova68 schreibt:

    Ich antworte die Tage.

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  22. El_Mocho schreibt:

    Genova, Adornos Philosophie ist eben für bestimmte Leute höchst attraktiv. Indem man sich seinen Standpunkt zu eigen macht und die Welt von ihm aus beurteilt, gewinnt man eine moralische Überlegenheit und damit Selbstzufriedenheit, die kaum eine andere Theorie zu bieten hat.
    Man stützt sich auf „große Philosophie“, hat also den ganzen abendländischen Kanon von Plato bis Nietzsche, insbesondere Hegel) hinter sich, und wer diese Position kritisiert hat die ganzen Geistesriesen gegen sich, was schon mal einschüchternd wirken kann. Gleichzeitig kann man sich bei der Begründung des eigenen Standpunktes auf nebulöses Geraune und Schimpferei über Positivismus und Aufklärung beschränken, denn allgemeine wissenschaftliche Standards werden einfach weggewischt; Begründung wird durch Einweihung ersetzt (und durch den Verweis auf das „Ganze“, das man nicht aus dem Blick verlieren dürfte. Wobei dieses Ganze nur den Eigeweihten zugänglich ist). Und das beste vom ganzen ist vielleicht, dass man alles beklagen kann und nichts tun muss, denn irgendwelche konkreten Verbesserungen der Lage würden ja nichts am schlimmen Gesamtzustand ändern (den zu ändern ist grundsätzlich unmöglich). Man kann sogar die Reformisten, die sich darum bemühen, diffamieren, denn sie tragen ja zum Fortbestand des schlechten Allgemeinzustands bei.

    Ich kenne nun den Bersarin nicht persönlich und will ihm auch nichts schlimmes unterstellen, aber ich habe genug Adornisten kennen gelernt (an der Uni und außerhalb), um zu dem Eindruck zu gelangen, dass diese Philosophie eine besondere Anziehungskraft auf Arschlöcher ausübt, die gerne das große Wort führen.

    Wie denn der Adorno in seinem persönlichen Leben ja auch keineswegs den hohen moralischen Standards, die er selber anlegt, immer genügt hat.

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  23. Bersarin schreibt:

    El_Mocho, bereits Dein Eröffnungssatz zeigt, daß Du von der Philosophie nichts, rein gar nichts verstanden hast. Ja tatsächlich, wer Philosophie macht, beschäftigt sich mit den wichtigsten Texte dieser Disziplin. Wer hätte das gedacht? Was für eine Einsicht, El_Mocho! Das machen wahrscheinlich nur die Philosophen so, während die Physiker und die Biologen sich mit den völlig unbedeutenden Wissenschaftlern und Theorien ihres Faches beschäftigen und die Hauptaspekte ihres Faches am Wegesrand stehen lassen.

    Für die, welche angemessen dieses Handwerk der Philosophie betreiben, ist sie einerseits Kritik in einem sehr umfassenden Sinne und andererseits, stellt sie (teils staunende) Fragen an die Welt. Wieso ist etwas genau so wie es ist.und nicht anders? Insbesondere Positionen, die als alternativlos bezeichnet werden, rufen das Interesse und die Betrachtung des Philosophen hervor. Und vor allem hinterfragt es die Philosophie, wenn Menschen wie Du mit ihrer biologistisch-darwinistischen Weltsicht eine eindimensionale Theorie installieren wollen. Und da bohrt sie nach, was die ideologischen Hintergründen dafür sein mögen.

    Und El_Mocho: urteile nicht über Disziplinen, von denen Du nur sehr wenig verstehst, außer die naturwissenschaftliche-biologistische Variante. Ich schreibe schließlich auch keine Texte über Gehirnchirurgie oder die Kunst des Tischlerns. Es gibt auch bei den Medizinern Arschlöcher, viele sogar. Aber gehst Du deshalb nie mehr zum Arzt?

    Ja, Philosophie ist eine strenge Wissenschaft. Und in solchen Wissenschaften gelten bei den Profis bestimmte Regeln, wie gearbeitet wird.

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  24. genova68 schreibt:

    Erstmal klärend: Ist Mocho Willy und neumondschein und wer noch? Ich fände es toll, wenn derjenige sich einmal zu EINEM nick entschließt.

    Bersarin,
    machen wir es kurz, es ist mir zu zeitaufwändig, was du schreibst, ist mir zu repressiv. Mocho hat in diesem Punkt schon recht: Du benutzt ausgerechnet einen Adorno und eine Kritische Theorie, um dich nach unten abzugrenzen, nach unten zu treten. Andere machen das mit Türken, du mit Adorno, eine Katastrophe eigentlich. Es ist ein autoritäres und regressives Verhalten zugleich. Es ist auch das immergleiche, es ermüdet. Auf meine Kritik wurde noch kein einziges Mal adäquat reagiert. Dass du hier ausgerechnet den Nörgler, das Verhaltensarschloch schlechthin, aufführst, belegt die Lächerlichkeit dieses Unterfangens. Außer Klugscheißerei hat der noch nie etwas hingebracht, ungeachtet seines sicher enormen Wissens. Mit selbstverliebten Zweizeilern reagieren, super. Der jüngste Beleg dafür ist die Fotogeschichte. Zuerst verkündert der Schlaumeier in belanglosen Floskeln, dein Bild sei das Tollste der Welt. Eine Erklärung dafür zu geben, liegt unter seinem Niveau. Er tickt vermutlich ähnlich wie du: Adorno als Alibi, um dann umso fester zutreten zu können. Es sind diese Versuche der Entwürdigung anderer. Dazu gehört nicht, dass man jemanden als Arschloch bezeichnet, sondern es ist diese vermeinlich subtile Vorgehensweise des Mundtotmachens: Du hast das Gesamtwerk noch nicht durch, also halte die Klappe.

    Du bist vermutlich gefrustet, weil du keinen Lehrstuhl für Philosophie hast und dich nun mit Halbwissenden wie mir auseinandersetzen musst statt mit den Tollen. Tut mir leid.

    Du bist hier in Blogs, nicht im Oberseminar. Solange du das nicht akzeptierst, wird das nie was mit dir.

    Aber das ist alles schon tausendmal gesagt.

    Dazu kommt: Was du da oben inhaltlich ablieferst, hat nichts mit meiner Kritik zu tun. Es ging mir lediglich um den fehlenden Körperaspekt in Adornos Ästhetik, das ist begreif- und nachvollziehbar, wenn man das nur wollte. Ich habe da keinen wissenschaftlichen Anspruch, ich kann das nicht liefern. Ich werde die ÄT demnächst sicher nicht lesen, aber ich erlaube mir so eine Bemerkung, aus der man etwas machen könnte, wenn man nur wollte. Was machst du daraus? Behauptest alles mögliche über Rechtsphilosophie und sonstwas, was ich nie gesagt habe. Es sind keine Antworten auf meine Frage. Dazu dann die merkwürdige Behauptung, mein Arschwackelsatz sei der schlimmste aller Zeiten. Ogottogott. Getroffene Hunde bellen.

    Dann noch das hier für den großen Logiker:

    „Ich kann einer Philosophie, deren Ziel nicht primär der Körper ist kaum vorwerfen, daß sie sich nicht explizit und in jedem zweiten Satz mit dem Körper beschäftigt. „

    Es ist mir fast zu dämlich, zu sowas noch Stellung zu nehmen, aber es ist typisch für dein Vorgehen, weshalb man bei dir auch nichts lernt. Ich kann Adorno den fehlenden Körper nicht vorwerfen, wenn er ihn fehlen lassen wollte.

    Man kann folglich der aktuellen ägyptischen Militärregierung auch nicht die Gewalt vorwerfen, wenn ihr primäres Ziel gar nicht die Gewaltvermeidung ist, gell!

    Ich sage ja, dass meines Erachtens der Körper in einer Ästhetik eine Rolle spielen muss, wenn sie emanzipatorisch, befreiend, kritisierend, gesellschaftliche Verhältnisse überwindend sein will. Das kann man ja anders sehen, aber den Ansatz als nicht erlaubt zu diskreditieren, ist repressiv. Du hast überhaupt nicht kapiert, das Kritische Theorie kein l´art pour l´art ist, deshalb kommst du auch immer wieder so zwanghaft mit der Oberseminarattitüde. Du hättest deinen Adorno gerne als deine Privatfigur, die du ein Leben lang studierst, so wie andere Golf spielen oder sich eine Nespressomaschine als Distinktionsmöglichkeit zulegen. Deshalb vermutlich auch die nachgeahmte Sprache, so wie Tokio-Hotel-Fans sich die Frisur von dem Kaulick zulegen. Mein Gott, wie lächerlich.

    Ähnlich verhielt es sich ja kürzlich bei dir. Es gab folgendes Gespräch:

    Genova: „Adorno kann nicht schreiben.
    Bersarin: „Nein, Genova kann nicht schreiben.“

    Ich brauche bei sowas keine Formel, um zu erkennen, das da in der Argumentation logisch etwas nicht stimmt und es dir nur um persönliche Befindlichkeiten geht. Aber du hältst mir im Anschluss einen Vortrag über Logik, um mittels vorgetäuschter Wissenschaftlichkeit einen Punktsieg zu erlangen. Ich würde mich sowas gar nicht trauen.

    Der schönste Beleg für deine Selbstüberschätzung ist der Satz mit dem Haken, an dem ich hänge.

    Klar, Chef, was sonst. Vermutlich war es dir in den letzten Wochen auch zu heiß, um zum Thema des Threads zurückzukommen.

    So, keine Zeit mehr.

    Nur noch die Frage: Schneider bei Bild, woher hast du das?

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  25. El_Mocho schreibt:

    Bersarin, es gibt nur eine einzige Realität, nicht eine für die Philosophie und eine andere (in der dann ganz andere Standards gelten) für die Naturwissenschaften. Und seit Descartes arbeitet sich die Philosophie an den Wissenschaften ab und versucht (überwiegend erfolglos), deren Ergebnisse entweder zu ignorieren, für irrelevant oder tendenziell faschistisch zu erklären, oder zu integrieren. Kurz: sie agiert völlig defensiv und wird daher immer irrelevanter und uninteressanter (mit Ausnahmen, wie gesagt, aber zu denen gehört Adorno mit Sicherheit nicht).

    „Alle Kultur nach Auschwitz, samt der dringlichen Kritik daran, ist Müll. (…) Wer für Erhaltung der radikal schuldigen und schäbigen Kultur plädiert, macht sich zum Helfershelfer, während, wer der Kultur sich verweigert, unmittelbar die Barbarei befördert, als welche die Kultur sich enthüllte. Nicht einmal Schweigen kommt aus dem Zirkel heraus; es rationalisiert einzig die eigene subjektive Unfähigkeit mit dem Stand der objektiven Wahrheit und entwürdigt dadurch diese abermals zur Lüge.“ (Adorno, Meditationen zur Metaphysik, S. 62)

    Das ist wohl die endgültige Bankrotterklärung der Philosophie (zumindest dieser Richtung). Was kann man tun? Nichts, jede mögliche Handlung ist falsch, genauso wie nicht handeln. Lediglich das Lamentieren über diesen ausweglosen Zustand scheint noch möglich.

    Man fragt sich wirklich, warum Menschen so was zu Papier bringen? Dabei gibt es wichtige Probleme, zu deren Lösung auch die Philosophie etwas beitragen könnte. Stattdessen beschäftigt sie sich mit solchen Mätzchen.

    genova, bei Che schreibe ich als willy56, ist einmal so gespeichert und ich bin zu faul es zu ändern.

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  26. Bersarin schreibt:

    Genova, Du schrammst in Deinem Vorgehen nicht mehr nur dicht an den Methoden der NPD-Wahlplakatwerbung vorbei, sondern Du machst es genau wie diese: Dinge sich zurechtzudrehen und manipulativ in einen Kontext zu stellen, wie sie in das eigene verkorkste Weltbild passen. Das zeigt sich insbesondere in Deinen Lektürepraktiken. Nicht nur bei Adorno, sondern auch in anderen (Text-)Zusammenhängen. Es ist nicht das erste Mal, sondern es ist notorisch bei Dir. Und dagegen kann man dann auch mit Argumenten nichts mehr ausrichten, weil Du für solche nicht zugänglich bist.

    Und wenn dann am Ende des Genova-Palavers das kleine Trotzköpfchen genova nicht mehr weiterweiß und hilflos am Haken zappelt, dann psychologisiert er zudem munter drauflos. Schön zu sehen, wie Du Dich in Vermutungen ergehst. Es sagt dieses Verfahren allerdings mehr über Dich selber als über die anderen aus, die Du vorgeblich kritisierst.

    Genova: “Adorno kann nicht schreiben.
    Bersarin: “Nein, Genova kann nicht schreiben.”

    Du bemerkst nicht einmal, daß ich in dieser Gegenüberstellung Dir Deine eigne Denkweise spiegelte und Dir die idiotische Logik derselben vorführte. Interpretation von Text besteht nicht darin, als Einwortsatz Behauptungen in den Raum zu werfen, so wie Du es machst (Stichwort fehlende Körperlichkeit bei Adorno oder „Adorno kann nicht schreiben“). Was aber das schlimmste an Deinem Vorgehen ist – und hier fängt es in der Tat an gefährlich zu werden, weil es sich hierbei um eine bewußte Lüge handelt, die von Dir in voller Absicht verbreitet wird –: Du reißt Äußerungen wie die oben, die ich freilich in dieser Weise so gar nicht tätigte, aus dem Zusammenhang des Textes und zitierst falsch, indem Du entscheidende Passagen ausläßt. Dies hast Du genauso gemacht, als es um die die Äußerungen des Nörglers zu meinen Photographien ging. Eine solche Praktik, die aus dem Zusammenhang reißt und dann etwas unterschiebt und behauptet, was vom anderen nie behauptet wurde, nenne ich verlogen und unterste Schublade, weil zutiefst manipulativ. Zumindest aber sagt diese Weise zu manipulieren und auf unangemessene Weise zu dekontextualieren einiges über Dich aus.

    Konzeptuell gelungen ist es, wenn solche Vorwürfe über die Qualität von Adornos Schreibe von so genialen Textern wie dem genova stammen. Unser ausgewiesener Sprach-, Kleist- und Kronstadt-Experte. Und auch in diesen Debatten seinerzeit hattest Du es so gemacht wie bei Adorno: Du liest die Texte nicht, um die es geht, oder Du zitierst sie in falschen Zusammenhängen, hinterher beharrst Du in Deinem Bübchensturrkopf auf Deiner Unwissenheit.

    Auch was das Thema Körperlichkeit in Adornos Ästhetik betrifft, verfährst Du wie oben dargelegt. Fehlt Dir eigentlich auch in der Astro-Physik, in einer Kunstkritik oder in Kants „Kritik der reinen Vernunft“ ebenso der Körperaspekt? KANNST DU NICHT LESEN ODER WILLST DU ES NICHT? Du vermengst Dinge, die nicht zusammengehören, auch Dein Vergleich mit der ägyptischen Armee preßt Aspekte in einen Zusammenhang, der kein logischer sondern ein assoziativer ist, dann wirfst Du alles in einen Topf und verrührst es und baust darauf eine Behauptung auf. Das Schlimme dabei ist, daß Du mutwillig und im manipulativer Absicht Dinge aus dem Kontext reißt.

    Es geht nicht darum, Adorno nachzuahmen, sondern ihn zu verstehen, was er schreibt. Du bist dem Text Adornos und mach anderem nicht gewachsen, und das ärgert das Genova-Bübchen. Andere, genova, halten bei derart geballter Ahnungslosigkeit einfach mal die Klappe. Du hingegen reißt sie mit Regelmäßigkeit auf, und zwar um so größer, je weniger Du weißt. Nein, Blogs sind keine Oberseminare, wohl wahr. Aber auch keine Veranstaltungen für Schwätzer wie Dich, wenn es um Theorie und Text geht. Du gehörst leider zu den schlimmsten dieser Sorte.

    Zum gefühlten 100. Mal: Es geht um die Weise, wie an einem Text Kritik geübt wird und nicht darum, daß Kritik geübt wird. Du solltest einmal grundsätzlich Deine eigene Vorgehensweise hinterfragen, genova. Und um es, was den Körper betrifft, kurz zu machen: Adornos Ausführungen zum Jazz und zur Musik sind solche der musikalischen Form, es handelt sich um Theorien der Musik. Es geht hierbei weder um Ballett, noch um Körperbewegungen. Du schaffst es nicht einmal Theorien und Praktiken auseinanderzuhalten. Alle haben dies begriffen, nur genova nicht. Das, was Du machst, ist in etwa so, als wenn ich einem Leichtathleten beim Laufen zurufe, weshalb er sich denn nicht dabei auch auf Adorno bezieht und er seine Laufbewegungen nicht mit der Kritischen Theorie koppelt..

    Lies einfach mal die entsprechenden Texte Adornos und dann sprechen wir uns wieder. Und damit es nicht wieder heißt, ich käme von oben herab: Welche Texte von Adorno hast Du denn nun genau gelesen? Bitte nenne sie mir mal. Und schreib, auf welche Textstellen Du Deine Hypothese von der fehlenden Körperlichkeit bei Adorno oder von Adornos Unfähigkeit zum Schreiben gründest! Dazu mußt Du nicht das Gesamtwerk lesen. Aber nimm bitte Texte, wo es in irgend einer Weise um dieses Thema geht. (Belege am Text nennt man dieses Verfahren.) Also: ich warte, und ich lasse Dich an dieser Stelle nicht vom Haken. Und darüber solltest Du Dich freuen, daß ich Dich beim Wort nehme. Also ganz konkret genova: Wo sind die Textstellen?

    Auch in Blogs, wo es um Texte, Kunst, Philosophie geht, gelten bestimmte Regeln der Argumentation. Um eine Strukturanalogie aufzubauen: Du benimmst Dich, was die „Logik“ der Argumentation und der Bezüge betrifft, wie jemand, der in ein anderes Land kommt, in dem die Währung Euro nicht gilt, der aber partout an der Kasse mit Euro bezahlen will und darauf beharrt, daß der Euro doch eine gültige Währung sei. Genova, guck einfach mal über Deinen Tellerrand hinaus! Und wie gesagt: Weshalb kommt in Deinem Blog die Vulva nicht vor? Natürlich, weil Du ein Maskulinist und ein potentieller Vergewaltiger bist.

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  27. Bersarin schreibt:

    Es freut mich, El_Mocho, daß Auschwitz für Dich ein Mätzchen ist. Stimmt ja auch, so schlimm war es gar nicht. Die sollen sich mal nicht so haben, und die erhielten schließlich hinterher genug Kohle, um sich ihren Judenstaat zu gründen.

    Schön auch, daß Du von Lösungen schreibst. Es sind hoffentlich keine Endlösungen, die Du meinst.

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  28. genova68 schreibt:

    Na, jetzt haben wir uns wohl genug an den Kopp geworfen. El Mocho hat uns zumindest voraus, dass er nicht so am Rad dreht.

    Es soll übrigens wieder wärmer werden.

    Bersarin, du kommst ja allgemein im Netz ganz sympathisch rüber, abgesehen von solchen Ausfällen. Konzentrieren wir uns lieber darauf.

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  29. Bersarin schreibt:

    Ja, es handelt sich bei unserem Disput um eine Werbekampagne, damit wir das Image von El_Mocho aufbauen und ihm street credibility verschaffen. (Der übrigens einen zentralen Aspekt der Philosophie Adornos und damit auch die Frage nach Moralphilosophie und Ästhetik auf den Punkt brachte: Das von El_Mocho genannte Zitat stammt von 1951.)

    Bei der nächsten Adorno-Debatte machen wir es besser.

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  30. Chinook schreibt:

    „Ja, Philosophie ist eine strenge Wissenschaft. Und in solchen Wissenschaften gelten bei den Profis bestimmte Regeln, wie gearbeitet wird…Es geht um die Weise, wie an einem Text Kritik geübt wird und nicht darum, daß Kritik geübt wird.“

    Naja, im Grunde geht es für jeden, der sich „philosophisch“ mit Themen auseinandersetzt, um etwas anderes. Ich habe die Philosophie immer als eine Disziplin empfungen, im Rahmen welcher am wenigsten auf die EInhaltung solcher wissenschaftlicher Standards Wert gelegt wird, die allein wissenschaftliche Vergleichbarkeit/Orientierung zu erzeugen vermögen, jedoch keinen gesteigerten Erkenntnisgewinn. Eine der wenigen Bereiche in der universitären Landschaft, wo noch unkonventionell gedacht werden darf, ohne dass jenes direkt Nachteile hervorbringt, zumindest für Studierende. Im Establishment sieht das schon anders aus, klar. Aber selbst da wird von nicht ganz so wenigen mittlerweile eine elitäre Haltung im akademischen Bereich bemängelt. Wie sie ja die vorhergehende Diskussion belegt. Die Philosophie als universitäre Profi-Disziplin hat eigentlich keinerlei Nutzen. Weder gesellschaftlich, politisch, wirtschaftlich, noch in der universitären Landschaft. Sie zirkuliert stark um sich selbst und alle Methodologie verkommt zum Selbstzweck und Abgrenzungskriterium nach Außen – von Hobby-Philosophen. Die können vielelicht auch guten Input liefern, aber haben keine Ahung von der Art und Weise wie man diesen zu liefern hat, damit er erst beachtenswert wird, um wissenschaftliche Vergleichbarkeit zu generieren. Analog zu anderen Disziplinen, wie beispielsweise der Archäologie, um die es auch aktuell mangels Alimentierung zunehmend schlecht steht.
    Der Wert von Philosophie heute besteht, meiner Ansicht nach, nicht darin die Geschichte wissenschaftlicher Methodologie stur zu vermitteln; Texte von irgendwem, der sie evtl. im Rausch blauen Dunstes verfasst hat, nach hermeneutischen Regeln wissenschaftlich wenig angreifbar (auch aufgrund rhetorischer komplexer Konstruktionen) zu interpretieren. Sondern im Gegenteil darin, größere Fragestellungen aufzuwerfen, unvoreingenommen und vor allem intersisziplinär heranzugehen, und dadurch an Philosophie Interessierte zu Input zu motivieren. Insbesondere in aktuellen akademischen Strukturen Unkonventionalität zu fördern und Transferleistungen herauszufordern.
    Eine Philosophie, die in „geschlossenen Zirtkeln“ stattfindet, in der methodologische und hermeneutische Themen die Richtung bestimmen, braucht kein Mensch.
    Amüsant an der Philosophie ist doch der Gegensatz zwischen den Personen, deren Texte heute interpretiert werden und (teilweise) denen, die deren Werke heute interpretieren.

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  31. Chinook schreibt:

    „Das ist wohl die endgültige Bankrotterklärung der Philosophie (zumindest dieser Richtung). Was kann man tun? Nichts, jede mögliche Handlung ist falsch, genauso wie nicht handeln. Lediglich das Lamentieren über diesen ausweglosen Zustand scheint noch möglich.“

    Kommt auf die Perspektive an. Zunächst, es gibt eine ganze Menge an Konstellationen in denen es tatsächlich nicht den goldenen Ausweg, die „gute“ Alternative gibt. Aber sich dessen bewußt zu sein, kann andere, alternative Handlungsoptionen ermöglichen. Sich einer Situation bewußt zu sein, ermöglicht doch oft erst eine Erkenntnis, die Grundlage dafür ist Kontrolle über individuelle Entscheidungen und das eigene Leben zu übernehmen, oder wiederzuerlangen. Insofern sehe ich obiges Zitat keineswegs als Bankrotterklärung. Was der Autor damit genau gemeint hat, ist vollkommen irrelevant, da heute auch nichtmehr nachzuprüfen, egal wie wissenschaftlich man da rangeht. Ob er es im Opiumrausch geschrieben hat, 14 Bier intus hatte etc. Der Wert liegt nicht im Zitat an sich, sondern in der geistigen Leistung die Menschen heute einsetzen, um sich mit dem Zitat zu beschäftigen. Vor allem dem Erkenntnisgewinn den diese daraus ziehen. Meiner Ansicht nach geht es bei philosophischen Fragestellungen nicht darum, den Heiligen Gral, die ultimative Lösung zu finden, sondern darum, daß man lernt zu „philosophieren“. Also sich Gedanken über gewisse Situationen und Sachverhalte zu machen, sich dieser bewußt zu werden. Das kann individuell ganz unterschiedliche Bewertungen hervorbringen, und ob die dann vom methodologisch/hermeneutischen Philosophie-Establishment für voll genommen werden? Ich kann mir nichts vorstellen, was bei solcherlei Fragestellungen noch irrelevanter wäre. „Philosophiegelehrte“ werden heute vom Plebs finanziert, und so langsam sollten sie sich mal Gedanken darüber machen, wie sie von Nutzen sein könnten.

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  32. Bersarin schreibt:

    @ Chinook

    Es läßt sich natürlich auf unterschiedliche Weise Philosophie betreiben. Beim Umgang mit Texten jedoch gibt einige basale Dinge, die z.B. die Argumentation betreffen. Ich kann nicht mit Behauptungen eine These widerlegen, sondern muß es am Text belegen, weshalb meine Gegenthese stimmig und wahr ist. Wenn es Regeln gibt, so muß man dazu immer den besonderen Fall nennen, wo jene Regeln gelten. Zu unterteilen ist die Philosophie zudem in einen akademischen und einen nicht-akademischen Bereich. Sie arbeiten und wirken unterschiedlich. Beide haben ihre Berechtigung.

    Wer Philosophie auf ihre Nützlichkeit hin bemißt, steht in einem befremdlichen Verhältnis zu ihr, befindet sich nicht drinnen, sondern weit außerhalb der Philosophie. Da mag einer noch so viel behaupten, er philosophiere gerade. Nur weil ich mit einem Skalpell umgehen kann, bin ich noch lange kein Chirurg.

    Zu Deiner Argumentationsweise: „Die Philosophie als universitäre Profi-Disziplin hat eigentlich keinerlei Nutzen.“ Wenn wir Dinge nach ihrem Nutzen beurteilen, dann benötigen wir vieles nicht mehr. Alte Menschen haben keinen Nutzen, Hartz IVer und Asylanten, die mit nichts im Gepäck als ihrem Leben kommen, nützen nichts, und auch Briefmarkensammeln oder vögeln, ohne dabei Kinder zu erzeugen, hat keinen Nutzen. Wer nach dem Diktat des Nutzens mißt, bewegt sich in gefährlichen Gewässern. Zumal im Akademischen der Nutzen von so manchem Nutzlosen sich hinterher umso mehr erwies. (Zumindest in Eurer eigentümlichen Verwertungslogik gedacht, die Zweckfreiheit nicht zu kennen scheint, was mehr als traurig ist. Und zwar weniger für mich, mir ist das wurscht, sondern vielmehr für Euch selber).

    Zudem: wer ist die Instanz, die den Nutzen festlegt? (Übrigens ebenfalls eine sowohl akademische als auch alltagsphilosophische Frage. Stichwort Utilitarismus.) Bist Du es, Chinook, der bestimmt, was nützlich gut und richtig ist? Wohl kaum, denn mit Fug und Recht läßt sich ebenso das Gegenteil von dem, was Du sagst, behaupten. Ist es die Gesellschaft? Dann können auch Progrome erlaubt sein, sofern sie für eine Gesellschaft Nutzen haben. Diejenigen, die utilitaristisch argumentieren, betreiben mittels ihrer Argumente lediglich ihre eigene Abschaffung, denn auch der Utilitarist ist bloß ein weiterer unnützer Esser und Schwätzer am Tisch. Nur wer ernsthaft arbeitet, soll essen. Das wußte schon Stalin. Und Ihr, die Ihr beständig nach dem Nutzen fragt: Überlegt Euch mal Euren eigenen Nutzen. Ist der wirklich so hoch anzusetzen oder seid Ihr nicht vielmehr Entbehrliche und gehört zu den Viel-zu-Vielen, die wegmüssen?

    Übrigens: Wer die Geschichte seines eigenen Faches nicht kennt, der begreift sein eigenes Fach ebenso wenig in den aktuellen Ausprägungen und Debatten, und er läuft zudem Gefahr, den Nordpol zum zweiten Mal zu entdecken. Diese Kenntnis bedeutet noch lange nicht, stur und staubtrocken wie in den Akademien zu verfahren und nur das Alte gelten zu lassen. Dennoch ist für manche Positionen, insbesondere in der Textexegese und der Interpretation von Texten einiges an Vorwissen und weitreichende Textkenntnis nötig. Zumindest in der akademischen Philosophie. Und wie bereits mehrfach geschrieben: Auch das Alltagsphilosophieren heißt nicht, einfach draufloszureden, wenngleich die Prozesse dort schon etwas anders ablaufen.

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  33. El_Mocho schreibt:

    „wer ist die Instanz, die den Nutzen festlegt?“

    Es ist die staatliche Wissenschafts- und Kultusbürokratie, die über die Verwendung der entsprechenden Steuergelder entscheidet. Und wer auf die enstprechenden Posten zu gelangt, hängt im wesentlichen vom Parteibuch und persönlichen Beziehungen ab. Warum sonst gibt es immer mehr Lehrstühle für „Genderwissenschaft“, während gleichzeitig bei naturwissenschaftlicher Grundlagenforschung gestrichen wird?

    Über die Nützlichkeit von Philosophie will ich garnicht streiten, ich sehe nur nicht recht ein, warum ich dafür Steuern zahlen soll, dass irgendwelche Leute für ein Professorengehalt ihrem Steckenpferd nachgehen können.

    Übrigens: „Ich kann nicht mit Behauptungen eine These widerlegen, sondern muß es am Text belegen, weshalb meine Gegenthese stimmig und wahr ist.“

    Vielleicht könntest du das mal anhand des von mir zitierten Adorno-Textes durchführen. Der bloße Verweis auf Auschwitz ist ja so pralle nicht. Was hat Adorno zur Verhinderung von Auschwitz geleistet (außer rumzujammern)? Und was tragen seine Texte dazu bei, eine Wiederholung zu verhindern?

    Nichts.

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  34. genova68 schreibt:

    Es ist wirklich respektabel, El Mocho, dass du auf Provokationen nicht eingehst,auch auf unerträgliche wie die mit dem Auschwitz-Bezug nicht. Ich hätte damit Probleme. Das jetzt mal unabhängig von deiner inhaltlichen Linie.

    Bist du auch Neumondschein? (Ich habe das schon einmal gefragt, die Antwort aber wieder vergessen.)

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  35. El_Mocho schreibt:

    Nein, den kenne ich nicht.

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  36. Bersarin schreibt:

    Nein, Du hast recht El_Mocho. Nach den deutschen Verbrechen kann man ruhig so weitermachen, wie bisher. Da ist diese Textstelle von Adorno doch die reinste Nestbeschmutzung und immer so negativ, anstatt nun aufzubauen. Weshalb sollte man nach Auschwitz auch umdenken? Zumal in den Nachkriegsjahren bewährte Antifaschisten wie Filbinger, Kiesinger, Globke, Gehlen, Carstens in der BRD dafür sorgten, daß es so etwas wie den Faschismus nie wieder geben dürfe und insbesondere die Philosophie Heideggers beschäftigte sich ohne Unterlaß mit der deutschen Vergangenheit und betrieb Ursachenforschung.

    Und dann kommt so ein hergelaufener Jude wie Adorno und mault auch noch rum, will uns das, was wir mit unser aller Hände und in trauter Volksgemeinschaft aufgebaut haben, madig machen. Was für ein Nestbeschmutzer, nicht wahr El_Mocho und Genova? Am besten es bleibt alles so, wie es ist, im Denken, in der Kultur und der Deutschen Aufbauarbeit (Hier kommt the Wirtschaftswunder …, das deutsche Wirtschaftswunder) und die Philosophie macht da weiter, wo sie 1933 aufhörte und auch die Kunst und das, was so vollmundig Kultur genannt wird.

    Das schlimme ist, El_Mocho, daß Du mir mit Deinem ganz bewußt inszenierten Dämlacktum die Zeit stiehlst. Trollen nennt man so etwas übrigens. Du bist nicht an eine Auseinandersetzung mit Adorno interessiert, sondern Du willst hier und anderswo Dein biologistisches Sarrazin-Welbild loswerden. Deshalb Deine Pseudoeinwände.

    Hättest Du übrigens die „Negative Dialektik“ gelesen, dann würdest Du nicht behaupten, daß jede mögliche Handlung und jedes Denken falsch ist. Adorno spricht in der ND von Modellen. Aber ich habe eigentlich keine Lust, diese Aspekte zu Adorno in diesem Blog auszuführen. Da ist mir der Platz zu schade, und die Leserinnen und Leser habe ich denn doch lieber auf meinem Blog, wo ich ab Mitte der nächsten Woche zu den „Minima Moralia“ und zum richtigen Leben im falschen, das es nun einmal nicht im Modus eins zu eins gibt, weitermache.

    Und genova: Wer so wie El_Mocho schreibt und Agitation betreibt, der muß sich dann auch bestimmte Positionen zurechnen lassen. So wie ich seine Sätze lese, scheint es nicht weiter von Wichtigkeit zu sein, sich mit so einer Petitesse wie Auschwitz in der Philosophie abzugeben. Aber vielleicht kann mir ja Genova all die westdeutschen Philosophen nennen, die sich nach 1945 mit Auschwitz und Faschismus auseinandersetzten.

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  37. Bersarin schreibt:

    Zumal es die Methode der Nazis ist, denen, die emigrieren mußten, wie Adorno, vorzuwerfen, daß sie nichts getan haben. Außer herumzujammern natürlich. Der ewig jammernde Jude. Wer in den Lagern der Deutschen Faschisten umgebracht wurde, hat am Ende selber schuld. Die Menschen hätten sich schließlich wehren können.

    Vielleicht hätten jedoch besser die Deutschen, die sich als Volksgemeinschaft bezeichneten, gegen den Faschismus etwas getan.Und nicht die, welche dann umgebracht wurden. Hier aber werden sowohl Ursache und Wirkung als auch die Beweislast von El_Mocho umgekehrt. Der Jude hat sich zu rechtfertigen dafür, daß er überlebte. DAS ist NS-Propaganda in Reinform, wie sie nach 45 von denen, die dann angeblich nie mitgemacht haben und in der inneren Emigration wirkten, betrieben wurde. Unterste Schublade solche Argumente.

    Im übrigen tummeln sich solche NPD-Trolle mit ganz ähnlichen Argumenten auch in den SpOn-Foren herum.

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  38. genova68 schreibt:

    Halten wir fest: Ich bin Nazi, Mocho ist Nazi und Befürworter der Endlösung. Schön, dass wir das geklärt haben. So ähnlich lief es seinerzeit bei Momorulez.

    Ich schließe mich der Argumentation von Mocho ausdrücklich nicht an, aber diese Verunglimpfungen wären eine psychologische Untersuchung wert. Meine sicher auch.

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  39. Bersarin schreibt:

    „Der bloße Verweis auf Auschwitz ist ja so pralle nicht. Was hat Adorno zur Verhinderung von Auschwitz geleistet (außer rumzujammern)?“ Dazu soviel: Adorno mußte Deutschland verlassen, ansonsten wäre er ermordet worden. Was, Genova, ist an der Zielrichtung von El_Mochos Satz so schwierig zu verstehen? Müssen sich die rechtfertigen, die emigrierten? Oder nicht vielmehr die, welche Menschen ermordeten? Eine Frage, die auch Du sicherlich beantworten kannst. Also? Wie verhält es sich hier? Oder habe ich diesen Satz von Willy_Sarrazin_Mocho, unserem Survivaler of the fitest, irgendwie falsch im Zitat wiedergegeben? Und komm mir bitte nicht mit Deiner immer wieder ins Spiel gebrachten Entschärfung, daß dies nur ein Satz in einem Blog sei: das müsse man nicht so genau nehmen. Du nimmst zwar vieles nicht genau. Aber in diesem Punkt möchte ich denn doch auf dem Wortsinn beharren: „Was hat Adorno zur Verhinderung von Auschwitz geleistet (außer rumzujammern)?“ Interessante Fragen an einen Juden, sehr spannend.

    Und noch mal im Klartext als Frage an Dich Gevova: Müssen sich die rechtfertigen, die emigrierten? Oder sollten wir nicht besser die Täter und Mitläufer über ihr Tun befragen?

    Und kannst Du mir zum Abschluß erklären, was Dir an Adornos Kritik an einer Kultur nach Auschwitz nicht gefällt? Da Du empfänglich für einfache Sätze und Gedanken bist, wirst Du dies sicherlich in einfachen Sätzen und Gedanken darlegen können, weshalb es nach 1945 nicht sinnvoll ist, diese Fragen zum Thema zu machen. Also, leg mal los, Genova!

    Du bist auf keine meiner Ausführungen zu jenem Satz „Der bloße Verweis auf Auschwitz ist ja so pralle nicht. Was hat Adorno zur Verhinderung von Auschwitz geleistet (außer rumzujammern)?“ eingegangen. Es würde mich schon interessieren, weshalb Du diesen Satz so fein ausspartest.

    Ansonsten kannst Du Dir Dein ganzes linksliberales Geseiere hier im Blog zu den Asylanten in Berlin, zur SPD, zu Hartz IV et al. sparen. Du bist lediglich ein linker Poser, weil es gerade schick ist, links zu posen. Mehr nicht.

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  40. Chinook schreibt:

    Ich hab mich doch ganz klar ausgedrückt, aber ich fasse gerne zusammen.
    Eine Philosophie als universitäre Profi-Disziplin, die um sich selbst kreist, in abgeschlossenen Zirkeln stattfindet und sich von Außen abschottet, hat keinerlei Nutzen in vorher genannten Bereichen. Und so sehe ich den aktuellen Zustand der Philosophie als universitäre Disziplin. Welchen Nutzen hat eine so geartete Disziplin denn, für Diejenigen außerhalb des Elfenbeinturms? Briefmarkensammeln und Vögeln führen zu individuellem Lustgewinn und Bedürfnisbefriedigung. Insofern ein sehr guter Vergleich. Das tut die universitäre Philosophie auch, allerdings eher bei Angestellten der Universität, in der philosophischen Fakultät. Aber Privatveranstaltungen sollten ihren Nutzen durchaus hinterfragen, vor allem aus dem Innern, wenn sie kollektiv alimentiert werden. Und es ist doch nicht so, als sähen nicht immer mehr aus diesem Innern da nicht eine gewisse Krise. Abgrenzung und elitäres Gehabe sehe ich da mehr als Reaktion, denn als Ursache. Wobei viel komplexes philosophisches Geschwafel heute wie damals der Ursache geschuldet ist, daß bei manchen der philosophische Ehrgeiz das logische Talent bei weitem übersteigt.
    Aber zu hart will ich gar nicht sein. Ich denke, daß Philosophie als Fach viele Menschen anzieht, die eher unkonventionell Denken und das darin Potenzial liegt, welches sich gerade im aktuellen akademischen Betrieb erfrischend ausnimmt.

    Ihre Konstruktion von anderen, im Rahmen ihrer Argumentation ebenfalls nutzlosen Dingen, welche wohl die Frage nach dem Nutzen der Philosophie negierten, die Aussicht auf einen jetzt noch nicht sichtbaren (aber zukünfitg eventuellen) Nutzen und letzlich der ultimative Verweis auf sinnliche Zweckfreiheit, läßt in mir die Vermutung erwachsen, daß Sie sich dieser Krise durchaus bewußt sind. Sonst würden Sie kaum auf die Art und Weise argumentieren. Da scheinen philosophische Kenntnisse nicht weiterzuhelfen, die Argumentation bei Altsprachlern, Archäologen, Philosophen etc., verläuft in dieser Hinsicht doch immer ähnlich. Erstens kann man das eigene Steckenpferd nicht nach Nutzen bemessen. Zweitens, wer macht das (die Frage ist immer schnell beantwortet). Drittens, es wird für allerhand andern „Mist“ auch Geld ausgegeben. Viertens, „man“ muß auch die „schönen Künste“ fördern, weil es Vielfalt erzeugt – die einen Wert an sich darstellt (inwiefern ein Elfenbeinturm ohne Ausstrahlung das vermag?).
    Wie wäre es, wenn Angestellte philosophischer Fakultäten einfach den Nutzen ihrer Disziplin klar herausstellten? Man kann auch mit einem so hoch erhobenen Kopf auf steigendes Wasser warten, daß man eben hochnäsig untergeht.

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  41. Chinook schreibt:

    „und der Interpretation von Texten einiges an Vorwissen und weitreichende Textkenntnis nötig.“

    Und wenn man das methodisch korrekt macht ist das Ergebnis deckungsgleich mit der Intention des Autors? Oder einfach wissenschaftlich korrekt generiert?

    „Ich kann nicht mit Behauptungen eine These widerlegen, sondern muß es am Text belegen, weshalb meine Gegenthese stimmig und wahr ist.”

    Stimmig und wahr sind zwei ziemlich unterschiedliche paar Schuh. Wenn man Regeln auf einen Text anwendet, erhält man eine gewisse Grundlage interpretativer Möglichkeiten, unter bestimmten Annahmen. Nicht mehr, nicht weniger. Ich finde die Frage, was jemand der etwas verfasst hat, zu einem bestimmten Zeitpunkt und in einer spezifischen Situation gemeint hat, ziemlich müßig. Es ist auch irrelevant. Wichtig ist, wie es heute von verschiedenen Seiten interpretiert wird und welche Erkenntnisse sich aus gegensätzlichen Positionen/Interpretationen warum ergeben. Um gut zu interpretieren braucht es keinen ausgebildeten Philosophen mit methodischen Kenntnissen. Wissenschaftlichkeit generiert in dem Bereich Vergleichbarkeit und Orientierung, keine Wahrheit.
    Ich finde es aktuell wahnsinnig amüsant, daß Precht für die Philosophie in Deutschland mehr getan hat, als alle Professoren der letzten 30 Jahre zusammengenommen. Das ist schon urkomisch.

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  42. Chinook schreibt:

    „Überlegt Euch mal Euren eigenen Nutzen. Ist der wirklich so hoch anzusetzen oder seid Ihr nicht vielmehr Entbehrliche“

    Jeder ist entbehrlich. Der Unterschied liegt nur im Aufwand ihn zu ersetzen, welcher niemals wirklich hoch ist.

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  43. genova68 schreibt:

    Bersarin, du nimmst so langsam wirklich Züge von Momorulez an. Was soll der Quatsch? Was sollen diese Versuche, Menschen ihre Identität abzusprechen? Überlasse das doch verbohrten Leuten wie denen der Lantzsch-Fraktion.

    Wir sind uns, denke ich, zumindest dahingehend ähnlich, dass wir es öfter mal übertreiben mit der sogenannten Argumentation, das hat vermutlich persönliche Gründe. Das macht der Mocho nicht, das hat er uns tatsächlich voraus. Der von dir jetzt angesprochene Sachverhalt zeigt das. Wenn der mit ähnlichen Kalibern zurückschösse gäbe es hier den Super-GAU.

    Ich verstehe deine Kritik an ihm, mir ist das auch viel zu pseudonutzenorientiert. Mocho ist vermutlich ein Naturwissenschaftler, der von dem Trip nicht runterkommt, der die Rechtfertigung seines technizistischen Weltbildes sucht und nicht findet und sich desalb hier abarbeitet. Aber es ist doch nett, dass er sich überhaupt mit Adorno ein wenig beschäftigt und er hat ja, offensichtlich, mit seinem Vorwurf, dass Linke Adorno nutzen, um sich persönlich aufzuwerten, nicht ganz unrecht.

    Und, ganz wichtig, es geht bei Texten, bei Kommunikation, gerade bei schriftlicher, um den Versuch des Verstehens. Wenn dieser Wille nicht da ist, wird es nichts. Momorulez ist genau daran gescheitert: Der Wille war, falsch zu verstehen, um ein Feindbild aufrechtzuerhalten, das seinerzeit ich war, neben anderen.

    Konkret zum Satz von Mocho:

    Was hat Adorno zur Verhinderung von Auschwitz geleistet (außer rumzujammern)? Und was tragen seine Texte dazu bei, eine Wiederholung zu verhindern?

    Kein Problem, sich über den Satz ordentlich zu empören, zumal auch eine Portion Dummheit drin steckt: Was hätte Adorno in den Zwanzigern denn tun sollen, um Auschwitz, um die Nazis zu verhindern? Das ist natürlich Blödsinn.

    Sieh es als einen gehörigen und vielleicht typisch naturwissenschaftlerischen Mangel an Empathie an. Aber davon kann man bei dem Satz doch absehen, und dann bleibt stehen: Was bringt diese Theorie in der Praxis? Kann sie ihren Anspruch erfüllen? Kann sich etwas bessern? Die Kritische Theorie ist nie nur Theorie, es geht immer ums Reale, insofern ist die Frage berechtigt. Es geht auch ums Ganze. So wie sich Adorno aus guten Gründen aus 68 zurückzog und ernsthaft von Linksfaschisten redete, so kann man auch fragen, ob er sich nicht konstruktiver hätte verhalten können: Kritisieren, aber seine Rolle als Leitfigur anders gebrauchen. Horkheimer und Marcuse haben das sicher auch anders gesehen als Adorno, die haben sich in die Höhle des Löwen gewagt und selbst Akzente gesetzt. Vielleicht hätten die damals mit ihm zusamem wirkunsmächtiger werden können. Adorno aber war verschreckt wegen ein paar Brüsten. Das macht ihn sympathisch, aber das kann man kritisieren. Adorno war kein kleiner Blogger. Und man kann dem späten Adorno auch vorwerfen, dass er selbst in komplett abegesicherten Verhältnissen lebte, die keine persönliche Notwendigkeit einer Veränderung sahen. So kann man sich locker in den Elfenbeinturm zurückziehen und weiter über die Schlechtigkeit der Welt schreiben.

    In diese Richtung könnte man argumentieren oder auch anders. Aber warum mit dem massivsten Geschütz kommen, das einem überhaupt zur Verfügung steht? Die Juden sind selbst schuld? Endlösung?

    Gerade Blogs bieten doch die Möglichkeit, Grenzen zu testen. Hier schreibt nicht der Bundespräsident, in dieser Funktion ginge das hier alles überhaupt nicht. Die moralische Empörung, die dazu dient, den Anderen komplett zu diskreditieren, kann Erkenntnis verhindern.

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  44. Bersarin schreibt:

    Am Aufwand Deiner Darstellung gemessen, chinook, scheinst Du Dir nicht allzu sicher zu sein, daß die (akademische) Philosophie so nutzlos ist, wie Du behauptest. Die akademische Philosophie ist ebenso nützlich oder eben: nutzlos wie Physik und Mathematik für eine Gesellschaft von Nutzen sind. Frag mal jemanden aus einem Slum in Indien oder Brasilien, ob er Teilchenphysik oder Raumfahrt benötigt. Wer lediglich in den Kategorien des Nutzens denkt, schafft sich am Ende selber ab. So einfach ist das. Und wer jede Tätigkeit bloß auf ihren Zweck hin bemißt, führt am Ende ein recht unglückliches und armes Leben. Wenn Du schon in der Kategorie des Nutzens denkst: Nutzen ist zudem ein relationaler Begriff.

    Philosophieren ist eine zweckfreie Tätigkeit. Und manchmal ist sie sogar ganz und gar nutzlos. Sie erfordert Zeit und Muße. Zudem zeugt es von wenig Differenzierungsvermögen, akademische Philosophie und die Alltagsphilosophie gegeneinander auszuspielen, denn beide haben in ihrer Weise und in ihren Bezirken ihre Berechtigung. Interessant scheint es mir allerdings, daß das Bedürfnis nach Philosophie gewachsen ist, und zwar nach einer solche, die nicht nur Lebenshilfe sein will. Dies zeigen auch die seit etwa einem Jahr auf dem Markt sich positionierenden Philosophiemagazine wie „Hohe Luft“. Ich habe nichts gegen Herrn Precht, allerdings lese ich ihn auch nicht, weil meine Basis eine ganz andere ist. Was er macht, kann man so machen. Aber man muß es nicht.

    In jeder Wissenschaft gibt es eine hermetischen Gehalt und Abschottung nach außen. Oder meinst Du, daß die Mathematik mit ihren Problemen lustig ihre Theorien auf der Straße austrägtIch denke eher nicht.

    „Ich finde die Frage, was jemand der etwas verfasst hat, zu einem bestimmten Zeitpunkt und in einer spezifischen Situation gemeint hat, ziemlich müßig. Es ist auch irrelevant.“

    Was jemand gemeint haben mag, ist in der Tat nicht von allzu großer Bedeutung, weil es ein Meinen ist. Anders verhält es sich aber mit dem Gehalt eines Textes. Hier spielen die Umstände, in denen er geschrieben wurde, natürlich eine Rolle. Denn es macht einen Unterschied, ob Kafka seine Texte 1613 oder 1913 geschrieben hat und ob Thomas von Aquin im Mittelalter oder in der Neuzeit schrieb. Mit Verlaub: eine solche Sicht ist einfach nur Unsinn und zeugt von wenig Sachkenntnis.

    Es gibt keine freischwebenden Texte, die immerzu da sind und es gibt ebenso wenig Texte, die immer nur auf die Gegenwart und auf die Leser hin zu applizieren sind. Für jeden Text, für jedes Kunstwerk sind auch die Umstände ihrer Entstehung bedeutsam. Deine Position ist eine rein funktionalistische. Und damit liegst Du aus vielfältigen Gründen falsch. Zumal Du und auch sonst niemand wird beurteilen können, welches Denken, das heute als irrelevant gilt, zu anderer Zeit höchst bedeutsam werden kann. Spinozas Ethik oder Aristoteles‘ „Metaphysik“ entfalten immer wieder, je nach den Umständen, andere Lesarten. Und es schadet einer Philosophie, einem Philosophen nicht, auch ältere Interpretationen und Lesarten solcher Texte zu kennen – mithin die Geschichte des Faches. Wer nach dem guten Leben fragt, kann womöglich in Spinozas Ethik Überraschendes finden. Nur erfordert die Lektüre ein wenig Leseübung. Insofern ist Philosophie – auch – eine Übungs- und Trainingsdisziplin: Nämlich Texte und Sachverhalte von hochkomplexer Natur sichten und ordnen zu können. Akademische Philosophie ist eine Ausbildung im Denken. (Das kann man ihren Nutzen nennen, wenn man es so betreibt, wie Du es machst.) Zudem ist Philosophie die Arbeit des Begriffes.

    Richtig ist allerdings, daß in bestimmten Kreisen der akademischen Philosophie eine gewisse Selbstbezüglichkeit herrscht, wo Fragen um des Kaisers Bart oder seine neuen Kleider debattiert werden, und wo sich gegenseitig die Stellen zugeschoben werden. Aber dieses kleinteilige Denken gilt eben nicht für die gesamte akademische Philosophie. Es hängt sehr von ihren Lehrern ab. Hier in Berlin waren Herbert Schnädelbach, Volker Gerhardt und andere herausragende Lehrer, die auf spannende und instruktive Weise ihren Studentinnen und Studenten die Philosophie beibrachten. Und auch in Jena herrschte ein anregende Atmosphäre Und noch einmal wiederholt: Wer seine eigene Geschichte, die Geschichte seines Faches nicht begreift, bemerkt nicht, wenn er den Nordpol zum zweiten Mal entdeckt. Leicht verfällt man dann einer gewissen Lächerlichkeit.

    Stimmig und wahr sind zwei Paar Schuhe: sehr gut und sehr richtig erkannt. So ist es in der Philosophie! Eine These kann stimmig sein, in einer ästhetischen Weise sogar gut gebaut und tricky, interessant und das Denken anregend, aber sie muß deshalb noch lange nicht wahr sein.

    Wer kompetent, anregend und doch auf einer Stufe, die auch für Laien verständlich ist, etwas zur Philosophie lesen will, der nehme sich Herbert Schnädelbachs kürzlich erschienenes Buch „Was Philosophen wissen und was man von ihnen lernen kann“ vor. Es räumt mit vielen Deiner Vorurteile auf, chinook.

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  45. Bersarin schreibt:

    @ genova
    „Aber warum mit dem massivsten Geschütz kommen, das einem überhaupt zur Verfügung steht? Die Juden sind selbst schuld? Endlösung?“
    Weil’s so in dem Satz von El_Mocho steht und weil der Satz genau diese Lesart impliziert:

    „Der bloße Verweis auf Auschwitz ist ja so pralle nicht. Was hat Adorno zur Verhinderung von Auschwitz geleistet (außer rumzujammern)? Und was tragen seine Texte dazu bei, eine Wiederholung zu verhindern?“

    Was hat jemand wie Adorno, der nun einmal Jude war, zur Verhinderung von Auschwitz geleistet? Ja, was hätte er leisten können? Sollte die Frage nicht vielmehr lauten: Was haben Millionen von Deutschen zur Verhinderung des Holocaust, der Endlösung, der Massenvernichtung beigetragen? Diese Fragerichtung scheint mir sinnvoller. Was Adorno getan hat? Er legte einen Finger in die Wunde. Daß diese weiterhin offen klafft und der Schoß fruchtbar noch, das zeigen solche Reaktionen wie die von El_Mocho.

    Ja, es geht um die Wirkung von Theorien und auch darum, welche Bereiche sie erfassen und abdecken, und da kann man natürlich mit Adorno über Adorno hinausgehen. Und es geht zudem in solchen Perspektiven, die auf eine Veränderung der Gesellschaft im ganzen aus sind und die nicht partial wie die SPD oder die Grünen wirken wollen, um das Verhältnis von Theorie und Praxis. Adorno stellt ja in verschiedenen Texten durchaus Modelle eines Denkens, das mit Praxis zusammengeht, her: nur läßt sich Adorno nicht auf die pure unmittelbare Praxis revolutionärer Aktion oder auf Handlungsanweisungen vereidigen, weil in einem solch komplexen System Veränderungen nur schwierig möglich sind. Vorschläge wie: „Umverteilen, Steuern ändern“ sind denn doch etwas zu simpel gestrickt, will mir scheinen.

    Für die protestierenden Studenten hegte Adorno durchaus Sympathie. Ihren Umgang mit den USA teilten sowohl Adorno als auch Horkheimer nicht.

    Der Vorwurf des Linksfaschismus kommt übrigens nicht von Adorno, sondern das war Habermas. Horkheimer hat sich am Ende immer mehr in Schopenhauer und die Theologie zurückgezogen. Adorno Philosophie war zu dieser Zeit der 60er Jahre die bei weitem avancierteste. Einzige interessante Gegenfigur zu Adorno – im Sinne der Kritischen Theorie – war in der Tat Marcuse. Der allerdings in den USA weilte und sich in einer nochmal ganz anderen Situation als Adorno befand. Sicherlich lag bei Marcuse das Gewicht mehr auf einer eingreifenden und verändernden Perspektive, die auf Praxis fußt. Aber es gibt nun einmal keine Praxis ohne Theorie, wenn man die Gegenwart begreifen will, und es hat durchaus Gründe, daß eines von Adornos Büchern „Eingriffe“ hieß. Damit sind sicherlich keine medizinischen gemeint. Und auch keine kosmetischen Operationen am Schundsystem Kapitalismus.

    Wenn Du Dich mit Adorno befassen willst und ein wenig Zeit hast, so ist die Biographie im Suhrkamp Verlag von Stefan Müller-Doohm im großen und ganzen lesenswert. Kritisch zwar, aber nicht niedermachend. Leserin und Leser erfahren zudem einige über das Denken Adornos. Vor allem aber über die zeitgeschichtlichen Hintergründe, in denen Adorno wirkte. Ohne diesen Kontext der politischen Debatten der 20er, 30er Jahre, ohne das Wissen um Monopolkapitalismus, Stalinismus, Faschismus samt einem betriebs- und verwaltungsmäßig organisierten Massenmord an Menschen ist der Text Adornos heute schwierig zu verstehen. Für uns liegen diese Dinge weit zurück. Für Adorno, der sehr sensibel auf das Zeitgeschehen reagierte, war es hoch aktuell. Und zudem erfolgte immer wieder der Selbstvorwurf, den sich fast alle Überlebenden machten: Noch einmal davongekommen zu sein, obwohl man doch eigentlich schon ein Rauch hätte sein müssen, wenn es nach den deutschen Faschisten gegangen wäre.

    Wer sich mit diesem Zeitgeschehen, einer Philosophie, einer Kunst nach Auschwitz ein wenig befaßt hat, so wie ich es tat, der sieht da manches nicht so entspannt. Stichwort: Paul Celan oder Peter Szondi. Und da finde ich es schon interessant, wenn solche Typen wie El_Mocho daherkommen und solche Sätze abfassen. Und die habe nicht ich ihm untergeschoben, so wie Momorulez dies zuweilen macht, indem er interpretiert, sondern die hat El_Mocho selber genau so geschrieben. Und mir fällt dazu keine andere Lesart oder Interpretation ein. Es wurde von ihm in einer ganz bewußt denunziatorischen Absicht so geschrieben, und es wurde die Beweislast umgekehrt: Nicht die, welche töteten und die hinterher weiterwirkten, müssen sich verantworten, sondern Emigranten, die mit dem Leben davonkamen haben sich dafür zu rechtfertigen, daß sie Auschwitz nicht verhinderten. Und da diese Dinge nicht singulär und auch nicht gerade unbedeutend sind, reagiere ich auf Äußerungen von Typen wie El_Mocho entsprechend. Frag doch El_Mocho mal, was er von Asylanten hier in der BRD hält. Und dann siehst Du, woher bei ihm der Wind weht. Klar Pro Deutschland und Sarrazin bezeichnen sich selber auch nicht als als rassistisch, sondern sie sehen sich als Konservative mit dem Brustton: Das muß ja wohl mal gesagt werden dürfen. Und beide argumentieren natürlich rein sachlich. El_Mocho ist einer jener Blogtrolle, die in bestimmten Foren mitmischen und Gegenpropaganda betreiben. An einer sachlichen Auseinandersetzung mit Adorno hat er keinerlei Interesse. Und deshalb bekommt er von mir dort eine übergewatscht, wo es nötig ist. Ich habe ihn lediglich beim Wort genommen, mehr nicht.

    Weiterhin: Adorno und das Umfeld der Kritischen Theorie gehören zu dem, was ich das bessere Deutschland nennen möchte. Viele sind es nicht gewesen. Für die intellektuelle Gründung der BRD spielte diese Denken als zumindest winziges Korrektiv zu Gadamer, Heidegger, Carl Schmitt, Jünger, Jaspers et al. eine nicht zu unterschätzende Rolle. Wenige Soziologen und Theologen fragten nach 1945, wie eigentlich so etwas wie Auschwitz möglich werden konnte. Adornos Studien zum autoritären Charakter sind mittlerweile methodisch eher überholt, aber immerhin beschäftigte er sich auch auf der empirisch-soziologischen Ebene mit diesen Dingen.

    Ich halte eine solche Frage, wie es zu Auschwitz( als pars pro toto genommen) kam, immer noch für philosophisch und gesellschaftspolitisch bedeutsam. Man kann und muß sich dieser Frage auf einer vielfachen Ebene nähern. Eher theoretisch wie Adorno oder doch recht praktisch und lebensnah wie Harald Welzer in seinem Buch „Opa war kein Nazi“.

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  46. Bersarin schreibt:

    „Wenige Soziologen und Theologen …“: es muß heißen: „Wenige Soziologen und Philosophen …“

    Allerdings sollte man darauf achten, daß der Name Auschwitz nicht zu einer Art von negativen Betroffenheitstheologie wird. Genauso wichtig wie die Reflexion auf dieses Geschehen, wäre die Bestrafung und Verurteilung der Täterinnen und Täter gewesen, die in den Lagern die Menschen umbrachte, die denunzierten und mittaten.

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  47. Chinook schreibt:

    „Am Aufwand Deiner Darstellung gemessen, chinook, scheinst Du Dir nicht allzu sicher zu sein, daß die (akademische) Philosophie so nutzlos ist, wie Du behauptest.“

    Ich habe nie behauptet, daß Philosophie nutzlos ist. Ich habe ziemlich deutlich umrissen, in welcher Struktur ich sie für nutzlos halte. Ich bin da aber nicht zu pessimistisch. Wahrscheinlich werden sich gewisse Dinge dadurch auswachsen, daß Professoren in Rente gehen und ein Generationenwechsel stattfindet. Allerdings scheint die Frage, welchen gesellschaftlichen Raum die Disziplin Philosophie einnehmen sollte und kann, auf welche Art sie dies tun könnte/sollte, viele akademische, jüngere Philosophen zu beschäftigen. Und nicht zu unrecht.

    „Frag mal jemanden aus einem Slum in Indien oder Brasilien, ob er Teilchenphysik oder Raumfahrt benötigt.“

    Benötigt er nicht. Wir reden aber nicht von indischen Slums, sondern von der deutschen Hochschullandschaft. Von FuE etc.
    „Die akademische Philosophie ist ebenso nützlich oder eben: nutzlos wie Physik und Mathematik für eine Gesellschaft von Nutzen sind.“
    Das glauben Sie doch selbst nicht. In Physik, Mathematik und vielen anderen Disziplinen wird Forschung betrieben, die für die Wirtschaft wichtig ist und die sich diese auch etwas kosten läßt (die auch ziemlich sicher zeitnah etwas einbringt). Es ist schon ein gewisser Unterschied, ob ein Dozent angestellt wird der die Kosten seiner Stelle plus 150000 Euro im Jahr reinholt, oder ob eine ganze Fakultät „durchgefüttert“ wird. Da können Sie gern der Ansicht sein, daß Ihnen das nicht paßt, aber das ist die Situation. Natürlich ist das ein Milchmädchenvergleich, da Naturwissenschaften ihn immer gewinnen werden. Und keineswegs plädierte ich dafür Fächer wie Philosophie etc. nicht weiter zu fördern. Im Gegenteil. Die Frage ist, wie man dies tut. Als Privatclub von Schwätzern, die sich in rhetorisch komplexen Interpretationen von Texten suhlen, für deren Ergebnisse sich niemand interessiert und die so ihrem privaten Lustgewinn fröhnen, sicher nicht.

    „Zudem zeugt es von wenig Differenzierungsvermögen, akademische Philosophie und die Alltagsphilosophie gegeneinander auszuspielen,“

    Die Grenzen zwischen beiden ziehe ich nicht. Ich versuche nicht sie gegeneinander auszuspielen. Im Gegenteil, eine Annäherung wäre von Nöten.

    „Dies zeigen auch die seit etwa einem Jahr auf dem Markt sich positionierenden Philosophiemagazine wie „Hohe Luft“.“

    Ist doch wunderbar, wenn es gelingt philosophische Themen „öffentlichkeitswirksam“ zu vermitteln. Sagt jedoch rein gar nichts darüber aus, ob es ein gestiegenes Interesse an Philosophie gibt, oder deren Priorität in der Gesellschaft gar signifikant steigt.

    „Philosophieren ist eine zweckfreie Tätigkeit.“

    Nein, das ist die hohe Kunst des Philosophierens; die man sich leisten können muß. Und wenn man von Zweckfreiheit redet, sollte man unterscheiden, inwiefern dies eine individuell erstrebenswerte Art des philosophierens ist – und inwiefern eine kollektive akzeptierte Möglichkeit.

    „In jeder Wissenschaft gibt es eine hermetischen Gehalt und Abschottung nach außen.“

    Absolut, wird natürlich in Zeiten allgemein frei zugänglicher Information auch immer stärker.

    „Denn es macht einen Unterschied, ob Kafka seine Texte 1613 oder 1913 geschrieben hat und ob Thomas von Aquin im Mittelalter oder in der Neuzeit schrieb.“

    Dem hab ich nie widersprochen.

    „Für jeden Text, für jedes Kunstwerk sind auch die Umstände ihrer Entstehung bedeutsam.“

    Ja, natürlich. Und diese werden individuell in verschiedenen Nuancen bewertet, woraus sich sozusagen Annahmen ergeben.

    „Wer nach dem guten Leben fragt, kann womöglich in Spinozas Ethik Überraschendes finden.“

    Man kann in der Beschäftigung mit Texten immer wieder überraschendes entdecken. Auch nicht nur in der Beschäftigung mit „berüchtigten“ Werken westl. Philosophie, sondern mit Werken des Feldes, für welches sich der Leser interessiert.

    „Nämlich Texte und Sachverhalte von hochkomplexer Natur sichten und ordnen zu können.“

    Streichen Sie das „von hochkomplexer Natur“ und ersetzen Sie sichten/ordnen durch individuell argumentativ, schlüssig bewerten, dann sehe ich das ähnlich.

    Den Nutzen von Philosophie als Disziplin, wie sie im Moment ausgeübt wird, konnten Sie allerdings nicht benennen. Das können allerdings die wenigsten, was die Krise der Philosophie ausmacht. Niemand weiß wo es hingeht und niemand weiß, wo es hingehen soll.

    „Akademische Philosophie ist eine Ausbildung im Denken.“

    Sollte es sein, ja. Wie ich schrieb, Philosophie hat großes Potenzial durch die Leute die das Fach anzieht. Wobei ich gespannt bin, wie genau Philosophie im Bachelorsystem funktionieren soll.
    Es wäre wichtig sich nach Außen zu öffnen, präsenter zu sein. Ebenso, sich interdisziplinärer sich zu orientieren. Manche Philosophen lernen Denken, andere akademisches philosophieren. Ein Grundproblem bleibt. Ein Philosophiestudent kann am Ende seiner Ausbildung im schlimmsten Fall labern, im Besten Denken. Aber Absolventen anderer Disziplinen haben meist etwas direkt umsetzbares gelernt.
    Wiederum, ich sehe Potenzial. Aber als Profi-Disziplin auf alten Wegen, die sich mit Themen befasst die niemanden berühren und auf Pfaden, die andere ausgrenzen, sehe ich keinen grünen Zweig.

    „Zudem ist Philosophie die Arbeit des Begriffes.“

    An der Stelle wird es, meiner Ansicht nach, oft bis weit über eine Schmerzgrenze hinaus übertrieben, allerdings weniger von Philosophen.

    „Aber dieses kleinteilige Denken gilt eben nicht für die gesamte akademische Philosophie.“

    Ich halte dieses durchaus noch für insgesamt tonangebend. Aber bevor sich da etwas ändert muß eine Idee bestehen, wohin die Reise gehen soll. Daran hapert es meiner Ansicht nach. Ist auch keine einfache Frage.

    „Es räumt mit vielen Deiner Vorurteile auf, chinook“

    Ich habe kaum Vorurteile bzgl. Philosophie als Disziplin. Ich räume ihr allerdings auch keine Sonderstellung ein.

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  48. Chinook schreibt:

    Schnädelbach? Wenn ich mich für Philosophen interessiere, lese ich in deren Werken.

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  49. Bersarin schreibt:

    Interessant zu sehen, inwiefern Du Nützliches und Nutzloses so frank und frei zu bestimmen Dich anheischig machst. Wenn die Kriterien dafür lediglich der monetäre und wirtschaftliche Nutzen sind, dann hoffe ich nicht, daß Du beruflich Arzt bist und irgendwann über die Notwendigkeit einer Operation entscheiden mußt. Kommen dann die nutzlosen Esser weg und die mit Geld dürfen bleiben? Würde mich schon interessieren, wie Du hier zur Frage des Nutzens stehst.

    Wenn morgen die Philosophen zu Herrschern würden, wie es Plato vorschwebte, wie fiele dann die Bestimmung von nützlich/unnütz aus, welche Hierarchie der Wissenschaft entstünde? Insofern noch einmal: Nutzen ist ein relationaler Begriff. Siehe meine Kritik an einem falsch verstandenen Utilitarismus. Wer rein nach Nutzen kalkuliert, schafft sich am Ende selber ab.

    Übrigens ist eine umfassend verstandene Physik oder Biologie, die mehr sein will als bloßes Fakten- und Fachwissen, ohne Philosophie nicht möglich. Wer nach den Bedingungen der Möglichkeit eines Faches wie Physik fragt (und das ist für die Physik selber durchaus an einigen Stellen erforderlich, wo es darum geht Grenzen zu bestimmen), der macht eben keine Physik mehr. Wer über den Tellerrand seines Faches hinausdenkt und kreativ in der Physik weiterkommen will, der stellt sich diese Fragen. So wie Philosophie sich nicht von anderen Disziplinen abkoppeln, sondern sich da einmischen sollte, wo sie etwas zu sagen hat.

    Nein, den Nutzen der Philosophie kann niemand erkennen oder bestimmen. Und das ist gut so. Ich schrieb es bereits und darauf bist Du in keinem Zuge eingegangen: Es gibt Tätigkeiten, die sind selbstzweckhaft. Es kann ein Seminar oder eine Vorlesung zu Spinozas Ethik unmittelbar und für die wirtschaftliche Effizienz völlig nutzlos sein. Trotzdem handelt es sich dabei womöglich um ein vorzügliches Seminar, das im Denken und Forschen etwas ausrichtet. Philosophie ist eine kreative Tätigkeit. Manchmal wirkt sie so, als wenn zwei oder drei Menschen abends zusammen ausgehen, sich betrinken und an der Nacht berauschen. Es hat dies keinen Nutzen, keinen Zweck, denn am nächsten Morgen, ist man unfähig zu arbeiten und ist unausgeschlafen. Trotzdem bleiben eine Form von Erkenntnis und ein Wissen hängen, das nicht in quantifizierenden Termen festellbar oder mechanisch meßbar ist. So auch ein solches Philosophieseminar, das eine gute Lehrerin, ein guter Lehrer gibt.

    „In Physik, Mathematik und vielen anderen Disziplinen wird Forschung betrieben, die für die Wirtschaft wichtig ist und die sich diese auch etwas kosten läßt (die auch ziemlich sicher zeitnah etwas einbringt).“ Das macht die Philosophie (zumindest teilweise) leider ebenfalls. Oder auf welche Weise glaubst Du, geschieht Unternehmensführung und werden Ideologien und Strategien ausgearbeitet, wie Menschen noch kreativer und selbstverwirklichter werden, um diese Kräfte zum Wohle ihres Unternehmens auszuarbeiten?

    Ja, die Wirtschaft läßt es sich etwas kosten, Einfluß auf die Wissenschaft auszuüben. Nicht der Staat, in dessen Händen die Aufgabe die Bildung eigentlich liegen sollte, fühlt sich zuständig. Drittmitteleintreibung nennt sich das. Deshalb haben die Forschungsergebnisse solcher Projekte vielfach einen schalen Beigeschmack. Es handelt sich nämlich um Auftragsarbeiten, bei denen das Ergebnis (häufig) bereits vorher feststeht. Wenn Google hier in Berlin das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft finanziert und dann eine Forscherin in den Medien über Dinge palavert, die klingen, als kämen, sie nicht aus dem Munde einer Wissenschaftlerin, sondern direkt aus Palo Alto, dann halte ich von solcher Forschung samt der Ergebnisse gar nichts, und es sagt diese Praktik sehr viel über den Stand des Systems Wissenschaft aus. Oder das Kölner EWI, das von Atomstromkonzernen finanziert wird. Ja, was mag da wohl an Forschung herauskommen? Wo kämen wir auch hin, wenn Forschung bzw. Wissenschaft weiterhin unabhängig blieben oder gar die Idee eines zeitraubenden Humboldtschen Bildungsideals aufrechterhalten würde? Das kostet bloß Zeit, nützt der Wirtschaft nichts. Studentinnen und Studenten sollen schnell und effizient durch die Unis getrieben werden. Der von Dir so hochgeschätzte Nutzen ist die Propaganda für dieses System der Waren- und Menschenverwertung.

    Solche Sichtung dieses Phänomens samt Kritik leistet die Philosophie (oder sie sollte es zumindest leisten), sofern sie auf umfassendere, strukturierende Aspekte reflektiert, wie z.B. die mediale Inszenierung von Google samt der Inkoporation der Öffentlichkeit, die Google und andere Konzerne betreiben. Recht gebe ich Dir darin, daß dies in der akademischen Philosophie häufig vernachlässigt wird. Kritiker wie Deleuze, Derrida, Foucault, Agamben, Nancy, Alain Badiou, der eigenwillige Slavoj Žižek oder teils auch Habermas sind nicht unbedingt repräsentativ für den Lehrbetrieb an der Akademie. Trotzdem spiele ich auch hier nicht das eine gegen das andere aus. Das eine ist die kritische Funktion der Philosophie, das andere die Lehre des philosophischen Handwerks. Letzteres ist ein Ausbildungsberuf wie andere auch.

    „Den Nutzen von Philosophie als Disziplin, wie sie im Moment ausgeübt wird, konnten Sie allerdings nicht benennen. Das können allerdings die wenigsten, was die Krise der Philosophie ausmacht.“ Nein, dieses Nicht-Festellbare macht gerade nicht ihre Krise, sondern ihre Stärke aus. Du bringst etwas in Hypothese, was so nicht existiert und Du baust hier einen Pappkameraden in den Diskurs, auf die Du dann relativ simpel schießt. Die Krise der Philosophie ist nicht die von Dir in den Raum projizierte, sondern vielmehr eine andere: daß sie sich allzuoft aus den gesellschaftlichen Diskussionen heraushält und ihre höchste Aufgabe, nämlich den Stachel der Kritik zu tätigen, nicht ausübt. Es geht hierbei nicht um den Nutzen, sondern darum, daß die Philosophie Metadiskurse erzeugt und Systeme unterwandert. Insofern sind Deine Sicht und Dein Blick auf die Philosophie funktionalistisch-simpel gestrickt. Kant bestimmte die Arbeit der Philosophie wie folgt: „Allein der kritische Weg ist noch offen.“

    „Streichen Sie das “von hochkomplexer Natur” und ersetzen Sie sichten/ordnen durch individuell argumentativ, schlüssig bewerten, dann sehe ich das ähnlich.“

    Nein. Die Stelle „von hochkomplexer Natur“ ist eben nicht zu streichen, weil sie wesentlich ist. Auch ein scheinbar relativ einfach zu lesender Text wie die „Meditationen“ von Descartes ist ein komplexes Gebilde. Und bevor jemand über einen philosophischen Text schreibt, Gegenthesen findet oder den Text argumentativ weitertreibt, wird er ihn sichten und (ein)ordnen müssen. Ich fasse dies als „Verstehen“ zusammen: die Argumente des Textes zu sichten und zu ordnen, sie darzustellen, in eine Anordnung oder Struktur zu bringen. Erst wenn es ans Bewerten geht, erfolgt die eigene Argumentation. (Wobei natürlich auch im Verstehen das Eigene und der Eigensinn mitschwingen. Was die Philosophie spannend macht.) So geht das Text-Spiel und nicht anders herum. Ich kann nur eine Sache argumentativ angehen, die ich zuvor auch gesichtet, geordnet und verstanden habe.

    „Schnädelbach? Wenn ich mich für Philosophen interessiere, lese ich in deren Werken.“ Richtig, und wer Philosophie als akademische Disziplin betreibt, der macht in der Regel drei Dinge: Texte lesen, über diese Texte in einem Kreis von einigen oder vielen Menschen diskutieren (Seminare und Arbeitsgruppen), denn ansonsten bleibt die Philosophie eine ziemlich einsame Veranstaltung: man lernt nur im Austausch. Zudem werden Vorlesungen besucht und Vorträge angehört, um sich auf prägnante Weise über den Stand der Forschung oder über bestimmte Sichtweisen zu informieren. Insofern kennt jemand, der in Frankfurt, Hamburg oder Berlin studierte Herbert Schnädelbach (oder andere) und besucht diese Vorlesungen. Zudem brachte ich diese Namen, um Dir zu demonstrieren, daß es in der akademischen Philosophie nicht nur die Ödnis gibt.

    Weshalb sollte die Philosophie eine Sonderstellung haben? Eine solche habe ich ihr niemals eingeräumt. Sie wirkt und arbeitet in ihrem Bezirk. Der freilich sehr umfassend ausfällt In der Pauschalisierung, wie Du über die an Universitäten betriebene Philosophie urteilst, geht Deine Argumentation ins Leere. Es gibt Beispiele für Deine These, und ich kenne diese aus eigener Erfahrung. Aber es gibt zuhauf auch Gegenbeispiele. Siehe oben genannte Namen.) Ich selber habe allerdings am meisten in kleinteiligen Arbeitsgruppen gelernt und gelesen. In Seminaren mit 200 Menschen ist in der Tat keine angemessene Diskussion möglich. Was den Nutzen solcher Veranstaltungen betrifft, gebe ich Dir recht. Hier müssen die Philosophie und ihr akademischer Betrieb reformiert werden, und zwar hin zu wirkungsvollen Kleingruppen, die mit guter fachlicher Anleitung arbeiten. Hierzu gehört, daß Hochschullehrer nicht nur forschen, sondern auch lehren können. In diese Richtung werden Professorenstellen leider viel zu wenig besetzt und es wird die Befähigung zur Lehre kaum abgeprüft. Wie übrigens auch bei deutschen Lehrern, weshalb sich da viele Gurken tummeln, die alles andere besser machen können, als Jugendlichen und Kindern das Lernen samt den Inhalten eines Faches beizubringen. Und leider sind auch viele deutsche Philosophieprofessoren reine Philologen. Dennoch sind, zumindest fürs Verständnis von Texten, auch diese zuweilen nötig.

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  50. Bersarin schreibt:

    Und noch etwas: Ein demokratischer Staat (dieser ist es nicht), der sich das Nutzlose nicht leistet, ist kein Staat in einem emphatischen und umfassenden Sinne, sondern eine bloße Anstalt zur Menschenverwaltung. Die Effekte dieser Politik sehen wir vielfältig. Stichworte: G. Schröder, Hartz IV, Asylpolitik.

    Wie schrieb es der Che in seinem Blog so schön: Am 3. Oktober 1990 haben wir 17 Millionen Wirtschaftsflüchtlinge mühelos aufgenommen. Kaum einer murrte.

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  51. Chinook schreibt:

    „Übrigens ist eine umfassend verstandene Physik oder Biologie, die mehr sein will als bloßes Fakten- und Fachwissen, ohne Philosophie nicht möglich.“

    Überspitzt gedsagt, ohne philosophische Fakultäten jedoch durchaus.

    „Nein, dieses Nicht-Festellbare macht gerade nicht ihre Krise, sondern ihre Stärke aus.“

    Und was genau sind diese Stärken des aktuellen philosophischen Establishments und seiner Struktur. Welche Ausstrahlung gibt es außerhalb des Elfenbeinturmes, in dem Personen wie Sie hocken, deren Steckenpferd Philosophie eben ist, die sich mit Themen befassen die kaum jemanden interessieren und auf eine Art, welche die meisten Menschen eher abstößt?

    „Das macht die Philosophie (zumindest teilweise) leider ebenfalls.“

    Nur nicht besonders erfolgreich. Das ist doch schön, wie Sie sich mit Adorno auseinandersetzen etc. Aber dafür finanziert man doch keine Fakultät.

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  52. Bersarin schreibt:

    Welche Fakultät setzt sich denn Deiner Meinung nach in Kontinuität mit Adorno auseinander? Die würde ich gerne kennenlernen. Ich bitte um Namensnennung. Mit solchen Pauschalisierungen, wie Du es machst, kommen wir nicht weiter. Es gibt nicht die philosophische Fakultät im Singular und die Philosophische Forschung samt Lehre.

    Interessanter als diese Diskussion um den Nutzen akademischer Philosophie ist allerdings die Frage, weshalb Dinge, Menschen, Tätigkeiten lediglich nach ihrem ökonomischen Wert beurteilt und bemessen werden. Vor allem die Frage, was für eine Art von Denken dahintersteckt.

    [Zugegebenermaßen ist diese Frage allerdings rhetorischer Natur.]

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  53. genova68 schreibt:

    Wir sind uns in der Beurteilung des Satzes von Mocho wohl einig, ich wollte nur eine andere Lesart zeigen bzw. einen Quatschsatz einfach übergehen. Das kann man tun oder auch lassen. Ich denke aber, die Hürde für Urteile, die mit Auschwitz in Verbindung stehen, sollte hoch sein. Wie ich das Geschriebene von Mocho verstehe, wenn ich gerade gutmütig bin, habe ich oben dargelegt.

    Müller-Doohm habe ich vor ein paar Jahren gelesen. Der Einwand von Mocho ist damit aber nicht aus der Welt geschafft. Es geht der Kritischen Theorie in der Theorie sehr um Praxis, insofern stellt sich die Frage nach der Wirksamkeit in der Theorie in der Praxis. Und die Praxis bemisst sich an dem, was ist. Absurd ist es, daraus eine Schuld von Adorno und anderen Protagonisten abzuleiten.

    Schnädelbach hat sich, nebenbei und wenn ich das richtig in Erinnerung habe, Ende der 90er, als er die Uni verließ, komplett von der Kritischen Theorie losgesagt. Ich war seinerzeit in einem Vortrag von ihm an der HU, der hat Adorno und Co. in die Tonne gehauen und sich selbst ein lebenslanges Scheitern diesebezüglich attestiert. Ich weiß aber nicht mehr die konkrete Argumentation, er redete auch viel zu schnell. Ich weiß auch nicht, ob das irgendwo schriftlich niedergelegt ist.

    Chinook,

    “Die akademische Philosophie ist ebenso nützlich oder eben: nutzlos wie Physik und Mathematik für eine Gesellschaft von Nutzen sind.”
    Das glauben Sie doch selbst nicht. In Physik, Mathematik und vielen anderen Disziplinen wird Forschung betrieben, die für die Wirtschaft wichtig ist und die sich diese auch etwas kosten läßt (die auch ziemlich sicher zeitnah etwas einbringt). Es ist schon ein gewisser Unterschied, ob ein Dozent angestellt wird der die Kosten seiner Stelle plus 150000 Euro im Jahr reinholt, oder ob eine ganze Fakultät “durchgefüttert” wird. Da können Sie gern der Ansicht sein, daß Ihnen das nicht paßt, aber das ist die Situation.

    Hier zeigt sich wieder mal dein Dilemma. Nutzen ist für dich monetär bestimmt, es fällt auch gleich die Zahl 150.000 Euro. Der Gegenpart ist „durchfüttern“. Wäre ja ganz gut, wenn du deine Argumentation diesbezüglich reflektierst. Aber es zeigt auch ganz gut die Kaputtheit dieser Gesellschaft. Je reicher sie ist, desto zwanghaft utilitaristischer argumentiert sie.

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  54. FrauWunder schreibt:

    Um was geht es hier eigentlich? Schnädelbach und Müller – Doohm oder Hollerie Du Dödel Du? Alte Männer unter sich oder wer hat den längsten Bücherschrank im Arbeitszimmer?
    Vll sollt ich als Frau auch mal übers Jodeldiplom nachdenken, mal so was sinnvolles neben der Arbeit im Paralleluniversum und der Blagenaufzucht, der Gartenarbeit und der körperbetonten Freizeitgestaltung?

    und alle; Hollerie du Dödel die…

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  55. Bersarin schreibt:

    @genova
    Schnädelbach arbeitet sich da an seinem Adorno-Hegel-Trauma ab. Er hat einige Aufsätze zu Adorno geschrieben. Ex negativo gelesen ganz interessant. Im Gegensatz zur äußerlichen Kritik eines EL_Mocho lohnt es in der Tat, sich mit seinen Positionen auseinanderzusetzen. Wie geschrieben: Ich mache bei mir drüben demnächst mein privates Adorno-Seminar zur Kritischen Theorie. (Frau Wunder wird sich bestimmt freuen und meine Texte begierig einsaugen, wie’s Kind die Muttermilch.)

    Ich erwähnte Schnädelbach, weil er zu denen gehört, die Philosophie durchaus mit Inhalten zu füllen wissen. Seine Positionen teile ich allerdings nicht. Im Gegenteil. Dennoch begreift man etwas von der Bedeutung der Philosophie, wenn man ihm zuhört und wenn man ihn liest. Mittlerweile verschreibt er sich wohl mehr einer sprachphilosophisch-pragmatischen Philosophie.

    @Frau Wunder
    Ich mache hier und anderswo nur theoretische Philosophie. Das ist nichts für Frauen. Die sind mehr praktisch veranlagt und bestellen wie Epikur oder Voltaires Canidite lieber ihren Garten. Oder gehen Jodeln, wenn sie in den Bergen bei den Zwergen leben. (Wobei ich nichts gegen Gartenarbeit habe. Nur kann ich nun leider meine Grabungs- und Hark-Werkzeuge nicht mehr bei Praktika einkaufen. So bleibe ich halt Theoretika)

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  56. El_Mocho schreibt:

    Stell dich doch nicht dümmer als du bist, Bersarin. Natürlich ist nicht Auschwitz lächerlich, sondern die Vereinnahmung von Auschwitz durch Figuren wie deinen Adorno für irgendwelche abstrusen Philosophien. Da wird dann umgehend jeder, der diese Philosophien zu kritisieren wagt, zum Verniedlicher von Auschwitz; du hast ja grade vorgeführt.

    Das ist natürlich auch vor mir schon anderen aufgefallen, z.B. Jean Amery, einem jüdischen Zeitgenossen von Adorno, der anders als dieser, von der Gestapo verhaftet, gefoltert und ins KZ geworfen wurde. Ich denke dessen Stimme ist mindestens genauso kompetent, wenn es um den Holocaust geht, wie die von Adorno.

    Amery hat nun Adorno und dessen schwer erträglichen Stil einen schönen Essay gewidmet, mit dem Titel „Jargon der Dialektik“, komplett einsehbar hier: http://archive.org/details/JeanAmery-JargonDerDialektik

    Das ist wirklich ein höchst empfehlenswerter Text, dessen Lektüre ich allen ans Herz legen möchte. Eigentlich müsste man ihn komplett zitieren, aber ich beschränke mich auf einen kleinen Auszug:

    „Der vorläufige Triumph dialektischen Denkens ist Theodor W. Adornos letztes, nach seinem eigenen Wort als »Antisystem« konzipiertes magnum opus Negative Dialektik … Wie unstatthaft es auch sei, aus einem Text von vierhundert Seiten einen Satz zu lösen – wer dieses Buch auch nur kritisch erwähnt, fühlt sich gehalten, aus der Disziplin auszubrechen. Verdrießlich genug für den leider Getroffenen, dass wieder einmal Auschwitz herhalten muß, ein dialektisches Exerzitium zu inspirieren. Da heißt es: »Das Gefühl, das nach Auschwitz gegen jegliche Behauptung von Positivitat des Daseins als Salbadern, Unrecht an den Opfern sich sträubt, dagegen, daß aus
    ihrem Schicksal ein sei’s noch so ausgelaugter Sinn gepresst wird, hat sein objektives Moment nach Ereignissen, welche die Konstruktion eines Sinnes der Immanenz, der von affirmativ gesetzter Transzendenz ausstrahlt, zum Hohn verurteilen. Solche Konstruktion bejahte die absolute Negativitat und verhülfe ihr ideologisch zu einem Fortleben, das real ohnehin im Prinzip der bestehenden Gesellschaft bis zu ihrer Selbstzerstörung liegt.«

    Der erste Satz, übertragen in eine weniger von sich selber bis zur Selbstblendung entzückte Sprache, meint ungefahr: »Nach Auschwitz noch an einen Sinn der Geschichte zu glauben halt schwer.« Er ist – abgesehen von der Leerformel über die von Transzendenz angestrahlte Immanenz, die er
    übrigens ja abweisen will, fragwürdig: Die Opfer haben unter Umstanden sehr wohl ihrem Geschick einen Sinn abgerungen; wie, lässt sich nachlesen in Jean-Francois Steiners Treblinka. Der zweite Satz ist eine jener nachgerade stark abgenutzten Aufsteilungen gesellschaftskritischer Undeutlichkeit, denn: Ob die Annahme einer ohnehin heutzutage kaum noch ernsthaft zu nehmenden Transzendenz-Ausstrahlung die »absolute Negativität«, was immer das sein möge, bejahte und ihr zu einem ideologischen Fortleben verhülfe, ist kein greifbares Problem. Die ganze Aussage ist, reduziert auf ihren Grundgehalt, banal wie nur eine: Ihre Entbanalisierung ist pur verbal
    und liegt bereits im Felde des Jargons, Den dialektischen Denkern sitzt allerwegen die Furcht vor der Banalität im Nacken – etwa der Banalität, Opfer Opfer und Quäler Quäler sein zu lassen, wie sie es beide waren, als
    geschlachtet wurde.“

    Und über die ganze Richtung bis hin zu Foucault heißt es:

    „Sie reden eine Sprache antithetischer Unverbindlichkeit, in einem verletzend hochfahrenden Tonfall, als wollten sie sich rächen an einer exakten Wissenschaft, die ganz undialektisch täglich ihre kleineren oder größeren, immer aber sicher gesetzten Schritte vorwärts tut und sich um
    sie sehr wenig kümmert. Damit schaden sie der wertfrei und, zugegeben, ohne jede moralische und gesellschaftliche Verantwortlichkeit operierenden, oftmals heillosen Wissenschaft sehr wenig. Sie nützen aber auch der Philosophie nicht, im Gegenteil. Und schon gar nicht wirken sie dem zugunsten, was wir hier ohne weiteren Definitionsversuch die soziale und
    politische Emanzipation des Menschen nennen, von der sie doch sagen, dag sie ihnen so sehr am Herzen liege. Der Jargon stößt ab, entmutigt. Er ist nicht nur den inkurablen geistigen Vernunftbanausen ein Verdruss, auch allen jenen dialektisch geschulten Lesern, die sich gleichwohl nicht davon abbringen lassen wollen, dass es das Wahre und das Falsche gibt, und dass unter Umstanden sehr wohl, was wahr und gut ist, sich aufs souveränste in Sätzen sagen lässt, die den allzu Gewitzten, allzu Gespitzten als banal erscheinen.“

    Sehr treffend formuliert. Seinen persönlichen Eidruck von Adorno schilderte Amery übrigens so: „Ein nicht angenehmer, kalt-arroganter Herr, der zudem trotz Radikalität und Internationalität seiner Ansichten auf fast schon humoristische Weise aussieht wie der deutsche Professor.“ (zit. Nach: Kritik aus Passion. Studien zu Jean Amery, s. 134)
    Womit er auch nicht unrecht haben dürfte.

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  57. Bersarin schreibt:

    Adorno schreibt in der Negativen Dialektik, zum Ende hin, einen Satz, der das, was Améry schreibt, auf den Punkt bringt und in wenigen Sätzen verdichtet:

    „Die Herausforderung der überkommenen Worte; die Probe, ob Gott das zulasse und nicht zürnend eingriffe, vollstreckte an den Opfern noch einmal das Urteil, das Nietzsche längst zuvor über die Ideen gefällt hatte. Einer, der mit einer Kraft, die zu bewundern ist, Auschwitz und andere Lager überstand, meinte mit heftigem Affekt gegen Beckett: wäre dieser in Auschwitz gewesen, er würde anders schreiben, nämlich, mit der Schützengrabenreligion des Entronnenen, positiver. Der Entronnene hat anders recht, als er es meint; Beckett, und wer sonst noch seiner mächtig blieb, wäre dort gebrochen worden und vermutlich gezwungen, jene Schützengrabenreligion zu bekennen, die der Entronnene in die Worte kleidete, er wolle den Menschen Mut geben: als ob das bei irgendeinem geistigen Gebilde läge; als ob der Vorsatz, der an die Menschen sich wendet und nach ihnen sich einrichtet, nicht um das sie brächte, worauf sie Anspruch haben, auch wenn sie das Gegenteil glauben. Dahin ist es mit der Metaphysik gekommen.“ (Negative Dialektik S. 360 f.)

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  58. Bersarin schreibt:

    Herrlich: Wenn die, welche sich aufs Meinen, Behaupten sowie ihren gesunden Menschenverstand als Kriterium beschränken, nicht mehr weiterwissen, dann kommen die persönlichen Aversionen gegen x oder y. Was folgt als nächstes Kriterium?: Adorno war beschnitten? Oder er war etwas rundlich? Oder er war Jude, der nicht vernichtet wurde oder dem Lager entkam, und insofern gar nicht befugt, mitzureden? Man, man, man, es ist hier wie in der Grundschule. Du heißt mit Vornamen nicht zufällig Justin oder Kevin?
    Nochmal: Herumjammern nach Auschwitz vom Juden Adorno: das hast Du geschrieben, El_Mocho, nicht ich. Diese Lesart steht für sich. Oder habe ich den Begriff „herumjammern“ irgendwie dazugedichtet? Interessant auch zu lesen, wie El_Mocho jüdische Emigranten und KZ-Überlebende gegeneinander ausspielt. Kommt mir von irgendwoher bekannt vor, dieses Muster.

    Ja, in der Tat, El_Mocho, eine Philosophie nach Auschwitz beschäftigt sich mit Auschwitz, und stellt die Kultur danach in Frage. Eigentlich erstaunlich, nicht EL_Mocho, daß eine Philosophie nach dem Holocaust sich mit Auschwitz beschäftigt und fragt, wie dieser Umstand möglich wurde und was das für die Kultur nicht nur der BRD bedeutet. An wie vielen philosophischen Fakultäten in der BRD nach 49 fand diese Auseinandersetzung in einer umfassenden Weise statt, die über die bloße Betroffenheitsdeklamation hinausging? Kannst Du mir da mal Zahlen nennen? Wer vom Kapitalismus nicht reden will, der schweigt eben auch beim Faschismus. Eine sehr richtige Beobachtung von Herrn Horkheimer. Er muß dabei wohl unseren El_Willy vor Augen gehabt haben.
    Manches von dem, was Améry über den Jargon (insbesondere in der Philosophie) schreibt, ist richtig und es deckt sich mit den Beobachtungen Adornos, was den „Jargon der Eigentlichkeit“ und das geblähte und gestelzte Sprechen betrifft. Diese Kritik wie Sprache teils entstellend, teils aufplusternd benutzt wurde, teilt Adorno: daß Dialektik kein bloßes Mittel des Stils ist, um mit Sprache Unzulänglichkeiten zu kaschieren, sondern daß es sich bei ihr um eine Weise des Denkens handelt. Diese Parallele zwischen Adorno und Améry hat aber unser El_Mocho in seiner Améry-Lektüre überlesen. Vielleicht wollte er es auch nicht so richtig wahrnehmen. Bei dem Ausdruck „Tiefschwätzerei“ dürfte Améry da an El_Mocho gedacht haben? Möglich wäre es.

    Wie jeder Begriff der Philosophie wurde auch der der Dialektik irgendwann heruntergewirtschaftet aufs Schmalspurniveau oder diente als Vernebelungskerze. Allerdings reicht es oftmals nicht aus, Sätze aus ihrem Zusammenhang zu brechen. Der Teil (der Satz also) bestimmt sich nur durchs Ganze (der Zusammenhang eines Textes.) Insofern funktioniert es dann nicht, so wie Améry es methodisch macht, einen Satz wie „Das Banale kann nicht wahr sein.“ von Adorno aus dem Kontext zu nehmen. Wenn man nämlich mal den gesamten Absatz liest, darin der Satz steht, dann sollte auch dem, der es gerne etwas einfacher hätte, der Zusammenhang und der Sinne des Satzes klar werden.
    Jean Améry ist ein Schriftsteller und Essayist. Er hat als Überlebender nach den KZs und dem Vernichtungslager sicherlich einen anderen Blick. Es besteht ein Unterschied zwischen der Erfahrung des Überlebens im Todeslager und der Reflexion auf die Aspekte, die solche Lager möglich machten. Dennoch geht ihm (zumindest in der von El_Mocho, zitierten Passage) das umfassende Moment ab und er zerbricht an der Dialektik von Ausdruck und Schweigen: daß nämlich der Zusammenhang kein einfacher ist, der sich auf eine Seite schlagen läßt. Das zeigt bereits seine Kritik am Duktus dieses ersten von ihm zitierten Adorno-Satzes.

    Der erste Satz, übertragen in eine weniger von sich selber bis zur Selbstblendung entzückte Sprache, meint ungefahr: »Nach Auschwitz noch an einen Sinn der Geschichte zu glauben halt schwer.« Nein, das sagt der Satz eben nicht, er ist sehr viel komplexer gebaut. Und auch das, was Adorno über das Verhältnis von Transzendenz und Immanenz schreibt, geht nicht im Gehalt des Satzes auf. Es ist menschlich und aus den Erfahrungen heraus, die Améry machen mußte, verständlich, daß er es lieber eine Nummer einfacher serviert bekommen hätte. Aber die „Negative Dialektik“ ist nun einmal ein Buch der Philosophie und keine Unterhaltungslektüre oder ein Sachbuch im herkömmlichen Sinne.
    Die Opfer mögen dem, was ihnen wiederfuhr und dem Leben im Lager einen Sinn abgerungen haben, andere wieder nicht: es blieb ihnen auch gar nichts anderes übrig und diese solche Zu- oder Absprechungen haben viel mit biographischen Zufälligkeiten zu tun: der ein verzweifelt und bringt sich um der andere hält Dinge durch. Wer möchte sich hier und in diesem Zusammenhang als Richter aufspielen? Mit diesen Dingen geht jede/r auf seine Weise um. Und deshalb treffen diese Reflexionen von Adorno den Sachverhalt sehr viel genauer als das bloße Protokoll von dem, was geschah. (Wenngleich auch dies wichtig ist und es ein zutiefst anti-philosophisches Verhalten ist, das eine gegen das andere ausspielen zu wollen.) Weil Adornos Denken nicht mehr an einer Empirie sich festbeißt, die so oder ganz anders ausfallen kann: es gab auch Juden, die haben dem SS-Mann die Stiefel geküßt oder ihm mit Musik aufgespielt, ohne daß irgend einem ein Urteil über dieses Verhalten zustünde: deshalb liegt es auf einer ganz anderen Ebene als ein reiner Erlebnisbericht. Und dieses Fatale sowie die Aporie, die in dem, was nach Auschwitz an Reflexion, Sinngebung und Weitermachen sich zutrug, (be-)schreibt Adorno klar. Unser Zitate-Vereinfacher und -Entstellter El_Mocho unterschlägt diese Aspekte in der Philosophie Adornos natürlich ganz bewußt und in manipulativer Absicht, weil es ihm vielmehr ums Denunzieren von Philosophie zugunsten seines darwinistischen Biologismus geht und nicht um eine Kritik der Philsophie Adornos.

    Amérys Anliegen ist auf der menschlichen Ebene verständlich, leider liegt im Rahmen dieser Analyse, auf der Adorno sich bewegt, die Meßlatte jedoch höher.
    „etwa der Banalität, Opfer Opfer und Quäler Quäler sein zu lassen, wie sie es beide waren,“ Das reicht nicht hin, das mag der dem Lager Entronnene so sehen, und er hat alles recht dazu. Der philosophischen Reflexion genügt das nicht. Zugleich ist dieses Moment auch wieder richtig, und dies meint ja genau der Satz, wenn er Schönbergs „Der Überlebende von Warschau“ kritisiert, weil es dem Leid qua Kunstcharakter noch so etwas wie Genuß abpreßt. Daß einem Weitermacher wie El_Mocho solche Kompliziertheiten nicht in dem Kram passen, liegt auf der Hand. Genau dies sieht Adorno ebenso wie Améry: die Opfer sind Opfer und können nicht zu Tätern umgelogen werde.

    Ein simples aktionistisches „Sag nein“ wie von Wolfgang Borchert oder das Gerede vom Engagement reicht schlicht nicht aus, um das, was war, auf den Begriff zu bringen. Sofern es sich überhaupt auf einen Begriff noch bringen läßt. Und genau diese Dialektik von Sprache und Sprachlosem tariert Adorno aus, bringt sie ins Denken, anders als Heidegger, Jaspers und die meisten Philosophen zu dieser Zeit. Daß dies dem Naturalisten und Anti-Dialektiker El_Mocho naturgemäß entgehen muß, verwundert nicht weiter.

    Für El_Mocho ist es wahrscheinlich die böse Natur des Menschen, die für Auschwitz verantwortlich. Der Mensch ist nun einmal so, er ist brutal, kommt von ihm als Antwort, der eine haut dem anderen einen mit der Keule über, und heute sind es eben Todeskommandos. So ein Betriebsunfall wie 33bis 45 liege in der Natur- und Triebhaftigkeit des Menschen veranlagt. Für El_Mocho ist darauf die Kultur des Weitermachens die richtige Antwort. Und in diesem Zusammenhang lese ich auch seine in anderem Kontext getätigten Äußerungen über Menschen, die in Europa Asyl suchen und die in der Sicht von El_Mocho bloß hierher kommen, um zu schmarotzen. Aus dieser Richtung weht der Wind beim El_Mocho-Troll.
    Wem nach Auschwitz alle Kultur nicht fragwürdig geworden ist, der besaß im Grunde auch vor diesem Bruch keinen Begriff von ihr.

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  59. Chinook schreibt:

    „Interessanter als diese Diskussion um den Nutzen akademischer Philosophie ist allerdings die Frage, weshalb Dinge, Menschen, Tätigkeiten lediglich nach ihrem ökonomischen Wert beurteilt und bemessen werden. Vor allem die Frage, was für eine Art von Denken dahintersteckt.“

    Das bzgl. Philosophie und andere Disziplinen zunehmend die Nutzenfrage gestellt wird (oder sogar teilweise kaum noch gestellt wird), hat wenig mit der Art zu Denken zu tun, sondern inwiefern man in Zeiten knapper Kassen wofür zahlt und warum.
    Mich würde es schon interessieren, worin ein Nutzen der akad. Philosophie aktuell zu sehen ist, welcher letzlich auch die Ausgaben dafür rechtfertigt. Ich hab nie angedeutet, dies müsse zwangsweise ein monetärer sein. Aber wenn auf der einen Seite Ausgaben stehen, in Zeiten wo man sich zweimal überlegen muß welche Investitionsalternativen man monetär (und wie hoch) tätigen kann (insbesondere, wenn bestimmte Fächer wohl zunehmend weniger von Studenten im Hauptfach in Anspruch genommen werden), dann sollte es doch möglich sein einen klaren Nutzen benennen zu können. Und eben nicht die übliche ausweichende Argumentation, wie ich sie vorhergehend schonmal angedeutet habe.

    @genova

    „Hier zeigt sich wieder mal dein Dilemma. Nutzen ist für dich monetär bestimmt, es fällt auch gleich die Zahl 150.000 Euro.“

    Wenn etwas monetär finanziert wird, ja, dann sollte ein Nutzen dahinter stehen, der dies aufwiegt – das jedoch muß nicht zwangsweise ein monetärer, oder rein monetärer sein. Wenn eine Investition in einen Bereich Nachteile für einen anderen hervorbringt, weil Geld nunmal nicht unbegrenzt vorhanden ist, muß man sich zwangsweise Gedanken darüber machen, wie man finanziert und in diesem Prozeß spielt ein angenommener oder erwarteter Nutzen durchaus eine Rolle. Das wird wohl kaum jemand bestreiten.

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  60. Bersarin schreibt:

    „sondern inwiefern man in Zeiten knapper Kassen wofür zahlt und warum.“

    Ach, chinook, es wird für so viele und so vieles gezahlt, was nicht den Pfifferling wert ist. Da macht das kleine Handgeld für die paar Philosophen nicht viel her. Deine Empörung ist in etwa analog zur Bild-„Zeitung“, die sich über Florida-Rolf aufregte, aber z.B. kein Wort über die Einkommensverteilung in der BRD verliert.

    „dann sollte es doch möglich sein einen klaren Nutzen benennen zu können. Und eben nicht die übliche ausweichende Argumentation, wie ich sie vorhergehend schonmal angedeutet habe.“

    Wer hier ausweicht ist chinook. Nämlich meinen Fragen. Und er komme mir in seiner Antwort bitte nicht mit den Allgemeinplätzen wie Lisa Meyer sich die Philosophie so vorstellt: Welche Fakultät z.B. hat sich beständig mit Adorno beschäftigt? Und welche Fakultäten in der BRD konkret Nutzloses leisten. Ich habe da noch keine Antwort vernommen. Bitte nenne mir doch mal ein paar Beispiele für die Nutzlosigkeit dieses Tuns und nicht dieses Schmonzes aus dem Wörterbuch der Einfalt: Philosophen lesen langweilige Texte und beschäftigen sich mit unwichtigen Themen. Sondern mal ganz konkret: Was genau meinst Du, welche Fakultäten, welche Professoren?

    Ach ja: Wenn Geld nicht unbegrenzt vorhanden ist: warum es nicht denen wegnehmen, die es unbegrenzt zur Verfügung haben? Schon mal auf diese Idee gekommen? Zu diesem Gedanken zu gelangen, erfordert nicht einmal ein Studium der Philosophie.

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  61. Chinook schreibt:

    „Ach, chinook, es wird für so viele und so vieles gezahlt, was nicht den Pfifferling wert ist.“

    Klar, jedoch generiert Mittelverschwendung in verschiedenen Bereichen keinen Anspruchstitel auf Mittel in allen Bereichen.

    „Ach ja: Wenn Geld nicht unbegrenzt vorhanden ist: warum es nicht denen wegnehmen, die es unbegrenzt zur Verfügung haben?“

    Kann man sich überlegen. Aber was hat das mit Bezug auf die Finanzierung aktueller universitärer Philosophie zu tun?

    „Schon mal auf diese Idee gekommen? Zu diesem Gedanken zu gelangen, erfordert nicht einmal ein Studium der Philosophie.“

    Durchaus, zumindest den direkten den wirtschaftlichen Nutzen zu beurteilen, liegt denn auch eher im Kompetenzbereich anderer Disziplinen.

    „Wer hier ausweicht ist chinook. Nämlich meinen Fragen.“

    Da weiche ich nicht aus, ich dachte nur nicht das Sie diese Reaktion auf einige polemische Sätze meinerseits tatsächlich ernst meinten. Ich habe auch keine Lust hier verschiedene Professoren zu diskutieren und deren Beiträge, die ich überwiegend nicht kenne. Zu was sollte das auch führen? Wir diskutieren das und einigen uns dann darauf, dass diejenigen Professoren die gute Beiträge (nach Ihrer/meiner Einschätzung) leisten ihr Geld wert sind und man die anderen von der Liste öffentlicher Gehaltsempfänger streichen kann? Auch am Einzelfall diskutiert müsste man dann einen Nutzen herauskristallisieren.
    Das ist nicht der Punkt auf den ich hinauswill und bestimmt nicht einer, dem Sie sich nähern wollten. Mein Fokus liegt da auf der Disziplin Philosophie insgesamt. Mich interessiert einfach, worin im Bereich Engagierte den Nutzen von universitärer Philosophie aktuell sehen.

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  62. Chinook schreibt:

    „Die Krise der Philosophie ist nicht die von Dir in den Raum projizierte, sondern vielmehr eine andere: daß sie sich allzuoft aus den gesellschaftlichen Diskussionen heraushält und ihre höchste Aufgabe, nämlich den Stachel der Kritik zu tätigen, nicht ausübt.“

    Sehe ich ähnlich, allerdings weniger mit Blick auf einen nervenden Stachel, sondern auf das Eröffnen neuer Perpsktiven aus anderen Winkeln – Fragen aufzuwerfen, nicht diese zu beantworten. Auch das ist doch aber ein Grund, dass die Nutzenfrage in der Disziplin selbst aufgeworfen werden sollte, denn es hat Gründe, dass dies wenig passiert und wenn doch, es kaum jemanden interessiert.

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  63. genova68 schreibt:

    Chinook,
    „Wenn etwas monetär finanziert wird, ja, dann sollte ein Nutzen dahinter stehen, der dies aufwiegt – das jedoch muß nicht zwangsweise ein monetärer, oder rein monetärer sein.

    Das ist des Pudels Kern. Natürlich soll sich alles, was wir tun, in irgendeiner Weise lohnen, sonst täten wir es nicht. Es ist aber nicht alles messbar.

    Die BWLisierung der Welt ist weit vorangeschritten, mit katastrophalen Wirkungen.

    Allerdings braucht es schon Maßstäbe, um das Fach Philosphie in seiner aktuellen Ausrichtung kritisieren zu können. Die müssten hier halt mal genannt werden. Ich vermag das nicht.

    Analog in der Germanistik: Dort exisitiert bis heute kein einziges Werk zum Thema „neoliberale Sprache“. Die schreiben lieber die tausendste Abhandlung zum Zauberberg statt sich mit relevanten sprachlichen Themen heute zu befassen. Soziolinguistik ist im Zuge von 68 entwickelt worden und in den frühen 80er eingeschlafen. Man erkennt hier die Auswirkungen der geistig-moralischen Wende von Kohl wie auch die neoliberale Zurichtung der Gesellschaft, die auf listige Art Kritik an ihr selbst verbietet: Sie gibt einfach keine Drittmittel für solche Projekte, vermute ich.

    Bei den Philosophien gibt es auch Leute, die das tausendste Buch zu irgendeinem Transzendentralallalaproblem von Kant schreiben, natürlich immer gleich als Habil, 700 Seiten mindestens, liest kein Mensch. Da kann man sich schon nach der Relevanz fragen, vor allem, wenn solche Leute ansonsten reaktionäres Denken pflegen. Bzw. wie Heidegger gleich zu den Nazis schwenken.

    Wenn die Relevanzforderungen, Chinook, in die Richtung einer Aufforderung nach kritischem Gehalt geht, nach weniger Elfenbeinturm, dann könnte ich damit etwas anfangen. Oder muss man bei den Philosophen argumentieren wie bei den Medizinern: Es braucht Grundlagenforschung, die völlig unabhängig und nicht zielgerichtet ist? Bei den Medizinern stimmt das, aber bei den Philosophen?

    Das Argument, es sei kein Geld da, ist ein fatales, wie hier im Blog schon oft bemerkt. Das zieht vielleicht in einer konkreten Frage, beisielsweise wenn eine kleine Kommune eine Investition tätigen will. Ansonsten läuft man mit der Bemerkung in die neoliberale Falle.

    Es ist genug Geld für alle da, wir könnten alle im Schlaraffenland leben.

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  64. genova68 schreibt:

    Wenn ich schreibe, dass Adorno nicht schreiben konnte, dann ist das erstmal ein hingerotzter Satz. Aber die beiden Absätze, die hier in dem Thread als Beispiele angegeben wurden, bestätigen mich darin. Das könnte man alles viel einfacher ausdrücken. Adorno hat sich an seinem Slang vermutlich selbst aufgegeilt, und seine Popularität hängt auch damit zusammen, dass die meisten ihn nicht verstehen, dieses Geraune aber für irgendwie cool halten. Es geht ausschließlich um die Form.

    Wem dieser Stil gefällt, bitte, aus belletristischer Sicht ist ja vieles erlaubt. Wenn ich aber wissen möchte, was es mit der Negativen Dialektik auf sich hat, lese ich seine Vorlesungen darüber, die vor ein paar Jahren veröffentlicht wurden. Wohltuend verständlich, man merkt, dass Adorno frei formulierte, er dachte beim Reden.

    Es ist doch generell die Frage, wie man solche Schriften einschätzt. Für mich eine wichtige Frage: Schreibe ich für meine Nachttischschublade oder für andere? Ist ersteres der Fall, dann kann man schreiben, wie man will. Bei zweiterem muss ich mich anstrengen, denn ich möchte verstanden werden. Dann geht es um Kommunikation, und dazu gehören immer mindestens zwei. Das Adornosche Geschwurbel hat mit dem Versuch von Kommunikation nicht viel zu tun. Ich meine die ND und die ÄT. Anderes ist lesbar.

    Sicher ist ein philosophischer Text kein journalistischer, aber es ist m.E. eine deutsche marotte, einen Text umso besser zu finden, desto unverständlicher, mit Fremdwörtern durchsetzt und verschachtelt er ist. Das wird traditionell als Ausdruck der großen Tiefe des deutschen Geistes verstanden. Hängt vermutlich zusammen mit dem Geraune über den deutschen Wald und seine Wesenheit. Das ist alles zu demaskieren.

    Interessant dabei ist vielleicht, dass die Sprache, gerade in dem Ausschnitt aus der ND fühlbar, einen gewissen groove hat, also eine Körperlichkeit, die Adorno inhaltlich in seiner Ästhetischen Theorie vergessen hat und weswegen die nur bedingt etwas taugt. Der Groove steckt in seinem Text, vermutlich liegt darin ein Teil seiner Faszination. Leider steckte der groove nicht in seinem Arsch, das alte Problem.

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  65. Bersarin schreibt:

    @chinook
    Wenn jemand die akademische Philosophie im ganzen als belanglos abtut, dann bleibt das lediglich abstrakt. Mehr nicht. Du schreibst an keiner Stelle konkret oder kannst irgend etwas benennen, sondern Du pflegst Dein Ressentiment. Das ist leider ein wenig dürftig.
    “Ach ja: Wenn Geld nicht unbegrenzt vorhanden ist: warum es nicht denen wegnehmen, die es unbegrenzt zur Verfügung haben?”
    Kann man sich überlegen. Aber was hat das mit Bezug auf die Finanzierung aktueller universitärer Philosophie zu tun?

    Dieser Umstand hat damit etwas zu tun, daß bestimmte Umstände frag- und klaglos hingenommen werden, und bei anderen der Rot- und Rechenstift geschwungen sowie der Taschenrechner angesetzt wird.
    @ genova
    Aha, die „Ästhetische Theorie“ taugt also nichts, weil kompliziert geschrieben und weil der genova sie nicht versteht. Da verhält es sich wie mit der modernen Architektur. Die taugt auch nichts, weil sie keiner versteht und weil sie so unansehnlich ausschaut. Das modernistische Geschwurbel hat mit der althergebrachten Kunst des Bauens nichts zu tun. Es ist eine dieser deutschen Architekturmarotten, daß ein Bauwerk umso besser sei, je mehr es auf Zierrat, Schönheit und Schnörkel verzichtet. Aber das Gegenteil ist der Fall: wir wollen die Gebäude, die ansehnlich aussehen und uns anheimelnd und vertraut erscheinen. Und deshalb ist Hildesheim gelungen rekonstruiert, deshalb plädieren wir für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses, weil die Architekten diese Gebäude so wieder hinbauen, wie Menschen es gerne sehen wollen und was ihnen verständlich ist. Mit dem Jazz ist es übrigens genauso. Wozu langweiliges Gedudel spielen, das bloß wirr klingt? Gelungen sind Peter Maffay und Howard Carpendale, weil Gesang und Texte verständlich und gut nachvollziehbar sind. Wer Musik macht, der sollte auch verstanden werden wollen, weshalb wir im Radio eine Quote für 90 % deutsche Texte mit verständlichen Inhalten einführen sollten.
    Dein Haltung, genova, erinnert mich ein wenig an den ehemalige Bürgermeister von Hamburg, den Herrn Klaus von Dohnanyi, der nach dem Besuch eines modern inszenierten Theaterstückes von Lessing ausrief: „Ich will meine Klassiker wiedererkennen können!“
    Philosophie ist keine kommunikative Kuschelveranstaltung. Wenn Ihr Euch nicht anstrengen könnt oder wollt, dann legt es nicht den Texten zur Last, sondern Eurem eigenen Vermögen. Wer es nicht schafft, einem Satz über mehrere Wörter hinweg zu folgen als bloß vieren oder fünfen, der sollte die Finger von Texten lassen oder zumindest bestimmte Texte meiden. Was ist daran so schwierig?

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  66. genova68 schreibt:

    Ich meinte die Lesbarkeit der ÄT, nicht den Inhalt. Den verstehe ich ja nicht, also kann ich dazu nichts sagen.

    Bei Architektur geht es weniger um einen intellektuellen Akt, es geht mehr um ein Erfühlen. Es geht um Geschichte, um Erlebtes, individuell wie kollektiv, das steckt im Einzelnen und will raus, wenn er ein Gebäude sieht. Dann kommt es zu Urteilen.

    Adorno würde mir da zustimmen, historisches Sediment. Dass das Schloss wiederaufgebaut wird, betrachte ich politisch, mit all dem, was dazugehört. Dass ein Einzelner vor dem Schloss steht und sich darüber freut, ist für mich bestenfalls ein Ansatz, um das gesellschaftlich aufzugreifen und zu wenden, siehe der aktuelle Artikel über Potsdam.

    Selbst Städtebau ist auf dem Stadtplan vor allem als Bild zu lesen, vielleicht gar als Gemälde, nicht als Text. Es sind zweidimensionale Räume, die sich da auftun.

    Ein Gebäude kann visuell, überhaupt in vielerlei Hinsicht sinnlich aufgenommen werden. Der intellektuelle Teil kann dazu kommen, es ist natürlich ganz sinnvoll, etwas über die Geschichte von fehlenden Sockeln zu wissen, wenn man einen sieht, aber es ist keine notwendige Bedingung, um sich ein Bild von dem Gebäude mit dem Sockel machen zu können. Im Idealfall ist der fehlende Sockel im gesellschaftlichen Kontext verankert, in welcher Weise und mit welchen Attributen auch immer. Das kommt dann zum Tragen. Der intellektuelle Teil ist eine Zugabe, ein Sichbewusstmachen.

    Ein Text ist eine reine Leistung des Intellekts, wenn man von Randphänomenen wie der Haptik des Papiers oder dem Schrifttyp absieht, die in der Regel nicht zum Verständnis des Textes beitragen, Kunstbücher eventuell ausgenommen.

    Geschmack ist keine individuelle Frage ohne gesellschaftlichen oder historischen Belang, das muss ich dir sicher nicht erzählen, wie dir überhaupt das bislang Geschriebene vertraut sein dürfte.

    Jazz lässt sich durch bewusstes Hören erleben, lernen, wie auch immer. Der Weg von Carpendale zu Miles Davis ist kein notwendigerweise mühsamer, sondern einer, der vom Lebensumfeld abhängt. Der intellektuelle Hintergrund, der notwendig ist, um die ÄT wirklich zu verstehen, ist enorm. Das heißt nicht, dass da nicht unheimlich viel drinsteckt. Ich kritisiere sie als verhinderter Rezipient.

    Die ÄT könnte wesentlich einfacher, verständlicher geschrieben werden, wenn Adorno Interesse und Talent dazu gehabt hätte. Er hätte sich ein Beispiel an Kant nehmen können, der nahm seine Leser ernster. Adorno interessierte sich für seine Leser überhaupt nicht, vermute ich. Zumindest bei den genannten Werken. Bei einem kommunikativen Akt ist diese Kritik von Belang, finde ich. Mit deinem Ansatz, Bersarin, näherst du dich nur der Elfenbeinturmfraktion an.

    Du sagst, ich soll die ÄT meiden. Ich sage, die Schuld liegt nicht nur bei mir. Ich habe das ungefähre Gefühl, dass deine Argumentation keineswegs ein Praxisbeispiel gelungenen kritischen Verhaltens ist.

    Ich würde mich im Theater dem Dohnanyi nicht anschließen. Warum? Weil es mir nicht um die Wiederkehr des Immergleichen geht, dann würde mich Adorno insgesamt nicht interessieren. Die ÄT ist aber eben nicht Theater, genausowenig wie Architektur und Musik das sind. Oder betrachtest du sie als Belletristik, als moderne Poesie, als Jandlverschnitt? Ich betrachte philosophische Bücher im Wesentlichen als Sachbücher, als eine besondere Form des Sachbuchs.

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  67. Bersarin schreibt:

    Wer Architektur nur mit dem Auge wahrnimmt, der sieht nichts. Architektur ist ebenso ein intellektueller Akt. Die Trennung zwischen Sinnlichkeit und Verstand besteht nicht.

    Die Ästhetische Theorie ist ein hochgradig auskomponierter Text.

    „Die ÄT könnte wesentlich einfacher, verständlicher geschrieben werden, wenn Adorno Interesse und Talent dazu gehabt hätte.“ Woher nimmst Du diesen Maßstab? Um das zu beurteilen, müßtest Du die ÄT zunächst verstehen. Du hast sie aber nach eigenem Bekunden nicht oder nur unzureichend verstanden. Insofern ist es ein externer Maßstab, den Du anlegst. Bitte schreib sie um, genova, damit wir alle Dein herausragendes Talent bewundern können. Du maßt Dir ganz einfach nur Urteile an, die Dir nicht zustehen.

    Der Beginn der ÄT bringt die Situation, in der sich die moderne Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg bzw. seit den 60er Jahren befindet, auf den Punkt. Es ist dies in einer recht gut verständlichen und dabei zugleich dem Gegenstand angemessenen Sprache dargestellt:

    „Zur Selbstverständlichkeit wurde, daß nichts, was die Kunst betrifft, mehr selbstverständlich ist, weder in ihr noch in ihrem Verhältnis zum Ganzen, nicht einmal ihr Existenzrecht. Die Einbuße an reflexionslos oder unproblematisch zu Tuendem wird nicht kompensiert durch die offene Unendlichkeit des möglich Gewordenen, der die Reflexion sich gegenübersieht. Erweiterung zeigt in vielen Dimensionen sich als Schrumpfung. Das Meer des nie Geahnten, auf das die revolutionären Kunstbewegungen um 1910 sich hinauswagten, hat nicht das verhießene abenteuerliche Glück beschieden. Statt dessen hat der damals ausgelöste Prozeß die Kategorien angefressen, in deren Namen er begonnen wurde.“

    Aber vielleicht möche Genova diese Sätze einfacher und dabei zugleich sprachlich gekonnter und besser auskomponiert umschreiben. Wir warten.

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  68. Chinook schreibt:

    „Wenn jemand die akademische Philosophie im ganzen als belanglos abtut, dann bleibt das lediglich abstrakt. Mehr nicht. Du schreibst an keiner Stelle konkret oder kannst irgend etwas benennen, sondern Du pflegst Dein Ressentiment. Das ist leider ein wenig dürftig.“

    Ich halte es eher für etwas dürftig, wenn Philosophen den Nutzen der Disziplin nichteinmal abstrakt benennen können, oder auf irgendeine andere Weise.
    Im Grunde finde ich auch Ihre Argumentation etwas dürftig. Einerseits könne man den Nutzen der Disziplin Philosophie lediglich abstrakt/diffus erfassen, Kritik an der Disziplin soll sich dann aber anhand individueller Berwertungen unterschiedlicher Professuren/Fakultäten/Werke entlanghangeln.
    Ich hatte lediglich die Frage, worin Sie einen Nutzen der Disziplin Philosophie, ganz generell, oder abstrakt, oder konkret – wie auch immer, sähen. Wenn Sie keinen Nutzen benennen können oder wollen, und die akademische Philosophie sich selbst genug ist, dann ist das eben so.

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  69. genova68 schreibt:

    „Wer Architektur nur mit dem Auge wahrnimmt, der sieht nichts. Architektur ist ebenso ein intellektueller Akt. Die Trennung zwischen Sinnlichkeit und Verstand besteht nicht.“

    Jetzt hättest du, Bersarin, einmal die Möglichkeit, hier dein enormes Wissens fruchtbringend einzubringen. Erkenntnistheorie, was ist ein intellektueller Akt, was hat Sinnlichkeit mit Arschwackeln zu tun und so weiter. Es kommt leider nichts.

    Konkret: Je mehr man vor dem Hausangucken über dessen Architektur und ihre theoretischen Voraussetzungen, ihre Geschichte weiß, desto besser. Aber NUR so darf Architektur aber nicht funktionieren, denn sie steht im öffentlichen Raum und keiner kann an ihr teilnahmslos vorbeigehen, wenn er sich nicht die Augen verbindet, keiner kann dazu verpflichtet werden, vorm rausgehen Bücher über Architektur zu lesen. Deshalb hängt der interessante Aspekt des Gefallens bzw. Missfallens von Architektur beim Betrachter nicht davon ab, ob er sich vorher lange eingelesen hat.

    Noch deutlicher wird das bei Stadtplanung. Der Bewohner von Marzahn kann sich in die Geschichte des enturbanisierten Massenwohnungsbaus einlesen, er erfährt von der Altbauproblematik, von den Kostenvorteilen der seriellen Fertigung, von Licht, Luft und Sonne und so weiter. Sein konkretes Verhältnis beim Rausgucken aus dem Fenster zu dieser Art der Bebauung wird das nicht grundlegend ändern. Wäre auch Blödsinn. Gute Architektur sollte dieses Wissen ästhetisch, atmosphärisch, haptisch, schlicht: wohlfühlmäßig vermitteln.

    Es kann sogar das Gegenteil herauskommen. H. Martenstein wohnte ein paar Tage in einem Meisterhaus in Dessau. Er schrieb danach einen regressiven Artikel in der Zeit, in der er genau die Urteile wiederholte, die seit 80 Jahren kursieren. Kein Satz über seine eigenen, authentischen Erfahrungen mit dieser Architektur.

    Die Trennung von Sinnlichkeit und Verstand habe ich nicht behauptet, Verstand hat nicht notwendigerweise damit zu tun, dicke Bücher über Architektur gelesen zu haben, bevor ich ein Urteil über eine Fassade fälle.

    Wenn ich mich recht an Kant erinnere, dann wäre die Sinnlichkeit doch nur die Fähigkeit, Sinneswahrnehmungen aufzunehmen, wobei noch keinerlei erkenntnistheoretische Verarbeitung stattfindet. Dazu braucht es den Verstand, der das sinnlich Wahrgenommene begrifflich verarbeitet. Das geschieht bei der Architektur als einem Massenphänomen via der lebenslänglichen Erfahrung. Die kann durch intensives architekturhistorisches Studium genährt werden oder einfach nur durch den Alltag.

    Beim Rest deines Beitrages bin ich wieder einmal enttäuscht, Bersarin. Du lässt dich so leicht zu Aussagen hinreißen, die einem 13jährigen nicht gut zu Gesicht stünden. Wenn ich der Meinung bin, dass man die ÄT besser hätte schreiben können, forderst du mich auf, es zu tun. Wenn ich der Meinung bin, man sollte mehr Windräder bauen, wirst du mich vermutlich zum Bau selbiger auffordern. Wenn ich das nicht hinkriege, sind Windräder blöd. Es ist ein unglaublich antiemanzipatorischer Akt, den du da zum wiederholten Male vornimmst. Merkst du das nicht?

    Meine Fresse, reiß dich doch mal bitte zusammen. Mir ist schon klar, dass Adorno dein Gott ist, den ich gerade angepinkelt habe. Du solltest von diesem religiösen Trip runterkommen. Ich habe ob deiner behaupteten intellektuellen Qualitäten Hoffnung, dass du das schaffst.

    Es ist diese vermutlich typisch deutsche Lächerlichkeit, die unendliche Tiefe des Gedankens in verschachtelten Sätzen konkretisiert zu sehen.

    Aber lassen wir das. Ich akzeptiere, dass du diesen verquasten Stil toll findest und vor allem nicht verbesserungswürdig.

    Von der ÄT habe ich ein bisschen was begriffen, sagen wir es so. Aber nicht durch die Lektüre des Originaltextes. Es ist halt Adornos peinliche Haltung zu Schreiben, die Sache mit dem gleichweit vom Mittelpunkt entfernt. Sowas wie die ÄT sollte ein didaktisches Moment haben. Für sowas gibt es Lektoren. Der von Adorno hat totalversagt. Diese Feststellung hat etwas sehr emanzipatorisches, merke ich gerade. Man sollte endlich aus dem verquasten Adorno einen relevanten machen. Und den Arsch mit einbauen. Vor allem: Schluss mit dem Epigonentum.

    Du pflegst einen unangnehmen Umgang mit Kritikern. Schnädelbach hatte ein Trauma, Mocho propagiert Juden als Täter und ich bin struktureller Nazi.

    Wo liegen die Gründe für dieses Verhalten?

    fragt besorgt
    genova

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  70. Bersarin schreibt:

    Die Qualität eines Textes bemißt sich in der Sicht von Genova danach, was in den Kopf von ihm hineingeht bzw. was eben nicht hineingeht. Nicht inhaltliche Gesichtspunkte dienen als Kriterium für die Qualität, sondern die Befindlichkeiten Genovas. Schon gar nicht kommt es ihm in den Sinn, daß einer Philosophie ihre Form nicht äußerlich ist. Sind gar die Sätze kompliziert, weil es auch der Sachverhalt ist, setzt die Abwehr ein.

    Genova, Du kritisierst etwas und kennst den Text nicht einmal, den Du kritisierst. Er ist Dir zu schwer geschrieben und deshalb kann Adorno also nicht schreiben, so trompetest Du, kannst aber nur Deine eigene Nicht-Lesefähigkeit als Kriterium dafür angeben. Daß jemand Schachtelsätze schreibt, reicht nicht aus, um einen Text zu disqualifizieren, zumal es nicht unbedingt am Satz liegen muß, weshalb das Begreifen mißlingt. Du solltest zunächst verstehen, was in einem Text steht. Du bist ohne Unterlaß am Urteilen über einen Text, den Du nie gelesen hast. Wenn ich Dir dann die Chance gebe, einen doch relativ einfachen Satz aus diesem Text besser zu schreiben, ihn einfacher zu formulieren, ohne daß er inhaltlich an Komplexität verliert oder anhand dieses Satzes sein unverständliches Moment uns darzulegen, nimmst Du diese Chance nicht wahr und kommst plötzlich mit Windrädern. Du wirfst in Deinen Vergleichen Dimensionen durcheinander, die nicht auf derselben Ebene liegen. Ich denke, es hat eher der Wind Dir im Kopf einiges herausgeblasen. Wo bei Kant Sinnlichkeit und Verstand korrespondieren, da hat der Herrgott bei Genova ein großes Windradloch gesetzt. Oder eben Kopf-Flatulenzen.

    Du ergehst Dich in Behauptungen und das auf dem Niveau des aufstampfenden Wichtelchens: „Ich will aber einen einfachen Text vorgesetzt bekommen, der mir keine Mühe beim Lesen bereitet. Und er soll auch didaktisch sein.“ Regressive Konsumhaltung. In etwas so als wenn der Bild-„Zeitungs“-Leser über die Qualität der FAZ urteilt: die FAZ schreibt so unverständlich und benutzt sogar Fremdwörter. Nein, sowas. Dürfen die das? Weil Du einen Text nicht erfassen kannst, ist er also schlecht geschrieben. Genova, kompensiere Deine Faulheit woanders. Nimm dazu bitte nicht Adorno, geh zum Fußball oder lies Philosophie als Comicdarstellung! Das ist didaktisch. Es ist derart traurig, daß Du Dich am besten zu Adorno nicht weiter äußerst. In hinreichender Kompetenz hattest Du Dich damals bereits über Kleists Schreibstil ausgelassen. Alle Autoren, die Genova nicht versteht, können nicht schreiben. Der beschränkte Verstand ist jedoch nicht das Maß der Dinge, um Aussagen über einen Text zu machen, sondern es ist der Text selber.

    Ob El_Mocho ein Nazi ist, weiß ich nicht, vermutlich nicht. Ich weiß nur, daß er in der Manier der NPD und der Jungen Freiheit argumentiert, wenn er Adorno Herumjammern nach Auschwitz attestiert und das eine jüdische Opfer (Améry) gegen das andere (Adorno) ausspielt. Zudem, weil Genova nie richtig liest und immerzu alles durcheinander bringt: Ich habe nicht formuliert, daß Schnädelbachs Adorno-Kritik deshalb mißlungen ist, weil er ein Adorno-Trauma habe, sondern vielmehr handelt es sich um zweierlei:Vielmehr schrieb ich, daß die Kritik von Schnädelbach – anders als die von Dir und El_Mocho – durchaus ernstzunehmen sei und es sich lohne mit ihr auseinanderzusetzen. Auch hier verdrehst Du wieder einmal Sachverhalte und erzeugst einen Kontext, den ich so nie schrieb. Wie so häufig. Du kannst weder lesen noch zuhören.

    Vielleich mag ja jemand für Genova Adornos Philosophie in ein Pfeildiagramm bringen. Aber bitte dabei keine gebogene oder geschwungenen, gar abknickende Pfeile verwenden. Die könnte Genova als zu verschachtelt und als zu kompliziert auslegen.

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  71. Chinook schreibt:

    „Wenn die Relevanzforderungen, Chinook, in die Richtung einer Aufforderung nach kritischem Gehalt geht, nach weniger Elfenbeinturm, dann könnte ich damit etwas anfangen.“

    Ich persönlich sehe die Frage nach dem Nutzen/der Relevanz durchaus verknüpft mit einem „Öffnen“ des Elfenbeinturms. Auch damit, wie und in welcher Form man phlosophische Erkenntnisse dann vermittelt und versucht diese außerhalb des philosophischen Establishments einzubringen. Ich hatte mich vor 1,2 Jahren ein sehr interessantes Gespräch mit einem jüngeren Philosophiedozenten, welcher selbst eine elitäre Ausrichtung und Abgeschlossenheit kritisierte. Im selben Atemzug jedoch bemängelte, daß die akad. Philosophie immer weniger überhaupt öffentlich wahrgenommen wird und zunehmend geringgeschätzt werde. Ich erwiderte daraufhin, daß es Philosophen doch freistehe sich Gedanken darüber zu machen, wie man sich in verschiedenen Bereichen einbringen könne. Themen zu behandeln, die von allgemeinerem Interesse sind, neue Wege und Ausdrucksformen zu finden diese breiter zu vermitteln.
    Meiner Ansicht nach hat das alles nichts mit Drittmitteln zu tun. Eher schon damit, daß eine ganze Menge Leute in dieser Disziplin (und auch in anderen) genau das machen was sie wirklich machen wollen – und auf genau die Art und Weise, die sie für intellektuell anspruchsvoll genug und deshalb alternativlos halten. Was dann eben dazu führt, daß sie irgendeinen Nutzen/irgendeine Relevanz klar gar nicht mehr benennen können, oder einen Konstruieren und sich beleidigt abwenden, wenn den niemand außerhalb ihrer Kreise sieht.
    Insofern sehe ich in der Frage nach Nutzen/Relevanz einen hilfreichen Schritt, einen solchen zu finden und in dessen Sinn zu agieren. Analog dazu beispielsweise die eigen Beschwerden im Bereich klassicher Musik engagierter Personen, daß zunehmend weniger Personen diese Musik höhren, sie aber so wichtig sei. Auf die Frage für wen genau, folgt dann oft die übliche Argumentationskette. Wenn andere Vermittlungsformen, für ein auch im Lauf der Zeit sich veränderndes Publikum in die Diskussion eingebracht werden, ist das entweder Majestätsbeleidigung und Abkehr von der reinen Lehre, oder wird gar als Überlegenswert, jedoch im Grunde für die Handelnden uninteressant abgelehnt.
    Beides geht nicht: Einerseits Beschäftigung mit für die Allgemeinheit uninteressanten Themen, oder Beschränkung auf für die Allgemeinheit uninteressante Vermittlungs-/Ausdrucksformen – andererseits gleichzeitig das Jammern darüber, daß das eigene Tun außerhalb kleiner Kreise niemanden interessiert und darüber, daß man immer weniger alimentiert wird, weil auch dier Nutzen allgemein immer weniger gesehen wird (was damit zu tun hat, daß es für immer weniger Menschen einen hat).

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  72. genova68 schreibt:

    Ja, Bersarin, wir alle wissen schon länger, dass ich dumm und faul bin.

    Interessant ist das, was du schreibst, in erster Linie aus psychologischer Sicht: Die Instrumentalisierung von jemandem wie Adorno, um von der eigenen Aggressivität abzulenken. Läuft bei Nörgler ähnlich.

    Nur ein Beispiel, ein nettes, weil überschaubar. Hier kommt deine Art des Argumentierens besonders schön heraus:

    Ich schrieb:

    Du pflegst einen unangnehmen Umgang mit Kritikern. Schnädelbach hatte ein Trauma, Mocho propagiert Juden als Täter und ich bin struktureller Nazi.

    Du darauf:

    Ich habe nicht formuliert, daß Schnädelbachs Adorno-Kritik deshalb mißlungen ist, weil er ein Adorno-Trauma habe

    Na, schauen wir uns doch an, was du hier im Thread kurz zuvor zu Schnädelbach geschrieben hast:

    Schnädelbach arbeitet sich da an seinem Adorno-Hegel-Trauma ab. Er hat einige Aufsätze zu Adorno geschrieben. Ex negativo gelesen ganz interessant. Im Gegensatz zur äußerlichen Kritik eines EL_Mocho lohnt es in der Tat, sich mit seinen Positionen auseinanderzusetzen. Wie geschrieben: Ich mache bei mir drüben demnächst mein privates Adorno-Seminar zur Kritischen Theorie. (Frau Wunder wird sich bestimmt freuen und meine Texte begierig einsaugen, wie’s Kind die Muttermilch.)

    Ich erwähnte Schnädelbach, weil er zu denen gehört, die Philosophie durchaus mit Inhalten zu füllen wissen. Seine Positionen teile ich allerdings nicht. Im Gegenteil. Dennoch begreift man etwas von der Bedeutung der Philosophie, wenn man ihm zuhört und wenn man ihn liest. Mittlerweile verschreibt er sich wohl mehr einer sprachphilosophisch-pragmatischen Philosophie. (Hier im Thread, 25.8, 17.48 Uhr)

    Du, Bersarin, hast zum Thema Schnädelbach-Adorno also exakt zwei Aussagen getroffen:

    1. Schnädebach hat ein Adorno-Trauma.
    2. Schnädelbachs Aufsätze zu Adorno sind ex negativo interessant.

    Die erste Aussage ist nachvollziehbar, inhaltlich nicht belegt, und massiv wertend. Jemand mit einem Trauma ist generell nur noch sehr eingeschränkt, wenn überhaupt in der Lage, ernsthafte intellektuelle Arbeit zu leisten. Die zweite Aussage ist annehmbar, aber banal, denn ex negativo ist ziemlich viel interessant, unter anderem „Mein Kampf“ oder die 2013er Rezeption von 1970er Ausgaben des „ZDF-Magazins“ mit Löwenthal. Deine weiteren Aussagen zu Schnädelbach sind ebenfalls banal, Politikerdeutsch, geschenkt.

    Also, was bleibt: Schnädelbach hatte ein Trauma in Bezug auf Adorno, deshalb ist er intellektuell in Bezug auf Adorno nur ernstzunehmen, wenn man ihn gegen ihn liest, ihn also entlarvt.

    Wie soll der geneigte Leser deiner Zeilen denn auf die Idee kommen, seine Beschäftigung mit Adorno und seine Ablehnung der Philosophie Adornos habe nichts mit seinem Adorno-Trauma zu tun?

    Alles, was du im Nachhinein in deine Zeilen hineininterpretierst, steht da nicht. Du darfst dich aber gerne korrigieren.

    So langsam reizt es mich wirklich, ein paar Zeilen zur Psychologie deines Verhaltens zu verfassen. Du verteidigst die Kritische Theorie exakt mit den Mitteln, die sie austreiben wollte. Alleine schon die Meinung, durch ein paar Adorno-Zitate könne man objektiv klären, ob ein Stil verquast sei oder nicht. Es hat etwas positivistisches. Oder: Man darf Adornos Stil nur kritisieren, wenn man die kritisierten Textstellen selbst besser formulieren kann. Allgemein: Wer kritisiert, muss es selbst besser machen können. Wahnsinn. Und so einer argumentiert mit der Kritischen Theorie, ich glaube es einfach nicht. Ein aggressiver Charakter versucht sich in Bändigung durch den Bezug auf Adorno. Hat was von Antifa.

    Deine Hauptaussage aus diesem monatelangen Gebrabbel: „Wer etwas kritisiert, was ich gut finde, ist blöd, denn das darf er nicht. Den trete ich weg. Und dazu ist mir jedes Mittel recht.“

    Alles andere ist Ornament.

    Wäre schön, wenn du aus deinem Wahn demnächst aufwachst. Ich glaube nach wie vor, dass du ein fittes Bürschchen bist :-) Du hast nur irgendwo die falsche Ausfahrt genommen.

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  73. Bersarin schreibt:

    Gerne korrigiere ich Dich, Genova. Du machst es mir damit allerdings auch leicht.

    „Also, was bleibt: Schnädelbach hatte ein Trauma in Bezug auf Adorno, deshalb ist er intellektuell in Bezug auf Adorno nur ernstzunehmen, wenn man ihn gegen ihn liest, ihn also entlarvt.“

    Das „deshalb“ dichtest Du in Deiner „Zusammenfassung“ in meinen Text hinein. Und wieder entsteht ein Zusammenhang, der so nie dastand. Das eine hat nämlich deshalb mit dem anderen nichts zu schaffen, weil es sich bei ersterer Aussage um eine solche handelt, die direkt mit der Person (bzw. mit biographischen Umständen) zu tun hat (wobei ich Trauma im übertragenden Sinne gebrauchte), während es im zweiten Satz um Texte von Schnädelbach geht. Wer sich ein wenig mit Satzzeichen auskennt – Kleistlektüre schult da ungemein –, wird wissen, daß der Punkt eine trennende Funktion hat. „Herr X besitzt einen schwarzen Füllfederhalter. Er schreibt ein Buch.“ ist etwas anderes als „Herr X besitzt einen schwarzen Füllfederhalter, deshalb schreibt er ein Buch.“ Und nun wenden wir, ganz Pfeildiagrammmäßig diesen Sachverhalt auf jene Sätze an, die ich schrieb.

    Daß Dir die zweite Aussage in bezug auf Schnädelbach als banal erscheint, verwundert mich nicht. Gerne präsentiere ich Dir aber neben dem Formalen, die inhaltlichen Details, weshalb ich die Adorno- und Hegelkritik von Schnädelbach für interessant, aber falsch halte. (und zwar unabhängig von biographischen Details, die für die Lektüre eines Textes nebenrangig sind.) Vielleicht geht es in Deinen Kopf hinein: Kritik wird nicht mundtot gemacht, aber sie muß angemessen sein und sollte nicht auf dem Schluffi-Niveau des Nicht-Lesers auftrumpfen. (Und damit Du es nicht vermengst, denn ich muß bei Dir in einfachen Sätzen schreiben: Ich meinte damit nicht Schnädelbach, sondern andere.)

    _______________

    Zum Nutzen der Philosophie: der Nutzen der Philosophie ist es, unmittelbar keinen Nutzen zu haben.

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  74. genova68 schreibt:

    Das „deshalb“ nennt man Subtext. Und du hast das genau so gemeint, wie ich es schreibe. Bleib bitte ehrlich, Bersarin, oder werde es.

    Es ist wirklich geil, was hier im Namen Adornos und der Kritischen Theorie so alles behauptet wird.

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  75. Bersarin schreibt:

    Aha, das „deshalb“ ist also Subtext. Nicht die Satzkonstruktion und die Satzzeichen zeigen den Sinn an, sondern die Bestimmungen des Genova. Die Schranktassendiebe waren bei Dir nicht zufällig in der Wohnung? Wobei: sie dürften da nicht viel gefunden haben.

    Was Du zu diesem Satz nun meinst, ist Dein persönliches Problem und sagt mehr über Dich als über den Satz aus. Mittlerweile begreife ich allerdings, weshalb in Deiner Lese-Logik Adornos Texte Dir als zu verschwurbelt erscheinen. Wenn wir uns dann auf die Suche nach dem großen Schwurbel machen, kann es freilich passieren, daß wir ihn nicht unbedingt im Text von Adorno entdecken werden. Wo er wohl sitzen mag, der alte Schwurbel?

    Halten wir abschließend die Resultate von Genovas Beschäftigung mit Adorno fest: Adorno konnte nicht mit dem Arsch wackeln, er konnte nicht schreiben, Adorno benötigte einen Lektor, er schrieb bewußt kompliziert (was er vermutlich tat, um Leser wie Dich oder El_Mocho fernzuhalten.) Ich hoffe sehr, Du bemißt den Text Hegels nicht daran, daß dieser nicht mit den Ohren wackeln konnte. Sonst gnade der Hegelschen Philosophie Gott, wenn erst der Genova mit seinen Ohrenwackelkünsten kommt.

    Genova, Du stemmst Gewichte, die für Dich zu schwer sind! Bleib bei dem, was Du bisher gemacht hast. Da tust Du doch einen ordentlichen Job! Es ist nun einmal in diesem Leben nicht alles für jeden gemacht. Sei darüber nicht traurig. Du nennst es Einschränkung, wir sagen dazu Arbeitsteilung.

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  76. genova68 schreibt:

    wau wau!

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  77. Chinook schreibt:

    „Zum Nutzen der Philosophie: der Nutzen der Philosophie ist es, unmittelbar keinen Nutzen zu haben.“

    Naja, einen Nutzen daraus abzuleiten, dass kein unmittelbarer Nutzen besteht ist in sich doch nicht wirklich schlüssig. Das implizierte in Konsequenz ja fast, daß ein mittelbarer Nutzen vorliegt, der auf unmittelbarer Nutzlosigkeit „beruht“ und sich aus dieser speist.
    Also sehen Sie in der Disziplin Philosophie einen mittelbaren Nutzen? Wenn Sie weder mittelbar, noch unmittelbar einen Nutzen sähen, dann bleibt da an nützlichem noch über?

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