Eine konkrete Auswirkung neoliberaler Politik in Berlin

Nur mal, um zu zeigen, wie sich neoliberale Politik konkret auswirkt:

Wegen akutem Personalmangel ist die Bibliothek Tiergarten-Süd ab 08.04.2013 bis auf weiteres nur dienstags und donnerstags von 13.00-18.00 Uhr geöffnet.

Der akute Personalmangel existiert seit 8. April und „bis auf weiteres“. Die Bibliothekt Tiergarten-Süd ist rechnerisch sicher für einige zigtausend oder gar für hundertausend Menschen zuständig.

So läuft das in Berlin und in der Wissensgesellschaft. Der akute Personalmangel ist offenbar nicht akut, sondern dauerhaft. Die neoliberalen Zumutungen ebenfalls. Wichtiger ist der herrschenden Klasse von Berlin, über den Neubau einer zentralen Bibliothek auf dem Tempelhofer Feld zu schwadronieren. Wer die wozu braucht, hat sich mir noch nicht erschlossen. Aber wahrscheinlich wird die wegen akuten Personalmangels eh nie öffnen.

Dazu passen die bekannten OECD-Zahlen, wonach Deutschland nur etwa halb so viel Geld für Bildung ausgibt wie skandinavische und viele andere Länder und auch deutlich weniger als der Durchschnitt der OECD und das gerade Arbeiterkinder immer weniger Aufstiegschancen haben (aus dem Gedächtnis zitiert). Die Sozialstruktur im Umfeld der Bibliothek Tiergarten-Süd könnte man ja dahingehend untersuchen.

Eigentlich ganz nett, dass man die praktischen Auswirkungen von Politik einmal hautnah erlebt.

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3 Antworten zu Eine konkrete Auswirkung neoliberaler Politik in Berlin

  1. drbruddler schreibt:

    Egal, wo sie hinschauen werden, es immer nur Schein und sehr wenig sein.
    Und niemand traut sich wirklich dazu etwas zu sagen, denn es wird ihm wie allen gehen, die sich das trauen.

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  2. Die einzig senkrechte antwort auf personalmangel wäre doch eigentlich, leute einzustellen, bis ausreichend personal vorhanden ist.

    Aber dann passiert es wie vor einigen jahren in Hessen, ich glaube es war in Wiesbaden. Da wurde die bibliothek dichtgemacht. Als der bibliothekar nach einiger zeit h4 bekam, wurde er ganz sozial in den arbeitsmarkt integriert: er durfte als 1€jobber auf seinen alten arbeitsplatz zurück. Zwei jahre lang. Allerdings hat der geklagt und gewonnen, die mußten ihm den lohn nachzahlen.

    Das mit der planung der zentralen bibliothek auf dem Tempelhofer Feld muß einen auch nicht groß wundern. Es soll eben für besucher aus dem Schwabenlande so aussehen, als würde in Berlin mächtig was für bildung und kultur getan. Daß hier in den letzten jahren eine ganze reihe bibliotheken plattgemacht wurden, hat der für gewöhnlich ja nicht mitbekommen.

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  3. Garfield schreibt:

    «er durfte als 1€jobber auf seinen alten arbeitsplatz zurück»

    der 1-€-Job ist noch viel „genialer“ als Zeitarbeit…

    für die Profiteure jedenfalls, die „gemeinnützigen“ GmbHs – für die Staatskasse allerdings ein teures Spiel.

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